• Im Januar diesen Jahres zog ich mit meinen Kindern zu einen Mann, in den ich verleibt war, den ich aber noch gar nicht kannte. Ausschlaggebend war, dass ich mich in einer großen existenziell bedrohlichen Lebenskrise befand und zudem noch an Krebs erkrankte. Er stand zu mir, sprach mir Mut zu und schenkte mir Zuversicht. Offenen Auges begab ich mich in diese Abhängigkeit. Meine Kinder waren gegen diesen Zusammenzug und sie rebellieren bis heute. Sie sahen viel früher, als ich, dass er Alkoholiker ist und mich noch mehr schwächte, als mich zu stärken... doch ganz so erlebe ich es auch nicht.

    Er nahm mir vorübergehend meine wirtschaftlichen Sorgen. Neben ihm konnte ich meinen Job aufgeben und mich auf meine Genesung und die Erziehung meiner Kinder konzentrieren und tatsächlich komme ich mehr und mehr wieder zu mir.

    Andererseits schwächt mich unsere Beziehung auch. Ich bin nun arbeitslos. Lebe in einer mir fremden Stadt. Habe keine eigene Wohnung mehr und auch kaum noch eigene Möbel. Unter Alkohol ist er mir verbal gegenüber sehr aggressiv und auch sexueller Kontakt ist dann brisant für mich, weil er meine Grenzen nicht respektiert, ggf. gewaltsam übertritt.

    Manchmal bin ich unsicher, ob er sich nicht auch gelegentlich aus der Verantwortung entzieht, indem er am nächsten Tag einfach nur vorschiebt, sich an nichts mehr erinnern zu können.

    Vor vier Wochen entschied ich, dass ich nicht mehr neben ihm sein werde, wenn er etwas trinken möchte und teilte ihm das auch mit. Zudem entschied ich mich, selber keinen Alkohol mehr einzukaufen und auch selber nichts mehr zu trinken. Ausschlaggebend war, dass er eine Flasche Rum an einem Abend leer trank. Ich hatte diese Flasche gekauft, um gelegentlich einen Tee mit Rum zu trinken. Das mache ich nur gelegentlich an kalten Tagen und in der Vergangenheit hielt so eine Flasche Rum bei mir für mehrere Winter. Nun, ich will ihn nicht verführen und ich will ihm nicht weiter den Rechtfertigungsgrund geben, dass ich ja auch Alkohol trinken würde.

    Ich hatte wahnsinnige Angst, dass er mich verlassen würde und ich war zunächst sehr glücklich, als ich feststellte, dass er tatsächlich nicht mehr trank. Drei Wochen ging das nun gut. Unser Zusammenleben war harmonisch und angenehm, wir gestalteten unsere Zukunft und ich war glücklich. Letzten Donnerstag wollte ich mit meinen Kindern ins Kino gehen und er bat mich, dass ich dann auch bei den Kindern schlafen solle – sie haben eine eigene Etage für sich – weil er an diesem Abend trinken wolle. Am Mittwoch entschieden wir allerdings, dass wir nicht Donnerstag, sondern Freitag ins Kino gehen würden.

    Mein Lebensgefährte wollte sein Vorhaben nun aber nicht mehr ändern. Er setzte in meinen Augen sogar einen drauf und entschied sich von Donnerstag Morgen bis Sonntag Abend in seine Ferienwohnung zu fahren. Das tat er auch. Ich finde es toll, dass er meinen Wunsch respektiert und nicht mehr neben mir trinkt, Doch ich fühlte mich auch sehr alleine an diesem Wochenende.
    Dienstag fuhr ich spontan mit den Hunden in unseren Laubengarten. Er griff dies sofort auf und sagte mir, ich solle die Hunde im Garten lassen, er würde dort schlafen.

    Gestern hatten wir einen Konflikt. Ich hatte eine andere Meinung als er. Er hatte das Gefühl, dass ich nicht zu ihm stehen würde und ihm in den Rücken falle. So packte er seine Taschen, nahm die Hunde und sagte, er würde in den Garten fahren. Seither habe ich nichts mehr von ihm gehört. Ich weiß nicht, wann er nach Hause kommen wird... Ich schickte ihm eine sms, dass ich mich von ihm verlassen und alleine gelassen fühle und ja, das ist so für mich.

    Ich werde anerkennen müssen, dass möglicherweise die Frau an seiner Seite für ihn auswechselbar ist, der Verzicht auf Alkohol aber nicht für ihn im Raum steht.

    Ich merke, dass ich ihn brauche, Angst davor habe meinem „gescheiterten Leben“ in die Augen zu sehen und nochmals ganz von vorne anzufangen. Habe ich überhaupt selber noch die Kraft und vor allem den Willen dazu? Ich genieße es, neben ihm durchatmen und entspannen zu können, weil ich mir kaum noch Sorgen um das Geld machen muss. Ich kann im Moment meinen Verpflichtungen nachkommen und mich auf meine Wiedereingliederung in den Beruf konzentrieren, ich habe mehr Zeit für meine Kinder, kann ihnen ein Leben anbieten, das geordneter und etablierter ist, als vorher. Ich kann sie fördern. Das ist der Nutzen, den ich aus dieser Abhängigkeit ziehe, in die ich mich begeben habe. Und manchmal denke ich, wenn ich mich stabilisiert habe, werde ich mich von ihm trennen. Dann erschrecke ich, weil dies so negative Gedanken sind, die ihm natürlich das Gefühl geben müssen, dass ich ihn nicht achte und liebe. Es ist ein Teufelskreis.

    Die trockenen Tage sind sehr schön. Ich bin glücklich neben ihm. Er ist souverän, klug, verspielt, humorvoll und verantwortungsvoll.

    Ich muss entscheiden, was für mich gut und tragbar ist. Ich kann sehr gut alleine sein, habe viele Jahre als Alleinerziehende gelebt. So ist es vom Grundsatz her nicht fremd oder unangenehm, wenn ich von ihm räumlich getrennt bin. Doch diese Wohnung empfinde ich nicht als mein zu Hause, ohne ihn, ist sie mir wie eine Hotelsuite, freundlich eingerichtet aber unpersönlich. Zudem schmerzt mich die Vorstellung, dass er seine Zeit lieber mit dem Alkohol, als mit mir verbringt. Andererseits ist es für mich ein Liebesbeweis, dass er meinen Wunsch respektiert, nicht neben mir zu trinken.

    Jetzt gleich, das weiß ich nun, nachdem ich ich das hier schrieb, werde ich zu ihm in den Garten fahren und die Aussprache suchen. Er wird gleich wohl noch ein wenig verkatert und deprimiert sein, nicht aber bereits trinken. Das tut er erst abends. Ich gehe nicht davon aus, dass wir dieses Wochenende miteinander verbringen werden, obwohl ich mir das wünsche. Aber den aktuellen Konflikt, den können wir vielleicht lösen. Ich merke, dass ich Angst vor einer Trennung habe, ich also noch nicht so weit bin, mich von ihm zu lösen und auf eigenen Beinen zu stehen. So wie er am Alkohol festhält, so scheine ich an ihm festzuhalten. Schlimm ist für mich auch, das Gefühl einfach alles falsch gemacht zu haben und in meinem Leben gescheitert zu sein. Nicht auszuhalten ist die Vorstellung, dass ich mit mir meine Kinder in den Abgrund ziehe. Ich bin auf der Suche nach einer Lösung, die für uns alle annehmbar ist. Und ich wünsche es mir sehr, dass wir einen Weg finden, für alle annehmbar miteinander zu leben.

    Ich habe mich verzweifelt, leichtsinnig und hoffnungsvoll in diese Situation begeben, sehe durchaus Chancen für uns und bin doch nun unsicher, ob ich mir etwas vor mache oder zu ungeduldig bin.

  • Nun habe ich hier eine Weile gestöbert und gelesen, einige Parallelen gefunden und Dinge, die anders sind und ich atme ein wenig durch.

    Was die Fahrt in den Garten betrifft, die werde ich nun doch nicht antreten. Er ist gegangen und ich werde ihm den Raum lassen, den er sich nehmen wird. Zudem werde ich diese Zeit auch für mich nutzen, mir klarer zu werden, was für mich der richtige Weg sein wird. Als erstes mache ich für mich einen Termin bei einer Beratungsstelle und das jetzt gleich! Ich merke, wie ich mich mit diesen Gedanken von ihm entferne und die Verantwortung für mich und die Dinge, die ich tat und tue, wieder in die Hand nehme, schwer und doch auch befreiend.

    Orlando

  • Hallo Orlando,

    herzlich willkommen im Forum.

    Bei einer Beratungstelle anzurufen, war auch so mit das erste was ich nach meiner Anmeldung hier im Forum getan habe.
    Ich wünsch dir, das du dort den für dich richtigen Ansprechpartner findest.

    Es ist gut, und auch erleichternd sich wieder um sich selbst zu kümmern, auch wenn man nicht alles auf einmal ändern kann, und wieder in altes zurückfällt.
    Aber man darf immer dran bleiben, und auf sich achten.

    Weißt du, was mich wütend, aber auch traurig macht?

    Zitat

    sexueller Kontakt ist dann brisant für mich, weil er meine Grenzen nicht respektiert, ggf. gewaltsam übertritt.

    Zitat

    Die trockenen Tage sind sehr schön. Ich bin glücklich neben ihm. Er ist souverän, klug, verspielt, humorvoll und verantwortungsvoll.


    Für die trockenen Tage läßt du zu, das er gewaltsam sex. Grenzen übertritt?
    Ich habe so etwas auch erlebt, und ich kann dir nur empfehlen, dies nicht zuzulassen, das Recht hat keiner, dir so etwas anzutun.
    Habe mich einfangen lassen, von seinen immer wiederkehrenden Versprechungen, weil ich geglaubt habe, wenn ich seinen Wünschen nachkomme, trinkt er nichts mehr.
    Da wird soviel in dir zerstört, nicht zuletzt dein Selbstwertgefühl, im übrigen ist es auch strafbar, und zwar zurecht.

    lg Lämmchen

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Hallo Lämmchen,

    danke für Deinen Beitrag.
    Du fragst, ob ich es zu lasse, dass er im S** über meine Grenzen geht und teilweise muss ich es bejahen. Denn das erste Mal war ich einfach überrascht und irritiert und vor allem wollte ich in dieser Situation auch keinen offenen Konflikt: Es handelte sich um das setzen eines Knutschfleckes, was ja durchaus lustvoll sein kann, wenn beide es wollen. Ich empfand es als brandmarken.
    Das zweite Mal ging es einen Schritt weiter, um etwas, was ich auch wieder nicht mochte und mir vielleicht auch deshalb weh tat. Weil er da wieder nicht auf mich achten wollte und im Gegenteil sogar wütend wurde, entschied ich, dass ich nicht mehr neben ihm sein werde, wenn er Alkohol trinken will.

    Nachdem ich ihm das vor 4 Wochen sagte, wollte er mir beweisen, dass ich falsch denken würde und er ein sehr liebevoller Mann gerade auch dann sei, wenn er etwas trinken würde: Er versuchte heimlich zu trinken, den Alkoholgeschmack und Geruch zu überdecken, indem er immer etwas deftig gewürztes danach aß und mich nicht küsste. In der Tat war er sehr lieb und zärtlich an diesem Abend. Doch ich fühlte mich hintergangen, betrogen und belogen, Allerdings sagte ich es ihm nicht in dieser Situation. Denn ich habe Angst vor seinen heftigen cholerischen Reaktionen und ich bin eher eine Streitvermeiderin.
    A.s er eingeschlafen war, verließ ich unsere gemeinsame Wohnung und entschied über ihn hinweg, dass ich das Wochenende ohne ihn verbringen würde. Zunächst fühlte er sich dann von mir übergangen. Und das auch zurecht. Ich hätte schon mit ihm reden müssen.

    Doch schlussendlich führte es dazu, dass er nun tatsächlich nicht mehr neben mir trinkt.

    Dass er ganz mit dem Trinken aufhört, kann ich nicht bewirken. Dass er trinkt, um gerade auch seine Sorgen und seinen Kummer wegzuspülen bleibt seine Sache, auch wenn ich das nicht gut heiße.

    Dass wir nun so viel getrennt sind, ja das macht mich traurig, weil ich ihn sehr lieb habe und gerne neben ihn bin, wenn er nüchtern ist. Er fehlt mir. Jetzt wird uns beiden erst bewusst, wie häufig er trinkt, trinken muss.

    Gestern rief er mich an, weil auch ich ihm fehle. Er war nicht in den Garten, sondern in die ferienwohnung gefahren. Nun fahre auch ich gleich in die Ferienwohnung, die nur eine Autostunde von unserem Zuhause entfernt ist, damit wir noch ein schönes gemeinsames alkoholfreies Restwochenende miteinander haben werden. Darauf freue ich mich.

    Für mich ist er zwei: Der unerträgliche Alkoholiker, den ich erst einmal für mich erkennen musste und deshalb wolh einiges auch erstmal zuließ und bei dem ich entscheiden muss, ob es mir Wert ist, mit ihm zu leben, um so aus meiner persönlichen Krise einen Ausweg zu finden. Und er ist der wunderbare Mann, den ich liebe und mit dem ich gerne meine Zeit teile, der mir jetzt auch fehlt.

    Ich wünsche und hoffe, dass er für sich und seine Gesundheit, aber auch für unsere Partnerschaft die Verantwortung übernehmen wird und etwas gegen sein Trinken unternimmt.

    Im Moment steht für mich Trennung nicht im Raum, wohl aber dafür zu sorgen, dass es mir gut geht und ich nicht durch sein Trinken zu leiden habe. Deshalb ist es mir auch sehr wichtig, dass er seinen Alkohol nicht aus unserer gemeinsamen Haushaltskasse bezahlt. Für ihn ist das auch selbstverständlich.

    Ich weiß für mich noch nicht, wo ich die Grenze werde ziehen müssen. Man verläßt doch nicht seinen Liebsten, weil er schwer krank ist. Ich muss für mich herausfinden, wo und wie ich ihn unterstützen kann, zu genesen. Ich will keinesfalls seinen status quo stützen, fördern, stabilisieren. Und ich will keinesfalls Co-Abhängig sein oder werden. Deshalb bin ich froh, dieses Forum gefunden zuhaben und gestern auch gleich einen Termin für Anfang Dezember bei einer Drogenberatungsstelle erhalten zu haben.

  • Schade, dass so viele hier reinlesen, mir aber keine Rückmeldung geben. Das gibt mir das Gefühl, dass ich hier irgendwie falsch bin, zumindest etwas geschrieben habe, zudem es nichts zu sagen gibt.

    Orlando

  • 8) ich bin auch eine von jenen, die lesen und erst jetzt schreiben.... Irgendwie fehlte mir bisher der Mut, das in Worte zu fassen, was mir durch den Kopf ging, als ich Deine Beiträge gelesen habe....

    Wir alle hier, im Co-Bereich, haben unsere "schlechten" Erfahrungen gemacht und verarbeiten sie gerade....

    Bei Deinen Beiträgen wurde ich wieder an meine eigene Vergangenheit erinnert und das hat mich sprachlos, für mich, gemacht.
    Ich habe sogar Streits angefangen, damit ich keinen S** haben musste, ich habe mich benutzt gefühlt, wie einen Gegenstand und machtlos ebenfalls. Ich sah damals keine andere Möglichkeit, als entweder zu streiten, oder "geschehen zu lassen" oder meinem Mann eine "Freundin zu wünschen" ....

    Es gibt mehr als genug zu Deinen Beiträgen zu sagen... Es passt hinten und vorne nicht, was bietest Du Deinen Kindern und vor allem Dir selbst? Finanzielle Sicherheit gegen Freiheit, Selbstbestimmung, Selbstverantwortung, Eigenleben? Ich würde eine kleine Wohnung, eine eigene, vorziehen. Besser gesagt: Ich lebe ja jetzt in einer kleinen Wohnung, mit meiner Tochter. Ich strudle mich ab, damit ich alle Rechnungen bezahlen und auch noch leben kann...aber ich hab`s getan. Für mich, für meine Tochter und es fühlt sich, trotz "blöder Tage" super an!

    Wo ist Spedi, ich vermisse ihn direkt.... seinen berühmten Satz: Wer etwas ändern will, findet Wege. Wer nix ändern will, findet Gründe. (so ähnlich halt, peinlich....hab`s schon so oft gelesen).
    Finanzielle Sicherheit ist ein Grund, kein Weg! Schon gar nicht mit einem unberechenbaren Menschen, der Dich leiden lässt, weil er dem Suchtmittel Alkohol verfallen ist. Respekt vor Deinen Kindern, die gefallen mir!

    Viele liebe Grüße,
    Ingrid

  • Liebe Orlando,

    ich kann mich gut an frühere Zeiten erinnern, als ich das bischen, was ich von meinem alkoholischen Freund hatte, noch idealisierte und mir schön redete, um es vor mir und nach außen vertreten zu können. Ich hielt seine Abhängigkeit mir gegenüber für Liebe und interpretierte alles mir erdenkliche hinein. Ob ich es wahrhaben wollte oder nicht, er liebte nicht mich, ich stand nicht in seinem Leben an erster Stelle, das Suchtmittel hatte immer Vorrang. Auch ich habe manchmal Sex über mich ergehen lassen, damit er ruhig wird und bald einschläft, um für den Rest des Abends meine Ruhe zu haben. Oder auch aus Eifersucht heraus, damit er sich nicht an Andere heranmacht, was er einige Male androhte. Als ich noch so gefangen war in diesem abhängigen süchtigen Verhalten, ging mir vorerst noch kein Licht auf, nur dass ich mich schlecht und benutzt fühlte, das verdrängte ich aber wieder, um mir zu suggerieren, er liebt mich halt und begehrt mich. Erst in der Gruppe in gemeinsamen Gesprächen und Erkennen der Parallelen, dass es fast überall ähnlich läuft, wurde mir klar, was ich mir damit antue und wie krank ich bin. Das braucht seine Zeit und die persönliche Schmerzgrenze ist sehr individuell.
    Als Co.-Abhängige wurde ich schon in der Kindheit an persönliche Übergriffe gewöhnt und kannte kein gesundes Maß, um Grenzen für mich setzen zu können, von daher empfand ich vieles wohl auch als normal. Der Weg hieraus ist ein weiter, mit Rückfällen geflastert, man kann ihn nur in kleinen Schritten gehen und von Tag zu Tag an der eigenen Genesung arbeiten. Die Sache mit den finanziellen Vorteilen wollte meine Mutter mir gerne schmackhaft machen, dass man für ein gut versorgtes Leben halt Kompromisse machen muss, diplomatisch sein soll und auch mal zurückstecken. Das geht unterm Strich aber nicht auf, Geld ist ein Mittel, das niemals glücklich und zufrieden macht. Was nützt mir eine gute Versorung, wenn ich seelisch und körperlich erkranke? Du hast im Dezember erst Deinen Beratungstermin, von daher stehst Du erst am Anfang. Für Deinen weiteren Weg wünsche ich Dir viel Kraft.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Hinter jeder Sucht steht eine Sehnsucht, hinter jeder Sehnsucht steht eine Hoffnung.

  • Hallo Orlando,

    Zitat

    Das gibt mir das Gefühl, dass ich hier irgendwie falsch bin, zumindest etwas geschrieben habe, zudem es nichts zu sagen gibt.

    Du bist auf keinen Fall falsch, manchmal braucht man nur etwas länger um antworten zu können.
    Kein Mann hat das recht dich zu benutzen, um seine Bedürnisse zu befriedigen.
    Kann mir sehr gut vorstellen, wie du dich da gefühlt hast.

    Zitat

    weil ich ihn sehr lieb habe und gerne neben ihn bin, wenn er nüchtern ist.


    Liebe Orlando, ist es wirklich Liebe? Ich könnte jemanden der meine Grenzen so massiv mißachtet nicht mehr lieben, aber ich brauchte ihn, weil ich mich ja kümmern mußte.
    Das ist unser CO sein. Ich kann dir nicht zur Trennung raten, weil ich selber noch nicht getrennt bin.
    Du stehst ganz am Anfang, und eine solche Entwicklung braucht Zeit.
    Ich spüre nur, das ich je mehr ich mich mit dem Thema Trennuing auseinandersetze, es mir vertrauter wird.
    Anfangs konnte ich es mir auch absolut nicht vorstellen, aber das hat sich geändert.
    Sorg gut für dich, das es dir besser geht, und setz dich nicht unter Druck.
    Es ist dein Weg, du gehst ihn für dich.


    lg Lämmchen

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Ich hab auch nicht direkt Feedback bekommen, mach dir nix drauß.

    Glaubst du wirklich er fährt in das Ferienhaus weil er deine Grenzen respektiert? Klingt für mich eher als ob er seine Ruhe mit Freundin Alk will.

    Und du meinst er wird ab jetzt deine Grenzen beim Sex respektieren obwohl er getrunken hat? Das hat er doch auch nur gemacht, damit du nichts mehr zu meckern hast. Früher oder später lässt er sich doch eh wieder gehen.
    Hab ich auch oft genug erlebt. Irgendwann wird er dann auch Gründe suchen warum du ihm gefügig sein musst. Immerhin wohnst du ja bei ihm, nicht?

    Les bitte mal weiter in den anderen Threads.

    Und ich wünsche dir Kraft und Einsicht.

  • Hallo Orlando,

    Zitat

    Schade, dass so viele hier reinlesen, mir aber keine Rückmeldung geben

    Manchmal dient auch die Zeit für sich, über das Geschriebene nachzudenken, es wirken zu lassen.

    Du bist für Dich hier, daß heißt, Du schreibst von Dir, erhältst Antworten, auf die Du eingehen kannst. Es ist nicht Sinn und Zweck, hier bombadiert zu werden, sondern sich zu reflektieren.

    Nur mal so als Tipp.. :wink: Es kommt nicht auf die Quantität an sondern auf die Qualität. Arbeit an sich und seiner Co-Abhängigkeit benötigt nicht 100e von Seiten von Antworten, wenn sie Dich nicht weiterbringen, selbst Initiative zu ergreifen! Hilfe zur Selbsthilfe ist das Motto...

    Lieben Gruß

    S.Käferchen [Blockierte Grafik: https://beispiel.rocks/beispiel.rocks/www.cosgan.de/images/smilie/tiere/k025.gif]

  • Ganz lieben Dank, dass ich nun doch Rückmeldungen und damit Anregungen erhalten habe, weiter über mich und über mein Leben zu reflektieren. Es hilft mir, macht mich nachdenklich.

    Ja, so wie Lämmchen es schrieb, stehe ich am Anfang. Und für mich bin ich sehr zuversichtlich, dass ich den richtigen Weg eingeschlagen habe.

    Ich wusste sehr wohl, dass ich ein Risiko eingehe, als ich mich entschied meine Eigenständigkeit aufzugeben und zu einem Mann zu ziehen, den ich zu dem Zeitpunkt nur sehr wenig kannte.

    Ich habe eine eigene Wohnung, in seinem Haus, für die ich auch Miete bezahle. Das war mir sehr wichtig, denn wenn wir uns doch trennen sollten, brauche ich einen Rückzugsraum, bis ich ein geeignetes neues zu hause gefunden habe.

    Sehr schnell erkannte ich dann die imense Abhängigkeit, in die ich mich begegben hatte. Meine finanziellen Probleme sind da gar nicht der Hauptgrund. Dafür lassen sich immer Lösungen finden, wenn die Kraft da ist. Doch ich hatte gerade erfahren, dass ich Krebs habe und damit brach mein ganzes bisheriges Leben zusammen: Die Angst und die Trauer um mich selber, die Sorge um meine Kinder, die Unfähigkeit meiner bisherigen Berufstätigkeit weiterhin nachzugehen, die körperliche und auch seelische Erschöpfung und Schwäche... erst jetzt, nach einem Jahr, kehrt meine eigene Kraft wieder in mir zurück. Ich war supermegadankbar, dass dieser Mann zu mir stand und mir und meinen Kindern ein Nest baute. Mit allem ist er mir eine Stütze, dass meine ich, wenn ich schreibe, "was ich davon habe."
    Nun, ich bin wieder kräftiger, gehe wieder nach aussen, habe auch bereits eine Menge aufräumen können und setze ihm meine Grenzen.

    Zitat von almacya


    Glaubst du wirklich er fährt in das Ferienhaus weil er deine Grenzen respektiert? Klingt für mich eher als ob er seine Ruhe mit Freundin Alk will.

    Mag sein, dass er seine Ruhe mit seiner Freundin Alk haben möchte. Fakt ist, dass er nicht mehr in meiner Anwesenheit trinkt.
    Und natürlich zeige ich ihm, dass ich traurig darüber bin, dass ihm der Alkohol wichtiger ist, als gemeinsame Zeit mit mir zu verbringen.

    Er ist krank und ich suche nach einem Weg, mit ihm und dieser Krankheit zu leben, ohne dass es mir dadurch schlecht geht. Natürlich erwarte ich auch, dass er alles unternimmt, um wieder gesund zu werden, so, wie ich es auch tue. Nun ja, so wie ich meinen Schritt und mein Tempo finden muss, muss er dies auch. Wenn es zusammenpassen wird, ist es prima.

    Orlando

  • Ein paar Tage habe ich hier ruhig gelesen, dabei Bekanntes und mir Unbekanntes entdeckt. auch las ich in meinem Tagebuch nach, was ich im vergangenen Jahr alles erlebte und was mir dazu durch den Kopf ging. Danke, den Initiatoren dieses Forums und danke allen, die sich hier mitteilen. Es ist mir eine Hilfe.

    Mittlerweile kann ich nur noch sagen, dass er ein handfestes Alkoholproblem hat und ich superschnell mich verleugnend coabhängig auf ihn reagiere. Damit geht es mir schon viel besser. Es schenkt mir Klarheit.

    Die Regel, dass er nicht mehr in meiner Anwesenheit trinkt, ist noch jung und wird eingehalten. Aber er spricht sich mit mir noch nicht ab. Das ist in unserer Beziehung mein nächstes Ziel. Bei seinem letzten Rückzug fiel mir auf, dass er 1. einen Streit provozierte, 2. sich einfach ohne Ankündigung verkrümmelte, mich 3. damit bestrafen wollte und 4. über sms fortsetzen wollte, so, als seien wir beieinander.
    Er versuchte mir auch zu unterstellen, dass ich ihn bezüglich des Alkoholtrinkens entmündigen wolle und er deshalb aus Trotz um so mehr trinken werde...

    Als er wieder nüchtern war, sprachen wir darüber und modifizierten die Regeln:

    1. Wir bestrafen uns nicht gegenseitig. Wenn wir uns missverstanden oder verletzt fühlen, sprechen wir darüber und suchen gemeinsam nach Lösungen, sobald wir uns wieder beruhigt haben
    2. Wir informieren uns gegenseitig, wenn wir einen Rückzug brauchen und hauen nicht einfach ab.
    3. Wir sprechen miteinander, wenn er etwas trinken möchte und entscheiden gemeinsam, wer sich deshalb wo aufhalten wird.
    4. Was und wieviel er trinkt ist alleine in seiner Hand. Ich halte mich da raus.
    5. Während des Zeitraums, indem er trinkt, haben wir keinen Kontakt miteinander. auch keine Telefonate oder sms.

    Er sagte mir, dass er sehr in seinen Depressionen verfangen sei und an Burn out zu leiden glaube. Doch er ist nicht offen sich ärztlich Hilfe zu holen. Ich bin froh, dass er mit mir darüber redet. Ich kann zuhören und sagte ihm dass ich über das Zuhören hinaus überfordert sei, ihm da zu helfen.
    Auch teilte er mir mit, dass er dass Gefühl habe, ich würde ihn mit den Belastungen um das Haus wenig unterstützen, insbesondere bezüglich des Umgangs mit den Mietern. Es sei nun auch mein Haus.

    Das sehe ich differenzierter. Er ist der Eigentümer und ich bin die Lebensgefährtin des Eigentümers. Ich unterstütze ihn gerne, nehme ihm aber nicht die Verantwortung ab und ich übernehme nicht die Angelegenheiten, wenn er gerade einmal wieder Vogel Strauß spielt, weil ihm die Dinge über den Kopf wachsen. Doch gestern kaufte ich mit ihm einen neuen Anrufbeantworter. Die Mieter sollen so die Möglichkeit erhalten jederzeit Nachrichten auf das Band sprechen zu können. Zudem schlug ich ihm vor, eine feste Mietersprechstunde einzuführen. Das hilft mir und hoffentlich auch ihm, Flurgespräche zu reduzieren, indem wir freundlich auf die Sprechzeiten verweisen. Ich erfahre gerade in meiner Rolle, dass es in der Tat schwierig sein kann, wenn Mieter und Vermieter unter einem Dach leben. Und ich entwickle ein neues Verständnis für Vermieter (bisher war ich immer Mieterin). Mittelfristig soll ein Hausmeister eingesetzt werden.

    Ich habe das Gefühl, dass wir beide aufatmen, seit wir beginnen Strukturen und Regeln in unser Leben einzuführen. Alles entwickelt sich positiver, seit ich nur noch mit ihm rede, wenn er nüchtern ist. Was mich am meisten überraschte, ist, dass er gar nicht protestiert oder verärgert ist. Ich hatte mich auf Kampf und harte Auseinandersetzungen eingestellt, satt dessen erfahre ich Verständnis, Zugeständnis und das Bemühen, es für mich und uns besser zu machen. Wie gesagt, alles ist frisch und jung. Wir stehen am Anfang. Nach allem was ich hier lese, braucht es einen langen Atem, doch ich bin sicher, dass uns der eingeschlagene Weg aus dieser pathologischen Beziehung führt. Ihm wünsche ich sehr, dass er rechtzeitig etwas gegen seine Alkoholsucht unternimmt.

    Ich kann das schwer erklären, aber ich habe das Gefühl, dass ich wieder zu mir komme, erstarke, auf mich achten und für mich sorgen kann. Das schenkt mir auch die Kraft, die Dinge überhaupt mit ihm zu thematisieren. Auch bin ich froh, dass ich mich entschied für mich professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

    Orlando

  • Liebe Orlando,

    Die Regeln hören sich ja alle gut an, aber wenn Dein Partner nasser Alkie ist, wird er sich gar nicht daran halten KÖNNEN.

    Du hast recht, noch ist alles frisch, warten wir`s mal ab, bis zum nächsten Absturz. Ohne fachmännische Hilfe kommt er nämlich aus der Nummer nicht mehr raus.

    Auch ist es uninteressant, ob er Depris hat oder nen nahenden Burn-Out.
    Das alles bekommt er unter Alk-Einfluss nicht in den Griff, da wird nur anders herum ein Schuh draus. Er müßte erst trocken werden, DANN die anderen Sachen in Angriff nehmen. Ich hatte auch Depris während meiner Saufzeit, die immer schlimmer wurden, als ich trocken werden konnte, verschwanden sie. Manchmal haben sie mit dem Alkoholmißbrauch selbst zu tun, entstehen dadurch. Manchmal aber auch nicht, das sieht man aber immer erst, wenn der Alkie trocken werden kann.

    Mal zu den Regeln, jemand der schon fett in der Sucht hängt, wird sie kaum einhalten können...:

    Zitat

    1. Wir bestrafen uns nicht gegenseitig. Wenn wir uns missverstanden oder verletzt fühlen, sprechen wir darüber und suchen gemeinsam nach Lösungen, sobald wir uns wieder beruhigt haben

    Ein Alkie wird über alles mögliche reden, nur nicht über sein Alkproblem, spätestens ab dann wird er sich missverstanden und verletzt fühlen, denke ich mal. Und Dir womöglich für einiges auch noch die Schuld in die Schuhe schieben... kann sein, muß nicht...

    Zitat

    2. Wir informieren uns gegenseitig, wenn wir einen Rückzug brauchen und hauen nicht einfach ab.


    Wenn ein nasser Alkie auf Entzug kommt, ist ihm alles schei*egal, er "braucht" dann Stoff, um sie unter Kontrolle zu bekommen, Entzugssymtome können sehr heftig und angsteinflössend sein, bis hin zu Panikattacken und Todesängsten. Und ich weiß wovon ich rede, glaub mir, ich kenn das alles selbst. Und dann haut man auch im Notfall ab, ohne was zu sagen, alle Abmachungen sind ab da uninteressant.

    Zitat

    3. Wir sprechen miteinander, wenn er etwas trinken möchte und entscheiden gemeinsam, wer sich deshalb wo aufhalten wird.

    Das glaubst Du wirklich ? Ich sage Dir, was ich getan hätte: Heimlich weitergesoffen. Und eventuell sogar noch mehr als "üblich", denn ich hätte wohl JEDE Möglichkeit dann genutzt. Wieviel ein Alkie trinkt, entscheidet er ganz allein, da fragt er niemanden drum, das is ne Illusion.

    Zitat


    4. Was und wieviel er trinkt ist alleine in seiner Hand. Ich halte mich da raus.

    Genau so sieht das aus, er entscheidet, Du hast Dich damit abzufinden, ihm egal.

    Zitat

    5. Während des Zeitraums, indem er trinkt, haben wir keinen Kontakt miteinander. auch keine Telefonate oder sms.

    Soso, na da bin ich ja sehr gespannt. Ich habe jedenfalls im halbbreiten Kopp Hinz und Kunz angerufen und die vollgesülzt. War mir völlig egal. Und meinen damaligen Partner hab ich ohne Ende dann vollgelabert, falls ich ihn nicht grad beschimpft habe. :oops:

    Nun gut, ich wünsche Dir viel Glück bei der Befolgung der Regeln, denn das wirst Du brauchen.
    Und Du weißt ja, wo wir sind, beim nächsten Absturz.
    Dann kann man natürlich neue Regeln aufstellen und dann wieder neue, trocken geworden ist davon aber sicher noch niemand... :roll:

    LG
    Lilly
    die hier wenig Hoffung auf Regeleinhaltung hat 8)

  • Liebe Orlando,

    da muss ich Lilly recht geben. Fuer mich sind die Regeln nur wieder Aufschub, damit Du Ruhe gibst und er einfach weitermachen kann und im Gegenzug sollst Du ihm noch ein paar alltaegliche Dinge abnehmen, die das Saufen leichter machen.

    Jemand der mit Alkohol ein Problem hat und diese bestimmte Grenzen ueberschritten hat, kann nicht mehr kontrolliert trinken, was am Anfang noch kontrolliert erscheint, artet mit der Zeit immer mehr aus. Ein Suchtkranker kann das nicht kontrollieren und wird sich schnell ausserhalb der von euch aufgestellten Regeln befinden und wahrscheinlich auch Ausfluechte suchen, warum er sich ausserhalb der Regeln bewegt.

    Mein Ex damals hat auch versucht kontrolliert zu trinken, ich hatte es schonmal in einem anderen Thread geschrieben, er hat es zu seinen Topzeiten mit 7 Tagen absolut vollttrunken mit sozusagen Komplettausfaellen geschafft, nicht einen Tag nuechtern, soviel mal zum kontrollierten Trinken. Ohne professionelle Hilfe wird das nichts, wenn er Depris hat, dann gehoert er zum Arzt, da kann kein Freund, Bekannter, Familie oder Partner weiterhelfen.

    Liebe Orlando, was willst Du denn fuer Dich tun?

    Alles Liebe,

    Jenny

  • Nachtrag

    Zitat von Jenny2


    Jemand der mit Alkohol ein Problem hat und diese bestimmte Grenzen ueberschritten hat, kann nicht mehr kontrolliert trinken, was am Anfang noch kontrolliert erscheint, artet mit der Zeit immer mehr aus.

    Hier muß ich Jenny wieder recht geben, ich dachte gerade das gleiche.
    Es muß klar sein, das Alkoholismus eine KRANKHEIT ist, KEINE WILLENSSCHWÄCHE !!

    Darum kann man bestimmte Regeln nicht mehr einhalten als nasser Alkie, so sehr man das auch tatsächlich wollte. ES GEHT NICHT MEHR, wenn ein bestimmter Schalter im Kopf umgelegt ist. Ist dieser Schalter EINMAL umgelegt, bleibt man für immer Alkoholiker, man kann dann nur noch die Sucht stoppen, indem man abstinent lebt !!

    Und ich sehe es genauso, hatte ich noch vergessen, er will Dir jetzt schon Aufgaben zuschustern, die nicht Dein Ding sind, ich muß schon sagen, doof isser ja nicht, ich hätts auch versucht.
    Warum, brauche ich wohl nicht extra erwähnen, oder 8) ?
    Für diejenigen mit wenig Fantasie: Mehr Zeit zum Saufen, bessere Möglichkeiten, meinen Rausch auszuschlafen, soll der "andere" doch machen. :oops::roll:

    LG
    Lilly

  • Hi Orlando,

    weisst Du was mir noch fuer mich gerade einfaellt. Du erinnerst mich so an meine Mutti. Sie lernte damals in der schwersten Zeit nach der Trennung ihres ersten Mannes meinen Stiefvater kennen. Er hat sie und uns Kindern aus einem schweren finanziellen Krise rausgeholt und ich weiss, dass meine Mutti ihm unendlich dankbar dafuer war.

    Glaubst Du denn Du fuehlst Dich ihm verpflichtet, weil er im Kampf gegen den Krebs bei Dir war und Dir geholfen hat? Wenn ja, dann denk mal darueber nach, dass man aus Liebe gibt und nichts zurueckerwarten sollte. Du bist ihm nichts schuldig, das faellt mir irgendwie noch bei Deinem Beitrag auf.

    Alles Liebe,

    Jenny

  • Hallo Orlando,

    auch ich war in einer ähnlichen Situation wie deiner. Ich habe Regel aufgestellt (mit ihm) und es funktionierte auch kurzweilig aber nicht langfristig denn die Sucht holte ihn schneller wieder an dem Punkt das er die Regeln nicht einhalten konnte. Es wurde hinterher nur noch schlimmer dadurch weil er sich noch merh schämte und ausreden suchte warum er die Regeln nicht einhalten konnte.

    Heute kann ich sagen das es auch für mich ein weiterer Schritt war nicht wirklich Handeln zu müssen.
    Ich probierte doch alles also musste es doch klappen das es funktioniert. Nein, es war ein weiterer Selbstbetrug mir gegenüber, ich habe wieder einmal nicht geschaut was Ich machen kann damit es mir besser geht. Sondern ER sollte etwas machen damit es mir besser geht und das funktioniert nun mal nicht.

    Liebe Grüsse
    Elocin

  • Zitat von Lilly12

    Es muß klar sein, das Alkoholismus eine KRANKHEIT ist, KEINE WILLENSSCHWÄCHE !!

    LG
    Lilly


    Liebe Lilly,

    hierzu geht mir gerade einiges durch den Kopf.

    Wenn Jemand unter starkem Alkoholeinfluss eine Straftat begeht, bekommt er von gesetzes wegen milderne Umstände, weil er nicht voll zurechnungsfähig war.

    Wir Co`s hadern oft lange mit den vielen etragenen Verletzungen, Schuldzuweisungen, Fremdgehen des Alkoholikers ect... und entwickeln auf Grund dessen ebenfalls Wut und Schuldzuweisungen. Heisst das im Klartext, dass ein Kranker "zur Tatzeit" nicht zurechnungsfähig und sich seiner Taten bewusst war, möglicherweise nicht bewusst verletzt hat? Wir uns das alles reingezogen haben, getroffen und betroffen reagierten und uns auch noch gegen einen Unzurechnungsfähigen gewehrt und verteidigt haben, das muss ich erstmal auf mich wirken lassen. :shock:

    LG Laurina :wink:

    Hinter jeder Sucht steht eine Sehnsucht, hinter jeder Sehnsucht steht eine Hoffnung.

  • Seit unserer Regelaufstellung sehen und hören wir uns so gut wie gar nicht mehr. Ich finde es deshalb gut, weil es nun so augenscheinlich ist, wie häufig er trinkt und wie alleine ich mit ihm bin ( und er wohl auch mit mir).

    Bis vor 3 Tagen ging dieses sich Trennen auch harmonisch über die Bühne, aber es ist ja auch erst frisch. Vorgestern klagte er wieder sehr über Depressionen, fühlte sich krank. Zudem hatte er über ein Woche seine Arbeit liegengelassen und es taten sich Probleme auf. Ich suchte ihm Informationen und Arztadressen bezüglich seiner Depris, Seminarangebote zum Zeit- und Selbstmanagement und "böse, böse" Informationen über Alkoholsucht sowie passende Adressen... er fand das unsensibel und grob, trank nun erst recht und läßt sich seit dem nicht mehr von mir "schikanieren". . .

    . . . und mich wühlt es nicht auf. Ich habe ihn nicht schikanieren wollen, respektiere aber, dass er es so empfindet. Seither provoziert er und manipuliert er, was das Zeug hält. Es ist unglaublich. Vorher hatte ich das nicht so gesehen und hatte mich verantwortlich gefühlt für seine Unzufriedenheit mit mir. Jetzt bleibe ich ruhg und gelassen und kümmere mich um mich:

    - Donnerstag habe ich den Termin bei der Suchtberaterin
    - Ich gehe wieder einmal monatlich zu einem beruflichen Erfahrungsaustausch und habe somit Kontakt zu mir bekannten Menschen aufgenommen.
    - auch Freunde oder Menschen die dies werden könnten, treffe ich wieder. Vor allem lasse ich mir nicht mehr den Kontakt zu den Menschen aus "meiner Heimat" verbieten.
    - ab Januar werde ich einen Tanzkurs belegen (beginnt da erst)
    - ich habe mir meinen Tagesablauf neu strukturiert, losgelöst von seinen Belangen und Wünschen und fokusiere meinen beruflichen Wiedereinstieg

    An allem kann er Anteil nehmen, wenn er möchte. Ich schließe ihn nicht aus. doch er zeigt wenig Interesse.
    Ich habe das Gefühl, dass ich mich von ihm wegbewege. Erstaunlicher Weise stimmt mich das nicht mehr so traurig und verzeifelt, wie noch vor einigen Tagen. Auch merke ich, dass sich überhaupt unsere Beziehung verändert, seit ich die Alkoholsucht nicht mehr verleugne. Alles fühlt sich dadurch anders an, erhält eine andere Gewichtung und Bedeutung. Das macht etwas mit mir. Ich zweifle nicht mehr so sehr an mir und meiner Wahrnehmung, die Puzzleteile scheinen sich nun stimmig ineinander zu fügen.

    Nun Kleinigkeiten nehme ich ihm auch weiter ab. So gehe ich morgens mit seinen Hunden Gassi, denn es sind ja nun unsere Hunde, ich bin eine Frühaufsteherin und mir tut der Spaziergang gut. Zudem repariert er mir ja doch auch die Waschmaschine und erledigt den Einkauf. Das würde auch so sein, wäre er kein Alkoholiker.

    Ich weiß, wie viele Jahre ich die massiven Symptome meiner Krebserkrankung bagatellisiert habe und einen weiten Bogen um die Ärzte machte, bis es nicht merh anders ging und - toi toi toi - es wohl doch noch rechtzeitig war. Und ich hoffe, dass ich nun auch noch ebenso rechtzeitig die Notbremse ziehe und estwas gegen meine Coabhängigkeit unternehme. Selbst wenn es bedeuten sollte, dass ich mich doch noch einmal aufraffen muss, um ganz neu durchzustarten. Wenn ich mich recht erinnere, war das von vorneherein eine Option, die ich mir offenhielt, als ich zu ihm zog und so lange ist das nun doch auch noch gar nicht her. Interessant ist wirklich zu erkennen, was ich denn nun eigentlich davon hatte und habe. Wesentlicher aber ist es die Lebensqualität, Freude, Sicherheit und (Selbst)Vertrauen neu zu gewinnen.

    So, das waren meine heiligen Gedanken zum ersten Advent, Orlando

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