Nööö! Da häng ich mich nicht mehr aus dem Fenster!
Doro ![]()
Nööö! Da häng ich mich nicht mehr aus dem Fenster!
Doro ![]()
Leute, seid ihr sicher, dass wir jetzt nicht dabei sind, alles in einen großen Topf zu werfen?
fragt sich
Doro ![]()
Hallo Ette,
immer noch ein schöner Thread.
Ohne ein Verlassen der Opferrolle ist keine echte Entwicklung zu einem besseren Leben möglich. Man verliert sich im Jammern und verstellt sich den Blick für die Handlungsmöglichkeiten, die da sind.
Das sehe ich ganz genauso.
Was ich immer noch nicht so sehen kann, ist dies:
ZitatCo´s die ganz armen Opfer, die vom trinkenden Partner nur manipuliert, untergebuttert, ausgenutzt und krank gemacht werden.
Doch, ich finde schon, dass viele nasse Alkoholiker ihre Frauen (meistens ist die Konstellation ja so) manipulieren, unterbuttern, ausnutzen und krank machen.
Dass sie selbst krank gemacht werden vom Alkohol, ist klar. Sie sind Opfer und Täter.
Wenn eine Frau gerade dabei ist, sich aus dieser für sie so schädlichen Beziehung zu lösen, dann finde ich es wichtig, ihr zu sagen: Ja, deine Gefühle sind richtig, er verhält sich wie ein A***!
Wenn eine Frau geschlagen oder übel beschimpft wird, möchte ich sie erstmal in den Arm nehmen und ausweinen lassen. Dann kann ich doch nicht sagen: Überleg doch mal, wo du selbst auch manipuliert hast.
Und aus der Erkenntnis: Er behandelt dich wie ein A***, muss dann die Erkenntnis kommen:
Steh auf und geh aus dieser unwürdigen Situation.
Dann muss irgendwann die Opferrolle verlassen werden.
Es ist doch kein Widerspruch festzustellen: Du bist Opfer geworden dieses gewaltbereiten Menschen.
Und zu sagen: Nun musst du aber aktiv werden um dich gegen diesen gewaltbereiten Menschen zu wehren.
Für mich gehört das zusammen und ich finde es ganz wichtig, solidarisch zu sein. Das heißt nicht vertrösten!
Liebe Grüße
Doro
Hallo Graupe,
es ist leider immer noch ein sehr heikles Thema, finde ich.
Ich bin seit einem Jahr von meinem rückfällig gewordenen Mann getrennt. Er ist jetzt inzwischen so weit unten, dass man nicht drumrum kommt, sein Verhalten irgendwie zu erklären.
Die, die uns gut kennen, wissen entweder schon längst die Wahrheit und mit denen rede ich auch sehr offen. Die, die ihn nur trocken kannten, hab ich das nicht erzählt, weil ich dachte, dass ihm es wohl nicht recht wäre. Er schämt sich.
Aber irgendeine Erklärung war manchmal nötig, da hab ich dann was von psychischen Probleme erzählt. Ist eigentlich traurig, aber ich hatte wie gesagt das Gefühl, er will das nicht.
Ich hätte eigentlich klarer sein sollen, z.B. einfach sagen, dass ich darüber nicht sprechen will. (bei denen, denen ich nicht die Wahrheit gesagt habe)
Ich hab mir aber auch nicht so viele Gedanken gemacht darüber, wie ich ihn nun in der Öffentlichkeit darstelle. Hatte andere Sorgen.
Wenn man anfängt darüber zu sprechen, hat plötzlich jede/r in seiner/ihrer Familie oder im Bekanntenkreis solch einen "Fall".
Es ist ja nun wirklich nichts Exotisches.
Aber die GEsellschaft gibt sich ne Menge Mühe, das Kind nicht beim Namen zu nennen. Das ist Teil des Problems, denke ich.
Ich hör jetzt immer öfter raus, wenn irgendwo womöglich ein Alkoholproblem lauert.
Lies mal Zeitungsartikel über Gewalttaten genauer, da ist soooo oft Alkohol (und vielleicht auch Alkoholismus???) im Spiel.
Ich kann mir schon vorstellen, dass dieses Outing dich erstmal Überwindung kostet.
Bei meiner ersten Trennung (selber Mann, selbes Problem) hab ich mich auch noch richtig geschämt. Da hab ich mich ganz alleine - mit einer Freundin - rausgeboxt aus der Sache und meine Familie erst eingeweiht, als ich schon ne eigene Wohnung angemietet hatte.
Es war mir peinlich, nicht dass er trinkt (das wussten schon alle), sondern dass sie Recht behalten hatten, dass diese Beziehung gescheitert war.
Graupe, mein Tipp: Spar dir deine Energie und mach dir keinen Kopp!
Es ist eigentlich egal, was die anderen darüber denken. Manche werden es spannend finden und tratschen (Sensationslust), manche dich bedauern, manche dich bewundern, viele werden dich verstehen, manche dich vielleicht sogar für egoistisch halten, manche werden es schon lange gewusst haben. Viele haben auch einfach nur so nebulöse Vorstellungen, was das alles bedeutet. Alles ist möglich.
Es ist eine Krankheit, eine sehr verbreitete, und du durchbrichst da jetzt was, weil du sonst vor die Hunde gehst. Egal, wie die anderen das finden.
Du musst auch nicht alles erklären.
Konzentrier dich auf dich.
Liebe Grüße
Doro
Hallo an alle,
warum macht man das so lange mit?
Ich glaube, es ist eine Fixierung auf dieses eine Ziel: ein gemeinsames Leben ohne Alkohol. Das entsteht einfach, wenn man auf Dauer mit einem nassen Alkoholiker lebt. Es ist sehr schwer oder sogar fast unmöglich, dabei nicht irgendwie verrückt zu werden.
Man bildet sich ja die ganze Zeit ein: wenn nur der Alkohol weg wär.
Am Anfang wars bei mir auch der Wunsch zu helfen. Und das Gefühl, jemandem durch diese Extremsituation besonders nahe zu sein.
Es war auch so eine romantische Idee dabei: Gemeinsam durch dick und dünn und dann beginnt das wahre Leben, fest zusammengeschweißt durch das erfahrene Leid.
Alkohol schweißt aber nicht zusammen, Alkohol trennt.
Und eine gemeinsame Überwindung des Suchtproblems (ich meine in einer Partnerschaft) gibt es in dem Sinne nicht. Nur jeder für sich und dann erst gemeinsam.
Bei mir wars so: Ich konnte die Welt nicht mehr in ihrer Vielfalt sehen. Er und sein Problem - das hat einen großen Teil meiner Wahrnehmung eingenommen.
Das Leben ist aber viel mehr. Vor allem ich selbst in meinen Bedürfnissen und Entwicklungsmöglichkeiten war dadurch total an den Rand gedrängt.
Es gibt für uns Co-Abhängige nur einen Weg: aussteigen aus dem Karussel, das sich um den Suchtkranken dreht.
Entweder durch Trennung oder durch innere Abgrenzung.
Und sich selbst wieder zum Mittelpunkt machen.
Da entdeckt man oft auch die eigenen Baustellen, die diese Beziehung überhaupt erst möglich machten.
Liebe Grüße
Doro
Hallo Pipilotta,
glaubst du denn daran, dass er sein Leben auf Dauer in den Griff bekommen kann oder weiter im Griff haben wird, wenn er nicht grundsätzlich beschließt, ohne Alkohol zu leben?
Ich kann daran nach meinen Erfahrungen nicht mehr glauben.
Sicher gibt es Alkoholiker, die ansonsten alles noch geregelt kriegen, aber von der TEndenz her, denke ich, wird es in der Langzeitperspektive immer eher schlimmer als besser.
Mit WEllenbewegungen und Verbesserungen zwischendurch.
Es ist schön, dass er sein Leben insgesamt jetzt besser geordnet hat als früher.
Ich kann auch verstehen, dass du erst gehen kannst gefühlsmäßig, wenn du an deinem Tiefpunkt ist.
Ich hab das früher auch so vertreten. Die Leute haben mich vor ihm gewarnt und ich hab auch immer gesagt: Ich kann nicht, ich liebe ihn. Ich kann jetzt noch nicht gehen.
Letztendlich habe ich damit aber mein eigenes Leben nicht ernst genug genommen.
Eigentlich sollte man ein Feuer zu löschen beginnen, sobald man es entdeckt, nicht erst, wenn man schon halb an der Rauchvergiftung eingegangen ist.
Also, ich kannd ich voll verstehen, glaub mir. Ich habs ja genauso gemacht. Es ging für mich nicht anders, aber klug wars nicht.
Aber vielleicht kannst du trotzdem mit der Hilfe des Forums die ganze Sache besser beurteilen.
Sowas hab ich mir damals nicht gesucht.
Liebe Grüße
Doro
ZitatAber lassen wird er es nicht, da bin ich mir sicher.
Liebe Pipilotta,
ich hab ein bisschen in deinem Thread gelesen.
Warum bleibst du bei ihm, wenn er selbst nicht ohne Alkohol leben will?
Am Anfang meiner Beziehung zu "meinem Alki" war ich ziemlich arglos. Ich wusste zwar theoretisch, dass es eine schlimme Sache ist, aber irgendwie scheine ich wohl geglaubt zu haben, dass ich den Absprung dann doch rechtzeitg schaffen würde.
Hab ich aber nicht. Irgendwann war ich gefühlsmäßig so verstrickt, dass ich nicht einfach so gehen konnte.
Das ist Co-Abhängigkeit. Sie beginnt wie die Sucht eher schleichend.
Meine Meinung: Du unterschätzt die Sache.
Sonst würdest du nicht so rumeiern.
Was bringt dir ein Gespräch über seinen Alkoholkonsum?
Er ist krank! Und du kannst ihn nicht heilen! Im Gegenteil, er kann und wird dich krank machen, wenn du nicht höllisch aufpasst.
Ein Tumor wird auch nicht kleiner davon, dass man drüber spricht, sondern er muss operiert werden.
Und dein Freund muss sich behandeln lassen.
Und da er das nicht will, wäre es ratsam, dass du dich schützt, indem du gehst.
Vom Reden wird bei ihm nichts passieren.
Und: Alkohol ist stärker als Liebe, leider.
Klar, er kann auch immer weitersaufen, aber das wird nicht ohne Folgen bleiben für ihn und für dich.
Es wird schlimmer werden mit ihm.
Wenn er jetzt schon Schulden hat, dann zeugt das nicht gerade davon, dass er alles im Griff hat.
Nur weil er jetzt nicht aggressiv ist, heißt das noch lange nicht, dass er nie aggressiv werden wird.
Es ist eine fortschreitende Krankheit!!!
Sorry für die klaren Worte.
Ich selbst bin mit "meinem Alki" seit 17 Jahren zugange, seit einem Jahr jetzt getrennt. Er ist inzwischen sehr gezeichnet durch den Alk, war schon zweimal am Rande des Todes, auch schon zweimal obdachlos.
Und wird immer aggressiver.
Am Anfang war er auch nicht so.
Klar, jede/r muss seine eigenen Erfahrungen machen.
Aber vielleicht schaffst du den Absprung etwas schneller, wenn du auch die Geschichten der anderen ernst nimmst.
Liebe Grüße
Doro
Stichwort: Schmerzgrenze senken
Ich bin überzeugt davon, dass man allgemein die Schmerzgrenze bei Cos senken könnte, wenn die Gesellschaft insgesamt klarer Stellung beziehen würde.
Zu sehr verbreitet ist noch die Ansicht, dass es auch irgendwie ehrenwert ist, wenn man sich so lange für den Alki "opfert".
Ich glaube, wenn ich schon in der Schule gelernt hätte, dass ein solches Verhalten falsch, kontraproduktiv, dumm und zudem für mich selbst höchst riskant ist, hätte meine Schmerzgrenze woanders gelegen.
Liebe Grüße
Doro
Dein Beitrag hat mir sehr gefallen. Du hast da Dinge gut auf den Punkt gebracht.
Und inzwischen kann ich das auch so sehen.
Vor einigen Monaten noch fand ich deine Beiträge manchmal provozierend für mich. Wieso denn immer dieses Rumreiten auf MEINEN Anteilen? ER ist doch offensichtlich derjenige, der ein Problem hat.
Ja, offensichtlich hat er große Probleme, aber es bleiben noch genug Baustellen für mich selbst übrig, wenn ich mal aufhöre, im Kuchenteig anderer rumzurühren und meinen eigenen Kekse backe.
Es ist übergriffig, dieses Verhalten.
Das Leben anderer Leute planen und organisieren...
Danke für deinen Beitrag, Ette.
Doro
Hallo!
Ich habe eigentlich eine ganz normale Kindheit gehabt, ohne großartige Traumata. Allerdings keine gute Ehe meiner Eltern, da habe ich oft versucht, Harmonie herzustellen und Ohnmacht erlebt.
Dazu kam eine starke christliche Prägung. Opfern für eine gute Sache ist sicher ein ganz starker Motor gewesen, mich auf einen SUchtkranken (und ich wusste das von Beginn der Beziehung an) einzulassen.
Ich glaube auch, dass ich Schwierigkeiten habe, mich abzugrenzen. Warum genau das so ist, weiß ich noch nicht.
Ich habe Schwierigkeiten damit, selbstbewusst mein DIng zu machen, reagiere stark auf das, was andere von mir wollen. Lasse mich leicht dominieren.
Vielleicht ist die Erklärung ganz simpel: Bin jüngste Schwester mit zwei älteren Brüdern. Da hab ich vielleicht dieses Muster erlernt, mich dominieren zu lassen. Zu tun, was die anderen tun.
Ich bin oft einfach gefolgt, die beiden Großen haben ja vieles vorgemacht.
Ich hatte als Kind und Jugendliche auch Schwierigkeiten mit der Entwicklung eines weiblichen Selbstbewusstseins. Ich konnte mit allem, was man so von Frauen erwartet, nicht viel anfangen. War übergewichtig, fand mich ziemlich unattraktiv und wollte nicht lernen, was andere in dem Alter so einüben: Schminken, tanzen, flirten.
Also hab ich in diesem Bereich kein gutes Selbstwertgefühl, vielleicht auch deshalb meine Unfähigkeit, mir einen Partner zu suchen, der mir gut tut, sondern jemanden zu nehmen, der mich einfach so nimmt, wie ich bin.
Das fällt mir so dazu ein.
Doro
Was die Schmerzgrenze angeht, muss ich noch anfügen, dass in Missbrauchsbeziehungen auch Manipulationen ne wichtige Rolle spielen.
Auch da ist es eigentlich wie bei der Sucht, irgendwie bekommt die Sache eine gewaltige Eigendynamik.
Wenn man bei der ersten Flasche Bier gleich obdachlos werden oder seinen Job und seine Familie verlieren würde oder die Leberwerte gleich ganz im roten Bereich wären, würde wohl niemand ständig Alkohol trinken.
Aber die Folgen werden eben erst oft dann richtig in geballter Form spürbar, wenn man schon drin steckt in er Sucht.
So ähnlich auch bei der Co-Beziehung.
Am Anfang hat das ganze noch so seinen Reiz. Ich kann mich wichtig und überlegen fühlen, weil ich helfe.
Oder der Alki-Partner ist unheimlich gefühlvoll und emotional, wie ich es noch nie vorher bei einem Mann erlebt habe. "Wir zwei gegen den Rest der Welt" und das totale Verwöhnprogramm stehen doch nicht selten am Anfang einer solchen Beziehung.
Und dann geht u.U. die Manipulation los, die dann irgendwann zu massiver Gewalt führt (verbal, gegen Gegenstände oder körperlich oder alles zusammen.)
Ich hab meinem Mann am Anfang keine Gewaltbereitschaft zugetraut. Er war verzweifelt, weich, zärtlich, emotional. Aber irgendwann war ich so verdreht und in meiner Wahrnehmung gestört, dass ich es zuließ, dass er Zwang, Nötigung und auch Gewalt anwandte. Nicht-Wahrhaben-Wollen, Scham und immer wieder die HOffnungen, Versprechung und auch die vielen zärtlichen Momente lassen einen Zögern, sich zu trennen.
Abends ein Monster, am nächsten Tag vielleicht wieder der weiche, zarte Mensch, in den man sich verliebt hat.
Ich glaube, dieser Aspekt darf nicht unterschätzt werden.
Die Eigendynamik.
Es hört sich hier manchmal so an, als ob Co-Abhängige Menschen wären, die irgendwie masochistisch sind und sich von allen Leuten Gewalt antun lassen oder sich geradezu gewaltbereite Partner suchen.
Daran glaube ich nicht, zumindest auf mich selbst bezogen nicht.
Ich glaube ganz stark daran, dass solche gewaltbereiten Menschen (gewaltbereit natürlich oft als Folge der Sucht) eben unglaubliche manipulative Kräfte entfalten und frau da relativ schnell drin landen kann.
Klar bringe ich selbst auch Verhaltensmuster mit, die das begünstigen. Nicht jede macht so eine Beziehung lange mit.
Genauso glaube ich, dass man oder frau relativ leicht alkoholabhängig werden kann. Wenn ich jetzt anfangen würde, regelmäßig bei einem Glas Wein zu "entspannen", wer weiß...
Die meisten Menschen folgen doch früher oder später mal irgendeiner Sucht.
Doro
Hallo Engelchen,
dass er dich belügt, ist Teil der Krankheit.
Das machen doch alle nassen Alkoholiker.
Er belügt nicht dich als Person, er belügt die ganze Welt und sich selbst dazu.
Das hat doch nichts mit dir oder eurer Liebe zu tun.
Sieh es mal "nüchtern"!
Es ist traurig, aber es sollte dich nicht kränken.
Kopf hoch!
Du hast ein Leben zu leben.
Liebe Grüße
Doro
Hallo Emma,
ich will deine Entscheidungen nicht infrage stellen, ich kenne deine Geschichte gar nicht, ich bin nur gerade auf deinen Beitrag hier gestoßen und der hat bei mir was angestoßen, was ich hierlassen möchte.
Ich will einfach mal meine Erfahrungen und Gedanken da lassen.
ich wollte dir hierzu was schreiben:
ZitatEs ist eine Krankheit. Würde man jeden Süchtigen aufgeben, so müßte das doch dann für Alle gelten. Also bloß keine Beziehung mit Rauchern, bei Essstörungen, Spielsucht, etc.
Entscheidend ist für mich dabei, was diese Sucht für mich als Partnerin bedeutet. Ich glaube nicht, dass mich ein Raucher stören würde (vorausgesetzt, er nebelt mich nicht dauernd zu, sondern geht auf den Balkon), essgestört bin ich selbst, keine Ahnung, ob man es mit mir aushält.
Mit einem Spielsüchtigen ist es schon schwieriger.
So, wie ich den Alkoholismus erlebt habe bei meinem Mann, muss ich sagen: Es hat eine ganz andere DImension als z.B. Rauchen oder auch als eine Essstörung.
Ein Raucher kann jedenfalls noch Auto fahren und wird auch normalerweise nicht aggressiv oder verschläft den ganzen Tag.
Sucht ist nicht gleich Sucht.
So wie Krankheit nicht gleich Krankheit ist.
Es gibt Krankheiten, mit denen hält man es aus, andere, die sind für den Partner unerträglich.
Ich hab ihn auch nicht aufgegeben. Ich hab mich getrennt, aus Selbstschutz. Ich weiß inzwischen, dass ich nichts tun kann, um ihn trocken zu legen. Nichts.
Ich habe in all den Jahren erfahren müssen, dass sein Tiefpunkt ganz woanders liegt: Er hört immer erst auf, wenn er Angst vor dem Tod hat. Vorher nicht. Aber ich hab das auch erst selbst erfahren müssen, von anderen hab ich mir da wenig sagen lassen.
Das ist bei anderen Alkoholikern wieder anders. Jeder hat einen anderen Tiefpunkt, bei manchen reicht die Trennungsandrohung.
Ich habe schon zweimal erlebt, wie mein Mann obdachlos war und ich ihm nicht mehr helfen konnte oder wollte.
Es ist sehr schlimm für mich, dieses Gefühl.
Ich bin auch nicht der Meinung, dass er das erfahren muss, damit er endlich aufhört.
Wenn ich Millionärin wär, würd ich ihm ewig die Miete weiter zahlen, auch wenn das seine Sucht möglicherweise verlängert.
Ich mag nun mal nicht, wenn Menschen auf der Straße sind, aus welchen Gründen auch immer. Es ist unglaublich würdelos.
Aber ich hab auch nur ein Leben. Und ich bin nicht bereit, alles aufzugeben für ihn.
Ich hab keine Million, meine finanziellen Ressourcen sind begrenzt und ich könnte immer nur vorübergehend finanziell helfen. Also lasse ich es.
Emma, diese Krankheit Alkoholismus kann sowas von brutal sein.
Ich musste einfach einsehen: Ich bin dem nicht gewachsen. Es sind Dinge passiert, die ich für unmöglich gehalten hätte. Alles wegen diesem Teufelszeug.
Ich kann einfach nur mein eigenes kleines Leben retten.
Und ihm das seine überlassen.
Auch das hab ich erfahren dürfen: Er braucht mich nicht.
Das ist befreiend.
Er braucht mich nicht!!!!
Liebe Grüße
Doro
Hallo Hartmut,
also eigentlich sind das ja zwei Fragen:
- Wo liegt meine Schmerzgrenze?
- Was kann das Umfeld tun, um dem Co-Abhängigen herauszuhelfen?
Meine Schmerzgrenze war bei beiden Trennungen: Schrei - ich hab Angst um mein Leben.
Das erste Mal hatte ich Angst, dass ich meine Berufsausbildung nicht abschließen kann, weil mich die Beziehung so belastet hat.
Ich hatte Angst, dass ich niemals eine Familie gründen würde, weil mit ihm nichts mehr anzufangen war.
Das zweite Mal hatte ich Angst, dass er mir meinen Laptop zertrümmert und dass er die Kinder schlägt oder schlimmeres.
Dass ich nicht mehr arbeitsfähig bin, weil er mich so fertig machte.
Da waren meine Schmerzgrenzen.
Sie hätten niedriger sein sollen.
Wehgetan hats nämlich schon vorher.
Die Reaktionen der anderen?
Ist ne schwierige Sache.
Was hätte ich getan, wenn mein Umfeld härter reagiert hätte?
Ich hab eigentlich alles, was "gegen ihn" kam, nicht an mich rangelassen, war total verletzt. Hab mich unverstanden gefühlt.
Es gab ab und zu Leute, die versucht haben, mir vor Augen zu führen, was ich da eigentlich für ein wahnwitziges Risiko eingehe. Ich hab das in den Wind geschlagen.
Vieles wurde nur indirekt gesagt, nicht offen ausgesprochen. Ich hab nur gespürt: Die akzeptieren ihn nicht.
Und das hat mich verletzt, mich aber nicht vom Kurs abgebracht.
Ich glaube, das einzige, was mich wirklich überzeugt hätte, wäre eine neutrale Fachperson gewesen. Ein Arzt, ein Suchtberater oder so.
Das wäre für mich eine Autorität gewesen. Wenn die gesagt hätten: Hören Sie zu, IHr Fall ist typisch, Sie sind co-abhängig usw.
Dann hätte ich da nicht so viel Persönliches reininterpretiert.
Vielleicht!
Leider ist unsere Kultur voll von co-abhängigen Werten, wenn es um Beziehungen geht. Allein die Songtexte, da gehts doch dauernd um Aufopferung, grenzenlose Liebe, wir zwei gegen den Rest der Welt usw.
Damit ist man vollgestopft worden jahrelang und als Co glaubt frau dann dran.
Doro
Hallo Technik,
erstens: Was sagt denn dein Mann dazu?
zweitens: Wäre es besser, wenn du woanders arbeiten, aus der Firma aussteigen würdest? Vielleicht später, wenn das Baby da ist?
Und trotzdem dort weiter wohnen und dein Mann dort weiter in der Firma?
drittens: Könntest du nicht vorübergehend zu deinen Eltern ziehen und dann aus dem Abstand heraus in Ruhe eine Lösung überlegen?
Vielleicht ist erst ein großer Knall in der Familie nötig, damit die anderen Beteiligten: Schwiegermutter und dein Mann, merken, dass du es so nicht mehr aushältst.
Wenn alle an einem Strang ziehen, vielleicht kann man dann deinen Schwiegervater in seine Grenzen weisen.
Ich verstehe, dass die Situation sehr kompliziert ist.
Aber manche Lösungen zeigen sich erst mit der Zeit, wenn man an einem Ende angefangen hat.
Du kannst eine Entwicklung in Gang setzen, die irgendwohin führen wird.
Beleidigungen z.B. kann man zur Anzeige bringen.
Nur mal so als Beispiel, ich will dir das jetzt nicht nahelegen.
Aber wenn du irgendwo beginnst: zu einer SHG gehen, eine Beratungsstelle wegen häuslicher Gewalt besuchen, dich einer Hebamme oder einer Frauenärztin anvertrauen oder irgendwas in er Richtung,
dann zeigst du: So gehts nicht weiter!
Und kannst Dinge in Bewegung bringen: bei dir selbst und bei den anderen, die mitbetroffen sind.
Dein Mann hat ja wohl auch Verantwortung für das Baby!!!
Liebe Grüße
Doro
Hallo Technik,
was es mir schwierig macht abzustimmen, ist, dass der Alkoholkranke ja dein Schwiegervater ist, hab ich das richtig verstanden?
Kannst du dich da nicht irgendwie anders distanzieren? Muss er eine so große Rolle in deinem Leben spielen?
Zu deiner Frage, ob es ein Alkoholiker wert ist, seine Existenz über Bord zu werfen.
Die Frage müsste lauten: Bist du selbst es dir wert?
Wie viel kostet dich der Kompromiss?
Jede Geschichte ist anders.
Wenn es um den trinkenden Partner geht und dieser z.B. verbal misshandelt oder sogar körperlich, würd ich immer sagen: Auf Dauer wird normalerweise die Situation so unerträglich, dass es besser ist, alles andere aufzugeben und neu anzufangen.
Darin kann auch ne Chance liegen.
Ob aber beim Schwiegervater auch?
Muss er denn bei euch ein und aus gehen?
Liebe Grüße
Doro
Wollt ihr noch meinen Senf?
Ich finde, wir als Cos haben so lange versucht, alles richtig zu machen und bloß niemandem was Böses zu tun.
Während typischerweise der nasse Alki (natürlich krankheitsbedingt) so richtig rumtoben "durfte". Fehler machen, immer wieder.
Und wir daneben die vermeintlichen Engelchen, unschuldige Opfer.
Man muss diese Rolle ja nun nicht immer weiter spielen.
Ich würd jetzt einfach mal die Moralkeule liegen lassen, er soll sich nicht beklagen.
Ne andere Frage ist, ob es klug ist, da immer weiter hinzugehen. Da würd ich auch sagen: Pass auf dich und deinen inneren Abstand auf!
Liebe Grüße
Doro
Ooohh, GEburtstag!
Alles Liebe und Gute auch von mir.
Doro
Hallo Fliegender Stern,
das klingt gut! Ich freu mich für dich!
Liebe Grüße
Doro
Alkoholismus ist eine sehr schwere Erkrankung, die die Angehörigen sehr belastet, und zwar fast zwangsläufig.
Klar, irgendwas lernt man dabei über sich, so wie wohl in allen Prüfungen des Lebens.
Ich könnte hier auch einiges aufzählen:
- sich auf die eigene Kraft besinnen
- Gegebenheiten akzeptieren
- im Heute bleiben
- bei mir bleiben
- bewusster wahrnehmen in vielen Dingen
- loslassen
Trotzdem: Krankheit ist für mich nichts Gutes. Ich wünsche mir keine Krankheiten, auch wenn aus ihnen wieder etwas Positives erwachsen kann.
Ich hätte mir ein "normales" Eheleben gewünscht, mit normalen Problemen. Und meinen Kids einen normalen Vater, der vielleicht mal zu lange vor der Sportschau hängen bleibt, aber insgesamt doch seine Verantwortung trägt.
Ich hadere nicht. Es ist okay, wie es ist. Denn jede/r hat so sein Päckchen zu tragen und ich fühle mich subjektiv jetzt nach der Trennung wirklich oft sehr glücklich.
Womit ich ein bisschen und schon länger Probleme habe, ist die Vorstellung, dass sowohl Alkoholiker/in als auch Co-Abhängige/r irgendwie gleichberechtigt das Problem sind. Ich sehe eigentlich, dass die Krankheit Alkoholismus mich zu bestimmten Reaktionen zwingt. Ich hab überhaupt keinen Einfluss darauf. Ich kann tolerant sein, ich kann kontrollierend sein, ich kann wütend sein, ich kann sanft sein. Ich kann ihm etwas zumuten, ich kann ihm nichts zumuten. Ich kann mit ihm streiten, ich kann ihn in Ruhe lassen.
Wenn ich ihm keine Vorwürfe gemacht hätte (und lange Zeit habe ich das so gehandhabt), ihm sein Zeug trinken lasse und mein Leben weiter verfolte ( was ich ebenfalls lange Zeit gemacht habe), kommt trotzdem irgendwann der Punkt, an dem es nicht mehr geht. Da sind verlorene Briefkastenschlüssel, da ist totale Unzuverlässigkeit, da ist Aggression gegen mich. Auch absolut ohne Vorwürfe!
ES HAT NICHTS MIT MIR ZU TUN. Es ist eine Krankheit.
Was mit mir zu tun hat, ist einzig: Wie lange bleibe ich bei solch einem Menschen? Wann bin ich bereit, mein Wohl über seines zu stellen.
An diesem PUnkt kann und muss ich ansetzen. Da liegt mein Anteil.
Das einzige, was wirklich Veränderung für mich bringt, ist: Abstand, Trennung.
Mein Ding machen ohne ihn. Dinge ändern, die ich ändern kann.
Ich rede hier von nassen Alkoholikern, bei trockenen ist es wieder was anderes natürlich.
Schöne Grüße
Doro