Beiträge von Orlando

    Hallo Ette,

    ja, das konnte ich und in mir ist im Moment vieles aufgebrochen und im Umbruch, aber positiv, stärkend und klärend. Ich bin immer ein wenig auf der Hut hier von mir zuviel Preis zu geben, es ist ein öffentlicher Raum.

    Aber ich fühle ganz deutlich, dass ich endlich wieder zu mir komme. Der Auslöser meiner Krise, war meine eigene Krebserkrankung und es ist bestimmt kein Zufall gewesen, dass ich in einer der schwächsten Phasen meines Lebens halt an mir vertrauten Muster suchte. Und nun, je mehr ich wieder zu mir komme und erstarke kommt auch Bewegung in diese kranke Beziehung. Und ich sehe darin eine Chance für mich, für ihn und für uns.. . .

    Leider hatte ich nur das soziale Atom mit Figürchen aufgestellt. Doch ich habe mich bereits für ein Psychodramaseminar angemeldet. Ich will die anstehenden Thmen für mich auf der Bühne ausspielen. Es ist ein Verfahren, das mir sehr gut tut, denn in Gesprächen bleibe ich viel zu kontrolliert.

    einen schönen 4. Advent
    Orlando

    Zitat von Ette

    Guten Morgen,

    ich hasse diese Weihnachtsfeiern! Aufgesetzte Harmonie und die Legitimation, hemmungslos dem Konsum zu frönen. Schließlich müssen wir ja Geschenke machen. Allerdings – Marzipankartoffeln und Nusskekse, die kann ich gut haben.
    Ette

    Ja, wenn Weihnachten eine kommerzielle Pflicht ist, finde ich es auch furchtbar. Ich mag beispielsweise oft nicht auf die vielen Betriebsfeiern gehen, da ich bis November diesen Jahres für 3 Standorte eines großen Unternehmens zuständig war, hatte ich immer drei davon. Doch wenn ich ehrlich bin, nachdem ich mich dann pflichtbewusst aufgerafft hatte, war es doch auch immer schön und oft lustig. Man kam immer einmal dem ein oder der anderen Kollegin näher, erlebte sich mal ausgelassen und von der privaten Seite.

    Ansonsten ist Weihnachten für mich ein Familienfest und eine schöne Tradition. Wir haben feste Rituale, die ich zum Teil von meinen Eltern übernahm und die heute meine Kinder einfordern. So wird der Baum erst am 24. geschmückt und die Kinder sehen ihn erst kurz vor der Bescherung. dieses Jahr schmückt ihn mir eine moslimische Nachbarin, während wir in der Kirche sind. Es gibt auch immer Fondue und erst am 1. Weihnachtstag einen Braten.
    Normalerweise gehen wir nicht in die Kirche, doch dieses jahr spielt meine Jüngste die Maria. Sie wollte unbedingt in eine Theatergruppe und das Krippenspiel ist für sie ihre erste Erfahrung. Danach werden wir weiter sehen. Mein Sohn kommt auch aus Bonn angereist.
    Auch zögere ich traditionell die Bescherung hinaus, indem ich eine Geschichte vorlese oder die Kinder etwas aufsagen, singen oder vorlesen. Selbst mit 22 Jahren spielt mein Sohn noch mit. Nach der Bescherung machen wir einen Nachtspaziergang. Dieses Jahr geht es in unseren Garten und dies vor der Bescherung. Dort werden wir Leuchtlaternen steigen lassen. Und, wie bei Pipi langstrumpf, werden die Geschenke im (Apfel)baum hängen. (das machen die Gartennachbarn für mich, die auch im Winter in ihrer Laube leben) Ich freue mich darauf. Früher war immer mein Vater und meine Schwester oder Nachbarn mit bei der Weihnachtsfeier. Dieses Jahr werden wir unter uns sein. aber am 25, kommen die neuen Freunde meiner Töchter, die Tochter meines Lebensgefährten und meine Nachbarin und am 27. fahren wir nach Bonn.

    Ich habe auch schon Weihnachten alleine gefeiert. Meine Kinder waren auf dem Reiterhof. Auch das war schön. Ganz ruhig und entspannt. Ich kochte mir ein leckeres Essen und genoß den Baum im Kerzenschein. Das ist eine weitere tradition. Grundsätzlich leuchten vom 24. - 26. Dezember Wachskerzen im Baum, erst danach setze ich eine Lichterkette. Für mich ist Weihnachten ein Familienfest, ein fest der Freude und der Gemütlichkeit. Ich schenke gerne, sowieso, das ganze Jahr hindurch. Aber Weihnachten ist es halt besonders spannend. Ein wenig Mystik und Zauber zelebrieren, auch wenn wir alle doch aufgeklärt sind, ist einfach schön.

    Mein Lebensgefährte hat sich der Feier eigentlich schon entzogen, als klar wurde, dass mein Sohn kommt. Er fühlt sich eh oft ausgeschlossen, von den Kindern und mir und als dann noch mein Sohn dazu kommen sollte, den ich nun 1 Jahr lang nicht sah, ist es ihm zuviel geworden. Hinzu kommt ja noch, dass wir vereinbarten, in Gemeinsamkeit kein Alkohol zu trinken, sein "Schutzmantel" also weg ist. Ich plante ihn dennoch bis zur letzten Aussprache gestern mit ein. Jetzt bin ich dankbar, dass er mit seinem Rückzug mir ein entspanntes und ruhiges Weihnachtsfest läßt und ich werde mich freuen, wenn wir es schaffen werden im nächsten Jahr gemeinsam feiern zu können. Er hat mir aber gestern bereits ein schönes Geschenk gemacht. Er hat verstanden, weshalb ich so empfindlich auf seinen Alkoholmißbrauch reagiere und wir machten für den 9. Januar einen Termin bei der Familienberatung. Das ist sehr sehr schön, denn unsere Patchworksituation ist sehr komplex und wenn wir so uns klären können ist dies ein Anfang. Darin steckt eine reale Chance für uns, auch mit Blick auf Alkohol- und Co-Abhängigkeit.

    Orlando

    Zitat von Orlando

    Ich unterstelle keinem Alkoholiker, dass er bewusst, absichtsvoll und zielstrebig so weit geht.

    und ich unterstelle keinem Co-Abhängigen, dass er sich bewusst, absichtsvoll und zielstrebig so weit mitgeht.

    Und jetzt gute Nacht, Orlando

    Zitat von dagmar007

    Für mich persönlich ist eine grobe Behandlung keine Wertschätzung und kein Respekt. Es ist eine Ausgeburt der Erkrankung, das sehe ich sehr wohl so, wer aber so weit geht "grob" zu werden scheint nicht mehr in der Lage zu sein in dem Moment "Wertschätzung" zu leben.

    Dagmar

    Da sind wir ähnlicher Meinung. Die Krankheit macht es unmöglich Wertschätzung zu leben. Es ist ein Symptom der Krankheit. Wäre die Person gesund, würde sie sich anders verhalten können und auch wollen!

    Das heißt aber doch noch lange nicht, dass ich es immer wieder zulasse, dass mich ein kranker Mensch verletzt. Ich muss Vorkehrungen treffen, um mich zu schützen. Wie sehr schätze ich mich selbst wert, wenn ich mich immer wieder solcher Grobheit aussetzte?

    Und vielleicht ist es doch auch wichtig den Begriff Grobheit auseinander zu klamüsern. Ich spreche hier von unerwünschten Knutschflecken. Die waren schlimm für mich und ich fühlte mich damit gebranntmarkt und ich schütze mich und lasse das nicht weiterhin zu. Du sprichst von Familiendramen. Da assoziere ich Frauen mit blaugeschlagenen Gesichtern und Kinder die verängsigt in einer Ecke hocken und da frage ich mich unverständlich, wie könnte ich es zulassen, dass mir und meinen Kindern solches wiederholt angetan wird.

    Ich sehe es so:
    Ich bin verantwortlich für mich, für meine Kinder und für das Ausmaß des Leides, dass ich mir und ihnen im Zusammenleben mit einem schwerkranken Menschen zumute. Der Alkoholkranke ist verantwortlich, wenn er in den klaren Momenten nicht erkennt, welchen Schaden er im Suff anrichtet und keine Vorkehrungen trifft, dies zu unterlassen bzw zu verhindern.

    Es brach aus mir heraus. Was für eine schreckliche Angst ich um ihn und um uns habe, wie scheiß weh es tut hilflos mit ansehen zu müssen, wenn ein geliebter und sehr wertgeschätzter Mensch sich krank, einsam und schließlich tod säuft. . . wie sehr er mich an meinen Vater erinnert und wie traurig mich das alles macht.

    Wir haben keine Perspektive, wenn er die Sucht nicht angeht. Das war ganz plastisch vor unseren Augen, voller Traurigkeit und ohne jeden Vorwurf.

    Ich bin erleichtert. Und ich bin voller Kraft und Zuversicht.

    Orlando

    Zitat von S.Käferchen

    ... Genauso schreibst Du. Es geht Dir angeblich darum, daß Du es Dir gemütlich machen willst. Kenn ich alles. Und mit welchem Ergebnis?
    ---
    Orlando, was glaubst Du, wie lange kann ein Mensch sich selbst betrügen?
    ---
    Du betrügst Dich selbst! Auch, wenn Du noch nicht so weit bist, dies zu erkennen, muß ich dazu sagen, ...
    Lieben Gruß

    S.Käferchen [Blockierte Grafik: https://beispiel.rocks/beispiel.rocks/www.cosgan.de/images/smilie/tiere/k025.gif]

    Hallo S.Käferchen,

    mir geht es nicht a n g e b l i ch um etwas. Ich darf mich bitte von dieser Aussage abgrenzen.
    Und ich betrüge mich ganz bestimmt nicht selbst, bin auch nicht uneinsichtig. Da darf ich mich doch bitte auch von Deinen Worten abgrenzen.

    Alles in allem spühre ich, dass Du mir beistehen magst und dafür danke ich Dir sehr. Ich lese Deine Worte und die der anderen aufmerksam und fühle nach, was sie in mir auslösen und weshalb. Bei allem, was ich hier schreibe, bin ich bei mir bzw auf der Suche in mir.

    Orlando

    Hallo Ihr Lieben,

    es sind nur wenige Tage vergangen, seit ich zuletzt schrieb, doch es hat sich so viel in mir verändert. Endlich bin ich wieder bei mir, weiß wieder wer ich bin, was ich will und was mir gut tut. Das ist ein schönes befreiendes Gefühl. Die Nebel, von denen ich mich umgeben fühlte sind verschwunden.

    Der erste Auslöser oder Anstoß zu meiner wiedergewonnenen Klarheit, war die Aufstellung meines sozialen und emotionalen Atoms (Systemische Beratung/Psychodrama). Ich erkannte für mich, dass ich in dem vergangenen Jahr mit ihm meine mich existenziell bedrohenden Themen, die durch den Umzug in ein anderes Bundesland und der Diagnose meiner Krankheit aufgeworfen wurden, ausblendete und verdrängte. Ich begab mich in coabhängige Verhaltensweisen, indem ich mich selbst verleugnete, mir selbst misstraute, für eine Versagerin hielt und mich nur nach ihm zu orientieren versuchte, bis der Druck zu groß für mich wurde. Als die Situation in unserer Beziehung eskalierte, weil ich ihn wegen seines Trinkens unter Druck setzte, fühlte ich mich klein und schwach und hatte Angst, nicht fähig zu sein, mein Leben selbst zu bewältigen.

    Mittlerweile las ich nicht nur hier im Forum, sondern auch in Flyern und Büchern und erkannte für mich, dass die Aussage, "er liebt Dich nicht, wenn er weitertrinkt" falsch ist.

    Ich nahm wieder Kontakt zu meiner Familie und meinen Freunden auf, die sich alle sehr freuten. Sie hatten mich vermisst. Ich sprach offen über meine Situation und erhielt Unterstützung, Verständnis und Klärungshilfe.

    Er ist immer noch weg und bisher sagte er mir weder, wo er ist, noch wann er wieder kommt. Er schweigt einfach und ich tat es zum ersten Mal auch, bis heute Morgen.

    Gestern traf ich für mich wichtige Entscheidungen, wie ich meinen Geburtstag, Weihnachten und auch das neue Jahr verbringen will sowie, wie ich mit oder ohne ihn weiter leben will.

    Alles teilte ich ihm mit. Was die Feiertage angeht, habe ich es ihm offen gelassen, ob er teilnehmen mag oder nicht. Ich würde mich über ihn freuen.

    Bezüglich seines Trinkens, teilte ich ihm mit, dass ich diesen Teil seines Lebens, der ihm ja, nach seinen Aussagen, Lebensqualität, bedeutet, nicht mit ihm teilen werde. Das heißt, wie bisher, werde ich mich entfehrnen und ihm nichts abnehmen, wenn er trinken will. Das nimmt er mir im Moment noch sehr übel, aber okay. Damit kann ich gut leben.
    Wenn er ernsthaft aufhören möchte, werde ich ihn unterstützen, soweit er will und ich kann.

    Prompt bekam ich dann auch Antwort. Im Moment spielt er noch das alte Spiel und erkennt noch nicht, dass ich etwas grundlegend verändert habe, wie denn auch, ist ja erst der Beginn:

    Es war bisher das typische Muster zwischen uns: Etwas an meinem Verhalten nahm er zum Anlass abzutauchen und sich zu besaufen, also Ich war schuld. Ich lief ihm hinterher, lenkte ein, wir sprachen drüber und alles lief wie gewohnt weiter, bis zum nächsten mal.... und jetzt nahm ich ja auch wieder den Faden auf.

    Er verstand gar nicht, was ich ihm alles mitgeteilt habe, sondern begann gleich wieder mit den Schuldzuweisungen, und dass ich ihn nicht achten würde... und ich ihm nun auch endgültig egal sei...

    und ich bat ihn, einfach in Ruhe über alles nachzudenken. Er hat alle Zeit der Welt, sich zu entscheiden und wenn er mich dann an seiner Seite haben will, bin ich gerne für ihn da, wenn nicht mehr als Frau, so doch als Freundin. Bis dahin und auch darüber hinaus nehme ich wieder mein Leben für mich selbst in die Hand. Er hatte es mir ja auch gar nicht abgenommen oder mich entlastet, wie denn auch. Ich bin gar nicht böse, oder enttäuscht, sondern klar. Mache nun, was ich mir vorgenommen habe und irgendwann wird er mir was mitteilen. Dann werde ich weiter sehen, ob und wie wir zusammen weitergehen können.

    Ich freue mich über die neue alte Kraft in mir und kann auch gut mit meiner Traurigkeit umgehen. Die Entscheidung liegt nun bei ihm und egal, was er tun wird, ich kann es annehmen und damit umgehen. Das ist ein gutes Gefühl.

    Bei uns / in unserer Beziehung wird sich jetzt ganz viel ändern, denn ich habe mich verändert. Die alten "Spiele" funktionieren nicht mehr. Der ganze Druck ist von mir abgefallen, meine Ängste sind klein geworden. Ich bin endlich wieder bei mir.

    Das lesen hier im Forum und die reaktionen auf meine Beiträge haben mich unterstützt und werden dies auch sicherlich weiter tun, in meiner Selbstreflexion. Schade finde ich, dass hier so schnell Diagnosen und Handlungsempfehlungen ausgesprochen werden. Mir tat es insoweit gut, dass ich mich davon abgrenzte und erkannte, dass dieses nicht meine Lösungen sind.

    Wenn mein Partner im Suff grob zu mir ist, bedeutet es nicht, dass er mich nicht wertschätzt. Wenn er das Trinken nicht aufgeben kann, heißt es nicht, dass er mich nicht liebt. Es sind Symptome der Krankheit. Das ist mir ganz klar geworden, aber auch, dass ich dass dennoch nicht alles zulassen muss. Ich habe mich da selbst nicht wert geschätzt und meine Grenzen geschützt. Das sind meine Symptome.

    Bei allem erfahrenen Leid, bin ich froh, dass ich das nun alles für mich erkannt habe und wieder handlungsfähig bin. Ich habe mich gelöst ohne abzustürzen und ich bin zuversichtlich, dass auch er die Stärke hat, sein Leben in die Hand zu nehmen. Er ist ein guter Mann, der sich verirrt hat. Das ist menschlich.

    orlando

    Zitat von Frozen Tears


    Doch habe ich mich auch schon dabie erwischt, wie ich diesen sonst so abartigen Geruch manchmal als so etwas mir vertrautes wahrnehme, mich so heimisch fühle. Vater an der Seite rieche und inahlliere wie ein Herrenparfum.
    Das ist krank, finde ich. Aber in mir vorhanden.


    Danke frozen tears! Diese Aussage schenkte mir eine weitreichende Erkenntnis über mich: Mein Vater trinkt auch in meinen Augen viel zu viel. Meiner Meinung nach ist er ein Qurtalssäufer und einer, der, wenn er trinkt, den Alkohol nicht stehen lassen kann. Als sich meine Eltern trennten, ging ich mit ihm. Er war mir ein guter Vater, war für mich da und unterstützte mich sein Leben lang. Als ich ganz schwach und hilflos war und Unterstützung brauchte, bot sich mir mein Lebensgefährte an. Er erinnerte mich sofort an meinem Vater und ich dachte, das sei ein gutes Zeichen. Und jetzt kann ich mit ihm nicht umgehen.

    Orlando

    Als ich Samstag hier schrieb, hatte es zur Folge, dass ich eine Stunde später, als verabredet, zu ihm in den Garten kam. Berechtigter Weise war er verärgert. Leider löste er den Konflikt, indem er zum Bier griff und mir dann sagte, ich sei ja diejenige, die jetzt nicht mehr bei ihm sein wolle.

    So fuhr ich nach Hause und entschuldigte mich nochmals via sms, weil ich ihn einfach warten ließ. Das nahm er zunächst auch an.

    Dann allerdings entschied er, dass ich Sonntag nicht gegen 11:00 Uhr kommen solle, es war ihm noch zu früh. Er hielt fest, dass es sich für mich ab 13:00 Uhr nicht mehr lohnen würde zu ihm zu kommen, weil ich ja um 17:00 Uhr zu einer Weihnachtsfeier wolle, die mir wichtiger sei, als er. Er würde abends einfach nach Hause kommen und ich habe dann Montag Morgen für ihn um 8:00 Uhr den Schornsteinfeger zu empfangen!!!

    Erst am nächsten Morgen gegen 10:00 Uhr reagierte ich auf seine sms, teilte ihm mit, dass es schade sei, dass wir uns nun auch am Sonntag den ganzen tag über nicht sehen würden, ich von der Feier sicherlich sehr müde sein werde und deshalb in meiner Wohnung schlafen würde und ihm den Schornsteinfeger nicht abnehmen könnte. "das würde er mir nie verzeihen, dass ich ihn so hängen ließe!" und er würde sich jetzt nur noch auf seine Arbeit konzentrieren. Seither schweigen und jetzt, als ich nach Hause kam, da war er weg. Die Heizung abgeschaltet, Strom ausgestellt, die Wohnung kalt und leer, Notebooks weg, Hunde weg, Mann weg.

    Umgekehrt hatte ich bereits oben in der Zeitung nach einer neuen Wohnung gesucht und hatte mit meinen Kindern gesprochen, dass ich ihn wohl verlassen würde, weil wir gar keinen Weg mehr zueinander finden, seit ich nicht mehr bereit bin, sein Trinkverhalten und das damit verbundene Verhalten mir gegenüber zu tolerieren.

    Keine Ahnung, wie lange er weg bleibt und wie lange er schweigen wird. Ich werde dieses mal nicht wieder versuchen Kontakt aufzunehmen und einzulenken. Ich bin froh, dass es so ist, wie es ist. Er konzentriert sich jetzt auf sich und ich mich auf mich und meine Kinder. In mir ist Traurigkeit und Erleichterung. Vor einigen Monaten, waren solche und ähnliche Aktionen von ihm sehr bedrohlich für mich, weil ich mich ausser Stande sah, die Verantwortung für meine Kinder und mich alleine zu schultern, obwohl ich das ja seit deren Geburt schon immer getan hatte.
    Mittlerweile habe ich aber realisiert, dass er zwar da war, als ich durch die bisher größte Krise meines Lebens ging, dass ich allerdings meine Schritte alleine gemacht hatte. Ich bin ihm nichts schuldig, weder emotional, noch materiell. Im Gegenteil, ich zahle Miete für die Wohnung in seinem Haus, zahle den Bärenanteil in die Haushaltskasse, weil ich die Kinder mitbringe und habe mich an allen gemeinsamen Anschaffungen zur Hälfte beteiligt. Ich unterstütze ihn bei seiner demenzkranken Mutter, nehme ihm morgens die Hunde ab und habe ein offenes Ohr für seine Sorgen und Ängste. Ich habe diesen Mann sehr sehr gerne, vieles an ihm schätze ich. Ich sehe sein gutes Herz und erkenne auch, dass es möglicher Weise gerade auch seine Sensibilität ist, die dazu führte, dass er sich mittels Alkohol Entlastung sucht.
    Es war mein Fehler, dass ich mir zutraute damit umgehen zu können. Alkohol ist für mich ein ganz ganz rotes Tuch geworden.
    Noch sitze ich hier in unserer gemeinsamen Wohnung, die schön eingerichtet, aber so schercklich kalt ist, tot. Oben die Wohnung ist meistens im Chaos, so wie es früher immer war, bei den Kindern und mir, chaotisch, lebendig und freundlich. Ich habe eine Menge von ihm gelernt, das werde ich mitnehmen. Gleich gehe ich nach oben.

    Ziemlich genau vor einem Jahr hatte ich die Kinder in den Weihnachtsferien in unsere Heimatstadt reisen lassen und als sie zurück kamen, war der Umzug zu ihm abgewickelt. Sie werden über Silvester wieder verreisen, doch ich vermute, dass ich nicht so schnell eine passende Wohnung finde und den Umzug organisiert bekomme. Ich muss auch jetzt nicht hetzen, doch bis März/ April will ich es erledigt haben.

    Orlando

    Hallo Lilly12,

    was suche ich in diesem Forum und weshalb habe ich mir eine Beraterin gesucht? Ganz einfach. Um mir Klarheit über Alkoholssucht und auch Co-Abhängigkeit zu verschaffen.

    Und ja, ich mache es meinem Lebensgefährten bequem zu trinken. Es ist auch nicht meine Aufgabe es ihm unbequem zu machen. Meine Aufgabe ist es, mir mein Leben bequem und angenehm zu machen. Ich weiß, wie kostbar mein Leben ist, mehr, als Du mir das hier zutraust.

    Und ja, auch wenn ich mit ihm zusammen lebe, stehe ich auf meinen eigenen Beinen. Ich habe mein erwachsenenleben lang für mich und meine Kinder gesorgt und kann das mittlerweile auch weiterhin (das dies so schnell wieder klappte, verdanke ich u.a. auch ihm). Ich kann mich durch seine Unterstützung prima von einer schweren organischen Erkrankung und großen operativen Eingriffen erholen. Ich kann mir den Luxus leisten einen Job aufzugeben, weil er zu belastend für mich geworden war und mir nun in aller Ruhe eine für mich bessere Arbeit finden. Das ist sehr entlastend und positiv. Ich konnte in der Zeit, in der ich mit ihm zusammen lebe, mich wirtschaftlich stabilisieren, habe meine eigene Wohnung und bin auch weiterhin von ihm finanziell unabhängig. Er hat mir einen wunderschönen Garten geschenkt, in dem ich mich zurückziehen und verwirklichen kann. Das ist für mich ein wundervoller Rückzugsort. Darüber freue ich mich beispielsweise sehr. Vielleicht sollte ich noch mehr der schönen und uns verbindenden Dinge hier niederschreiben, anstatt, wie bisher über sein Trinkverhalten zu sinnieren. Und ja, das ist mir in den letzten Tagen auch bewusst geworden, was es denn noch alles gibt, neben dem Trinken. Und das gilt es für mich zu bewahren!

    Wenn ich nicht mit ihm leben wollte, müsste ich das nicht. Es ist meine bewusste Entscheidung. Und hier zu lesen und zu schreiben hilft mir auch, für mich klarer zu sehen, dass ich mit ihm leben möchte, in den Zeiten, in denen er nüchtern ist. Das praktiziere ich gerade auch.

    Es tut mir leid, wenn ich Dich mit meiner Art zu denken, verletze und/oder provoziere. Das ist nicht meine Absicht. Und natürlich denke ich über Deine Worte nach. Doch weder opfere ich mich auf, noch werfe ich mich weg. Eigentlich muss ich Dir böse sein, dass Du mich entwertest, indem Du Dich über mich stellst, und behauptest, Deine Vorstellungen seien wertvoller als meine. Eine jede von uns, so, wie sie kann, auf ihrem ihr eigenen Weg. Danke.


    Orlando

    Alles entspannt sich wieder und das ist angenehm.

    Es ist gut, dass ich das Thema Alkohol angesprochen habe und ihm nun in mehreren Gesprächen mitteilte, wie schlecht ich mich neben ihm fühle, wenn er trinkt und welche Sorgen ich mir auch um ihn mache. Zunächst führte es dazu, dass er noch mehr trank, einfach nur, um mir zu zeigen, dass er sich von mir nicht bevormunden lassen würde. Unsere Streitereien eskalierten und wir sahen uns nicht mehr, da einer von uns beiden immer auswanderte.

    Nun ist es gut damit.
    Wir stehen mitten in einem Problem und haben keine Lösung für uns.
    Ich habe für mich den ersten Schritt gemacht und mir professionelle Unterstützung an meine Seite geholt. Und ich gebe zu, mir fehlt die Einsicht krank zu sein. Ich bin in einer schwierigen Beziehungssituation und zeitweise emotional sehr verwirrt, aber nicht krank. Sorry.

    So wie mir, fehlt ihm auch die Einsicht krank zu sein. Deshalb wird er auch nichts ernsthaft gegen sein Trinken unternhemen. Ihm ist es wichtig, weil es ihm Entspannung bedeutet. Das respektiere ich, auch wenn ich anders denke.

    Ihm fällt es umgekehrt schwer nachzuvollziehen, dass es für mich ein einziger schwieriger Balanceakt neben ihm ist, wenn er getrunken hat, damit die Stimmung zwischen uns nicht kippt und er aggressiv wird. Schwer ist es für ihn, dass ich behaupte, es würde immer nur so lange gut gehen, so lange ich mich ganz mit meinen eigenen Wünschen und Bedürfnissen zurücknehme und mich nach ihm richten würde. Dass ich das aber nicht mehr wolle, weil ich mich damit selbst verletzen würde. Doch er hört mir zu und läßt es ebenfalls im Raum stehen.

    Wenn er jetzt trinkt, setze ich ihn nicht direkt vor die Tür oder verlasse verärgert die Wohnung. Doch ich sage ihm, dass wir den Abend getrennt verbringen werden, verabrede mit ihm noch den nächsten Tag und dann gehen wir auseinander... So kann es für mich jetzt auch ewig weiter gehen.

    Ich bin sehr froh, dass ich trotz aller Schwierigkeiten das Thema Alkohol angesprochen habe und ich bin froh, dass ich ihm in aller Deutlichkeit sagte, wie sehr ich mich verletzt fühlte. Auch bin ich froh, dass ich es bisher immer wieder schaffe in der Auseinandersetzung mit ihm bei mir zu bleiben. Ich verlasse die Situationen, in denen er trinkt, weil ich nicht damit umgehen kann und nicht, weil er dann zu einem schrecklichen Menschen mutiert.

    Er mag gar nicht gerne alleine sein. In unserer Beziehung ist er weit mehr als ich derjeneige, der nicht gerne alleine und auf sich selbst gestellt ist. Im Moment hat er eine dicke Nuss zu knacken, denn es gibt keine Abende mehr mit Frau und Alkohol. Mich gibt es nur noch schrecklich nüchtern ;)
    Und etwas haben wir gemeinsam, grundsätzlich wollen wir zusammen sein.

    Orlando

    Orlando

    Seit unserer Regelaufstellung sehen und hören wir uns so gut wie gar nicht mehr. Ich finde es deshalb gut, weil es nun so augenscheinlich ist, wie häufig er trinkt und wie alleine ich mit ihm bin ( und er wohl auch mit mir).

    Bis vor 3 Tagen ging dieses sich Trennen auch harmonisch über die Bühne, aber es ist ja auch erst frisch. Vorgestern klagte er wieder sehr über Depressionen, fühlte sich krank. Zudem hatte er über ein Woche seine Arbeit liegengelassen und es taten sich Probleme auf. Ich suchte ihm Informationen und Arztadressen bezüglich seiner Depris, Seminarangebote zum Zeit- und Selbstmanagement und "böse, böse" Informationen über Alkoholsucht sowie passende Adressen... er fand das unsensibel und grob, trank nun erst recht und läßt sich seit dem nicht mehr von mir "schikanieren". . .

    . . . und mich wühlt es nicht auf. Ich habe ihn nicht schikanieren wollen, respektiere aber, dass er es so empfindet. Seither provoziert er und manipuliert er, was das Zeug hält. Es ist unglaublich. Vorher hatte ich das nicht so gesehen und hatte mich verantwortlich gefühlt für seine Unzufriedenheit mit mir. Jetzt bleibe ich ruhg und gelassen und kümmere mich um mich:

    - Donnerstag habe ich den Termin bei der Suchtberaterin
    - Ich gehe wieder einmal monatlich zu einem beruflichen Erfahrungsaustausch und habe somit Kontakt zu mir bekannten Menschen aufgenommen.
    - auch Freunde oder Menschen die dies werden könnten, treffe ich wieder. Vor allem lasse ich mir nicht mehr den Kontakt zu den Menschen aus "meiner Heimat" verbieten.
    - ab Januar werde ich einen Tanzkurs belegen (beginnt da erst)
    - ich habe mir meinen Tagesablauf neu strukturiert, losgelöst von seinen Belangen und Wünschen und fokusiere meinen beruflichen Wiedereinstieg

    An allem kann er Anteil nehmen, wenn er möchte. Ich schließe ihn nicht aus. doch er zeigt wenig Interesse.
    Ich habe das Gefühl, dass ich mich von ihm wegbewege. Erstaunlicher Weise stimmt mich das nicht mehr so traurig und verzeifelt, wie noch vor einigen Tagen. Auch merke ich, dass sich überhaupt unsere Beziehung verändert, seit ich die Alkoholsucht nicht mehr verleugne. Alles fühlt sich dadurch anders an, erhält eine andere Gewichtung und Bedeutung. Das macht etwas mit mir. Ich zweifle nicht mehr so sehr an mir und meiner Wahrnehmung, die Puzzleteile scheinen sich nun stimmig ineinander zu fügen.

    Nun Kleinigkeiten nehme ich ihm auch weiter ab. So gehe ich morgens mit seinen Hunden Gassi, denn es sind ja nun unsere Hunde, ich bin eine Frühaufsteherin und mir tut der Spaziergang gut. Zudem repariert er mir ja doch auch die Waschmaschine und erledigt den Einkauf. Das würde auch so sein, wäre er kein Alkoholiker.

    Ich weiß, wie viele Jahre ich die massiven Symptome meiner Krebserkrankung bagatellisiert habe und einen weiten Bogen um die Ärzte machte, bis es nicht merh anders ging und - toi toi toi - es wohl doch noch rechtzeitig war. Und ich hoffe, dass ich nun auch noch ebenso rechtzeitig die Notbremse ziehe und estwas gegen meine Coabhängigkeit unternehme. Selbst wenn es bedeuten sollte, dass ich mich doch noch einmal aufraffen muss, um ganz neu durchzustarten. Wenn ich mich recht erinnere, war das von vorneherein eine Option, die ich mir offenhielt, als ich zu ihm zog und so lange ist das nun doch auch noch gar nicht her. Interessant ist wirklich zu erkennen, was ich denn nun eigentlich davon hatte und habe. Wesentlicher aber ist es die Lebensqualität, Freude, Sicherheit und (Selbst)Vertrauen neu zu gewinnen.

    So, das waren meine heiligen Gedanken zum ersten Advent, Orlando

    Hallo Thelma und hallo in die Runde,

    ich bin mir nicht sicher, ob mein Beitrag noch aktuell ist, doch ich möchte es dennoch los werden und vor allem es ist meine Haltung, die sich vor allem auf mich bezieht:

    Wenn jemand auf eine Einzelzimmerunterbringung während eines Klinikaufenthaltes besteht, ist dies durchaus mit einer entsprechenden Zuzahlung möglich. Hierzu läßt sich auch eine Zusatzversicherung abschließen. Neben den finanziellen Möglichkeiten ist es auch und vor allem die Frage, die sich durchaus auch in Euro ausdrücken läßt: Was ist mir meine Genesung wert?

    Einen Hauch von Bier - und sei er "angeblich" nur alkoholfrei würde ich nicht akzeptieren. Und so wenig ich meinem nächsten Unrecht tun möchte, so wenig möchte ich an meiner eigenen Wahrnehmung zweifeln sollen. Es ist Ausdruck der Wertschätzung meines Partners mir gegenüber, wenn er mich nicht konfrontriert und/oder bedroht mit seiner Fahne und sei sie nur ein Hauch von alkoholfreiem Bier. Dabei habe ich weitaus entwertenderes über mich ergehen lassen, ehe ich erkannte, wie ich mit mir umgehe, wessen ich mich aussetze und was ich mir antu(en lasse).

    Orlando

    Ein paar Tage habe ich hier ruhig gelesen, dabei Bekanntes und mir Unbekanntes entdeckt. auch las ich in meinem Tagebuch nach, was ich im vergangenen Jahr alles erlebte und was mir dazu durch den Kopf ging. Danke, den Initiatoren dieses Forums und danke allen, die sich hier mitteilen. Es ist mir eine Hilfe.

    Mittlerweile kann ich nur noch sagen, dass er ein handfestes Alkoholproblem hat und ich superschnell mich verleugnend coabhängig auf ihn reagiere. Damit geht es mir schon viel besser. Es schenkt mir Klarheit.

    Die Regel, dass er nicht mehr in meiner Anwesenheit trinkt, ist noch jung und wird eingehalten. Aber er spricht sich mit mir noch nicht ab. Das ist in unserer Beziehung mein nächstes Ziel. Bei seinem letzten Rückzug fiel mir auf, dass er 1. einen Streit provozierte, 2. sich einfach ohne Ankündigung verkrümmelte, mich 3. damit bestrafen wollte und 4. über sms fortsetzen wollte, so, als seien wir beieinander.
    Er versuchte mir auch zu unterstellen, dass ich ihn bezüglich des Alkoholtrinkens entmündigen wolle und er deshalb aus Trotz um so mehr trinken werde...

    Als er wieder nüchtern war, sprachen wir darüber und modifizierten die Regeln:

    1. Wir bestrafen uns nicht gegenseitig. Wenn wir uns missverstanden oder verletzt fühlen, sprechen wir darüber und suchen gemeinsam nach Lösungen, sobald wir uns wieder beruhigt haben
    2. Wir informieren uns gegenseitig, wenn wir einen Rückzug brauchen und hauen nicht einfach ab.
    3. Wir sprechen miteinander, wenn er etwas trinken möchte und entscheiden gemeinsam, wer sich deshalb wo aufhalten wird.
    4. Was und wieviel er trinkt ist alleine in seiner Hand. Ich halte mich da raus.
    5. Während des Zeitraums, indem er trinkt, haben wir keinen Kontakt miteinander. auch keine Telefonate oder sms.

    Er sagte mir, dass er sehr in seinen Depressionen verfangen sei und an Burn out zu leiden glaube. Doch er ist nicht offen sich ärztlich Hilfe zu holen. Ich bin froh, dass er mit mir darüber redet. Ich kann zuhören und sagte ihm dass ich über das Zuhören hinaus überfordert sei, ihm da zu helfen.
    Auch teilte er mir mit, dass er dass Gefühl habe, ich würde ihn mit den Belastungen um das Haus wenig unterstützen, insbesondere bezüglich des Umgangs mit den Mietern. Es sei nun auch mein Haus.

    Das sehe ich differenzierter. Er ist der Eigentümer und ich bin die Lebensgefährtin des Eigentümers. Ich unterstütze ihn gerne, nehme ihm aber nicht die Verantwortung ab und ich übernehme nicht die Angelegenheiten, wenn er gerade einmal wieder Vogel Strauß spielt, weil ihm die Dinge über den Kopf wachsen. Doch gestern kaufte ich mit ihm einen neuen Anrufbeantworter. Die Mieter sollen so die Möglichkeit erhalten jederzeit Nachrichten auf das Band sprechen zu können. Zudem schlug ich ihm vor, eine feste Mietersprechstunde einzuführen. Das hilft mir und hoffentlich auch ihm, Flurgespräche zu reduzieren, indem wir freundlich auf die Sprechzeiten verweisen. Ich erfahre gerade in meiner Rolle, dass es in der Tat schwierig sein kann, wenn Mieter und Vermieter unter einem Dach leben. Und ich entwickle ein neues Verständnis für Vermieter (bisher war ich immer Mieterin). Mittelfristig soll ein Hausmeister eingesetzt werden.

    Ich habe das Gefühl, dass wir beide aufatmen, seit wir beginnen Strukturen und Regeln in unser Leben einzuführen. Alles entwickelt sich positiver, seit ich nur noch mit ihm rede, wenn er nüchtern ist. Was mich am meisten überraschte, ist, dass er gar nicht protestiert oder verärgert ist. Ich hatte mich auf Kampf und harte Auseinandersetzungen eingestellt, satt dessen erfahre ich Verständnis, Zugeständnis und das Bemühen, es für mich und uns besser zu machen. Wie gesagt, alles ist frisch und jung. Wir stehen am Anfang. Nach allem was ich hier lese, braucht es einen langen Atem, doch ich bin sicher, dass uns der eingeschlagene Weg aus dieser pathologischen Beziehung führt. Ihm wünsche ich sehr, dass er rechtzeitig etwas gegen seine Alkoholsucht unternimmt.

    Ich kann das schwer erklären, aber ich habe das Gefühl, dass ich wieder zu mir komme, erstarke, auf mich achten und für mich sorgen kann. Das schenkt mir auch die Kraft, die Dinge überhaupt mit ihm zu thematisieren. Auch bin ich froh, dass ich mich entschied für mich professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

    Orlando

    Ganz lieben Dank, dass ich nun doch Rückmeldungen und damit Anregungen erhalten habe, weiter über mich und über mein Leben zu reflektieren. Es hilft mir, macht mich nachdenklich.

    Ja, so wie Lämmchen es schrieb, stehe ich am Anfang. Und für mich bin ich sehr zuversichtlich, dass ich den richtigen Weg eingeschlagen habe.

    Ich wusste sehr wohl, dass ich ein Risiko eingehe, als ich mich entschied meine Eigenständigkeit aufzugeben und zu einem Mann zu ziehen, den ich zu dem Zeitpunkt nur sehr wenig kannte.

    Ich habe eine eigene Wohnung, in seinem Haus, für die ich auch Miete bezahle. Das war mir sehr wichtig, denn wenn wir uns doch trennen sollten, brauche ich einen Rückzugsraum, bis ich ein geeignetes neues zu hause gefunden habe.

    Sehr schnell erkannte ich dann die imense Abhängigkeit, in die ich mich begegben hatte. Meine finanziellen Probleme sind da gar nicht der Hauptgrund. Dafür lassen sich immer Lösungen finden, wenn die Kraft da ist. Doch ich hatte gerade erfahren, dass ich Krebs habe und damit brach mein ganzes bisheriges Leben zusammen: Die Angst und die Trauer um mich selber, die Sorge um meine Kinder, die Unfähigkeit meiner bisherigen Berufstätigkeit weiterhin nachzugehen, die körperliche und auch seelische Erschöpfung und Schwäche... erst jetzt, nach einem Jahr, kehrt meine eigene Kraft wieder in mir zurück. Ich war supermegadankbar, dass dieser Mann zu mir stand und mir und meinen Kindern ein Nest baute. Mit allem ist er mir eine Stütze, dass meine ich, wenn ich schreibe, "was ich davon habe."
    Nun, ich bin wieder kräftiger, gehe wieder nach aussen, habe auch bereits eine Menge aufräumen können und setze ihm meine Grenzen.

    Zitat von almacya


    Glaubst du wirklich er fährt in das Ferienhaus weil er deine Grenzen respektiert? Klingt für mich eher als ob er seine Ruhe mit Freundin Alk will.

    Mag sein, dass er seine Ruhe mit seiner Freundin Alk haben möchte. Fakt ist, dass er nicht mehr in meiner Anwesenheit trinkt.
    Und natürlich zeige ich ihm, dass ich traurig darüber bin, dass ihm der Alkohol wichtiger ist, als gemeinsame Zeit mit mir zu verbringen.

    Er ist krank und ich suche nach einem Weg, mit ihm und dieser Krankheit zu leben, ohne dass es mir dadurch schlecht geht. Natürlich erwarte ich auch, dass er alles unternimmt, um wieder gesund zu werden, so, wie ich es auch tue. Nun ja, so wie ich meinen Schritt und mein Tempo finden muss, muss er dies auch. Wenn es zusammenpassen wird, ist es prima.

    Orlando

    Hallo Lämmchen,

    danke für Deinen Beitrag.
    Du fragst, ob ich es zu lasse, dass er im S** über meine Grenzen geht und teilweise muss ich es bejahen. Denn das erste Mal war ich einfach überrascht und irritiert und vor allem wollte ich in dieser Situation auch keinen offenen Konflikt: Es handelte sich um das setzen eines Knutschfleckes, was ja durchaus lustvoll sein kann, wenn beide es wollen. Ich empfand es als brandmarken.
    Das zweite Mal ging es einen Schritt weiter, um etwas, was ich auch wieder nicht mochte und mir vielleicht auch deshalb weh tat. Weil er da wieder nicht auf mich achten wollte und im Gegenteil sogar wütend wurde, entschied ich, dass ich nicht mehr neben ihm sein werde, wenn er Alkohol trinken will.

    Nachdem ich ihm das vor 4 Wochen sagte, wollte er mir beweisen, dass ich falsch denken würde und er ein sehr liebevoller Mann gerade auch dann sei, wenn er etwas trinken würde: Er versuchte heimlich zu trinken, den Alkoholgeschmack und Geruch zu überdecken, indem er immer etwas deftig gewürztes danach aß und mich nicht küsste. In der Tat war er sehr lieb und zärtlich an diesem Abend. Doch ich fühlte mich hintergangen, betrogen und belogen, Allerdings sagte ich es ihm nicht in dieser Situation. Denn ich habe Angst vor seinen heftigen cholerischen Reaktionen und ich bin eher eine Streitvermeiderin.
    A.s er eingeschlafen war, verließ ich unsere gemeinsame Wohnung und entschied über ihn hinweg, dass ich das Wochenende ohne ihn verbringen würde. Zunächst fühlte er sich dann von mir übergangen. Und das auch zurecht. Ich hätte schon mit ihm reden müssen.

    Doch schlussendlich führte es dazu, dass er nun tatsächlich nicht mehr neben mir trinkt.

    Dass er ganz mit dem Trinken aufhört, kann ich nicht bewirken. Dass er trinkt, um gerade auch seine Sorgen und seinen Kummer wegzuspülen bleibt seine Sache, auch wenn ich das nicht gut heiße.

    Dass wir nun so viel getrennt sind, ja das macht mich traurig, weil ich ihn sehr lieb habe und gerne neben ihn bin, wenn er nüchtern ist. Er fehlt mir. Jetzt wird uns beiden erst bewusst, wie häufig er trinkt, trinken muss.

    Gestern rief er mich an, weil auch ich ihm fehle. Er war nicht in den Garten, sondern in die ferienwohnung gefahren. Nun fahre auch ich gleich in die Ferienwohnung, die nur eine Autostunde von unserem Zuhause entfernt ist, damit wir noch ein schönes gemeinsames alkoholfreies Restwochenende miteinander haben werden. Darauf freue ich mich.

    Für mich ist er zwei: Der unerträgliche Alkoholiker, den ich erst einmal für mich erkennen musste und deshalb wolh einiges auch erstmal zuließ und bei dem ich entscheiden muss, ob es mir Wert ist, mit ihm zu leben, um so aus meiner persönlichen Krise einen Ausweg zu finden. Und er ist der wunderbare Mann, den ich liebe und mit dem ich gerne meine Zeit teile, der mir jetzt auch fehlt.

    Ich wünsche und hoffe, dass er für sich und seine Gesundheit, aber auch für unsere Partnerschaft die Verantwortung übernehmen wird und etwas gegen sein Trinken unternimmt.

    Im Moment steht für mich Trennung nicht im Raum, wohl aber dafür zu sorgen, dass es mir gut geht und ich nicht durch sein Trinken zu leiden habe. Deshalb ist es mir auch sehr wichtig, dass er seinen Alkohol nicht aus unserer gemeinsamen Haushaltskasse bezahlt. Für ihn ist das auch selbstverständlich.

    Ich weiß für mich noch nicht, wo ich die Grenze werde ziehen müssen. Man verläßt doch nicht seinen Liebsten, weil er schwer krank ist. Ich muss für mich herausfinden, wo und wie ich ihn unterstützen kann, zu genesen. Ich will keinesfalls seinen status quo stützen, fördern, stabilisieren. Und ich will keinesfalls Co-Abhängig sein oder werden. Deshalb bin ich froh, dieses Forum gefunden zuhaben und gestern auch gleich einen Termin für Anfang Dezember bei einer Drogenberatungsstelle erhalten zu haben.

    Nun habe ich hier eine Weile gestöbert und gelesen, einige Parallelen gefunden und Dinge, die anders sind und ich atme ein wenig durch.

    Was die Fahrt in den Garten betrifft, die werde ich nun doch nicht antreten. Er ist gegangen und ich werde ihm den Raum lassen, den er sich nehmen wird. Zudem werde ich diese Zeit auch für mich nutzen, mir klarer zu werden, was für mich der richtige Weg sein wird. Als erstes mache ich für mich einen Termin bei einer Beratungsstelle und das jetzt gleich! Ich merke, wie ich mich mit diesen Gedanken von ihm entferne und die Verantwortung für mich und die Dinge, die ich tat und tue, wieder in die Hand nehme, schwer und doch auch befreiend.

    Orlando