Beiträge von Doro

    Hallo Melanie,

    da ich selbst Lehrerin bin, lese ich das mit Betroffenheit, was du da schreibst. Dass du total verletzt bist, kann ich echt gut verstehen, das ginge mir ganz genauso. Ich hab auch schon manchmal geheult, weil ich das Gefühl hatte: Mein Kind wird nicht in seiner Einzigartigkeit akzeptiert. Da war der noch ein Baby und er hat so spät mit dem Laufen angefangen und die Tagesmutter hat mich da immer wieder drauf angesprochen, dass ich doch da endlich was unternehmen solle, die anderen Kinder würden ihm ja schon wegflitzen. Ich dachte, mich trifft der Schlag: Fängt der Konkurrenzkampf jetzt schon an? Ich hab ihn dann zur Krankengymnastik geschleppt, mit zweifelhaftem Erfolg, aber die hat mich wenigstens beruhigt und gesagt: Kein Wunder, bei dem großen Kopp, da braucht der Körper länger, bis er sich aufrecht halten kann. :lol:

    Also, das mit der Kleidung, das find ich schon ziemlich hart. Ich bin bisher nie auf die Idee gekommen, mich über sowas mit den Eltern zu unterhalten. Obwohl es vielleicht manchmal sogar im Sinne des Kindes wäre, den manche werden wegen bestimmter Äußerlichkeiten auch gemobbt. Und vielleicht ist es manchmal nur ne Kleinigkeit, den Stein des Anstoßes zu beheben. (Oft hat das Mobbing allerdings überhaupt nix mit dem Kind selbst zu tun, sondern ist einfach nur so ein furchtbarer Gruppenprozess.)
    Ich selbst sehe das bei meinen eigenen Kindern ehrlich gesagt auch nicht so eng mit den Klamotten. Z.B. gibts ja manchmal Flecken, die einfach nicht mehr rausgehen. Deshalb den Pulli wegwerfen? Hhm. Aber bin mir manchmal nicht sicher, was die anderen darüber denken.

    Ja, ich erleb den Widerspruch in meinem Schulalltag auch. Einerseits sehe ich schon, dass all diese Kinder natürlich liebenswert sind und jede/r seine/ihre Besonderheiten hat. So einzeln kann ich das auch gut akzeptieren, aber in der Gruppensituation entsteht natürlich ein ganz anderer Druck. Wenn da einer immer wieder aus der Reihe tanzt, muss ich ja damit irgendwie umgehen und reagieren. Gelingt mir das nicht, werden die Eltern mit ins Boot geholt, positiv ausgedrückt. Aber die sehen das teilweise auch so wie du, dass das Sache der Schule ist. Was ja auch wiederum wahr ist.

    Ich möchte dich ermutigen, das Gespräch mit der Schule weiter zu suchen und nicht zuzumachen. Vielleicht verstehen sie dich mit der Zeit auch besser. Die meinen es doch auch nicht böse und sind alles nur Menschen. (Das ist ja vermutlich auch wiederum das Problem.) Aber die haben natürlich einen ganzen Haufen Kinder, um den sie sich kümmern müssen, und dann noch dieser Leistungsdruck, da liegt die Perspektive vielleicht öfter mal darauf, dass der Laden einfach laufen soll und sich der einzelne gefälligst anzupassen hat.
    Na ja, Schule ist eben so ein Rahmen, da ist oft nicht so viel Raum für Individualität, wie man sich das eigentlich wünscht.

    Schwäbin in Berlin - nun ja, die Berliner sind ja Multikulti gewöhnt. :lol:

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo,

    ich kenne meinen Mann nicht "vor der Sucht" - wohl aber trocken.
    Und ich kenne ihn jetzt, total wesenverändert und oft wahrlich ein Monster. Das ist einfach nicht zu leugnen und keine verworrene Theorie. Das sage nicht nur ich, das sagen auch andere, die mit ihm jetzt zu tun haben und ihn von früher kannten. Nun ist er allerdings wohl in einem sehr fortgeschrittenen Krankheitsstadium und natürlich will ich nicht sagen, dass alle dieses Symptom zeigen. Sicher gibt es nasse Alkoholiker, die ganz anders sind. Für mich ist der ganze Vorgang überhaupt nur zu verstehen, wenn ich dieses extrem unsoziale Verhalten als Krankheitssymptom begreife und es ist ja auch logisch, schließlich wirkt der Alkohol ja auch im Hirn.

    Es ist doch auch für die Alkoholiker enorm wichtig anzuerkennen, dass diese Krankheit eben auch auf das Verhalten wirkt. Das entlastet doch sogar. Wär ja schlimm, wenn alle Verhaltensweisen, die nasse Alkoholiker so teilweise an den Tag legen, in ihrem ursprünglichen Charakter begründet lägen.

    Das heißt nicht, dass er im trockenen Zustand ein idealer Mensch war - wie die meisten Menschen nicht "ideal" sind. Das ist ja wohl selbstverständlich, dass es auch unter Nicht-Alkoholikern genug Charakterfehler, Schwächen, unsoziales Verhalten usw. gibt. Das hat ja nichts mit dem Alkohol zu tun.
    Trotzdem: Es war erstmal ein Unterschied wie Tag und Nacht. Er war plötzlich verlässlich, leistungsfähig und irgendwie "sozial", d.h. er konnte wieder die Grenzen sehen, die man bei anderen Menschen respektieren sollte, wenn man es sich nicht mit allen verderben will. Er war auch nicht gewalttätig (höchstens in ganz subtiler-manipulativer Art, aber keinesfalls direkt).

    Als also mein Mann damals plötzlich trocken war, bin ich vielleicht zu unkritisch davon ausgegangen, dass damit alles paletti wäre. Ich hab mir zu wenig Mühe dabei gemacht, herauszufinden, wer er nun eigentlich wirklich war. Und hab ihn vielleicht auch überfordert dabei. Dachte: Na, jetzt kann er ja normal "funktonieren" - hab selbst die Krankheit böse unterschätzt. Sie ist zurückgekommen mit unglaublicher Wucht.

    Was mich noch interessieren würde:
    Inwieweit gibt es Wesenveränderungen bei Co-Abhängigen im akuten Zustand (so würd ich es mal umschreiben). Verändert die Co-Abhängigkeit auch unser Wesen?

    Mir ist da nämlich bei mir eins aufgefallen: Ich selbst bin auch nicht gerade sozialer geworden in dieser Beziehung! Ich hab da auch ne Reihe von Freundschaftn vernachlässigt und andere zwischenmenschliche Beziehungen. Ich hab meinen Job vernachlässigt. Ich bin unzuverlässiger geworden. Ich bin jetzt dabei, nach und nach meine Wertmaßstäbe wieder zu verändern und erinnere mich dunkel daran, dass ich eigentlich schon mal anders war...

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Julchen,

    na ja, meine erste Trennung war so, dass ich mir auf die Schulter klopfen konnte. Da hätte ich theoretisch auch noch ein paar Jahre bleiben können und es war eine enorme Willensanstrengung zu gehen.
    (Hätte aber auch einige Järchen früher gehen können...)

    Beim zweiten Mal war es ja so, dass mein Mann wirklich total ausgetickt ist. Ich hab ja regelrecht Angst vor ihm gehabt und bin nachts mit dem Handy aufs Klo gegangen, damit ich zur Not die Polizei rufen kann. Es war einfach für mich so dermaßen unerträglich, dass ich es so empfinde, dass ich eigentlich nur die Wahl hatte: Selbstmord oder Trennung. Ehrlich, ich war so weit. Bin kein depressiver Typ eigentlich, aber in der Situation hab ich mich so gefühlt.

    Heißt ja nicht, dass es nicht ne Menge gibt, für das ich mir dann doch auf die Schulter klopfen kann. :D
    Aber Backmaus mit der Schulterklopfmaschine ist ja nicht mehr hier. :cry:
    Hat sie die eigentlich mitgenommen oder verwaltet die jetzt jemand anders. :lol:

    Schöne Grüße
    Doro

    Hallo Nettieken,

    ich hab mich damals auch ziemlich allein gelassen gefühlt mit der Frage...
    Ich hab zuerst mit dem Jugendamt telefoniert, da war auch so ein Herr, der das ganze Problem verharmlost hat und meinte, wenn man allen Eltern, die trinken, die Kinder wegnähme, würden die Heime überquellen...
    Idiotisch!
    Ich war damals total enttäuscht, weil ich dachte, es sei die ureigenste Aufgabe des Jugendamtes, die Kinder zu schützen.
    Später erfuhr ich, dass dieser Mitarbeiter kurz vor dem Ruhestand war und anscheinend keinen Bock mehr hatte, sich um irgendwas zu kümmern.
    Er meinte allerdings, ich müsste vor Gericht eine Regelung beantragen, wenn ich der Meinung sei, dass wir uns nicht einigen könnten. Oder so ähnlich, das hab ich aber nicht gemacht.

    Ich hatte auch das Problem, dass man meinem Mann eigentlich gar nicht so doll angemerkt hat, dass er dauernd betrunken war. Ich hab es nur an seinem aggressiven Verhalten gemerkt. Aber Außenstehende dachten oft, er sei nüchtern.

    Also, zuerst haben wir es wirklich so geregelt, dass ich versucht hab, ihn sozusagen zu kontrollieren, wenn er mit den Kindern zusammen war. Ich hab mich mit ihm getroffen, ihm die Kinder gebracht und hab versucht, mich in der Nähe aufzuhalten. Ganz schön blöd war das.

    Dann hab ich mich an die Arbeiterwohlfahrt gewandt, die hatten extra so ne Vermittlungsstelle für Umgangsprobleme. Da hab ich dann mein Problem einem MItarbeiter geschildert. Der hat daraufhin meinen Mann schriftlich eingeladen, damit wir den Umgang besprechen können. Darauf ist mein Mann aber nicht eingegangen. ER meinte, er müsse sich da nicht irgendeinem Mitarbeiter der AWO unterordnen.
    Jedenfalls war es so gedacht, dass man da eventuell einen betreuten Umgang macht, aber ich weiß auch nicht, was passiert, wenn die gar nicht merken, dass jemand alkoholisiert ist.

    Aber in einem hat mich sowohl der AWO-Mitarbeiter als auch die Suchtberatungsstelle eindeutig bestärkt: Ich habe als nüchterne Sorgeberechtigte die PFLICHT, die Kinder davor zu schützen, allein mit dem betrunkenen Vater zu sein. Insbesondere, wenn die Kinder noch so klein sind. Alles andere kann nachher dir selbst zum Vorwurf gemacht werden. Dann heißt es: Wie konntest du nur, du wusstest doch, dass er betrunken war.
    Im betrunkenem Zustand ist die Sicherheit der Kinder nicht so gewährleistet wie bei einer nüchternen Person, auch wenn es hundertmal gut geht.

    In diesem Sommer war da z.B. der Fall von einem Kind (oder waren es nicht sogar zwei), die im Gartenteich ertrunken sind, während die alkoholisierte Oma eingenickt war.
    Klar, sowas kann auch so passieren. Aber die Wahrscheinlichkeit bei Angetrunkenen ist eben höher.

    Ich kann dir nur raten, dich eben an entsprechende Beratungsstellen zu wenden, dir Verbündete zu suchen.
    Und der AWO-Mensch sagte mir auch: Ich soll meinem Mann die Kinder dann eben einfach nicht geben... Dann muss er sein Recht erstmal einklagen.
    Ich weiß, ist schwierig, weil man sich auch so böse dabei vorkommt, dem Papa die Kinder vorzuenthalten. Aber es ist eben einfach unsicher.
    Ich hab immer, wenn die Kinder bei ihm waren, große Unruhe gehabt.

    Ich drück dir die Daumen, dass du deinen Weg findest, dein Kind zu schützen.

    Gruß,
    Doro

    Also, der Satz mit dem "keine Träne nachweinen" hätte auch von mir kommen können. Sicher stimmt es nur halb. Klar ist da auch immer Trauer. Aber irgendwann ist man wirklich fertig mit solch einem Menschen und das ist auch gut so, weil es einen wirklich immer weiter runterreißen kann und derjenige, der es eigentlich in der Hand hat, der Alki/die Alki, tut nix und wird noch aggressiv.

    Ich hab mal einen Bekannten getroffen, dessen Sohn an Alkoholismus gestorben ist nach entsprechend langer Leidensgeschichte. Ich sagte: Oh, das tut mir leid.
    Er winkte nur müde ab und sagte wirklich aus vollster Überzeugung: Ne ne, es war wirklich am Ende gut so.

    Doro

    Hallo Julchen,

    meine Ehe ist gescheitert und mein Versuch, mit einem Alkoholiker glücklich zu werden, auch.
    Na und? Erstens darf man auch scheitern und zweitens hatte ich es nicht in der Hand, es lag ja nicht an mir und ich hätte nichts an der Situation ändern können.

    Ich klopf mir auch nicht auf die Schulter, dass ich gegangen bin, denn es war unausweichlich. Ich hab einfach getan, was sein musste.

    Wo ich wirklich versagt habe: Zu lange Dinge nicht sehen wollen, die eigentlich schon zu sehen waren.
    Aber das ist Schnee von gestern, ich staune nur noch manchmal darüber.

    Wenn andere zusammenbleiben, weil es eben da (noch) funktioniert...
    Na und? Da ist es eben anders. Bei jedem ist die Situation ja wieder anders gelagert.

    Ich würd da nicht so eine Leistungssache draus machen. Insofern kann ich mit "Vorbild" eigentlich auch gar nichts anfangen. Außer in dem Sinne, dass ich natürlich schon die Erfahrungen der anderen interessant finde und mich vielleicht eher was traue, was andere hier auch schon gemacht haben - wie z.B. Kontaktabbruch.

    Vorbild - na ja, es ist schon schön, wenn man sich ab und zu mal was abgucken kann von jemandem.
    Aber auf ein Podest würd ich bei allem Respekt hier niemanden stellen wollen.

    Schöne Grüße
    Doro

    Hallo!

    Ich hab leider mit meinem Mann auch die Erfahrung machen müssen, dass es Menschen gibt, bei denen hilft eben nix.
    Diese Erkenntnis war für mich lange Zeit unerträglich. Ab einem bestimmten Punkt aber auch erlösend: Wir Angehörige haben es nicht in der Hand. Ehrlich nicht. Wir dürfen aufhören, uns den Kopf zu zerbrechen und alles richtig machen zu wollen, weil es für den Verlauf der Erkrankung des Alkoholikers/der Alkoholikern relativ belanglos ist.

    Guck mal, wenn sie schon Krampfadern in der Speiseröhre hat und trotzdem weiter trinkt, dann soll sie ein bisschen Familienanschluss am Weitertrinken hindern?
    Die Ärzte werden ihr gesagt haben, dass sie sterben wird, wenn sie nicht aufhört. Braucht es da noch eine weitere Motivation von euch?
    Das ist alles lieb gemeint und sehr menschlich, was ihr da versucht. Aber irgendwie sinnlos. Leider.

    Ich wünsch euch viel Kraft zum Loslassen,
    Doro

    Hallo Gotti,
    und liebe Leute hier in Gottis Thread.

    Ich lese hier nur sporadisch, aber so ein bisschen dann doch ab und an.
    Ich wünsche dir, Gotti, natürlich auch nur das Beste und dass es mit euch beiden alles gut wird.

    Aber einen kleinen kritischen Gedanken hab ich doch, vor allem an alle, die hier in den letzten Tagen wie wild Daumen drücken, dass es mit SEINER Therapie klappt: Ist doch eigentlich ganz schön co?
    Menschlich natürlich und voll nachzuvollziehen. Aber Gotti hats ja nun mal nicht in der Hand und ich würd da schon sagen: Gotti, pass auf, dass du dich nicht aus deiner Balance bringen lässt.

    Ich kann diese Hoffnung ja verstehen und dass alle sich natürlich für euch wünschen, dass alles einen wunderschön-trockenen Fortgang nimmt.
    Aber so, wie einen die Trinkerei runterziehen kann, kann einen die Hoffnung auf Trockenheit auch so mitreißen, dass man den Verstand verliert und sich selbst mit dazu. Auch da muss es heißen: weiter bei sich selbst bleiben.

    Wie gesagt, Gotti, ich mein vor allem die Kommentare hier.

    Ich schreib als gebranntes Kind, deshalb nur....

    Liebe Grüße und alles Gute,
    Doro

    Hallo Waldliebende,

    ob Selbsthilfegruppe oder nicht, ob Trennung oder nicht, du allein machst das mit dir aus.
    Das muss hier noch nicht mal irgendwer gut finden, nur du selbst musst das gut finden.

    Ich selbst war noch nie in einer Selbsthilfegruppe. Ich wär gerne gegangen, aber ich müsste dann meine Kinder betreuen lassen, die sowieso schon oft "fremdbetreut" sind, also hab ich es gelassen. Ob es besser gewesen wäre, ich wäre gegangen... mag sein.
    Na und? Kann ich doch machen, wie ich möchte.

    Ich wünsch dir, dass es dir bald besser geht.
    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Waldliebende,

    vielleicht macht dir auch dieser Druck zu schaffen, den du dir machst, weil du denkst, dass du dich EIGENTLICH trennen müsstest (und es hier im Forum ja auch viele zu Recht vorschlagen), es aber nun mal im Augenblick nicht schaffst. Vielleicht würde es dir gut tun, dieses Thema "Trennung oder nicht" erstmal auf Eis zu legen und einfach nur versuchen, dich um dich selbst zu kümmern: deine Gesundheit, dein Wohlbefinden, was dir Freude macht. So weit wie möglich, ohne ihn zu beachten.

    Manchmal beißt man sich so sehr fest, dass man einfach nicht weiterkommt.

    Ist nur so eine Idee,
    liebe Grüße
    Doro

    Hallo Luca,

    das mit dem Neurologen kann ja nicht schaden.
    Er sollte deiner Freundin zumindest klarmachen können/müssen, dass ihr Alkoholkonsum riskant ist. Vielleicht ist sie noch nicht richtig süchtig, aber sie riskiert es auf alle Fälle.
    Und sie nimmt MEngen zu sich, die auf die DAuer körperliche Schäden mit sich bringen, denke ich, ohne Ärztin zu sein.

    Besonders bedenklich finde ich auch, dass sie es regelrecht plant und dabei alleine ist. Es ist ja nicht so das Glas Wein zum Braten, sondern wirklich ein systematisches Sich-einen-Antrinken. Das ist schon rigendwie nicht gut.

    Ich hatte neulich eine Freundin zu Besuch und ich muss sagen, ihr Alkoholkonsum hat mich auch gestört, obwohl es auch nicht wirklich viel war, aber diese Regelmäßigkeit und Selbstverständlichkeit - ich mag das auch nicht. Und ich denke da auch: Sie ist wohl nicht süchtig und wird es vielleicht nie sein, aber es ist eine Gratwanderung und über diese Gewohnheit kann eben auch Sucht entstehen.

    Bloß du selbst bist auch hochgradig gefährdet, co-abhängig zu werden, so wie du dich da mit dem Zählen der Flaschen beschäftigst. Das ist dann deine Baustelle, da auf dich aufzupassen.

    Mach's gut,
    Doro

    Hallo Luca,

    ich bin Ex-Partnerin eines Hardcore-Alkoholikers.

    Meine Gedanken zu deinem Fall:
    Ich kann deine Bedenken total verstehen, auf der anderen Seite ist es nunmal so, dass diese Mengen und die Häufigkeit eigentlich tatsächlich nicht so spektakulär sind. Also: Wie soll sie denn da darauf kommen, dass SIE ein Problem hat?
    Aus ihrer Sicht ist doch alles perfekt: Sie hat es erfolgreich geschafft, ihren Alkoholkonsum zu drosseln und hat trotzdem noch ihren "Genuss". (Ob sie sich da was vormacht, kann man natürlich nicht wissen.)
    Sie könnte also höchstens "dir zuliebe" das zweiwöchige Trinken seinlassen. Aber du hast ja geschrieben, dass sie das nicht einsieht.

    Es ist für uns Co-Abhängige eigentlich immer das gleiche Spiel: Uns bleibt nichts weiter übrig, als für uns selbst zu entscheiden, was wir mitmachen wollen. Wir können uns trennen, wir können uns arrangieren mit dem Ist-Zustand, wir können Bedingungen stellen oder Wünsche äußern und uns notfalls dann trennen, wenn diese Bedingungen nicht eingehalten werden oder die Wünsche nicht erfüllt werden. Oder wir bleiben und machen eben, so gut es geht, unser Ding. So viel mehr Handlungsmöglichkeiten bleiben nicht.
    Was wir nicht können: Die andere Person in ihrem Handeln bestimmen oder kontrollieren.

    Du könntest also beispielsweise versuchen, diese "Trinktage" bewusst für dich irgendwie anders zu gestalten, um ihr Betüdelt-Sein nicht miterleben zu müssen. Und für dich selbst das Limit setzen: Bis zu diesem oder jenem Punkt ist es für MICH noch erträglich, ab da und da nicht mehr.
    Oder du könntest ihr klar machen, dass du damit nicht leben willst, aber dann müsstest du auch zu einer Trennung bereit sein.

    NOchmal: Ich kann das total verstehen, dass es dich stört.

    Schöne Grüße
    Doro

    Hallo, ihr beiden,

    also, bei der Sache mit der Trennung, da fühl ich mich jetzt mal mit-angesprochen, weil ich da ja auch gerne in die Richtung Mut mache.
    Aber natürlich will ich niemandem eine Trennung nahe legen, der/die das gar nicht will. Wenn das so rübergekommen ist, entschuldige ich mich.

    Ich hab das bei Waldliebende so verstanden, dass sie eigentlich ne Trennung will, aber es aus irgendwelchen Gründen noch nicht umsetzen kann. Sie hat eigentlich schon ganz am Anfang von Trennung gesprochen. Damit sie nicht eines Tages ihren Mann pflegen muss.

    Wenn sowas kommt: Eigentlich will ich mich ja trennen, ABER....
    Dann hab ich eben den Impuls zu sagen: Nun los, mach doch.
    Nicht, weil ich Ehezerstörerin sein will, sondern weil ich einfach denke, dass ich vielleicht dabei helfen kann, den Mut zu finden. Und Trennung ist eben in vielen Fällen - aber nicht in allen - die Standardlösung, um wieder zu sich selbst zu finden und sein eigenes Leben zu leben.
    Aber irgendwie ist das natürlich auch wieder falsch, euch da schuppsen zu wollen, denn ihr müsst ja mit der Situation zurechtkommen - sowohl mit der jetzigen als auch - im Falle einer Trennung - mit der neuen Situation.
    Denn natürlich wird auch bei einer Trennung nicht unbedingt alles Friede-Freude-Eierkuchen und dann ist es natürlich schlecht, wenn man dann das Gefühl hat: Da hab ich mich zu was bequatschen lassen, was dann doch falsch war.

    Was ich hier auch gelernt habe: ICH bestimme das Tempo und die Richtung. Damit geht es mir am besten. Ich brauche auch nicht ungeduldig zu werden, wenn manche Veränderungen lange brauchen bei mir. Oder wenn ich vielleicht auch manche Veränderungen so für mich gar nicht will.

    Also, macht mal, wie ihr meint,
    schöne Grüße
    Doro

    Hallo Monty,

    deine Eis-Story ist ja echt 'n Ding.
    Erinnerte mich an einen Besuch in einem Eiscafe, bei dem ich einen Schwarzwälderkirschbecher bestellte, der natürlich Alkohol enthält.
    Aber das, was ich bekam, war Alkohol mit ein bisschen Eis und Sahne oben drauf. Ich konnt es nicht zuende essen, weil es mir echt zu viel war.

    Schöne Grüße
    Doro

    Hallo Waldliebende,

    niemand hat behauptet, dass es irgendwie einfach ist.
    Es ist eigentlich in den wenigsten Fällen ganz easy.
    Immer sind auch irgendwelche praktischen Probleme zu lösen.
    Das kann aber kein Hinderungsgrund sein.

    Mach doch selbst erstmal ne Anzeige.
    Warum sollte es denn sowas nicht geben?
    Und gebrauchte Möbel bekommt man doch auch zur Not, es gibt so viele Leute, die ihr Zeugs los werden sollen.
    Gut ein bisschen Geld ist vielleicht ganz gut, für Kaution, den Umzug selbst usw.

    Ich vermute, dass die wahre Hürde aber in dir drin liegt, dass du einfach Angst hast vor der Veränderung und was das alles so mit sich bringt.
    Hast du vielleicht auch Angst, was die anderen sagen?
    Ich könnte mir vielleicht vorstellen, dass es sich wie Gesichtsverlust anfühlt, das Scheitern der Ehe bekanntzugeben...
    Mir ging es bei meiner ersten Trennung so, da hab ich die ganze Wohnungssuche mehr oder weniger heimlich betrieben, nur eine einzige Freundin hatte ich eingeweiht. Meinen Eltern und Geschwistern hab ichs erst gesagt, als der Mietvertrag schon unterzeichnet war. MIr war das ganze total peinlich. Auch, weil ich ihn ja all die Jahre gegen sämtliche Kritiker in Schutz genommen hatte. Aber alle waren eher erleichtert, dass ich von ihm endlich weg war.
    Bei meiner zweiten Trennung konnte ich mir solche Schamgefühle nicht mehr leisten. Da war ich einfach nur noch am Ende.

    Vielleicht ist es DEIN Weg, die Sache zu beginnen: Erstmal Geld zurücklegen, die praktischen Dinge nach und nach klären. Und dann kannst du irgendwann sagen: So, jetzt kann es losgehen.

    Manche haben für sowas überhaupt keine Zeit, bei denen bricht einfach alles irgendwann zusammen und da ist nix mehr mit Geld beiseite legen.
    (Und die müssen es dann auch irgendwie schaffen.)

    Du musst natürlich selbst wissen, was du tust. Aber die Debatten mit deinem Mann, die sind wirklich vergeudete Energie.

    Liebe Grüße
    Doro

    Nochmal ich:

    Weißt du, Karotte, was du da schreibst, stimmt ja sicher alles. Die GEdanken, die du dir um ihn machst.
    Ist wohl auch notwendig, das für sich alles so ein bisschen zu ordnen.

    Aber mir gings so, als ich langsam anfing, mich von diesem ganzen Problem abzuwenden, entdeckte ich erst, was ich bei mir selbst in der ganzen Zeit so alles vernachlässigt hab. Das ist ein ganzer neuer Kosmos, und ich hab echt ne Menge damit zu tun. Natürlich war ich nie so weit unten wie er, aber nichtsdestotrotz ist da ne Menge, was für mich zu tun ist, wo ich in meiner Entwicklung stehen geblieben bin, um mich ihm zuzuwenden.

    Einen schönen Tag wünsch ich dir,
    Doro

    Hallo Karotte,

    ich hatte auch jahrelang mit meinem Alki-Ex einen solchen freundschaftlichen Kontakt. Hatte mich mit viel Mühe getrennt, aber das letzte Band wollte ich nicht kappen. Und hatte dann innerlich natürlich doch ganz schön Anteil an seiner Entwicklung bergab.
    Parallel war ich auf Partnersuche, aber da ergab sich auch nichts. (Vielleicht, weil ich doch nicht so richtig frei war - ich weiß es nicht. Ich dachte damals, hat nix damit zu tun.)

    Dann wurde er trocken und wir fanden uns wieder. Dann Heirat, Familiengründung, Rückfall, erneute Trennung.
    Er aber mittlerweile so weit unten, dass ein freundschaftlicher Kontakt nicht mehr geht. Ich hör zurzeit überhaupt nichts mehr von ihm und darf ihn die meiste Zeit über ganz vergessen.

    Ich hab es also selbst eigentlich nie geschafft, mich von meiner Seite aus völlig zu distanzieren, es wurde mir von seiner Entwicklung aus der Hand genommen. Deshalb weiß ich gar nicht, ob ich es jemals geschafft hätte, ihn gänzlich in die Wüste zu schicken, von mir alleine aus.
    Dennoch will ich dir sagen, dass ich einen Zusammenhang sehe, wenn du einerseits euren Kontakt beschreibst und andererseits schreibst, dass du noch Liebeskummer hast. Wenn du ihn nicht mehr sehen würdest, würde er in deinem Herzen auch nicht mehr viel Raum einnehmen, vermute ich.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Tine,

    also, all die Versuche, die er anstellt, seinen Alkoholkonsum einzuschränken, bringen ihn nicht von der Sucht weg. Das kann ne Weile hinhauen, aber früher oder später schlägt der Drang zu trinken, mehr zu trinken, wieder zu.
    Das einzige, was wirklich was bringen würde, wäre eben Entgiftung und dann eben ein trockenes Leben mit diesen ganzen Hilfestellungen (Selbsthilfegruppe und/oder Therapie). Ich bin ja selbst keine Alkoholikerin, sondern "Co", aber die ganzen Geschichten hier sind ja eindeutig.

    Also, mein Partner hat mich früher damit jahrelang hingehalten, dass ich dachte: JEtzt trinkt er weniger bzw. gar nichts. Während er vorher ständig überall Biervorräte hatte, war davon nichts mehr zu sehen, und gerochen hat man auch nichts. Auch meine Bekannten dachten: Er trinkt doch nichts mehr.
    Komisch war nur, dass sein Verhalten immer noch so war wie vorher. Und sein Bierbauch war auch nach wie vor da und wurde auch nicht kleiner.
    Jetzt weiß ich, dass er es einfach nur besser versteckt hat.

    Also: Süchtige sind Weltmeister im Verstecken und Heimlich-was-Machen. Lass dich damit nicht zu lange hinhalten.

    Suchtberatung ist doch schon mal super.
    Ich find es eigentlich nebensächlich, ob du es ihm erzählst. Erzähl es ihm doch einfach. Hauptsache, du lässt dich nicht von ihm davon abbringen. Wenn das passieren könnte, erzähl es ihm nicht.
    Du gehst da hin, um für dich selbst Perspektiven zu finden und dir den Kummer von der Seele zu reden. Für dich. NIcht für ihn.
    Die Hoffnung, dass er zur Entgiftung rennt, weil du zu einer Suchtberatung gehst, halte ich für unrealistisch. Bestenfalls reißt er sich dann ne Weile noch mehr zusammen, das hilft aber nicht wirklich weiter (siehe oben).

    Liebe Grüße
    Doro