Beiträge von Doro

    Hallo Lulu,

    vor 17 Jahren lernte ich meinen Jetzt Ex-Mann kennen und manchmal stelle ich mir vor, wie mein Leben vielleicht verlaufen wäre, wenn ich damals schon die Kurve bekommen hätte...

    Ich würd dir raten, die Finger von ihm zu lassen.
    Du ersparst dir einen endlosen Rattenschwanz von Leiden.

    Ob er Alkoholier ist oder nicht, ist noch nicht mal ausschlaggebend. (Wahrscheinlich ist er einer, aber wie soll das hier jemand beurteilen.)
    Er trinkt, obwohl du es nicht möchtest, und wird sogar noch rücksichtlsos und egoistisch. Das alleine reicht doch, warum solltest du noch auf eine positive Wenung hoffen?
    Sie wird vorläufig nicht kommen, vorher steht eine lange Zeit des Mit-Leidens. Solange, bis er seinen Tiefpunkt erreicht hat. Das kann dauern.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Ultra,

    also, ich finds gut, wenn du den Absprung schaffst, bevor es so schlimm wird, dass auch der letzte aus deinem Bekanntenkreis sehen kann, dass es so nicht weitergeht. Die sehen doch nur die Spitze des Eisbergs.
    Du aber alles, was noch darunter ist.

    Diese Enttäuschungen, die er den Kindern und dir antut, das nagt doch im Laufe der Zeit Riesenlöcher ins Selbstwertgefühl.
    Und es wird nicht einfach so besser werden, sondern es wird mit der Zeit schlimmer werden.

    Deshalb: Geh deinen Weg, du hast das Richtige erkannt.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo bluevelvet,

    meine Ratschläge wären.
    (Und das heißt nicht, dass ich es so gemacht habe, ich habe auch noch ne Weile rumgeeiert und tue es manchmal immer noch. Aber ich weiß zumindest vom Kopf her inzwischen, war richtig ist. Aus bitterer Erfahrung.)

    1.) Du kannst ja eine bestimmte Geldsumme bereitstellen für den Übergang. Einmalig.
    Und dann muss er selbst aktiv werden oder er tuts nicht.
    Du kannst das nicht immer weiter schultern, er würde das ewig ausnutzen.

    2.) Seine Sorge darum, ob er noch lebt, kannst du leider nicht auf die Dauer weiter ausleben. Auch das ist ein Faß ohne Boden.
    Mein lieber Mann ist mittlerweile gesundheitlihc total am Boden und ich dachte schon hundertmal: Jetzt ist er sicher tot.
    Aber das kann ewig gehen.
    Also: Lass es!

    3.) Du kannst, wenn du möchtest, den sozialpsychiatrischen Dienst über deine Sorge informieren. Vielleicht fahren die mal vorbei. Wenn er dann allerdings nicht mitmacht, fahren die auch wieder weg.

    4.) Mehr kannst du nicht tun für ihn. Mehr solltest du nicht mehr tun.

    5.) Überlege sehr genau, wie viel Kontakt du noch zulassen möchste. Bei mir ist es so: Sobald ich nichts mehr von ihm höre, interessiert sein Leben mich auch nur noch am Rande. Ist wirklich so.
    Sobald ich wieder auf einen Anruf von ihm eingehe, bin ich sofort wieder in alten Denkmustern drin.

    6.) Selbst wenn er Betreuung braucht. Du bist nicht zuständig!

    Alles schlau gesagt, weil es stimmt. Aber ich selbst hab es lange Zeit auch nie so umgesetzt und bin jetzt noch manchmal inkonsequent.
    Trotzdem: Es ist so.
    Ich habe beobachten dürfen, wie mein Mann immer weiter und immer weiter abstürzt und nicht mal Krankenhausaufenthalte mit Entzug ihn vom Trinken auf Dauer abhalten.
    Alles, was ich für ihn tun wollte, war letztlich vergebene LIebesmüh.

    Kümmer dich um dein Leben.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Spacey,

    es tut mir so leid und ich kann echt gut nachfühlen, wie schlimm das alles ist.
    Der Abschied von einer gemeinsamen Zukunft - symbolisiert durch die Wohnungseinrichtung - ist ein handfester Trauerprozess und du darfst auch traurig sein, es ist normal und es hat nichts damit zu tun, dass du richtig handelst. Sogar Frauen, die von ihren Männern geschlagen wurden, trauern nach der Trennung. Man hatte es sich einfach anders vorgestellt und man hat ja auch schöne Erlebnisse und einfach gemeinsam gelebtes Leben. Sie ist ein Teil von dir, von deiner Vergangenheit.
    Die Trauer hat ihre Berechtigung und muss auch ausgelebt werden.

    Das Schlimme für uns COs ist, dass sich alles vermischt. Trauer - andererseits die Notwendigkeit, sich abzugrenzen und Dinge zu tun, die man bei einer normalen Trennung niemals tun würde.
    Mein Mann war (und ist wieder) ja sogar obdachlos und ich bin im riesigen Haus und darf ihn nicht reinlassen, weil ich es sehr schwer hätte, ihn wieder raus zu bekommen.
    Natürlich hatte er tausend Möglichkeiten, sich eine Wohnung zu suchen und ich hätte ihm sogar dabei noch geholfen. Aber er redet seit eineinhalb Jahren davon, dass er doch wieder mit uns im Haus wohnen will - obwohl längst ein Gerichtsbeschluss vorliegt, der mir das alleinige Wohnrecht zusichert. Ich hatte für diesen Beschluss sehr detailliert dargelegt, dass das gemeinsame Wohnen einfach für mich und die Kinder nicht zumutbar ist.

    Wie es bei dir laufen wird, kann ich dir natürlich auch nicht vorhersagen.
    Ich finde, dass es bei den Dingen, die geschehen sind, eigentlich ganz klar ist, dass im Sinne des Jungen so entschieden werden muss, dass es nicht noch einmal so ein Hin und Her geben darf. Und es ist ja eigentlich auch normal, dass auf eine Trennung auch zeitnah eine räumliche Trennung folgt. Also, was soll es für einen Sinn haben, wenn sie noch einmal in die Wohnung zurückkehrt.

    Das mit dem Kindesumgang ist schon komplizierter, glaube ich, weil da natürlich sorgfältig abgewogen werden muss, was für das Kind am besten ist. Aber es ist sicher ganz gut, dass dein Junge so eindeutig artikuliert, dass er seine Mama SO nicht will. Das ist ja auch nicht selbstverständlich und hilft sicherlich.

    Ach, Spacey, es wird besser werden. Lass dich mal drücken,

    liebe Grüße
    Doro

    Boah, ich bewundere deine Konsequenz.
    Hört sich gut an, wobei ich zu den Details nix sagen kann, da keine Ahnung. :oops:
    Klingt jedenfalls für mich so, dass du da jetzt absolut alles wasserdicht machen willst und das ist sicher der richtige Weg. Für alle.
    (Frag aber nach, was es kostet. Ich hab die Sache mit dem alleinigen Wohnrecht auch und es war ganz schön teuer. War allerdings kein Mietvertrag, sondern ein Eigenheim, vielleicht ist das ein anderer Streitwert.
    Andererseits: Ich hätte es so oder so machen müssen. Aber man weiß ja gerne vorher, was einen erwartet.)

    Schöne Grüße
    Doro

    Hallo Spacey,

    also ich hab bei meinem Mann auch ein paar Mal die Polizei gerufen.
    Natürlich mich entsprechend schlecht gefühlt.
    Aber ich glaube, er hat im betrunkenen Zustand das Ganze kaum mitbekommen, jedenfalls schien er im Nachhinein keine genauen Erinnerungen zu haben.

    Ich meine, wir reagieren als nüchterne Personen und denken, wir hätten es mit einem Gegenüber zu tun, das irgendwie ähnlich empfindet. Aber in dem betrunkenen Zustand ist es irgendwie nicht der/dieselbe. Sie ist ja nicht klar im Kopf, wird alles nur vernebelt mitbekommen.

    Ich hab mich oft furchtbar aufgeregt und hinterher festgestellt, dass sich mein Mann noch nicht mal daran erinnert, was los war. :!:

    Sollte sie irgendwann mal die Kurve kriegen und trocken sein, dann könnt ihr wieder ganz anders miteinander umgehen und dann wird sie es auch wieder anders empfinden. Vielleicht sogar verstehen, dass es richtig so war.

    Grüße
    Doro

    Hallo Spacey,

    glückwunsch zum entschlossenen Handeln, kannst stolz sein.

    Wünsch dir weiter einen kühlen Kopf.

    Also, wenn ich mal zurückblicke auf knapp eineinhalb Jahre Schlammschlacht mit meinem Ex, muss ich sagen, dass fast alles von seiner Seite entweder Bluff oder juristisch sinnlose Aktionen waren. Seine Waffe war immer der Weg über mich, über mein Gewissen, meine Co-Knöpfe. Psychoterror.
    Leider war und bin ich dafür empfänglich und es kostet mich wahnsinnige Kraft, dem nicht nachzugeben.

    Aber die Fakten sind auf deiner Seite und es ist gut, wenn du noch Berater hast, die dich darin bestärken, was für den Jungen gut ist.

    Grüße
    Doro

    Hallo Spacy,

    ich bin getrennt lebende Frau eines Alkoholikers mit zwei kleinen Kindern und wir haben auch gemeinsames Sorgerecht.

    Ich sehe auch nicht, wozu du das alleinige Sorgerecht brauchst. Allein der Aufenthalt in der Psychiatrie und der Selbstmordversuch, aber auch die Krankengeschichte vorher, sind doch genug "Beweise" (falls sie Ärger macht), dass deine Frau im Augenblick nicht in der Lage ist, ihre Mutterrolle auszufüllen.
    Du hast Recht und Pflicht, dein Kind vor diesen Situationen zu schützen.
    Und deshalb denke ich, hat Kaleu Recht. Nicht erst lange auf Gerichtsbeschlüsse warten, sondern einfach handeln.
    Das Jugendamt kannst du ja mit ins Boot holen, d.h. mit denen sprechen, das ist sicher auch ne gute Maßnahme.

    Sicher ist es als Vater vielleicht nicht ganz so selbstverständlich, dies zu tun, weil die Kinder eben im Zweifelsfall immer erstmal der Mutter zugesprochen werden. Aber das hier ist ja kein Zweifelsfall mehr.

    Ist alles sehr blöd erstmal, der arme Junge...

    Ich hab als Kind eigentlich in einer einigermaßen heilen Familie gelebt, aber meine Mama hat im Streit immer mal wieder gesagt, sie werde sich vom Balkon stürzen. Wahrscheinlich war es nicht so ernst gemeint (denke ich heute), sondern eher Ausdruck ihrer Verzweiflung in Streitsituationen. Aber als Kind hab ich das absolut bedrohlich empfunden. Ich hatte oft Angst, wenn ich aus dem Garten kam und sie nicht gleich gefunden habe, dass sie sich vom Balkon gestürzt hat.
    Also denke ich, wenn dein Sohn das real mitbekommt, das muss sowas von beängstigend für ihn sein, dass das mit dem Trauma wirklich nicht von der Hand zu weisen ist.
    Vielleicht kann dir das Jugendamt auch sagen, ob du psychologische HIlfe für deinen Sohn bekommen kannst. Davon versteh ich aber nichts.

    Ich wünsch dir auf alle Fälle guten Mut,
    wenn du jetzt handelst, kann es nur besser werden.
    Du kannst für dich und deinen Sohn ein Umfeld schaffen, in dem ihr ruhig leben könnt.
    Ihr wirst du nicht helfen können.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Monty,

    ich hab nur die letzten Seiten bei dir gelesen und bin mit deiner Geschichte nicht sooo vertraut.

    Ich wollt dir trotzdem nur mal kurz erzählen, wie es bei mir war.
    Soll keine Warnung sein oder so, einfach nur als Denkanstoß. Das meine ich ehrlich, ich hasse es selbst, wenn Leute mir so versteckte Tipps geben. Geschichten erzählen, obwohl sie einfach nur mir einen Ratschlag geben wollen. Ich will dir keinen Ratschlag geben, nur meine Geschichte erzählen. Mach damit, was du möchtest.

    Die Geschichte war so:
    Ich war zuerst 7 Jahre mit meinem jetzigen Mann zusammen, er war die ganze Zeit "nass". Die Trennung fiel mir unglaublich schwer, aber es musste sein. Ich hatte auch Angst vor ihm, er hat mich zwar nicht geschlagen, aber gewaltbereit war er auf alle Fälle.
    Es war wunderbar für mich, endlich wieder mein eigenes Leben leben zu können. Trotzdem hat er mich irgendwie innerlich nie losgelassen.
    Drei Jahre später kam er an seinen Tiefpunkt, war nüchtern. Es war wunderbar, er war so anders.
    Und ich wollte ja gar keine Beziehung mit ihm. Ich habe ihn am Anfang auch nicht in die Wohnung gelassen und habe es nur als Freundschaft betrachtet. Monatelang habe ich gepredigt, dass ich auf keinen Fall eine Neuauflage der Beziehung will. Und nach ca. 8 Monaten bin ich schwach geworden. Ganz schnöde, sexuell schwach geworden. Weil ich ausgehungert war nach körperlicher Liebe.
    Er hat mir eingeredet, dass ich mich doch einfach mal gehen lassen könnte, dass das nicht bedeutet, dass wir eine neue Beziehung eingehen müssten. So ging es eine Weile. Auch geheim.
    Und irgendwann hatte er mich so weit, dass ich dachte, jetzt hätte ich genug getestet und es sei den Versuch wert.
    Wir haben eine Familie gegründet, hatten einige trockene Jahre zusammen, die aber dann trotzdem geprägt waren von ständigen Grenzübertritten von seiner Seite, potenziell gewalttätig, würd ich mal sagen. Er wollte nie meine Grenzen respektieren.

    Der Paukenknall kam dann, als er wieder rückkfällig wurde. Innerlich ist mir die zweite Trennung erstmal viel leichter gefallen, äußerlich ist alles viel schwieriger, weil wir jetzt verheiratet sind, ein Haus und Kinder zusammen haben. Alles ist langwieriger und komplizierter.

    Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich es bereue, dass ich mich nochmal auf ihn eingelassen habe. Klar war es ein schlimmer Fehler. Aber ich verstehe noch so gut, wie es dazu kam.
    Ich wollte einfach an das Gute glauben und er war so nah, so vertraut.
    Und er war ja wirklich komplett verändert. Es war so ein Hoffnungs-Rausch, eine Euphorie. Na, und dann war er einfach für mich da in dieser Zeit. Erst als Gesprächspartner, dann mit seinen Zärtlichkeiten.
    Und erst als Drittes kam dann die Möglichkeit, eine Beziehung nochmal zu versuchen.
    Es war ein schleichender Prozess.

    Du musst wirklich bitte verdammt gut aufpassen, dass du nicht in eine subtile Gewaltspirale wieder hineingerätst.

    Gewaltbereite Männer sind oft am Anfang sehr nett und absolut fürsorglich. Aber dahinter versteckt sich ein Wille, die Partnerin immer mehr zu vereinnahmen. Da werden dann Schritt für Schritt immer mehr Freiräume eingeschränkt, Freundschaften madig gemacht, Kontrollanrufe (angeblich aus Sehnsucht) gemacht.
    Heimlichkeit ist da auch ein guter Nährboden für den Beginn einer solchen Beziehung. Da kann dann niemand dazwischen funken.

    Es ist ziemlich schwierig, das zu erkennen, glaube ich.
    Ich will auch wirklich dir da nichts einreden, was nicht da ist.

    Informier dich gut - auch über häusliche Gewalt und die Mechanismen - und bleib am Ball hier im Forum und in der SHG, das wär so mein Ratschlag.
    Das alles hab ich damals nicht getan. Ich war mir zu sicher.
    Was später geschah mit ihm nach dem Rückfall, das hätte ich einfach nicht für möglich gehalten.

    Liebe Grüße,
    Doro

    Hallo Forum,

    ich will mal noch einen anderen Begriff einbringen, der mir wichtig ist:
    Kapitulation.

    Ich kann mit "Kapitulation" mehr anfangen als mit "Krankheitseinsicht". Ich muss zugeben: Ich hab da was nicht im Griff und kann es auch nicht in den Griff bekommen.
    Ich werde demütig und lasse los. Die Scherben bleiben liegen. Punkt.
    Darin liegt für mich die Befreiung. Viel mehr Befreiung, als darin zu sagen: Ich bin krank, also muss ich jetzt diese oder jene Therapie oder sonstwas machen.
    Ich muss vielleicht erstmal gar nichts machen, wie wärs denn mal damit?
    COs machen sowieso schon ziemlich viel, bloß an der falschen Stelle.

    Schöne Grüße
    Doro

    Hallo Forum,

    Kaleu hat das gut auf den Punkt gebracht, finde ich. Genau dieses Unbehagen habe ich auch manchmal.

    Ansonsten bin ich ein bisschen verwirrt:
    - Einerseits heißt es: IHr wollt eure Krankheit nicht zugeben.
    - Andererseits: Ihr versteckt euch hinter eurer Krankheit.

    Hm.
    Also ich kann das für mich am besten so beschreiben: Die Co-Abhängigkeit als krankes Verhalten tritt bei mir tatsächlich immer dann auf, wenn ich mit meinem Ex zu tun habe. Da sind mittlerweile solche Verstrickungen, dass ich nicht mehr gesund reagieren kann.
    Da ist die Parallele zur Suchterkrankung.
    Darunter liegen sicherlich auch Ursachen und bestimmte Prägungen. Ich verhalte mich im Umgang mit anderen Menschen aber nicht so krank, sondern relativ normal und maßvoll, glaube ich (so wie ein Alkoholiker z.B. vielleicht mit einem anderen Suchtmittel überhaupt kein Problem hat), aber diese Ursachen, die dafür gesorgt haben, dass ich mich in diese Beziehung verwickeln ließ, die lohnt es sich zu erforschen, weil die natürlich noch andere Probleme verursachen können bzw. dazu führen können, dass ich mit einer anderen Person wieder in eine schädliche Beziehung gerate.

    Ich renne also nicht rum und kontrolliere das Leben anderer Leute oder dränge aller Welt meine Hilfe auf. Ich lebe ganz normal mein Leben. Ich bin auch nicht beziehungssüchtig.
    Aber wenn dann dieser Typ auftaucht, fange ich an, wie eine Kranke zu handeln und nicht mehr Herrin der Lage zu sein.
    Und das hat leider mein Leben schon ganz schön in eine Krise geführt, aus der ich gar nicht mehr so leicht rauskomme. Und das Kreisen um den Alkoholiker hat dazu geführt, dass ich mich in anderen Lebensbereichen zu wenig weiterentwickelt habe.

    Sicher neige ich zu bestimmten Dingen: mich selbst hintenan zu stellen, zu gutmütig zu sein, zu empathisch, willensschwach, wenig dominant.
    So dass eine Person, die es darauf anlegt zu manipulieren, bei mir gut andocken konnte. Also, es ist für mich schon sehr lohnend, mich intensiv mit mir selbst auseinanderzusetzen.

    Also sieht mein Konzept von meinem Weg aus der Co-Abhängigkeit so aus:
    Das schwierigste ist die Loslösung von dem alkoholkranken Partner. Mit ihm werde ich wohl nie wieder unbefangen umgehen können, da ist immer Vorsicht geboten. Das einzusehen fällt mir sehr schwer.
    Darüber hinaus bin ich aufgerufen, immer besser zu lernen, mich besser um mich selbst zu kümmern und mich selbst zu erforschen. Frei zu werden von Zwängen und Besessenheit.

    Das meine Gedanken zum Thema oder daran vorbei (lach).

    Schöne Grüße
    Doro

    Nachtrag:

    Alkoholiker sind bereits fremdgesteuert und manipuliert, nämlich durch die Alkoholsucht.
    Es ist nicht so, dass die Cos ihnen ihren freien Willen rauben, sondern die Cos bilden sich ein, es mit dem Dämon Alkohol aufnehmen zu können. Das ist Selbstüberschätzung und der große Fehler.

    Aber was solls, ich kann eh nichts ändern.
    Ich kann bloß bei meinem Mann in keinster Weise mehr einen freien Willen erkennen. Und das macht mich sehr traurig.
    Ich hab ihn nicht manipuliert, jedenfalls in den letzten Jahren nicht mehr. Ich hab ihn immer machen lassen und ihm vertraut. Und als er wieder anfing zu saufen, kam es schnell zur Trennung. Ich habe versucht, mich finanziell abzukoppeln, habe wirklich alles getan um die wunderbare Hilfe durch Nichthilfe zu praktizieren.
    Und ich erlebe einen Menschen, der wirklich in jeder HInsicht jenseits des Abgrund steht. Und ich habe ihn auch erlebt, wie er trocken und gesund war. Wie er Marathon gelaufen ist und berufliche Pläne verfolgt und Kinder in die Welt gesetzt hat.
    Und nun erlebe ich ein absolutes Wrack.
    Ich sehe da und kann nichts tun und es tut unglaublich weh.
    Aber ich rede mir da nichts mehr schön, es ist das absolut Böse, vergleichbar mit Krebs, was dies angerichtet hat.

    Versteht ihr, es geht nicht einfach nur darum, jemandem in sein Leben nicht reinzuquatschen.
    Es ist unter Umständen für einen Co wirklich so, dass er fast über Leichen gehen muss, um nicht selbst unterzugehen. Das ist nicht normal, bei jeder anderen Krankheit würde man sich anders verhalten müssen.
    Diese Krankheit ist total unmenschlich und pervers, verspottet gute menschliche Ansätze (nämlich Hilfsbereitschaft und Mitgefühl) und macht sie zu Komplizen.

    Einen schönen Tag
    Doro

    Hallo alle zusammen,

    ich darf mich auch mal kurz zu Wort melden, zu der Sache mit der Eigenverantwortung.

    Ich stimme zu: Letztlich muss man den Trinkenden machen lassen. Und zwar meiner Meinung nach einfach aus dem Grund, dass anderes meist wenig nützt.
    Wenn ich einen Weg wüsste, meinen Mann trocken zu legen, ich würds tun. Für ihn, für mich, für die Kinder.
    Oder sogar für die Gesellschaft, die ihn ständig mit durchziehen muss und Ärger mit ihm hat.
    Geht aber nicht.

    Andererseits: Ich glaub nicht, dass er sich nicht auch wünschen würde, da raus zu kommen. Dafür hat er ihr einfach viel zu viel opfern müssen. Er ist geleitet von dieser Sucht und wir (ich meine die Medizin oder Psychologie) haben noch kein wirksames Mittel gefunden, die Sucht direkt zu behandeln, an dem Willen des Kranken vorbei.
    Ich kenn mich mit Depressionen nicht aus, aber ich vermute mal, dass der Depressive kein Interesse daran hat, nicht geheilt zu werden. Ihm fehlt bloß der Antrieb, sich HIlfe zu holen.
    Der Süchtige (im akuten Stadium) hat zwei Seelen in seiner Brust. Die eine möchte schon geheilt werden, die andere möchte doch gerne weitermachen, wenn auch ohne die schädlichen Folgen.

    Und in noch einem anderen Punkt bin ich anderer Meinung: Es ist eigentlich nicht nur sein eigenes Ding.
    Jeder Mensch hat gewisse Verantwortungen den anderen gegenüber.
    Alkoholiker ab einem gewissen Stadium neigen doch dazu, ziemlich asozial zu werden (will hier nicht pauschalieren, aber es scheint doch eine Tendenz zu sein). Die Sucht lässt sie so handeln, glaub ich.
    Gewalt, Rücksichtslosigkeit, Verantwortungslosigkeiten usw.

    Wir sind ohnmächtig, das ist eigentlich alles.
    Das andere ist Schönfärberei. Niemand will doch Alkoholiker sein und das auch dauerhaft exzessiv ausleben.

    Schöne Grüße
    Doro

    Ergänzung:
    Obwohl man als Co-Abhängiger meint, dass man doch bemüht ist, den Partner zu heilen, tut man oft das genaue Gegenteil und verlängert die Sucht, indem man den Partner vor den Konsequenzen seiner Sucht schützt.
    Ich lebte z.B. lange in dem Glauben, dass ich meinem Partner nur genug Liebe geben und ein sicheres Heim schaffen müsste, dann könnte er leichter aufhören zu trinken. Wenn erst alles seine Probleme aus der Wetl geschafft würden, würde er es schaffen. Das war der totale Irrglaube.
    Stattdessen hab ich vieles für ihn damit einfacher gemacht. Er konnte weiter trinken, der Leidensdruck war noch erträglich, er hatte ja ein relativ geregeltes Leben.

    Um aus der Co-Abhängigkeit zu finden, muss man vor allem lernen, den Partner selbst seine Verantwortung für sein Leben zurückzugeben und man muss stattdesssen wieder mehr Verantwortung für sein eigenes Leben übernehmen. Da gibt es meistens ne Menge zu entdecken, was auch ganz schön beackert werden muss. Das Kreisen um den alkoholabhängigen Partner hat ja den "Vorteil", dass man von seinen ureigenen Problemen abgelenkt wird. Man fühlt sich auch irgendwie stark, wenn man dem anderen helfen kann.

    Doro

    Hallo Chadedala,

    co-abhängig sein hat nichts damit zu tun, ob man selbst auch trinkt oder nicht. Im Gegenteil, ich würd fast sagen, die Mehrheit der Co-Abhängigen ist selbst eher nicht selbst alkoholabhängig. (Ist so mein Eindruck von dem, was ich hier so lese.)

    Co-Abhängigkeit bedeutet, dass man sein eigenes Leben, sich selbst vernachlässigt, weil man so sehr um den Suchtkranken kreist.
    Man macht sich totale Sorgen.
    Man beobachtet die ganze Zeit: Wieviel trinkt er? Ist er nüchtern? Wird es besser oder schlechter?
    Man hilft beim Vertuschen der Alkoholkrankheit.
    Man gleicht die negativen Folgen aus (z.B. indem man ganz alleine alles zu Hause organisiert, während der alkoholkranke Partner sich schachmatt gesoffen hat.)
    Man sucht verzweifelt nach einem Weg, damit der Partner aufhört.
    usw.

    Das heißt: Das eigene Leben wird dann sehr stark durch die Sucht des anderen bestimmt.
    Bei mir war es lange Zeit so, dass ich - obwohl mein Partner mich gewalttätig behandelt hat - das Gefühl hatte, sein Leben hinge von meinem ab, so dass ich ihn nicht einfach verlassen konnte. Ich dachte, wenn ich ihn verlasse, dann stürzt er noch mehr ab (war dann auch so) und bin deshalb viel zu lange bei ihm geblieben, obwohl er mich schlecht behandelt hat.

    Man verliert das Gefühl, für sich selbst zu sorgen.
    Die Sucht des Partners macht das eigene Leben kaputt, obwohl man selbst keinen Tropfen anrührt.

    Schöne Grüße
    Doro

    Hallo Dagmar,

    das mit der Nachsorge ist ein gutes Stichwort.
    Ich selbst mache ja bisher keine Therapie. Es erscheint mir erstmal umständlich zu organisieren und außerdem habe ich ja meistens keine großen Probleme. Aber es ist wirklich die Frage, was das alles mit mir gemacht hat...

    Vor ein paar Tagen hatte ich auch so einen gefühlsmäßigen Rückfall, ausgelöst durch ein kurzes Telefonat mit meinem Mann. Es hat mich total überrollt, all die Gefühle der OHnmacht, Leere bis hin zum Suizidwunsch. Ich konnte das vom Kopf sehr schnell einordnen, aber es hat sich schrecklich angefühlt.

    Das mit der Persönlichkeitsveränderung glaube ich auch. Und der veränderten Realität. Jedenfalls erlebe ich meinen Mann so. Das ist nicht ER, wie er mal war, das ist eine veränderte Persönlichkeit.

    Schöne Grüße
    Doro

    Hallo Co-la,

    deine Frau wird sich durch Reden wohl kaum von ihrer SUcht lösen können. Das hat wenig Sinn in meinen Augen.

    Ich hab selbst auch keine Erfahrungen mit dem Jugendamt, ich hab die Sache bisher nur mit einer Suchtberatungsstelle und mit einem MItarbeiter von der Arbeiterwohlfahrt, der speziell für Umgangsfragen zuständig ist, besprochen. Es ging bei mir darum, dass meine noch sehr kleinen Kinder noch Umgang mit meinem Mann hatten, der aber dabei immer betrunken war. Und ich hatte Sorgen, die Kinder mit ihm alleine zu lassen, weil es einfach unsicher ist. Also, die Mitarbeiter haben mich eigentlich sehr bestärkt: Ein Betrunkener taugt nicht als Babysitter. Hatte allerdings auch mal ein Gespräch mit einem Jugendamtsmitarbeiter, der das auch runtergespielt hat, dass mein Mann betrunken auf die Kinder aufpasst. So nach dem Motto: Wenn wir allen Eltern, die ein Alkoholproblem haben, die Kinder entziehen würden, wären die Kinderheime hoffnungslos überfüllt.
    Ich hab mich damals total aufgeregt.

    Nun, es geht ja auch nicht darum, dass die Kinder in ein Heim sollen. Sondern DU bist ja da - zum Glück für die Kinder - und kannst Schritte einleiten, um für deine Kinder besser zu sorgen.
    Wie das genau aussieht, das musst du mit fachkundiger Hilfe rausfinden.
    Warum soll es rechtlich nicht möglich sein, dass die Kinder bei ihrem Vater wohnen? Sicher, es ist wahrscheinlich schwieriger durchzusetzen als umgekehrt, aber ich würde diese Option auch nicht ausschließen.
    Ich denke schon, dass das Jugendamt die zuständige Stelle ist, denn die haben schließlich die Pflicht, die Kinder zu schützen. Wenn die davon wissen, dass deine Frau betrunken mit den Kindern Auto fährt und es passiert was, dann wäre das doch sehr unangenehm für das Jugendamt.
    Also würd ich die unmittelbare Gefährdung der Kinder auf alle Fälle überall herausstellen.

    Wenn du klar bist in deinem Handeln und das durchziehst, ist es für deine Frau am ehesten ein Anstoß, wirklich etwas zu ändern. Du hilfst deiner Frau damit am ehesten.

    Es ist schwer, aber wir haben als nicht-trinkende Eltern nun mal die Verantwortung für die Kinder, die nassen Alki-Eltern können eben nur bedingt ihre Verantwortung wahrnehmen.

    Klingt alles schlau, ist in der Umsetzung natürlich echt belastend. Aber meines ERachtens der einzig richtige Weg.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo rijj,

    gute Ansage! Bleib dabei!

    Ich selbst habe mit meinem Mann (in Trennung) zwei kleine Kinder und hatte einigen Stress wegen des Umgangs, weil er eben immer betrunken war (allerdings nicht Auto gefahren).
    Man kann sich in einem solchen Fall entweder direkt bei dem Jugendamt Hilfe holen oder - bei uns jedenfalls - gab es eine Beratungsstelle der Arbeiterwohlfahrt. Dort bin ich mit einem Kinderpsychologen in Kontakt, der die Aufgabe hat, in SAchen Umgang zwischen meinem Mann und mir zu vermitteln (was daran scheitert, dass mein Mann nicht mitspielt).
    Jedenfalls stärkte mir dieser Mensch den Rücken und sagte: Sorgerecht spielt hier keine Rolle!!! Betrunken sollten kleine Kinder nicht beaufsichtigt werden, das ist einfach gefährlich, dazu muss er nicht erst austicken. Da reicht schon ein "Vergessen" des Kindes oder ein "Vergessen" des heißen Kochtopfs oder sonstwas.
    Von den seelischen Folgen mal ganz zu schweigen.

    Ich habe nicht nur das Recht, ich habe die Pflicht, die Kinder davor zu schüten, von einem Betrunkenen beaufsichtigt zu werden. Insofern ist deine Ansage ganz und gar richtig.
    Auch die Suchtberatungsstelle hat mir das so gesagt.

    Wenn er sich dem widersetzt, kannst du eben wie gesagt versuchen, Rückendeckung zu bekommen z.B. vom Jugendamt. Spätestens wenn er mit ihnen betrunken Auto fährt, muss sich das Jugendamt dafür interessieren.
    Aber möglicherweise genügt es schon, wenn du ihm klar sagst, was du auf keinen FAll mitmachst.

    Es ist in der akuten Situation natürlich nicht so einfach, damit umzugehen, ich kann ein Lied davon singen. Aber es hat mir sehr geholfen, dass mir die Leute von den Beratungsstellen klar gesagt haben, dass es meine Verantwortung ist, das Kind zu schützen. Denn ich hatte natürlich auch gleichzeitig ein schlechtes GEfühl dabei, ihm sozusagen die Kinder zu entziehen. Aber ich weiß, dass es für die Kinder einfach so am besten ist. Wenn er mal wieder ne nüchterne Phase haben sollte, sieht es wieder anders aus. (obwohl natürlich ein ewiges Hin und Her auch blöd ist.)

    Schöne Grüße
    Doro