Beiträge von Doro

    Hallo Jeniqua,

    auch von mir noch ganz liebe Wünsche.

    Ich will dir keinen falschen Mut machen oder irgendwelche medizinischen Kommentare abgeben, aber meine Geschichte doch an dieser Stelle nicht für mich behalten. Mein Mann ist damals dem Alkitod grad noch von der Schippe gesprungen und für ihn war das endlich der Wendepunkt. Die Leber war eigentlich schon kaputt und trotzdem hat sie sich total erholt.
    (Was ihn dann nach Jahren der Trockenheit leider wieder leichtsinnig werden ließ und nun sitzt er wieder mittendrin. :evil: )

    Wir waren zu dem Zeitpunkt getrennt, also so ganz nah dran war ich nicht, aber wir hatten Kontakt.

    Ich fand das damals total tragisch, weil ich ja dachte, er überlebts nicht. Ich fand tragisch, dass er endlich zu sich kommt und es zu spät ist.
    Aber es war nicht zu spät.

    Für mich persönlich konnte ich an diesem Punkt zum ersten Mal wirklich mich innerlich von seinem Problem lösen. Ich war zwar traurig, aber ich spürte einfach, dass es jetzt wirklich nicht mehr in meiner Hand liegt - noch nie gelegen hat. Das war ein ganz intensives Erlebnis.

    Leider konnte ich es nicht übertragen auf seine trockene Zeit, da habe ich dann doch wieder ganz viel Verantwortung für ihn übernommen.

    Ich wünsche dir, dass du inmitten dieser schrecklichen Situation auch deine befreienden Momente erleben wirst.

    Doro

    Hallo Natsch, das klingt ja, als ob du im Lotto gewonnen hättest. :lol:

    Aber die Euphorie kenne ich auch.
    Auf alle Fälle wie aus dem Gefängnis befreit.
    Da macht man sich nichts vor, sondern man merkt plötzlich, wie sehr man sich die ganze Zeit verbogen hat und wie viel Potenzial in einem alleine schlummert.
    Genieße das Gefühl erstmal. Klar kommt auch mal wieder eine Down-Phase, aber die kommt schon von alleine.

    Für mich interessant mal wieder, dass mein mann fast identisch redet:

    Zitat

    natürlich bin jetzt ich Schuld ihn in seiner!! schwierigsten Zeit zu verlassen (kein Job, keine Wohnung, kein Schein, kein Geld) ich bin das allerletzte in seinen Augen.
    Ich brauch euch nicht zu sagen das meine Argumente das es die 1.000.000 Chance war, die 1.000.000.000 Verletzung die ich zu verarbeiten hatte natürlich in der Luft verpufft sind und warum ich nicht dankbar wäre das er am Sonntag "nur" 1 Bier getrunken hat.

    Und sehr gut auf den Punkt gebracht!:

    Zitat

    Das macht traurig...man denkt sich man ist dieser spezielle eine Mensch ist der die Karft hat ihm zu "helfen" die Selbsterkenntnis tut schon mal weh. Es gibt 1000 andere die das denken....aber der Mut von jedem umzudenken, sich diesem Gespenst zu stellen...das sind die wahren Gewinner, und ich hoffe das es noch viele viele schaffen werden! Ich dachte als ich hier anfing zu lesen das ich anders wäre....besser, klüger (tut mir leid das so zu sagen) einfühlsamer.....BLÖDSINN! Er muss es selbst wollen und ich muss wissen was ich für MICH will. Die Lebensgeschichten hier waren gute Lehrer!!

    Einen guten Start ins eigenständige Leben
    wünscht
    Doro

    Liebe Dagmar, liebe Karotte, danke fürs Mutmachen, hat gut getan.

    Hab erstmal ne Runde geheult, danach gings schon wieder etwas besser, aber nur etwas. Später hat mich mein Dreijähriger tatsächlich ca. 15 Minuten schlafen lassen - war ganz süß, hat gesagt, ich soll mich ruhig hinlegen und hat die Tür zugemacht. Aber wie gesagt, nach 15 Minuten war er wieder da.
    Na ja, irgendwann im Laufe des Tages hab ich dann doch noch einen kleinen Energieschub bekommen, hoffe, morgen wirds so weitergehen.

    Wahrscheinlich ist auch ein Teil meines Problems, dass ich dann immer gleich in Panik verfalle, wenn ich mich mal schwach fühle, und denke, das geht jetzt immer so weiter. Hast schon Recht, Dagmar, das gehört wahrscheinlich dazu wie ne gelegentliche Erkältung oder so.
    Aber wie gesagt, mal sehen, wie es morgen weitergeht.

    Und was du sagst, Karotte, stimmt auch, aber dafür brauche ich eben schon ein Minimum an Energie. Ich versuch das ja schon hier und da, dass ich mir immer so kleine schöne Dinge einplane. Bin gespannt aufs Buch, habs jetzt bestellt.

    Mir kam aber heute auch so die Ahnung, dass es eigentlich gar nicht nur was mit der Situation, die allerdings objektiv belastend ist, zu tun hat. Denn eigentlich hatte ich schon immer solche Zustände. Und hab dann immer gedacht, es liegt an der Situation:
    - im Studium waren es diese Prüfungen und die Anonymität an der Uni
    - als Single fühlte ich mich einsam und bemitleidete mich deshalb
    - mit meinem Mann war er es, der mich daran hinderte, das zu tun, was ich wirklich wollte
    - und jetzt ist es die Belastung als Alleinerziehende

    Also, ich denke, die meisten Menschen haben solche Denkweisen ab und zu. Aber es ist trotzdem ein Irrweg, weil man dann immer auf irgendeinen Zustand hofft, der nie eintreten wird.

    Liebe Grüße
    Doro

    Ich fühle mich schwach, schon seit ein paar Tagen. Mag nicht mehr die tapfere, starke sein. Und hab ne ordentliche Portion Selbstmitleid.

    Dieses ganze "für sich selbst sorgen", ich weiß im Augenblick gar nicht, wie das aussehen soll. Ich hab die Kinder, den Job, den Haushalt. Das geht nur, wenn ich total diszipliniert bin, dann kann ich mir den einen oder anderen Freiraum erkämpfen. Aber jetzt in diesen Tagen bin ich schlapp und da merke ich, dass ich mir das eigentlich gar nicht leisten kann.
    Ich würd mich gern mal fallen lassen, aber das geht irgendwie überhaupt nicht.

    :( Doro

    Hallo Karotte, interessant, habs mir grad angeguckt, werd mich mal damit befassen.

    Allerdings: Ich neige dazu, tausend Ratgeber und Psychobücher zu lesen und sitze dann immer noch auf dem Sofa!

    Das hab ich vergessen bei meiner Liste, was ich lernen will:

    Mehr handeln!

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Karlotta,

    gutes Thema.

    Ich finde es sehr schwer, für mich dieses Phänomen zu fassen.

    Im Zusammenhang mit meinem alkoholkranken Mann kann ich es noch verstehen, dass ich einfach nicht in der Lage war, mich abzugrenzen. Dass ich allzu bereitwillig Dinge auf mich genommen habe, um ihm zu helfen. Viel zu viele Dinge. Dass ich wahrscheinlich das auch genutzt habe, um mich abzulenken von mir selbst, mich in einen Rausch versetzt habe, der darin bestand, das tolle Projekt "IHN RETTEN", "SEIN LEBEN REPARIEREN" durchzuführen. Das normale Leben scheint mir irgendwie zu langweilig oder nicht herausfordernd genug gewesen zu sein, obwohl ich eigentlich genug damit zu tun gehabt hätte. Selbstüberschätzung spielt eine Rolle. Oder Fehleinschätzung der eigenen Kräfte und Grenzen.

    Nun, ohne ihn, fällt es mir viel schwerer, zu sagen, was eigentlich mein Problem ist. Ich kann es noch nicht richtig fassen, nur mich langsam nähern.

    Kontrollsüchtig bin ich, glaube ich, nicht.

    Ich bin relativ leicht zu verunsichern. Ich wünsche mir eigentlich immer, dass meine Umgebung ihre Zustimmung zu dem gibt, was ich tue. Ich fühle mich überhaupt nicht wohl damit, wenn ich das Gefühl habe, es könnte schlecht über mich gedacht oder geredet werden. (Aber ist das nicht normal?)

    Ich kann mich an Leistung berauschen und bin besonders stolz darauf, wenn ich MEHR leisten kann als Otto Normalbürger. Am besten mehr, als die meisten schaffen würden. Oder mehr ertragen.
    Ich habe mir in meiner Ausbildung (bei Seminararbeiten u.ä.) oft ganz bewusst schwierige Themen gewählt. Wollte mich beweisen, auch wenn es gar nicht unbedingt verlangt war.

    Ich habe lange Zeit ein gewisses Sendungsbewusstsein gepflegt und bin immer noch empfänglich von der Idee, Teil einer größeren Sache zu sein, eben die Welt zu retten.

    Ich neige dazu, große Zukunftsvisionen zu entwickeln oder mit meinen Gedanken alle möglichen Projekte anzudenken, während ich gleichzeitig mit einer Tafel Schokolade auf dem Sofa sitze. Die tägliche Umsetzung ist mir dann oft zu mühsam.

    Ich habe Schwierigkeiten, konsequent zu sein. Ich lasse mich sehr schnell aus dem Konzept bringen. Ich bin bereit, alles und jedes, was geäußert wird, sofort mit zu bedenken und für mich anzunehmen.

    Alles zusammengenommen kommt es mir so vor, als ob ich ständig dabei bin, aus dem Jetzt und Hier und dem Ich zu fliehen. Als wenn mein Suchtstoff meine Gedanken sind, meine hochfliegenden Pläne, meine Visionen. Alles wandert umher, bloß heute ist hier bei mir keiner zuhause.

    Was ich lernen will:

    Bei mir bleiben.

    Das Heute und Jetzt gestalten, jeden Tag neu.

    Demütig sein. Mich richtig einschätzen können.

    Ich bin ich. Die anderen sind die anderen.

    Mein Leben und meine Person ernst nehmen.


    Danke für die Denkanregung, Karlotta.

    Liebe Grüße
    Doro

    Oje, Mogli, als ich das hier gelesen habe...

    Zitat

    ich bin seit 6 monaten krebsfrei dachte nicht das ich gleich ins nächste chaos stürze

    ... dachte ich zwei Dinge.
    1.) Jetzt hast du ein neues Leben geschenkt bekommen. Verschleudere deine Zeit nicht an einen Kampf, den du nicht gewinnen kannst.
    2.) Wieso stürzt es dich überhaupt ins Chaos?

    Andererseits verstehe ich dich natürlich, weil ichs ja selbst kenne, dieses Gefühl, doch helfen zu MÜSSEN, weil alles andere hartherzig wäre.
    Vielleicht willst du auch was zurückgeben, was du von anderen erfahren hast.
    Das hat bei mir auch eine große Rolle gespielt. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich was zu geben habe: Zuversicht, Liebe, Hilfe.

    Das Problem ist ja bloß, dass es einfach nicht funktioniert, einem Alkoholiker zu helfen, wenn er nicht will.
    Das ist jedenfalls meine Erfahrung und ich habe wirklich lange versucht, meinen jetzigen Mann zu kurieren. Zuerst mehr oder weniger direkt (gutes Zureden, Zuhören, Druck machen), später habe ich ihn dann "gelassen" und einfach versucht, ihm etwas Ordnung, Freude und Geborgenheit in sein Leben zu bringen. Aber das hat irgendwie alles nicht dazu geführt, dass er aufgehört hat. Stattdessen fing das Chaos in seinem Leben an, auf mein geordnetes Leben überzuschwappen, und irgendwann wurde er auch gegen mich immer aggressiver. Dann habe ich mich getrennt. Und einige Jahre später wurde er trocken und zwar erst, als er körperlich absolut am Boden war (und noch dazu obdachlos). Es hat mir total das Herz zerrissen, das kannst du mir glauben.
    Später, als er trocken war, hab ich mich noch einmal auf ihn eingelassen und einige Jahre war es gut, bis er jetzt einen Rückfall hatte und wieder aggressiv geworden ist.

    Das ist meine Geschichte - 16 Jahre in Kurzform.

    Deshalb finde ich es auch schwer, deine Frage zu beantworten, weil das einfach nicht der springende Punkt ist, ob du ihn darauf ansprichst oder nicht. Es ist nicht so einfach.

    Deshalb: Was du auch weiter mit ihm tust, pass einfach auf dich selbst sehr auf, dass du eben nicht selbst auch im Chaos endest.

    Ich hoffe, du kannst sehen, dass hier im Forum NICHT lauter hartherzige Menschen sitzen.

    Vielleicht liest du einfach ein bisschen die Geschichten der anderen und machst dir ein Bild.

    Ganz liebe Grüße
    Doro

    Hallo Mogli!

    Ich glaube nicht, dass du da was falsch erahnst.
    Er sagt doch selbst, dass er schon mal ein Alkoholproblem hatte. Das heißt im Klartext normalerweise: Er ist süchtig, und zwar lebenslang.
    Also kann er gar nicht jetzt normal mit Alkohol umgehen. Entweder er schafft es, gar nichts zu trinken, oder er trinkt eben und dann hat er eben keine richtige Kontrolle und erzählt dir höchstwahrscheinlich auch nicht die Wahrheit, was sein Trinken betrifft.

    Und ein Alkoholiker wird auch nicht einer Freundin zuliebe aufhören können, einfach so. Nur wenn er es selbst einsieht und will.
    Deshalb glaube ich auch nicht, dass du jetzt das Gefühl haben solltest, dass du ihn auf den rechten Weg bringen musst. Denn du wirst es nicht einfach so schaffen, läufst aber Gefahr, dich total aufzureiben. Es klingt ein bisschen unsozial, als wenn man jemandem die Hilfe verweigert. Aber hier im Forum wimmelt es in der Co-Abteilung von Menschen, die sich jahrelang oder jahrzehntelang dafür aufgerieben haben, einen anderen Menschen vom Trinken abzubringen und dabei selbst kaputt gegangen sind.

    Meine "Tipps":
    Du hast ja noch Abstand, das ist gut. Pass auf, dass du dich da nicht zu sehr reinziehen lässt.
    Informier dich über die Krankheit Alkoholismus (z.B. hier im Forum), damit du sein Verhalten besser einschätzen kannst.

    Liebe Grüße
    Doro

    Danke, ihr drei!

    Dagmar, dein Nachbar ist echt auch ne Nummer. Also normal ist solch ein Verhalten nicht!
    Vielleicht hat dir den eine Höhere Macht geschickt als kleine Übung.

    Heute habe ich nochmal ein bisschen nachgedacht, wie das WIRKLICH war mit unserer Heirat und mir ist aufgefallen, dass meine Erinnerung gestern mir mal wieder einen Streich gespielt hat.
    Ich hab ihm überhaupt gar nichts vorgemacht. Ich hab ja sogar einen Ehevertrag geschlossen mit ihm, weil ich mich absichern wollte (der allerdings wohl nicht so viel bringt).
    ER wollte unbedingt heiraten, auch wegen formaler Vorteile, die unsere Situation damals einfach absicherte (finanziell u.ä.), denn er war ja noch in der Ausbildung. Ich hatte erst riesige Bedenken, eben wegen seiner Suchtgeschichte, aber ich hab mich dann entschlossen: Halbherzig soll man keine Familie gründen. Und das wollte ich ja unbedingt. Und er auch.

    Ich wollte einfach mich voll drauf einlassen und hab mich deshalb auch von ihm mitreißen lassen. Weils eben auch einfach für unsere junge Familie (ich die meiste Zeit die Verdienende) echt Vorteile brachte und ich dachte, so schaffen wir einfach bessere Voraussetzungen.

    Doch, ich habe sehr verantwortlich gehandelt damals.

    Letztendlich war natürlich der Entschluss, überhaupt mich noch einmal auf ihn einzulassen und mit ihm Kinder zu haben, ein großes Wagnis. Das wusste ich auch und ich hab mir die Entscheidung überhaupt nicht leicht gemacht. Aber es passte eben einfach alles plötzlich und es sah für mich damals auch so aus, als sollte meine lange Beziehungsgeschichte mit ihm nun doch noch ein versöhnliches Ende nehmen.

    Ne ne, ich kann mich immer noch voll und ganz verstehen, warum ich das damals gemacht habe.
    Mein Familienwunsch war dabei auch ein entscheidender Faktor.
    Es war nicht verlogen. Es hätte ja auch gut gehen können und eine Weile war es das ja auch. Jedenfalls was den Alkohol betrifft. Und das andere, sein Despotismus - nun ja, das habe ich eben am Anfang noch nicht erkannt, er war ja total liebevoll in dieser Zeit.

    Dass er mit Kindern so lieblos ist, das konnte ich nun wirklich nicht ahnen, das hätte ich auch nie und nimmer gedacht.

    Heute kam die erste Anwaltsrechnung: ganz schöne Kosten!
    Wusst ich natürlich vorher, aber trotzdem hat mir diese Rechnung heute dabei geholfen, mich wieder daran zu erinnern, was für einen Schaden er anrichtet mit seinem idiotischen Verhalten. Wir hätten überhaupt keine Anwälte gebraucht bis jetzt, wenn er bloß mal bereit zu einem vernünftigen Gespräch gewesen wäre! GGRRRR :evil:

    Was hab ich ihn angebettelt: Können wir nicht bitte bitte mal die praktischen SAchen klären?
    Nöö, hat er damals gesagt, wir sind getrennt, ich red nicht mehr mit dir.
    Und mich hängen lassen mit meinen Sorgen und Zukunftsängsten.

    Und jetzt jammert er mir auch die OHren voll, weil er nämlich jetzt auch so hohe Anwaltskosten hat.

    Das ist echt das beste Mittel: Erinnern, wie's WIRKLICH war!
    Insbesondere die Wochen im Januar, als ich nur noch ein Häufchen Elend war und er das vor Augen hatte und es ihn überhaupt nicht interessiert hat.

    Die Schuldrechnung sieht so aus:
    Jahrelang habe ich mehr eingezahlt als er (mit meiner Kraft, meiner Flexibilität, aber auch finanziell). Ich habe auch was zurückbekommen, aber immer mehr gegeben, als wieder auskam. Jetzt wäre quasi der Zeitpunkt der Ausschüttung gewesen: Er hätte jetzt mal anfangen können, mir auch ein bisschen mehr Ruhe zu verschaffen, indem er einfach mal seinen Job macht und wir das Leben genießen. Stattdessen kam sein Rückfall.
    Schuldig bin ich ihm wirklich nichts mehr.

    HOffentlich sehe ich das morgen auch noch so und nächste Woche und nächstes Jahr... :wink:

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Jenny

    Zitat

    Meine Beziehung ist mitlerweile so den Bach runter gegangen, das ich mir sicher bin, das es für uns keine Rettung mehr gibt und trotzdem schaffe ich den Absprung nicht.

    Kannst du erklären, warum du den Absprung noch nicht schaffst?
    Was hält dich?
    Praktische Veränderungen? Angst vorm Alleinsein? Angst vor anderen Nachteilen oder Risiken, die entstehen? Schlechtes Gewissen ihm gegenüber? Angst, dich nach außen zu outen?

    Liebe Grüße
    Doro

    Der Alltag läuft gut soweit.

    Aber ab und zu schleichen sich mal wieder Zweifel ein, ob es nicht doch ein Versagen darstellt, wenn man dem Ehepartner so ein für allemal den Rücken zukehrt.

    Schlagt mich jetzt nicht. :wink:

    Es genügen schon kleine Andeutungen, die ich irgendwo höre oder lese, die mir das Gefühl geben, ich könnte vielleicht doch falsch liegen.
    Ist auch kein Wunder. Ich war die ganze Ehe über Verfechterin der Auffassung, dass die meisten Paare ja sowieso viel zu schnell die FLinte ins Korn werfen und dass man doch an sich arbeiten kann usw.
    Hab mich als was Besseres gefühlt.

    Und diese ewigen Selbstverwirklicher, die gingen mir auf die Nerven.
    Ich dachte, ich lebe das wahre Leben: Familie, gemeinsam etwas aufbauen, zusammenhalten durch dick und dünn.

    Und gleichzeitig, und das ist das Verlogene, habe ich stillschweigend vorausgesetzt, dass er nie wieder trinken wird und wenn, sich schnell Hilfe holen wird. Denn dass ich mit einem nassen Alki nicht zusammenleben will und kann, das wuste ich schon auch, denn das hatte ich ja auch schon ausprobiert.
    Aber da habe ich ihm und mir doch auch was vorgemacht, denn ich hätte doch wissen müssen, dass ein Rückfall nicht unwahrscheinlich ist.

    Und auch ihm gegenüber habe ich so gerne diese romantischen Sprüche mitgetragen. Ja, mit dir will ich alt werden bla bla.
    Wollt ich ja eigentlich auch.
    Aber wohl doch eher mit dem Mann, den ich ihn ihn hineinprojeziert habe ???
    Habe ich ihn doch irgendwie die ganze Zeit angelogen?
    War schon die Heirat eine große Lüge?

    Und die entscheidende Frage:
    Bin ich es ihm nicht doch irgendwie schuldig, nicht alle Türen zuzuschlagen?

    Und bin ich jetzt nicht dabei, die nächste Lüge zu basteln, wenn ich mir einbilde, dass jetzt alles besser ist als vorher?
    Mensch, ich war doch eigentlich gar nicht unglücklich. Vor dem Rückfall, wohlgemerkt.
    Ich habe ja überhaupt nicht an Trennung gedacht, also kann es doch nicht so schlimm gewesen sein.

    Bisher war ich eigentlich ganz stolz darauf, wie ich die Krise hier manage.
    Heute bin ich nicht mehr so stolz.
    Und gleichzeitig stört mich auch schon wieder dieser komische Leistungsgedanke, den ich in die ganze Sache reintrage. Beziehung/Ehe als Leistung, Trennung als Versagen. Irgendwie so.

    Komisch, zwischenzeitlich war mir das total egal, da ging es nur darum: Wie komme ich hier heil raus und die Kinder dazu?


    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo an alle!

    Ich trau mich mal, hier eine neue Frage aufzuwerfen, falls sie überhaupt neu ist.

    Gibt es einen logischen Zusammenhang zwischen Co-Abhängigkeit und Essstörungen (zu viel/zu wenig essen usw.)?
    Wenn ja, worin besteht er?

    Ich hab nicht nur selbst das Problem des Mich-Überessens :oops: , ich habe es jetzt auch zweimal in Büchern zum Thema gelesen, dass Co-Abhängigkeit nicht selten zusammentrifft mit Essproblemen.

    Ist es nur so, dass man eben als Co-Abhängige einfach mehr Probleme hat und manch eine sie in sich hineinfrisst?
    Mangelnde Selbstliebe?

    Gruß
    Doro

    Zitat

    Hab ich nur mal gesagt, mir tut der Rücken weh, kam immer die Antwort, da siehst du mal, wie es mir immer geht.

    Als ich das gelesen habe, musste ich echt lachen. :D
    Obwohls natürlich traurig ist. Aber meiner ist so ähnlich.
    Hypochonder pur.

    Und mir versucht er auch ein schlechtes Gewissen zu machen, dass es mir ja so gut geht, weil ich die Kinder habe, das Auto und das Haus.
    Ich finde auch gar nicht, dass es mir schlecht geht.
    Obwohl man es auch anders sehen kann: Arme Alleinerziehende mit Berufstätigkeit und dann noch das Haus und den Garten mitversorgen.
    Also, wie man es dreht...
    Er hat in seinem Leben es immer so gedreht, dass er der Arme war.
    Als er keinen Job hatte, war er sowieso das arme Schwein.
    Als er endlich einen hatte, schimpfte er über die Steuern. :lol:

    Ich reagierte und reagiere manchmal immer noch damit, dass ich auch versuchte, mich als Opfer darzustellen. Dass ich so viel arbeiten muss und ja gar nicht viel Geld habe und und und.
    Das kenne ich so von meinen Eltern, da gehts auch immer drum, wem gehts eigentlich schlechter.
    Aber davon will ich jetzt wegkommen.

    Ja, mir geht's gut. Ich will dazu stehen können. Was ist daran schlecht? Ich habe mir nichts (nichts Wesentliches) zuschulden kommen lassen (das sieht er allerdings anders).
    Ihm geht's schlecht, aber nicht, weil ihm Haus/Auto/Kinder fehlen, sondern weil er trinkt und nichts dagegen tut.
    Er hatte alles und hat alles eingetauscht gegen Bier.

    wie du schreibst, Julchen:

    Zitat

    Aber er hatte das alles ja auch, er hat sich für den Alkohol entschieden.

    Dass sich alles um ihn gedreht hat, fand ich am Anfang okay.
    Irgendwas daran hat mir auch gefallen, es schien meinem Leben einen Sinn zu geben, sein Leben zu reparieren.
    Bloß irgendwann wurde es einfach zu extrem, zu anstrengend, zu aufopfernd.
    Und dann, als die Kinder kamen, ging es auch auf deren Kosten.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Zwetschke,
    du musst es ihm auch nicht sagen.

    Wenn er so gewalttätig ist...

    Wir sind so, wir wollen trotz allem fair sein.
    Aber Sicherheit geht vor.
    Er ist alles andere als fair und ehrlich zu dir, also musst du auch nicht immer offen und ehrlich sein.

    Als ich mich das erste Mal von meinem Mann - damals Freund - getrennt habe, habe ich ihm zwar grundsätzlich gesagt, dass ich ausziehen werde, weil ich auch bis zuletzt gehofft hatte, dass er sich ändert, aber ich habe dann die Wohnung mehr oder weniger heimlich gesucht, weil ich Angst hatte, er bringt mich noch davon ab.
    Und ich weiß noch, wie ich den Schlüssel hatte und dann das erste Mal ganz alleine in dieser leeren, winzigen Hinterhofwohnung saß und einfach nur durchatmete und dachte: Endlich Ruhe!

    Hatte dann noch mal riesige Angst vor dem Umzug selbst, dass er mich einfach nicht in die Wohnung lässt mit den Umzugshelfern und z.B. eine Riesenszene macht, aber dann war er einfach weg und hat sich verdrückt.

    Meine Güte, wenn ich denke, was ich schon durchgemacht habe mit ihm und ihm dann doch noch mal vertraut und jetzt ein zweites Mal das ganze Theater. Puh!

    Ich denke, natürlich brauchst du Mut und Selbstbewusstsein, um da rauszukommen, aber andererseits wirst du mutiger und selbstbewusster werden, wenn du Abstand bekommst. Ich nehme an, er setzt dich auch so unter Druck und das nagt am Selbstbewusst sein.
    Mir ging es jedenfalls so. In dem Augenblick, als ich aus der Situation mit ihm raus war, ging es mir besser.

    Und es ist auch richtig, wenn du dir so viel Hilfe wie möglich holst.

    Alles Gute
    wünscht
    Doro

    Was ich noch sagen wollte:

    Mir hat die Rechtsberatung bei der Anwältin echt was gebracht.
    Klar, es ist teuer, und vor allem muss man natürlich aufpassen, dass es nicht immer mehr wird, weil die dann einen immer weiter betreuen wollen.
    Aber es war erstmal eine totale Rückenstärkung.

    Aber wie gesagt: Telefonier doch einfach mal ein bisschen rum oder suche im Internet nach möglichen Hilfsstellen.
    Frauennotdienste
    sowas wie Jugendamt
    kirchliche EInrichtungen
    usw.
    Für erste kostenlose Hinweise gibts bestimmt was.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Zwetschke,

    ich kenne mich natürlich in Österreich überhaupt nicht aus, aber aus Deutschland könnte ich dir folgende Hinweise geben, vielleicht ist es bei euch doch ähnlich.

    1.) Wenn man verheiratet ist und man trennt sich, dann besteht grundsätzlich immer erstmal eine gegenseitige Unterhaltspflicht. Derjenige, der die Kinder betreut (in der Regel die Frau), erhält für die Kinder einen Unterhalt und behält das Kindergeld. Wieviel der Mann zahlt, hängt von seinem Einkommen ab. Wenn der Mann nicht zahlt, gibt es eine Unterhaltsvorschusskasse, die den Basisbetrag der Frau vorstreckt und ihn dann vom Mann zurückfordert.
    Zusätzlich muss man Unterhalt an den Ehepartner zahlen, wenn z.B. einer kein Einkommen hat oder wenn das Einkommen unterschiedlich ist. Das ist etwas komplizierter.
    Jedenfalls hat das mit dem Alkohol gar nichts zu tun, jedenfalls ist das hier in D so. Jeder und jede darf sich trennen und hat dann diese Ansprüche. (Es sei denn, er oder sie hat sich selbst irgendwie was zuschulden kommen lassen, also z.B. dem Partner grob geschädigt oder so.)

    2.) Meines Wissens gibt es in Deutschland auch irgendwie die Möglichkeit, dass Anwaltskosten staatlich übernommen werden, wenn man selbst mittellos ist. Da hab ich aber keine Ahnung. Du kannst auch einfach mal bei einem REchtsanwaltsbüro anrufen und nachfragen, ob es eine solche Möglichkeit gibt. Solch ein Anruf ist bestimmt kostenfrei.

    3.) Ich hatte in der akuten Krise Kontakt zu einem Frauennotruf und einem Frauenhaus. Ich bin nicht dorthin geflüchtet oder so, aber die haben mich erstmal ein bisschen aufgefangen und beraten. Erkundige dich doch, ob es sowas gibt, die können bestimmt auch ein paar Tipps geben.

    Du darfst nicht vergessen: Es gibt soooo viele Fälle wie deinen, da muss es auch Möglichkeiten geben, das zu organisieren.

    Liebe Grüße und Kopf hoch
    Doro

    Na, dann sind wir ja schon drei! :lol:

    Ja, Kopf einschalten ist wohl das wichtigste.

    Und am besten all die bösen Erinnerungen irgendwo griffbereit schriftlich haben.

    Ich denke auch, dass mir ein paar Bekannte ganz schön ins Gewissen reden würden, schließlich haben sie mich aus dem ganzen Schlamassel rausziehen müssen.

    Na, und das Forum ist auch noch da.

    Aber mir ist jetzt wieder eingefallen, wie es damals war, als ich mich wieder auf ihn eingelassen habe.
    Ich war ja schon mal 3 Jahre von ihm getrennt, dann ist er trocken geworden. Ich war zu dem Zeitpunkt noch absolut felsenfest davon überzeugt, dass ich nie und nimmer wieder mit ihm zusammenkommen will. Fast noch überzeugter als jetzt!
    Aber ich war auf Partnersuche, war auch kuschelbedürftig, er war total verändert und er hat wirklich monatelang um mich gekämpft und monatelang war ich standhaft, aber irgendwann kippte die Stimmung und ich war neu verliebt. Lange heimlich, weil ich wusste, meine Eltern, Geschwister und Freunde reißen mir den Kopf ab (so wars dann auch, hab ihn wieder rangeschraubt :lol: ), und irgendwann dachte ich: Komm, wir wagen es.
    Ging ja auch ziemlich lange relativ gut, bloß dass er sich trocken eben auch als etwas problematischer Partner herausstellte, auch wenn es wirklich auch oft schön war.

    Aber wie kann man denn wieder jemandem vertrauen, der einen wirklich in schwere Suizidgedanken getrieben hat. (wo ich sonst wirklich nicht der Typ für sowas bin)
    - Das sagt mein Kopf.

    Ach, eigentlich sind wir doch ein tolles Paar gewesen, sagt mein Bauch ab und zu.

    Ich hab neulich ein tolles Buch über eine Gewaltbeziehung gelesen (so als Comic verarbeitet) und da stand eine Erklärung, wieso Frauen es immer wieder mit ihren gewalttätigen Männern versuchen.
    Erklärung:
    - positive Erinnerungen werden abgespeichert wie ein Fotoalbum, jederzeit gut zugänglich, in logischer Reihenfolge
    - schmerzhafte Erinnerungen werden irgendwie nicht so gut abgespeichert, eher vergessen oder verdrängt (Ich sags mal in meinen Worten)
    Ob das stimmt?
    Man neigt ja doch irgendwie generell dazu, die Vergangenheit zu verklären, also ist da vielleicht was dran?

    Vielleicht sollten wir uns selbst einfach mal ein bisschen vertrauen, dass wir nicht ganz willenlose Geschöpfe sind!

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Julchen,

    Zitat

    Ich hab Angst, daß er mich wieder einlullt. Wenn er anfängt wie am WE und ist nett und verständnissvoll, hier ein bisschen Unterhalt gezahlt, da ein bisschen ich änder mich, sofort springt mein Co-Verhalten an. Ich hab die letzten Tage so oft gedacht, na ja, wenn er sich anstrengt, wie kann ich dann nein sagen. Ich will so nicht denken! Und ich will ihn nicht zurück!

    Zitat

    Ich kann auch ganz gut meinen Weg gehen, wenn ich keinen Kontakt zu ihm hab.
    Aber wenn ich mich dann gegen ihn durchsetzen soll, wegen was auch immer, davor hab ich Angst. Ihm zu sagen, ich will ihn nicht mehr. Er redet mich in Grund und Boden

    Genau so gehts mir auch, Julchen.
    Das heißt, ich sags ihm schon recht klar, dass ich ihn nicht mehr will, aber ich begründe es schon nicht mehr so klar wie hier im Forum, sondern eher so: "Es ist zu viel passiert"
    und solche Floskeln, die eigentlich gar nicht die Wahrheit sind.
    Die Wahrheit ist, dass ich erkannt habe, dass ich ohne ihn glücklicher leben kann.

    Aber wenn er sich nun richtig ins Zeug legen würde. Wenn er wieder trocken wäre und so wie vor dem Rückfall.
    Ich habe Angst, dass ich dann umkippe.
    Und an dem Punkt erkenne ich endlich, dass es wirklich wie ne Sucht ist, dass man es nicht unter Kontrolle hat, sondern immer wieder Hilfe braucht.

    Hatte heute mal nach langer langer Zeit ein normales Telefongespräch mit ihm. Und sofort war da diese ganze Vertrautheit, das ganze Affentheater der letzten Monate kam mir mit einem Mal absurd vor.
    Ich bin fast erleichtert, wenn er demnächst sich mal wieder asozial verhält, damit ich mich innerlich wieder distanziere.

    Aber das kanns ja nicht sein.
    Bin auch noch auf der Suche nach einer sicheren Strategie.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Nat

    Zitat

    Das ist ja das schlimme..man kann sich wahrscheinlich nie bei einem Partner mit einer Sucht fallen lassen..oder doch?

    So schlimm der Rückfall meines Mannes nach 5 Jahren Trockenheit wirklich ist...
    aber ich kann nicht sagen, dass ich ihm all die Jahre die ganze Zeit misstraut hätte, ich habe ihm eigentlich sehr vertraut und hab mich so gesehen auch fallen gelassen.
    Weiß nicht, was genau du mit "fallen lassen" meinst, das ist vielleicht für sich genommen schon in normalen Partnerschaften eine Illusion.

    Man muss grundsätzlich damit rechnen, dass ein Rückfall kommt.
    Aber mir gings so: Eigentlich hab ich nicht mehr damit gerechnet, vom Bauch her, nur der Kopf hat es gewusst.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Nat,

    warum musst du denn unbedingt jetzt schon vertrauen können?
    Du darfst warten, was passiert, ob er es schafft, und dann kannst du langsam das Vertrauen wieder wachsen lassen.

    Du bist jetzt einfach seelisch ganz schön mitgenommen.
    Erlaube dir das, nutze die drei Wochen, um dich ein bisschen zu erholen.
    Auch die Lebendigkeit wird irgendwann wiederkommen, aber ein bisschen Zeit solltest du dir geben.

    Ich wünsch dir was - du darfst aussuchen, was
    Doro