Beiträge von espoir

    Hallo Mieken,

    ich möchte deinen freundlichen Beitrag nicht unbeantwortet lassen, bitte dich aber um Verständnis, dass ich auf den heutigen Fall nicht mehr weiter eingehe.

    Sei's drum.

    Ich wünsche dir noch einen schönen Abend und freue mich schon, wenn wir uns irgendwo hier im Forum wiederlesen!

    Bis dahin alles Liebe dir!
    espoir

    Guten Abend, Wasser, ich bin's mal wieder! :wink:

    Ich kenne das Gefühl nur zu gut!
    Mir hat gerade in der Anfangszeit eine simple Übung geholfen - nämlich mir den schlimmsten Fall auszumalen. Wenn ich dich richtig verstanden habe, dann plagen dich ja mehrere blöde Gedanken. Vielleicht ist es eine Möglichkeit für dich, jeden einzelnen Gedanken, der dir Unbehagen bereitet, aufzudröseln und dann zu überlegen, wie du dem begegnen kannst.
    Also, wenn du Angst hast, dich zu verfahren, kannst du dich über die entsprechenden Anbieter im Netz schlau machen, wo genau du hinfahren musst. Plane notfalls auch einen kleinen Zeitpuffer ein, falls du doch mal falsch abbiegen solltest. Moderne Menschen haben ja einen Navi im Auto, ich dagegen bin eine so brilliante Autofahrerin, ich habe bis jetzt noch jedes Kaff auch so gefunden. :wink:
    Und genau so kannst du es mit anderen Dingen machen: Wo kann ich mich definitiv im Vorfeld absichern, wo muss ich Dinge auch einfach mal auf mich zukommen lassen? Wenn du dir dann versuchst auszumalen, was im schlimmsten Falle passieren kann, verliert das Ganze seine Bedrohlichkeit.

    Schon allein die mentale Beschäftigung mit möglichen Problemen kann der Sache die Brisanz nehmen, und ich persönlich habe schon häufiger festgestellt, dass es hinterher gar nicht so schlimm war.

    LG
    espoir

    Hallo Backmaus,
    mir geht es ganz genauso wie dir.
    Ich habe kurz nach dir das Forum verlassen, weil ich auch erst einmal durchschnaufen musste. Natürlich sind mir mehrere mögliche Antworten durch den Kopf gegangen, und dank meiner Eloquenz hätten die auch punktgenau gesessen. Aber ist es wirklich sinnvoll, sich auf eine Diskussion einzulassen mit Menschen, die nur ihr eigenes kleines Weltbild kennen und hysterisch reagieren, wenn ich andeute, dass es auch anders sein kann?
    Wohl eher nicht.

    In diesem Sinne: Vive la différence!


    LG
    espoir

    PS:

    Zitat

    Telefonieren wär'jetzt schön.


    Zwei Blöde, ein Gedanke! :wink:

    Zitat

    Das Alkoholikerforum ist nur ein Erfahrungsaustausch unter Gleichgesinnten. Bitte darauf achten, dass nicht alle Erfahrungen auf jeden anwendbar sind, da jedes Suchtproblem individuell ist.

    Gilt das für alle?
    Oder nur für Backmaus und mich?

    LG
    espoir :wink:

    Zitat von kommal

    Hallo espoir,


    Genau, wie "früher"!

    (Ich schließe hier für mich das Thema, weil ich Rowi´s thread nicht zerschreiben möchte.)

    LG kommal

    Mir ist es völlig gleichgültig, ob du das hier noch liest oder nicht. Wenn wenigstens rowi es liest, hat sich mein Beitrag gelohnt!

    rowi : Wir wissen beide, dass es Menschen gibt, die vom ersten Tag an aufrecht ihren Weg gehen, die offen erzählen, dass sie in die Entgiftung gehen, und wenn solche Menschen dann noch eine LZT anschließen lassen, kommt ohnehin der Punkt, an dem Verschweigen zur Farce wird. Ich nehme aber mal an, dass du den heroisch-aufrechten Weg nicht gehst, sondern - ähnlich wie ich - es etwas diskreter versuchst. Ich habe deinen Eingangsbeitrag leider nicht mehr im Wortlaut im Gedächtnis, glaube aber mich erinnern zu können, dass du die richtigen Schritte eingeleitet hast, Stichwort Suchtberatung und SHG.

    Weißt du, rowi, viele Wege führen nach Rom und darüberhinaus wurde diese zauberhafte Stadt auch nicht an einem Tag erbaut. Soll heißen - es gibt kein Patentrezept aus der Sucht, und vor allem kein Zeitlimit, bis wann das alles geschafft sein muss. Ich habe schon von so vielen Menschen gelesen, die z.B. noch nicht einmal die Entgiftung in der Klinik gemacht haben, die keine Therapie gemacht haben, dafür SHG, oder aber keine SHG, dafür Internet-Foren.
    Ich will damit sagen, dass nicht alle, die erfolgreich abstinent sind, ein und denselben Weg gegangen sind, und im Umkehrschluss: nicht alle, die einen oder mehrere Rückfälle zu vermelden haben, nicht auf die klassischen Hilfsangebote zurückgegriffen haben.

    Der ausschlaggebende Aspekt ist m.E. die Ernsthaftigkeit, mit der dieses Unterfangen begonnen wird. Und zu dieser Ernsthaftigkeit muss dringend eine vernünftige Selbsteinschätzung kommen. Wenn ich mir etwas einfach noch nicht zutraue, wenn ich mir ehrlich eingestehen muss, dass ich in einer bestimmten Situation eventuell umkippen könnte, dann muss ich diese Situation meiden, auch wenn es mir anfangs ein wenig zu hart erscheint. Die Früchte dieses Verzichts ernte ich erfahrungsgemäß erst später. Viele Langzeittrockene bestätigen, dass das tatsächlich zunächst einmal eine harte Schule ist, sich das Ganze aber lohnt.

    Du hast alles Recht der Welt, am Anfang kleine Tricks anzuwenden, denn nicht der Trick ist wichtig, sondern die Motivation, die dahinter steckt. Was ich mache, ist wurscht, hauptsache ich erreiche damit das richtige Ziel. Und nach einer gewissen Zeit, die bei jedem unterschiedlich lang oder kurz ist, wirst du merken, dass du dich schon ein bisschen mehr traust. Und wenn dann mal wieder eine heikle Situation dabei ist, mei, dann zucken wir eben wieder erschrocken zurück und haken das Warnung ab. Trial and error eben.

    Die eigentliche Arbeit, die dahinter steckt, die kann dir allerdings niemand abnehmen. Mir hat es z.B. geholfen, das Verhalten gesunder Menschen "nachzuahmen". Was tut ein gesunder Mensch eigentlich so den ganzen lieben langen Tag? Was tut er in den Situationen, in denen ich wie selbstverständlich Alkohol vor mir stehen hatte? Beispiel "Essen in Gemeinschaft": Ein gesunder Mensch bestellt sich einen Espresso, keinen Verdauungsschnaps. Ein gesunder Mensch mag sich nach dem Essen ein bisschen bewegen, der träumt nicht vom nächsten Wein. Und und und.

    Hier kannst du ansetzen. Fachleute nennen das, glaube ich, ein negatives Verhalten durch ein positives Verhalten ersetzen. Und an diese künstlich antrainierten Verhaltensweisen kann man sich tatsächlich gewöhnen.

    Du hast ja noch ein bisschen Zeit. Nutze sie, indem du aktiv deinen Tagesablauf auf gesunde Verhaltensweisen umstellst. Mit der Routine kommt dann auch die Selbstverständlichkeit, mit der man sich zum Essen ein Wasser bestellt. Eine Selbstverständlichkeit, die sich auch im Klang deiner Stimme widerspiegelt. Die kein Nachfragen duldet. Menschen, die mich zum Trinken verführen wollen, haben ein irre sensibles Gehör für das leiseste Zögern und haken nach. Weiß ich noch von mir. Mir war doch des völlig wurscht, ob der nun trinkt oder nicht. Ich wollte doch bloß davon ablenken, dass ich schon wieder was vor mir stehen hatte. :roll:

    Sei wachsam, aber mach' dich nicht verrückt!
    Alles Gute dir!

    espoir

    Zitat von kommal

    Hallo Backmaus,


    Ist das dein "gerader Weg"??? Für mich ist das nasses Verhalten.

    LG kommal

    Hallo kommal,
    das sehe ich entschieden anders und kann Backmaus nur zustimmen:
    Wenn's um meine Abstinenz geht, gehe ich notfalls über Leichen - und belüge sogar meinen Arbeitsgeber! Das ist für mich kein "nasses Denken", sondern zielorientiertes Handeln im Rahmen meiner - vielleicht momentan noch begrenzten - Möglichkeiten.

    Grundsätzlich bin ich aber auch der Ansicht, dass diese Veranstaltung ja erst in zwei Monaten ist und rowi allein von daher sicherlich noch genug Zeit hat, sich in Ruhe zu überlegen, wie sie das angehen wird. Da ist halt ein bisschen Phantasie gefragt und ein gewisses schauspielerisches Talent.

    Euch allen noch einen schönen Sonntag!
    LG
    espoir

    Liebe Lena,

    ich habe mich riesig über deinen langen Beitrag gefreut - lieben Dank dir!

    Zitat

    Jetzt lese ich viel im geschlossenen.


    Ja, der geschlossene Bereich...
    Der zieht mir dauernd die Leute ab! :wink:
    Nee, mal im Ernst, ich habe ja auch kurz überlegt, ob ich mich dort anmelde, aber ich muss ehrlich zugeben, dass ich für mich die Notwendigkeit nicht unbedingt sehe. Ich halte es für überaus sinnvoll, einen geschützten Bereich zu haben, in dem man nach Herzenslust plaudern kann, ohne Angst haben zu müssen, dass einen jemand aus dem RL erkennen könnte, aber ich persönlich brauche den einfach nicht. Alles, was ich erzähle, ist bewusst so allgemein gehalten, dass es auf jede x-beliebige Trinkerin meines Alters passen könnte. Und es hat fast schon einen erzieherischen Effekt und zwingt mich zur Konzentration aufs Thema, denn ich reflektiere sehr genau und versuche Dinge auf den Punkt zu bringen, eben damit ich nicht so viel drumherum erzähle und mich dann am End' in Details verliere, die schon wieder verräterisch sein könnten...

    Zitat

    Das bringe ich jetzt sogar alles ohne Anfälle hin.


    Ja, das kenne ich auch.
    Für mich war mit dem Beginn der Abstinenz vor allem eins ganz signifikant: Die Bereitschaft sich auf Neues einzulassen. Das kannte ich so gar nicht mehr an mir. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass ich während meiner nassen Zeit vieles nicht wollte, mochte oder doof fand. Und um nicht gar so grob rüberzukommen, bin ich immer in so Floskeln ausgewichen: "Ist nicht so meins!" oder "Ich bin halt langsam in dem Alter, ..." oder "Ach weißt du, ich bin ja schon froh, wenn ich einfach meine Ruhe habe..." Jesus, wenn man mir zugehört hat, musste man echt denken, dass ich Gott weiß was um die Ohren habe und dringend ruhebedürftig bin. :roll:
    Das waren echt so Kleinigkeiten wie abends selber kochen, und zwar richtig kochen, mit echten Lebensmitteln. Kartoffeln schälen? Och nööö. Gemüse putzen? Oh bitte, nicht wirklich! Kuchen backen? Geh mir weg! Seit einem halben Jahr mache ich sowas gerne, kann aber auch dazu stehen, wenn ich einmal wirklich nicht mag.
    Das musste ich ja auch erst lernen, dass ich als stillgelegte Trinkerin durchaus auch einfach mal faul sein darf oder schlecht gelaunt oder enttäuscht oder genervt und ungeduldig. Nicht jede schlechte Stimmung ist immer nur auf den Alkohol zurückzuführen.

    Zitat

    Wie sieht denn Dein Notfallplan für den Karnevall aus.


    Gott sei Dank brauche ich den nicht, denn ich mache mir nichts aus Karneval. Ich bin zwar gebürtige Westfälin, lebe aber schon seit fast 30 Jahren in einem kleinen Bereich Bayerns, der allergrößten Wert darauf legt, nicht Bayern zu sein. :wink: Um den Karneval mit einer solchen Verve zu feiern, muss man wohl tatsächlich in Köln oder Mainz leben. Ich gönne es den Menschen dort von Herzen, habe es aber auch in meiner aktiven Trinkzeit nicht nachvollziehen können. Dasselbe gilt fürs Skifahren. Wer damit nicht groß geworden ist, kann das wohl nicht verstehen, wie toll das sein muss - wenn man es als echten Sport betreibt, wohlgemerkt. Ich glaube fast, dass das Skifahren für manche Bayern dasselbe ist wie das Kegeln für manche Rheinländer...

    Zitat

    Werde ich jetzt auch noch belohnt für den Bockmist den ich jahrelang gebaut habe?


    Nein, Lena, das glaube ich nicht.
    Es treffen nur zwei Dinge aufeinander: Wir nehmen wieder aktiv und bewusst am Leben teil und schaffen plötzlich wieder so einiges, was uns in unserem alkoholbedingten Stumpfsinn niemals gelungen wäre. Und dazu kommt Nr. 2: Die bewusste Wahrnehmung desselben und die aufrichtige Freude darüber. Vielleicht ging es dir ja ähnlich wie mir: Wenn ich aus irgendeinem Grund dann doch mal den Hintern in Schwung gebracht habe und tatsächlich etwas geschafft hatte, egal, was das war, konnte ich mich häufig gar nicht richtig darüber freuen, weil es ja so anstrengend war.

    Tja, was mache ich eigentlich so in meiner Freizeit?
    Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich eigentlich gar kein Hobby im klassischen Sinne. Es ist eher so, dass ich mich - wenn ich etwas interessant finde - sehr hingebungsvoll damit beschäftige, ob das nun dieses Forum ist, meine Zimmerpflanzen, eine Frauenzeitschrift, ein Buch, meine Haustiere, ein Telefonat, oder was auch immer. Ich bin dann ganz bei der Sache, das kann auch schonmal Stunden dauern. Aber ich würde das dann nicht gleich als Hobby bezeichnen.
    Am Wochenende versuche ich, mit meinem Mann gemeinsam Pläne zu schmieden, meistens schon am Freitagabend. Aber das sehen wir beide nicht so dogmatisch. Heute z.B. hat ja wieder einmal so herzergreifend schön die Sonne geschienen - aber es war uns allen Ernstes zu kalt, um einen schönen Spaziergang zu machen. Also waren wir einfach so zu Hause. Im Wohnzimmer der Fernseher, hier im Arbeitszimmer der Rechner - mei, solche Tage gibt's halt einfach.
    Mal schauen, wie's morgen wird.

    Liebe Lena, jetzt ist das doch wieder etwas länger geworden...
    Von wegen Schreibblockade, Backmaus wird sich totlachen, aber naja. Wenn die richtigen Mädels da sind, dann geht es ja auch. Ich werde jetzt mal gucken, ob ich Backmaus und Yvonne irgendwo finde. Ich wünsche dir noch ein super-schönes Wochenende, lass es dir gut gehen und melde dich mal wieder!

    Alles Liebe
    espoir

    Hallo Seven,

    welche Stolpersteine meinst du?

    Zu den Begriffen "schwul" und "lesbisch" bin ich der Meinung, dass die an sich überhaupt nichts Schlimmes darstellen, denn sie bezeichnen lediglich umgangssprachlich, was korrekterweise "homosexuell" heißt, nämlich "dem eigenen Geschlecht zugewandt". Aber ich verstehe und akzeptiere es, wenn du die Wörter werder lesen noch hören magst, weil sie halt von weniger toleranten Teilen der Gesellschaft eher als Schimpfwort verwendet werden.

    Es tut mir Leid, wenn ich dich durch den Gebrauch dieser Wörter verärgert habe!

    LG
    espoir

    Zitat von 7lives

    Ich habe mich mal mit Separatistinnen angelegt, die sich weigerten 'männliche' Kinder zu hüten beim LFT (LesbenFrühlingsTreff).

    DAS IST JETZT NICHT DEIN ERNST! :shock:

    Seven,
    (darf ich dich so ansprechen? Es fällt mir leichter, dich mit 'nem "richtigen" Wort anzusprechen, als bloß mit 'ner Zahl :wink: )
    ich fasse es einfach nicht!

    Das ist doch genau das, womit man Menschen vor den Kopf stößt!
    Dieses unerbittliche Fundamentalisten-Getue, egal, ob wir uns auf politischer, religiöser oder gesellschaftlicher Ebene befinden.
    Alle Tiere sind gleich, bloß manche sind halt gleicher.
    Du lieber Himmel!

    Na, dann wünsche ich dir ja erst recht alle Kraft dieser Welt, bloß nicht den Blick für dich selber zu verlieren und dein Ziel Abstinenz und die damit verbundene Gesundheit mit der entsprechenden Konsequenz zu verfolgen! Lass dich von niemanden auf die Alkoholikerin reduzieren und auch nicht auf die Lesbe. Sowohl das eine als auch das andere ist nur eine winzige Facette deiner Persönlichkeit!

    LG
    espoir

    Liebe 7,

    das stelle ich mir furchtbar vor.
    Ich wohne zwar nicht gerade auf dem Land, muss aber trotzdem zugeben, dass ich mit unserer hiesigen Lesben- und Schwulenszene keinen Kontakt habe.
    Aber naja, eigentlich sollte ich mich gar nicht so großartig wundern. Wenn ich bedenke, wie mit Alkoholkranken umgegangen wird, dann ist es wohl nichts Überraschendes, dass homosexuelle Menschen erst recht geächtet werden. Die sind schließlich "verdächtig, irgendwie komisch, und normal ist des sowieso alles nedd, gell"! Au weia!

    Ich wünsche dir weiterhin alles Gute auf deinem Weg, 7, lass dich bloß nicht verbiegen! Sind halt "short people", wie Randy Newman so schön gesungen hat!

    LG
    espoir

    Zitat von live2008


    Deinem Freund kannst du es sagen, was du gerade durchmachst und dass er dich runterziehen würde. Wenn er ein echter Freund ist, wird er das verstehen.
    Wenn er das nicht akzeptiert, dann ist er kein Freund sondern nur jemand, der dich ausnutzt.

    Grüß dich, Antonia, auch von mir ein "Herzlich Willkommen"!

    Ich finde die letzten Sätze von live total wichtig: sprechen, sprechen, sprechen!
    Auch ich habe die Erfahrung machen müssen, dass ich besser fahre, wenn ich mir bewusst bin, was mir gut tut und was ich will, was mir bei meinem Weg in die zufriedene Abstinenz hilft, und was mich eher behindert. Natürlich ist das erst einmal schwer und ungewohnt, diese gedankliche Verbindung herzustellen zwischen dem anderen helfen und im selben Augenblick nichts für sich zu tun, weil man ja mit dem anderen beschäftigt ist. Ist aber so. Du brauchst jeden noch so kleinen Zipfel Energie für dich selber, alles andere lenkt deinen Blick doch nur von dir selber ab, oder?
    Und mal ehrlich: Welcher Nichtschwimmer möchte schon einem anderen das Schwimmen beibringen? Eben.

    Alles Gute dir!
    espoir

    Hallo Salome,

    auch ich möchte dich erst einmal ganz herzlich hier begrüßen und dir sagen, dass ich es super finde, dass du die ersten Schritte unternommen hast! :D

    Was den Saufdruck angeht, kann ich dich beruhigen, der geht nämlich tatsächlich irgendwann weg. Die schlechte Nachricht: Bei mir hat das zeitweise Stunden gedauert! Und diese Stunden musste ich erst einmal durchhalten! Das zieht sich!

    Aber es gibt Möglichkeiten, sich irgendwie abzulenken. Zum einen ist es immer eine gute Lösung, möglichst viel zu trinken, also vor allem natürlich Mineralwasser, aber auch Kaffee oder Tee, Fruchtschorlen oder Säfte. Das muss richtig gluckern in deinem Bauch, soviel muss das sein! Dann habe ich mich irgendwie beschäftigt, entweder die Wohnung aufgeräumt oder Wäsche gewaschen oder abgespült - auf jeden Fall etwas mit den Händen, keine Denkarbeit. Lesen oder fernsehen hätte mich genervt, weil mir die Konzentration dazu gefehlt hat.

    Und weißt du, was mir noch geholfen hat? Aber jetzt nicht lachen!
    Ich habe tatsächlich halblaut mit mir selber gesprochen! Ich habe mir selber halblaut erklärt, was ich gerade denke oder fühle, wie beschissen ich das gerade alles finde, wie sehr mich das nervt, wie sehr mich das ankotzt etc. Der Saufdruck kam ja besonders gerne, wenn ich mutterseelenallein in der Wohnung war - und da war die Hemmschwelle, mit sich selber zu sprechen, dann etwas niedriger. Selbst für den Fall, dass meine Nachbarin eventuell gerade dann an meiner Wohnung vorbeigelaufen wäre, hätte ich im Notfall gelogen und erzählt, dass ich endlos mit einer Freundin telefoniert hätte. Den fassungslosen Blick deines Hundes musst du ignorieren... Meine beiden Katzen waren sich wahrscheinlich auch nicht immer sicher, ob ich jetzt nicht doch den totalen Vollschaden habe... :wink:

    Ach ja, a propos Hund - der ist doch ideal, um endlos Gassi zu gehen, oder? Klar, du hast geschrieben, dass selbst Gassi gehen zum Spießrutenlauf geworden ist. Hast du vielleicht die Möglichkeit, eure Tour woanders zu machen? Irgendwo, wo du entweder ganz alleine mit ihm bist oder aber wenigstens andere Hundehalter triffst?

    Achja, und noch eine Frage hätte ich - ist deine Wohnung absolut alkoholfrei? Ich hoffe, dass ich's nicht irgendwo überlesen habe...

    Alles Gute dir!
    espoir

    Hallo 7L, hallo Caro,

    da mag ich auch gerne einen kleinen Kommentar abgeben - mir hat es in der ersten Zeit geholfen, für jeden Tag drei Dinge aufzuschreiben, die das Ganze etwas kategorisieren:
    - eins, was ich muss (weil's halt einfach wichtig ist)
    - eins, was ich kann (wenn die Kraft noch dazu reicht)
    - eins, was mir Spaß macht

    Natürlich konnte ich nicht jeden Tag diese drei Dinge 1:1 abarbeiten, aber allein schon die gedankliche Beschäftigung damit half mir, nicht den Überblick zu verlieren bzw. nicht mutlos zu werden.

    LG
    espoir

    Huhu, ihr beiden - grüß dich, Yvonne! Ich freue mich riesig, dass auch du an mich denkst! Lieben Dank dir!

    Ja, Backmaus, der letzte Tag im Suff...
    Es war ein Sonntag, ich war bereits krank geschrieben, hatte meinem Chef aber telefonisch zugesichert, dass ich eine bestimmte ultra-wichtige Terminsache von zu Hause aus fertigmachen würde. Ich weiß, dass das arbeitsrechtlich sowohl für ihn als auch für mich problematisch hätte werden können, aber ich habe dir ja erzählt, dass damals die Luft brannte und ich mir so ziemlich den ungünstigsten Zeitpunkt ausgesucht hatte, um schlapp zu machen. Und als ob ich nicht schon genug gelitten hätte - morgens um 10 demonstrierte mein Rechner Solidarität mit mir und stürzte ebenfalls ab. Aber so richtig: Festplatte tot!

    Wer das jemals erlebt hat, was es bedeutet, wenn die Festplatte abstürzt, kann sich ausmalen, wie schlimm das ist. Nun bin ich auch noch ein ziemlicher Computer-Autist, ich kann dat Dingen wohl bedienen, weiß aber nicht notwendigerweise, was los ist, wenn mal was nicht geht. Also noch zusätzlich diese zügellose Panik! Mit dem Laptop meines Mannes konnte ich wenigstens die Arbeit des Vortages nochmal machen :roll: , alles andere war so gut wie weg. Eine einzige Katastrophe! Jeder andere hätte wohl gesagt, mei, shit happens! Aber ich drehte ja eh schon hochtourig. Und wen wundert's, dass ich in dieser Situation dann allen Ernstes noch den letzen Rotwein, den ich noch zu Hause hatte, getrunken habe? Es ging ja nur noch ums nackte Überleben, sowohl körperlich als auch beruflich.

    Kurz und gut, mein Mann legte allen Ernstes eine Nachtschicht ein, um so viele Dateien wie möglich zu rekonstruieren, damit ich wenigstens ein bisschen weiterarbeiten konnte. Der Montag - also der Halbjahrestag! - war dann geprägt von hypnotisiertem, verbissenem Kampf um jede weitere Seite einerseits und ordentlichen Begleiterscheinungen des Kalten Entzuges andererseits. Purer Wahnsinn! Da hätte Gott weiß was passieren können!

    Aber am Ende stand der Triumph: Die Arbeit war von winzigen Kleinigkeiten, die noch nachgebessert werden mussten, im Kasten, und ich hatte den ersten Tag komplett nüchtern verbracht. Und ab dann ging es - ohne Witz - schlagartig bergauf. Die erste Woche vollständiger Abstinenz verging wohl nicht im Fluge, aber es kam mir tatsächlich so vor, als sei der Knoten geplatzt. Das AD, was ich da ja eingenommen habe, konnte endlich ohne Störfeuer durch den Alkohol wirken. Steht auch im Beipackzettel, dass es u.a. Trinkern zur Bewältigung "leichter" Entzugerscheinungen verordnet wird.

    Was dein Tagebuch angeht, kann ich dir nur bestätigen, dass ich etwas Vergleichbares auch geführt habe, allerdings nur unregelmäßig. Das hatten die mir in der Klinik schon angeraten, aus genau dem Grunde, den du schilderst: später mal nachlesen können, was man gemacht hat, wie man gefühlt und gedacht hat und vor allem, was und wieviel man getrunken hat. Aber selbst diese unregelmäßigen Einträge reichen mir, um mich immer wieder an diesen Höllentrip meiner Seele zu erinnern. DAS ist, was ich echt unglücklich nenne! :(

    Ehrlich wahr, Backmaus, es ist wirklich so, dass ich diese 13 Monate zwischen der Entgiftung und dem 1. Tag meines neuen, freien Lebens als "zwischen den Welten" bezeichne. In die Welt des Suffs gehörte ich nicht mehr, in der Welt der Gesundheit war ich aber noch nicht angekommen. Wie eine Untote, sozusagen.

    Heimatland, da will ich nie wieder hin!!!

    Du fragst mich, ob ich mir das alles, was ich heute erreicht habe, damals hätte vorstellen können? Nein, das hätte ich nicht.
    Ich hab' halt davon geträumt...
    Ich hab' mein Leben geträumt, und heute ist es umgekehrt! :D

    Alles Liebe
    espoir