Liebe Lena,
ich habe mich riesig über deinen langen Beitrag gefreut - lieben Dank dir!
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Jetzt lese ich viel im geschlossenen.
Ja, der geschlossene Bereich...
Der zieht mir dauernd die Leute ab!
Nee, mal im Ernst, ich habe ja auch kurz überlegt, ob ich mich dort anmelde, aber ich muss ehrlich zugeben, dass ich für mich die Notwendigkeit nicht unbedingt sehe. Ich halte es für überaus sinnvoll, einen geschützten Bereich zu haben, in dem man nach Herzenslust plaudern kann, ohne Angst haben zu müssen, dass einen jemand aus dem RL erkennen könnte, aber ich persönlich brauche den einfach nicht. Alles, was ich erzähle, ist bewusst so allgemein gehalten, dass es auf jede x-beliebige Trinkerin meines Alters passen könnte. Und es hat fast schon einen erzieherischen Effekt und zwingt mich zur Konzentration aufs Thema, denn ich reflektiere sehr genau und versuche Dinge auf den Punkt zu bringen, eben damit ich nicht so viel drumherum erzähle und mich dann am End' in Details verliere, die schon wieder verräterisch sein könnten...
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Das bringe ich jetzt sogar alles ohne Anfälle hin.
Ja, das kenne ich auch.
Für mich war mit dem Beginn der Abstinenz vor allem eins ganz signifikant: Die Bereitschaft sich auf Neues einzulassen. Das kannte ich so gar nicht mehr an mir. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass ich während meiner nassen Zeit vieles nicht wollte, mochte oder doof fand. Und um nicht gar so grob rüberzukommen, bin ich immer in so Floskeln ausgewichen: "Ist nicht so meins!" oder "Ich bin halt langsam in dem Alter, ..." oder "Ach weißt du, ich bin ja schon froh, wenn ich einfach meine Ruhe habe..." Jesus, wenn man mir zugehört hat, musste man echt denken, dass ich Gott weiß was um die Ohren habe und dringend ruhebedürftig bin. 
Das waren echt so Kleinigkeiten wie abends selber kochen, und zwar richtig kochen, mit echten Lebensmitteln. Kartoffeln schälen? Och nööö. Gemüse putzen? Oh bitte, nicht wirklich! Kuchen backen? Geh mir weg! Seit einem halben Jahr mache ich sowas gerne, kann aber auch dazu stehen, wenn ich einmal wirklich nicht mag.
Das musste ich ja auch erst lernen, dass ich als stillgelegte Trinkerin durchaus auch einfach mal faul sein darf oder schlecht gelaunt oder enttäuscht oder genervt und ungeduldig. Nicht jede schlechte Stimmung ist immer nur auf den Alkohol zurückzuführen.
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Wie sieht denn Dein Notfallplan für den Karnevall aus.
Gott sei Dank brauche ich den nicht, denn ich mache mir nichts aus Karneval. Ich bin zwar gebürtige Westfälin, lebe aber schon seit fast 30 Jahren in einem kleinen Bereich Bayerns, der allergrößten Wert darauf legt, nicht Bayern zu sein.
Um den Karneval mit einer solchen Verve zu feiern, muss man wohl tatsächlich in Köln oder Mainz leben. Ich gönne es den Menschen dort von Herzen, habe es aber auch in meiner aktiven Trinkzeit nicht nachvollziehen können. Dasselbe gilt fürs Skifahren. Wer damit nicht groß geworden ist, kann das wohl nicht verstehen, wie toll das sein muss - wenn man es als echten Sport betreibt, wohlgemerkt. Ich glaube fast, dass das Skifahren für manche Bayern dasselbe ist wie das Kegeln für manche Rheinländer...
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Werde ich jetzt auch noch belohnt für den Bockmist den ich jahrelang gebaut habe?
Nein, Lena, das glaube ich nicht.
Es treffen nur zwei Dinge aufeinander: Wir nehmen wieder aktiv und bewusst am Leben teil und schaffen plötzlich wieder so einiges, was uns in unserem alkoholbedingten Stumpfsinn niemals gelungen wäre. Und dazu kommt Nr. 2: Die bewusste Wahrnehmung desselben und die aufrichtige Freude darüber. Vielleicht ging es dir ja ähnlich wie mir: Wenn ich aus irgendeinem Grund dann doch mal den Hintern in Schwung gebracht habe und tatsächlich etwas geschafft hatte, egal, was das war, konnte ich mich häufig gar nicht richtig darüber freuen, weil es ja so anstrengend war.
Tja, was mache ich eigentlich so in meiner Freizeit?
Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich eigentlich gar kein Hobby im klassischen Sinne. Es ist eher so, dass ich mich - wenn ich etwas interessant finde - sehr hingebungsvoll damit beschäftige, ob das nun dieses Forum ist, meine Zimmerpflanzen, eine Frauenzeitschrift, ein Buch, meine Haustiere, ein Telefonat, oder was auch immer. Ich bin dann ganz bei der Sache, das kann auch schonmal Stunden dauern. Aber ich würde das dann nicht gleich als Hobby bezeichnen.
Am Wochenende versuche ich, mit meinem Mann gemeinsam Pläne zu schmieden, meistens schon am Freitagabend. Aber das sehen wir beide nicht so dogmatisch. Heute z.B. hat ja wieder einmal so herzergreifend schön die Sonne geschienen - aber es war uns allen Ernstes zu kalt, um einen schönen Spaziergang zu machen. Also waren wir einfach so zu Hause. Im Wohnzimmer der Fernseher, hier im Arbeitszimmer der Rechner - mei, solche Tage gibt's halt einfach.
Mal schauen, wie's morgen wird.
Liebe Lena, jetzt ist das doch wieder etwas länger geworden...
Von wegen Schreibblockade, Backmaus wird sich totlachen, aber naja. Wenn die richtigen Mädels da sind, dann geht es ja auch. Ich werde jetzt mal gucken, ob ich Backmaus und Yvonne irgendwo finde. Ich wünsche dir noch ein super-schönes Wochenende, lass es dir gut gehen und melde dich mal wieder!
Alles Liebe
espoir