Beiträge von HansHa

    Zitat von GKrazzhoopper

    Musik und Musikmachen ist für mich so mit das Wichtigste überhaupt! PUNKT


    Schön dass Du weißt, was Du willst. Jeder muss selbst wissen, wo seine Priorität liegt. Meine liegt beim trockenen Leben. Kompromisse einzugehen habe ich oft genug versucht. Das hat nicht geklappt. Vielleicht hätte ich weiter in diese Richtung probieren sollen. Aber dann wäre ich wahrscheinlich schon gestorben.

    Hallo,

    Zitat von GKrazzhoopper

    Wenn du mir dabei helfen willst, versuche nicht mir es auszureden, sondern lieber eine gute (gesunde/trockene) Einstellung dazu zu finden.


    bei mir hat es damals auch gedauert, bis mir der Ernst der Lage bewusst geworden ist. Ich habe so manchen "abgebürstet", der mir helfen wollte und konnte auch nicht einsehen, dass der Suff mein Leben über lange Jahre geändert hat, dass ich jetzt dran bin mein Leben wieder zu ändern. Es reicht eben nicht nichts zu trinken.

    Zitat von GKrazzhoopper

    Gewillt bin ich allemal...

    Habe ich auch immer gesagt, aber wirklich akzeptiert hatte ich es nicht. War also ein Lippenbekenntnis oder eine Selbstlüge von mir.

    Schönen Tag

    H.

    Zitat von murmeltier

    Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass jemand weiterhin regelmässig eine SHG besucht und heimlich trinkt. Irgendwie paradox.

    Hallo murmeltier,

    das konnte ich auch nicht, aber hier mal ein Beispiel: Während meiner Zeit nach der Therapie (betreute Gruppe) war da auch jemand, wo ich immer wieder den Verdacht hatte. Das hat sich über Wochen hingezogen. Bis ich ihr auf den Kopf zugesagt habe, dass ich Alkohol rieche. Das war allerdings der typische Geruch der Ausdünstungen 2 Tage nach dem Trinken. Auf jeden Fall wurde der Rückfall dann zugegeben. Über Motivationen könnte ich nur spekulieren. Mich hat der Vorfall misstrauisch gemacht und nach weiteren Erfahrungen dieser Art, versuche ich mich mehr auf mein Gefühl zu verlassen und dann nachzufragen. Habe ich immer noch den Eindruck, belogen zu werden, schütze ich mich selbst, indem ich mich zurück ziehe.

    Schönen Tag

    H.

    Zitat von Karsten

    Ich versteh die Sensibilität auch nicht wirklich, denn als wir gesoffen haben, waren wir oft alles andere als sensibel im Umgang mit unseren Mitmenschen.


    Hallo Karsten,

    was ist das denn für ein Gedanke? Weil ich Süchtiger besoffen unsensibel war, muss ich es auch trocken sein? Kann ich nicht nachvollziehen. Vor allem, weil ich mir einbilde, dass ich mich geändert und entwickelt habe. Das soll nicht etwa heißen, das ich mich perfekt fühle, aber ein bisschen eingebildet bin ich schon, dass ich bis hierhin gekommen bin. :)

    Schönen Tag

    H.

    Zitat von krümmelkäfer

    Das bedeutet letzendlich das ich schwach war/bin.
    [...]
    Und da ist halt der Glaube an meine Stärke, das ich es auch ohne diese Form der Therapie schaffen kann.

    Hallo,

    na was denn nun?
    Ich habe auch in dem Glauben gelebt, dass es von meiner "Stärke oder Schwäche" abhängt trocken zu werden. Das habe ich aber verwerfen müssen, weil es für mich Quatsch ist, den sich Leute ausdenken, die keine Ahnung von Sucht haben. Wenn ich kämpfe werde ich verlieren.
    Ich bin trocken geworden, weil ich vor mir selbst wirklich und ohne Rückkehrmöglichkeit zugegeben habe, süchtig zu sein. Also musste ich einen anderen Weg finden. Dieser wurde mir von anderen Betroffenen gewiesen, beschreiten musste ich ihn selbst. Alle anderen Versuche von mir waren glatter Selbstbetrug. Das musste ich einsehen.

    Schönen Tag

    H.

    Zitat von Karsten

    ich war jahrelang der Meinung stark zu sein, weil ich glaubte, ich weiß, was mir gut tut und was ich brauche.

    Hallo,

    so ging es mir auch. Zusätzlich habe ich noch über ein Jahr eine stationäre Therapie mit anschließender ambulanter Nachsorge gemacht.

    Hätte mir eigentlich auch schon eher einer sagen können, wie schwach ich bin. :)

    Schönen Tag

    H.

    Zitat von Karsten

    Nicht unbedingt als Suchtverlagerung, sondern eher als missionieren.


    Ist für mich der gleiche Prozess, eben der Hang zu allen Extremen. Mag auch was damit zu tun haben, dass irgendwo das schlechte Gewissen nagt und ich deswegen unterbewusst von mir ablenken will. Ich finde, dass daran gut zu erkennen ist, ob ich meine Sucht wirklich angenommen habe und mich mit mir beschäftige, um etwas zu ändern. Ich kann zwar durch das aufmerksame Beobachten des Umfeldes lernen, wenn ich aber neu erworbene Erkenntnisse unbedingt auf Andere übertragen will, obwohl sie noch nicht wirklich bestätigt sind oder nur einen Teil treffen, dann bringt das nicht für alle Beteiligten.
    Andererseits kann ich nur durch Beteiligung lernen. Und deshalb finde ich die Regeln für SHG's wichtig. Vor allem bei mir zu bleiben, also von mir und meinen Gefühlen zu reden und das auch zum Ausdruck zu bringen. Beispiel: Statt zu sagen "Du darfst keinen Alkohol zu Hause haben." einfach "Ich halte mich an die Grundregel und habe keinen Alkohol zu Hause." Das bringt mich selbst und vielleicht auch den/die Gegenüber weiter. Auf Leute, die aus einer SHG eine Bühne für sich selbst machen, habe ich keine Lust und brauche sie auch nicht begleiten.

    Zitat von Karsten

    nämlich das Wort Extremverhalten.


    Du meinst jetzt von einem Extrem in das andere, also Suchtverlagerung? Das kann ich nachvollziehen und kenne die Gefahr.

    Zitat von Karsten

    das klinkt nach kleinen Schritten nach längerer Zeit, was ich auch gut finde.


    Ich halte es da mit der Chaostheorie - Schmetterlingseffekt. Bloß ich meine nicht das Wetter. :lol:

    Zitat von Karsten

    aber möchte mal gern wissen, warum man sich jetzt Gedanken darüber macht, wo man ohne Alkoholkonsum lebt?


    Weil ich damit beschäftigt war, für mein vermeintliches Wohl, sprich Beschaffung, Konsum und Erholung des/vom Suchtmittel, zu sorgen. Ich war mehr oder weniger isoliert und merke nach den Jahren der Trockenheit immer mehr eine mir vorher unbekannte Integration in die Gesellschaft, ein Gefühl der Zugehörigkeit - und daraus folgt auch, dass ich Verantwortung im Rahmen des vorher beschriebenen übernehme.

    Was ich eigentlich sagen wollte war, dass die Veränderung der Gesellschaft mit meiner Veränderung beginnt. Wenn ich versuche Schuld und Verantwortung in Richtung Gesellschaft zu verschieben bin ich wieder beim großen selbst Belügen angekommen.
    Und für mich ganz wichtig: Ich ändere nichts, indem ich große Reden schwinge. Aber auch nichts wenn ich mich selbst für die vermeintliche Änderung aufgebe. Das heißt für mich, dass ich einen "sicheren Stand" haben muss und dann auch daraus handeln kann.
    Und man muss die Veränderung auch nicht immer groß und heroisch betrachten. Ändere ich z. B. nicht schon etwas, wenn ich jemanden einen Denkanstoß gebe und er sich dadurch verändert? Aber andererseits sind das ja normale Vorgänge, wenn einige Menschen zusammen sind.

    Zitat von murmeltier

    Nun gut, werde mich in diesem Falle entschuldigen, wir sind ja nicht im Bastelclub sondern in einer Alkoholiker-SHG.

    Hallo,

    ist es nicht der Sinn einer SHG über meine Gefühle zu sprechen? Und wenn ich "bei mir bleibe" und meine Verdacht nicht als Angriff vortrage, sehe ich keinen Grund zu einer Entschuldigung.

    Schönen Tag

    H.

    Hallo,

    wie Karsten schon geschrieben hat, kann die Gesellschaft für unsere Krankheit nichts. Ich würde sogar noch weiter gehen. Es wird in einer Gesellschaft immer Ereignisse und andere Sachen geben, die zwei Seiten (gut - schlecht) für verschiedene Leute haben. Ohne eine Wertung für (oder gegen) den Alkohol in der Gesellschaft abgeben zu wollen, würde es nach einem möglichen Verschwinden des Alkohols aus ihr einen neuen "Aufreger" geben, der Vor- und Nachteile für Einzelpersonen oder gesellschaftliche Gruppen auslöst, mit denen wir uns arrangieren müssen. Ein Alkoholverbot, bzw. andere Reglementierungen, wären für mich kein Ausweg aus dem momentanen Zustand. Ich bin nun mal der, den es getroffen hat und muss das akzeptieren. Ein ständiges Hadern mit meinem Schicksal bringt mich auch nicht weiter.

    Schönen Tag

    H.

    Zitat von murmeltier

    was sagt euer Bauchgefühl?

    Hallo,

    was sagt denn Dein Bauchgefühl?
    In dem Fall habe ich selbst keins, weil ich keinen Kontakt zu dieser Person habe. Sonst hat aber mein Bauchgefühl meist recht und ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht nachzuhaken, ist dann aber meistens nicht angenehm. Aber für meinen Selbstschutz ist das notwendig.

    Schönen Tag

    H.

    PS: Das mit dem Bauchgefühl sehe ich persönlich als Erfolg meiner Trockenheit. Früher hat es mir nur gesagt, dass ich wieder was trinken muss.

    Zitat von elchtreiber

    Und ich selber sehe mich hier auch als "Frischling", zwar
    4 Jahre trocken, aber eben neu in der Erkenntnis, das ich mein Leben verändern muss.


    Hallo Ralf,

    aus heutiger Sicht war ich während meiner früheren langen Trinkpausen nicht trocken, trotzdem ich es vor mir selbst behauptet habe. Ich habe es nur ausgehalten nicht zu trinken, dagegen gekämpft und sonst nichts in meinem Leben geändert. Irgendwann hat mich das Suchtmittel dann wieder "eingeholt".
    Als ich angefangen habe, mein Leben zu ändern, hat für mich aus heutiger Sicht mein Weg in die Trockenheit begonnen. Dadurch hat sich auch ein anderes Verhältnis zu mir selbst und zu Anderen entwickelt. Und da gehört für mich auch die Klärung bestimmter Begriffe dazu, um es für mich selbst klarer zu sehen. Das ist u. a. auch einer der Effekte von SHG's. Dort (hier) erhalte ich solche "Anstöße".

    Schönen Tag

    H.

    PS: Ich finde auch das Wort "Abstinenz" für einen trockenen Alkoholiker nicht zutreffend. Abstinenz bedeutet für mich Verzicht - aus welchem Grund auch immer - und das womöglich noch zeitlich begrenzt, bis ein bestimmtes Ziel erreicht ist.

    Hallo,

    ich habe in meinen früheren Trinkpausen auch immer der Selbstlüge geglaubt, dass mir die Anwesenheit von Alkohol in Flaschen oder Menschen "nichts ausmacht". Denn ich war stark und konnte mich dagegen wehren. Aber genau da liegt für mich der Fehler. Wenn ich heute höre, dass ein Süchtiger sagt, dass die Anwesenheit des Suchtmittels ihm nichts ausmacht, muss ich immer wieder daran denken und kann das nicht glauben. Meine Trockenheit fing für mich damit an, ehrlich zu mir selbst zu sein.
    Heute nach vielen Jahren gehe ich auch mal in ein Restaurant (nicht Kneipe) essen. In dem Bewusstsein, dass Alkohol anwesend ist, kann ich das Risiko minimieren und lasse mir außerdem immer einen "Fluchtweg" offen. Meine Wohnung ist und wird immer frei von Alkohol und auch anderen Suchtmitteln sein. Das hat Priorität und wenn irgend ein Mensch der Meinung ist, das nicht akzeptieren zu können oder wollen, werde ich mich immer gegen den Menschen entscheiden. Das ist meine Grenze und wenn ich anfange diese aufzuweichen, kann ich auch gleich wieder die Flasche zur Hand nehmen. Also ist das für mich eine Entscheidung zwischen Leben und Tod.

    Schönen Tag

    H.

    Zitat von Frank P.

    kurz im Café

    Hallo Frank,

    in meiner Anfangszeit bin ich gar nicht auf die Idee gekommen, dort einzukehren, wo es Alkohol gibt und ich überlege es mir heute noch genau. Ich halte mir immer einen "Fluchtweg" offen und wäre sofort verschwunden, wenn es mir so gegangen wäre.
    Unter allen anderen Begründungen dafür, z. B. Risikominimierung, kommt mir die mit dem Suchtgedächtnis, welches mich möglicherweise dort hinführt, wo es gefährlich ist, sehr plausibel vor.
    Aber eigentlich habe ich es satt, hier im Forum immer wieder das gleiche zu schreiben. Ich musste die Rückfallerfahrungen auch oft machen, bis ich den Anderen geglaubt habe.

    Schönen Tag

    H.