Hallo Backmaus
Wie ich deine Energie bewundere! Ich war immer noch faul und hab kaum Sport getrieben. Meinem Magen ging's wieder nicht so gut und so konnte ich mich nicht aufraffen. War einfach froh, wenn ich abends heim konnte und nichts mehr tun musste.
Drei Jahre? Herzliche Gratulation! Das ist wirklich lange. Bestimmt kannst du dein Leben nun viel besser geniessen als zuvor.
Bei mir war der Übergang zur Sucht auch nicht erkennbar. Das geschah auch nicht an einem Tag. Ich hab die Trinkerei gar nie so ernst genommen. Obwohl ich wusste, dass Alk abhängig macht, wär ich nicht auf die Idee gekommen, dass ausgerechnet mir das passieren könnte
. Ich war leider ziemlich trinkfest. Zumindest bildete ich mir das ein und trank eine Flasche Sekt pro Tag. Aber dann war ich wirklich voll und spürte am nächsten Morgen den Restalk und traute mich kaum hinter's Steuer. Statt mit dem Trinken aufzuhören, hab ich abends einfach früher damit angefangen.
Wenn ich's mir heute überlege, so war ich gar nicht wirklich trinkfest, denn nach dem ersten Glas fühlte auch ich bereits einen Schwips. Nach dem Dritten hatte ich dann wieder das Gefühl alles sei "normal". Ich konnte mich einfach extrem zusammennehmen. Lief auch nach einer Flasche noch geradeaus und war in der Lage Diskussionen zu führen. Also alles paletti …
Mir hat leider nie einer den Kopf gewaschen. Es hätte wohl auch nichts genützt. Mein Mann hatte bis zuletzt nicht das Gefühl, dass ich ein Alk-Problem hab – obwohl ich wirklich jahrelang eine Flasche pro Tag trank. Nicht selten musste er nachts losfahren und für mich in der Tankstelle Nachschub holen. An solchen Tagen meinte er schon, ich solle es lassen und nicht so viel trinken.
Aber von einem Suchtproblem war eigentlich nie die Rede. Das musste ich ganz allein für mich rausfinden. Da ich ein sehr trotziger Mensch sein kann, war das wohl auch besser so. Es kam in meinem Leben nicht selten vor, dass ich aus Trotz etwas erst recht gemacht hab. Hier war das zum Glück nicht der Fall. Ich konnte mich wirklich in aller Ruhe selber finden und ohne Besserwisser meinen Weg bahnen.
Ich glaube, dass es gut ist, hin und wieder über all das nachzudenken. Sich immer wieder vor Augen zu führen wie gefährlich der Alk ist. Ich will nie wieder vergessen, was für eine Scheiss-Zeit das war. Es soll mich daran hindern, je wieder ein Glas zu trinken.
Liebe Grüsse
Wasser