Beiträge von Diandra

    Hallo Sunas,

    auch von mir ein herzliches Willkommen hier.

    Also nur das ranschleppen ist keine Beihilfe :lol: denn den Kasten könnte man ja theoretisch auch unangetaset stehen lassen ...gell :)

    Mein Partner ist auch Alkoholiker und mittlerweilen befindet er sich in einer Langzeittherapie und ist somit schon seit 7 Wochen trocken. Ich habe 2 Töchter im Alter von 14 J. und 15 J.

    Es tut mir leid, dass Du so verzweifelt bist - aber vielleicht hilft Dir diese Verzweiflung ja auch, endlich etwas für Dich und vor allem auch für Dein Töchterchen zu tun. Es dauert halt, bis man einsieht, dass es so wie es ist einfach nicht weitergehen kann. Irgendwie ist das immer ein langwieriger Prozess. Darf man fragen, welche Krankheit Dir zu schaffen macht ? oder meinst Du damit die Co-abhängigkeit ?

    Ich hoffe Du bekommst hier viele Eindrücke, Tipps und Ratschläge vermittelt, die Dir auf Deinem Weg weiterhelfen werden.

    Grüßle
    Diandra

    Zitat von webby


    hallo diandra

    ja..da ist was dran...

    ich habe das ja versucht auszudrücken...solange ich noch in der co-schiene lief war ich meiner meinung nach nicht stark...erst als ich anfing mich aus eben dieser schiene zu "befreien" -seit dem wächst meine stärke wieder...so klar wie du...habe ich lange zeit nicht mehr gedacht...meinen partner sah ich nicht als meine schwäche-er wurde zu meiner aufgabe :cry:

    und ich denke das der erste schritt dafür eben das einschlagen des EIGENEN weges ist...wenn auch zuerst nur gedanklich... hm..ich krieg das nicht in die richtigen worte gefaßt...

    LG Kathrin

    Hi Kathrin,

    na auch bei mir war es erst nur ein Gedanke. Und der Druck von Familie und Freunden, die einfach nicht verstehen konnten, wieso man sich vieles gefallen lässt wurde auch stärker. Irgendwann musste ich mich fragen, ob es das Wert ist ihn dauernd zu verteidigen und damit die Liebe meiner Familie (Schwestern und Mama) und die Geduld meiner Freunde aufs Spiel zu setzen.

    Ich fing an, mich mit dem Thema zu beschäftigen. Habe viel gelesen und war einfach aufmerksamer. Ich habe gemerkt, dass ich vieles einfach nicht mehr ertragen und erdulden wollte. Es hat Monate gedauert bis ich soweit war einzusehen, dass ich daran nur kaputt gehen kann und das die Negativliste bedeutend länger war, als die wenigen positiven Dinge. Den letzten Anstoss gab mir dann mein Körper, plötzlich litt ich an psychosomatischen Störungen. Außerdem habe ich 2 Töchter, die mir sehr sehr wichtig sind und somit musste ich einfach den 1. Schritt tun.

    Grüßle
    Diandra

    Zitat von darkened

    ja, es geht mir so wie dir. ich frage mich auch oft: wann sagt sie die wahrheit? wann sagt sie das was sie wirklich meint? wenn sie nüchtern ist oder wenn sie getrunken hat? und ja, von liebe und respekt ist in diesem zustand ab einem bestimmten punkt nichts mehr zu spüren.

    die frage ist natürlich wie sie reagieren wird, wenn ich mich häufiger von ihr distanziere, da sie mir ja jetzt schon vorwirft sie zu vernachlässigen und viel zu wenig zeit für sie zu haben... aber ich muss es wohl darauf ankommen lassen.


    Hi darkened,

    Du solltest es drauf ankommen lassen. Alles andere zieht Euch beide nur weiter runter. Du musst auch mal an Dich denken.

    Nachdem ich mich dazu durchgerungen hatte klare Abgrenzungen zu schaffen war ich erst mal eher erleichtert. Irgendwie hatte ich das Gefühl Verantwortung abzugeben. Natürlich habe ich mir auch große Sorgen gemacht und mir ging es erst gut, als ich wusste, dass er einen Entzug macht und dass er danach in einer Langzeittherapie geht.

    Vorwürfe macht sie Dir so oder so darkened. Wenn sie erst mal gemerkt hat, dass es Dir wirklich ernst damit ist und Du auch konsequent bleibst wird sie sicherlich eher verwirrt sein und anfangen über ihre Situation nachzudenken. Man muss den Partner nicht aufgeben - aber man sollte ganz klar sagen, dass man sich ein weiteres gemeinsames Leben nur ohne den Alkohol vorstellen kann.

    Vorwürfe, Gespräche, an die Vernunft appellieren, wütend sein usw. das alles treibt einen nur dazu, noch extremer zu reagieren. Und das trifft meist bei beiden zu - somit wird es mit der Zeit eher immer schlimmer.

    Ich wünsche Dir, dass Du es schaffst, Dich klarer abzugrenzen.

    Grüßle
    Diandra

    :oops: soooory Henri - ich wollte Dir keinen Schreck einjagen.

    Dank dieses Forums geht es mir heute auch wieder viel besser :) Es ist halt schwierig nie zu wissen, was einen beim nächsten Mal erwartet.

    Stimmt :lol: auch ich darf mal schlechte Laune haben - ist allerdings echt schwierig, irgendwie geht mir die immer abhanden *gg*.

    Ich denke meine Erwartungshaltung sollte ich immer eher bei null halten, war wohl mal wieder zu euphorisch und meine Voraussetzungen für dieses Treffen sahen wohl anders aus als seine.

    Ich denke, ich werde mich einfach ein bisken zurücknehmen und alles weitere wird sich wieder von selbst finden. Sicherlich ist es so, dass er irgendwann merkt, dass man sich selber hin und wieder auch anpassen muss, weil sonst wird es wohl kaum noch zu Gemeinsamkeiten kommen.

    Wie heißt es so schööön: In der Ruhe liegt die Kraft - oder abwarten und Tee trinken :)

    Es tut wirklich gut, hier seine Gedanken reinzuschreiben - am nächsten Tag sieht manches schon wieder ganz anders aus.

    Grüßle
    Diandra

    Hallo darkened,

    erst einmal ein herzliches Willkommen hier :D

    Was Du da so beschreibst, kommt mir sehr bekannt vor.

    Mein Partner litt auch unter Magengeschwüren und wurde wegen eines Durchbruchs notopiert. Auch ich habe damals gehofft, da er ja dem Tod sozusagen gerade noch von der Schippe gesprungen ist, dass ihn das zum Nachdenken bringt bzw. dass der Schock so tief sitzt, dass er die Trinkerei einfach bleiben lässt. Aber leider hat ihn das überhaupt nicht abgeschreckt, er lebt ja noch und es ist gutgegangen. Und ohne Magengeschwüre hat es sich ja auch wieder richtig gut gelebt.

    Auch die Beschimpfungen sind mir nicht fremd. Ich denke mal, wenn man anfängt sich zu distanzieren, dann sieht der trinkende Partner seine Felle wegschwimmen bzw. wenn er genug getrunken hat, ist jegliche Liebe oder Respekt usw. kurzfristig verloren gegangen.
    Manchmal habe ich mich auch gefragt, ob er gerade im trunkenen Zustand nicht die "Wahrheit" sagt - also da Dinge ausspricht die er denkt, aber im nüchternen Zustand sich nicht getraut zu sagen.

    Je höher der Alkoholkonsum wurde, desto agressiver war auch mein Partner. Vielleicht deswegen, weil auch ich merklich wütender wurde - ich denke mal, das ist wie eine Spirale - man schaukelt sich gegenseitig immer mehr auf.

    Was Du tun kannst ? Einen kleinen Vorteil hast Du. Ihr habt getrennte Wohnungen. Du könntest Ihr z. B. klar und deutlich erklären, dass Du für sie da bist, aber in Zukunft nur noch, wenn sie absolut nüchtern ist. Vielleicht regt es sie zum Nachdenken an, wenn sie merkt, dass Du ihr nicht mehr alle "Wege" offen hälst, wie z. B. ihr aus unangenehmen Situation raushilfst usw.

    Ich hoffe, Du findest einen guten Weg der Euch beiden hilft, aus diesem Teufelskreis rauszukommen.

    Lieber Gruß
    Diandra

    Zitat von webby

    2. selbstbewußt?..jou dacht ich auch..und alle die mich kannten oder noch kennen würden drauf wetten, dass ich verdammt selbstbewußt bin...BIN ICH GAR NICHT !!!... warum lasse ich mir das gefallen?... welcher mensch läßt sich immer wieder anlügen?verars...? jemand der sein eigenes wohl an das eines anderen knüpft, weil er meint allein nicht zu können :wink: selbstbewußt? nö !!!

    3
    LG Kathrin

    Hallo Kathrin,

    beim ersten Durchlesen Deines Beitrages habe ich erst mal zustimmend genickt. Wenn ich aber eine Zeit drüber nachdenke und meine Situation vergleiche, dann finde ich schon, dass ich "stark und selbstbewusst" bin. Natürlich habe ich das klassische Verhalten eines Co-abhängigen runtergespult; wäre ich aber nicht stark genug gewesen, dann hätte ich entweder das gleiche Verhalten wie mein Partner angenommen oder aber ich wäre mit "fliegenden Fahnen" ganz weit weg abgedüst.
    Und selbstbewusst bin ich auch - nicht durch meinen Partner ! Ich sitze nämlich schon seit meiner Kindheit im Rollstuhl. Fast alle Ziele, die ich mir für mein Leben gesteckt habe, habe ich erreicht.

    Und meinen Partner sehe ich eher als eine meiner "Schwächen" an. Immerhin weiß ich, welch ein wertvoller Mensch darin steckt. Ich weiß aber auch, welch einer Mensch er sein kann, wenn er trinkt. Unser Umfeld kennt ihn überwiegend nur trinkend - ich kenne aber auch die andere Seite. Sprich: damit meine ich jetzt nicht gerade Trinkpausen. Ich gebe zu, dass "Sturheit" auch eine Schwäche von mir ist :wink:

    Ich denke schon, dass ich mich kontinuierlich weiterentwickelt habe und gerade weil ich viele Dinge selber machen musste flott gemerkt habe, dass ich das auch kann. Mein Partner dagegen hat eher stagniert - er hatte nur noch diese eine Sache im Kopf und hat höchstens eine gewisse Clevernis an den Tag gelegt um seine Sucht auszuleben. Zum Ende hin hat er aufgegeben - dafür reichte die Clevernis nicht mehr und zum Trost und um zu vergessen, gabs dann die doppelte Dosis. Er konnte mich eine lange Zeit manipulieren - ja - das sehe ich auch so. Aber einen Tiefpunkt hatte er erreicht, als ich nicht mehr so leicht manipulierbar war.

    Grüßle
    Diandra

    So Tage wie heute brauche ich nicht wirklich :cry:

    Unser kleines Kätzchen hat den Fernseher mal eben unter Wasser gesetzt - soviel zu "graziösen und eleganten Bewegungen" einer Katze :? Also wollten wir heute einen neuen Fernseher besorgen. Der Vorschlag kam von meinem Partner, dass wir das heute erledigen könnten, damit ich auch wieder fernsehen kann.

    Also habe ich mich nach der Arbeit auf den Weg gemacht und den Gnädigsten abgeholt. Schon bei der Fahrt habe ich gemerkt, dass er irgendwie sehr still war und so gar nicht gut drauf war. Also war ich dann auch mal lieber still. Wir sind durch einige Geschäfte und haben dann ein Gerät gefunden - preislich ungefähr nach meinen Vorstellungen. Er brummelte vor sich hin - das Gerät gefiel ihm nicht - also wollte ich schon wieder raus. Nee das war ihm auch nicht recht - Gerät gekauft - ab nach Hause - eingestellt - bitte schön - dann laß uns mal fahren :shock: so ala - da haste nen Fernseher und gut ist.

    Habe ihn dann ganz flott in seine Heimat gebracht - und siehe da - kaum waren wir auf dem Hof und seine Leutchen kamen an das Auto, da war er wie ausgewechselt. Charmant, redselig, lachend. Da er dort jemanden was versprochen hatte mitzubringen, es aber vergessen hat, weil sein Kopf ja heute so leer ist, muss er dieses Teil nu unbedint am Freitag abholen - jau - ich bin ja immer da :?

    So ein Verhalten frustriert mich nu wieder total. Kann man nicht gleich sagen, laß uns das verschieben mir geht es heute nicht so besonders ? Immerhin hatte ich vorher kurz angerufen um zu fragen, ob es heute wirklich okay ist *kopfschüttel*.

    Na gut, werde ich wohl demnächst mal deutlich sagen, dass er gerne vorbeikommen kann, aber bitte nur dann, wenn er es auch wirklich will.

    Man ist das eine Gratwanderung :cry: Diese Spannungsfelder sind unglaublich - heute so, morgen so.

    Zitat von marco_1974

    Ich merke nur, wie sehr mir das oft an der Motivation nagt. Heute habe ich mit ihr gesprochen und ihr gesagt, dass ich mir wünschen würde, dass wir uns darauf einigen, dass das allerwichtigste ist, dass ich nicht wieder anfange zu trinken. Und das das auch ihr Ziel sein sollte. Ist das vermessen, um so etwas zu bitten? Tue ich ihr damit schon unrecht und setze mich in eine Position, die mir nicht zusteht?

    Wir gehen schon zurzeit mit Samthandschuhen miteinander um, was auch wirklich wichtig ist. Aber meine Unsicherheit und die Angst, dass mich irgendetwas so umhaut, dass ich doch wieder saufe ist echt groß.

    Grüße

    Marco

    Es ist nicht so, dass das Vertrauen ganz weg ist - aber wieviele Situationen gab es, wo gesagt wurde: Ich trinke nie wieder. Die Hoffnung, dass es tatsächlich irgendwann so sein wird, gibt man so schnell nicht auf. Aber man wurde auch oft enttäuscht. Es ist einfach schwierig nun umzuschalten, aber ich denke, die SHG wird Deiner Schwester da sicherlich neue Einsichten bringen. Es ist einfach ein Lernprozeß und Denkanstösse von anderen Betroffenen sind da sicherlich sehr hilfreich.

    Ganz sicher ist es nicht vermessen, dass Dein größter Wunsch ist, stark zu bleiben und es endlich zu schaffen, trocken zu bleiben. Es wird auch sicherlich ein großer Wunsch Deiner Schwester sein. Aber diese neue Situation ist einfach noch viel zu frisch; man legt nicht so schnell seine alten Gewohnheiten ab als Co. Da hilft wirklich nur viel reden, ehrlich mit Gefühlen umgehen und es aussprechen, mit der Zeit wird es dann besser und auch das Gefühl, sich gegenseitig mit Samthandschuhen anfassen zu müssen, wird dann weniger.

    Verlier nicht Dein Ziel aus Unsicherheit oder Angst aus den Augen. Das wichtigste ist, dass Du stark bleibst und Deinen Weg gehst. Es gehört sicherlich dazu, auch mal Ärger oder Meinungsverschiedenheiten zu haben, aber mit Ehrlichkeit, mit Gefühlen und offenen Gesprächen kann man eine Menge erreichen. Du solltest Dich auch nicht davon abhängig machen, dass Deine Schwester sich nur gut fühlt.

    Laßt Euch einfach mehr Zeit, geht es langsam an und verstumme nicht, weil Du das Gefühl hast, so willst Du das nun auch wieder nicht.

    Grüßle :D

    Hallo Marco,

    erst einmal toll, dass Du schon 15 Tg. geschafft hast. Habe schon einige Beiträge von Dir hier verfolgt. Sie haben mir auch geholfen, ein paar Dinge in einem anderen Licht zu sehen. Mach einfach weiter so :D Ich wünsche Dir auf alle Fälle alles alles Gute für Deinen weiteren trockenen Weg.

    Als mein Partner nach dem Entzug wieder nach Hause kam, war ich optimistisch und auch ein wenig erleichtert, dass er sein Suchtproblem nun endlich angegangen ist. Ich bin ihn auch öfters besuchen gegangen und wir haben viel geredet.

    Als er dann wieder zu Hause war, habe ich natürlich versucht nicht misstrauisch zu wirken und all seine Schritte zu überwachen. Trotzdem war ich hin und her gerissen. Und wenn er mal launisch war, fingen sofort die Zweifel wieder bei mir an. Einerseits war ich überrascht, wie anderes er in seiner nüchternen Zeit war und habe es genossen, andererseits war ich doch immer mal wieder in Versuchung ihm weiterhin "Steine" aus dem Weg zu räumen. Es waren wirklich sehr zwiespältige Gefühle.

    Ich denke, es dauert eine ganze Zeit, bis man sich wirklich wieder entspannen kann. Man muss gemeinsam in den "neuen" Weg reinwachsen. Und sicherlich ist es gut, dass Deine Schwester auch in eine SHG geht. Irgendwann mit der Zeit wächst dann auch wieder das Vertrauen. Wichtig für das "enge" Umfeld sind einfach Gespräche. Aussprechen, wenn es einem nicht gut geht und warum. Dann weiß man, woran man ist und fängt nicht wieder an ins "alte" Muster zu verfallen.

    Grüßle
    Diandra

    Hallöchen,

    Henris Aussage: "Nach sechs Wochen Thera hat er sich bereits verändert und es werden noch sehr viele Kleinigkeiten kommen, die du von ihm anders gewöhnt bist." ist mir gestern noch lange durch den Kopf gegangen und ich habe drüber nachgedacht.

    Veränderungen sind gut - wenn man so viele gemeinsame Jahre miteinander verbracht hat. Der Alltag schleicht sich ja doch im Laufe der Zeit ein und der Alltagstrott hält einen gefangen. Somit freue ich mich eher auf die kleinen Veränderungen.
    Außerdem habe ich viele Jahre viele Dinge eher allein entschieden. Es wäre wirklich schön, seine Sichtweise (die er dann endlich hat) zu hören, zu diskutieren, auch mal nicht meinen Kopf durchzusetzen, weil die andere Sichtweise viel plausibler erscheint.

    Spannend ist und wird es allemal. Aber ich denke, um interessant zu bleiben, muss ich auch an mir arbeiten; ansonsten wird er eher immer das Gefühl haben, dieses früher Leben mag ich nicht mehr haben und sie erinnern mich einfach zu sehr daran bzw. haben sich so gar nicht verändert.

    Und Zeit haben wir - ja - und Zeit werden wir uns lassen ! Eins nach dem anderen diesmal und das in kleinen Schritten. Auch wenn es schwer fällt, aber was sind 20 Jahre Trinkerei gegen 1 oder 2 Jahre die er braucht, um ein für sich zufriedenes trockenes Leben leben zu können.

    Grüßle
    Diandra

    Hallo Henri,

    ich denke mir auch, dass sich noch einiges ändern wird im laufe der Zeit. Auch ich werde mich sicherlich in der Zeit ändern. Für ihn ist es sicherlich auch eine Gratwanderung zwischen zwei verschiedenen "Leben" hin und her zu wandern. Stell ich mir auch nicht gerade einfach vor. Deswegen halte ich mich auch mit negativen Bemerkungen zurück.

    Dass das Selbstbewusstsein gesteigert wird bzw. das er auch nein sagen kann und will, kommt schon deutlich rüber. Vor kurzem hatten wir so eine Situation. Er kam uns besuchen und sagte: Ich geh nachher zur Friedrichstraße. Meine Antwort: okay - mach das. Kurze Zeit später das gleiche Spiel. Er hat tatsächlich erwartet, dass ich aus diesem Satz erkenne, dass er möchte, dass ich mitkomme. Da bin ich aber nun wirklich der Meinung - wir kennen uns sooo lange, dass er wissen sollte, dass er nur nett Fragen braucht, ob wir dort nicht gemeinsam hingehen wollen. Gut wärs gewesen.

    Später erklärte er mir dann, dass sie halt bestimmt und deutlich sagen sollen, was sie wollen. Das ist für mich wieder echt schwierig nachzuvollziehen, weil hellsehen kann ich nicht; kann aber verstehen, dass er nicht von jetzt auf gleich einfach wieder umschalten kann.

    Hoffentlich finden wir eine gemeinsame Basis, wo beide mit der neuen Situation zurechtkommen.

    Der heutige Tag war übrigens ganz nett - nicht so verkrampft wie die letzten Male.

    Ich wünsche allen hier einen wunderschönen Sonntag :D

    Grüßle
    Diandra

    Hallöchen,

    nun sind schon 6 Wochen vergangen, in denen mein Partner sich in der Langzeittherapie befindet. Vier Wochen durfte er nur in Begleitung das Gelände verlassen. Wir waren weiterhin in Kontakt, d. h. 2 x die Woche habe ich ihn für ca. 2 Std. besucht; hin und wieder auch mal telefoniert.

    Seit 2 Wochen darf er nun wieder seine Freizeit selber bestimmen und ist stolzer Besitzer seines Haustürschlüssels :)

    Mir war und ist klar, dass es keine einfache Zeit sein wird. Aber die Entfremdung ist schon da. Lt. Telefongesprächen freut er sich bei uns vorbeizukommen; ist er dann da, weiß er gar nicht so recht was mit uns anzufangen bzw. er fühlt sich doch sichtlich unwohl. Sitzen wir draußen zusammen, fällt ihm der Umgang mit mir viel leichter. Manchmal kommt mir nun in den Sinn, dass es besser ist, sich eher nicht zu sehen, als dieser verkrampfte Umgang miteinander.

    Morgen will er nun für den ganzen Tag kommen und auch erst spät Abends wieder zurück. Im Moment habe ich ein leicht unwohles Gefühl bei dem Gedanken.

    Ich bin aber froh, dass er sich in seiner Gruppe gut eingelebt hat und auch mit seinen Leutchen prima klarkommt.

    Wir stehen ja noch ganz am Anfang und eigentlich bin ich sehr froh, dass wir doch noch in einer Stadt leben und somit keine sehr weiten Wege fahren müssen um uns zu sehen :)

    Grüßle
    Diandra

    Hallo liebe Lotte,

    Hilfe in dem Sinne wie Du sie wahrscheinlich gerade suchst kann ich Dir nicht bieten, aber ich kann Dir ein wenig von meinen Erfahrungen schildern.

    Das was Du hier gerade beschrieben hast, kenne ich zur genüge. Dieses heimliche Trinken wenn man nicht da ist, das leugnen. Hin und wieder nüchterne Tage, Versprechungen usw. all dies habe ich auch erlebt.

    Gespräche, Apelle an die Vernunft, den eigenen Ärger zeigen, ganz egal welche Versprechungen gemacht wurden, nichts hat im Endeffekt gefruchtet. Hin und wieder hat er sich etwas mehr zusammengerissen, aber die Sucht war dann doch immer stärker.

    Ich musste einsehen, dass ich gar nichts tun konnte. Ich konnte nur etwas für mich tun, indem ich ganz deutlich gesagt habe, dass ich dieses Leben nicht mehr weiterführen werde. Allein schon wegen unserer beiden Töchter. Er ist nun freiwillig in eine Langzeittherapie gegangen, weil ihm klar geworden ist, dass eine räumliche Trennung auf alle Fälle erfolgt wäre.

    Er weiß, dass ich für ihn da bin - Voraussetzung ist und bleibt aber die absolute Nüchternheit, ansonsten würde ich sofort jeglichen Kontakt abbrechen. Ich kann nun nur seinen Weg mitverfolgen und abwarten, ob er den Sprung in ein zufriedenes nüchternes Leben schafft.

    Grüßle
    Diandra

    Hallöchen hier bin ich mal wieder.

    Leider hat es nicht geklappt. Mein Partner ist noch 2 x rückfällig geworden und schweren Herzens muss ich wohl einsehen, dass alle anderen Recht haben.

    Den ersten Schritt haben wir nun gemacht - Er ist nun in einer Langzeittherapie.
    Den zweiten Schritt muss ich jetzt allein machen - mich Abgrenzen, einen eigenen Egoismus zu entwickeln und den "ungeliebten" Alltag allein zu bewältigen. Mein Partner war mit unserem "Alltag" wohl überfordert. Nun darf ich diesen Part mitübernehmen und soll mich dabei noch wohl fühlen :? Aber ich hoffe, auch das werde ich gut in den Griff bekommen.

    Ist schon irgendwie merkwürdig. Mein Partner darf sich jetzt auf sich konzentrieren, muss an sich arbeiten, hat feste vorgeschriebene Hausarbeitszeiten, jede Menge Freizeitangebote und natürlich auch Gruppen- und Therapiegespräche.

    Ich darf jetzt das doppelte Quantum erledigen - immerhin bleiben mir ja meine beiden Kinder, der Haushalt und meine 8-10 stündiger Job gehört auch dazu. Dabei sollte ich dann noch gucken, Zeit für eine Therapie zu finden.

    Was kann ich nun für mich lernen ? Mich Abgrenzen ? Gesunden eigenen Egoismus zu entwickeln ? Warten ....auf was ? Mein eigenes Leben lebe ich ja eigentlich (Job, Kinder).

    Ich bin wirklich gespannt, was nun werden wird. Ob wir uns tatsächlich auseinanderentwickeln, ob unsere vielen gemeinsamen Jahre trotzdem weiterhin Bestand haben werden. Ich fürchte, um nicht in Selbstmitleid zu versinken, muss ich jetzt erst mal meinen eigenen Weg gehen und mir auch einen neuen Weg mit Veränderungen suchen müssen.

    Grüßle
    Diandra

    Hallo Karsten,

    ich hatte mein erstes gemeinsames Gespräch mit der Psychologin und meinem Partner. Sie hat erst mal deutlich gemacht, dass sie schon viele Jahre mit Suchtkranken arbeitet.

    Die Tagesklinik hat sie auf "Eis" gelegt, weil sie das Gefühl hat, er will eigentlich gar nicht so richtig. Außerdem hat sie Andeutungen gemacht, dass es Alkoholiker gibt, denen kann man nicht mehr helfen, weil gewissen Hirnzellen bei denen durch das Trinken abgestorben sind, die normalerweise die Sucht in den Griff kriegen. Ähm also davon habe ich nun noch nie was gehört.
    Ich werde sie beim nächsten Mal fragen, was man bitte schön mit diesen Menschen dann macht.

    Da mein Partner nicht gerne viel redet kann man davon ausgehen, dass er oft ja und amen gesagt hat, oder manches klingt ja auch erst mal recht schlüssig - jedenfalls so lange, bis man dann eine andere Meinung hört und dann wankt man wieder.

    Beim 2 Entzug hatten wir ja diese Kontaktsperre, danach kam er in eine kleine WG und ganz langsam haben wir unseren Kontakt in 11 Monaten wieder aufgebaut.

    Meines Erachtens ist die Diakonie eher darauf geeicht, die Leute komplett aus ihrem Umfeld zu lösen und sie neu aufzubauen.

    Naja - ich werde jetzt erst mal sehen, wie das 2. Gespräch in 2 Wochen weitergehen wird. Sicherlich wird es nicht einfach, sie hat gemerkt, dass ich nicht zu allem ja und amen sage und bequemerweise nur nicke.

    Einiges, wo ich ganz anderer Meinung war wie die Psychologin, konnte sie nicht widerlegen bzw. manches was sie gesagt hat, konnte ich passend in meine Sicht der Dinge wiedergeben.
    Ich hatte ein wenig das Gefühl, sie sieht mich jetzt als "Gegnerin". Mal sehen, wie es weitergehen wird.

    Grüßle
    Diandra

    Hallo Chiara,

    ich danke Dir für Deine lieben Worte. Es gibt doch ein wenig Hoffnung, dass es anders angegangen werden kann und dass es sich lohnt zusammen zu kämpfen :)

    Wenn mir mein Partner sagen würde, dass ich ihm nicht gut tue bzw. er seinen eigenen Weg gehen will und muss, dann muss ich das akzeptieren. Aber dieses bisherige "entscheiden" ohne mich einzubeziehen - finde ich unmöglich.

    Deine Worte haben mir jedenfalls eine Menge gegeben - Danke.

    Lieber Gruß
    und ich wünsche dir weiterhin alles alles Liebe und Gute und die Kraft so weiterzumachen, wie ihr es bisher geschafft habt :D

    Diandra

    Hallo Chrissyta,

    harte Worte und nicht ganz fair.

    Ich bin nicht gegen einen Klinikaufenthalt. Wenn er diese 4-6 Monate braucht, wäre ich die letzte, die sich dagegen wehren würde. Und wenn diese Klinik in einer anderen Stadt weit weg ist, dann ist das eben so - seine Gesundheit und sein Weg zufrieden trocken zu leben sind sehr wichtig, sowohl für ihn als auch für uns.

    Aber 18 Monate in eine WG zu kommen um "Alltag" zu leben und nebenbei ein wenig therapiert zu werden - diesen Weg sehe ich nicht als den richtigen an - im Gegenteil - die Rückfallquote in den beiden angebotenen Häusern sind sogar relativ hoch - das macht keinen Sinn.

    Wenn Du damit meinst, dass mir in einer Therapie erklärt wird, warum Angehörige so ziemlich das letzte Glied in dem gesamten Dilemma sind bzw. nur dann zögerlich mit einbezogen werden, wenn sie lautstark aufmucken - bin ich gerne bereit mich therapieren zu lassen.

    Hätte ich kein Selbstwertgefühl, dann wäre ich schon "unbekannt" verzogen mit all dem Ärger dem man mal ausgesetzt war. Wahrscheinlich ist es einfacher einen Schlussstrich zu ziehen und sich den angenehmeren Dingen des Lebens zuzuwenden - anstatt zu kämpfen. Es ist ja nicht gerade so, als würde ich auf Biegen und Brechen versuchen ihn umzustimmen oder zu halten. Viele lange Gespräche in seiner "trockenen" Zeit haben dazu geführt, 25 gemeinsame Jahre nicht einfach "wegzuwerfen" und das Ziel soll sein - die nächsten 25 "guten Jahre" nun auch gemeinsam zu geniessen.

    Wie gesagt, mit mir kann man reden (Therapeuten usw.) und lernfähig bin ich auch - aber Dinge die sich Widersprechen schlucke ich nicht, nur weil eine Psychologin oder ein angelernter Betreuer sich eine Meinung bilden ohne "alle" Parteien wenigstens 1 x gesehen und gesprochen zu haben.

    Grüßle
    Diandra

    Hi,

    ich würde gerne ein bißchen Frust ablassen. Gestern war mal wieder so ein Tag.

    Nachdem mein Partner 10 Tg. auf Entzug in einer Klinik war wurde er entlassen. Er hat wieder Kontakt zu seinem früheren Betreuer und auch zu seiner Psychologin aufgenommen. Bei ihr hat er direkt am anderen Tag einen Termin bekommen. Es ging darum, wie es weitergehen soll. Was man verstärkt machen sollte usw.

    Er kam ziemlich niedergeschlagen wieder. Weil der Platz in einer Tagesklinik wird jetzt erst mal auf "Eis" gelegt. Obwohl sie mich noch nie gesehen hat, geschweige denn auch nur ein Wort mit mir gewechselt hat, ist sie der Meinung, er muss zu Hause raus - und ein 18monatiges betreutes Wohnen in Angriff nehmen.

    Es ist einfach superklasse wie man so eingeordnet wird.

    Der Alkoholiker fühlt sich schuldig, weil wegen der Trinkerei und was er damit alles angerichtet hat. Wenn er nicht mehr trinkt, fühlt er sich irgendwie schuldig, weil er das Gefühl hat mir "meinen Spaß" zu nehmen, da ich freiwillig darauf verzichte die 3 Glas pro Jahr zu trinken, die ich sonst immer getrunken habe. :cry:

    Die engere Familie (Eltern, Geschwister) halten einen für verrückt, weil man in dem Alkoholiker trotz allem und gerade weil er schon eine längere Trockenphase geschafft hat noch den wertvollen Menschen sieht, der darin steckt. Da gibts Diskussion - wirklich sehr aufbauend :(

    Psychologen stempeln einen gleich als für den Alkoholiker wertlos ab. Immerhin hat er ja zu Hause angefangen zu trinken. Da gibt es kein Gespräch oder Interesse, welcher Angehörige dahinter steckt - ich bin schlecht für ihn - basta :x

    Der damalige Betreuer aus seiner 11monatigen Wohngemeinschaftszeit fand es überhaupt nicht gut, dass mein Partner wieder zu uns ziehen wollte, obwohl die damalige Psychologin da ganz anderer Meinung war. Also wurde meinem Partner erzählt, ihm fehle noch wichtiges "Handwerkzeug" um trocken zu bleiben und wenn ich ihn einfach so vor die Tür setzen würde, dann hätte er ja wieder so gar nichts :shock: Da wurden regelrecht Ängste geschürt.

    Aus alledem kann ich nur eins erkennen. Niemand - egal welche Seite man sieht - ist daran interessiert, wieder ein intaktes Familienleben zu fördern.

    Liegt es vielleicht daran, dass man einen Menschen, der nichts und niemanden mehr hat besser neu formen kann ? Widerspruch von dritter Seite nicht gern gesehen wird ?

    Leider etwas lang geworden und bestimmt von Thema zu Thema gesprungen - irgendwie.

    Grüßle
    Diandra

    Hallo fiftyniner,
    hallo rednaz,

    ich danke Euch für Eure Antworten. Damit habe ich schon einen kleinen Überblick gewonnen und 16 Wochen klingen auch nicht so erschreckend wie 18 Monate WG in einem Haus wo mein Partner ein "strukturiertes Leben" lernen soll. Sprich: Früh aufstehen, Frühstücken, gewisse Hausarbeiten erledigen, evtl. Einkäufe und dazwischen dann halt Gruppen besuchen und eine Therapie machen und sich mit Behörden usw. auseinandersetzen.
    Das sind alles Dinge, die er zu Hause immer gemacht hat. Wenn er das in der WG macht, heißt es zu lernen wie man sich den Tag einteilt. Wenn er das zu Hause macht, heißt es sie funktionieren ja nur noch wie ein Roboter. Es gibt so einige Dinge, die sich irgendwie widersprechen.
    Was mich aber wirklich ärgert ist einfach die Tatsache, dass obwohl Betreuer, Psychologe usw. genau wissen, dass wir daran arbeiten auch weiterhin eine Familie zu bleiben, sich niemand bemüht, wenigstens 1 x mit einem zu sprechen um zu sehen - mit wem haben wir es denn da überhaupt zu tun. Um es ganz krass auszudrücken, Familie ist schlecht - nur in der WG kann er wieder zufrieden werden.

    Fakt ist aber auch: In den beiden Häusern, die vorgeschlagen wurden ist die Rückfallquote nicht gerade gering. Somit erscheint mir dieses Konzept auch nicht gerade das "gelbe" vom Ei.

    Grüßle
    Diandra

    Hallo Ihrs,

    wäre schön, wenn mir jemand erklären könnte, was genau eine Langzeittherapie bedeutet. Was dort so alles gemacht wird und was sie so bewirkt hat. War es die richtige Entscheidung dafür. Mir ist klar, dass das eigentlich jeder für sich entscheiden muss und jeder anders empfindet.

    Es ist im Gespräch, dass mein LG in eine Langzeittherapie von 18 Monaten gehen soll. Dort käme er dann in ein betreutes Wohnen.

    Er war schon mal für 11 Monate in einer kleinen betreuten Wohngemeinschaft.

    Grüßle
    Diandra