Hallo Questor,
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Oder will mir hier ernsthaft jemand vorschlagen, dass ich den Status quo akzeptieren soll?
Ja, will ich ernsthaft. Status quo ist, Deine Frau trinkt und Du kannst nichts dagegen tun. Akzeptieren und Deine Konsequenzen für Dich und Deine Kinder daraus ziehen, so dass ihr damit klarkommt. Wie auch immer das aussehen kann. Du kannst Deine Frau nicht zwingen, ihre Sucht Dir gegenüber offen zu bekennen und etwas dagegen zu tun. Entweder sie will oder sie will nicht. Im allgemeinen wollen Alkoholiker erst wenn die Nachteile die Vorteile überwiegen. Allerdings haben Süchtige eine andere Vorstellung von Nachteil, als Nichtsüchtige. Zugeben heißt noch lange nicht etwas dagegen tun. Viele Alkoholiker geben ihre Abhängigkeit zu, aber dagegen tun, tun sie nichts. Meine Mutter gehörte dazu.
Ich weiß wie schwer es ist zuzuschauen, hilflos und machtlos zu sein. Ich weiß wie schwer allein diese Gefühle zu ertragen sind. Von allen anderen mal ganz zu schweigen. Meine Mutter hat der Alkohol vor zwei Jahren umgebracht. Ich hätte gerne etwas getan und hätte es auch gemacht, hätte ich eine Möglichkeit gehabt. Ich musste einsehen, dass es keine gibt. Bis ich das gelernt hatte, war ich selbst am Ende.
Ich war der Meinung aufgeben gilt nicht, es gibt immer einen Lösung, immer einen Weg, notfalls mit der Brechstange. Am Ende musst ich einsehen, wie so viele andere auch, für dieses Problem gibt es nur eine Lösung: Der Alkoholiker muss von ganz allein drauf kommen, dass er ohne Alkohol besser dran ist. Erst wenn er seinen Tiefpunkt erreicht hat, wenn sein Leidensdruck hoch genug ist, dann erst wird er etwas unternehmen und keinen Moment vorher. Das kann passieren wenn man die Familie verliert. Es kann aber auch sein das es selbst nicht reicht, wenn er dem Klischee des versoffenen Penners unter der Brücke gleicht. Du kannst den Prozess nicht wirklich beeinflussen.
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Vertrauen und gemeinschaftliches Leben sind reine Utopie und irreal?
In einer Beziehung mit einem Alkoholiker ja. Er hat eine Beziehung mit der Flasche und der ist er treu bis er sich zu einer Trennung, sprich Entzug, entscheiden sollte. Bis dahin ist man nur Neben-Partner mit dem entsprechenden Stellenwert. Du bist gegen den Alkohol, also auch gegen den Alkoholiker, denn Du willst ihm nehmen, was er seiner Meinung nach zum Leben braucht und das meine ich wörtlich.
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Das Prinzip der Partnerschaft, der Ehe in der man zu zweit etwas zu erreichen sucht ist ein Fake in der gefühlsduselige oder verantwortungsgesteuerte Dödel gnadenlos von Hardcoreindividualisten ausgenutzt und verarscht werden?
Nein, das ist sicherlich kein Fake. Aber auch hier, mit einem Alkoholiker führt man eine Beziehung zu dritt. Der Partner, der Alkohol, man selbst. Wenn hier jemand verarscht wird, dann Deine Frau und zwar vom Alkohol. Auch hier spielst Du leider nicht die erste Geige. Doch solange Deine Frau nicht merkt das sie verarscht wird, hast Du keine Chance.
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Das mit dem auf den S..k gehen ist halt nicht so einfach bei jemandem, der jegliche Diskussionen und Gespräche dazu abblockt.
Diskutieren mit einem Alkoholiker ist sinnlos, erst recht wenn er was getrunken hat und das hat er in den meisten Fällen. Selbst wenn Du durchdringst und ein paar unangenehme Wahrheiten es bis in sein Hirn schaffen, er hat eine gute Methode damit umzugehen, zumindest in den meisten Fällen. Er trinkt erstmal einen, da vergisst und verdrängt es sich besser.
Versteh mich nicht falsch, ich sehe durchaus den Menschen der dahinter steckt, der Mensch der er mal war und trocken auch noch ist. Aber diese unschöne Seite, die Seite der gelebten Sucht, gehört eben auch dazu. Solange noch getrunken wird, ist fast alles was im zwischenmenschlichen Bereich als „normal“ angesehen wird, außer Kraft gesetzt. Selbst Mutterliebe, selbst sie bleibt hinter dem Alkohol zurück. Er ist eine Macht gegen die nur der Süchtige selbst gewinnen kann, sonst niemand.
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Vielleicht ist auch das folgende falsch, aber zur Zeit will ich eigentlich nicht, dass die Ihre Energie in das Problem reinhängen. Sie haben sowieso mehr zu leiden als ich, die regelmäßigen Schimpfkanonaden reichen schon. Ich denke es ist meine Aufgabe, das ganze hier anzugehen.
Diese Einstellung ist gut und vernünftig und Du solltest sie beibehalten. Es ist nicht Aufgabe der Kinder, ihrer Mutter klar zu machen das sie krank ist und mit ihr das diskutieren anfangen. Sofern sie sich überhaupt trauen, meist überwiegt die Angst nicht mehr geliebt zu werden. Da wird gar nichts gesagt und versucht zu tun, was Mama möchte, damit sie sie weiter lieb hat. Es ist nicht Aufgabe der Kinder Mutter oder Vater für ihre Mutter zu sein. Wenn Du Deiner Frau „auf den Sack“ gehen willst, ist das Deine Sache. Wenn Du gegen Windmühlen kämpfen willst, gut. Du bist erwachsen, Du weißt was Du tust oder auch nicht, jedenfalls bist Du alt genug um die Konsequenzen Deines handeln tragen zu können und die Situation zu überblicken. Deine Kinder sind das nicht. Sie so etwas machen zu lassen hieße, ihnen eine sinnlose, unlösbare Aufgabe zu stellen, an der sie nur scheitern können, eben weil sie nicht zu lösen ist, nicht so. Sie würden sich also bemühen Mama zu helfen, würden scheitern und die Ursache für das Scheitern bei sich suchen. Sie leiden schon genug, auch ohne das sie etwas tragen müssen, was sie nicht tragen können und was zu tragen nicht ihre Aufgabe ist, die Krankheit bzw. Gesundheit Deiner Frau.
Gruß
Skye
kaltblut
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Was das Ziel, die Lösung ist: vollkommen losgelöst vom Außen gemeinsam zu wachsen. Was kann denn mehr Kraft geben und schöner sein, als einem selbstständigen, freien Partner in die Augen zu sehen und zu wachsen, gemeinsam.
Das hast Du wunderbar getroffen. Ähnliches spuckte mir im Kopf herum, aber fehlten Deine treffenden Worte. Danke! Viel zu selten wird es erreicht, aber es sollte das Ziel sein.