Hallo Monty,
ich hab nur die letzten Seiten bei dir gelesen und bin mit deiner Geschichte nicht sooo vertraut.
Ich wollt dir trotzdem nur mal kurz erzählen, wie es bei mir war.
Soll keine Warnung sein oder so, einfach nur als Denkanstoß. Das meine ich ehrlich, ich hasse es selbst, wenn Leute mir so versteckte Tipps geben. Geschichten erzählen, obwohl sie einfach nur mir einen Ratschlag geben wollen. Ich will dir keinen Ratschlag geben, nur meine Geschichte erzählen. Mach damit, was du möchtest.
Die Geschichte war so:
Ich war zuerst 7 Jahre mit meinem jetzigen Mann zusammen, er war die ganze Zeit "nass". Die Trennung fiel mir unglaublich schwer, aber es musste sein. Ich hatte auch Angst vor ihm, er hat mich zwar nicht geschlagen, aber gewaltbereit war er auf alle Fälle.
Es war wunderbar für mich, endlich wieder mein eigenes Leben leben zu können. Trotzdem hat er mich irgendwie innerlich nie losgelassen.
Drei Jahre später kam er an seinen Tiefpunkt, war nüchtern. Es war wunderbar, er war so anders.
Und ich wollte ja gar keine Beziehung mit ihm. Ich habe ihn am Anfang auch nicht in die Wohnung gelassen und habe es nur als Freundschaft betrachtet. Monatelang habe ich gepredigt, dass ich auf keinen Fall eine Neuauflage der Beziehung will. Und nach ca. 8 Monaten bin ich schwach geworden. Ganz schnöde, sexuell schwach geworden. Weil ich ausgehungert war nach körperlicher Liebe.
Er hat mir eingeredet, dass ich mich doch einfach mal gehen lassen könnte, dass das nicht bedeutet, dass wir eine neue Beziehung eingehen müssten. So ging es eine Weile. Auch geheim.
Und irgendwann hatte er mich so weit, dass ich dachte, jetzt hätte ich genug getestet und es sei den Versuch wert.
Wir haben eine Familie gegründet, hatten einige trockene Jahre zusammen, die aber dann trotzdem geprägt waren von ständigen Grenzübertritten von seiner Seite, potenziell gewalttätig, würd ich mal sagen. Er wollte nie meine Grenzen respektieren.
Der Paukenknall kam dann, als er wieder rückkfällig wurde. Innerlich ist mir die zweite Trennung erstmal viel leichter gefallen, äußerlich ist alles viel schwieriger, weil wir jetzt verheiratet sind, ein Haus und Kinder zusammen haben. Alles ist langwieriger und komplizierter.
Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich es bereue, dass ich mich nochmal auf ihn eingelassen habe. Klar war es ein schlimmer Fehler. Aber ich verstehe noch so gut, wie es dazu kam.
Ich wollte einfach an das Gute glauben und er war so nah, so vertraut.
Und er war ja wirklich komplett verändert. Es war so ein Hoffnungs-Rausch, eine Euphorie. Na, und dann war er einfach für mich da in dieser Zeit. Erst als Gesprächspartner, dann mit seinen Zärtlichkeiten.
Und erst als Drittes kam dann die Möglichkeit, eine Beziehung nochmal zu versuchen.
Es war ein schleichender Prozess.
Du musst wirklich bitte verdammt gut aufpassen, dass du nicht in eine subtile Gewaltspirale wieder hineingerätst.
Gewaltbereite Männer sind oft am Anfang sehr nett und absolut fürsorglich. Aber dahinter versteckt sich ein Wille, die Partnerin immer mehr zu vereinnahmen. Da werden dann Schritt für Schritt immer mehr Freiräume eingeschränkt, Freundschaften madig gemacht, Kontrollanrufe (angeblich aus Sehnsucht) gemacht.
Heimlichkeit ist da auch ein guter Nährboden für den Beginn einer solchen Beziehung. Da kann dann niemand dazwischen funken.
Es ist ziemlich schwierig, das zu erkennen, glaube ich.
Ich will auch wirklich dir da nichts einreden, was nicht da ist.
Informier dich gut - auch über häusliche Gewalt und die Mechanismen - und bleib am Ball hier im Forum und in der SHG, das wär so mein Ratschlag.
Das alles hab ich damals nicht getan. Ich war mir zu sicher.
Was später geschah mit ihm nach dem Rückfall, das hätte ich einfach nicht für möglich gehalten.
Liebe Grüße,
Doro