Liebe Steffi,
ich habe mich riesig über deinen Bericht gefreut, auch wenn ich weiß, dass du ihn nicht extra für mich, sondern für alle geschrieben hast!
Ich persönlich finde, dass ihr das gut gemeistert habt!
Und die Angst vor der Klinik, die kenne ich nur zu gut. Ich habe auch geschlottert vor Angst, als mein Mann mich hinbrachte, ja, ich musste sogar noch zwei Gläser Sekt trinken, damit das Händezittern weggeht. Ich dummes Schaf dachte echt, ich wäre nervös, dabei war ich nur wieder entzügig...
Darüber, dass die Türen auf der "geschlossenen" zumindest für mich erst einmal dicht sind, habe ich gar nicht einmal so sehr nachgedacht, zu sehr war ich damit beschäftigt, mich umzusehen und Eindrücke zu sammeln. Und dann sind da ja noch die Medikamente, die dir helfen, die schlimmsten Entzugserscheinungen zu "überleben".
Keine Angst, auch dein Mann wird sich dort einleben, immerhin ist er in der Psychiatrie und nicht etwa in der Forensik
. Je nach Klinik wird er auch ein gewisses Tagespensum an Terminen abarbeiten müssen, das reicht von ärztlichen Untersuchungen über psychologischen Einzelgesprächen bis hin zu Gruppensitzungen. Möglicherweise gibt es auch bereits motivationstherapeutische Dinge wie Ergo-Therapie oder Sport, kann aber auch sein, dass das erst in der LZT der Fall sein wird.
Wie soll's denn jetzt bei dir zu Hause weitergehen?
Ich kann dir nur erzählen, wie's bei mir war, und wenn du magst, kannst du ja überlegen, ob dir das eine oder andere für euch auch gefällt. Zunächst hat mein Mann jeden Alkohol, der noch zu Hause war, entsorgt. Entweder weggeschüttet oder verschenkt. Der war also schon vollständig weg, als ich heimkam. Gemeinsam haben wir alle Gläser, die was mit Alkohol zu tun haben, in den Altglascontainer geworfen. Also alle Wein-, Sekt-, Bier-, Cognac-, Likör- oder Schnapsgläser. War 'ne ganze Menge, danach herrschte erst einmal gähnende Leere in den Schränken...
Mir war es wichtig, dass wir das gemeinsam machen, so als ob wir eben gemeinsam einen Schlussstrich unter meine/unsere Vergangenheit ziehen.
Und ansonsten habe ich mir nur Normalität gewünscht.
Ich bin nämlich aufmerksam geworden, als du geschrieben hast, du möchstest jetzt vordergründig nur die Dinge kochen, die er gerne mag. Huuuah, das klingt - für mich - nach "Henkersmahlzeit"! Mach' das lieber nicht! Natürlich würde auch ich nicht ausgerchnet das kochen, was er nun so überhaupt nicht mag (haste ja vermutlich vorher auch nicht, ne?), aber übertreiben würde ich's eben auch nicht. Nicht zuviel pampern, das kann leicht nerven...
Ach, und nochwas war mich wichtig - ich wollte viel und ausführlich darüber sprechen, aber der Impuls sollte von mir ausgehen. Soll heißen, wenn ich das Bedürfnis hatte, von der Klinik, den Ärzten und Mitpatienten dort oder von meinen künftigen Plänen zu sprechen, wollte ich immer, dass mein Mann auch Zeit zum Zuhören hat. Selber sprechen sollte der gar nicht so viel
. Nun kann das ja bei deinem Mann ganz anders sein, ich meine ja auch nur: Zuhören heißt die Devise, selbst, wenn er das eine oder andere mehrfach erzählt und es ihm gar nicht auffällt. Das kann nämlich ob der Fülle von Eindrücken schnell passieren. Lächeln, nicht beschweren, weiter zuhören.
Die Frage, ob Sauerkraut oder nicht, kann ich dir nicht beantworten. Es herrscht in Trinkerkreisen Uneinigkeit darüber, wie Dinge wie Sauerkraut, Senf, Ketchup oder Essig behandelt werden sollten. Das muss tatsächlich jeder für sich selber beantworten - und ist vielleicht zu diesem frühen Zeitpunkt auch noch gar nicht wichtig.
Wenn dein Mann nicht völlig aus der Art geschlagen ist, wird du dir kulinarisch sicher mit Frikadellen, Holzfällersteak und Würstchen ein Denkmal setzen können, hauptsache totes Tier, und das reichlich! 
Jou, das soll's erst einmal von meiner Seite gewesen sein, wenn du sonst noch Fragen hast - nur her damit! Ich bin zwar als Frau möglicherweise ein bisschen anders gestrickt als ein Mann, aber last not least bin ich Alkoholikerin und daher "vom Fach"! 
Ganz liebe Grüße
espoir