Hallo Kaltblut!
Meine Frau und ich nutzen unsere Gespräche um einiges aufzuarbeiten was in unserer Beziehung zu Bruch gegangen ist durch dei "Familiekrankheit Alkohol" und wir sind wieder sehr Glücklich zusammen. Es hilft uns, uns gegenseitig zu verstehen und nebenbei ist es einer der Grundpfeiler meiner Abstinenz. In der Gruppe stehen wir erst noch am Anfang mit dieser Geschichte und es läuft noch etwas zäh, aber das wird schon noch. Ich hoffe es entwickelt sich was gutes daraus.
Die anderen Fragen habe ich schon oben bei Britta versucht zu beanworten.
Tschü
Beiträge von Meikel
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Hallo Britta!
Als Alkoholiker lügt man sich selbst am meisten an. Die Sucht verändert nach und nach das eigene Lebenskonzept und die Sichtweise der Dinge. Wenn ich mir überlege, was ich alles für Storries erfunden habe um ein Ausrede fürs trinken zu haben und immer mit der festen überzeugung, dass mir das auch geblaubt wird.
Natürlich haben wir auch gelegentlich Einsichten und Schuldgefühle, Scham und so weiter. Wenn wir dann sagen wir hören auf und ändern uns ist das in dem Moment durchaus ernst gemeint. Wir können es nur nicht umsetzen. Der sogenannte Kontrollverlust ist da ein gute Stichwort dafür.
Die Schuldzuweisung an andere ist ein Schutzmechanismus um weiter trinken zu können, denn wenn ich ein Schuld einsehe, müsste ich ja was ändern.
Wenn Dein Partner noch trinkt, solltest Du Dich mal über das Thema " Hilfe durch Nichthilfe " informieren.
Ach übrigens Danke für Deine Fragen.
Ciao -
Und noch nen Nachzügler!
Man muss eben auch zulassen, dass das Leben nett zu einem ist, dann wird das meiste schon von alleine. -
Hey, hey,
richtig erkannt. Das ist nämlich des Rätsels Lösung.
Jetzt musst Du nur noch etwas offen für die kleinen guten Dinge im Leben werden und lernen diese zu bemerken.
Man muss praktisch alle guten Dinge, die passieren sammeln, da kommt ganz schön was zusammen am Abend. Beispiele: oh die Sonne scheint, Toll; Oh es regnet , gut für die Blumen; die alten Turnschue die ich habe sind richtig gut und bequem, viel besser als ein paar neue; Es hat mich ein Fremder gegrüßt, dass ist aber nett; usw.
Ich wünsch Dir was
Ciao -
Hallo zusammen!
Nachdem meine Frau immer mal wieder Fragen über mein Verhalten während meiner Nassen Zeit an mich hat, habe ich das zum Anlass genommen, solche Dinge auch in unserer realen Selbsthilfegruppe mit unseren Angehörigen zu behandeln. Deshalb würde ich mich gerne über ein paar Überlegungenvon Euch zu diesem Thema sehr freuen.
Es grüßt Euch
Meikel -
Hallo ich bins nochmal,
habe noch ne Anmerkung. Ich denke auch nach sechs Jahren noch oft an Alkohol, der Unterschied zu früher ist jedoch, dass es mir kein Angst mehr macht. -
Hallo Mieken!
Als ich trocken wurde, waren meine Erwartungen ( und die sehr vieler anderer) sehr hoch. Ich wartete darauf, dass nun schlagartig alles besser wird. Es wurde alles besser, nur habe ich es eben nicht so bewußt wahrgenommen. Auch tat ich mir schwer die nötige Geduld aufzubringen. Ich wurde dann mal gefragt was denn so mein Wunsch wäre, meine Antwort war, ich wolle ein glücklicher trockener Alkoholiker werden. Mein Gesprächspartner gab mir dann zur Antwort: " jetz werden sie erst mal ein zufriedener Trockener und dann sehen Sie mal weiter. Zum Glücklich sein gehört nämlich weit mehr als nur mit dem trinken aufzuhören. "
Ab da hatte ich was kapiert. Nach sechs Jahren kann ich nun sagen, dass ich sogar sehr glücklich bin und die Zeit rückblickend betrachtet, sehr sehr schnell verging.
Gruß und etwas Geduld wünschr Euch allen
Meikel -
Hallo Stephan!
Vieles was Du geschrieben hast, erinnert mich an mich selbst vor ein paar Jahren.
Die Rituale die Du angesprochen hast sind sehr sinnvoll für uns, um unsere Lebensstruktur zu verfestigen.
Als ich meine Therapie beendet habe, ließ mich meine Therapeutin aus einem Stapel Karten eine herausziehen.
Diesen Begriff der draufstand, sollte nur ich lesen und er sollte mich für mein Leben begleiten ( was er auch tut ). Auf der Karte stand: Verantwortung. Ich war damals fest davon überzeugt, dass ich ein Arschkarte gezogen habe. Heute habe ich gelernt, dass es mir zuweilen sogar Spass macht Verantwortung zu übernehmen. Alles in allem hat diese Karte einiges in mir verändert, natürlich nicht von heute auf morgen und ich wußte erst nach langer Zeit was das Wort Verantwortung für mich bedeutet und was es in mir geändert hat.Du bist auf jeden Fall auf dem richtigen Weg und ich wünsche Dir noch ein Portion Geduld.
Ciao, Meikel
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HalloThelma!
Ich selbst habe keine Angst, da ich Betroffener bin.
Aber ich habe gestern mit meiner Frau über dieses Thema gesprochen. Sie hat mir erzählt, dass sie in letzter Zeit häufiger davon träumt, dass ich Rückfällig werde (ich bin jetzt sechs Jahre trocken). Früher wäre das nicht der Fall gewesen. Jetzt stellt sich uns natürlich die Frage, ob es Gründe dafür gibt, sei es dass ich mich anders Verhalte als sonst, wir das Thema nicht genug behandelt haben, ob sie schon immer Angst hatte und es nur verdrängt hat usw.
Daher wollte ich auch mal eine allgemeine Diskusion anregen.
In meiner SG sagen fast alle Partner, dass sie ihren Betroffen vertrauen und sie keine Ängste haben, wenn diejenigen dabei sind, sind jedoch an den Angehörigenabenden zum Teil alleine da, geben sie ihre Ängste schon mal zu.
Gruß -
Hallo allerseits!
Mich würde mal interessieren, wie ihr mit dem Thema Rückfall und der Angst davor umgeht.
Was geschieht wenn der Partner wieder anfängt?schöne Grüße
Meikel -
Hallo zusammen!
Ich muss jetzt noch mal auf den Eierlikörkuchen zurückkommen.
Ich habe schon ähnliche Erfahrung mit Leuten aus meiner realen SG gemacht, die haben sich einfach nicht getraut zu sagen, dass sie Alkoholiker, als sie Essen mit Alkohol angeboten bekamen.
Sie haben sich die Situation hinterher selbst schön geredet, sie wären der Meinung es würde ihnen nichts ausmachen.
Man muss einfach offensiv mit dieser Krankheit umgehen, denn solche Situationen werden immer vorkommen im Leben.
Also ein Apell an alle, nur Mut zur Offenheit, wir haben uns wärend unserer nassen Zeit lange genug versteckt.
LG

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Hallo zusammen!
Wenn man ein klein wenig über das Suchtgedächtnis weiß, dann ist klar, dass auch die kleinsten Mengen Alkohol sehr gefährlich sind.
Wenn man sie vorsätzlich zu sich nimmt (auch oder gerade im Essen) ist es für mich ein Rückfall und kein Ausrutscher.
Aber bitte, wem nicht so viel an seiner Trockenheit liegt.......
Ich riskiere jedenfalls nichts.
Nette Grüße
Meikel -
Hallo Yvonne!
Als ich noch getrunken habe, habe ich zum Teil auch gegen die Schmerzen getrunken um weiter arbeiten zu können (ich habe die Schmerzen dann nicht mehr so wahrgenommen aber man kann sich ja vorstellen, wie meine Arbeitsqualität war). Und dann war ich trocken, was tun? Drei Jahre habe ich dann verschiedene Schmerztabletten eingenommen mit dem Bewußtsein, dass ich als Alkoholiker Russisches Roulette spiele. Irgendwann habe ich dann gelesen, dass es wie das Suchtgedächtnis auch ein Schmerzgedächtnis gibt, also habe ich die Sache mal von der Seite betrachtet, denn mit meinem Suchtgedächtnis muss ich mich ja auch arangieren.
Inzwischen habe ich von meinem Heilpraktiker (Ärtzte besuche ich seit zwei Jahren nicht mehr) gelernt wie man die Schmerztürchen mit Hilfe von Meditation und Visualisierung schließt.
(Die Schmerztürchen verhindern zum Beispiel, das man im ersten Moment bei großen Verletzungen nichts spürt, bei einem Unfall oder so).
Meine Schmerzen sind zwar noch da, aber sie tun mir nicht mehr weh. Ich kann gut laufen und arbeiten, joggen geht zwar nicht mehr, aber das wollte ich eh erst machen, als ich es nicht mehr konnte.
lg
Meikel -
Hallo Zeppeline!
Als ich ca. 1 Jahr trocken war, erzählte mir der Gruppenleiter meiner Selbsthilfegruppe etwas, dessen Zusammenhang ich nicht verstand. Auf nachfragen sagte er zu mir, wenn Du mal ganz klar im Kopf bist, dann wirst Du das verstehen. Ich dachte damals was ist denn das für ein Spinner, ich bin trocken und doch nicht verblödet.
Jetzt bin ich sechs Jahre trocken und weiß was er gemeint hat und dass er kein Spinner ist.
Als ich die Suchtfibel vor kurzem (es war das erste Buch das ich gelesen hatte beim trocken werden) wieder laß standen da für mich zum Teil ganz andere Dinge drin als damals. Ich bin klarer und die Sichtweise ändert sich ständig und ich hoffe, dass das nie aufhört.

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Hallo Doro!
Durch "gutes Zureden und Kontrollieren und Manipulieren" gehts natürlich nicht. Vielmehr ist die "Hilfe durch Nichthilfe" der drichtige weg. Der/Die Alkoholiker/in muss die Konsequenzen seines tun selbst verantworten um früher zur Einsicht zu kommen.
Wenn man schon zu tief in der Co- Abhängikeit steckt, kriegt man das alleine natürlich nicht gebacken. Leider beschäftigen sich die meisten erst mit dem Thema wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, wie bei den Alkoholikern selbst.
Aber auch für Co-Abhängige gibt es zum Glück inzwischen Hilfe. Keinesfalls sollte man jedoch alleine herumdoktern (was natürlich die meisten machen, bis es so schlimm ist dass Sie wirklich nicht mehr können.
Grüße Meikel -
Hallo Dani!
Ich wollte nur zum Ausdruck bringen, dass es für jeden, und zwar wirklich für jeden eine Chance gibt man sollte es nur vernünftig anpacken.
Die Statistik hilft einem nur zu resignieren, bevor man angefangen hat.
Auch wenn die Einsicht jeder selbst bekommen muss, von alleine passiert das nie, man kann schon ein wenig lenken. Ist natürlich kein einfacher Weg, aber auch dafür gibt es Wegweiser, damit man selbst nicht so viel Schaden nimmt.
LG Meikel -
Hallo Erdling!
Obwohl es viele gibt, die es nicht schaffen, könntest Du der jungen Mutti doch etwas mehr Mut machen.Wir haben es ja auch geschafft.
In unserer Gruppe gibts alles, von 16-70 Jahren. Zum Glück gibt es inzwischen viele Gruppen, so das man nicht in der erst besten bleiben muss.
Vile Grüße Meikel -
Hallo Günter!
Immer gerne.
Gruß von
Meikel -
Hallo nochmal!
Ich denke Du hast es auf den Punkt gebracht. Da wir ja dadurch, dass wir unser Suchtverhalten bekämpfen, uns sehr schnell verändern, ist es natürlich um so krasser wenn man sich nicht so oft sieht. Wahrscheinlich solltest Du es Deiner Freundinn genau so erklären wie Du es hier geschrieben hast, dann hat sie eine Chance Dich vieleicht zu verstehen.
Ich wünsche Euch beiden was!
Meikel -
Hallo Espoir!
Zuerst möchte ich mal einen Satz von Dir Wiederholen, indem ich mich sofort wiedergefunden habe:
Ich bin so froh und dankbar, dass sich meine Gesprächskultur im Laufe meiner Therapie verändert hat und ich bei Bedarf ernsthaft und konstruktiv an ein Problem herangehen kann und es dabei weder bagatellisiere noch dramatisiere.Dein Problem kenne ich nur zu gut. Ich musste meiner Frau auf langem Weg verständlich machen (oder sollte ich sagen wir mussten es zusammen erarbeiten), dass der Weg den ich eingeschlagen habe für mich und somit für meine Abstinenz der richtige und ein sehr wichtiger ist. Zum Glück hat sie sich von dem Gedanken " vieleicht wird er wieder wie früher, als wir und kennenlernten" verabschiedet.
Sie kann es jetzt akzeptieren und es ist ihr allemal lieber ich bleibe abstinent und entwickle mich weiter, genauso wie sie auch.
Ich denke wir haben nach viel Geduld (fünf Jahre) einen gemeinsamen Weg erarbeitet mit dem wir beide sehr Glücklich sind.
Gruß und Geduld vo
Meikel