Huhu, Backmaus, schön dich anzutreffen!
Also, das mit den langen Antworten, die sich einfach so vom Acker machen, anstatt sich gut lesbar zu präsentieren, ist mir seit der Entdeckung des magischen Häkchens nicht mehr passiert... Kann aber auch daran liegen, dass ich neuerdings persönliche Rekorde im Anschlag verzeichne - so viel, wie ich in den letzten Wochen getippt habe (bei einer gleichzeitig verschwindend geringen Anzahl von Rechtschreib- bzw. Tipp-Fehlern
), habe ich , glaube ich, das ganze letzte halbe Jahr nicht zustande gebracht! *stolzbin* Ich bin einfach schneller als mein Rechner, bis der schnallt, dass es jetzt ja auch mal wieder gut sein könnte... und überhaupt...
Aber ich schweife ab.
Stichwort Hormone - da habe ich ebenfalls Veränderungen beobachten können, allerdings werte ich die tatsächlich positiv. Ich hatte, als ich noch getrunken habe, gerne diese PMS-bedingte Weinerlichkeit, in der mein Weltschmerz mir die Luft zum Atmen abzuschneiden schien - ohne, dass ich jemals eine große Heulsuse war. Ich hätte früher höchstens bei E.T. geheult, aber in meiner nassen Zeit reichte es, dass im Fernsehen ein Hund gehauen wurde oder sonst irgendeine him-mel-schrei-ende Ungerechtigkeit zu sehen war, und schon ging's los. Einfach fürchterlich. Das hat sich zum Glück wieder gelegt. Ich bin zwar nach wie vor kein emotionaler Häcksler, gehe aber mit meinen Gefühlen wesentlich entspannter um.
Denn etwas, was mich mittlerweile kirre macht, ist tatsächlich dieses "Alles auf den Alkohol schieben", vor allem, wenn das durch andere geschieht (z.B. meine Familie). Als ich noch trank, hieß es stets, jaja, das hat damit zu tun, dass sie soviel trinkt. Heute heißt es gerne, jaja, das hat damit zu tun, dass sie nicht mehr trinkt. Ja, Himmel Herrgott nocheinmal, kann ich nicht einfach sauer sein, weil du mir gerade auf den Keks gehst? Musst du mir schon wieder erzählen, was ich in Wirklichkeit fühle oder denke???
Weißt du, Backmaus, ich bin ja auch EKA, und dieses Misstrauen in die eigene Wahrnehmung begleitet mich seit meiner Kindheit. Das Gefühl, der andere würde mich doof finden - obwohl das vielleicht gar nicht der Fall ist, die Angst, dass das, was ich sage oder tue, hinter meinem Rücken belächelt wird - obwohl das auch nicht der Fall ist, das alles hat schon so seine Ursache.
Ein Satz, der mich wahnsinnig macht, ist: "Das siehst du völlig falsch!". Boah ey, der piekst mich unheimlich an, weil ich das eben nicht falsch sehe, sondern es lediglich sein kann, dass ich durch meine momentane Befindlichkeit nicht sachlich genug bin. Aber wenn ich gerade nicht sachlich genug bin, hilft mir der o.g. Satz eben nicht weiter, sondern bringt mich erst recht in die Position, meine Sicht der Dinge zu verteidigen. Eine richtige Gesprächskultur habe ich tatsächlich erst in meiner Gruppe bzw. bei meinem Therapeuten kennen gelernt. Da werde ich tatsächlich konkret gefragt: "Warum glauben Sie, dass das so ist?" Und kaum, dass ich versuche zu antworten: "Najaaa, weil halt...", schon merke ich, dass ich in den Bereich des Interpretatorischen gerate. Diese Erkenntnis war und ist für mich irre wichtig, weil ich so auch anfange, auf eventuelle Missverständnisse hinzuweisen. Gerade in Gesprächen mit meinem Mann ertappe ich mich sehr häufig dabei, dass ich sage: "Es mag ja sein, dass du das gar nicht so gemeint hast, aber so kam es eben bei mir an!" Hilft tatsächlich!
Stichwort Negative Veränderungen - nein, kann ich keine beobachten, auch wenn mir das gewisse Mitleser wieder nicht glauben und mich im Reich der Träume wähnen. Was soll negativ sein? An mir selber habe ich nur Schönes entdecken können, z.B. gesundheitliche Fortschritte, mein optisches Erscheinungsbild, mein wiedererwachter Lebensgeist, meine Energie, meine rheinländische Frohnatur, die hier manchem auf den Keks geht (mir aber nicht!
), na halt einfach alles. Und im Umgang mit Menschen kann ich auch nichts Negatives entdecken. Denn wie schon gesagt, Konflikte gehören leider dazu, nur kommt es darauf an, wie man damit umgeht.
Stichwort Suchtverlagerung - also da bin ich mittlerweile vorsichtig geworden, ich meine, mit dem Begriff. Viele Trinker erleben ja gerade zu Beginn der Abstinenz einen unbändigen Hunger auf Süßes oder stürzen sich wie die Bekloppten in den Sport oder oder oder. War bei mir ja nicht anders. Tonnenweise Schokolade, dann die Vorliebe für Kaffeehäuser, ein Weilchen habe ich mich wie verrückt in die Grundlagen cholesterinbewusster Ernährung eingelesen und im Rahmen meiner Möglichkeiten ein paar Dinge bei uns zu Hause verändert. Aber Suchtverlagerung? Nein, denn ich glaube, dazu gehört ein pathologisches Krankheitsbild, eine Sucht, die ich als solche diagnostizieren kann. Zigaretten vielleicht, ja, die habe ich besonders während und nach der Entgiftung verstärkt geraucht. Aber auch das hat sich wieder auf "Normalmaß" eingependelt und mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass ich nicht als Raucherin sterben werde, sondern irgendwann auch dieser Sucht noch den Kampf ansagen werde.
Aber aus meiner Alkoholerfahrung heraus weiß ich, dass ich dafür ebenfalls den richtigen Zeitpunkt brauche, um es konsequent durchzuziehen, also lass ich das lieber mit den großartigen Ankündigungen... 
Ich würde alle diese Dinge, die ich nach Beendigung meiner Trinkerkarriere verstärkt begonnen habe, vielleicht eher als "Übergangs-Syndrom" bezeichnen, hektische Betriebsamkeit, whatever, auf jeden Fall ist es etwas, von dem ich glaube, dass es sich wieder normalisiert. Und wenn nicht, kann man ja immer noch dagegen angehen. Wie sagte schon Paracelsius? Die Dosis macht das Gift.
Oder so ähnlich.
LG
espoir