Beiträge von HansHa

    Zitat von juergenbausf

    das kann er ganz genau wie jeder andere Mensch auch.


    Da habe ich eine andere Erfahrung. Ob und was ein Süchtiger kann oder nicht soll mal dahin gestellt bleiben. Aber nicht "wie jeder andere Mensch auch". Denn ich für meinen Teil bin Alkoholiker, d. h. ich bin psychisch krank, auch wenn ich damit umgehen kann und den Verlauf meiner Krankheit stoppen konnte. Als ich noch "nass" war, habe ich mich so was von selbst belogen und auch noch geglaubt, dass aus heutiger Sicht eine reale Selbsteinschätzung völlig unmöglich war.

    Zitat von Melinak

    "ich trinke keinen alkohol mehr also bin ich trocken"


    Genau das ist auch für mich das Problem bei vielen Neu-Nichttrinkern in ihrer Euphorie der ersten Tage. Darum hatte ich auch mal die Frage nach der Aussage "Kein Verlangen" ( https://beispiel.rocks/beispiel.rocks…topic24814.html ) gestellt. Wenn ich schon gleich am Anfang beginne "zu deckeln" und mir gegenüber nicht zugeben kann, dass mich das Suchtgedächtnis doch treibt, ist nach meiner Meinung die Chance auf Trockenheit noch geringer. Aber wir haben es ja nicht anders gelernt. Und es ist ein gutes Stück Arbeit solchen Anfang zu finden.
    Und wenn ich das anspreche und dann höre: "Aber wenn ich doch keinen Saufdruck habe." oder so ähnlich, kann ich das nicht glauben.
    Ich habe es nach vielen vergeblichen Versuchen anders als vorher gemacht und mich von jemand in dieser Beziehung belehren lassen. Zuerst wusste ich nicht wirklich was ich tat, aber ich bin davon ausgegangen, dass da was dran ist. Erst nach Jahren kann ich es nachvollziehen und formulieren (eigentlich doch noch nicht richtig). Für mich war das jedenfalls von heute aus betrachtet der richtige Weg.

    Hallo,

    für mich gibt es zwei Sorten nicht trinkender Alkoholiker, das sind die wirklich trockenen, die sich mit ihrer Sucht beschäftigen und die Entwicklung, die sie während der nassen Zeit nicht gemacht haben oder die in die falsche Richtung gegangen ist, versuchen zu korrigieren. Dann gibt es wie von "Melinak" schon erwähnt, Leute mit Trinkpausen, die es aus irgend einem Grund aushalten, nicht zu trinken. Und je nach dem kann das schon mal längere Zeit, in einzelnen Fällen auch über Jahre, funktionieren. Im Prinzip wird das Suchtgedächtnis mit großem Aufwand (Muss nicht vom Betroffenen bewusst wahrgenommen werden.) "gedeckelt".
    Es gibt da auch keine klaren Unterscheidungsmerkmale für außen Stehende. Das kann nur der Süchtige selbst für sich entscheiden, wie er auch entscheiden muss, ob er süchtig ist.
    Ich kenne beide Seiten und habe früher auch längere Trinkpausen gemacht. Im Gegensatz zu jetzt ist der Trinkwunsch nie aus meinem Kopf verschwunden und ich habe mich immer quälen müssen, um nicht zu trinken. Ich habe mir und anderen gegenüber auch nicht zugegeben, dass ich süchtig bin, sondern habe das Nichttrinken anders begründet. Für mich fängt der Weg in die Trockenheit damit an, dass ich vor mir und anderen, wirklich und tief verankert, zugebe ein Alkoholiker zu sein.

    Schönen Tag

    H.

    Hallo,

    na ja - was soll ich dazu noch sagen. Ich mache es mal vor: Früher habe ich auch solche Gedanken und Gefühle gehabt. Bloß mit der richtigen Trockenheit hat es nicht so richtig geklappt - aber mit den Trinkpausen konnte ich mich wenigstens körperlich ein wenig erholen, was aber nicht lange gehalten hat. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mir meine große Schnauze nichts bringt - ich muss mich schon mit mir selbst beschäftigen und die entsprechende Demut dazu besitzen. Aber ich kann mich auch selbst von meinem Problem ablenken, indem ich anderen Ratschläge geben.

    Schönen Tag

    H.

    PS:

    Zitat von Chiemgauer

    Als Neuschlau lasse ich mich von dir übrigens nicht bezeichnen !

    Wenn Du Dich angesprochen fühlst? War eigentlich eine allgemeine Äußerung über viele Beiträge.
    Das ist auch so etwas was ich lernen musste - nicht alles als persönlichen Angriff zu sehen und dem Gegenüber zuzubilligen, dass er möglicherweise etwas anspricht, das mir helfen könnte. Hat dann auch mit der Demut zu tun.

    Zitat von Chiemgauer

    Außerdem bezeichnet sich dieses Forum hier als Selbsthilfegruppe. Da darf es auch erlaubt sein, anderen Ratschläge zu geben ! Dieses Recht nehm ich mir hier auch heraus.


    Hallo,

    nur mal so dazwischen geworfen: Ich glaube nicht, dass dies ein Forum für Neuschlaue ist, die anderen erklären wie der Faden durch die Nadel geht, weil sie selbst mal gesehen haben, wie es jemand gemacht hat. Wie schon richtig bemerkt, ist dies eine Selbsthilfegruppe. Und weil der Name das schon sagt: Es geht darum mir selbst zu helfen. Darum bleibe ich bei mir, rede von mir, meinen Erfahrungen und Gefühlen - wenn ich will. Das ist für mich die oberste Regel der Selbsthilfe.

    Schönen Tag

    H.

    Hallo Kossi,

    mal abgesehen davon, dass es auch für einen nicht süchtigen Menschen total bescheuert ist vor eine OP unkontrolliert Medikamente einzunehmen, wirst Du Dir mit Deiner Erfahrung die Frage wohl selbst beantworten können.
    Ich würde mich zur Entgiftung einweisen lassen und von dort aus weitere Schritte einleiten. In Berlin ist es jedenfalls so, dass es auf den Stationen Sozialarbeiter gibt, die dabei helfen.

    Schönen Tag

    H.

    Hallo,

    1. Wenn ich ein Notfall bin, schlage ich in der Praxis auf. Dann darf die Ärztin mich eigentlich nicht mehr wegschicken. Aber dann muss ich eben mit Wartezeit rechnen. Telefonisch kann ich vertröstet werden.

    2. Ich halte das selbst "herum experimentieren" mit Medikamenten jeglicher Art für sehr gefährlich.

    3. Was erwartest Du hier? Eine Anleitung oder Unterstützung für "Experimente" zu bekommen?

    Schönen Tag

    H.

    Zitat von Waschbaer

    Bin leider erst seit 2,5 Wochen ohne Alk. Aber ich habe nur zwei mal das Bedürfniss gehabt, Alk zu trinken.

    Hallo,

    das ist es ja, um was es mir ging. Am Anfang ging es mir ähnlich. Erst als ich mir mein Verhalten rückschauend noch mal angesehen habe, musste ich feststellen, dass da noch eine Menge nasse Gedanken und nasses Verhalten waren. Das hat sich in vielen Kleinigkeiten manifestiert. Ich bin zum Glück sehr früh darauf aufmerksam gemacht worden und konnte so etwas ändern. Und die Einsicht war einfach für mich, weil meine früheren Versuche immer fehl geschlagen waren. Ich war einfach so weit, dass ich mir helfen lassen konnte. Und ich habe gelernt wo die Tücken des Suchtgedächtnisses stecken, dass ich es mir nicht mehr so einfach machen kann, so nach dem Motto: "Bis hierher ist es ja gut gegangen.".
    Handlungen und Gedanken (auch unterlassene) haben für mich auch Einfluss auf mein weiteres Handeln und Denken (auch viel später). Natürlich ist es nicht wirklich möglich, dabei "Gut" und "Schlecht" bewusst zu unterscheiden. Und Steuerung ist auch nur bedingt möglich. Aber dafür haben wir ja das Gefühl. Aber das muss nach dem langen "Quälen" durch das Suchtmittel erst wieder neu lernen, Entscheidungen zu treffen.
    Wie wird immer gesagt: "Nur nicht trinken reicht nicht." Ich habe mein gesamtes Leben geändert. Das fängt z. B. beim sozialen Umfeld und beim Tagesablauf an und greift in alle Lebensbereiche.

    Schönen Tag

    H.

    PS: Warum "leider"? Mindestens der erste Schritt ist gemacht.

    Hallo,

    ich möchte das hier noch mal "anpieken", aber nicht wieder zum ...sten Mal dort wo es eigentlich hingehört.

    Also, das gehört für mich auch dazu - verdrängen, vertuschen, nicht wahrnehmen, in Kauf nehmen, kein Kontakt zu den entsprechenden Gefühlen, Selbstlüge usw., usw., usf..


    Schönen Tag

    H.

    Hallo,

    ich habe jetzt nochmal neu nachgedacht, wie ich mich verständlich machen kann. Bis jetzt ist an den Antworten nichts zu bemängeln aber ich möchte die Frage etwas anders stellen:
    Wenn ich davon ausgehe, dass ich ein bestimmtes Verhaltensmuster über Jahre oder Jahrzehnte ausgeführt habe und damit ein vermeintliches Bedürfnis befriedigt habe, war das aus einem falschen Gefühl heraus, das durch meine Sucht entstanden und durch mein Suchtgedächtnis vermittelt wurde.
    Wenn ich bestreite, wie ich es oft getan habe, dass dieses Gefühl noch vorhanden ist oder ich dieses Gefühl vermeintlich nicht habe, wenn ich mein Suchtmittel gerade nicht konsumiere, ist das denn nicht ein süchtiges Verhaltensmuster? Ich belüge und betrüge mich selbst, um die Sucht vor mir zu rechtfertigen. Und dieser Prozess setzt sich für mich fort.
    Ich möchte hier niemanden persönlich angreifen, sondern ich will versuchen auf eine Falle aufmerksam zu machen, in die ich oft getappt bin. Das hat auch nicht mit herbeireden von Gefühlen zu tun, sondern gehört für mich zu dem Prozess wieder in gesunden Kontakt mit ihnen zu kommen und die vorgegaukelten Bedürfnisse aus dem Suchtgedächtnis zu erkennen und damit umzugehen.

    Schönen Tag

    H.

    Zitat von Torki

    Es wäre toll, wenn dieses Bedürfnis (vielleicht kann man auch von Automatismus sprechen), das in den letzten 15 Jahren meines Lebens eine insgesamt recht große Rolle gespielt hat, plötzlich einfach von selber verschwinden würde - und vielleicht ist das ja auch bei dir und anderen so (beneidenswert!).

    Hallo,

    juuut! Das ist es, auf was ich hinaus wollte. Und natürlich die Frage, die sich anschließt: Wo bleibt denn nun dieses Gefühl, wenn es plötzlich weg ist?

    Ich glaube nicht, dass es in den Flaschen verschwindet und mit ihnen geht.:lol:

    Schönen Tag

    H.

    Das mit dem Aufpassen ist alles richtig. Aber ich wollte eigentlich auf etwas anderes hinaus: Ist es wirklich so, dass kein Verlangen da ist? Spüren wir es nicht und müssen es erst, mindestens am Anfang, wieder lernen das zu erkennen? Oder verdrängen wir das Gefühl, aus welchen Gründen auch immer?
    Bei mir war es am Anfang auch so, dass ich es scheinbar (auch für mich) leicht geschafft habe nicht zu trinken. Wenn ich in dieser Beziehung nicht an mir gearbeitet hätte, wäre es wieder ein vergeblicher Versuch geworden, denn das Suchtgedächtnis hätte wieder die Oberhand gewonnen. Für mich gehört das Zugeben des Verlangens, denn es kann nicht einfach irgendwo hin verschwunden sein, zum Prozess des Anerkennens der Sucht und des Umgangs mit meiner Krankheit. Lerne ich meine Sucht dadurch nicht kennen, wenn ich ihr nachspüre und nicht sie mir?


    PS: Ich bin der Meinung, dass es auf Dauer nicht klappt, bestimmte Situationen zu "überschreiben". Bei mir würde ich das eher als "neue Verknüpfungen" bezeichnen.

    Hallo,

    oft höre und lese ich von Leuten, die erst kurze Zeit nicht konsumieren, Sätze wie: "Ich habe gar keinen Saufdruck.", "Da ist kein Verlangen." oder ähnlich.
    Bei meiner stationären (letzten) Entgiftung bin ich in der "Runde" darauf aufmerksam gemacht worden, dass da wohl dann etwas nicht stimmen kann und ich doch mir gegenüber aufmerksamer sein sollte. Also habe ich "geübt" mir gegenüber zuzugeben, dass bei mir doch der Drang nach dem Suchtmittel vorhanden ist.
    In der Rückschau muss ich sagen, dass dies mir sehr geholfen hat, zu erkennen, wie ich mich selbst belogen habe und es gar nicht möglich war, ohne diese Erkenntnis wirklich trocken zu werden.
    Wie sind Eure Erfahrungen?

    Schönen Tag

    H.

    Zitat von Lütze

    Da ist es wieder mein Umfeld.Welches sich überhaupt nicht ändern will.

    Hallo,

    und genau diese Erfahrung hat mich dazu gebracht, mich von diesem Umfeld zu verabschieden. Als mein Kühlschrank noch voll Schnaps und Bier war, sind immer alle gerne gekommen. Da habe ich mich gefragt, warum die gekommen sind - wegen dem Kühlschrank oder wegen mir? Auf jeden Fall war ich ohne Kühlschrank keine größere Mühe mehr wert - außer mich wieder auf die eine oder andere Art zum Trinken zu bewegen. Hat ja auch einige Male geklappt. Nur beim letzten Mal eben nicht. Da bin ich gegangen und konnte trocken werden.

    Schönen Tag

    H.

    Zitat von Seidenraupe

    Verlangenssituationen erfolgreich bekämpfen!

    Hallo,

    diesen Fehler habe ich bei meinen erfolglosen Versuchen auch immer gemacht. Seit ich die Sucht angenommen habe, lebe ich mit diesen Situationen und habe gelernt damit umzugehen. Das ist der Weg - glaube ich - denn wenn ich kämpfe werde ich immer verlieren. Das ist nur eine Frage der Zeit.

    Schönen Tag

    H.

    Hallo,

    Zitat von Torki

    Halte ich mir nicht das berühmte 'Hintertürchen' offen, wenn ich nicht definitiv sage 'nie wieder'?


    ich denke das ist anders herum. Aber sagen nutzt sowieso nichts. Es muss sich in meinem Hirn "einbrennen", wie die Sucht. Aber da wo die ist, kann kein Gedanke hindringen. Aber ich habe gelernt die Auswirkungen auf mein Denken und Verhalten zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Wenn ich mir Hintertürchen offen halte, kann das nicht immer klappen und der Rückfall rückt näher.

    Zitat von Torki

    Auf der anderen Seite ist mein Wille das einzige was mich vor dieser Krankheit schützen kann - also doch alles nur eine Frage des Willens??


    Der Wille hat mir über die erste Zeit geholfen. Das ist aber ein Kampf, bei dem ich zwar eine Schlacht gewinnen kann. Auf Dauer kann ich das nicht durchhalten, denn: "Wer gegen die Sucht kämpft verliert".
    Ich habe noch nie jemanden gefunden, der mir den richtigen Weg beschreiben kann. Was ich aber überall wieder finde, ist die Aussage, dass ich mich vor der Sucht ergeben habe - also ich nicht mehr kämpfe. Diesen Weg muss aber jeder für sich finden. Das ist ein wichtiger Grund für die Selbsthilfe. Indem ich anderen Süchtigen zuhöre, bekomme ich eine Ahnung davon. Ist eben alles Gefühlssache.

    Schönen Tag

    H.

    Zitat von Torki

    - ich kann für mich momentan nicht mit voller Überzeugung sagen, ich werde nie wieder einen Tropfen Alkohol zu mir nehmen -

    Hallo,

    ich kann von mir auch nicht behaupten, dass ich nie wieder trinken werden. Aber ich möchte nie wieder trinken und lasse mir da auch kein Hintertürchen offen. Sonst würde ich nur eine Trinkpause machen.

    Schönen Tag

    H.

    Hallo,

    wird eine Blinddarmentzündung auch in gut und schlecht sortiert? Sucht ist nun mal eine Krankheit. Aber es wird immer Menschen geben, unabhängig von der Sucht, mit denen wir besser oder schlechter können.
    Meistens wird diese Frage sowieso nur gestellt, um sich selbst in die Kategorie "gut" einzuordnen. Dann war doch "alles nicht so schlimm" und das erste Hintertürchen für das Suchtgedächtnis ist geöffnet.

    Schönen Tag

    H.

    Zitat von GKrazzhoopper

    Ich fühle mich gerade so missverstanden!

    Hallo,

    mir geht es auch nicht darum, jemanden zu verstehen oder ihm zu raten wie er sich verhalten soll oder nicht. Der Sinn der Selbsthilfe ist von mir selbst zu reden. Wenn jemand anders in der Lage ist, daraus Lehren zu ziehen - gut; wenn nicht - auch gut. Dann muss er die Erfahrungen eben selbst (im besten Fall) oder gar nicht machen.
    So jetzt noch mal: Ich habe Leute erlebt, die wegen dem Vogel oder der Katze der Nachbarin Therapien abgebrochen haben. Ich selbst habe mir z. B. nach etwas längerer Nichttrinkphase eingeredet, dass es wichtiger ist, im Urlaub doch mal was zu trinken. Der versank dann irgendwie im Nebel.
    Was ich damit sagen will: Es ist das wichtigste eine stabile, zufriedene Trockenheit zu erreichen. Danach, wenn die Denke wieder funktioniert, kann ich weitere Schritte unternehmen um mein Leben zu gestalten. Je mehr Zwänge ich mir im Voraus auferlege, um so unwahrscheinlicher ist es trocken zu werden.

    Schönen Tag

    H.

    PS: Ich sehe es als selbstverständlich an, anderen meine Erfahrungen mitzuteilen. Dies haben die Leute, die mir geholfen haben auch gemacht und ich habe davon profitiert. Aber ich sehe darin keinen Zwang.
    Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.