Beiträge von Doro

    Liebe Antje,

    ja, so ne Art mit einem zu reden, die kenne ich.
    Ich find das schlimm zu lesen.
    Das ist einfach sowas von unter der Gürtellinie und hat mit normalem Streit nichts mehr zu tun.

    Für mich war ein Fortschritt, dass ich all diese Vorfälle plötzlich nicht mehr nur erlitten habe, sondern aufgeschrieben habe und auch teilweise, so wie du hier auch, anderen weitererzählt habe, wortwörtlich, was er so sagt zu mir.
    Ich war irgendwann an einem Punkt, an dem ich mich nicht mehr dafür geschämt habe. Aber lange lange Zeit habe ich niemandem erzählt, was bei uns so abgeht, hab es innerlich auch als nicht so schlimm eingestuft. Es gab ja immer wieder eine Versöhnung.

    Irgendwie war das Aufschreiben und das Sich-Öffnen für mich wichtig und hat mir die Augen geöffnet. Ich konnte es plötzlich ansehen und sehen: Nein, das ist einfach total daneben.

    Ich wünsch dir nur das Beste.
    Doro

    Hallo Antje,

    dieses Bagatellisieren gehört auch dazu zu den typischen Symptomen seelischer Gewalt.
    Ich meine, normale Menschen rasten auch mal aus und sagen was Böses, aber hinterher tut es ihnen leid.
    Aber diese Leute geben einem noch das Gefühl, das was mit einem nicht stimmt, wenn man tief verletzt ist.

    Das ist Manipulation.
    Man weiß irgendwann wirklich nicht mehr, was los ist.

    Na ja, du steckst halt noch mitten drin, da musst du jetzt erstmal selbst zu einer Entscheidung kommen, ob du dich wirklich trennen willst.

    Es gibt Bücher, die sagen: Die Gewalt wird niemals aufhören.
    Ich habe ein Buch über häusliche Gewalt gelesen (ein anderes als das erwähnte) und da stand tatsächlich, man solle sich schon bei den ersten Anzeichen von Gewalt trennen, und die wären:
    Isolierungsversuche
    Wenn der Partner einen in Beschlag nimmt, die Sozialkontakte einschränkt usw.

    Also, ich weiß nicht, ob es wirklich immer so zwangsläufig ist.
    Auch nicht, ob jemand, der unter Alkohol gewaltbereit ist, trocken plötzlich ganz auf Manipulation verzichtet. Bei uns wars nicht so, er hat mich auch trocken nicht so respektiert, wie es sein muss, aber dank seiner Manipulation merke ich das erst im Nachhinein, meine Bekannten und Freunde haben das schon vorher gemerkt: Du warst ja nicht meh rdu selbst! sagten sie mir. Er hat dich isoliert! usw. Ich habe das vorher immer bestritten, aber vielleicht konnten sie die Lage klarer sehen als ich.

    Ich erzähl dir das nur, damit du auch diesen Zusammenhang auch mit siehst.
    Alkohol ist das eine.
    Gewalt in der Beziehung ist nochmal eine weitere Problematik.
    Wenn er dich schlagen würde, wäre es offensichtlicher. Er schlägt mit Worten zu.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Merenda,

    ja schön, dass du hier bist.

    Ich finde, das hört sich doch alles sehr vernünftig und informiert an, was du schreibst.
    Ich wünsche dir die nötige Stärke!

    Ich habe mich ja vor 9 Jahren schon einmal von meinem jetzigen Mann getrennt, und bin erst 4 Jahre später zu ihm zurückgekehrt, als er wirklich trocken war.
    Damals, bei der ersten Trennung, waren auch noch keine Kinder und keine gemeinsamen Verpflichtungen im Spiel und verheiratet waren wir auch nicht. Im Vergleich zu jetzt eine echte easy-Situation.

    Trotzdem: Es war die Hölle für mich!
    Ich hatte sooooo ein schlechtes Gewissen ihm gegenüber.
    Hatte das Gefühl. ihn total im Stich zu lassen, ihm den letzten Draht zum Leben zu nehmen, was weiß ich.
    Und irgendwie wars ja auch so. Bloß dass ich ihm eigentlich gar nicht helfen konnte, auch durch mein Bleiben nicht.

    Mir hat damals auch meine Ausbildung geholfen. Ich habs auch erst geschafft, als ich echt Angst bekommen habe, dass ich die Ausbildung nicht mehr packe, wenn ich bei ihm bleibe. Er oder ich - und da endlich konnte ich Ja zu mir sagen.

    Habe keinen goldenen Tipp für dich.
    Ich habe damals den Kontakt zu ihm auch nie abgebrochen, weil ich es nicht übers Herz gebracht habe. Vielleicht hätte ich damals radikaler sein sollen und auch selbst eine Therapie machen sollen.
    Hätte hätte hätte...

    Jedenfalls gings mir ziemlich gut ohne ihn, damals schon.
    Klar, ab und zu haben wir uns gesehen und belastet hat es mich auch nach der Trennung immer mal wieder, was aus ihm wird.
    Aber mir geht es auch jetzt, nach der zweiten Trennung, so, dass ich durch den Abstand seine Probleme irgendwie meistens fast vergesse. Es kommt dann immer mal wieder hoch, besonders natürlich wenn ich mit ihm am Telefon spreche oder wenn andere mich auf ihn ansprechen, aber sonst ist es oft total weit weg.

    Vielleicht wirds dir genauso gehen.
    Einfach Abstand wahren und drauf vertrauen, dass die Sorge nachlassen wird.

    ich habe ihn damals auch nie in meine wohnung gelassen, das war mir ganz wichtig

    Bei uns wars damals so, dass er den Mietvertrag hatte, worüber ich froh war.
    Ich habe mir einfach eine neue Wohnung gesucht, es war so wunderbar, als ich den Schlüssel hatte und in dieser Wohnung endlich Ruhe hatte.
    Trotzdem hatte ich ein schlechtes Gewissen, dass er nun die Miete alleine tragen musste.

    Irgendwie war es damals so: Es war schwer, total schwer, aber es ging einfach nicht anders. Das hat mich vorangetrieben.
    Ich habe mir alle Gründe, warum ich ihn verlassen muss, warum es moralisch in Ordnung ist, damals aufgeschrieben und immer mit mir rumgetragen und immer wieder gelesen.

    Im Gegensatz dazu habe ich diesmal moralisch weit weniger Bedenken.
    Er hat mich so dermaßen enttäuscht und im Stich gelassen.
    Er hat alle Möglichkeiten, ein gutes Leben zu führen, und macht alles kaputt, nur weil er sich nicht helfen lässt.

    Bleib auf Kurs,
    Doro

    In zwei Wochen haben wir Hochzeitstag.
    In drei Wochen hat er Geburtstag.

    Was würdet ihr tun, insbesondere mit seinem GEburtstag:
    Ignorieren?
    Gratulieren?
    Schenken?
    Oder gar: Treffen? :(

    Ich neige dazu, ihm über die Anwältin (weiß ja immer noch nicht, wo er eigentlich wohnt, was ich ganz gut finde) eine Grußkarte mit nem Geldschein zukommen zu lassen. Und darin schreiben, dass es mir leid tut, aber es verlogen wäre, wenn wir uns sprechen an dem Tag.
    Oder ist das zu brutal?

    Wie habt ihr das gehandhabt nach der Trennung?
    :?:

    Doro

    Hallo Thelma,

    ich habe ja nun so meine Trockenheits-Erfahrung, obwohl mein Mann damals keine Therapie gemacht hat, was sicher ein Fehler war.

    Bei uns wars so:
    Er hatte bei einem Krankenhausaufenthalt die Kurve bekommen, weils wohl so traumatisch war, wies um seine Gesundheit stand.
    Und er war wirklich ein anderer Mensch, das war total faszinierend.
    Nun hatte ich mich ja von ihm getrennt und wollte ihn eigentlich auch nicht zurück, aber er wollte es so gerne und hat monatelang um mich geworben, bis ich das Wagnis eingegangen bin.

    Und einige Jahre war er ja trocken, so genau weiß ich nicht, wann er heimlich wieder begonnen hat, aber ich denke, es waren gute 4 Jahre wirklich trockene Zeit.

    Einiges blieb gleich zwischen uns (nämlich seine Tendenz, mich zu manipulieren und meine Bedürfnisse systematisch zu übergehen), aber in vielem war er wirklich nicht wiederzuerkennen:
    - total verlässlich
    - voller Energie
    - vernünftig
    - fit
    Es war wirklich eine Freude für mich.
    Und ich habe eigentlich auch ziemlich bald kein Misstrauen mehr gehabt, er war einfach so offenkundig anders ...
    Ich war sogar zu gutgläubig, sonst hätte ich versucht durchzusetzen, dass er sich weiter begleiten lässt.
    Aber ich wollte ihm seinen Weg lassen und er meinte, er kann das alleine besser. Er wollte so normal wie möglich leben, meinte, wenn er sich ständig als Alkoholiker definiert, dann würde ihn das auf diese Rolle festlegen. Ich habe darauf vertraut, dass der Schock, dem Tod nochmal von der Klinge gesprungen zu sein, ausreicht, um ihn für immer zu kurieren. Aber selbst dieser Schock hat eben nicht ewig gereicht, jetzt ist er wieder da, wo er mal war.

    Und die Beziehung, die wir dann geführt haben, war eben auch problematisch: ich habe mich total von ihm in Beschlag nehmen lassen und habe ihm wirklich bis zur totalen Selbstaufopferung zur Verfügung gestanden, um sein ganzes verkorkstes Leben wieder neu zu ordnen. Und das war natürlich rückblickend gesehen total falsch, aber aus der Situation heraus nur logisch.

    Ich kann verstehen, dass man dann auf solch einen Moment hinfiebert, nun den neuen Menschen zu treffen, aber es ist wahrscheinlich wirklich nicht gut. Aber dazu kann ich nichts sagen.

    Wünsch dir innere Ruhe
    Doro

    Mir ist noch eingefallen:
    Mit "Pass auf" meine ich: "Pass auf DICH auf, nicht auf IHN".

    Was ich damals vielleicht wirklich versäumt habe, war, mich GRÜNDLICH über diese Krankheit zu informieren.
    Aber das nimmst du ja jetzt in Angriff.

    Ich habe z.B. erst vor Kurzem vieles über diese Krankheit richtig verstanden:
    - dass es zur Krankheit dazu gehört, dass man es eben normalerweise nicht alleine schafft aufzuhören, dass es keine Willensschwäche ist und man ihm deshalb auch keine Vorwürfe machen kann; der Vorwurf kann nur der sein, dass er sich keine Hilfe holt
    - dass das Lügen zur Krankheit dazu gehört
    - dass es dazu gehört, dass einem alles andere egal wird; ich dachte immer: Wieso liebt er mich nicht genug um aufzuhören. Aber er war eben nicht wirklich Herr seiner Sinne, es hatte nichts mit mir zu tun
    - dass es dazu gehört, dass er sich selbst nur als Opfer sieht und allen anderen die Schuld zuschiebt, gleichzeitig aber sich irgendwie total minderwertig vorkommt
    - dass Reden nicht viel hilft, sondern nur Handeln

    Also, hier im Forum viel zu lesen, das ist wohl erstmal das Beste, was du machen kannst.
    Dann kannst du sein Verhalten ganz anders einordnen und langsam einen eigenen Standpunkt der Sache gegenüber finden.

    Viel Glück
    Doro

    Weißt du, ri, ich glaube manchmal, dass man bestimmte Wege einfach geht, egal ob man vorher weiß, vom Kopf her, dass es schwierig werden kann.

    Ich wusste damals bei meinem Mann von Anfang an, dass er alkoholkrank war. Ich wurde auch gewarnt, wie schwer es werden würde, ich habs trotzdem mit ihm versucht.

    Und dann, viele Jahre und eine Trennung später, geschah das Wunder und er wurde trocken und nach langem Zögern ließ ich mich einzweites Mal auf ihn ein. Alle meine Freunde und Verwandten haben die Hände überm Kopf zusammengeschlagen, aber ich war einfach verliebt und wollte das Wagnis eingehen.
    Und wir haben einige relativ gute Jahre gehabt und jetzt hat er wieder einen Rückfall und ich stehe vor dem totalen Scherbenhaufen. Stehe alleine da mit zwei kleinen Kindern, einem Haus auf Kredit und der Angst, vielleicht noch für ihn Unterhalt zahlen zu müssen.

    Trotzdem: Ich wusste damals, dass das kommen könnte.
    Ich wollte es nochmal versuchen, wollte ihm bei seinem trockenen Leben helfen, wollte Familie gründen, wollte einfach an das Gute glauben.
    Und wie gesagt, eine Zeitlang war es ja gut.
    Ich bin mir da selbst nicht böse über diese Entscheidung damals. Und schließlich habe ich ja zwei Kinder aus dieser Ehe.

    Du kanst deine Beziehungsentscheidung ja nicht abhängig machen davon, was andere sagen, ob sie dich noch so sehr warnen.
    Bleib einfach wachsam. Vor alllem, wenn du schon so eine Beziehung hinter dir hast, in der du dich aufgegeben hast, pass auf, dass das nicht wieder passiert. Mit einem Alkoholiker an der Seite (und er ist und bleibt Alkoholiker) passiert das ganz schnell, eigentlich automatisch, wenn man nicht gegensteuert. Er ist nunmal krank! Schwer krank!
    Solange er trocken ist und daran arbeitet, mag es gehen.

    Pass einfach auf, gehe vielleicht in eine SElbsthilfegruppe, auch wenn er trocken sein sollte.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo flomalu,

    klar tut das weh.

    Nur ein kleiner Denkanstoß:
    Ich mache jetzt zum zweiten Mal die Trennung von meinem alkoholkranken Mann durch.
    Beim ersten Mal wars so:
    Er hat meine Trennungsabsichten einfach ignoriert, hat immer nur gesagt: Ach, hör doch auf, solchen Quatsch zu reden.

    Diesmal wars so:
    Er tobte und schrie, ich will nichts mehr mit dir zu tun haben, wurde sehr verletztend und und und.

    Ehrlich gesagt:
    Jetzt fällt es mir leichter.
    Es tut zwar weh, wenn er mich so schlecht behandelt, aber ich finde das leichter zu ertragen als das schreckliche schlechte Gewissen, das ich damals hatte, als er so tat, als sei alles mit uns in Ordnung.

    Ich meine:
    Wenn du die Trennung auch willst, dann lass ihn toben und tobe innerlich zurück.

    Mein Mann erzählt mir, wenn ich mal ans Telefon gehe, immer wieder den schlimmsten, aggressivsten Stuss.
    In den MOmenten, wo ich es höre, verletzt es mich trotzdem. Aber hinterher wird mir immer klar: Das ist nicht er selbst. Er weiß wahrscheinlich am nächsten Tag shcon nicht mehr, was er überhaupt gesagt hat. Es hat mit meiner Person gar nichts zu tun., es ist nur sein Wahn und seine Sucht.

    Alles Gute
    Doro

    Das Thema Vergangeinheit-Löschen find ich aber trotzdem irgendwie komisch.

    Abstand ist klar, der muss erstmal sein.
    Aber Löschen?
    Ich meine, es ist doch mein Leben!
    Ich kann doch nicht einfach so tun, als hätte es diesen Mann in meinem Leben nie gegeben.
    Da belüge ich mich doch selbst.

    Ich muss doch auch die Möglichkeit wahren, meine Vergangenheit wieder aufzuarbeiten...

    Und allein für die Kinder muss ich doch Erinnerungen an ihn aufbewahren.
    (Und er wird sowieso möglicherweise wegen der Kinder immer irgendwie Teil meines Lebens sein, notgedrungen.)

    SMS'en ist vielleicht wieder was anderes.
    Aber Briefe und Bilder würd ich nicht wegtun.
    gut, jetzt im Augenblick guck ich mir auch keine an, das ist klar, aber später...?


    Meint
    Doro

    keinen einzigen :(
    :oops:

    Nu mal immer mit der Ruhe.
    :wink:

    Dafür habe ich aber jetzt wieder einen weiteren Raum des Hauses zurückerobert. Das Wohnzimmer, in dem sich mein Mann im Januar verbarrikadiert hat, um zu saufen, hatte ich bisher mehr oder weniger im alten Zustand gelassen, weil er unbedingt wollte, dass ich nichts anfasse, bis er kommt, um sich seine Sachen zu holen (oder um wieder einzuziehen. :evil: )
    Jetzt wurde es mir zu blöd, nach 6 Wochen, seitdem er weg ist. (oder sinds 5? egal)
    Hab sein Zeug in eine Kiste geräumt, saubergemacht.

    Und dort steht auch das Trainingsfahrrad, also morgen kanns losgehen.
    :!:

    doro

    Hallo Oskar, ich danke dir so sehr für deinen Beitrag, denn es erinnert mich sehr an das, was mir mein Mann so erzählt hat:
    Ich würde ihn bevormunden.
    Ich sei unerträglich.
    Ich sei wie meine Mutter. (Eigentlich ein KOmpliment, aber so war es nicht gemeint)
    (Nur das mit dem Fremdgehen fehlt, stattdessen meinte er, ich würde gar keinen anderen abkriegen. Auch nett.)

    Also mittlerweile ordne ich diese Art, mit mir zu sprechen, unter der Überschrift "seelische Gewalt" ein. Hab inzwischen ein Buch dazu gelesen, zu Gewalt in der Partnerschaft (weil er dann irgendwann auch noch aggressiver und bedrohlicher wurde), und da stand, dass diese Art der systematischen Demütigungen und Erniedrigungen eben ganz klar ein Versuch ist, Macht auszuüben, einzuschüchtern und zu manipulieren.
    Ob das bei dir auch so ist, kann ich natürlich nicht sagen.
    Aber denk mal drüber nach.
    Das geht einfach unter die Gürtellinie - man lässt es sich ne Weile gefallen, weil es ja nur Worte sind, aber mich hat es so fertig gemacht. Und das hat Methode gehabt bei ihm.

    Wenn einer die ganze Zeit so redet, weiß man am Ende nicht mehr, was falsch und was richtig ist.
    Ich brauchte gute Freunde, die mir gesagt haben:
    Nein, es ist nicht normal, wenn er so mit dir redet.
    Ja, es ist richtig, wenn du dich da abgrenzt.

    Und Schuld an seinem Trinken hast du selbstverständlich nicht.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo ri,

    klingt für mich so, als ob du dich ziemlich viel damit beschäftigst oder beschäftigen musst, ob er trinkt oder nicht.
    Das ist schon mal eigentlich nicht so gut, denke ich.
    Irgendwie zeigt das, dass da was nicht stimmt.

    Was genau stört dich?

    Bei meinem Mann war es zu seinen "nassen" Zeiten so, dass ich - und auch andere Leute, die ihm begegneten, manchmal dachte, jetzt trinkt er gar nicht mehr, weil man nichts gerochen hat oder so.
    Oder wir sind manchmal in den Urlaub gefahren und er ist dort den ganzen Tag Auto gefahren, also dachte ich: Dann scheint er doch in der Lagte zu sein, das abzustellen, wenn er will.
    Aber andererseits hat er nichts auf die Reihe bekommen und am Ende hat sich auch herausgestellt, dass das NIchttrinken bei ihm offenbar mehr so Unterbrechungen waren.
    Später war er komplett trocken, das war dann was ganz anderes, da war er richtig aktiv, war ehrlich, verlässlich und überhaupt hat man das gemerkt, dass er ganz anders drauf war.

    Aber das kann bei anderen natürlich wieder anders sein, da bin ich überfragt. :roll:

    Aber eigentlich ist es, wie gesagt, keine Grundlage, wenn du überhaupt Anlass hast, da drüber nachzugrübeln. Das belastet doch ganz schön, denk ich mir. Aber was du jetzt konkret tun kannst, weiß ich auch nicht. Schon mal gut, wenn du dir hier im Forum die Geschichten anguckst, da merkt man schon einiges.

    Und eins ist klar: Auch wenn er trocken ist, bleibt die Krankheit als solche natürlich bestehen, die Gefahr eines Rückfalls ist immer da, mit der musst du trotzdem leben.

    Ich kann mich noch gut an meine Anfänge mit meinem jetzigen Mann erinnern und im Nachhinein muss ich sagen, ich habe total unterschätzt, was für ein Riesenproblem der Alkoholismus auch für mich werden würde. Soll dir jetzt keine Angst machen, aber es ist schon gut, wenn du von Anfang an dir auch für dich Beratung und HIlfe suchst.
    Und überleg dir, ob es dir die Sache wirklich wert ist. Ich will ja hier nicht jemandem seine Liebe ausreden, aber es ist wirklich eine ganz ganz schwierige Kiste, auf die du dich einlässt, dessen solltest du dir bewusst sein, ehrlich.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Ette, kannst du mir das nochmal erklären, was du dir genau vorstellst, wenn du sagst:
    Und ganz wichtig: NICHT NUR SAGEN; ICH BIN CO-ABHÄNGIG UND ARBEITE DARAN; sondern es auch WIRKLICH und AKTIV tun.

    Die Liste hat mir gut gefallen, obwohl ich es nie übers Herz bringen würde, meine Fotos wegzuschmeißen. Er ist doch nun mal ein wichtiger Teil meines Lebens gewesen.
    Aber die anderen Dinge kann ich mir gut vorstellen.

    Meine Strategie war bisher:
    aufschreiben, was war.
    Bilanz ziehen, schriftlich.
    Das Positive nicht ausblenden, aber das Negative überwiegt einfach ganz klar.

    Doro

    Hallo Minchen,

    vieles von dem, was du schreibst, kenne ich auch von meinem Mann.

    Er hatte vor zwei Monaten einen Rückfall und dann kamen genau die Dinge, die du auch schreibst.

    Solange wir noch unter einem Dach waren, dachte ich, ich werde verrückt. Diese ganzen verbalen Erniedrigungen, die machen einen fertig, das ist auch Gewalt!!! Hab mir jetzt ein Buch darüber besorgt, das ist ganz klar so.
    Das einzige, was mir hilft, ist wirklich erstmal Abstand, bis die Bedrohung nachlässt innerlich, dass man wieder zu sich kommt.

    Versuch, dir so viel Hilfe wie möglich zu holen.
    Ich habe in der Zeit jeden Tag mit Bekannten telefoniert, die mir immer wieder gesagt haben, dass nicht ICH verrückt bin, sondern ER.
    Ich war bei einer Beratungsstelle wegen häuslicher Gewalt.
    Auch Frauenhaus wäre eine Option gewesen.

    Mir hat er auch dauernd erzählt, dass ich mit den Kindern nicht klarkomme. Und jetzt ist er schon seit 6 Wochen weg und hat sich noch nichtmal erkundigt, wie es den Kindern geht.
    Und die Kinder sind total fröhlich. (sind aber noch klein)

    Also: viel Kraft
    und liebe Grüße
    Doro

    Danke, Kathrin, bin ja schon dabei. :oops:

    Der erste Schritt bei mir ist immer, dass ich überhaupt wahrnehme, dass auch bei mir so viele Baustellen sind.

    Liste ist gut. Schriftlich jedenfalls. :!:

    Und jetzt ab ins Bett.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Chanell,

    ich bin auch noch mitten drin im Trennungsprozess und es fällt mir auch schwer.
    Habe zwei kleine Kinder mit ihm und es ist eigentlich alles ungeklärt.

    Dass es schwer fällt, ist eigentlich logisch.

    Ich gehe dann auch ab und zu ans Telefon, wenn er anruft, gerade eben wieder, aber es kommt echt nichts bei raus.
    Ich muss es mir immer und immer wieder beweisen, dass es keinen Sinn mehr hat, aber ich habe noch "Glück", dass mein Mann sich echt so total daneben aufführt am Telefon. Wenn er ein bisschen vernünftiger reden würde, hätte ich eher ein PRoblem, die Distanz zu wahren.

    Was mir ein bisschen hilft, bei meinem Trennungsentschluss zu bleiben, ist, dass ich aufgeschrieben habe, was war und warum ich alleine besser dastehe und gerade mit Kindern eigentlich überhaupt nicht mit ihm leben darf, wenn er trinkt.

    Ja, und Ablenkung hilft auch sehr gut.
    Mich den vielen anderen Dingen zuwenden, die getan werden müssen.

    Alles Gute
    Doro

    Hat man Ruhe, isses auch wieder komisch...

    Ich bin froh, nichts von ihm zu hören, aber auf der anderen Seite tauchen jetzt alte, längst vergessene Problemchen wieder hoch:
    - müsste dringend zum Zahnarzt, hab panische Angst davor
    - müsste endlich abnehmen und mich bewegen, bin echt nicht fit im Moment, bin total verspannt und ohne Körpergefühl
    - habe plötzlich Angst vor Einsamkeit, dass ich es nicht packe alleine, dass ich mich wieder komisch fühlen werde alleine, so wie es damals war, als ich Single war - Obwohl ich es jetzt besser wissen müsste, kommt ganz schnell der Neid auf die scheinbaren Bilderbuchfamilien auf...

    Solange er mich bedrängt, kann ich mir nichts Schöneres vorstellen, als alleine schalten und walten zu können.
    Bleibt er weg, rücken andere Sachen auf die Sorgenliste.

    Gerade jetzt ruft er wieder an, schluchzt nur rum am Telefon.
    Bin schon kuriert. :evil:

    Liebe Grüße
    Doro

    Oh ja, wandern ist echt das Beste!

    Ich glaube, das waren echt die glücklichsten Zeiten in meinem ganzen Leben, Wanderurlaube.

    Zwei Wochen lang jeden Tag durch Berg und Tal auspowern, mal reden, mal schweigen, und abends es sich gemütlich machen.

    Noch sind meine Kinder etwas zu klein, aber in drei oder vier Jahren will ich das wieder machen.

    Doro

    Als ich mich zum ersten Mal von meinem jetzigen Mann getrennt hatte, war ich auch erstmal absolut zufrieden alleine.

    Dass ich dann doch wieder auf Partnersuche ging, kam zu einem guten Teil durch Anregungen von außen:
    - in meinem Alter damals heirateten alle um mich rum, ständig saß ich auf irgendwelchen Hochzeiten
    - ich wurde bedauert, ich bräuchte jetzt endlich jemanden, verkupplungsversuche starteten

    Und ein zweiter dicker Punkt war der Wunsch auf Kinder.

    Erst als drittes kam auch die Sehnsucht nach Nähe und Zärtlichkeit dazu.

    Ich fand aber zunächst niemanden...
    Bis mein Ex trocken wurde und um mich warb wie ein Wilder.

    Jetzt steht es sowieso erstmal nicht auf der Tagesordnung bei mir, aber ich denke ja auch gerne mal weiter, und dann muss ich sagen, und ich hoffe, ich bleibe dabei:
    WER MEIN HERZ HABEN WILL, MUSS WIRKLICH SEHR HOHE ANSPRÜCHE ERFÜLLEN.
    Damit meine ich vor allem eins: Respekt vor meiner Person, vor meinen Bedürfnissen, meinen Gefühlen.
    Und er soll in sich selbst ruhen.

    Meine Idealvorstellung: Kein Zusammenwohnen, sondern irgendwo in der Nähe.
    Jede/r hat sein Leben, seinen Haushalt, und man trifft sich, um es sich schön zu machen. Alleine zu reisen dürfte kein Thema sein.
    Bloß es bleibt natürlich eine Balance.
    Ich hatte mal ganz früher einen Freund, der reiste gleich einen Monat lang und dann noch in Begleitung von Freundinnnen. Das war mir dann auch wieder zu viel.

    Aber ehrlich gesagt, wenn ich das so aufschreibe, steigt schon wieder Angst in mir hoch.
    Ich hab darauf eigentlich überhaupt keine Lust mehr, auf dieses Beziehungs-Hin-und-Her noch Energie zu verschwenden.

    Hielt mich eigentlich nie für eine beziehungsgestörte Person, aber jetzt bin ich wirklich ein bisschen gebranntes Kind.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Karlotta,

    ich bin auch erst seit ein paar Wochen hier, habe allerdings lange Erfahrung, leider (16 Jahre mit meinem jetzigen Mann).

    Ich finds zwar nicht toll, dass es dir schon nach so kurzer Zeit so schlecht geht, aber es ist doch wirklich toll, dass du dir jetzt schon Hilfe suchst.

    Was du beschreibst, kenne ich genauso, und mir zumindest hilft es sehr, wenn ich hier lese, dass alle Ähnliches erleben.
    z.B. die Sache mit dem Selbstmitleid
    Bei mir trifft er da immer noch auf einen Punkt, der mich runterzieht.
    Ich kann es nicht gut ertragen, wenn er heult.
    Aber wenn ich hier lese, dass es überall das gleiche ist, dann entlastet mich das.

    Das mit dem Kneifen kenne ich auch.
    Hatte früher oft blaue Flecke im Gesicht oder am Hals.
    Ist eine ganz fiese Gewalt-Geschichte, weil sie so an der Grenze ist.
    Ist keine so offenkundige körperliche Gewalt, aber dann eben doch!

    Also erstmal: Gut, dass du hier bist.
    Liebe Grüße
    Doro