Beiträge von espoir

    Liebe Gotti,

    ich bin gerade erst hier reingeplatzt, ich weiß, etwas spät, um jetzt noch einen schönen 4. Advent zu wünschen - aber egal jetzt...
    Ich verstehe leider überhaupt nicht, worum es gerade geht, deswegen wollte ich mal schüchtern anfragen, ob du's mir kurz erklären kannst?

    Ich habe nur soviel verstanden, dass dein Mann einen unangenehmen Anruf bekam mit der Aussicht, an Weihnachten arbeiten zu müssen, richtig?
    Und nun hast du Angst, dass er wegen des Ärgers darüber wieder trinkt?
    Oje. :(

    Vielleicht habe ich das ja auch falsch verstanden, aber wenn es so sein sollte, dann hoffe ich ganz stark, dass er sich besinnt und die Dämme nicht brechen lässt.
    Er war doch schon so lange trocken, das kann er doch nicht schon alles vergessen haben!?
    Ich wünsche dir von Herzen, dass sich diese Angelegenheit in deinem (und seinem!) Sinne entwickelt!

    Alles Liebe
    espoir

    Hallo guten Morgen! :D

    Wie schön, eure Beiträge gleich als erstes zu finden!
    Heute Morgen geht's mir richtig gut - die Sonne scheint und über Nacht hat sich die Welt in ein strahlend weißes winterwonderland verwandelt, wie herrlich ist das anzusehen! Dass es dabei fast -10° hat, stört mich nicht so sehr, da muss man sich halt dick einmummeln, aber der Sonnenschein tut meinem Gemüt sooo gut! :D

    Leider habe ich gestern Abend nicht mehr viel geschrieben, da ich "ganz klassisch" auf dem Sofa eingeschlafen bin. Kam mir zunächst gar nicht einmal so vor, als wäre ich wunder wie müde oder kaputt, aber wir hatten uns Pizza bestellt, die Bäuche voll gehauen - und dann hatte selbst mein heißgeliebter Espresso keine Chance mehr... :?

    Ich wünsche euch allen ein schönes, sonniges, ruhiges und besinnliches 4. Adventswochenende ohne Streit, ohne Stress und Hektik oder andere unangenehme Dinge, die uns diese wichtigen 48 Stunden der Erholung vermiesen könnten...

    Alles Liebe und ein vorweihnachtliches Bussi in die Runde geworfen! :wink:

    espoir

    Meine liebe Backmaus,

    ich freue mich riesig mit dir mit, dass das mit dem Backmäuserich so toll verläuft und ihr - wie Gotti ja auch schon schrieb - über Weihnachten und Silvester zusammen seid!!! :D:D:D
    Echt super, das haste auch verdient!
    Du hast geschrieben, dass du dir heute einen "ganz faulen" gönnst.
    Und? Isser nach deinem Geschmack verlaufen? Ich hoffe doch sehr! :wink:

    Ich freue mich, wenn wir uns hier wieder treffen!
    Alles Liebe dir und ein herzhaftes "Wochenend"-*drückerchen*
    espoir

    Hallo ihr Lieben,

    so, wieder ein Tal durchschritten und erste Lichtblicke entdeckt!
    Ich muss sagen, dass ich wirklich ergriffen bin von eurer Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, und vor allem von eurem Verständnis, das tut sooo gut! Denn natürlich habe ich meinen Beitrag am Mittwochabend in erster Linie für mich verfasst, weil ich mir mir Luft verschaffen musste. Aber eure Resonanz darauf hat mir zusätzlich geholfen, aus jedem einzelnen Beitrag konnte ich etwas Hilfreiches für mich herausziehen! :D

    @Backmaus:

    Zitat

    Wie du das machst,ob Einzelgespräche mit den entspr. Personen oder im ganzen Team dein Dilemma zur Sprache bringst..das mußt DU entscheiden...nur TUN mußt du was....


    Das habe ich tatsächlich gemacht.
    Während ich am Donnerstag noch geschwiegen habe, reichte am Freitag bereits eine Kleinigkeit aus, um meinen Kessel erneut hochkochen zu lassen - und da habe ich richtig deutlich gespürt "Wenn du jetzt explodierst, ist das viel schlimmer als der Vorfall selber!" Ich weiß, dass die Leute mich mögen und gerne mit mir zusammenarbeiten, da darf ich mich jetzt nicht gehen lassen und einfach nur Frust abarbeiten, das ist kontraproduktiv und vor allem im höchsten Maße unprofessionell. Und was soll ich sagen? Ich ließ die Arbeit für eine halbe Stunde ruhen und habe mit der Truppe gesprochen. Jeder bekam die Gelegenheit, ganz ruhig und entspannt zu schildern, was ihm denn so durch den Kopf geht und wie er das Ganze einschätzt. Es war ein wertvolles Gespräch, denn ich erfuhr auch einige unangenehme Sachen, die gar nicht wir, sondern wiederum andere Personen oder Personengruppen "verbockt" hatten *kopfschüttel* Mit diesem Wissen kann ich nun auch entsprechende Nachfragen starten und einiges klarstellen. Fazit: Alle waren erleichtert und konnten wesentlich entspannter weiterarbeiten. :D

    Auch der zweite Teil deines Beitrags hat mir so gut getan, Backmaus, lieben Dank dir dafür!

    Gotti :

    Zitat

    denn ich bin mehr auf der "unteren" Etage (oder fühle mich so?! - Baustelle?).


    Da sagst du was! Fühle ich mich so oder ist es so?
    Nicht umsonst hatte ich meinen Beitrag mit den Worten begonnen, das ich momentan Probleme mit meiner Wahrnehmung habe. Ich identifiziere mich zu sehr mit der Arbeit und reduziere meinen Wert auf das Ergebnis, ohne dabei zu bedenken, wie steinig der Weg dorthin sein kann und dass es schon etwas wert ist, überhaupt bis dorthin gekommen zu sein. Andere pokern da viel mehr, Klappern gehört zum Handwerk, und die reden sich Dinge schön, da wird dir ein Kuhfladen als "Sachertorte" verkauft, und das habe ich schon immer gehasst, aber ich muss endlich lernen, dass das so Usus ist. Ich bin wohl auf eine ganz nervige Art aufrichtig und lasse nicht eher locker, als bis das Ergebnis passt. Jetzt, wo ich das schreibe, erinnere mich daran, dass mir mein Chef schon vor 10 Jahren mal gesagt hat: "100% reichen, Frau XY, wir brauchen hier nicht 150%!" :(
    Und was die Unterscheidung "oben" oder "unten" angeht, Gotti, die existiert für mich auch eher auf dem Papier. Ich bin wohl weisungsbefugt, sehe mich aber tatsächlich als Teil des Ganzen. Als Chefin würde ich mich nie eignen, und das weiß ich auch. Und das ist auch ok so.

    Lieben Dank auch dir für deinen Gedankenschubser!

    silberkralle :

    Zitat

    klar: wer nichts macht, macht auch keine fehler – wer viel macht...


    Hallo Matthias,
    es sind die einfachen Wahrheiten, die ich oft nicht sehe! :D
    Du hast völlig Recht, das liegt alles im Auge des Betrachters, denn nix tun und hinterher nur mosern, das kann jeder! Also lieber was tun und dann aber auch einplanen, dass da auch Fehler passieren. Was mich am Mittwoch so fuchsig gemacht hat, war die Tatsache, dass ich - subjektiv - den Eindruck hatte, es würde alles auf Dritte geschoben werden, und das mag ich überhaupt nicht. Das kann aber auch mit meinem Trocknungsprozess zusammenhängen, dass ich erst jetzt lerne, die Verantwortung für mein Tun und Handeln zu übernehmen, und das wie selbstverständlich von anderen auch erwarte. Hier muss ich dringend ansetzen und "sanfter" werden... :roll:

    Auch dir lieben Dank, wir kennen uns ja noch nicht, da muss ich bei dir noch nachlesen gehen! :wink:

    @Schattenspringerin:
    Du hast richtig getippt, ich bin im Öffentlichen Dienst, und meine Arbeit hat ganz viel mit Außenwirkung zu tun. Ich arbeite eher mit Menschen als mit Akten, das macht meine Tätigkeit für mich so schön, aber der Verwaltungskram nimmt hin und wieder Überhand und wenn ich persönlich dann den Eindruck habe, dass nur die Leistung nach außen zählt und der einzelne an sich untergeht, dann macht sich eben - wie am Mittwochabend - Frust breit, zumindest bei mir.
    Die Tendenz zu fernöstlichen Techniken habe ich schon seit einiger Zeit bei mir festgestellt. Vieles davon erscheint mir zwar noch fremd, aber wie du richtig geschrieben hast, geht es ja auch gar nicht darum, alles und auf einmal umzusetzen, sondern zunächst einmal da "reinzuschnuppern". So habe ich mich schon vor Jahren mit der TCM beschäftigt, der 5-Elemente-Lehre und den Grundlagen des Yoga. Yoga selber betreibe ich (noch) nicht, habe mir aber drei dafür gedachte Musik-CDs gekauft. Und die holen mich im Moment maßlos runter! Vor 10 Jahren hatte ich's mit der Klassik, dann kam die Phase der irischen Folklore, jetzt isses eben Yoga. Mal schauen, wie sich das weiterentwickelt... :wink:
    Dass du ins Kloster gehst, finde ich unglaublich spannend und freue mich schon, wenn du davon berichten wirst! Aber wenn Backmaus im Hinblick auf das Schweige-Gelübde von "Herausforderung" spricht, geht mir eher der Begriff "Folter" durch den Kopf... :roll: Vielleicht schon wieder die falsche Sicht der Dinge...

    Übrigens - lieben Dank dir für deinen Buchtipp, den werde ich eventuell wirklich beherzigen, wenn ich wieder etwas stabiler bin. Ich weiß noch, wie ich "Um die Kindheit betrogen" gelesen habe, da war ich auch tagelang wie vor den Kopf geschlagen. Also im Moment vielleicht lieber nicht, aber die Feiertage stehen ja vor der Tür! :wink:

    Julchen :
    Hallo Julchen,
    wie lieb von dir, dass du nachfragst! Ja danke, es geht schon wieder etwas besser. Es war wohl das einzig Richtige, meinen Frust hier zu thematisieren, mir den ganzen Schlamassel mal von der Seele zu schreiben, dann 'ne Nacht darüber schlafen, und dann kriegt man auch wieder einen klaren Blick! Vieles erscheint ja oft nur in der Momentaufnahme so bedrohlich. Ich habe in den vergangenen Tagen vor allen Dingen gelernt, dass "sich mitteilen" ganz wichtig ist, dass vieles auch mit meinen ganz persönlichen Versagensängsten zu tun hat, und dass ich nicht alleine bin mit meinen Sorgen! Das finde ich schon sehr tröstlich und macht mir Mut, bloß nicht locker zu lassen.

    Ich wünsche dir ebenfalls ein schönes Adventswochenende! :D

    Sodala, jetzt bin ich erst einmal platt...
    Was im Gespräch mit meinem Therapeuten herausgekommen ist, kann ich euch ja vielleicht heute Abend erzählen, jetzt muss ich erst einmal duschen und mich zivilisieren, ich hocke hier immer noch im Räuberzivil herum und es ist schon Mittag! :shock:

    Alles Liebe euch
    espoir

    Hallo guten Abend,

    momentan habe ich wieder einmal ein großes Problem mit meiner Wahrnehmung.
    Es häufen sich größere und kleinere Probleme, jedes einzeln für sich betrachtet sicherlich keine richtige Katastrophe, aber die Summe macht's eben. Ich würde es beschreiben als eine Kette von Nackenschlägen, die anfängt mir zunehmend auf den Geist zu gehen. Im Job ist schon wieder eine Menge los, es sind ja eigentlich nur wenige Kollegen krank, aber das Fehlen genau dieser paar Leute führt dazu, dass ich seit einigen Wochen schon wieder Mehrarbeit leisten muss. Die kriege ich zwar bezahlt, kein Thema, aber ich merke, dass ich langsam an meine Grenzen komme. Ich will nicht mehr Geld, ich möchte lieber in einem vernünftigen Umfang meine Aufgaben erledigen und nicht noch an "fremden Fronten" mitkämpfen müssen, und dabei noch lächeln: "Ja klar, das übernehmen wir auch noch, dann müssen andere Dinge eben warten..." und ich darf mir nicht anmerken lassen, dass ich eine Sau-Wut in mir habe. Heute Mittag lief eine Kollegin lächelnd an mir vorbei und meinte ganz beiläufig, dass ein bestimmtes Team festgestellt habe, "mein Gott, wie nervös die Frau XY doch im Moment sei...". Sie lachte und wollte mir mit Sicherheit den Tag nicht verderben (nee, ehrlich, wir sind privat befreundet), sie wollte mich vielleicht zum Lachen bringen, aber ich merkte sofort, wie sich Unmut bei mir breitmachte.
    Ich bin nicht nervös. Ich bin ungeduldig. Ich schaue mir seit Wochen an, wie Mitarbeiter sich blöd stellen, Dinge nicht tun oder nicht so tun, wie sie sie erledigen sollen bzw. müssen, damit ich das ordnungsgemäß weiterleiten kann. Aber als Teamleiter sagst du natürlich nicht: "Sag' mal, was soll das? Spinnst du, oder was? Sieh zu, dass du das sofort in Ordnung bringst, aber dalli, sonst funkt's!!!", nein nein, ich motiviere den Mitarbeiter natürlich! Jeder hat Verständnis, wenn "nach oben" geschimpft wird, aber wage es auch nur einmal, als Teamleiter "nach unten" zu schimpfen, oje, dann kannst du einpacken! Und was mich am meisten ärgert, ist, dass jeder wie selbstständlich am ersten des Monats sein Gehalt erwartet. Wieso können die dann nicht auch wie selbstverständlich ihre Arbeit erledigen, für die sie bezahlt werden? Boah ey, Kinners, ehrlich! :evil:

    Naja, und privat laufen die Dinge auch nicht so rund.
    Auch da muss ich lauter Nervereien durchstehen (z.B. mein parkendes Auto wurde gerammt, na danke, und ich als Geschädigte hab' die Rennerei), ich bin nur noch dauermüde und freue mich nicht die Bohne auf Weihnachten und die paar freien Tage, und ich mag mich selber nicht, wenn ich so negativ drauf bin, nach außen bin ich immer noch freundlich und zuvorkommend, können die anderen ja nix dafür, aber innen drin sieht's natürlich ganz anders aus.
    Ich weiß, dass ich gut auf mich aufpassen muss, dass ich den Druck rausnehmen muss, aber momentan ist mein Hirn wie vernagelt. Ich sehe und höre nur das Negative, ich habe - sicherlich zu Unrecht - den Eindruck, dass ich gerade nichts Schönes erlebe, ich stopfe wieder Unmengen Süßigkeiten in mich hinein, klar, Nervennahrung, aber trotzdem... auf die Waage steige ich Moment lieber nicht...

    Bloß gut, dass ich morgen wieder einmal einen Termin bei meinem Therapeuten habe, das erdet mich immer unheimlich. Da muss ich mich zusammenreißen und kann nicht einfach nur jammern und das ist auch gut so, denn das Gespräch ist ja kein Kaffee-Klatsch, sondern soll mir zeigen, wo ich den Hebel ansetzen kann, was ich verändern kann, um endlich wieder in ruhiges Fahrwasser zu kommen. Er wird mich sicher auch fragen, was ich dem entgegen zu setzen habe, wie und wo ich mir einen Ausgleich schaffe. Und ich werde ehrlich sein und sagen, dass das mit dem Ausgleich so eine Sache sei. Und dass ich im Moment nicht so viel für mich tue. Mist!

    Immerhin habe ich mir meinen Frust jetzt hier von der Seele schreiben dürfen, und das ist für mich schon viel wert! Morgen sieht die Welt ja vielleicht schon wieder anders aus!?

    Ich wünsche euch allen einen schönen Abend!

    LG
    espoir

    Hallo Julchen,

    na ganz so schlimm ist es bei mir zum Glück nicht! *lach*
    Aber ich sage wenigstens ehrlich, wenn mir was nicht so doll schmeckt.
    Und Wirsing esse ich bis heute nicht...

    Liebe Grüße
    espoir

    Liebe Julchen,

    nein, du bringst da nichts durcheinander.
    Meine Mutter ist das, was man wohl "passiv-aggressiv" nennt, d.h. sie formuliert nie ihre echten wahren Bedürfnisse, sondern gibt sich betont duldsam um dann hinterher Druck auszuüben. Beispiel: Ich melde mich vielleicht mal vier Wochen am Stück nicht, obwohl ich nur 15 Autominuten von ihr entfernt wohne, und wenn wir dann telefonieren, erfahre ich alle ihre Zipperlein, wo's zwickt und zwackt, "aber mach' dir keine Sorgen Kind, ich komm' schon klar, ich will dich ja auch nicht mit meinem Kleinkram belästigen..." :shock:
    Natürlich erreicht sie ihr Ziel, denn ich bin nach solchen Telefonaten immer recht nachdenklich und male mir in den schwärzesten Farben aus, wenn ihr wirklich mal was passieren würde, und ich tät's vielleicht gar nicht mitkriegen, und wie stehe ich dann da? Und alle würden missbilligend den Kopf schütteln und sagen "Kannste mal sehen, die Tochter ist beruflich erfolgreich, aber sich um die arme alte Mutter kümmern, das kann sie wohl nicht, ne! Hat doch keine Kinder und sooo viel Zeit, also wirklich!"

    Als ich ein Kind war, war sie eine absolute Bilderbuch-Mama. Sie hat nicht gearbeitet, war nur für uns drei Kinder da und hat es trotz der Sauferei meines Vaters und der späteren Arbeitslosigkeit (die allerdings zeitlich begrenzt war) immer geschafft, was Ordentliches auf den Tisch zu bringen, sogar für eine kleine tägliche Süßigkeit war noch was übrig. So gesehen war ja alles paletti.
    Aber wehe, wenn sie im Zusammenhang mit meinem Vater mal Stellung beziehen sollte. Unmöglich. Ging nicht. Die Szene mit dem Teller habe ich dank deines Berichtes wieder lebhaft vor Augen. Es gab ausgerechnet Wirsing, den mochte ich halt nicht, und der angetrunkene Befehl lautete einfach: "Die steht nicht eher auf, als bis der Teller leer ist!" Ich saß da, es wurde Nachmittag, ich traute mich nicht einmal zu heulen, es wurde Abend und ich saß immer noch da. In meiner Verzweiflung versuchte ich das Zeug irgendwie reinzukriegen, aber ich stopfte es halt nur in die Backen, ich kaute nicht, geschweige denn, dass ich schluckte. Irgendwann meldete sich mein Würgereflex, und ich dachte immer nur: "Wenn du auch nur einen Tropfen ausspuckst, kriegste erst recht Ärger!" Erst als mein großer Bruder in die Küche kam und zu meiner Mutter sagte: "Mensch Mutti, hör auf, die würgt doch schon!" ließ sie mich aufstehen und schaute dabei aus, als würde ihre eigene Hinrichtung bevorstehen.

    Würde ich das meiner Mutter heute erzählen, würde sie es als glatte Lüge abtun. Sie würde sagen: "Kind, so war das doch gar nicht!" Niemals würde sie freiwillig zugeben, dass sie es nicht fertigbrachte, dem Vater zu widersprechen. Das ist nur ein Beispiel von vielen, steht aber symptomatisch für meine Unfähigkeit, "Nein" zu sagen. Das lerne ich ausgerechnet jetzt, wo ich nicht mehr trinke. Und ecke entsprechend bei ihr an.

    Sie fällt aus allen Wolken, wenn sie mich mit schmeichelndem, manchmal sogar bewusst unterwürfigem Ton fragt, ob ich dieses oder jenes für sie machen könnte, und wenn ich dann "Nein" sage, tickt sie richtig aus. Als ich noch getrunken habe, waren wir im Nu in ätzende Diskussionen über meine Trinkerei verstrickt und wie aggressiv ich sei. Wie oft bin ich bei Familienstreitigkeiten an die Grenze meiner Belastbarkeit gekommen, habe viel zu lange geschwiegen, und wenn ich in meiner Not auch grob wurde, war ich die Doofe. Seit ich nicht mehr trinke, zieht das Argument nicht mehr. Ganz im Gegenteil - sie kann es nicht mehr auf den Alkohol schieben, sie muss dann schlucken, dass ich Dinge tatsächlich genauso meine, wie ich es sage, und dazu gehört eben auch, dass mein "Nein" heute tatsächlich "Nein" bedeutet.

    Das ist alles sehr schwer für mich.
    Du hast von "emotionaler Erpressung" geschrieben, Julchen, genau das ist es! In meiner Familie war emotionale Erpressung an der Tagesordnung. Ich habe viel mit mir selber ausmachen müssen, das ist für ein Kind bzw. später für einen Teenager nicht immer einfach. Jede Form der Zurückweisung beziehe ich sofort auf mich und frage mich erschreckt, was ich denn falsch gemacht haben könnte, wenn der andere jetzt so komisch ist. Es wird langsam besser, aber ich trinke ja auch erst seit knapp anderthalb Jahren nicht mehr, da muss ich wohl noch etwas Geduld haben. Erst jetzt kann ich mir sagen, dass da wohl jemand einen schlechten Tag hat, erst jetzt bedenke ich, dass der sich vielleicht über jemand anderen geärgert hat und ich lediglich unpassend auf der Bildfläche erschienen bin.
    Dieser ewige Zweifel an der eigenen Wahrnehmung, der ist mir bis heute geblieben. Ich habe doch deutlich gespürt, dass das, was bei uns los ist, nicht normal ist, habe aber immer gehört, dass alles in Ordnung sei. Meine Mutter hat uns - sicherlich ohne es zu wollen - zu Mitopfern gemacht. Sie hat uns in ihren Co-Sumpf mitreingezogen, und wenn sie es schon nicht schaffte, sich daraus zu befreien, wie sollte ich als kleines Mädchen es schaffen?
    Ein einziges Mal, da war ich schon in der Pubertät und entsprechend kritisch eingestellt, beklagte mein Vater wieder mal im Suff, dass das Salz auf dem Tisch fehle. Noch ehe sie diensteifrig aufspringen konnte, habe ich nach außen cool, innen aber zitternd wie Espenlaub, gesagt: "Mensch, hol's dir halt selber!" :shock: Er sprang auf und holte aus, verfehlte mich aber nur, weil er kaum noch stehen konnte und sich schnell am Tisch abstützen musste. Ein Wunder, dass er nicht alles abgeräumt hat. Meine Mutter schrie nur entsetzt auf, mehr aber auch nicht.

    Sie hat mich nicht geschützt. Nicht schützen können.
    Das macht mir heute den Umgang mit ihr so schwer. Ich bin hin und her gerissen zwischen Ablehnung und Mitleid. Sie tut mir oft wahnsinnig Leid, aber ihr habe ich es wohl auch zu verdanken, dass ich jetzt erst mühsam lerne, meine Bedürfnisse zu verteidigen. Ich darf müde sein nach einem harten Tag im Job, ich darf die wenigen Stunden am Wochenende mit meinem Mann verbringen wollen, weil ich den sonst unter der Woche kaum sehe. Und immer noch dieser Widerspruch in ihren Worten, wenn sie sagt "Das verstehe ich doch, ihr seht euch doch auch so wenig!" und ich weiß aber todsicher, dass sie meint "Trotzdem will ich, dass du dich mehr um mich kümmerst!"

    Und mein Vater?
    Nunja, als ich noch ganz klein war, habe ich ihn natürlich abgöttisch geliebt, wie es kleine Mädchen halt so machen. Dass er ständig betrunken war, war für mich so normal wie für andere Kinder, deren Väter einen Sprachfehler haben oder denen ein Finger fehlt. Mit Beginn der Pubertät kühlte sich das natürlich merklich ab, mehr und mehr schlich sich Verachtung ein. Freunde einladen? Undenkbar. Oder nur am Nachmittag, wenn er noch nicht da war. Öffentliche Sachen, z.B. in der Schule? Nur peinlich, deshalb möglichst zu vermeiden...

    Weißt du Julchen, ich glaube, ich bin mittlerweile an einem Punkt angelangt, wo ich langsam so weit bin, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Ich bin nicht sicher, ich glaube, Gotti war es, die mir einmal schrieb, dass das Wühlen in der Vergangenheit ein Zeitfresser ist. Ich möchte endlich abschließen können mit dem, was war. Ändern kann ich es ja sowieso nicht mehr.

    Puh, das war jetzt sehr viel, ich weiß nicht, ob du das so ausführlich überhaupt lesen wolltest... :roll: Aber wie ich dir schon schrieb, deine Erzählungen haben mich heute mächtig aufgewühlt, da bin ich schon froh, es jetzt mal "abgeladen" zu haben!

    Danke für deine Geduld!

    LG
    espoir

    Liebe Julchen,

    ich habe tatsächlich erst jetzt deinen Thread hier bei den Kindern entdeckt und kann dir gar nicht sagen, wie sehr ich schlucke!
    Ich finde mich an drei Stellen wortwörtlich wieder:
    - als du am Tisch sitzen bleiben musstest, weil du das Essen nicht mochtest
    - als du deiner Mutter nicht gesagt hast, wann du zur Führerscheinprüfung antrittst
    - als du das kleine Mädchen auf dem Foto gesehen hast, das unsicher in die Kamera lächelt
    Julchen, haargenauso war es bei mir!!! :(
    Unglaublich.

    LG
    espoir

    Liebe Julchen,

    ich bin gerade so im Adventsgrüße-Rundum-Verschicken-Wahn, da darfst du natürlich auch nicht fehlen! :D
    Ich hoffe, dass bei dir alles ok ist und dein Backwahn dich beflügelt? Ich selber hatte letztes Jahr auch mal so einen Anflug, um dann aber kleinlaut festzustellen, dass mir das leider doch nicht so'n Spaß macht... Bin dann aufs Kuchenbacken umgestiegen, und siehe da: Das isses! Macht Spaß, entspannt, und man kann sich herrlich in die Herzen seiner Mitmenschen schleichen... *hihi*

    Alles Liebe dir und einen schönen schönen zweiten Advent!
    LG
    espoir

    Liebe Gotti,

    ich möchte dir auch gerne ein schönes Adventswochenende wünschen und mich für deine Grüße bedanken!
    Ich habe heute auch das "Übliche" abgearbeitet, Wäsche waschen steht allerding noch aus, aber der Abend ist ja noch jung... :wink:

    Dir dagegen wünsche ich viel Freude bei dem Konzert heute Abend!
    Festliche Musik (was immer du damit auch meinst) ist bestimmt das beste Mittel, um wenigstens stundenweise in Weihnachtsstimmung zu kommen! :D

    Alles Liebe
    espoir

    Zitat von Speedy53

    Hallo,

    mal abgesehen von diesem Satz, dem ich mich anschliessen möchte

    Aber Hallo! :D:D:D
    Noch ein sabberndes Weibchen...

    Ehrlich gesagt wundere ich mich auch häufig darüber, dass soviele Anfragen kommen, wie man bestimmte Speisen denn jetzt ohne Alkohol zubereiten könne - bei manchen wusste ich noch nicht einmal, dass man die mit Alkohol macht! :shock: Z.B. Sauerbraten mit Rotwein... äh... wie jetzt? Rotwein in der Beize? Kenne ich gar nicht! Meine Mutter hat immer ohne Alkohol gekocht, aber mit Sicherheit nicht, weil mein Vater Alkoholiker war, sondern weil wir Kinder mitaßen. Auch die Dinge, die ich mir später autodidaktisch angeeignet habe, waren stets alkoholfrei. Und ganz zum Schluss, als ich selber noch getrunken habe, habe ich halt beim Kochen getrunken, aber niemals hätte ich den edlen Tropfen in der Soße versenkt, wäre doch schade drum... :?

    Aber Spaß beiseite - Speedy hat völlig Recht: Wenn die Zutaten stimmen und ein bisschen liebevoll zubereitet werden, geht doch nichts über "echtes" Essen, also Fleisch, das nach Fleisch schmeckt, Gemüse, das nach Gemüse schmeckt usw.

    In diesem Sinne - viel Spaß beim Kochen! :D
    LG
    espoir

    Hallo Wasser,

    na da mag ich mich doch gerne dazugesellen, wenn ihr über "Forumsdazugehörigkeit" plaudert! :D
    Bei mir war's ja auch erst am 1. Advent soweit, da habe ich auch nicht schlecht gestaunt, wie schnell die Zeit vergeht, ein Jahr schon tippsel ich hier herum! :D Und ich erinnere mich noch sehr gut an unser Zusammentreffen: Traubensaft aus Champagnergläser, tztztz, mon dieu, das geht ja gar nicht *empörtguck* :D:D:D

    Ich freue mich richtig, dass ich damals falsch getippt habe und du trotz meiner Bedenken stur deinen Weg gegangen bist! Nicht so schön ist natürlich, dass du andere gesundheitliche Beeinträchtigungen ertragen musst, aber die lassen sich nüchtern sicher auch besser verarbeiten, oder? Ich meine, wenn jetzt noch unsere altbekannte Besorgen-Konsumieren-Entsorgen-Problematik dabei wäre, wäre dein Leben möglicherweise noch 'ne Ecke härter, oder?

    In diesem Sinne wünsche ich dir von Herzen weiterhin alles Liebe und Gute und natürlich einen schönen zweiten Advent!

    LG
    espoir

    Meine liebe Backmaus,

    ich finde es schön, soviel Positives von dir zu lesen!
    Ich mag die Art, wie du die größeren und kleineren Katastrophen in deinem Leben beschreibst und dabei weder zum Dramatisieren noch zum Bagatellisieren neigst - einfach toll!
    Deshalb drücke ich dir natürlich von Herzen die Daumen, dass das auch weiterhin so bleibt und die Dinge sich in deinem Sinne entwickeln! :D

    Alles Liebe dir
    espoir

    @ Hartmut: Wo du Recht hast, hast du Recht! :D

    @ Backmaus und Gotti:
    Als ich eure lieben Grüße gelesen habe, musste ich sofort an dieses Lied denken, keine Ahnung, von wem das ist, so im Charleston-Stil: "Gekommen, um zu bleiben"... :D

    So, jetzt mache ich mir es erst einmal gemütlich, ich komme gerade vom Einkaufen, draußen ist es dunkel, kalt, Sprühregen - ich HASSE Sprühregen - , aber Espresso und was Süßes, dann sieht die Welt schon wieder anders aus! :D

    Liebe Grüße in die Runde
    espoir

    Hallo guten Abend,

    weiß jemand, wo lobanshee abgeblieben ist?
    Sie ist doch erst neulich zurückgekehrt und nun steht nicht nur "Gast" unter ihrem Nick, der Thread ist auch komplett weg... :(

    Sorry, dass ich nicht auf dem neuesten Stand bin.

    LG
    espoir

    Zitat von Ute

    Vielleicht werde ich Mutti. Ratet mal wer mich dazu macht.
    Ist doch eine schöne Aufgabe.
    :oops::oops:

    Ach soooooooooooooooooooooo, du meintest Momo! :wink:
    Darauf wäre ich allerdings tatsächlich nicht so schnell gekommen... :D

    Und?
    Wie wird das dann sein, ich meine, wenn "es" geklappt haben sollte?
    Welche Pläne hättest du mit den Welpen?

    LG
    espoir