Zitat von rowi
Soll heissen , mein bisher guter Ruf ist schon angekratzt , wenn nicht schon ruiniert und dann soll ich mich für Wochen auf die faule Haut legen?
Grüß dich rowi,
wie schön, dass du nun wieder ein bisschen öfter hier schreibst!
Der obige Satz ist mir sofort ins Auge gesprungen, weil er mich an meine nasse Zeit erinnert hat - faule Haut! So habe ich auch gedacht, wenn ich wieder einmal alkoholbedingt ausgefallen bin und zwar offiziell von "krank sein" gesprochen habe, definitiv aber an "krank feiern" gedacht habe. Mich hat dauernd das schlechte Gewissen geplagt, weil ich ja wusste, dass ich Krankheitssymptome auskurieren musste, die ich nicht gehabt hätte, wenn ich nicht gesoffen hätte.
Bei dir ist das aber mittlerweile anders.
Du trinkst nicht mehr und musst deshalb kein schlechtes Gewissen haben. Also halte ich es für einen falschen gedanklichen Ansatz, von "fauler Haut" zu reden, wenn es um deine Gesundheit geht. Wenn Backmaus dir eine Kur vorschlägt, hat sie mit Sicherheit keine 6 Wochen Südsee mit B...-Feeling im Hinterkopf, sondern eine bewusst gewählte Auszeit, die dir zunächst körperlich auf die Sprünge helfen soll, aber natürlich auch dafür gedacht ist, die seelische Gesundheit wiederzuerlangen bzw. zu stabilisieren. Damit verschleuderst du keine Zeit, sondern investierst in deine Lebenszeit und -qualität.
Nun ist mir völlig klar, dass gerade heutzutage niemand mehr "einfach so" eine Kur beantragt, mal ganz davon abgesehen, dass die auch nicht mehr "einfach so" bewilligt werden. Ich meine aber, bei dir ein ganz anderes Problem heraus"hören" zu können - nämlich deinen unbefriedigenden Alltag. Der sogenannte "honeymoon", diese Euphorie, die viele Trinker in den ersten Wochen und Monaten erleben, scheint bei dir ja schon lange verflogen zu sein. Du schreibst von 12-Stunden-Arbeitstagen, keine Zeit für vernünftige Mahlzeiten, darüber hinaus noch Ärger mit einer Kollegin... Au weia! Das will erst einmal bewältigt werden!
Vielleicht wäre es ja ein Ansatz für dich, erst einmal zu überprüfen, wie denn dein Leben momentan ausschaut, so richtig altmodisch mit Liste "Job", "Familie" und "ich selbst". Und für jeden Bereich unterteilst du in "so schaut's aus" und "so hätte ich's gerne". Wenn du das - nach Möglichkeit in Ruhe - bei einer Tasse Kaffee/Tee und/oder Schokolade
mal durchgehst, siehst du vielleicht etwas deutlicher, wo die einzelnen Baustellen und - noch wichtiger - die schmerzhaften Knackpunkte liegen. Manche Dinge können wir schlicht und ergreifend nicht ändern, das ist leider so, aber da können wir zumindest versuchen, unsere Einstellung dazu, die Sicht der Dinge zu ändern. Andere Dinge, die wir tatsächlich verändern können, lassen sich aber nur lang- oder mittelfristig verändern. Da heißt es dann: Geduld, Geduld, Geduld! Naja, und die kurzfristigen Dinge, die können wir sofort ändern, und das sollten wir dann auch tun.
Ich persönlich finde es ganz wichtig, bei solchen Überlegungen immer auch mich selber im Hinterkopf zu behalten. Wenn ich also z.B. etwas nicht ändern kann, und ich weiß, dass mich das wahnsinnig macht, ist es ganz wichtig, dann aber für Ausgleich zu sorgen. Etwas zu finden, dass mein seelisches Gleichgewicht stabilisiert, damit ich eben genau diesen Mist, den ich nicht ändern kann, besser ertragen kann.
Liebe rowi, ich hoffe, ich habe nicht völlig an deinem Thema vorbei geredet? Ich wünsche dir jedenfalls von Herzen die Ruhe und Muße, die es braucht, um möglichst objektiv Bilanz ziehen zu können. Und dazu ein Augenzwinkern, ein Schulterzucken und ein Kopf-in-den-Nacken-werfen. 
Alles Liebe dir!
espoir