Hallo Melanie,
da ich selbst Lehrerin bin, lese ich das mit Betroffenheit, was du da schreibst. Dass du total verletzt bist, kann ich echt gut verstehen, das ginge mir ganz genauso. Ich hab auch schon manchmal geheult, weil ich das Gefühl hatte: Mein Kind wird nicht in seiner Einzigartigkeit akzeptiert. Da war der noch ein Baby und er hat so spät mit dem Laufen angefangen und die Tagesmutter hat mich da immer wieder drauf angesprochen, dass ich doch da endlich was unternehmen solle, die anderen Kinder würden ihm ja schon wegflitzen. Ich dachte, mich trifft der Schlag: Fängt der Konkurrenzkampf jetzt schon an? Ich hab ihn dann zur Krankengymnastik geschleppt, mit zweifelhaftem Erfolg, aber die hat mich wenigstens beruhigt und gesagt: Kein Wunder, bei dem großen Kopp, da braucht der Körper länger, bis er sich aufrecht halten kann. ![]()
Also, das mit der Kleidung, das find ich schon ziemlich hart. Ich bin bisher nie auf die Idee gekommen, mich über sowas mit den Eltern zu unterhalten. Obwohl es vielleicht manchmal sogar im Sinne des Kindes wäre, den manche werden wegen bestimmter Äußerlichkeiten auch gemobbt. Und vielleicht ist es manchmal nur ne Kleinigkeit, den Stein des Anstoßes zu beheben. (Oft hat das Mobbing allerdings überhaupt nix mit dem Kind selbst zu tun, sondern ist einfach nur so ein furchtbarer Gruppenprozess.)
Ich selbst sehe das bei meinen eigenen Kindern ehrlich gesagt auch nicht so eng mit den Klamotten. Z.B. gibts ja manchmal Flecken, die einfach nicht mehr rausgehen. Deshalb den Pulli wegwerfen? Hhm. Aber bin mir manchmal nicht sicher, was die anderen darüber denken.
Ja, ich erleb den Widerspruch in meinem Schulalltag auch. Einerseits sehe ich schon, dass all diese Kinder natürlich liebenswert sind und jede/r seine/ihre Besonderheiten hat. So einzeln kann ich das auch gut akzeptieren, aber in der Gruppensituation entsteht natürlich ein ganz anderer Druck. Wenn da einer immer wieder aus der Reihe tanzt, muss ich ja damit irgendwie umgehen und reagieren. Gelingt mir das nicht, werden die Eltern mit ins Boot geholt, positiv ausgedrückt. Aber die sehen das teilweise auch so wie du, dass das Sache der Schule ist. Was ja auch wiederum wahr ist.
Ich möchte dich ermutigen, das Gespräch mit der Schule weiter zu suchen und nicht zuzumachen. Vielleicht verstehen sie dich mit der Zeit auch besser. Die meinen es doch auch nicht böse und sind alles nur Menschen. (Das ist ja vermutlich auch wiederum das Problem.) Aber die haben natürlich einen ganzen Haufen Kinder, um den sie sich kümmern müssen, und dann noch dieser Leistungsdruck, da liegt die Perspektive vielleicht öfter mal darauf, dass der Laden einfach laufen soll und sich der einzelne gefälligst anzupassen hat.
Na ja, Schule ist eben so ein Rahmen, da ist oft nicht so viel Raum für Individualität, wie man sich das eigentlich wünscht.
Schwäbin in Berlin - nun ja, die Berliner sind ja Multikulti gewöhnt. ![]()
Liebe Grüße
Doro