Beiträge von inga

    Hallo Moonglow,

    heute abend ein Gespräch - und dann? Es können/werden noch viele Gespräche folgen - ohne daß sich etwas ändert. Wenn sich jemand einem anderen (dem Partner) zuliebe ändert (mit saufen aufhören), wird das mit großer Wahrscheinlichkeit in den meisten Fällen nichts werden - wenn sich jemand aus Eigenliebe zu sich selbst und ohne einem anderen zu gefallen ändert - dann wird es ein Erfolg.

    Zitat von Moonglow

    Ich leide sehr zur Zeit, aber nicht, weil ich meine Liebe dadurch besser spüre. Trotz meines ausgeprägten Helfersyndroms, kann ich mich sonst ganz gut distanzieren, wenn mir eine Partnerschaft oder Freunde nicht gut tun und ich darunter leide. Es dauert einige Zeit, aber irgendwann habe ich immer die Notbremse gezogen und mich getrennt, bzw. die Freundschaft beendet.

    Das sollte Dir vielleicht zu denken geben, weshalb Du immer wieder die Notbremse gezogen hast und die Trennung erfolgte. Find die Ursache, dann hast Du die Chance, nicht mehr in solche Beziehungen oder Freundschaften abzudriften. Es ist schwer, das weiß ich von mir selbst zu Genüge.

    Ich meine nicht, daß Du niemandem mehr helfen sollst, aber wenn das Helfersyndrom dazu führt, daß Du selbst leidest ist etwas faul. Liebe heißt nicht leiden - und das tust Du gerade.

    Wie geht es nun nach dem Gespräch für Dich weiter?

    lg inga

    Hallo Aurora,

    das Wochenende war vom Wetter her herrlich, aber leider etwas zu kurz. Wir hatten hier heute den ganzen Tag lang Sonne und eines der Bücher habe ich durch, eigentlich sollte der Bücherstapel bis ins neue Jahr reichen, wird wohl eng werden.

    Ich vermute, seine Eltern wollen, daß er sich wenigstens ab und zu woanders hinbewegt als zum Bierholen und zu ihnen, denn arbeiten geht er nicht. Auch ich habe mal so reagiert. Als wir uns kennenlernten, hat er in meiner Gegenwart nichts getrunken und er wirkte auch nicht betrunken, war akkurat angezogen, rauchte nicht wenn wir zusammen etwas unternommen haben. Er ist Spiegeltrinker und hatte damals einen ständigen Alkoholspiegel von 3,8 Promille, der inzwischen höher sein dürfte, da sein Lebenswandel genauso verlief wie ich es bei meiner Trennung geahnt hatte. Diese Angst, er könne immer tiefer sinken und immer weiter abbauen hat mich lange zögern lassen, mich zu trennen. Diese Angst hat sich bestätigt.

    So nach und nach, eigentlich eher schleichend aus meiner Sicht und aus seiner wohl berechnend, hat er erst nur mal ein Bier getrunken und ab und an eine Zigarette geraucht. Denn hätte er mir schon am Anfang sein wahres Gesicht gezeigt, wären wir nie ein Paar geworden. Ich gehe oft von mir aus, wenn ich sage, ich mag dich, dann meine ich es auch. Es fällt mir schwer, anderen nicht zu glauben, wenn sie soetwas zu mir sagen. Ich werde aus Berechnung nichts sagen, um meine Vorteile daraus zu ziehen. Bloß viele andere Menschen tun Dinge aus purer Berechnung.

    Nachdem ich mitbekam, was mit ihm los war, habe ich ihm alle Probleme aus dem Weg geräumt. Ich war voll davon überzeugt, daß er dann keinen Grund mehr hätte zur Flasche zu greifen - das Gegenteil war der Fall, ich habe es nicht gesehen oder auch nicht sehen wollen. Je mehr ich für ihn tat, desto schlechter hat er mich behandelt. Heute ist mir klar, weshalb. Ich habe als Kind nichts anderes von meiner Mutter kennengelernt, egal was ich tat, ich konnte es ihr nie recht machen, Lob oder gute Worte gab es so gut wie nie.

    Gestern war ich in der Stadtbibliothek um meine ausgelesenen Bücher (vor Ablauf des Ausleihdatums) zurück zu geben. Mit einem Stapel neuer Bücher im Arm stand ich an der Ausleihe, um sie eintragen zu lassen. Die Tür befindet sich dabei im Rücken etwa 3 Meter entfernt. Dann habe ich es gerochen, eine Mischung aus kaltem Rauch, Alkoholfahne, Körpergeruch und zuviel benutztem Deospray. Und die Frage, weshalb ich nicht grüßen würde. Ich habe regelrecht gemerkt wie ich rot wurde und habe mich gar nicht umgedreht. Mein Rotwerden konnte ich aber nicht verhindern. Ohne eine Antwort abzuwarten ist er in einen anderen Raum gegangen, unsere Bücherei besteht aus vielen kleinen Räumen. Als er dann weg war, erzählte die Bibliothekarin, daß seine Eltern ihn angemeldet hätten und sie gar nicht begeistert von ihm ist. Er überzieht das Abgabedatum teilweise um Monate. Da seine Eltern Posten bekleiden, kann man nichts machen, solange er nicht weiter auffällt.

    Anfang kommenden Jahres zieht die Bücherei um, nun hoffe ich, daß ihm der Weg dahin zu weit ist und ich dann wenigstens da meine Ruhe vor ihm habe. Denn ich lese gerne und viel, soviel Bücher könnte ich mir nicht kaufen. Außerdem habe ich an "Lesestoff" viel nachzuholen, weil ich in meiner Vergangenheit mit "wichtigeren Dingen" als mit dem was mir wirklich Freude macht beschäftigt war.

    Bei mir sind auch noch andere Dinge aus meiner Trennungszeit geblieben. Da ist das abschalten von Handy, Festnetz und Haustürklingel wenn ich abends zuhause bin. Heute empfinde ich das als wirklich Feierabend haben. Angefangen hatte ich damit, weil er mich zu unmöglichen Zeiten mit SMS und Anrufen bombardiert hat, am allerliebsten nachts. Auf die Idee, seine Nummer über meinen Anbieter sperren zu lassen bin ich erst später gekommen. Er war nicht der Einzige, der sich darüber beschwert hat, daß ich nicht mehr rund um die Uhr erreichbar bin.

    In den ersten Wochen habe ich fast nur geheult. Nachts kaum geschlafen, weil ich immer mit ihm reden wollte, ich wollte noch so viel klären. Da ich definitiv zuwenig Schlaf hatte und demzufolge tagsüber hundemüde war, habe ich mich zwischendurch hingelegt und dabei die Beine hochgelegt, die vom vielen rumgerenne tagsüber wehtaten, nur etwa 20 Minuten lang. Deshalb habe ich den Wecker gestellt. Zuerst bin ich gar nicht zur Ruhe gekommen, ich habe zwar gelegen und hatte die Augen zu, aber für meine Sorgen und Probleme schien das das Startsignal zu sein zu kommen. Ich habe mich weiter mit ihnen beschäftigt und war dann schnell wieder auf "180". So ging´s nicht weiter. Eine gute Freundin riet mir, mich auf meinen Atem zu konzentrieren und ihm zuzuhören. Probiert. Sorgen und Probleme kamen und gingen, ich ließ sie einfach "ziehen". Heute kann ich auf den Wecker verzichten (stelle ihn aber zur Sicherheit trotzdem noch) und kann mich "treiben lassen", Probeme lasse ich dabei für später, die können warten, ich bin schließlich mit mir beschäftigt. Auch das habe ich beibehalten und möchte nicht mehr drauf verzichten, vorläufig zumindest nicht.

    Hallo Aurora,

    ein nicht gerade leichtes Unterfangen, die Meinung der anderen Leute zu ignorieren. Einer der Punkte, die mich zögern ließen, mich zu trennen, war das Getratsche meines damaligen Partners. Er hat über jeden schlecht geredet, egal wer es war bzw. ist, auch seine Eltern sind da keine Ausnahme, ich hab es bloß lange nicht wahr haben wollen. Er hat schon während unserer Beziehung schlecht über mich geredet. Ich habe es auf den Alkoholkonsum geschoben, er braucht das wohl, um von sich selbst abzulenken. Seitdem bin ich sehr vorsichtig gegenüber Menschen, die über nicht Anwesende herziehen, kein gutes Haar an ihnen lassen und wenn diese Menschen auftauchen zu denen dann plötzlich sehr sehr freundlich sind.

    Eine meiner gebliebenen Freunde vertritt die Meinung, daß derjenige, dem es dort nicht gefällt halt wegbleiben kann. Diese Einstellung gefällt mir, muß ich zugeben. Passiert mir immer häufiger, daß ich auch so denke und handle: wem es bei mir nicht gefällt, der bleibt eben halt weg. Mit allen Menschen harmonisch und friedlich leben wird mir sowieso niemals gelingen. Da kann ich mich noch so sehr anstrengen. Wenn man sein ganzes Leben lang gerade nach einer solchen Harmonie gestrebt hat, ist der Weg lang, davon loszukommen.

    Ich wünsch Dir ein schönes (stürmisches) Wochenende. Mein 14 Wochen alter Hund hat sich heute laufend umgeschaut und wollte wissen, wer da ständig von hinten schiebt.

    lg inga

    Das mit den lustigen Bildern an den Wänden, auf Ordnern und Heftern stammt aus der Zeit kurz nach der Trennung. Um weder auf seine Anrufe und SMS zu reagieren noch von mir aus anzurufen, habe ich mich damals regelrecht in "ungeliebte" Arbeit gestürzt. Es gibt in meinem Leben Dinge, die mache ich nicht gerne und schiebe sie auf die lange Bank.

    Dazu gehörte auch ein ziemlich großer Karton mit Zeitungsausschnitten, Sprüchen, Zetteln und anderen Dingen, die mir mal bedeutet haben, die zu schade zum entsorgen waren. Ich wollte sie immer in ein Buch einkleben. Den Karton hatte ich mir vorgenommen. Das meiste davon habe ich damals doch aussortiert und entsorgt. Es bedeutete mir einfach nichts mehr, teilweise hingen im Laufe der Zeit auch unangenehme Erinnerungen dran. Mit dem kleinen übriggebliebenen Rest habe ich mir Bilder gestaltet, die überwiegend lustig sind und die seitdem sichtbar und schmoren nicht abgeheftet in irgendwelchen Ordnern wie eigentlich ursprünglich geplant.

    Ich habe mir damals auch einen Wunsch erfüllt, teils aus Trotz gegen meinen Ex, der immer alles und jeden hinterm Rücken schlecht geredet hat und es immer noch tut. Schon als Kind war ich von Drachen fasziniert. Ich habe mir einen Drachenkalender gekauft und aufgehängt. Bis dahin war ich davon überzeugt, so etwas nicht tun zu können, weil wenn mich jemand besucht könnte er ja denken ich sei nicht ganz richtig im Kopf: sich in meinem Alter einen Drachenkalender an die Wand zu hängen. Ist mir egal was andere darüber denken, es ist mein Leben. Für nächstes Jahr habe ich auch schon einen. Für meinen Ex wäre das ein gefundenes Fressen zum tratschen.

    Meine Tochter brachte heute aus der Schule einige Bastelarbeiten und Zeichnungen mit. Wir haben sie zusammen aufgehängt, einige ältere Bastelarbeiten noch aus der Kindergartenzeit kamen von den Wänden runter in einen eigens dafür eingerichteten Ordner. Irgendwie überkam es mich und ich mußte lachen. Weil mir wieder aufgefallen ist, daß mein Ex und ich in vielen Dingen total gegensätzlich waren.

    Mein Ex hat ganz viele Bilder in seiner Wohnung an den Wänden und auf Regalen, außer im Bad und im Abstellraum. Wenn man seine Wohnung betritt, sieht man unwillkürlich ein Bild. Auf allen ist nur eine einzige Person abgebildet, meistens in Portaitform und teils in wertvollen Rahmen. Diese Person ist mein Ex. Allerdings stammen alle Bilder aus Zeiten, in denen man ihm seinen Alkoholkonsum noch nicht ansah. Er hat sie öfter "umdekoriert" und wehe mir ist das nicht sofort aufgefallen!

    Von mir selbst existieren relativ wenige Bilder, ich lasse mich ungern fotografieren. Schon wenn ich neue Paßbilder brauche, schiebe ich das bis zum letzten Drücker raus. Ich mag Bilder von mir nicht, überhaupt nicht. Einige sind darunter, die gefallen mir dennoch, das sind aber Schnappschüsse, mir würde es nie im Traum einfallen, diese an die Wand zu hängen. Stattdessen gibt es bei mir Kalender, Drucke oder manchmal auch Postkarten, die mir gefallen. Ich brauche bei einigen nur hinsehen und fange an zu lachen, obwohl sie ich sie täglich sehe. Beispielsweise sitzen auf einer Postkarte zwei echte Katzen auf einem Sofa, eine davon gähnt herzhaft und die andere guckt sich die Zähne der Gähnkatze an.

    Hallo Aurora,

    danke fürs zutexten.

    Zitat von Aurora

    Wir haben ja beide was davon gehabt.

    Mehr als ein Jahr später kam ich auch zu eben dieser Erkenntnis, daß ja auch ich Vorteile von meinen Beziehungen und sogenannten Freunden gehabt habe. Und ich hab geheult, diesen Schwachpunkt vor mir selbst zuzugeben tat weh. Das konnte ich erst, nachdem ich, trotz Trennung, nicht mehr gefühlsmäßig mit der Beziehung verbunden war. Sein Nachlaufen machte es nun nicht gerade leichter.

    Da, wo du heute bist, will ich auch hin. Das schaffe ich auch. Als nächsten Schritt werde ich für mich eine Grenze ziehen, bis wohin ich bereit bin, mich in irgendeine Sache einzubringen. Auf jeden Fall nicht bis zur totalen Selbstaufgabe wie im "vorigen" Leben.

    Hallo Lindi,

    ich sehe den springenden Punkt da, wo diese Menschen mich finden. Denn ich muß doch irgendetwas ausstrahlen, was sie merken. Ich würde es verstehen, wenn ich jedem erzählen würde, was ich alles kann. Tu ich aber nicht, ich bin ein sogenanntes "stilles Wasser". Denn dieses Problem habe ich nicht nur in Bezug auf Partnerschaften, sondern auch bei Freunden. Von den Bekannten und Freunden, die mir nicht gut tun habe ich mich ja im letzten Jahr auch zurück gezogen. Es ging nicht leicht, ich habe lange überlegt, ob dieser Schritt auch wirklich der richtige ist. Jetzt im Nachhinein sage ich JA. Mir persönlich geht es gesundheitlich besser (auch schlechte Freunde und Bekannte können jemanden herunterziehen), ich habe Zeit für mich und fühle mich wieder gut in meiner Haut (ständig juckende Haut ist grauenhaft, wenn keine organische Ursache gefunden werden kann).

    Ich bewundere immer die Partnerschaften, sie schon Jahre, manchmal Jahrzehnte in einer funktionieren Beziehung zusammen sind. Auffallend finde ich da, daß beide viele gemeinsame Hobbys, Interessen und Vorstellungen von der Zukunft haben. Ich kenne keine Ehe, die lange besteht, wo beide total gegensätzlich sind. Einer lebt ständig auf Kosten des anderen - das muß schief gehen.

    Vorgenommen habe ich mir, wenn mein Gegenüber es eilig hat, aus welchen Gründen auch immer, mit mir eine Beziehung (egal ob als Partner oder Freund) - Finger weg. Ich werde mir in Zukunft Zeit lassen, viel Zeit. Denn wer es ehrlich mit mir meint, nimmt sich auch Zeit und drängt nicht.

    Eines muß ich zugeben, wenn jemand nett und freundlich ist, hebt das schon das Selbstbewußtsein auch wenn man glaubt, man würde soetwas nicht brauchen.

    Was ich für mich selbst wissen will, ist, weshalb sich Männer für mich interessieren, die irgendwelche Probleme haben und eher eine Ersatzmutter suchen und keine gleichberechtigte Partnerin. Vom Typ her bin ich jemand, der das was er anfängt auch zu Ende bringt. Nach dem Motto entweder ganz oder gar nicht: Ich wollte schon als Kind ein eigenes Haus haben, so habe ich alles Geld was möglich war, gespart, um das Ziel zu erreichen.

    Oder wenn ich Arbeit gefunden habe (leider immer nur befristet) habe ich meine Arbeit immer so gemacht, wie es in meinen Kräften oder Fähigkeiten stand, auch wenn es für etliche Leute minderwertige Arbeit ist (wer auch putzen geht, um nicht von Hartz IV leben zu müssen, wird bei solchen Leuten schief angesehen, mein Ex beschimpft solche Menschen und mich besonders, weil das angeblich unter allem, besser seinem, Niveau wäre).

    Oder ich habe einen Hund also richte ich meinen Tag auch nach dessen Bedürfnissen aus, d.h. mindestens dreimal täglich bei jedem Wetter raus.

    Oder ich habe neben meinem Auto auch ein Fahrrad. Für mich ist Reifen wechseln, Kette pflegen und eventuell reparieren, Bremsen und Lichtanlage in Ordnung halten alles kein Problem.

    Ich rede nicht allzu gerne, höre dafür lieber zu. Meine bisherigen Partner haben sich selbst immer gerne reden gehört, manchmal brauche ich aber auch jemanden der mir zuhört, diese hatten dann aber nie Zeit dazu. Scheinbar ist eine Frau die zu vielen Dingen lange schweigt ehe sie was sagt bequemer als eine Quasselstrippe.

    Im Grunde genommen bin ich nicht auf einen Partner angewiesen, der für mich etwas machen muß weil ich es nicht kann. Schön wäre es, wenn man sich die anfallenden Arbeiten teilt. Aber ich habe jedesmal Männer gehabt, die unfähig waren ein Fahrrad zu reparieren, die sich noch nicht mal etwas zu essen machen konnten, die eine Chaoswohnung hatten .... Für mich ist es ein Rätsel, weshalb sich solche Männer für mich interessieren und nicht die, die sich auch selbst zu helfen wissen und ihr Leben im Griff haben.

    Hallo lottemotte,

    ich habe mich gestern erstmal über den Maler und das Bild informiert. weil ich es nicht kannte. Wieder was Neues gelernt, danke.

    Nachdem ich mit meiner Tochter wieder allein war und mich nur noch um uns beide und den bzw. jetzt wieder zwei Hunde kümmern brauchte, hatte ich plötzlich Zeit zum in Ruhe Nachdenken. Ich mußte nicht mehr darauf aufpassen, daß da jemand mit brennender Zigarette einschlief weil der Alkoholpegel "erfüllt" war, daß es aus (für mich) heiterem Himmel zu agressiven Ausbrüchen kam, denn ich wußte bei ihm nie wirklich woran ich war, weil er oft sprungartig das Thema wechselte....

    Diese Art und Weise war eigentlich in allen Beziehungen so, kein Wunder, ich hatte von meiner Mutter nichts anderes erlebt. Da war diese ständige Kontrolle, hinterherspionieren, ich konnte ihr nie etwas recht machen, Lob gab es von meiner Mutter nie, Tadel dafür umso häufiger. Sogar an den Einsen, die ich in der Schule bekam, hatte meine Mutter etwas auszusetzen und herumzumeckern. An allen Dingen war ich oder mein Vater schuld, niemals sie. Ich habe oft zu hören bekommen, daß ich ungewollt gewesen bin. Der einzige Halt für mich war mein Vater, er wollte sich scheiden lassen, wenn ich 18 Jahre alt war. Dazu kam es nicht mehr, der Krebs war schneller.

    Wir (mein alter Hund, mein Welpe und ich) haben uns heute Nachmittag ein sonniges Plätzchen gesucht, auch wenn wir dafür auf einen Berg steigen mußten. Die beiden Hunde haben es genossen, auf der Wiese wurde ausgiebig getobt. Wir waren in der Sonne und haben auf den Nebel heruntergesehen, von den Städten und Dörfern war nebelbedingt kaum etwas zu sehen. Schon ein komisches Gefühl, als wenn man über den Dingen stehen würde.

    Etwa anderthalb Jahre nach der Trennung war ich innerlich bereit, ihm die Verantwortung für sein Leben selbst zu zugestehen und mich nicht mehr für ihn verantwortlich zu fühlen, da hatte ich auch das Gefühl, endlich wieder im Licht zu stehen wo er immer noch im Schatten oder Nebel herumdümpelt. Da mußte ich heute so dran denken, wie lang und schwer der Weg aus dem Schatten heraus ist, ehe man auch emotional da raus kommt. Für etliche dürfte es vielleicht sogar noch länger als anderthalb Jahre dauern. Ich für mich finde die Zeit schon lang. Mal sehen wielange ich in dem Punkt,wo mir die Begegnung mit ihm peinlich ist und ich mich dafür schäme mit ihm zusammen gewesen zu sein, noch brauche um nicht mehr angreifbar zu sein.

    Hallo Johanna,

    Du machst eine Therapie, mach das weiter. Dein Sohn scheint zur Zeit trocken zu sein (so habe ich es aus Deinem letzten Post herausgelesen). Da ist Unterstützung angebracht. Zieh den Schritt durch, sollte er wieder anfangen.

    Ich war etwa zwei Jahre lang mit einem Mann zusammen, dessen Eltern ihm immer alle Steine aus dem Weg geräumt haben und es immer noch tun. Egal ob es sich um Schulden seinerseits handelt, oder wenn er irgendwohin muß, zum Arzt oder zum Amt, wird er gefahren, da wir in einer Kleinstadt mit seltenem Busverkehr leben, oder wenn er Geld braucht, Zigaretten bezahlen seine Eltern, da er Raucher ist (es sind "nur" fast drei Schachteln täglich) und sich die Zigaretten wegen Hartz IV nicht leisten kann und und und. Dieser Mann ist 8 Jahre jünger wie ich, sieht aber viel älter aus. Muskeln hat er so gut wie keine mehr, seine Haut ist gelb mit kleinen roten Äderchen durchzogen. Seine Augen sind ebenfalls gelb und blutunterlaufen, sein Gesicht ist aufgeschwemmt, seine Lebensgefährtinnen (ich war ein von denen) suchen das Weite - seine Eltern ändern nichts an ihrem Verhalten. Ob sie es nicht merken wollen oder nicht können weiß ich nicht und will es auch nicht mehr wissen. Schlimm genug, daß bei ihnen trotz des körperlichen Verfalls ihres Sohnes die Alarmglocken nicht läuten.

    Ich finde es gut, was Du für Dich erkannt hast und etwas tust. Vielleicht hilft es Dir auf dem Weg zu bleiben.

    lg inga

    Beim Gespräch am Wochenende wurde mir abgeraten, irgendetwas in punkto Anzeige gegen meinen Ex zu unternehmen. Es würde sich hochschaukeln und schlimmer werden. Das Einzige was helfen würde ist, ihn zu ignorieren und mir ein dickes Fell wachsen zu lassen. Dieses dicke Fell habe ich noch nie besessen, ich wollte schon als Kind immer, daß alle Menschen miteinander friedlich auskommen.

    Während unserer Beziehung war ich für ihn immer das kostenlose, ständig zur Verfügung stehende Taxi, egal um welche Uhrzeit und von wo bzw. wohin. Als er wieder einmal zum Amt mußte, und wir schon halb unterwegs waren, fiel ihm auf, daß noch Unterlagen fehlten, die noch in seiner Wohnung lagen. Also wieder zurück, er schickte mich in seine Wohnung mehrere Stockwerke hoch die Unterlagen zu holen (habe ich auch ohne murren getan) und er ging in den nächsten Supermarkt Nachschub holen. Da er die Unterlagen noch nicht einmal zusammengesucht hatte, blieb mir nichts weiter übrig als es selbst zu tun. Dabei fiel mir ein Bericht eines Arztes von seiner zweiten LZT in die Hände. Ich habe da erfahren, daß er unter einer Borderline Persönlichkeitsstörung mit narzistischen Zügen leidet. (Dabei leidet seine Umgebung drunter und nicht er, für ihn ist die Welt in Ordnung.) Ihm wurde angeraten, sich deswegen in Behandlung zu begeben. Hat er nie getan. Später entdeckte ich auch den Abschlußbericht seiner ersten LZT, in etwa dasselbe Ergebnis.

    Ich hatte immer geglaubt, daß die Charakterzüge, welche ich an ihm nicht ausstehen konnte, würden sich ändern, wenn er nur aufhören würde zu trinken. Die Persönlichkeitsstörung besteht ja dann weiter. Er ist überzeugt ein Genie zu sein und die Elite dieser Gesellschaft zu verkörpern, alle anderen Menschen seien weit unter seinem Niveau, wirklich alle Menschen auch seine Eltern, mit ihm könne es keiner aufnehmen, er würde alle besiegen, deshalb stehe er auch ganz einsam, allein und verlassen in dieser Welt und alle sind auf ihn eifersüchtig, keiner versteht ihn, alle legen ihm aus purer Eifersucht Steine in den Weg....

    Hallo Lindi,

    Du hast es gut, Du findest beim Hundegang wenigstens Pilze, ich seh immer keine und andere schleppen körbeweise welche nach Hause.

    Wir waren heute auf einem Weihnachtsmarkt. Den ganzen Nachmittag bis zum frühen Abend. Keiner telefoniert hinterher und fragt laufend wann wir wieder da sind und jammert weil er allein ist, er hatte nie Lust irgendwohin mit zu kommen.

    Meine ganzen Beziehungen liefen nach demselben Muster ab. Da war jemand freundlich und half mir da, wo ich Probleme hatte, beispielsweise beim Gartenzaun reparieren unaufgefordert zufassen, mal aufs Kind aufpassen, das Auto waschen, weil ich mal wieder keine Zeit dazu hatte und es auch nicht gerade gern tue.... Daraus entwickelten sich sehr schnell Beziehungen. Aber nie von meiner Seite aus, sondern von den Männern aus und sie drängten auf eine Partnerschaft, es ging ihnen nie schnell genug. Ich weiß noch, als ich meinen Ex das allererste Mal sah (da waren wir vom Thema Partnerschaft noch entfernt), habe ich sofort gedacht, um Gotteswillen nein. Dabei war an ihm nichts auszusetzen: sauber und ordentlich angezogen, man konnte sich mit ihm gut unterhalten, er hörte zu, er trank nicht, er wirkte auch in keine Hinsicht betrunken, er hatte Veständnis für die Sorgen Alleinerziehender, hat unaufgefordert zugefaßt. Als er dann anfing mich "anzumachen" gab es kein Gegenargument. Aber hätte ich bloß auf dieses erste Bauchgefühl gehört. Ich habe immer geglaubt, wenn sich jemand so bemüht, muß es doch Liebe sein.

    Dieses Bauchgefühl habe ich oft unterdrückt. Heute hab ich drauf gehört und wir sind auf den Weihnachtsmarkt gegangen, es war ein richtig schöner Tag.

    Hallo Lindi und Melanie,

    vielleicht steckt nicht nur die Industrie hinter solchen Manipulationen, sondern auch die Politiker. Allein wenn ich daran denke, daß viele Politiker in Aufsichtsräten und Vorständen sitzen und es in der Hand haben was die Industrie herstellt (schließlich verdienen beide daran) oder was es für ein Gerangel um die Einführung des Ampelsystems in der Ernährungsindustrie gibt. Manchmal habe ich das Gefühl, es ist gewollt, daß mit Alkohol so freizügig umgegangen wird, um die Massen der Bevölkerung ruhig zu stellen (sonst würden sich wohl mehr Menschen Gedanken machen und handeln). Wie zum Beispiel das mit dem Hustensaft, der mit Alkohol stand gleich neben demselben Hustensaft ohne Alkohol. Oder wenn Hausärzte ihren Patienten, von denen sie wissen daß sie Alkoholiker sind, Grippemittel mit Alkohol auf Rezept verschreiben. Das ließe sich noch weiter fortführen. Für trockene Alkoholiker stelle ich mir das schwer vor, ständig auf diese versteckten Dinge achten zu müssen. Zumal die Industrie es ja auch drauf hat. öfter mal die Zutaten zu ändern ohne groß auf die Verpackung draufzudrucken "mit veränderter Rezeptur".

    Mein Problem liegt in meinen bisherigen Beziehungen (nicht nur in der letzten) auch darin, daß ich Männer "erwischt" habe, die sich am Haushalt so gut wie nie beteiligt oder sich ungeschickt angestellt haben und ich im Endeffekt alles allein gemacht habe, damit sie einen ordentlichen Haushalt hatten. So habe ich halt solche Dinge wie regelmäßig essen oder selber kochen immer hintenangestellt. Blieb ja kaum Zeit dafür.

    In den letzten Monaten ist mir, weil ich auch bewußt darauf geachtet habe, aufgefallen, daß einem im normalen Alltag so gut wie überall Alkohol begegnet. In Liedern, in Werbung geht es oft um Alkohol, selbst wenn es nur kurz erwähnt wird, aber doch irgendwie präsent.

    Als meine Tochter in diesem Jahr in der letzten Woche vor dem Halbjahreszeugnis krank wurde und ich sie einige Tage zuhause lassen mußte, mußte ich Hustensaft holen, da nicht mehr genügend da war. Ich habe ganz normalen Hustensaft auf pflanzlicher Basis geholt und meine Tochter hat ihn ausgespukt und sich geweigert, den zu nehmen. Darauf habe ich ihn probiert, er schmeckte seltsam, so als wenn er verdorben wäre. Der Hustensaft war mit Alkohol und für Kinder unter 12 Jahren nicht geeignet. Ich hatte mich vergriffen, der Hustensaft, den ich sonst nehme stand daneben. Für mich bleibt die Frage offen, warum gibt es Hustensaft ohne Alkohol und denselben mit Alkohol und weshalb die niedrige Altergrenze von 12 Jahren.

    Auch in Lebensmitteln (Fertigprodukten) ist teilweise Alkohol enthalten. Da ich leider Streßesser bin und dagegen etwas unternehme, lese ich in letzter Zeit auch die Zutatenliste. Ich finde es nämlich praktisch, Fertigprodukte zu nutzen, wenn ich es (mal wieder) eilig habe. Regelmäßig zu essen ist schwer in den Alltag einzubauen. Dazu muß ich mich zwingen.

    Hallo Lindi,

    überstürzen würde ich das Wegziehen nicht. Denn damit ist es wahrscheinlich allein nicht getan. Ich will ja verhindern, daß mir in Zukunft noch einmal das passiert, was ich in meiner letzten Beziehung durchhabe. Ich hätte schon gerne jemanden, aber nicht um jeden Preis, schon gar nicht um den, den ich damals bezahlt habe. Anders herum würde es mir etwas bringen, wenn ich endlich wirklich vor ihm Ruhe hätte. So könnte ich mein Problem, mich immer wieder auf "hilfsbedürftige Männer" bis zur totalen Selbstaufgabe einzulassen, wesentlich besser lösen.

    Am Wochenende werde ich mich mit einem Polizisten und seiner Frau, die ich durch mein Hobby privat kenne, außerhalb seiner Dienstzeiten zusammensetzen und über diese Sache gründlich reden. Danach sehe ich weiter. Große Hoffnung daß er mich freiwillig in Ruhe läßt habe ich nicht. Ich weiß von meinen "Vorgängerinnen", daß sie als letzten Ausweg nur noch den für ihn unbekannten Wegzug hatten, da er sich an keine Kontaktsperre gehalten hat. Meine direkte Vorgängerin hatte ihre Telefonnummer gewechselt, sogar die hat er herausbekommen und dann ging es weiter mit nächtlichen Anrufen und und und. Sicherlich klingt es für Außenstehende unverständlich, ein Haus aufzugeben nur um Ruhe zu haben, als letzte Möglichkeit wird mir wohl nicht bleiben. Ruhe vor ihm werde ich hier wohl erst haben, wenn er sich totgesoffen hat. Traurig aber wahr.

    Heute waren wir wieder in der Bücherei. Während ich mir einen Stapel Bücher ausgesucht habe, hat sich meine Tochter unteranderem eine lustige DVD mit einem etwas dicklichen roten sprechenden Kater ausgeliehen. Diese DVD werden wir uns gemeinsam am Computer ansehen (ich habe keinen Fernseher und demzufolge keinen DVD-Player), das Wetter ist ja nicht gerade einladend um sich stundenlang draußen aufzuhalten. Allein wenn ich den niedlichen Kater sehe, muß ich schmunzeln. Worüber ich auf dem Nachhauseweg nachgedacht habe, wann habe ich eigentlich das letzte Mal richtig gelacht? Ich weiß es nicht, es ist schon lange, viel zu lange her. Lachen mit meinem Ex gab es gar nicht, wenn jemand lachte, konnte er böse ausrasten, weil er sich jedes Mal einredete, es würde über ihn gelacht werden. Das was er lustig fand, fand ich nie lustig, seine Kriegsfilme erst recht nicht.

    Hallo Lindi,

    das ist das, was ich ja eigentlich geahnt habe, daß er sich aus einer Anzeige wohl nichts machen würde. Zumindest bin ich soweit, daß mir der Tag nicht mehr verdorben ist, wenn ich ihn sehe. Zwar ist dann für eine ziemliche Zeit wieder alles da, was bei uns so alles gelaufen ist, es bringt mich nicht mehr in Rage und Wut wie es in den Monaten nach der Trennung gewesen ist. Ganz raus aus meinen Gedanken habe ich ihn noch nicht.

    Nicht mehr mit ihm reden fällt mir jetzt sogar leicht, ist mir damals extrem schwer gefallen. Mir gelingt es schlecht, mich innerlich darüber hinwegzusetzen, wenn er Gerüchte in die Welt setzt. Es gibt immer Leute die so etwas glauben und unbesehen weiter erzählen. Und wenn so etwas erst einmal rum ist fragt kaum noch jemand woher das kommt. Solche Gedanken machen mich eben halt nervös, auch wenn ich es nach außen überspielen kann. Weil es mir nicht egal ist, was die Leute so reden - der Drang es richtig zu stellen, weil es Lügen sind, ist groß - aber wenn ich es tue hat er seinen Willen nämlich meine Reaktion, da gebe ich Dir vollkommen Recht.

    Etwa ein dreiviertel Jahr nachdem mit uns Schluß war, hatte ich mir vorgenommen, von hier weg zu ziehen. Ich habe es wieder schleifen lassen, weil er mich dann in Ruhe ließ, weshalb weiß ich nicht. Seit mehreren Monaten geht es wieder los und schlimmer und extremer als damals. Auch wenn mich mit diesem Ort nicht allzuviel verbindet, wegziehen wird nicht so einfach sein. Ich habe mir vor mehr als zwanzig Jahren ein altes Haus gekauft und viel Arbeit investiert. Viele Häuser stehen leer, weil sich keine Käufer finden. Ich bin trotzdem wieder auf der Suche. Von hier weg zu ziehen wird wohl die einzige wirkungsvolle Lösung sein. Denn wenn ich ihn nicht sehe, verschwende ich auch kaum einen Gedanken an ihn.