Beiträge von Doro

    Hallo an alle,

    will nur mal im offenen Bereich ein kleines Update geben, weil ich ansonsten meine Sachen immer im geschlossenen Bereich schreibe, aber hier im offenen viel bei anderen.

    Meine Situation:
    Die letzten Wochen verliefen relativ ruhig.
    Solange mein Mann mich nicht anruft, habe ich meine Seelenruhe. Ich hab viel zu tun weiterhin, mit Beruf, Kindern, Haushalt. Aber es gelingt mir ganz gut. Denke dann auch selten an ihn.

    Wenn er anruft, wenn ich nur das Telefon höre, werde ich sofort nervös, habe Angst.
    Eigentlich möchte ich gar nicht mehr mit ihm sprechen, aber ich halte es noch immer nicht durch. Die Gespräch sind zwar meistens recht kurz, aber trotzdem immer wieder störend und Unruhe stiftend. Hinterher fühle ich mal Mitleid, mal Wut, schlechtes Gewissen (wenn ich das Telefon rausstöpsele) oder eben einfach Unruhe. Oder ich fühle mich bestätigt, dass es wirklich keinen Sinn mehr hat.

    Es gelingt mir bisher immer relativ schnell, mit HIlfe diese Forums oder manchmal Gesprächen mit anderen, mein Fühlen wieder zurechtzurücken.

    Ansonsten harre ich der Dinge, die da kommen, was die finanziellen und rechtlichen Fragen angeht. Im AUgenblick wird da nichts entschieden, also lebe ich mein Leben, so gut es geht, und bin meistens recht glücklich dabei.

    So viel für heute für die, die es interessiert und die nicht in den geschlossenen Bereich kommen.

    Doro

    Hallo Gesche,
    du hast angesprochen, dass dir das Forum hilft.

    Mir hilft es enorm.
    In der ersten Krise hatte ich viele Leute, die sich ständig dafür interessierten, wie es mir geht. Jetzt flaut das INteresse etwas ab, aber in diesem Forum schreiben die Leute noch lange Zeit später.

    Außerdem fühle ich mich bei meinen Freunden oder Verwandten auch oft nicht richtig verstanden. Da gibt es die, die sich auch immer nur um SEINEN Zustand drehen, die immer wissen wollen: Was macht er? Während ich verzweifelt versuche, Abstand zu wahren und so wenig wie möglich über ihn nachzudenken.
    Andere verstehen nicht richtig, wieso mir das überhaupt so schwer fällt, von ihm loszukommen, wo er doch solch eine Enttäuschung war.
    Wieder andere sehen in mir nur die Gescheiterte, Bemitleidenswerte und haben keine Ahnung, wie gut es mir streckenweise geht.

    Und am wichtigsten ist für mich:
    Immer wieder bei anderen die Parallelen zu lesen.
    Dass ich Verhaltensmuster erkenne. Das erleichtert enorm.
    Zum Beispiel eben diese Schuldzuweisungen. Das ist ja nun wirklich bei allen das gleiche. Also kann ich mich leichter davon distanzieren.
    Oder was du von deinen Feiern und dem Ouzo schreibst, dass du alles machen musstest und dann aber die warst, die nicht alles im Griff hatte. Genau das gleiche habe ich auch regelmäßig erlebt.

    Wir übernehmen zu viel Verantwortung.
    Aber unsere Partner haben uns auch ganz schön immer die Verantwortung zugeschoben.

    Liebe Grüße
    Doro

    Ja, Biene, was du über Außenstehende schreibst, kenne ich auch ein bisschen. Ich bin ja jetzt getrennt, aber sie sehen mich teilweise als völlig unzurechnungsfähig und schwach, weil ich eben immer noch mit meinem Mann ab und zu telefoniere. Und scheinen alles ganz genau zu wissen. Okay, das ist menschlich. Es ist immer einfacher, das Leben der anderen zu begutachten, als sein eigenes zu leben. Aber ich habe es ihnen auch nicht leicht gemacht mit meiner Alki-Beziehung, das muss ich auch sagen. Meine Verwandtschaft hat ganz schön mitgelitten und leidet mit.

    Hab mir auch manchmal mehr Unterstützung gewünscht. JEtzt, wo ich getrennt bin, bekomme ich relativ viel Unterstützung, aber das meiste muss ich trotzdem alleine machen.

    Ich glaube aber, es ist in so ner Situation für die anderen auch schwer, was für dich zu tun.
    Hast du denn schon mal konkret gesagt, welche Art der Hilfe du dir vorstellst? Dass du z.B. mal Ruhe brauchst.
    Mir geht es so: Meistens erwarte ich einfach so, dass die anderen schon sehen, was ich brauche. Aber vielleicht haben sie Scheu davor? Oder sie haben schlichtweg ihre eigenen Probleme und genug um die Ohren, so dass sie sich nicht noch zusätzlich was ans Bein binden wollen?

    Ich bin auch noch meilenweit davon entfernt, aber ich glaube, dass es eine ganz tolle Eigenschaft ist, wenn man konkret um Hilfe bitten kann.
    Als ich ganz tief in der Krise steckte, da konnte ich das plötzlich, aber da stand ich innerlich wirklich am Abgrund. Da hab ich mich z.B. bei meinen Verwandten selbst eingeladen, weil ich einfach mal raus musste aus dem Horror. Und ich habe einen langen Brief an eine gute Bekannte geschrieben, in der ich meine Not dargestellt habe und sie hat mich dann gleich angerufen und wollte helfen.

    Meine Erfahrung, die ich jetzt machen durfte, ist: Die Leute nehmen mir mein Leben nicht ab und sie helfen nicht unerschöpflich. Aber sie helfen, wenn ich darum bitte! Und ich würde auch helfen, wenn mich jemand bitten würde!

    Ich weiß nicht, wie alt deine Kinder sind, meine sind noch sehr klein und ich kenne das: Man kommt einfach schwer zum Nachdenken mit den Kindern.
    Vielleicht bittest du wirklich einfach mal jemanden darum, dir die Kinder abzunehmen und besuchst z.B. in der Zeit eine Selbsthilfegruppe oder bist einfach mal für dich, um über alles in Ruhe nachzudenken.
    Am besten nicht nur einmal, sondern eben regelmäßig.
    Glaubst du nicht, dass das jemand tun würde für dich?

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Biene,

    wie siehst du denn die Sache mit den Kindern? Sind die Sorgen deines Ex-Mannes berechtigt?

    Dein Mann kann ohne dich nicht leben. Kannst du mit ihm leben?
    (Ich halte diese Aussage eigentlich für emotionale Erpressung. Wieso sollte er ohne dich nicht leben können? Das würde ja heißen, dass du - egal ob du willst oder nicht - bei ihm bleiben müsstest, weil er sonst stirbt.)

    Irgendwie erscheinen mir die Positionen deiner Familie total logisch. Deine Mutter sieht dich leiden und will verständlicherweise, dass das aufhört. Deine Schwiegermutter hat wahrscheinlich ähnliche Gefühle wie du für deinen Mann - sie hat als Mutter natürlich keine Distanz zu ihm und hat Mitleid. Dein Ex-Mann will, dass sein Sohn keinen Schaden nimmt.
    Und du...
    ... bist total überfordert. Kein Wunder. Alles scheint an dir zu hängen, sogar das Leben deines Mannes (!).

    Ich glaube, du wirst nicht drumrumkommen, dir erstmal irgendwann darüber klarzuwerden, was du willst. Ob du das Leben mit ihm noch willst. So wie er ist, nicht wie er vielleicht theoretisch sein könnte.
    Und was du für deine Kinder willst.

    Ich wünsche dir jedenfalls ganz viel Kraft,
    liebe Grüße
    Doro

    Hallo Julchen,
    mir würde es wohl nicht viel anders gehen.

    Trotzdem, versuch dran zu denken: Jetzt im Augenblick kannst du nichts ändern. Versuch die Sorgen zu verschieben, wenn du von deinen Kindern hörst, wie es war, und nutze das Jetzt und Hier.

    Liebe Grüße
    Doro

    Liebe Butterweich,

    ich wünsche dir so sehr, dass es klappt mit der Wohnung und mit dem friedlichen Entwirren des alten Mietvertrags.
    (Ich wollte eben schreiben: Nach dem Horror hast du das wirklich verdient. Aber das ist ja schon wieder idiotisch, auch ohne Horror hättest du das das verdient!)

    Du hast sehr schöne Worte gefunden. Danke dafür.

    Noch einen ruhigen Ostermontag
    wünscht
    Doro

    Hallo an alle,

    ich gehöre zu denen, die sich noch nicht zur Therapie trauen.

    Kann ja mal meine Bedenken äußern und lade ein, mich vom Gegenteil zu überzeugen.

    Also, zum ersten habe ich in der Vergangenheit oft Leute kennen gelernt, die irgendeine ARt von Psychotherapie gemacht haben und ich habe nicht selten erlebt, dass ich als Außenstehende das Gefühl hatte, dass die Ergebnisse mager waren. Dass die Leute ihr Problem vielleicht danach besser erklären konnten, aber davon noch lange nicht erlöst waren. (Das kann bei anderen Arztbesuchen bzw. -therapien allerdings auch passieren!!!)

    Zweitens habe ich eine Furcht davor, dass mir Probleme quasi eingeredet werden.
    Beispiel: Meine Kindheit
    Ich bilde mir ein, dass ich eine relativ harmonische Kindheit hatte. Nicht alles war gut, aber so insgesamt glaube ich an meine "glückliche Kindheit". Wenn ich mich aber nun systematisch damit beschäftigen würde, welche Verletzungen ich einstecken musste als Kind, dann würde mir ganz schön viel einfallen. Wie wahrscheinlich bei den meisten Menschen. Es kommt mir so vor, als würde ich mir damit erst Schmerzen schaffen, die ich gar nicht habe.

    Drittens bin ich mir nicht sicher, wie krank ich wirklich bin. Ich komme mir auch irgendwie blöd vor, weiß gar nicht, was die mit mir sollen.
    Ich gehe übrigens auch zu normalen Ärzten nicht so schnell.

    Viertens: Ich bin zwar total fasziniert von Psychologie, aber im Grunde misstraue ich der Psychologie als Wissenschaft gleichzeitig irgendwie. Weil mir vieles so als Theorie erscheint, die aber unglaubliche Auswirkungen darauf hat, wie man die Welt wahrnimmt. Aber es wird wie eine fest stehende Wahrheit gehandelt, nicht als Theorie.

    Es gibt auch teilweise konkurrierende psychologische Theorien und je nachdem, welcher man angehört, ändert sich der Blick auf eine Situation. (Ist bei normaler Medizin natürlich nicht anders, aber da muss ich eben meistens irgendwie vertrauen, dass die schon das richtige mit mir tun.)

    Ich habe, offen gestanden, Furcht davor, (wieder einmal) manipuliert zu werden.

    Vielleicht könnt ihr meine Sorgen entkräften,
    liebe Grüße
    Doro

    Hallo lieber Ossiman,
    bin auch Ex-Partnerin eines Alkoholkranken.

    Bin beeindruckt davon, dass du nach so langer Zeit immer noch dran bist am Thema und es nicht schleifen lässt. Hut ab.

    Das finde ich, glaube ich, auch schwierig bei der Überwindung von Sucht.
    Eine Zeitlang mag man es schaffen, aber gerade wenn man glaubt, jetzt ist man übern Berg, wird es gefährlich. Sehe ich das richtig?

    Der Satz, den du nebenbei erwähnt hast: Meine Frau hat die ganze Zeit zu mir gehalten.
    Der gab mir nen Stich. Sofort springt mein Co-Gefühl an, mein schlechtes Gewissen, dass ich mich nun getrennt habe. Plötzlich erscheint es mir als großartige Leistung, wenn man mit dem trinkenden Mann durch Dick und Dünn geht.
    Wie stehst du zum Thema Co-Abhängigkeit?

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Lilli,
    ich würde mal sagen, dein Freund sollte formulieren, was für Hilfe er sich wünscht.

    Die Gefahr besteht natürlich, dass du den gewonnen Abstand gleich wieder aufgibst, nur weil ein kleiner Hoffnungsschimmer am Horizont erscheint.
    Und außerdem besteht die Gefahr, dass du für ihn notwendige Schritte übernimmst, z.B. Erkundigungen einholen u.ä., was eigentlich er selbst machen sollte, damit er wirklich selbst aktiv seine Sucht angeht.

    Deshalb Vorsicht erstmal mit Hilfe, würde ich sagen.
    Hängt davon ab, was genau er will.

    Wie sehr fühlst du dich denn dazu in der Lage, ihm zu helfen? Würde dich das sehr mitnehmen?
    Willst du zu ihm zurück, wenn er trocken werden würde?
    Warum willst du ihm überhaupt helfen, obwohl er dich loswerden wollte?

    Ein paar Denkanstöße von
    Doro

    Hallo Sanne,

    ich glaube, so blöd es klingt, dein Mann hat in gewisser Weise Recht, wenn er sagt, du sollst dich da nicht so reinhängen, es täte dir nicht gut.
    Genau das ist, glaub ich, die Erkenntnis, die man schmerzvollerweise als Partnerin eines Alkoholikers gewinnen muss.
    Dass man irgendwie innerlich sich nicht zu stark mitreinziehen lassen darf.

    Ich hab in einem Buch zu Co-Abhängigkeit den schönen SAtz gelesen, sinngemäß: Es nützt niemandem, wenn man sich Sorgen um ihn macht.
    Das stimmt. Man verzehrt sich vor Sorgen, aber es ändert nichts, dass man sich verrückt macht.
    Du kannst ja nicht viel machen, kannst nur zuschauen und warten, was er tut. Und das könnte lange dauern, bis er so weit ist.

    Also kannst du ebensogut versuchen, deine Energien auf die Dinge zu lenken, die du in der Hand hast, und die versuchen, zu verbessern. Dein Leben eben zu leben.
    Sonst sitzt du nur auf der Zuschauerbank und bist dem Film ausgeliefert, dessen Drehbuch du nicht mitschreibst.

    Ist alles leicht gesagt, aber es ist trotzdem die Wahrheit, denke ich.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Gesche,

    ich kenne vieles von dem auch, was du beschreibst.

    Die extremen Schuldzuweisungen und das Leugnen der eigenen Krankheit.
    Er irritiert mich damit zwar immer noch, aber wenn ich mal ruhig darüber nachdenke, ist es offensichtlich, dass es der Suchtwahn ist, der ihn so reden lässt, sonst nichts. Er hat offenbar noch nicht den Willen, sich wirklich seiner Sucht zu stellen. Und sich einzugestehen, dass man selbst daran schuld ist und sonst niemand, das ist eben auch zu schwierig und ist typisch für Sucht.

    Nun hast du ja wirklich den Abstieg deines Mannes in die Sucht von Anfang an mitbekommen und das Vorher auch, das macht es vielleicht schwieriger.
    Bei mir wars etwas anders. Als ich ihn vor 16 Jahren kennen lernte, war er schon total im Alkisumpf drin und zwar ziemlich schlimm, aber damals passte das total in mein Weltbild, hier jemanden retten zu können.
    Und Jahre später habe ich mich getrennt und noch mal Jahre später wurde er trocken und dann hatten wir 5 trockene Jahre, das war seine gute Zeit seit Ewigkeiten. Und jetzt macht er wieder alles kaputt.
    Also, diese Schuldfrage, die hab ich mir so schlimm nie gestellt, weil er eben vorher schon getrunken hat.

    Und was auch interessant ist: Als er damals trocken wurde, hat er mir absolut keine Verantwortung für seine Sucht mehr zugesprochen. Er meinte, all sein aggressives Verhalten, seine Ablehnugn mir gegenüber usw. (Zärtlichkeitsverweigerung und so) hätte absolut nichts mit mir zu tun gehabt, hat er beteuert. Und das glaub ich ihm auch.
    Es hat nichts mit mir zu tun!

    Irgendwie kommt es mir manchmal einfach wie eine ganz schwere Erkrankung vor, gegen die niemand etwas tun kann. Manche Süchtige schaffen es, sich dagegen zu wehren, manche nicht. Warum manche es früher schaffen und andere nie, das scheint mir mit Schuld nicht so viel zu tun zu haben.
    Also, irgendwie bin ich nicht mehr böse auf ihn, er will bestimmt nicht, was jetzt passiert, aber er kann nicht anders, die Sucht ist wie ein böser Dämon, der ihn beherrscht. Ich glaub ja eigentlich nicht an den Teufel, aber Alkoholismus ist wirklich was, das kommt mir wie ein Beweis vor, dass es den Teufel doch gibt, weil es so unendlich böse ist.

    Bloß ich bin noch viel machtloser als er und ich muss einfach mich und die Kinder in Sicherheit bringen, weil es mich total mit runterzieht und weil er mir gegenüber nie einen vernünftigen Abstand respektieren würde. So geht einer vor die Hunde, wenn ich zu ihm zurückkehren würde, wären es vier (mit den Kindern).

    Vielleicht wird er eines Tages wieder so weit sein, dass er noch einmal aufhört, aber das weiß niemand, ob und wann.

    Was mich auch sehr traurig macht, ist, dass es keine Aussprache oder sowas gegeben hat bei uns. Aber auch da steht einfach die Sucht im Weg. Er ist einfach nicht er selbst. Alle Gespräche enden im Nichts, in Schleifen von Vorwürfen und Aggressionen von seiner Seite.
    Aber das scheint irgendwie auch nicht untypisch zu sein.

    Ich bin ja noch nicht ganz raus aus der Sache, unsere Trennung liegt erst drei Monate zurück und wer weiß, was noch kommt.
    Aber im Augenblick geht es mir ganz gut damit, einfach im Hier und Heute zu leben. Ich bin ziemlich demütig gestimmt im Augenblick.
    Es ist schon so viel wert, dass ich meine positiven Stimmungen ausleben kann, ohne dass er mir immer wieder alles madig macht und immer wieder runterzieht und kleinmacht.
    Ich hoffe, dass ich mir diese Haltung auf Dauer angewöhnen kann. Und wenn das gelänge, dann wäre das alles für mich zu etwas gut gewesen.

    Vielleicht kannst du einfach akzeptieren, dass dein Leben eben mehrere Abschnitte hat. Die guten Zeiten mit deinem Mann sind ja nicht verloren, die ERinnerung daran kann dir keiner mehr nehmen.
    Und nun hast du die Möglichkeit, ganz neue ERfahrungen zu machen, vielleicht andere, aber nicht minder schön.

    Ich habe ja nun auch noch den krassen Übergang: Komme aus der Großstadtmitte und bin - mit meinem Mann aufgrund seines Jobs - in die absolute Provinz gezogen und noch in ein anderes Bundesland. Das ist echt ein ganz anderes Leben. Noch bin ich nicht lange hier und weiß noch nicht, ob es mir in fünf Jahren immer noch gefällt, aber ich habe eine Ahnung davon, dass beide Lebensstile ihre Schönheiten haben und einfach unterschiedlich sind. Hier dreht sich alles um Haus und Garten und man hat viel Ruhe, aber auch viel Arbeit damit. In der Großstadt die tausend Möglichkeiten und ich war viel mehr unterwegs. Viel Trubel, viel Kultur, Kneipen und Cafes. Was zu Hause zu tun ist, ist viel schneller erledigt - einfach eine andere Art zu leben, scheint mir.

    Bei dir wirds wieder ganz anders sein, aber vielleicht entdeckst du auch, dass dein neuer Lebensabschnitt wieder ganz andere Schönheiten hat.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Cynthia,

    kann ja natürlich deinen Freund nicht be/ver-urteilen.

    Bloß ein Hinweis:
    Das Auf-Händen-Tragen ist kein Gegenbeweis gegen Gewaltbereitschaft!
    Kann (! Muss nicht) auch ein Hinweis darauf sein, dass er dich ganz für sich will, oder so ähnlich. Ist nicht untypisch.
    Vielleicht achtest du mal auf sowas. Lässt er dir deine Freiräume? Stärkt er dir den Rücken in DEINEN Dingen und DEINEN Freundschaften, auch wenn sie ohne ihn stattfinden?

    Irgendwas an ihm ist dir unheimlich, lese ich raus.

    So wars bei meinem Mann auch, aber ich hab das in den Wind geschlagen.
    Die positiven Seiten waren ja auch da.
    Aber dass ich jemanden heirate, dem ich im Grunde nicht hundertprozentig traute, das werte ich jetzt eigentlich schon als Zeichen, dass ich mich selbst nicht so ganz wichtig genommen habe oder vielleicht doch irgendwie dachte, was Besseres findest du nicht mehr.

    Jetzt, nach seinem Rückfall, tobte er hier herum wie ein Irrer und DA wurde er mir wirklich unheimlich!!!

    Ach Mensch, jetzt fange ich auch an, dich in eine bestimmte Richtung zu lenken, das wollte ich eigentlich nicht.
    Aber dein Unbehagen ernst nehmen solltest du in jedem Fall!

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Butterweich,

    die Ereignisse überschlagen sich grade bei dir. Aber vielleicht ist es gut, wenn du den Schwung nutzt, der durch das schreckliche Erlebnis entstanden ist, und Nägel mit Köpfen machst.
    Ich jedenfalls bewundere nach wie vor deine Aktivität.

    Zur Einsamkeit habe ich ähnliche Erfahrungen gemacht wie die anderen. Jetzt bin ich ja mit zwei Kindern allein, das ist etwas anderes, aber nach meiner ersten Trennung von meinem Mann war ich ganz allein in einer kleinen Wohnung mitten in der Großstadt und sie war mein Refugium und ich hab mich dort wohl gefühlt, so alleine mit mir. Hatte auch keinen Fernseher, weil ich dem ihm überlassen hatte und hatte wirklich ne Menge Ruhe.

    Einsamkeitskoller hatte ich auch, hab viel telefoniert und auch so Kontakte geknüpft, hatte ein Stammcafe, in das ich geflüchtet bin, wenn mir die Decke auf den Kopf gefallen ist.

    Aber es entstand ein ganz eigener Gedankenraum mit mir selbst. Die Gedanken konnten einfach so fließen, hab manchmal stundenlang nichts anderes getan als Schreiben oder einfach nur Nachdenken. Bin auch viel spazieren gegangen.
    Das war manchmal Glück pur, nur aus mir selbst heraus.

    Drei Jahre ging das so und es war eine schöne Zeit und ich kann auch jetzt wieder dran anknüpfen, wenn ich abends hier alleine bin. Hab zwar die Kinder, aber ich wohne in einer Gegend, in der ich total fremd bin, bin erst letztes Jahr (wegen SEINES Jobs :evil: ) hierher gezogen, hab hier auch Beruf und dadurch Kontakte, aber eben darüber hinaus niemanden. Und durch die Kinder kann ich auch nicht einfach so weg.
    Aber die paar Stündchen, die ich abends für mich habe, genieße ich sehr. Da wird mir inzwischen schon ein längeres Telefongespräch manchmal lästig, will lieber meinen eigenen Gedanken nachhängen manchmal. Und Fernseher bleibt abends auch fast immer aus, dafür ist mir die Zeit zu schade.

    Das sind so meine Erfahrungen mit Alleinsein.

    Also, sei zuversichtlich!

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Prof. Schröder,

    ich kann das nachvollziehen, dass du nicht trennen "kannst", wenn du gar nicht leidest.

    Mein Mann hatte vor ca. 3 Monaten nach langer Trockenheit einen heftigen Rückfall, aber im Nachhinein muss ich gestehen, dass er schon lange vorher nicht ganz konsequent abstinent war.

    Zuerst hat er radikal nix getrunken, auch kein alkoholfreies Bier.
    Dann gings irgendwann los, dass er z.B. alkoholfreies Bier trank oder auch mal, wenn man ein Bier angeboten bekam, es genommen hat und dann nur genippt hat oder auch mal etwas mehr.
    Ich hab mich am Anfang sehr aufgeregt, aber es schien zu funktionieren. Ein echter Rückfall kam lange Zeit nicht, jedenfalls habe ich nichts bemerkt und ich glaube auch, dass er das lange Zeit echt so kontrolliert hinbekommen hat.
    Und im letzten Jahr gabs dann schon ein paar Orgien, die ich aber auch nur erahnt habe, weil es immer war, wenn ich verreist war oder er.

    Nun weiß ich nicht, ob die kleinen Mengen Alkohol es waren, die ihn wieder in die Sucht gezogen haben, oder ob er umgekehrt einfach immer mehr Verlangen danach hatte und immer weniger in der Lage war, das zu unterdrücken. Jedenfalls kann sich sowas über ne lange Zeit hinziehen.

    Bloß dass er zwei Bier am Abend trinkt, zeigt eigentlich, dass er seine Sucht nicht richtig ernst nimmt.
    Auch dass er es immer alleine machen will - genau wie mein Mann.
    Mein Mann hat es erstaunlich weit gebracht in seinem Alleingang. Er hat nie ne Therapie gemacht oder Selbsthilfegruppen besucht und war immerhin jahrelang trocken.
    Und deshalb hab ich ihm auch geglaubt, als er sagte: Siehst du, ich bin doch der lebende Beweis, dass man das alles nicht braucht (Therapie, SHG).
    Jetzt denke ich: Oje, war wohl doch falsch.

    Vielleicht kannst du wenigstens für den Fall der Fälle ein paar Vorsichtsmaßnahmen treffen.
    Ich zum Beispiel war so idiotisch, mir auch noch ein Haus mit ihm zu kaufen. Das hätte echt nicht sein müssen!!
    Ich denke, du musst einfach damit rechnen, dass es wieder los geht.

    Viel Glück
    wünscht
    Doro

    Danke Dagmar, hast Recht, hab mir zu sehr den Schuh angezogen.

    Weil ich noch in der Phase bin, mich von ihm innerlich abzugrenzen und er mir immer wieder Vorwürfe macht und mich als Täterin hinstellt.
    Und wenn ich ihm ne Weile zuhöre (was ich jetzt nicht mehr tue), beschleicht mich manchmal das Gefühl, er könnte Recht haben: Der arme Kerl wurde aus seinem Haus geschmissen, darf die Kinder nicht sehen und ich hab die Kreditkarte gesperrt. Da muss ich mich sehr anstrengen, um die Opfer-Täter-Bilanz wieder für mich gradezurücken.

    Und weil ich es selbst nicht fassen kann, wie unfähig ich war, meine Interessen und die der Kinder während der Beziehung zu verteidigen.
    Und diese Manipulationstheorie hilft mir, das zu begreifen.
    Ich renne ja nicht durch die Straßen und rufe: Ich bin Missbrauchsopfer, ich bin MIssbrauchsopfer.
    Sondern ich kann nur damit diesen Irrsinn erklären, der da abging.

    Und deshalb reagiere ich wohl so.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Ette und Koketterie.

    Bin echt ratlos, was ich euch antworten soll.
    Ich dachte, ich hätte zur Genüge zum Ausdruck gebracht, dass ich früher hätte Grenzen abstecken oder mich trennen müssen oder was weiß ich.
    Einfach wars weiß Gott nicht, mit zwei kleinen Kindern und der ERwartung, dass die Lage sich bessert, wenn der äußere Stress nachlässt.

    Und dass es Dinge gab, die ich auch gern gemacht habe.
    Aber viele, die ich ausdrücklich nicht wollte und ihm auch gesagt habe, aber er hat getobt wie Rumpelstilzchen und dann bin ich eben eingeknickt, weil ich die Ehe und Familie bewahren wollte.

    Ich bin hin- und hergerissen.
    Einerseits sehe ich, dass ich zu viel mitgemacht habe.
    Andererseits weiß ich auch: Es war echt ne schwierige Kiste.
    Aber es hätte natürlich Möglichkeiten gegeben.
    Also ich sehe meinen Anteil.

    In der Opferrolle wohlgefühlt habe ich mich, glaube ich, nicht.
    Ich hab mich eigentlich gar nicht so sehr als Opfer gefühlt die meiste Zeit.
    Das ist ja das Verrückte an Missbrauchsbeziehungen. Man spielt innerlich alles runter und versucht, sich mehr anzustrengen, damit der andere zufrieden ist. Ich dachte, ich führe eine weitgehend glückliche Ehe. Hab mich immer schnell wieder beruhigen und versöhnen lassen, habe positiv gedacht und so weiter und so fort.
    Bis zu seinem Rückfall habe ich an Trennung überhaupt nicht gedacht.
    Und deshalb, glaube ich jetzt, war ich irgendwie manipuliert.
    (Ja, ich weiß: Ich hab mich manipulieren lassen.)

    Noch mal zur Klarstellung: Er hat ja nicht getrunken, jedenfalls dachte ich das.

    Also, man könnte es vielleicht auf den Nenner bringen: War Täterin an mir selbst. Hab mich selbst verraten.

    Sicher ist diese Erkenntnis hilfreich, wenn es darum geht, immer wieder zu prüfen: Was kann ich selbst verändern.

    Was mich trotz allem stört:
    Solche Sätze wie: Zum Missbrauch gehören zwei
    oder
    Täter im Opfer.
    Ich kann verstehen, was gemeint ist.
    Aber gleichzeitig wehre ich mich dagegen, dass richtig und falsch nicht mehr benannt werden. Dass so getan wird, als sei alles nur zwei Seiten einer Medaille.
    Das sehe ich anders.

    sich nicht gegen etwas wehren
    ist nicht auf gleicher Stufe wie
    jemandem etwas antun

    Stellt euch einen krasseren Fall vor (so extrem wars bei uns zum Glück bei Weitem nicht!!!):
    Ein Mann kommt besoffen nach Hause, die Frau "provoziert", indem sie sich beschwert, er schlägt sie krankenhausreif.
    Wer ist Täter, wer Opfer?
    Würdet ihr der Frau im Krankenhaus erzählen: Na, dazu gehören immer zwei...

    Vielleicht sollte ich diese Opfer-Täter-Gedankengänge jetzt auch für mich ruhen lassen.
    Ich bin nun getrennt, ich bemühe mich, die Sache für mich aufzuarbeiten und an mir zu arbeiten. Ich hege keinen Groll gegen ihn und mir selbst verzeihe ich auch weitgehend.
    Außer, was die Kinder angeht, da hab ich ein schlechtes Gewissen.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Julchen,

    ja, zum Teil habe ich es sicher auch gemacht, um mich gut zu fühlen.
    Aber ich hätte die Zeit auch gut für meinen job oder meine Kinder verwenden können und da hätte ich mich viel besser gefühlt und auch viel mehr Anerkennung bekommen.
    Ich habe ja sogar Probleme bekommen, weil ich ihm heimlich geholfen habe, statt das zu tun, was eigentlich meine Aufgaben waren. Ich habe plötzlich Pflichten vernachlässigt und stand im Beruf als unzuverlässig da. Das war überhaupt nicht schön.

    Also, bei mir war es in der Hauptsache wirklich so:
    Er hat es eingefordert! Und es damit begründet: Nur wenn er sein Studium beendet und einen Beruf hat, können wir ein glückliches Familienleben führen. Ganz explizit hat er das so begründet und Druck aufgebaut.
    Deshalb hab ichs gemacht. Vor allem deshalb.

    Und im Gegenzug wollte ich nur das, was er mir auch zugesagt hat: Dass er seinen Beruf macht und wir eben eine normale Familie sind mit einem arbeitenden Papa. Und dass er trocken bleibt natürlich.

    Ich hab es also natürlich auch aus Egoismus gemacht, wollte eben eine schöne Familie mit zwei arbeitenden Eltern und was damit zusammenhängt.

    Er hat auch alle möglichen Dinge von mir gefordert, die völlig idiotisch waren und die überhaupt keinen Sinn hatten.
    Auch das hab ich gemacht, aber nur, weil er es eben so vehement eingefordert hat und ausgeflippt ist (verbal), wenn ich es nicht gemacht habe.

    Eben eine Missbrauchsbeziehung.
    So sehe ich das.

    Das heißt nicht, dass ich keine andere Wahl hatte. Ich hätte handeln können. Ich war feige und schwach und auch ein bisschen dumm.
    Und ich habe eben sehr an unserem "Projekt" gehangen: Eine heile-Welt-Familie. Das wollte ich nicht so schnell aufgeben.

    Aber wenn er es nicht so eingefordert hätte und solchen Druck gemacht hätte, hätte meine Hilfe doch sehr sehr anders ausgesehen.

    Liebe Grüße
    Doro