für dich tu ich alles

  • damit fing doch mal alles an.

    Ich finde es immer ein bischen schade, wenn alte Beiträge geschlossen werden und statt dessen neue eröffnet werden. Dann kann ich nicht nachvollziehen was war, was sich entwickelt hat und wie jemand auf den aktuellen Stand kam.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Hallo Doro,

    natürlich kannst Du einen neuen Thread eröffnen, wenn Du möchtest, umso mehr, desto besser :D:wink:

    Den Titel kannst Du hier im Offenen nicht ändern, aber ein Mod :D

    Den Einwand von Dagmar kann ich aber auch nachvollziehen. Mach doch wie Du willst, und sag einfach piep.

    Lieben Gruß

    S.Käferchen

  • Schade eigentlich Karsten,
    wobei Dein Einwand verständlich ist.

    Denn wenn ich mir überlege, als ich hier "reingepoltert" bin war mein Leben kein Leben und hing an einem dünnen Seil. Es ist da schon ermunternt nachzulesen, wie andere langsam den Weg zu sich selber finden - auch mit allen Rückschlägen....

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Der Alltag läuft gut soweit.

    Aber ab und zu schleichen sich mal wieder Zweifel ein, ob es nicht doch ein Versagen darstellt, wenn man dem Ehepartner so ein für allemal den Rücken zukehrt.

    Schlagt mich jetzt nicht. :wink:

    Es genügen schon kleine Andeutungen, die ich irgendwo höre oder lese, die mir das Gefühl geben, ich könnte vielleicht doch falsch liegen.
    Ist auch kein Wunder. Ich war die ganze Ehe über Verfechterin der Auffassung, dass die meisten Paare ja sowieso viel zu schnell die FLinte ins Korn werfen und dass man doch an sich arbeiten kann usw.
    Hab mich als was Besseres gefühlt.

    Und diese ewigen Selbstverwirklicher, die gingen mir auf die Nerven.
    Ich dachte, ich lebe das wahre Leben: Familie, gemeinsam etwas aufbauen, zusammenhalten durch dick und dünn.

    Und gleichzeitig, und das ist das Verlogene, habe ich stillschweigend vorausgesetzt, dass er nie wieder trinken wird und wenn, sich schnell Hilfe holen wird. Denn dass ich mit einem nassen Alki nicht zusammenleben will und kann, das wuste ich schon auch, denn das hatte ich ja auch schon ausprobiert.
    Aber da habe ich ihm und mir doch auch was vorgemacht, denn ich hätte doch wissen müssen, dass ein Rückfall nicht unwahrscheinlich ist.

    Und auch ihm gegenüber habe ich so gerne diese romantischen Sprüche mitgetragen. Ja, mit dir will ich alt werden bla bla.
    Wollt ich ja eigentlich auch.
    Aber wohl doch eher mit dem Mann, den ich ihn ihn hineinprojeziert habe ???
    Habe ich ihn doch irgendwie die ganze Zeit angelogen?
    War schon die Heirat eine große Lüge?

    Und die entscheidende Frage:
    Bin ich es ihm nicht doch irgendwie schuldig, nicht alle Türen zuzuschlagen?

    Und bin ich jetzt nicht dabei, die nächste Lüge zu basteln, wenn ich mir einbilde, dass jetzt alles besser ist als vorher?
    Mensch, ich war doch eigentlich gar nicht unglücklich. Vor dem Rückfall, wohlgemerkt.
    Ich habe ja überhaupt nicht an Trennung gedacht, also kann es doch nicht so schlimm gewesen sein.

    Bisher war ich eigentlich ganz stolz darauf, wie ich die Krise hier manage.
    Heute bin ich nicht mehr so stolz.
    Und gleichzeitig stört mich auch schon wieder dieser komische Leistungsgedanke, den ich in die ganze Sache reintrage. Beziehung/Ehe als Leistung, Trennung als Versagen. Irgendwie so.

    Komisch, zwischenzeitlich war mir das total egal, da ging es nur darum: Wie komme ich hier heil raus und die Kinder dazu?


    Liebe Grüße
    Doro

  • Ja, liebe Doro,
    wie sind wir doch gezeichnet davon "gut sein zu wollen". Geht mir nicht anders: das Bedürfniss alles in Frieden zu regeln ect. Harmoniesucht wurde mir mal dazu gesagt.

    Schuldig? Schuldig bin ich einem Menschen das, was er mir gibt (aber auch nur wenn ich es geben will, aber rein moralisch gesehen).

    Ganz sicher bin ich niemandem schuldig einen Neustart um den anderen zu starten um selber dabei immer schlechtere Startpositionen zu erhalten.

    Ja, Doro, die meisten werfen eine Beziehung zu schnell hin! Aber ... wenn man/frau über Probleme reden kann und Herr seiner Sinne, des Respektes und der Wertschätzung für andere ist, so können Probleme gelöst werden. Meiner Meinung nach nicht mit einem kranken Menschen der nicht Herr seiner Entscheidungen ist (selbst wenn er/sie wollte).

    Wieso hast Du ihn angelogen?
    Du hast den Menschen damals in einem Blickwinkel gesehen, mit dem Du hättest mit ihm alt werden können (war auch genau mein Gedanke in meiner Partnerschaft). Nunmehr hat sich Dein Blickwinkel verändert/vergrößert und die Aussicht ist anders geworden.

    So einfach .... und doch so schwer....

    Den Leistungsgedanken Doro, den werden wir vielleicht noch unser Leben mit uns tragen. Das merke ich derzeit ganz deutlich - vor allem die Erwartungen die von anderen gestellt werden und wo unsere "Verpflichtung" rufen könnte genau diese Forderungen zu erfüllen!!!

    Nein Doro, so machen wir uns das Leben schwer.

    Der stalkende Scheunenmieter/Nachbar ist auch der Meinung, dass meine Verpflichtung wäre mich bei ihm rückzumelden. Tat ich nicht - er rief an und sagte er würde den Kontakt zu mir abbrechen. Schön, dann wären wir einer Meinung gewesen. Dennoch steht das Telefon seither nicht still. Von Wut über Frohe Ostern bis jetzt hin zu "ich habe für Dich Rattanmöbel und Körbe (die ich sehr liebe)".

    Nein Doro, verpflichtet sind wir uns selber gegenüber - uns vor schlimmen zu schützen und diejenigen, die wir schätzen!

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Hallo, Doro,
    diese Gefühle überkommen mich auch oft. Vor allem, wenn ich lange nichts von ihm höre. Ich denke, es ist vor allem dieses Hineinprojezieren. Ich mache dann das, was du angedeutet hast: Daran denken, wie ich mich gefühlt habe, als ich dachte - wie komme ich raus aus dieser Situation? Was hat er den Kindern angetan? (und ich auch, durch mein Dulden)
    Daran denken, wie geht es mir jetzt : Gut! Es ist nur diese Sehnsucht, aber die trügt!!!! Ich denke auch oft, hab ich ihn nicht angelogen und ihm was vorgemacht? Hab ich nicht, denn in den Momenten hab ich doch wirklich so gefühlt. Ich wollte diese Sehnsucht erfüllt haben und eine harmonische Familie. Ich habe nicht gelogen, aber ich war wohl etwas kurzsichtig. Also: Brille aufsetzen!!!! Ich will nicht wieder in die Falle tapsen, auch wenn er mir oft sehr leid tut. Aber was jetzt ist, ist ja auch die Folge seines Handelns, dafür muss er nun mal einstehen.
    GLG und ein schönes WE
    Gartenarbeit 8)

  • Guten Morgen Doro

    solche Gedanken hatte ich in letzter Zeit auch schon, muss wohl am Frühling liegen.

    Bestimmt war es in der trockenen Zeit auch schön, hätt mein Mann keinen Rückfall gebaut wär ich auch noch mit ihm zusammen. Aber war es eine glückliche Ehe? Mein Mann hat nicht getrunken, aber Verantwortung hat er auch nicht übernommen. Wenn ich manchmal bei den Alkoholikern les, wie die ihr trockenes Leben aufbauen und was die dafür tun, Hut ab! Das war bei meinem Mann nie so, also war bestimmt nicht alles so gut, wie ich dass manchmal denke. Das mit glücklicher Familie, gemeinsam alt werden, ich hab mir da schon was vorgemacht und schöngeredet, auch in trockenen Zeiten.

    Ich hab mir ein Jahr gegeben, das zieh ich durch. Wenn ich danach immer noch zweifel, überleg ich noch mal. Aber eigentlich bin ich mir jetzt schon sicher, was ich will!

    Ich wünsch dir ein schönes WE mit nicht sooo vielen Zweifeln!

    julchen

  • Danke, ihr drei!

    Dagmar, dein Nachbar ist echt auch ne Nummer. Also normal ist solch ein Verhalten nicht!
    Vielleicht hat dir den eine Höhere Macht geschickt als kleine Übung.

    Heute habe ich nochmal ein bisschen nachgedacht, wie das WIRKLICH war mit unserer Heirat und mir ist aufgefallen, dass meine Erinnerung gestern mir mal wieder einen Streich gespielt hat.
    Ich hab ihm überhaupt gar nichts vorgemacht. Ich hab ja sogar einen Ehevertrag geschlossen mit ihm, weil ich mich absichern wollte (der allerdings wohl nicht so viel bringt).
    ER wollte unbedingt heiraten, auch wegen formaler Vorteile, die unsere Situation damals einfach absicherte (finanziell u.ä.), denn er war ja noch in der Ausbildung. Ich hatte erst riesige Bedenken, eben wegen seiner Suchtgeschichte, aber ich hab mich dann entschlossen: Halbherzig soll man keine Familie gründen. Und das wollte ich ja unbedingt. Und er auch.

    Ich wollte einfach mich voll drauf einlassen und hab mich deshalb auch von ihm mitreißen lassen. Weils eben auch einfach für unsere junge Familie (ich die meiste Zeit die Verdienende) echt Vorteile brachte und ich dachte, so schaffen wir einfach bessere Voraussetzungen.

    Doch, ich habe sehr verantwortlich gehandelt damals.

    Letztendlich war natürlich der Entschluss, überhaupt mich noch einmal auf ihn einzulassen und mit ihm Kinder zu haben, ein großes Wagnis. Das wusste ich auch und ich hab mir die Entscheidung überhaupt nicht leicht gemacht. Aber es passte eben einfach alles plötzlich und es sah für mich damals auch so aus, als sollte meine lange Beziehungsgeschichte mit ihm nun doch noch ein versöhnliches Ende nehmen.

    Ne ne, ich kann mich immer noch voll und ganz verstehen, warum ich das damals gemacht habe.
    Mein Familienwunsch war dabei auch ein entscheidender Faktor.
    Es war nicht verlogen. Es hätte ja auch gut gehen können und eine Weile war es das ja auch. Jedenfalls was den Alkohol betrifft. Und das andere, sein Despotismus - nun ja, das habe ich eben am Anfang noch nicht erkannt, er war ja total liebevoll in dieser Zeit.

    Dass er mit Kindern so lieblos ist, das konnte ich nun wirklich nicht ahnen, das hätte ich auch nie und nimmer gedacht.

    Heute kam die erste Anwaltsrechnung: ganz schöne Kosten!
    Wusst ich natürlich vorher, aber trotzdem hat mir diese Rechnung heute dabei geholfen, mich wieder daran zu erinnern, was für einen Schaden er anrichtet mit seinem idiotischen Verhalten. Wir hätten überhaupt keine Anwälte gebraucht bis jetzt, wenn er bloß mal bereit zu einem vernünftigen Gespräch gewesen wäre! GGRRRR :evil:

    Was hab ich ihn angebettelt: Können wir nicht bitte bitte mal die praktischen SAchen klären?
    Nöö, hat er damals gesagt, wir sind getrennt, ich red nicht mehr mit dir.
    Und mich hängen lassen mit meinen Sorgen und Zukunftsängsten.

    Und jetzt jammert er mir auch die OHren voll, weil er nämlich jetzt auch so hohe Anwaltskosten hat.

    Das ist echt das beste Mittel: Erinnern, wie's WIRKLICH war!
    Insbesondere die Wochen im Januar, als ich nur noch ein Häufchen Elend war und er das vor Augen hatte und es ihn überhaupt nicht interessiert hat.

    Die Schuldrechnung sieht so aus:
    Jahrelang habe ich mehr eingezahlt als er (mit meiner Kraft, meiner Flexibilität, aber auch finanziell). Ich habe auch was zurückbekommen, aber immer mehr gegeben, als wieder auskam. Jetzt wäre quasi der Zeitpunkt der Ausschüttung gewesen: Er hätte jetzt mal anfangen können, mir auch ein bisschen mehr Ruhe zu verschaffen, indem er einfach mal seinen Job macht und wir das Leben genießen. Stattdessen kam sein Rückfall.
    Schuldig bin ich ihm wirklich nichts mehr.

    HOffentlich sehe ich das morgen auch noch so und nächste Woche und nächstes Jahr... :wink:

    Liebe Grüße
    Doro

  • Hallo, Doro,
    du hast geschrieben
    "was für einen Schaden er anrichtet mit seinem idiotischen Verhalten. Wir hätten überhaupt keine Anwälte gebraucht bis jetzt, wenn er bloß mal bereit zu einem vernünftigen Gespräch gewesen wäre!"
    Wenn ich mal das Gefühl hätte haben können, dass er mich versteht, wäre es viell. leichter - ABER: wenn er das Vermögen hätte, mich zu verstehen, hätten wie die Probleme gar nicht, vor denen wir jetzt stehen! Das muss ich erst mal lernen. Dann ist das Loslassen leichter.
    Einen schönen Sonntag :)
    Gartenarbeit

  • Ja, liebe Doro,
    so gefällst Du mir schon viel besser :)

    Wir scheinen uns einfach nach Erwartungen verhalten zu wollen, die vielleicht grundsätzlich stimmen mögen, aber in gewissen Fällen eben nicht. Davon einmal abgesehen müssen vor allen Dingen wir mit der Verantwortung für uns und unser Wohlbefinden da stehen, denn ansonsten können wir nicht einmal unsere (bspw. finanzielle)Eigensicherung betreiben.

    Wenn dann noch freie Resourcen sind, dann verdienen Menschen diese zu erhalten, die respektvoll mit Menschen allgemein umgehen. Denn wir verdienen nunmehr uns nur noch mit solchen fairen Menschen zu umgeben!

    Nicht nur, dass Du ihm nichts schuldest, Doro, Du hast auch das Recht auf Dein Leben. Mit neuen Kontakten oder Menschen, die Dir gut tun, Dich aufbauen und vielleicht über die Jahre vergessen lassen was einmal geschah. Vielleicht Menschen kennen zu lernen, die Dir Vertrauen wieder geben können.

    Einfach Dein Leben führen, in welchem Dir wohlgesonnene Menschen ohne Berechnung Teile Deines Weges, Deiner Freuden aber auch des Leides teilen....

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Ich fühle mich schwach, schon seit ein paar Tagen. Mag nicht mehr die tapfere, starke sein. Und hab ne ordentliche Portion Selbstmitleid.

    Dieses ganze "für sich selbst sorgen", ich weiß im Augenblick gar nicht, wie das aussehen soll. Ich hab die Kinder, den Job, den Haushalt. Das geht nur, wenn ich total diszipliniert bin, dann kann ich mir den einen oder anderen Freiraum erkämpfen. Aber jetzt in diesen Tagen bin ich schlapp und da merke ich, dass ich mir das eigentlich gar nicht leisten kann.
    Ich würd mich gern mal fallen lassen, aber das geht irgendwie überhaupt nicht.

    :( Doro

  • Liebe Doro, das glaube ich gerne... merks ja auch grad, ganz ohne Kinder...die Arbeit nimmt einfach soviel Zeit in Anspruch, da bleibt kaum Freiraum. Versuche trotzdem Dir einwenig freizuschaufeln. Vielleicht Abends wenn die Kiddis im Bett sind mal ein bisschen Yoga oder für etwas tanzen oder meditieren. Manchmal hilft es auch dei Sachen die Mensch mancht anders zu machen... z.B. beim Abendbrot den Tisch schön dekorieren oder ähnliches...ein Spaziergang, ein neues Kleidungsstück...schöne Blumen, eine Fußmassage... überleg mal, findest bestimmt was kleines was Du integrieren kannst. Am besten täglich was schönes.

    Entscheide Dich für Dich, tu Dir gut!
    die Karotte :wink:

    Das Leben ist Widerspruch: Das eine ist und das andere auch.

  • Ps.: Doro, das Buch hat genau das zum Thema: Ins Handeln kommen (das Problem habe ich auch oft vor lauter Ideen..und keinen Anfängen). Viele Methoden...is ein Arbeitsbuch...
    LG Karotte

    Das Leben ist Widerspruch: Das eine ist und das andere auch.

  • Ach Doro, ist ist derzeit eine schwierige Zeit, auch für Menschen ohne Probleme.

    Musst Du immer stark sein? Darfst Du Dich nicht auch mal schwach fühlen? Ich habe es die letzten Tage und das ist o.k. Es freut mich nicht, aber ich habe die verdammte Pflicht mir gegenüber das wenigstens soweit zu aktzeptieren, wie es neben meinen Pflichten möglich ist. Manche Pflichten müssen nämlich nicht heute sein.

    Warum musst Du tapfer sein? Du bist Doro und darfst - wie jeder andere Mensch - auch mal schwach, traurig oder nicht belastbar sein!!!!

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Liebe Dagmar, liebe Karotte, danke fürs Mutmachen, hat gut getan.

    Hab erstmal ne Runde geheult, danach gings schon wieder etwas besser, aber nur etwas. Später hat mich mein Dreijähriger tatsächlich ca. 15 Minuten schlafen lassen - war ganz süß, hat gesagt, ich soll mich ruhig hinlegen und hat die Tür zugemacht. Aber wie gesagt, nach 15 Minuten war er wieder da.
    Na ja, irgendwann im Laufe des Tages hab ich dann doch noch einen kleinen Energieschub bekommen, hoffe, morgen wirds so weitergehen.

    Wahrscheinlich ist auch ein Teil meines Problems, dass ich dann immer gleich in Panik verfalle, wenn ich mich mal schwach fühle, und denke, das geht jetzt immer so weiter. Hast schon Recht, Dagmar, das gehört wahrscheinlich dazu wie ne gelegentliche Erkältung oder so.
    Aber wie gesagt, mal sehen, wie es morgen weitergeht.

    Und was du sagst, Karotte, stimmt auch, aber dafür brauche ich eben schon ein Minimum an Energie. Ich versuch das ja schon hier und da, dass ich mir immer so kleine schöne Dinge einplane. Bin gespannt aufs Buch, habs jetzt bestellt.

    Mir kam aber heute auch so die Ahnung, dass es eigentlich gar nicht nur was mit der Situation, die allerdings objektiv belastend ist, zu tun hat. Denn eigentlich hatte ich schon immer solche Zustände. Und hab dann immer gedacht, es liegt an der Situation:
    - im Studium waren es diese Prüfungen und die Anonymität an der Uni
    - als Single fühlte ich mich einsam und bemitleidete mich deshalb
    - mit meinem Mann war er es, der mich daran hinderte, das zu tun, was ich wirklich wollte
    - und jetzt ist es die Belastung als Alleinerziehende

    Also, ich denke, die meisten Menschen haben solche Denkweisen ab und zu. Aber es ist trotzdem ein Irrweg, weil man dann immer auf irgendeinen Zustand hofft, der nie eintreten wird.

    Liebe Grüße
    Doro

  • Liebe Doro,
    auch ich selber muss glaube ich von mir mir sagen immer einen Hang zur Schwere oder Melancholie gehabt zu haben, richtig glücklich über längere Zeiträume war ich nie. Gut, mein Leben war immer ein Kampf. Aber das ist es heute auch noch, aber heute lerne ich zu sehen und zu fühlen was Glück sein kann.

    Ich habe auch in Erwägung gezogen, dass genau diese Schwere - vielleicht auch Depression - mich genau in eine solche schädigende Beziehung gezogen hat. Dabei natürlich diese Gefühle noch intensiviert hat ud mich noch tiefer runter zog.

    Ich weiß verdammt genau, wovon Du sprichst und bin sehr verundert, dass eben das nicht mehr der Fall ist. Nachdenken ja, traurig sein ja, aber die Schwere die mich zuweilen runterzog, die spüre ich nicht mehr.

    Weißt Du Doro, als alles zusammenbrach und ich am Ende war, nicht mehr wollte und konnte, ich denke die Alk-Beziehung war nur ein Teil des Zusammenbruches. Eigentlich weinte und trauerte ich auch um ein Leben, welches ich nie gelebt hatte.

    Das aber können wir ändern Doro. Es geht ganz langsam, ganz bedächtig und fast ebenso schleichend wie mein persönliches Unglück der Vergangenheit.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Hallo Doro

    mir geht es ähnlich wie dir, mir wächst oft alles über den Kopf. Die Arbeit bleibt liegen, ich komm nicht mehr rum. Und Selbstmitleid hab ich auch manchmal, aber ich denk, das darf auch mal sein.

    Was mir dann ganz viel hilft ist, mal einen ganzen Tag nichts zu machen. Auch wenn noch so viel Arbeit da ist, die läuft nicht weg, leider! Einfach bewusst einen Tag freinehmen, lesen, Baden, Schlafen....
    Und vor allem, heut kann ich es aushalten wenn es mir schlecht geht. Ich kann es akzeptieren, das ist jatzt so und morgen ist es vielleicht wieder besser. Wenn nicht, dann halt übermorgen. Vor der Trennung konnte ich das nicht, da brauchte ich meine heile Welt und hab mich bei meinem Mann lieb Kind gemacht.

    Du schaffst das auch, morgen ist es wieder besser!

    julchen

  • Danke Julchen, es ist so lieb, was ihr mir schreibt.

    Ja, mit den Kindern kann ich mir ja leider eben keine Auszeit nehmen, oder nur stundenweise gegen Bezahlung. Ich will jetzt nicht wieder anfangen zu jammern, ist halt im Augenblick so. Sobald die Kinder ein bisschen größer sind, ist es wieder anders.
    Aber ich kann natürlich schon das eine oder andere liegen lassen, das schon.

    Normalerweise kann ich das auch ganz gut akzeptieren. Weil alles seine Vor- und Nachteile hat. Durch die Kinder habe ich viel Zeit, in der ich einfach nur mit den Kindern zusammenbin. Weil sie ja betreut werden müssen. Und das gibt irgendwie auch eine gewisse Ruhe.
    Und sie muntern einen ja auch immer wieder auf.
    (Bis der nächste Kakaobecher auf dem Fußboden landet. :evil: )

    Bin heute dem Begriff Opferrolle (Danke an Ette, die dazu den Thread aufgemacht hatte) näher gekommen und glaube, ihn jetzt besser zu verstehen. Bin nicht sicher, ob das gemeint ist, aber ich habs heute so empfunden: Eben dieses Warten darauf, dass sich irgendwelche Dinge ändern, bevor man mit dem eigenen Glück beginnen kann.
    Wenn ich mein Studium fertig hab, wenn ich einen Job habe, wenn ich endlich besser wohne, wenn mein Mann sich netter verhält, wenn die Kinder größer sind, wenn wenn wenn
    Dann beginnt das wahre Leben.
    Oder andersrum: Ich kann ja noch nicht richtig glücklich sein, weil dies oder jenes noch nicht in Ordnung ist.
    Problem: Es wird NIE so sein, dass alles in Ordnung ist.
    Bei uns war endlich endlich alles in Ordnung äußerlich, als mein Mann wieder die Bierdosen rausholte.

    Was du schreibst, Dagmar, klingt ja total interessant.
    Dass du meinst, dass deine depressiven Tendenzen jetzt deutlich besser sind. Kannst du erklären, woran genau das liegt?
    - dass man einfach durch die Hölle gegangen ist und deshalb vieles wieder anders wertschätzen kann?
    - dass man sich die Zähne ausgebissen hat an einem unveränderbaren Schicksal (seinem Schicksal) und einfach seine Grenzen jetzt klarer erkennt und innerhalb dieser Grenzen Glück erfährt?
    - dass man sich aus der Opferrolle befreit (s.o.)

    Ich habe ja auch dieses Gefühl, dass diese Krise, durch die ich jetzt gehe, so viele Lernmöglichkeiten bietet.

    Zitat

    heute lerne ich zu sehen und zu fühlen was Glück sein kann.

    Liebe Grüße
    Doro

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