Analyse über die Kindheit, Verantwortung, Liebe ect. pp

  • Hallo Ihr Lieben,
    mit Erstaunen stelle ich in den letzten Wochen fest dass Theorie, Fachwissen und Familienanalysen sehr viel Platz einnehmen und dabei aktuelle Änderungen von Grundsituationen nicht erfolgen.

    Ich habe "früher mal" Fachbuch um Fachbuch gelesen, verstanden und noch mehr analysiert, alles wurde klar und deutlich. Geändert hat sich dadurch nichts!

    Ich habe meine Familiensituation betrachtet und analysiert, nicht immer schön, manches ist passiert und vieles hat mich an meiner eigenen Entwicklung gehindert oder in eine falsche Richtung bugsiert. Aber auch dieses Wissen hat mich nicht weiter gebracht! Vorwürfe/Analysen/Nachdenken über die Verursacher hätten mich nur in Schuldzuweisungen gedrängt und eine eventuelle Veränderung verhindert. Nur wenn ich meinen Peinigern verzeiehen kann, kann ich mir persönlich meine Fehler verzeihen und mich selber annehmen.

    Mein persönliches Resümee aus meiner Bewältigung:
    Fachbücher und Vergangenheitsanalysen schaffen für mich jede Menge Rechtfertigungen, warum etwas so ist wie es ist und ich nicht unbedingt etwas ändern muss. EBENSO wie der Alkoholiker, der Gründe für sein Trinken findet! Keine der Parteien ändert etwas in Form von Aktionen oder Konsequenz ....

    Sozialverantwortung, Mitleid und das "Ja" für Gute und schlechte Zeiten, die wirtschaftlichen Überlegungen und alles das, was ein Hinderungsgrund wäre eine schlechte Situation zu verändern (auch wenn der Beginn wirtschaftlich noch schlechter wäre) sorgen für ein ausharren und verschlechtern von Situationen und stagnieren bzw. für einen Dauerrückwärtsgang.

    Tausende Worte, hunderte von Seiten und unzählige Analysen oder Fachbücher ändern die Realität nicht! Mir hätten Gespräche und gegenseitige "mir geht es wie Dir" Aussagen überhaupt nichts gebracht, da auch sie mich in der Situation hätten gefangen gehalten. Kann man/frau sich doch gemeinsam bemitleiden und stärken, dass man sich versteht und alles richtig macht. Genau wie die Runde der Trinkfesten, die ja alle kein Alkoholproblem haben.

    Was für mich der Ausstieg war waren ganz normale Freunde die sagten Du bist "mehr wert" als eine Suchtbeziehung, Du hast Dich negativ verändert in der Beziehung. Was mir geholfen hat war zu sagen "ich wage den Ausstieg egal was passiert, egal, dass ich arbeitslos und heimatlos bin". Ich wage den Ausstieg mit meinen vielen Tieren und beginne einfach auszusteigen .....

    Alleine ... in mein Leben .... in meine Verantwortung .... auch als arbeitslose, mittellose Wühlmaus (Kirchenmäuse wären nämlich reicher gewesen als ich damals - ich hatte nämlich keinen "Opferstock" ;)

    Dafür bin ich sehr dankbar dass Familie, Freunde und meine Persönlichkeit mich nicht haben in der Theorie stecken lassen sondern einfach loszulaufen und zu verändern.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • GuMo Dagmar,

    na auch so früh wach :wink:

    Ich hab in letzter Zeit auch mein Resümee gezogen. Und erkannt, dass ich in Vergangenheit zwar viel erkannt und analysiert hab, aber zu faige war es umzusetzten. Nicht konsequent genug war, die Wege, die mir zwar mittlerweile einläuteten, einzuschlagen.

    Und warum? War es die Unsicherheit sich nicht auf festem Boden zu befinden ? Meine eigene Hilflosigkeit einzugestehen ?
    Vielleicht hatte und hab ich einfach Angst, am Ende des Weges einen Spiegel vorzufinden.
    Die Sicht auf den Anderen ist doch viel einfacher, spricht uns doch als sogenannte Hobby-Therapeuten noch eine gewisse Stärke zu.
    Das ungeschminkte eigene Gesicht ist da doch viel schmerzlicher.

    Wenn ich mich so zurück erinnere, war mir meine Co-Schwäche doch schon sehr früh bewusst, hab mich auch versucht zu wehren.
    Hab teilweise bevor ich Beziehungen/Freundschaften eingegangen bin meinen Fragenkatalog ausgepackt. " Na, bist ein Scheidungskind, hast ne schlechte Kindheit gehabt,...", ich habs abgecheckt. Weil ich nicht immer und für jeder Mann die Mutter Theresa sein wollte. Aber wenn dann Probleme auftauchen, warum hab ich den Absprung nicht geschafft ? Da wenn andere mit den Schultern zucken "is nicht mein Problem" hab ich angefangen zu klammern.
    Da hat mein Fragenkatalog auch nichts gebracht.

    Und das ist das, andem ich gerade arbeite. Arbeiten muss.
    Ich bin der Typ, der nicht riskiert, sich nicht ins Ungewissen stürzt.
    Nee, sogar die Sachen fürn Urlaub pack ich teilweise schon 1 - 2 Wochen früher, damit ja nix fehlt. Wenn ich wohin muss, wo ich mich nicht auskenn, kann ich den Weg dorthin bald auswendig, so studiert hab ich ihn.

    Klar, ich hab fast alles ims Griff, es gibt kaum eine "Unbekannte" in meiner Gleichung, aber die Gleichung geht trotzdem nicht auf.
    Und ich hab Angst, wahnsinnige Angst, mich auf diese Spiel "einfach losgehn" einzulassen.

    Aber ich muss. Das weiss ich jetzt. Dank eurer Hilfe. Auch wenn ich mal zur Abwechslung nicht weiss, wo ich raus komm.

    In der Theorie, liebe Dagmar, sind wir glaub alle Spezialisten,
    aber das Praktische liegt uns wohl nicht so.
    Also auf zum Praktikum "eigenes Leben".

    (zitter) nici (mit wackeligen Knien) :wink:

  • Hallo Nici! :wink: Tapfer weitergehen! Das Zittern läßt nach. Ganz bestimmt!


    Hallo Dagmar!

    Du hast es mal wieder auf den Punkt gebracht!
    Es hat überhaupt keinen Sinn, sich in Bücher zu verkriechen, zu versuchen, da das Passende für sich rauszusuchen, und Selbsttherapie zu beginnen.
    Hab ich auch alles hinter mir. Bevor ich zur praktischen Therapie gekommen bin.
    Dort wurde mir klargemacht, dass was vorbei ist, vorbei ist. Ganz egal wie es war. Im Hier und Jetzt kann ICH etwas ändern. Und als ich es eingesehen hatte, begann die richtige Arbeit an mir.
    Wege, Worte, Gedanken wurden gefunden, mit meinem Alltag zu leben und fertig zu werden.
    Das war Hilfe zur Selbsthilfe.
    Daran denke ich sehr oft, wenn ich z.B. in Konflikte gerate, gleichwelcher Art. Das hilft.

    Dir einen schönen freien Tag!!!! und viel Spaß im Garten!
    LG Gotti.

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.

  • Hei Nici,
    da bringst Du mich doch glatt auf meine eigene Fehlleistungen :) Wie oft habe ich den Expartner analysiert ... fällt mir peinlicherweise erst nach Deinen Zeilen auf.

    Auch sonst geht es mir wie Dir: ich bin ängstlich was Änderungen berifft, alles soll(t)e genau geplant sein. Das wäre meine Grundstruktur. Durch die Suchtbeziehung habe ich aber erfahren müssen, dass egal, was ich plane, es im Regelfall anders kommt. Somit habe ich mir eine gewisse "Gottergebenheit" erarbeitet. Zwangsweise!

    Ich versuche immer noch Reiserouten ect. vorzuplanen, meine Botanik im Sinne von wann darf was in den Garten - aber ich weiß dass das meiste anders kommt und reagiere dann aus der Situation. Konnte ich früher nicht!!! Wurde auch so erzogen, wenn man das schlimmste einkalkuliert, dann kann man/frau nicht negativ überrascht werden. Grundsätzlich richtig - bringt aber in alles eine schwere und eine negative Grundeinsellung - es erlaubt keine Vorfreude. Keine positiven Erwartungen was Veränderungen betrifft.

    Du, dieser Spiegel ist toll - wenn es auch schwer ist, sich vor ihn zu stellen :) Denn ich musste es ja - ins kalte, arbeitslose Wasser geworfen ;) Mensch, hat dieser Spiegel mir Farben gezeigt, hätte ich zuvor nie gedacht :)

    Das übrigens hat sich bei mir an Kleidung und Vorhängen und Teppichen bemerkbar gemacht: die Farben, die nun das Leben bringt und die ich nun sehen darf, die habe ich auch im Haus. Ich mochte schon immer etwas ungewöhnliche Kleidung oder Farben (wenn auch unauffälliger Stil) habe diese auch gekauft, aber nicht getragen.... Ich wusste also was ich wollte und traute mich nicht....

    Nici, ich war nach meiner Trennung nicht alleine und hilflos. Ich dachte es zuvor, ich wäre es. Es gabe so viele hilfreiche Hände und Menschen, wie ich es zuvor nie hätte sehen können. Deshalb, weil ich offen sagte "ich kann das nicht - kannst Du mir helfen - ich bin überfordert, was würdest Du tun"

    Mein Leben ist so anders, übrigens schöner auch als vor der Suchtbeziehung, weil alles anders wurde. Bedingt vielleicht durch die Kapitulation "ich kann nicht alles alleine und ich kann nicht alles kontrollierne". Dadurch nämlich erlaube ich mir mich als Mensch zu zeigen, erlaube meinem Umfeld Hilfe anzubieten und auch selber um Hilfe zu bitten.

    Ich habe mal früher Gespräche über mich unbewußt mithören müssen, das war nicht ich über die da geredet wurde "die Überfrau, die alles im Griff hat". Es war ein wunderschönes Kompliment, aber es war nicht die Person, die ich wirklich war - es war nicht die angstliche Person, die gar nicht stark wirken wollte, sondern die einfach mal geherzt werden wollte. Das aber konnte niemand durch meine starke Erscheinung.

    Jetzt ist das alles anders: immer noch stark, aber gleichzeitig nicht auf jedem Gebiet. Schwäche ist nämlich Stärke - die Stärke es zuzugeben, dass man/frau nicht alles kann.

    Ich denke, hier hängt das Kontrollverhalten mit drin: ich habe alles im Griff und kriege es alleine hin. Nein, ich alleine renne gegen Mauern weil ich nur meinen Tunnelblick habe. Erweitere ich den Horizont durch Befragung von anderen sehe ich mehr.

    toi toi toi wünscht Dir
    Dagmar

  • Genau Gotti,
    genau das ist es: was vorbei ist ist vorbei! Auf in die Zukunft!!!! Schön formuliert :)

    Ach Gotti, ich werde den Tag genießen. Vorab fahre ich zu meiner Mutter, nein, eine Freundin fährt mich, da mein PKW nicht sicher ist - Hilfe, um die ich gebeten habe, die ich bekommen habe weil ich eben nicht alles im Griff habe :)

    Genau da beginnt es: mein Winterauto - sollte nur bis 1. Mai halten beginnt zu brökeln und nach Benzin zu stinken, der Nachfolger ist nicht (wie mir versprochen worden war) fertig. Das Nebenhaus meiner Mutter ist abgebrannt und sie telefonisch schwer erreichbar.... so aber 120 km zwischen uns. Früher ein Grund für absolute Panik.

    Heute schlimm und übel - aber durch Freunde zu bewältigen, durch Hilfe anderer - diese aber können erst in mein Leben einsteigen wenn ich ihnen sage "ich brauche Hilfe oder Unterstützung, ich bin überfordert".

    Ganz ehrlich, alle die Bücher und Analysen haben mich zurück geworfen! Sie gaben mir quasi die Rechtfertigung warum ich so bin wie ich bin. Klar, sie sagten wie es anders gehen würde, aber schon im nächsten Kapitel konnte ich mich selber bemitleiden ....

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Hallo Dagmar,

    ich hab auch mein Soziales Netz um mich, wenn es konkret wird mit der Trennung. Aber wie gesagt, es ist halt schwer sich fallen zu lassen.

    Aber wer weiss, vielleicht lern ich bei meinem "Fall" ja noch fliegen :wink:

    Und ja, das im Selbstmitleid, in der Erkenntnis verharren, hilft nicht wirklich weiter. Eine Rechtfertigung über sein Handeln, darf immer nur der erste Schritt sein, das hab ich jetzt auch kapiert.
    Schön, dass ich durch deine Worte ein Blick in dein Buntes Zuhause haben darf.

    Schönen Wochenanfang.
    nici

  • Liebe Dagmar,

    morgens um 6 Uhr schon solche Erkenntisse, wow!

    ich finde es sehr interessant, was Du schreibst. Ich stimme mit Dir sehr überein. Meine Devise, raus aus dem Kopf, rein in die Handlung. Doch dahin musste ich erstmal kommen und jeder dreht da für sich seine Runden.

    Auch ich habe mich mit Büchern vollgestopft, bis ich sie irgendwann alle in die Ecke geschmissen habe. Ich fühlte mich immer kleiner und schwächer, wusste gar nicht mehr, welche Baustelle ich zuerst bearbeiten sollte.

    Vielleicht brauchte ich diese Bücher um zu erwachen, keine Ahnung...Heute brauche ich keine Bücher mehr und ich gucke auch nicht mehr nach hinten, warum wieso weshalb. Kindheit gut und schön, ich bin im Jetzt. Na, vielleicht habe ich auch gut reden, da ich mir meine Vergangenheit sehr genau angeschaut habe und damit einfach in Frieden bin. Ich lebe heute.

    Gestern habe ich mir durchgelesen, wie Du Dein Leben gestaltest und das hat mich sehr gefreut und so kommst Du jetzt vielleicht auch zu diesen Erkenntnissen, die Du heute postest. Das sind ja alles Entwicklungschritte und Erfahrungen, wo Du erstmal hin kommen musstest, was auch immer Dir dabei geholfen hat.

    Vielleicht ist das wirklich das Ende der CoAbhängigkeit, da zu stehen, wo Du heute stehst und dafür darfst Du Dich wirklich feiern :-). Ich freue mich sehr für Dich.

    Also , raus aus der Opferrolle und rein ins Leben.

    Ich wünsche Dir einen guten Start in die Woche und viel Spass in Deinem Garten.

    Liebe Grüsse Martha

    Achte auf deine Gedanken, sie sind der Anfang deiner Taten ...

    Trocken seit 2010

  • Liebe Dagmar,

    schön Dich zu lesen. Als ich anfing zu laufen, da blieben die Pfunde auf der Strecke. Es hat einige Zeit gebraucht, bis der Kopf auf die Beine und die Beine auf die Füße und alles zusammen auf die richtige Schrittlänge eingestellt war. Dazwischen kamen psychosomatische Ausrutscher, unerklärlich, warum die Knie einfach so weggingen, ausdauernde, längere Strecken von über 20km, Geländeläufe und neue Erfahrungen, verrückte Bewegungen und bewusstes erleben jeden einzelnen Auftreten, jedes Knochens, jedes Gelenks, jedes Muskels. Die Schrittlänge ist dabei immer gleich geblieben, sichere, gleichmäßige, kurze Schritte. Heute sind es täglich nur noch fünf Erlebniskilometer, kurze Schritte in vollen Zügen.

    All die Erfahrungen hätte mir ein Trainer, der genau das lehrt in wenigen Stunden beibringen können, wäre ich so gewesen um genau das so zu verstehen, anzunehmen und mich zu verändern. Wäre das alles immer genauso wie es sein soll, dann wäre ich nicht hier in diesem Forum und hätte nicht zwei Jahre Dagmar lesen dürfen.

    Wie die Rückfallquote sowohl so wie auch so zeigt, braucht es viele kleine Schritte bis es Spaß macht jeden Tag als Erlebnis zu betrachten. Das Paradies ist in meinen Kopf, das mache ich mir selbst und manchmal bedarf es vieler Türchen, die ich erst mal öffnen muss, um zu lernen, dass schon alles in mir ist.

    LG Karl

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo Dagmar,

    ich will es mal nicht Selbstmitleid nennen, sondern aufzuwachen und das ist nicht immer leicht.

    Ehrlich zu sagen, dass man Hilfe und Unterstützung braucht muss auch erst gelernt werden...denn es gab eine Zeit, wo wir doch sooo stark waren und immer nur für andere da waren.

    Es ist immer wieder für mich eine reine Freude bei dir zu lesen...denn bei dir merkt man richtig, dass du auf dem richigem Weg bist.

    Liebe Grüsse
    Monty

    Wenn man seine Ruhe nicht in sich findet, ist es zwecklos, sie anderswo zu suchen

  • Hallo Ihr Lieben,

    Martha schreibst so schön "Vielleicht ist das wirklich das Ende der CoAbhängigkeit, da zu stehen, wo Du heute stehst und dafür darfst Du Dich wirklich feiern . Ich freue mich sehr für Dich. Also , raus aus der Opferrolle und rein ins Leben. "

    Ich befürchte, meine Tendenzen werden immer bleiben - die Gefahr sich selber aus den Augen zu verlieren wenn Gefühle ans Tageslicht treten. Deshalb habe ich auch velement alles was in eine solche Richtung gehen könnte abgeblockt.

    Ich werde also für den Rest meines Lebens ganz bewußt jeden Schritt gehen müssen, anhalten und Reflektieren. Mir geht es jetzt (sehr) gut, aber ich bin mir bewußt, dass das schlagartig von einen Tag auf den anderen anders sein kann wenn auch nur ein richtiger Schalter bei mir eine Fehlreaktion auslöst.

    Genau hier sehe ich die Gefahr dessen was wir hier alle erlebt haben. Erstes Problem rauskommen und sich selber realisieren, die Opferrolle verlassen. Ein neues Leben beginnen zu leben und das schwerste für mich: die Zukunft ebenso selbst bestimmt weiterhin verantwortlich in gute Bahnen lenken....

    Ich persönlich glaube, man/frau kann mit der Co-Abhängigkeit oder Beziehungssucht leben und sich daraus entwickeln, aber sie vermutlich nie ganz "ablegen".

    Ja Monty, Hilfe annehmen muss (Kann!) gelernt werden. Und wir haben alle Zeit der Welt es zu lernen. Haben wir doch oftmals viele Jahre damit verbracht hilflos und ergebnislos Hilfeleistungen abzugeben, was sind da ein paar Monate auf unserem Lernweg ?

    Auch in diesem Zusammenhang ist dann meine "Selbst"-Analyse gefragt, aber eingebunden in eine Handlung/Aktivität.

    Ein Fachbuch kann mir dabei nicht helfen weil meine Grunstimmung wechseln kann und kein Beispiel ädequat ist für meine persönliche Entwicklung oder den Umgang mit einer Situation.

    Ratschläge sind sinn- und wertvoll, auch das Verstanden werden, aber entscheiden muss ich alleine nach meiner Verantwortung - eventuell auch die Konsequenzen tragen.

    Nun Monty, ich hoffe, dass der Weg für mich richtig ist, bisher sieht es so aus.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Aufklärungsbüchern würde ich nicht verteufeln, anderseits muss man sie tatsächlich als Hilfsmitteln anwenden zur Weiterbildung und nicht als Ersatz für jegliche Handlung.

    Sich hinter Büchern verschanzen, um sein eigenes Leben nicht im Griff nehmen zu müssen, ist auch Sucht!

    Ich lese viel und habe immer ein Bleistift dabei, mache mich Notizen, wenn ich das Buch zumache, hinterfrage ich die Notizen und probiere, das was ich neu gelernt habe, im Leben einfliessen zu lassen.

  • Zitat von dagmar007


    Sozialverantwortung, Mitleid und das "Ja" für Gute und schlechte Zeiten, die wirtschaftlichen Überlegungen und alles das, was ein Hinderungsgrund wäre eine schlechte Situation zu verändern (auch wenn der Beginn wirtschaftlich noch schlechter wäre) sorgen für ein ausharren und verschlechtern von Situationen und stagnieren bzw. für einen Dauerrückwärtsgang.

    Hallo Dagmar,

    das beschäftigt mich grad mal wieder. Ich habe das Gefühl zu stagnieren.
    Warum ist es eine Krankheit, bei der man mehr durch Nichthelfen hilft.
    Weil die Einsicht da sein muss. Die Einsicht vom Erkrankten selber.
    Also warum bin ich Co ? Weil es sich um diese Krankheit handelt, und nicht um eine andere ?
    Und wäre die Diagnose anderst verlaufen, wäre man Handeln dann nicht Co ?
    Hätte ich dann nicht diese Sucht ?
    Wär ich dann durchs Leben gelaufen, als betreuende, liebende Ehefrau ?
    Wär ich dann meiner Sozialverantwortung gerecht geworden ?
    Oder hätte sich mein Krankheitsbild auch anderst gemerkbar gemacht, wär ich dann die Glucke ?
    Ich versuch mich grad mit meinem Krankheitsbild zu beschäftigen. Ich muss es für mich analysieren, um nicht in die gleiche Verhaltenmuster abzurutschen. Die Schritte, die ich in Zukunft gehen werde, wollen gut überlegt sein, denn das bestimmt mein weiteres Handeln.
    Ich fang an, aufzukehren, und sortier was ins Schüsselchen, und was ins Kröpfchen kommt.
    Und will wissen, ob ich diesen schmalen Grad zwischen Verantwortung und Mitleid... und Selbstaufgabe und Co. jemals richtig unterscheiden kann.
    Werden wohl immer vor mir auf der Hut bleiben müssen.

    nici

  • Hallo Nici,

    das sind ganz spannende Fragen die Du stellst und auch wenn Du Dagmar fragst, versuche ich Dir mal zu antworten:

    Für mich gibt es verschiedene Ausprägungen von CoVerhalten. In dem Moment, wo ich an der Seite eines Süchtigen lebe, die Sucht womoglich noch vertusche und unter ihr leide bin ich CoAbhängig - ich bin nicht frei. Ich mache mein Wohlbefinden von dem anderen abhängig und kann scheinbar auch nicht gehen.

    CoAbhängigkeit gibt es aber nicht nur in Suchtbeziehungen, hier ist es meist ziemlich ausgeprägt das Verhalten, doch ist es in sehr viele Beziehung zu beobachten.

    Für mich ist das Hauptsymptom des CoVerhaltens, dass ich versuche, die Verantwortung für einen anderen zu übernehmen. Oft wird es ja auch beschrieben, dass der CoAbhängige sich wie eine Mutter fühlt oder von dem Partner schreibt, er sei wie ein Kind. Das ist ja keine Begegnung auf Augenhöhe, bzw. wie sie zwischen Mann und Frau sein sollte, das sind Rollenverschiebungen.

    Als CoAbhängiger versuche ich auf den Zuständigkeitsbereich des anderen einzuwirken und ihn zu manipulieren. Wenn ich einen Partner habe der säuft, liegt es komplett in seiner Verantwortung es zu tun oder zu lassen. Und natürlich mag das seine Gesundheit und sein Leben ruinieren, doch ist es seine Entscheidung, wie er sein Leben gestaltet und das habe ich zu akzeptieren.

    Ich kann ihn darauf hinweisen, dass sein Handeln aus meiner Sicht nicht seinem Leben dient, damit sollte dann aber auch gut sein. Den anderen aber dahin bewegen zu wollen, etwas zu tun, was er gar nicht will, das ist nicht meine Aufgabe, ich bewege mich in seinem Zuständigkeitsbereich.

    Zu unterscheiden, wo unterstütze ich den anderen, wenn Hilfe gewollt ist und wo muss ich ihn machen lassen, auch wenn es nicht meinen Vorstellungen entspricht, das ist die Kunst.

    Ich hoffe, Dir damit ein wenig zur Klarheit verholfen zu haben und es antwortet Dir auf Deine Fragen.

    Viele Grüsse Martha

    Achte auf deine Gedanken, sie sind der Anfang deiner Taten ...

    Trocken seit 2010

  • Hallo Martha, bzw. Dagmar,

    ich hatte die Frage von Dagmar aufgegriffen, freu mich aber das Du antwortest.

    Zitat von Martha66


    Zu unterscheiden, wo unterstütze ich den anderen, wenn Hilfe gewollt ist und wo muss ich ihn machen lassen, auch wenn es nicht meinen Vorstellungen entspricht, das ist die Kunst.

    was ist, wen der Erkrankte, sich aber nicht äußern kann, sei es durch Ohnmacht, oder durch depressives Suchtverhalten ?
    Ein z.B. manisch Depressiven im aktuten Zustand wird in die Psychatrie eingewiesen, ob er will oder nicht.
    Hier geht es darum, ob er sein oder ein anderen Leben gefährdet.
    Was unterscheidet sich da bei einem Alkoholiker ?

    Nicht falsch verstehen, ich will meinen Mann weder die Entscheidung abnehmen, noch ihn einweisen lassen.
    Wäre aber bald dazu gekommen. Und der Opa wurde anfangs in die Geschlossene gebracht.
    Und meine Freundin hat die Befürchtung geäußert, daß sie mich und mein Handeln zwar versteht, aber nicht glaubt, dass er so tief in der Depression sitzend überhaupt die Möglichkeit hat sich Hilfe selbst zu holen, selbst wenn er es wollte.
    Und auch eine Schulfreundin (saß 3 Wochen im dunklen Schlafzimmer ) hätte sich niemals alleine Hilfe holen können.
    Ich weiß, ich bin wieder am zweifeln, aber ich denk, das sind Fragen, die -wenn auch unangenehm - ich mir auch stellen muss.

    Ich lass ihn gehen, entlass ihn in seiner Verantwortung.
    Trotzdem knirscht es noch im Gebälk "kann er diese Verantwortung überhaupt noch tragen ?"
    Das ich sie mir nicht mehr aufbürde ich für mich klar. Dafür hab ich schon zu arg durch MEIN Fenster gekuckt. Und will auch weiter gehn.

    Trotzdem bleibt dieser schale Beigeschmack da.

    Find auch doof, dass man ein Augenleiden nicht heilt, sondern nur eine Brille verpasst. Das Auge wurde nicht regulliert.
    Das Gipsbein bleibt ja auch nicht ewig.

    Danke für deine Antwort, Martha.
    ich werde weiter stolpern (vorwärts) nici

  • Dagmar...ich bin mir ganz sicher, dass du auf dem richtigem Weg bist..und wir als Co müssen doch immer aufpassen, dass wir nicht in das alte Schema zurück fallen...denn einmal Co...immer Co ..nur das man jetzt mit offenen Augen durch die Welt geht und alles besser und realistisch sieht.

    LG Monty

    Wenn man seine Ruhe nicht in sich findet, ist es zwecklos, sie anderswo zu suchen

  • Hallo alle zusammen,

    ich darf mich auch mal kurz zu Wort melden, zu der Sache mit der Eigenverantwortung.

    Ich stimme zu: Letztlich muss man den Trinkenden machen lassen. Und zwar meiner Meinung nach einfach aus dem Grund, dass anderes meist wenig nützt.
    Wenn ich einen Weg wüsste, meinen Mann trocken zu legen, ich würds tun. Für ihn, für mich, für die Kinder.
    Oder sogar für die Gesellschaft, die ihn ständig mit durchziehen muss und Ärger mit ihm hat.
    Geht aber nicht.

    Andererseits: Ich glaub nicht, dass er sich nicht auch wünschen würde, da raus zu kommen. Dafür hat er ihr einfach viel zu viel opfern müssen. Er ist geleitet von dieser Sucht und wir (ich meine die Medizin oder Psychologie) haben noch kein wirksames Mittel gefunden, die Sucht direkt zu behandeln, an dem Willen des Kranken vorbei.
    Ich kenn mich mit Depressionen nicht aus, aber ich vermute mal, dass der Depressive kein Interesse daran hat, nicht geheilt zu werden. Ihm fehlt bloß der Antrieb, sich HIlfe zu holen.
    Der Süchtige (im akuten Stadium) hat zwei Seelen in seiner Brust. Die eine möchte schon geheilt werden, die andere möchte doch gerne weitermachen, wenn auch ohne die schädlichen Folgen.

    Und in noch einem anderen Punkt bin ich anderer Meinung: Es ist eigentlich nicht nur sein eigenes Ding.
    Jeder Mensch hat gewisse Verantwortungen den anderen gegenüber.
    Alkoholiker ab einem gewissen Stadium neigen doch dazu, ziemlich asozial zu werden (will hier nicht pauschalieren, aber es scheint doch eine Tendenz zu sein). Die Sucht lässt sie so handeln, glaub ich.
    Gewalt, Rücksichtslosigkeit, Verantwortungslosigkeiten usw.

    Wir sind ohnmächtig, das ist eigentlich alles.
    Das andere ist Schönfärberei. Niemand will doch Alkoholiker sein und das auch dauerhaft exzessiv ausleben.

    Schöne Grüße
    Doro

  • Hallo Doro,

    Zitat

    Niemand will doch Alkoholiker sein und das auch dauerhaft exzessiv ausleben.

    Wie kommst'n auf sowas? Der Wille zum Saufen ist Kern der Alkoholkrankheit. :roll:

    Gruß

    Kaleu

  • Nachtrag:

    Alkoholiker sind bereits fremdgesteuert und manipuliert, nämlich durch die Alkoholsucht.
    Es ist nicht so, dass die Cos ihnen ihren freien Willen rauben, sondern die Cos bilden sich ein, es mit dem Dämon Alkohol aufnehmen zu können. Das ist Selbstüberschätzung und der große Fehler.

    Aber was solls, ich kann eh nichts ändern.
    Ich kann bloß bei meinem Mann in keinster Weise mehr einen freien Willen erkennen. Und das macht mich sehr traurig.
    Ich hab ihn nicht manipuliert, jedenfalls in den letzten Jahren nicht mehr. Ich hab ihn immer machen lassen und ihm vertraut. Und als er wieder anfing zu saufen, kam es schnell zur Trennung. Ich habe versucht, mich finanziell abzukoppeln, habe wirklich alles getan um die wunderbare Hilfe durch Nichthilfe zu praktizieren.
    Und ich erlebe einen Menschen, der wirklich in jeder HInsicht jenseits des Abgrund steht. Und ich habe ihn auch erlebt, wie er trocken und gesund war. Wie er Marathon gelaufen ist und berufliche Pläne verfolgt und Kinder in die Welt gesetzt hat.
    Und nun erlebe ich ein absolutes Wrack.
    Ich sehe da und kann nichts tun und es tut unglaublich weh.
    Aber ich rede mir da nichts mehr schön, es ist das absolut Böse, vergleichbar mit Krebs, was dies angerichtet hat.

    Versteht ihr, es geht nicht einfach nur darum, jemandem in sein Leben nicht reinzuquatschen.
    Es ist unter Umständen für einen Co wirklich so, dass er fast über Leichen gehen muss, um nicht selbst unterzugehen. Das ist nicht normal, bei jeder anderen Krankheit würde man sich anders verhalten müssen.
    Diese Krankheit ist total unmenschlich und pervers, verspottet gute menschliche Ansätze (nämlich Hilfsbereitschaft und Mitgefühl) und macht sie zu Komplizen.

    Einen schönen Tag
    Doro

  • Zitat von Doro

    Diese Krankheit ist total unmenschlich und pervers, verspottet gute menschliche Ansätze (nämlich Hilfsbereitschaft und Mitgefühl) und macht sie zu Komplizen.

    Liebe Doro,

    ich seh das ganz genau so wie Du. Du hast es trefflich auf den Punkt gebracht.
    Das ist es auch, was mich mein "neues" Leben ohne das Co so schwer angehen lässt.
    Wenn ich mir vorstell, wie es in Zukunft sein wird...
    Mitgefühl mit anderen Menschen : ja - aber wo ist die Grenze, und erkenn ich dann auch die Grenze, wenn es soweit ist ???
    Helfen : ja, - aber wo fängt die Aufopferung an, und werde ich mir dessen bewußt sein ???
    Auch wenn einem die Bausteine Co einleuchten, heißt es nicht, dass sie immer erkennen werde in akuten Situationen. Werde also hart arbeiten müssen.

    Im Moment kann ich mir eine neue Partnerschaft nicht vorstellen, weil ich nicht weiß, ob ich soweit dann sein werde.
    Deshalb ist es für mich persönlich erst nur eine Partnerschaft einzugehen ....
    die Partnerschaft mit MIR.

    Und wer weiß, vielleicht werden "wir"/ich mit mir ja ganz glücklich.

    (bin eigentlich garkein so schlechter Typ :P )
    nici

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