Beiträge von espoir

    Epilieren?
    So'n Weichei wie ich?
    :shock:

    Nee nee, der gute alte Nassrasierer tut's auch! :D
    Friseur ist erst in etwa vier Wochen wieder angesagt, es sei denn, meine "bad hair days" häufen sich weiter so signifikant wie in den letzten Tagen, dann werde ich wohl früher gehen.

    Bis später (äh... wann ist später? Aber nu' nich' gerade zwischen 22.00 und 23.00 Uhr, oder?)
    espoir

    Hallo Backmaus,

    nein, nein, ich verwöhne mich durchaus nach wie vor jeden Tag mit einer netten Kleinigkeit, allerdings hatten die Dinge, die ich letzte Woche gemacht habe, dauernd was mit Geld ausgeben zu tun, nicht viel sicherlich, oftmals "nur" Beträge um die 30 Euro - und wenn man bedenkt, was ich früher versoffen habe, mei, dann ist das Käsekram - aber ich hatte tatsächlich Bedenken, das so offen hier zu posten. Könnt' ja sein, dass das wieder jemand in den falschen Hals kriegt und meint, mir Bedürfnis-Defizite zu diagnostizieren.

    So habe ich mir letzte Woche bereits den ersten Frühlings-Schnickschnack als Deko für den Hausflur gegönnt oder mich tierisch darüber gefreut, dass ich allen Miesepetern zum Trotz mein Auto bei nur +0,5 Grad durch die Waschanlage gefahren habe. Mei, anthrazit sieht halt nur sauber richtig klasse aus... :wink:

    Dann bin ich kulinarisch auch schon wieder auf die Sunshine-Schiene gekommen und habe im Speiseplan verstärkt Paprika, Tomaten und Zucchini berücksichtigt, weil ich bald keine Möhren oder Kohl mehr sehen kann. Naja, und heute war noch Damen-Winterfell-Beseitigung angesagt, also von mir aus kann der Frühling jetzt kommen!

    LG
    espoir

    PS: Ach ja, da fällt mir nochwas ein - ich steh' total aufs "Dschungel-Camp"! Das eine Stündchen jeden Abend muss einfach sein! 8)

    Hallo Backmaus,
    wie schön, dass du prompt geantwortet hast!
    Nö, das mit dem Tüddeljob habe ich sehr wohl verstanden, aber ich hatte eher auf Kranken- oder Altenpflegerin getippt mit Alzheimer-Patienten... Naja, und da war ich mir eben nicht sicher, ob ich da nicht einfach Grenzen verletzt habe, weil es ja sein könnte, dass du oder jemand anderes in diesem Beruf meine Äußerung als ehrabschneidend empfindet.
    Guuuuuuuuuuuuuuuuuuuuut, dass wir mal darüber gesprochen haben! :wink:

    Die Rückfall-Kandidatin, die du erwähnt hast, ist das die, wegen der du dich an Silvester so geärgert hattest? Finde ich gut, dass du da offensichtlich einen Weg für dich gefunden hast, Anteilnahme zu zeigen, ohne das zu nah an dich ranzulassen.

    Ich muss da in dieser Hinsicht auch noch viel lernen. In meiner SHG ist eine Frau, die beständig seit Wochen über Eheprobleme klagt. Vor zwei Wochen haben wir uns als Gruppe ihr ganz gewidmet, haben zugehört, getröstet, aber auch handfeste Möglichkeiten diskutiert, wie sie aus der Situation rauskommen könnte bzw. erste kleine Veränderungen vornehmen könnte. Vorgestern erzählte sie wieder irgendwelche Geschichten, und als wir gezielt nachgefragt haben, was sie denn nun konkret unternommen hätte, grinste sie nur breit und verneinte, nach dem Motto: "Ach iwo, des passt schon so, ich halt des schon aus."

    Ich habe gekocht.
    Weißt du, ich habe nicht die Riesenschritte erwartet, aber wenn so gar keine Resonanz kommt, nicht mal, dass sie vielleicht irgendwo angerufen hat und da war halt leider stets besetzt oder es ist keiner drangegangen, egal, irgendwas halt, aber nein, nichts, und dann noch dieses blöde Grinsen, da kam ich mir total verarscht vor.

    Ich hätte auch noch damit leben können, wenn sie gesagt hätte, dass sie noch einmal in Ruhe über unsere Worte nachgedacht hätte und zu dem Schluss gekommen sei, dass das wohl doch nichts für sie sei. Mei, dann halt nicht, wir wollten ja nur helfen oder einen Gedankenschubser rüberbringen. Aber so gar nichts, nicht nachdenken, geschweige denn handeln, also ich weiß nicht, das hat mich total geärgert.

    Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal derart frustriert nach Hause gefahren bin bzw. mich darüber geärgert habe, dass ich in der Zeit lieber zwei Bruttoregistertonnen Bügelwäsche erledigen hätte können.

    Naja, soviel zum Thema "Abgrenzen". Da habe ich wohl auch noch viel vor mir... :roll:

    LG
    espoir

    Hallo zusammen,
    nur ganz kurz, denn ich bin ein bisschen in Eile:

    @Weitsicht: Lieben Dank dir für deine Nachsicht mit mir! :wink:

    @Backmaus: Wo steckst du? Ich vermisse dich! Du bist doch hoffentlich nicht böse auf mich, weil ich neulich einen zugegebenermaßen ziemlich blöden Scherz gemacht habe, oder? Falls doch, möchte ich mich aufrichtig bei dir entschuldigen! Es war niemals meine Absicht, dich zu verärgern!

    Bis heute Abend!

    LG
    espoir

    Liebe Weitsicht,

    ich war gerade kurz in deinem Thread - Allmächd, 51 (in Worten: einundfünfzig!) Seiten kann ja nicht mal ich so ohne weiteres lesen! Bitte siehe es mir nach, dass ich dafür ein Weilchen brauche, ja?
    Und die Einladung, hier mal was von deinem Mann zu erzählen, habe ich natürlich auch nur unwissenderweise ausgesprochen... :oops:

    Ich les' mich mal ein, okay?
    Alles Liebe
    espoir

    Liebe Weitsicht,
    ich freue mich riesig, wenn ich dir mit meinem Beitrag irgendwie weitergeholfen habe - und wenn's auch nur ein kleiner Gedankenschubser in diese oder jene Richtung war. Dein feedback tut mir umgekehrt ja genauso gut, denn ich bin ja gerade deswegen hier, um zu lesen, nachzudenken und mich dann gegebenenfalls zu äußern.

    Leider weiß ich nicht so recht, was ich dir zu deinen beiden Überlegungen zu deinem Vater bzw. Mann schreiben kann.
    Es könnte natürlich tatsächlich so sein wie du vermutest, dass du deshalb keine Trinkerin geworden bist, weil dein Vater nicht getrunken hat, und du "lediglich" eine grundsätzliche Suchtstruktur entwickelt hast, die durch die Trinkerei deiner Mutter initiiert wurde. Aber das sind reine Spekulationen. Ich muss dazu sagen, dass ich deinen eigenen Thread noch gar nicht gelesen habe, weil ich mich kaum bis gar nicht bei den EKAs aufhalte. Von daher kann ich auch dein Leben bzw. Situationen mit deiner Mutter oder deinem Vater nicht einschätzen.

    Zu deinem Mann - da war ich mir nicht sicher, ob du den Ausdruck "Glück" nicht am End' ironisch gemeint hast?! Denn sicherlich ist deine Ehe nicht von Alkoholexzessen überschattet, dafür stelle ich mir den Umgang miteinander zumindest zeitweise doch auch recht anstrengend vor, oder? Halt auf 'ne ganz spezielle Art und Weise.

    Ich kann ja nur von mir ausgehen, die ich jahrelang eigene Interessen unterdrückt habe, und das, was auf den ersten Blick auf andere wie "bescheiden und zuvorkommend" gewirkt hat (sowohl in meiner Kindheit als auch in meiner Jugend oder dem frühen Erwachsenenalter), war ja in Wirklichkeit nichts anderes als meine ureigenste Parole "Aushalten - Durchhalten - Maul halten".

    Wenn du magst, erzähle mir doch einfach mal, wie sich euer Alltag so gestaltet. Ob ihr euch durch identisches Verhalten eher reibt, oder ob ihr das als Chance begreift, euch gegenseitig Orientierung zu bieten.

    Ich werde mich im Anschluss mal auf die Suche nach deinem Thread machen, okay?

    Alles Liebe dir!
    espoir

    Zitat von Weitsicht


    Wieso, obwohl sie es selbst als Kind erfahren hatte (ihr Vater trank), sie ihre freudlose Kindheit, (sie verherrlichte ihren Vater noch), an uns Kinder weitergab.

    Wir Kinder haben Suchtstrukturen verinnerlicht. Denke, dass aus diesem Grunde auch das nasse Denken unserer trinkenden Elternteile in uns vorhanden ist, [...]

    Hallo Weitsicht,

    ich glaube, dass du da gleich zwei wichtige Punkte im Verhältnis von suchtkranken Eltern zu ihren Kindern angesprochen hast.

    Da wäre zunächst das Problem der eigenen Kindheitsbewältigung, an der sowohl deine Mutter als auch mein Vater gescheitert ist. Dein Großvater war für deine Mutter nicht da, weil er getrunken hat. Je nachdem, wie lange dein Vater getrunken hat, hat deine Mutter ihn in wichtigen Entwicklungsphasen nicht für sich gehabt. Da wäre z.B. zu nennen, wenn das Mädchen etwa vier Jahre alt ist. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt zieht's kleine Mädchen sehr zum Vater, kleine Jungs zur Mutter. Wenn jetzt also der gegengeschlechtliche Elternteil nicht "greifbar" ist (weil ständig besoffen), kann das leider langanhaltende Auswirkungen auf den späteren Erwachsenen haben. Der sucht sich nämlich unbewusst den Vater/die Mutter, die er/sie nicht hatte.

    Eine andere wichtige Phase ist natürlich die Pubertät, wenn da der entsprechende Elternteil nicht da ist, verfestigt sich das möglicherweise ohnehin schon verzerrte Bild vom anderen Geschlecht. Womit klar wird, dass Kinder aus dysfunktionalen Familien nicht trotz, sondern wegen ihrer Kindheit an ähnlich problematische Partner geraten.

    Was bei deiner Mutter wohl der trinkende Großvater angerichtet hat, lief bei meinem Vater mit dessen Vater etwas anders ab. Mein Großvater nämlich war nun - glaube ich zumindest - kein Trinker, dafür aber ein unbeherrschter, jähzorniger Mensch, der entweder die Oma schikanierte und hin und wieder wohl auch verprügelte, oder aber beharrlich schwieg und sich nicht mitteilte. Was meinen Vater in genau diesem Alter entsprechend traumatisiert hat. Wenn ein kleiner Junge in dem Alter z.B. die Mutti "heiraten" möchte, tut ein gesunder Vater gut daran, sich wohlwollend zurückzuhalten und sich damit zu trösten, dass das auch wieder vergeht. Schlecht dagegen ist die Variante, die mein Großvater gewählt hat - er verprügelte die Oma und ließ meinen Vater in seinem Schmerz allein.

    Das alles führte dazu, dass auch mein Vater sich schwer tat, über seine Gefühle zu sprechen und ganz deutlich zu sagen, was ihn verletzt, was ihn enttäuscht oder ihn einfach wütend macht. War aber vielleicht auch die Generation damals, weißt schon, die mit dem "Ein Indianer kennt keinen Schmerz"-Geschmarri.

    Naja, und der zweite Punkt, den du ansprichst, der beschäftigt mich natürlich auch ganz schön. Denn es ist sicherlich richtig, dass es Kinder von süchtigen Eltern gibt, die genau diese Sucht nicht entwickeln, weil sie vom Beispiel der Eltern abgeschreckt werden. Wesentlich häufiger ist aber wahrscheinlich der Fall, dass Kinder rauchender Eltern später rauchen, oder Kinder trinkender Eltern später trinken, weil sie das Verhalten der Eltern unbewusst imitieren und schon in frühester Kindheit stärker und nachhaltiger mit Zigaretten oder Alkohol in Berührung kommen, als Kinder von abstinent lebenden Eltern.

    Letzten Endes entscheidet m.E. aber ein bunter Strauß von Zufällen, ob ich selber süchtig werde oder nicht. Ich habe z.B. mal meinen Therapeuten gefragt, warum ich eine Trinkerin geworden bin, meine Brüder aber nicht, obwohl wir doch aus demselben Stall kommen. Und da hat er geantwortet, dass das auch mit der genetischen Veranlagung zu tun hat, also das, was du ja auch als Suchtstruktur in dir beschreibst. Dass mein Vater ein Trinker war, ist also nicht allein der Grund für meine eigene Trinkerkarriere. Da kommen wohl noch eine Menge anderer Dinge hinzu.

    Ach ja, und zu deiner letzten Frage, ob der Alkohol- oder der Nikotinentzug schlimmer ist - also das kann ich dir jetzt noch nicht beantworten, denn noch rauche ich ja wie ein Schlot. Ich habe aber mit frischgebackenen Ex-Rauchern gesprochen, die mir erzählt haben, dass das Rauchen aufzugeben allein schon deshalb so schwer fiel, weil sie die Zigarette wesentlich hartnäckiger in der Hand hatten als das Alkoholglas. Und darüber hinaus entfällt der honeymoon, den Trinker gerne in den ersten Wochen der Abstinenz erleben: der klare Kopf morgens, die wiedererwachten Lebensgeister, der Tatendrang, die neue Belastbarkeit bzw. Leistungsfähigkeit - alles das hat ein Raucher ja nicht, weil Nikotin zwar ein Nervengift ist, nicht aber bewusstseinsverändernd wirkt.

    Deswegen möchte ich dir an dieser Stelle mal meine Hochachtung aussprechen, dass du nun ja auch schon seit Oktober nicht mehr rauchst, das war bestimmt nicht leicht für dich, und dann noch mit der EKA-Problematik belastet zu sein, mei, wo hast du dann deine Hände gelassen? Ach ja, sagtest du ja, in der Schokoladen-Schublade... :wink:
    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit deiner Nichtraucherei und sei nicht so streng mit dir, was das Naschen angeht: Lieber ein paar Pfund zuviel auf den Rippen, aber dafür gesund. So halte ich es auch mit meiner Alkohol-Abstinenz. Ich beobachte das wohl, wie ich ungerührt eine Tafel Schokolade pro Tag vernichte, aber lasse mich erst einmal gewähren. Sollte es wirklich kritisch werden, habe ich mittlerweile auch wieder die Energie, den Pfunden den Kampf anzusagen!

    LG
    espoir
    (... die sich einfach nicht kurz fassen kann... :evil: )

    Grüß dich, Weitsicht!

    Nunja, ich möchte gerne versuchen, dir nach bestem Wissen und Gewissen zu antworten, gebe aber zu, dass das berühmte "nasse Denken" wohl auch ein Begriff ist, den jeder Betroffene nach seiner persönlichen Erfahrung oder seinem persönlichen Wissen definiert.

    Also, was jetzt kommt, ist ausschließlich meine eigene persönliche Sicht der Dinge, okay?
    Woher der Begriff "nass" an und für sich kommt, weiß ich de facto überhaupt nicht, vielleicht hat es was mit der Tatsache zu tun, dass Alkohol eben flüssig ist. Ist aber auch eher nebensächlich. Jedenfalls habe ich die Erfahrung machen müssen, dass mit meinem Trinkverhalten, das sich über Jahre hinweg von normal bzw. unauffällig bis hin zu krank- bzw. zwanghaft verändert hat, auch eine veränderte Sicht der Dinge einstellte. Egal, was es war, ich hatte stets eine - für mich passende - Erklärung parat:
    blödes Geschwätz hielt ich für nette Plaudereien
    Weinerlichkeit hielt ich für Sensibilität
    Aggressivität hielt ich für Selbstbehauptung
    ...
    ...

    Du ahnst es schon, ich habe irgendwelche Gedanken oder Gefühle sehr wohl wahrgenommen, aber auf eine derartig verzerrte Art und Weise, die mit der Realität leider nicht mehr viel zu tun hatte. Ich hielt Menschen für Freunde, die hinter meinem Rücken lästerten, ich hielt Menschen für Feinde, die mir durch ihre klaren Worte nur helfen wollten, ich fühlte mich manchmal von Gott und der Welt verlassen und badete im Selbstmitleid.
    Hinzu kam die Verschiebung der Interessen oder Prioritäten. Kleines Beispiel: Ich hatte keine Ahnung, ob wir noch ausreichend Brot oder Aufschnitt im Hause haben, hätte dir aber jederzeit auf den Milliliter genau sagen können, wieviel Sekt oder Weißwein noch im Kühlschrank ist.
    Alle Gedanken kreisen mehr oder weniger direkt ausschließlich um Alkohol. Ein nasser Alkoholiker denkt also nass, wenn sein ganzes Bestreben nur noch der Beschaffung bzw. dem Konsum von Alkohol dient.

    So, nun habe ich in der Klinik eine Entgiftung gemacht, war also körperlich wieder halbwegs fit, aber nun begann die eigentliche Arbeit, die gerne auch "Trockenheitsarbeit" genannt wird. Hier hätte mein Ziel sein sollen, dieses "nasse Denken" abzulegen. Das war aber leichter gesagt als getan. Denn es ist schon erstaunlich, wie sehr in meinem Kopf der Wunsch nach Alkohol verankert war. Also, geklappt hat das natürlich zunächst einmal nicht die Bohne. Freilich habe ich brav alle Anweisungen befolgt und z.B. sämtliche Trinkgefäße aus meiner Wohnung entfernt (dass kein Alkohol mehr in der Wohnung rumsteht, versteht sich von selbst). Aber das, was ich "nasses Denken" nenne, spielt sich unabhängig von äußerlichen Dingen ab, da half es mir auch nichts, dass ich regelmäßig zur SHG oder zum Therapeuten gegangen bin.

    Im Urlaub - nach gerade mal 3 Monaten Abstinenz - habe ich dann den kapitalen Fehler gemacht, doch Alkohol zu trinken. Den habe ich sogar erstaunlich gut weggesteckt. Dachte ich. Was ich nicht wahrhaben wollte, war die Tatsache, dass ich wieder mehr, mehr, mehr wollte. Und nach gar nicht allzu langer Zeit war ich wieder da, wo ich angefangen hatte. Suchtgedächtnis aktiviert, wieder im Sumpf.

    Aber zum nassen Denken gehört natürlich noch sehr viel mehr. Nicht nur Denkmuster von früher ("Ach geh zu, ich hab' das doch im Griff!"), sondern auch damit verbundene Verhaltensweisen. Wenn ich z.B. bewusst Orte aufsuche, die ich mit Trinksituationen verbinde, weil ich allen Ernstes noch einmal irgendwie in der Vergangenheit schwelgen will, dann ist das nicht nur brandgefährlich, sondern zeigt mir, dass ich wohl noch irgendetwas Positives mit dem Alkohol verbinde. Da muss ich dann aufmerksam werden und mich fragen, ob ich mir dessen wirklich bewusst bin, was ich da gerade veranstalte. Ich z.B. habe 2008 allen Ernstes auf einen klassischen Urlaub im herkömmlichen Sinne verzichtet, weil "Urlaub" für mich eine typische Trinksituation ist. Und da meine Abstinenz im August gerade mal 8 Wochen frisch war, wollte ich mich eben nicht in Gefahr begeben. Ich lerne ja gerade erst, alle Situationen, die so ein Kalenderjahr bereit hält, auch ohne Alkohol zu durchleben und an die Stelle des Alkohols schöne, alkoholfreie Erlebnisse zu setzen.

    Mein abstinentes Leben, das ich so nun auch erst seit Anfang Juli führe, ist rein äußerlich kaum anders als das vorige. Ich habe nicht die Scheidung eingereicht und meinen Job gekündigt, ich bin nicht inkognito ins Ausland ausgewandert und vor allem habe ich mich nicht zum militanten Missionar entwickelt. Aber innerlich, für Außenstehende nicht sichtbar, bin ich überhaupt nicht mehr die, die ich mal war.

    Für mich ist Alkohol keine Option mehr, weil ich mit ihm nichts Positives mehr verbinde. Das, was ich früher "Lebensfreude" und "Spaß" genannt habe, ist für mich heute nur noch Krankheit und Wahn.

    Und da kann ich als EKA eben leider ein Lied singen, denn ich hatte das Schicksal meines Vaters stets vor Augen. Aber ich habe damals auch zuwenig über diese Krankheit gewusst. Ich musste erst selbst zur Trinkerin werden, um das zu denken, was ich heute denke.

    Hmmm... das war jetzt wieder recht lang...
    Ich hoffe, ich konnte dir irgendwie weiterhelfen.
    Ansonsten steht es dir ja auch noch frei, andere hier im Forum zu fragen, wie die das denn nun sehen. :wink:

    LG
    espoir

    Huhu, Backmaus, schön dich anzutreffen!

    Also, das mit den langen Antworten, die sich einfach so vom Acker machen, anstatt sich gut lesbar zu präsentieren, ist mir seit der Entdeckung des magischen Häkchens nicht mehr passiert... Kann aber auch daran liegen, dass ich neuerdings persönliche Rekorde im Anschlag verzeichne - so viel, wie ich in den letzten Wochen getippt habe (bei einer gleichzeitig verschwindend geringen Anzahl von Rechtschreib- bzw. Tipp-Fehlern :wink: ), habe ich , glaube ich, das ganze letzte halbe Jahr nicht zustande gebracht! *stolzbin* Ich bin einfach schneller als mein Rechner, bis der schnallt, dass es jetzt ja auch mal wieder gut sein könnte... und überhaupt...

    Aber ich schweife ab.
    Stichwort Hormone - da habe ich ebenfalls Veränderungen beobachten können, allerdings werte ich die tatsächlich positiv. Ich hatte, als ich noch getrunken habe, gerne diese PMS-bedingte Weinerlichkeit, in der mein Weltschmerz mir die Luft zum Atmen abzuschneiden schien - ohne, dass ich jemals eine große Heulsuse war. Ich hätte früher höchstens bei E.T. geheult, aber in meiner nassen Zeit reichte es, dass im Fernsehen ein Hund gehauen wurde oder sonst irgendeine him-mel-schrei-ende Ungerechtigkeit zu sehen war, und schon ging's los. Einfach fürchterlich. Das hat sich zum Glück wieder gelegt. Ich bin zwar nach wie vor kein emotionaler Häcksler, gehe aber mit meinen Gefühlen wesentlich entspannter um.
    Denn etwas, was mich mittlerweile kirre macht, ist tatsächlich dieses "Alles auf den Alkohol schieben", vor allem, wenn das durch andere geschieht (z.B. meine Familie). Als ich noch trank, hieß es stets, jaja, das hat damit zu tun, dass sie soviel trinkt. Heute heißt es gerne, jaja, das hat damit zu tun, dass sie nicht mehr trinkt. Ja, Himmel Herrgott nocheinmal, kann ich nicht einfach sauer sein, weil du mir gerade auf den Keks gehst? Musst du mir schon wieder erzählen, was ich in Wirklichkeit fühle oder denke???
    Weißt du, Backmaus, ich bin ja auch EKA, und dieses Misstrauen in die eigene Wahrnehmung begleitet mich seit meiner Kindheit. Das Gefühl, der andere würde mich doof finden - obwohl das vielleicht gar nicht der Fall ist, die Angst, dass das, was ich sage oder tue, hinter meinem Rücken belächelt wird - obwohl das auch nicht der Fall ist, das alles hat schon so seine Ursache.
    Ein Satz, der mich wahnsinnig macht, ist: "Das siehst du völlig falsch!". Boah ey, der piekst mich unheimlich an, weil ich das eben nicht falsch sehe, sondern es lediglich sein kann, dass ich durch meine momentane Befindlichkeit nicht sachlich genug bin. Aber wenn ich gerade nicht sachlich genug bin, hilft mir der o.g. Satz eben nicht weiter, sondern bringt mich erst recht in die Position, meine Sicht der Dinge zu verteidigen. Eine richtige Gesprächskultur habe ich tatsächlich erst in meiner Gruppe bzw. bei meinem Therapeuten kennen gelernt. Da werde ich tatsächlich konkret gefragt: "Warum glauben Sie, dass das so ist?" Und kaum, dass ich versuche zu antworten: "Najaaa, weil halt...", schon merke ich, dass ich in den Bereich des Interpretatorischen gerate. Diese Erkenntnis war und ist für mich irre wichtig, weil ich so auch anfange, auf eventuelle Missverständnisse hinzuweisen. Gerade in Gesprächen mit meinem Mann ertappe ich mich sehr häufig dabei, dass ich sage: "Es mag ja sein, dass du das gar nicht so gemeint hast, aber so kam es eben bei mir an!" Hilft tatsächlich!

    Stichwort Negative Veränderungen - nein, kann ich keine beobachten, auch wenn mir das gewisse Mitleser wieder nicht glauben und mich im Reich der Träume wähnen. Was soll negativ sein? An mir selber habe ich nur Schönes entdecken können, z.B. gesundheitliche Fortschritte, mein optisches Erscheinungsbild, mein wiedererwachter Lebensgeist, meine Energie, meine rheinländische Frohnatur, die hier manchem auf den Keks geht (mir aber nicht! :wink: ), na halt einfach alles. Und im Umgang mit Menschen kann ich auch nichts Negatives entdecken. Denn wie schon gesagt, Konflikte gehören leider dazu, nur kommt es darauf an, wie man damit umgeht.

    Stichwort Suchtverlagerung - also da bin ich mittlerweile vorsichtig geworden, ich meine, mit dem Begriff. Viele Trinker erleben ja gerade zu Beginn der Abstinenz einen unbändigen Hunger auf Süßes oder stürzen sich wie die Bekloppten in den Sport oder oder oder. War bei mir ja nicht anders. Tonnenweise Schokolade, dann die Vorliebe für Kaffeehäuser, ein Weilchen habe ich mich wie verrückt in die Grundlagen cholesterinbewusster Ernährung eingelesen und im Rahmen meiner Möglichkeiten ein paar Dinge bei uns zu Hause verändert. Aber Suchtverlagerung? Nein, denn ich glaube, dazu gehört ein pathologisches Krankheitsbild, eine Sucht, die ich als solche diagnostizieren kann. Zigaretten vielleicht, ja, die habe ich besonders während und nach der Entgiftung verstärkt geraucht. Aber auch das hat sich wieder auf "Normalmaß" eingependelt und mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass ich nicht als Raucherin sterben werde, sondern irgendwann auch dieser Sucht noch den Kampf ansagen werde.
    Aber aus meiner Alkoholerfahrung heraus weiß ich, dass ich dafür ebenfalls den richtigen Zeitpunkt brauche, um es konsequent durchzuziehen, also lass ich das lieber mit den großartigen Ankündigungen... :wink:

    Ich würde alle diese Dinge, die ich nach Beendigung meiner Trinkerkarriere verstärkt begonnen habe, vielleicht eher als "Übergangs-Syndrom" bezeichnen, hektische Betriebsamkeit, whatever, auf jeden Fall ist es etwas, von dem ich glaube, dass es sich wieder normalisiert. Und wenn nicht, kann man ja immer noch dagegen angehen. Wie sagte schon Paracelsius? Die Dosis macht das Gift.

    Oder so ähnlich.

    LG
    espoir

    Backmaus,

    leider haben wir uns nun doch noch verpasst. :cry:
    Es ist kurz nach Mitternacht, richtig müde bin ich noch nicht, aber die Vernunft sagt mir, dass es besser ist, wenn ich jetzt schlafen gehe.
    Ich wünsche dir von Herzen eine gute Nacht und hoffe, dass dich nicht so schwere Sorgen plagen, damit du zur Ruhe kommen kannst.
    Wenn du magst, treffen wir uns hier morgen wieder, ja?

    Bis dahin alles Liebe
    espoir

    Huhu Backmaus,

    leider verstehe ich deine Frage nicht so ganz.
    Heißt das, du fühlst dich von deiner Familie "angepampt", anstatt dass die freundlich mit dir reden, oder fühlst du dich an etwas Schuld, wofür du nun wirklich nichts kannst, sei es, dass Leute sich streiten oder dass etwas schiefgeht, was du aber nicht beeinflussen hättest können?

    Ich mag dir gerne antworten, weiß aber nicht so genau, in welche Richtung ich denken soll... sorry!

    espoir