Beiträge von Sonnenstrahl

    Hallo zusammen,

    ich bin gerade ziemlich aufgewühlt und spüre trotzdem eine Art Kampfgeist in meinem Inneren.

    Heute morgen war ich wieder bei meiner Psychologin und wir haben erneut über mein Verhalten in Freundschaften und Beziehungen gesprochen. Es wird immer mehr klar, dass ich mich in jeder Art von menschlicher Beziehung, ob in der Partnerschaft oder mit sonstigen Menschen ziemlich schnell in die Kinderrolle begebe. Am Anfang lerne ich jemanden kennen und der andere hat meist den Eindruck von mir, ich sei eine selbstbewusste, starke Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht. Sobald aber meine "Leidensgeschichte" und Probleme zur Sprache kommen, verhalte ich mich immer mehr wie das Kind, das ich früher war, das die Mama brauchte, um überhaupt zu existieren. Der andere Mensch wird zum Versorger, der mich verhätschelt und bestätigt. Das gefällt den Menschen vielleicht einige Zeit, weil sie gebraucht werden, aber dann wird es ihnen auch lästig und sie wenden sich ab bzw. ihren Freunden zu. Ich bin wieder alleine.

    Wenn ich so meine menschlichen Beziehungen durchgehe, sind das meistens Menschen, die entweder selbst krank sind oder Kindheitsschicksale hinter sich haben, oder die schon wesentlich älter sind als ich und als Ersatzeltern fungierten. Es gibt vielleicht eine Freundin, mit der das anders ist.

    Bei den meisten dieser "Freunde" gehöre ich nicht zu deren Leben, d.h. wir telefonieren entweder nur oder treffen uns im Cafe oder Restaurant. Sie rufen meist weder spontan an noch unternehmen wir etwas zusammen, wie Kino, Museum oder so. Bei einigen war ich nie zuhause in der Wohnung.

    Mir fällt auf, dass ich gar nicht weiß, wie ich eine "erwachsene" Beziehung führen kann. Bei uns zuhause war ich immer das liebe, angepasste Kind, das die Mama mit Krankheiten zwang, endlich mal das Geschäft zu verlassen und sich um mich zu kümmern. Ansonsten erduldete ich einfach alles. Mir fällt jetzt auf, dass meine Mutter nichts getan hat, um mich zu unterstützen, aus dem schlimmsten Mobbing, das ich in meiner ersten Arbeitsstelle erdulden musste, rauszukommen. Da lebte ich noch zuhause. Nein, sie bestärkte mich, weiter auszuhalten, bis ich nicht mehr konnte und zusammenbrach. Ich war damals mehrere Wochen im Krankenhaus. Danach fasste ich selbst den Entschluß, ein Studium aufzunehmen und kündigte sogar bevor ich die Studienzusage in der Tasche hatte, was sie auch nicht gut fand.

    Es ist schwierig für mich, zu erkennen, dass meine Mutter genauso wie mein Alkoholikervater zu meiner derzeitigen Situation beigetragen hat. Selbst jetzt habe ich ein schlechtes Gewissen, dies hier zu schreiben. Ich hob sie immer auf einen Sockel, sie war für mich perfekt. Aber sie hat mich in Abhängigkeit gehalten, als Bezugsperson benutzt, meine Co-Abhängigkeit noch vergrössert.

    Meine Psychologin riet mir heute, mir neue Bekanntschaften aufzubauen, in der meine Situation erstmal keine Rolle spielt, um nicht wieder in die Kindrolle abzurutschen. Das tun, was Spaß macht.

    Ich weiß halt nicht, wie sich das "Erwachsensein" wirklich anfühlt und habe heute wieder echt Angst davor, wie es weitergeht.

    Dazu kommt auch, dass ich heute eine Ablehnung von einer Versicherung erhalten habe, die einen Teil meines Klinikaufenthaltes übernehmen soll. Jetzt habe ich wieder das Gelaufe, muss mir einen Gutachter suchen usw. Das belastet mich total.

    Mein bisheriges Lebensgerüst fällt weiter zusammen. Ich hoffe sehr, dass ich dann ein neues tragfähiges Gerüst aufbauen kann.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Liebe Lavandula,

    das klingt so schön, was Du das schreibst von Deiner Arbeit und Deinem Leben. Es fühlt sich lebendig und farbig an und man sieht, wie es in Deinem Leben vorangeht.

    Ich finde es schön, lesend Anteil daran nehmen zu dürfen :)

    Wir EKAs stehen uns eben in "guten und in schlechten Zeiten" bei, was dieses Forum auch so wunderbar macht!!

    Alles Liebe,

    Sonnenstrahl

    Hallo Nadja,

    auch von mir ein Herzliches Willkommen im Forum. Du kannst Dir hier alles, was Dich belastet, von der Seele schreiben.

    Ich glaube, die Scham, jemanden vom Alkoholismus eines Angehörigen zu erzählen, kennen wir alle. Bei uns wurde zuhause auch totgeschwiegen, dass mein Vater Alkoholiker ist, obwohl das ein offenes Geheimnis war.

    Mit der Zeit wirst Du merken, dass diejenigen Menschen, die Dich als Nadja mögen, nicht mit Ablehnung reagieren, wenn Du ihnen von Deinen Sorgen erzählst. Diejenigen, die das tun, sind keine wirklichen Freunde.

    Neben diesem Forum gibt es auch Selbsthilfegruppen für Erwachsene Kinder von Alkoholikern. Schau mal im Internet nach der Al Anon Webseite. Da findest Du nach Postleitzahlen gegliedert, die Treffen der Selbsthilfegruppen aufgelistet.

    Ich gehe seit einigen Wochen regelmäßig dort hin und fühle mich sehr gut aufgehoben. Es ist ein Verständnis und eine Wärme vorhanden, wie auch hier im Forum. Nur dass man in der SHG direkt Kontakt mit Menschen hat, was auch gut tut.

    Alles Gute,

    Sonnenstrahl

    Hallo bookfriend,

    sieh es doch mal positiv. Du kommst mit Deinen Gefühlen in Berührung, die vielleicht ganz lange Zeit eingefroren waren.

    Da hat Linde eine ganz wichtige Aussage gemacht:

    Zitat von Linde66

    Wer, wenn nicht du könnte endlich mit dir selbst mitleiden, mit deinen inneren kindlichen Anteilen? Es ist völlig in Ordnung während der Aufarbeitung Trauerphasen zu erleben. Die muß man nicht mit dem negativ besetzten Wort 'Selbstmitleid' versehen. Es sind einfach Trauerphasen während der Zeit der Aufarbeitung. Du darfst die Trauer leben, ohne darüber nachzugrübeln, ob sie "erlaubt" ist. Sie ist einfach da und will hier und heute gelebt werden. Das ist in Ordnung so.

    Mir hilft es mich zu fragen: wer in mir trauert da gerade? wie alt ist der innere Anteil? ein kleines Kind? eine Jugendliche? Und dann mich der Trauer zuwenden.Linde

    Das erlebe ich auch gerade, dass Gefühle in mir hochkommen, die eigentlich ihre Wurzel in der Kindheit haben. Das kann ich manchmal gar nicht unterscheiden, weil ich so ein gesundes "Erwachsenengefühl" gar nicht wirklich kenne. Umso schöner ist es, manchmal Situationen zu haben, in der man völlig Eins mit sich ist und merkt: "Ja, das gehört zu mir, das bin ich !!"

    Mein Psychologin hat mir auch geraten, ein Tagebuch zu führen. Ich habe da nicht soviel Durchhaltevermögen, aber ich versuche es. Da wirst Du merken, dass Du nicht nur traurig und depressiv bist, sondern auch sehr lebendige Momente spürbar werden.

    Alles Gute,

    Sonnenstrahl

    Liebe CoLibri,

    Dein Beitrag fasst die Situation in der Gesellschaft ziemlich gut zusammen. Ich habe manchmal den Verdacht, dass wir EKAs Manches ziemlich gut erfassen können, weil wir sensibler sind als die meisten Menschen, die oft mit Scheuklappen durchs leben gehen.

    Ich habe mich früher in meinem Heimatort so oft über die Doppelmoral geärgert. Meine Eltern haben einen kleinen Betrieb und in der Kleinstadt, in der ich aufwuchs, kannte einen deshalb halt jeder. Und natürlich bekam jeder die Alkoholauswüchse meines Vaters mit. Nur, ihn verurteilte keiner dafür. Er wurde als Stimmungskanone und Partylöwe gefeiert, weil er Runden schmiss und die anderen mit seiner Betrunkenheit amüsierte. Wir als Familie wurden verachtet. Mein Bruder und ich wurden in der Schule blöd angemacht, ich später gemobbt und selbst in unserer Kirche wurden wir von der Frau des Pfarrers als Asoziale angesehen. Das tat einfach so weh!! :(

    Als meine Mutter damals zur Suchtberatungsstelle ging, als sie das ganze Leid nicht mehr aushielt, hatte ihr der Suchtberater geraten "doch auf einen gnädigen Lastwagenfahrer zu warten, der meinen Vater überfährt". Ist das die Möglichkeit? :twisted:

    Selbst heute ist das noch so. Ich wohne ja schon lange nicht mehr dort und war auch die letzten Jahre nicht in meinem Heimatwort - habe meine Mutter und meinen Bruder woanders getroffen. Als ich meiner Mutter beim letzten Telefonat riet, doch auch mal zur Al Anon SHG zu gehen, meinte sie, das ginge nicht, da würden wieder alle über sie reden. Es ist immer noch so. Mein Vater, der mittlerweile ein körperliches Wrack ist und von Arzt zu Arzt rennt und den Menschen vorjammert, wie krank er ist, wird bemitleidet. Meine Mutter, die schon längst in Rente gehen könnte, schuftet jeden Tag 10-12 Stunden, um die Schulden des Betriebes abzuarbeiten und ER sagt nicht mal "Dankeschön", ganz im Gegenteil.

    Ich sage ja nicht, dass man einem Alkoholkranken nicht helfen soll, wenn er das möchte und es ist gut, dass es Institutionen dafür gibt, ABER, für EKAs und Co's wird immer noch viel zu wenig getan. Eine Bekannte meiner Mutter hatte es nicht geschafft, von ihrem trockenen Alk-Ehemann wegzukommen und ist jetzt tot, nachdem sie Jahrzehntelang gelitten hatte und am Ende schlimm krank wurde. Das ist einfach schockierend und ungerecht!!!!

    Deshalb gebe ich Dir recht. Wir EKAs sollen alles tun, damit es uns gut geht und wir unser Leben leben können. Wir sind für unser Leben verantwortlich!!

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo ihr Lieben,

    am Wochenende habe ich wieder so viel gelernt. Es ist derzeit echt faszinierend für mich, wie sich mein Leben voranbewegt und die alten Strukturen zusammenbrechen.

    Obwohl ich mir nicht so sicher war, habe ich meinen Freund besucht, zu dem das Verhältnis ja die letzten Wochen nicht so gut war, nachdem er einige meiner Grundwerte meiner Ansicht nach schon ziemlich abschätzig beurteilt hatte. Was aber auch einen grossen Teil zur Missstimmung beigetragen hat, war die Meinung des "väterlichen Freundes", der mir bei jedem Treffen "einreden" wollte, wie schlecht doch mein Freund ist und mit einem "Ungläubigen" sollte ich mich sowieso nicht abgeben.

    Mittlerweile habe ich gemerkt, dass das auch gar nicht meinen Werten entspricht. Ich bin jemand, der Menschen gegenüber sehr wohlwollend ist, was manchmal nachteilig ist, wie ich schon geschrieben habe, aber ich lehne nicht mal von vornherein Menschen ab, die anderer Meinung sind, wie ich. Also habe ich den Kontakt mit dem "väterlichen Freund" erstmal auf Eis gelegt.

    Das, was mein Freund über meinen Glauben sagte, war nicht richtig, und das habe ich inzwischen ausreichend klargestellt, so dass er es begriffen hat. Umgekehrt weiß ich auch, dass er ein eigenständiger Mensch ist und ich ihn nicht beeinflussen kann.

    Das Wochenende war sehr harmonisch. Ich fuhr Freitag schon zu ihm. Am Freitagabend waren wir mit einer Freundin von mir und deren Freunden auf einer Fastnachtsveranstaltung, was so gut getan hat. Es war heiter, unbeschwert, einfach so mal schunkeln und singen und sich unterhalten. Ich mach ja sonst nie was an Fasching, aber diesmal hatte ich mir sogar ein Kostüm zugelegt und gefalle mir richtig gut darin ;)

    Samstag und Sonntag waren voll entspannt mit richtig langen Spaziergängen und viel Geborgenheit und Zärtlichkeit. Ich merkte zwar, dass in mir (immer noch) Gefühlschaos herrschte und ich manchmal gar nicht einordnen konnte, was ICH denn gerade will und was nicht, aber ich fühlte mich meist wohl. Was ich auch merkte, wie wichtig es ist, am Wochenende nicht immer aufeinanderzuhocken und jede Sekunde zusammen zu verbringen. Mein Freund musste zwischendurch mal weg, wegen Vereinsarbeit und ich konnte mich gut alleine beschäftigen, ging spazieren oder las ein Buch.

    Ich merke, dass ich oft ein Schwarz-/Weiß-denken drauf habe und das ist ja auch ein EKA-Merkmal, wie ich inzwischen weiß ;) Indem ich mich durchsetzen lerne und den notwendigen Respekt für mich einfordere, den anderen aber auch lasse, geht es mir besser damit. Das ist ein weiterer Schritt nach vorne.

    Gestern hatte ich noch eine andere Entdeckung gemacht. Im Fernsehen kam eine Sendung über Menschen, die sich für ein Leben und Arbeiten auf dem Land, in der Natur und mit anderen zusammen entschieden haben. Das spukt ja schon lange in mir herum und als ich gestern die Bilder sah, fühlte sich das so warm und richtig an und ich weiß jetzt, dass das mein Ziel sein wird. Ich weiß zwar noch nicht, wie ich dahin komme, aber ich will Vertrauen haben. Es geht voran und zuviel Ungeduld macht höchstens alles kaputt ;)

    Heute ist ja wieder ein verschneiter Tag, der zur Arbeit an meiner Hausarbeit einlädt. Es ist noch einiges zu tun.

    Einen schönen Wochenstart euch allen und liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo Margo,

    Du musst keine Verantwortung für die anderen übernehmen und Du musst auch nicht für sie mitdenken.

    Du kannst Dir vertrauen, was Du brauchst und was Dir gut tut. Ob dies immer das ist, was die anderen Menschen geben wollen und können ist die Frage, aber diese zu beantworten ist dann die Aufgabe der anderen Person.

    Die Frage, ob ich während der Arbeit an mir eine Beziehung führen kann, beschäftigt mich derzeit auch sehr stark. Ich kann diese weder mit "Ja" noch mit "Nein" beantworten, weil ich auch nicht in die Zukunft sehen kann. Ich kann mich selbst weiterentwickeln und wenn sich dann in Richtung gesunder Beziehung etwas ergibt, dann werde ich das zu diesem Zeitpunkt entscheiden.

    Ich kenne dieses kontrollierende Denken, alles am besten fest planen zu wollen. Ich habe für mich erkannt, dass das nicht möglich ist und ich auch das Verhalten der anderen weder planen noch kontrollieren kann, wobei ich meine Familie einschließe.

    Also, komme ich wieder zu mir zurück. Wir selbst sind unsere wichtigste Bezugsperson, weil nur wir fühlen und entscheiden können, was wir brauchen und wie wir uns fühlen.

    Alles Gute!

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo zusammen,

    kennt ihr das? Es fühlt sich an, als ob das ganze Gerüst meines Lebens, ich mir in Jahrzehnten konstruiert habe, Stück für Stück zusammenbricht.

    Ich denke mir, vielleicht ist das notwendig, alles einzuebnen, damit ich mein neues Leben nicht auf schiefen Grundmauern aufbauen muss.

    Es tut mir sehr gut, die Themen, die mich derzeit beschäftigen, hier im Forum und auch in der EKA Selbsthilfegruppe anzusprechen und zu reflektieren.

    Die Unsicherheit wächst, weil noch nicht klar ist, wie mein Leben weiter geht. Mein Körper rebelliert manchmal gegen die Unsicherheit. Das irritiert mich.

    Zur gleichen Zeit wird etwas in mir befreit, das die ganze Zeit eingesperrt war. Ich fühle, dass ich auf dem richtigen Weg bin!

    Am Wochenende werde ich bei meinem Freund sein. Ich habe mich bewusst dafür entschieden. Ich möchte einmal objektiv schauen, was mir gut tut und was nicht. Ich glaube, ich habe mich in den letzten Wochen von dem "väterlichen" Freund und seinen z.T. sehr radikalen Ansichten sehr stark beeinflussen lassen. Ich will meine eigene Meinung bilden und diese auch leben und endlich weggkommen von der Co-Abhängigkeit.

    Schönen Abend und liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo Zampano,

    habe gerade Deinen Bericht gelesen.

    Merkst Du was?

    Du kannst jetzt klar auf die Vorgänge in Deiner Kindheit zurückschauen und Zusammenhänge erkennen. Du siehst jetzt, was Dich damals belastet hat.

    Das Gute am Begreifen ist, dass, je mehr Du siehst, wie Du dadurch beeinflusst wurdest, Du es für Dich reparieren kannst.

    Deine Verwandten leben ihr Leben mit Alkohol, Fremdgehen, Vertuschen, Misstrauen, Hass, Feindschaft. Es ist ihr Leben, daran kannst Du nichts ändern, auch wenn es weh tut.

    Du musst nichts dergleichen tun. Du kannst Dir JETZT im Gegensatz zu FRÜHER aussuchen!!, was Du tun willst.

    Das Bewusstsein wächst, Du hast den Anfang gemacht und beschreitest jetzt den Weg zur Heilung!!

    Alles Gute und liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo zusammen,

    hmmm, bin heute etwas irritiert!

    Hatte heute morgen eine Verabredung mit einem Bekannten, mit dem ich mich seit einigen Wochen regelmäßig zum Reden verabrede. Wir philosophieren viel und ich glaube, er genießt es auch, so eine Art väterlicher Berater für mich zu sein. Bisher habe ich ihn gelassen, aber irgendwie fühle ich mich doch nicht so gut damit.

    Letzte Woche hat er ziemlich auf mich eingeredet, als ich ihm erzählt habe, dass ich mit meinem Ex-Freund Verbindung aufgenommen hatte. Ich habe mich wie ein ertapptes Kind gefühlt und konnte mich gar nicht richtig wehren, irgendwie.

    Heute morgen hatte ich gar nicht so grosse Lust, ihn zu treffen, aber ich dachte, jetzt, wo wir schon verabredet waren und er kam aus einer anderen Stadt ....

    Es ging auch erst ganz gut und wir unterhielten uns "normal". Doch plötzlich wurde mir schwummrig und ich hatte ein Flimmern vor den Augen, das stärker wurde. Er bot mir an, mich zur Bahn zu begleiten, aber, da es nicht besser wurde, wollte ich zum Arzt gehen. Er wollte noch mit hineinkommen, aber ich lehnte ab und er ging dann.

    Komisch, kaum war ich in der Arztpraxis, ging es mir wieder ganz gut und das Flimmern war weg. Auch der Blutdruck war normal.

    Ich werde den Verdacht nicht los, dass mein Körper wieder mal Sheriff für mich gespielt hat und mich aus den Händen von Pflichtgefühl und Angepasstheit herausgeholt hat. :roll:

    Mann, das alles macht mich total unsicher. Auf der einen Seite bin ich froh, einen "väterlichen Freund" zu haben (es ist auch genau das). Aber ich merke, dass ich mich schon wieder total anpasse und alles abnicke, was er meint und sagt. Und er will mich "formen".

    So langsam denke ich, der Klinikaufenthalt mit Kontaktsperre für ein paar Wochen ist da hilfreich, um mal das Gefühl dafür zu kriegen, welche Kontakte hilfreich für mich sind und welche nicht.

    Ich habe nämlich heute wieder gemerkt, dass sich andere Leute durchaus abgrenzen können. Eine Freundin von mir hat wegen eines Treffens mit mir ihren "freien" Tag in der Woche nicht angetastet, auch wenn das heisst, das wir uns so nur eine Stunde treffen können. An dem Tag, an dem sie nämlich kann, habe ich einen Termin und kann nicht länger beiben. Tja, sollte ich mir ein Beispiel daran nehmen.

    Beziehungen mit Menschen sind irgendwie ganz schön schwierig, oder was meint ihr? :wink:

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo ihr Lieben,

    das war ja eine Schnee-weiße Überraschung heute Morgen.

    Gerade komme ich von einem langen Spaziergang zurück und habe mich richtig einschneien lassen. Das hat Spaß gemacht!! :lol:

    Hmm, habe heute wieder eine wichtige Entdeckung bei mir gemacht, was so Kontakte und Freundschaften anbelangt. :idea:

    Ich habe herausgefunden, dass ich oft jeden, der freundlich zu mir war, als potentielle Freundin/Freund angesehen habe und eigentlich gar nicht geschaut habe, ob dieser Mensch zu mir passt. Im Gegenteil, ich habe mich passend gemacht!! Dann habe ich mich gewundert, dass das Verständnis mit dem Menschen nicht gut war, es kam zu Missverständnissen und Frust. Einige "Freundschaften" endeten ohne Worte und es blieb bei mir ein Gefühl von "unerledigt" zurück, das sehr belastend war und ist.

    Das andere Extrem bei mir ist, dass ich neue Leute leicht überfordere, indem ich sehr schnell viel von mir erzähle und dann die Menschen am liebsten dauernd treffen möchte. Ich merke jetzt, dass das sehr "bedürftig" rüberkommt und ja auch eine Belastung für die Leute darstellt. Das ist kein gesundes Verhältnis.

    Gerade bin ich in so einer Lage. Ich habe ein Frau getroffen, mit der ich eine gute Wellenlänge habe und die ich gerne als gute Freundin gewinnen möchte. Heute Morgen habe ich sie im Gottesdienst getroffen und wir wollen nun im Februar was zusammen machen. Schon habe ich mich wieder ertappt, dass ich vorgeschlagen habe, uns doch bald wieder zu treffen. Falle :!: Ich möchte keinen Druck ausüben. Die Frau ist verheiratet, hat ihre Arbeit und auch einen Freundeskreis. Ich werde jetzt einfach geduldig bis Februar warten, sie nicht nerven und mir andere Sachen suchen, bei denen ich neue Leute kennenlernen kann. :wink:

    Auch dieses Wochenende bin ich alleine, aber komme gut mit mir zurecht, eigentlich immer besser. Ich merke, ich bin nicht mehr drauf angewiesen, unbedingt jemanden hierzuhaben. Das macht die Sache wesentlich entspannter und ich kann auch in Ruhe an meiner Weiterbildung arbeiten. Das werde ich jetzt auch gleich machen!!

    Tja, sonnige Grüsse geht ja gerade nicht, ist schon dunkel, aber ich sende euch herzliche Grüße :D

    Sonnenstrahl

    Liebe Lavandula,

    es macht Freude, Dich zu lesen und aus Deinen Worten den Mut und die neue Energie herauszuhören.

    Du hast Geduld, gibst Dir Zeit, Dich mit dem Neuen in Deinem Leben vertraut zu machen und sorgst gut für Dich. Das ist lebendig.

    Dír sind die starren Strukturen nun bewusst geworden, die Dich so lange eingeengt haben und Du kannst Sie durchbrechen. :):)

    Mittlerweile glaube ich auch, Geduld und Gelassenheit sind ein wichtiger Faktor. Je mehr man sich kennenlernt, desto früher und besser merkt man, was gut und was nicht gut tut.

    Es ist auf jeden richtig gutes Gefühl, das Lebendige im Leben zu spüren und das höre ich auch aus Deinem Beitrag heraus.

    Schönes Wochenende und sonnige Grüße von

    Sonnenstrahl

    Hallo pingpong,

    mir ist gerade noch was eingefallen.

    Doch, Du kannst was tun. Wenn Du für Dich sorgst, wird es Dir bessergehen und das kannst Du Deinen Familienmitgliedern zeigen und sagen.

    Mein Bruder ist auch nach wie vor in der Co-Abhängigkeit der Familie gefangen und ich habe nie Zugang zu ihm gefunden, weil er sich immer bevormundet gefühlt hat und mich eigentlich beneidet hat, dass ich schon lange weggegangen bin.

    Jetzt habe ich vor zwei Wochen einen langen Brief an ihn geschrieben, in dem ich meinen derzeitigen Werdegang geschrieben habe, was ich tue, wie ich mich fühle und dass ich immer mehr mein Leben spüren kann.

    Ich habe mich so gefreut, als er mir eine SMS geschickt hat, indem er sich für den Brief bedankt hat und gleichzeitig auch erwähnte, dass er in der gleichen Situation ist wie ich und sich auch schlecht fühlt.

    Das ist ein Anfang. Ich kann ihn nicht zur Selbsthilfegruppe schleppen oder zum Psychologen, aber wenn er sieht, dass ich mein Leben in die Hand nehme, dann fängt er vielleicht an zu denken und nimmt seines auch in die Hand.

    Das ist eine gesunde Hilfe für alle Beteiligten!

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo Margo,

    auch von mir ein "Herzliches Willkommen".

    Wie, wo und wann Du mit Alkoholismus in Verbindung gewesen bist, ist totale Nebensache. Wir alle sind hier, weil wir uns mit dem, was passiert ist auseinandersetzen wollen und mit uns selbst.

    Ich bin viel älter als Du und habe schon lange nichts mehr mit meinem Alkoholikervater zu tun. Dennoch habe ich viele Ungereimtheiten und Herausforderungen in meinem Leben, die ich jetzt angehen will. Es ist nie zu spät, für sich zu sorgen!

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo Zampano,

    herzlich willkommen hier im Forum.

    Hier kannst Du alles loswerden, was Dir auf der Seele brennt. Wenn Du die Beiträge der anderen Teilnehmer liest, wirst Du sehen, dass viele von uns mit den gleichen Problemen befasst sind.

    Mir ist auch erst in höherem Alter klargeworden, wieviel meine Kindheit mein jetziges Leben beeinflusst. Aber wenn einem das klar geworden ist, kann die Heilung beginnen.

    Alles Gute und liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Liebe Pingpong,

    herzlich willkommen hier im Forum.

    Wenn Du Dir die Beiträge der anderen Teilnehmer durchliest, wirst Du merken, dass wir alle oft mit ähnlichen Problemen und Situationen zu kämpfen haben.

    Du hast für Dich entschieden, dass es Dir gut tut, nicht jeden Tag mit dieser Situation konfrontiert zu werden, sondern in weiterem Abstand zur Familie zu leben. Das ist eine gesunde Entscheidung.

    Deine Mutter ist bestimmt in einer schwierigen Lage, aber sie muss auch für sich selbst eine Entscheidung treffen. Es ist nicht Deine Aufgabe, Bezugsperson Deiner Mutter zu sein. Das macht dich auf Dauer kaputt und hilft Deiner Familie nicht weiter.

    Wenn Du in Dich hineinhörst kannst Du spüren, wieviel gesunde Nähe Du zu Deiner Familie zulassen willst. Darum geht es. Deine Familie muss die Verantwortung für ihr Leben selbst übernehmen.

    Alles Gute!

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo ihr Lieben,

    in meinem Leben ist derzeit das Thema "Loslassen" sehr dominant.

    Ich tue mich so schwer, meinem derzeitigen Noch-Freund zu sagen, dass unsere Beziehung keine Zukunft hat, weil wir zu verschieden sind. Er hat sich auch seit letzter Woche nicht mehr gemeldet und ich denke auch, ich bin ihm nicht so wichtig in seinem Leben. Aber ich tue mich schwer, den entgültigen Schritt zu tun. Warum? Irgendwie ein Mittelding zwischen Angst, die Geborgenheit zu verlieren, die er mir doch manchmal gegeben hat und einfach einen Menschen loszulassen, der eine Zeit eine Rolle in meinem Leben gespielt hat.

    Am Wochenende hatte ich auch das Bedürfnis meinen Ex-Freund anzurufen, um nach einer Veranstaltung zufragen, auf die ich dieses Jahr nicht hingehen konnte und auf die wir früher immer zusammen hingegangen sind. Ich wusste, dass er mich so oft schon schlecht behandelt hat und "zwei Gesichter" hat und doch habe ich es getan aus so einem inneren Drang heraus. Vorgestern haben wir uns auch lange am Telefon unterhalten. Das wars für mich, aber gestern rief er dann wieder an - aus einem fadenscheinigen Grund. Da merkte ich, dass es ihm nicht passt, dass ich mein Leben in die Hand nehme und er es lieber hätte, wenn es mir schlecht ginge und ich am Boden wäre. Ich begann, mich total unwohl zu fühlen und wir beendeten das Gespräch dann auch. Aber ich habe nicht gesagt, dass ich keinen Kontakt mehr mit ihm möchte, weil er mir nicht gut tut. Warum nicht? Dieser Freund hat mir die schönste und die schrecklichste Zeit meines Lebens beschert. Wir haben zusammen unheimlich (zuviel) an Freizeitaktivitäten gemacht und ich habe so die "Farben" des Lebens mit ihm kennengelernt, die Ausgelassenheit und Buntheit. Und dann hat er mich niedergemacht, aus eigenem niedrigen Selbstwert und Problemen, aber dazu hatte er kein Recht.

    Tja, und ich habe noch ein Paar, das ich seit der Kindheit kenne und die immer sowas wie meine "Ersatzeltern" waren. Sie haben sich seit einiger Zeit ohne Kommentar zurückgezogen und es fühlt sich so unerledigt an. Ich möchte eine Erklärung, warum. Soll ich es besser auf sich beruhen lassen oder sie anrufen oder schreiben?

    Seit meiner Kindheit habe ich Angst, Menschen zu verlieren, weil ich nie so viele um mich hatte, die zu mir hielten und zu mir gehörten. Das heißt nicht, dass ich keine neuen Leute kennenlerne. Es gibt auch einige sehr nette neue Leute, und die Bekanntschaft/Freundschaft zu ihnen fühlt sich gesund an.

    Wie geht ihr mit dem Thema "Loslassen" um?

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo ihr Lieben,

    die letzten Tage waren gut. Einfach mal zufrieden sein, ohne total am Boden zu sein, tut soooo gut.

    Habe gestern mit einer Frau von meiner Weiterbildungsstelle gesprochen. Die sind so nett und sie hat mir Mut gemacht, die nächsten Hausarbeiten vor dem Klinikaufenthalt zu bearbeiten und damit nicht verschieben zu müssen. Ich will es jetzt probieren, ohne mir Druck zu machen (ist nicht ganz leicht :wink: ). Wenn es klappt ist gut, wenn nicht , geht die Welt nicht unter. Ihr seht, ich werde langsam gelassener. Das ist schön!!

    Habe heute auch einen grossen Schritt für mich getan, der mir schon monatelang auf der Seele gelegen hat. Ich habe mir ein Haushaltsbuch eingerichtet, weil ich mein Leben, und meine Finanzen in meine Hand nehmen und erwachsen damit umgehen will. Habe auch gleich zwei Sachen gekündigt, die nicht sein müssen und nur Geld kosten und damit eingespart. Ich bin stolz auf mich!!

    Und gerade war ich wieder in der EKA Selbsthilfegruppe. Es waren heute einige Beiträge dabei, die mich emotional sehr berührt haben. Ich habe es bei einem Beitrag sogar körperlich gespürt, so nahe ging dieser mir. Aber wo ich vor einigen Monaten noch panisch geworden wäre, habe ich das Gefühl heute einfach beobachtet. Es tut mir auf jeden Fall sehr gut, dort hinzugehen.

    Wünsche euch eine gute Nacht und sende liebe Grüße,

    Sonnenstrahl