Hallo Linde,
Du schreibst:
Wieso wage ich nicht zu fühlen? Schmerz, Trauer, Wut, Verlassenheitsangst...? Heute ist doch heute... Ich bin ja jetzt groß, sind Schmerz, Trauer, Wut, Verlassenheitsangst mitgewachsen oder nicht etwa doch nur so groß wie damals... dann könnte ich doch die gekappte Verbindung zusammenfügen...
Meine Gedanken dazu: Heute ist heute, doch wie waren Deine Erfahrungen früher wenn Du gefühlt hast? Was hat das mit Dir gemacht, war da jemand, bei dem Du Dich anlehnen konntest, der Dich verstanden hat, der einfühlend auf Dich eingegangen ist, jemand der Dich ernst genommen hat?
Ich bin ein sehr emotionaler Mensch und weiss, wenn ich in mein Gefühl gehe, kann das ins Uferlose gehen und das macht mir gleichzeitig Angst. Angst, den Schmerz nicht aushalten zu können, Angst, dass der Schmerz nicht aufhört. Wenn ich merke, dass meine Gefühle mich übermannen, gehe ich in meinen Kopf und fange an zu analysieren - wieder bin ich weg von meinem tatsächlichen Gefühl ( Ablenkungsmanöver gelungen
). Für mich sind es Strategien, um meinen eigenen Schmerz nicht zu fühlen, denen ich mehr und mehr auf die Schliche komme (also meinen Strategien).
Ich hatte gerade vor kurzen eine Situation, die mich sehr beschäftigt und geärgert hat. Was habe ich in meinem Kopf gedacht und analysiert, bewertet und verurteilt...... irgendwann meldete sich ein ganz kleine Stimme, die ihre Verletzung in dieser Situation anmeldete und sofort zog sich mein Herz zusammen und die Tränen fingen an zu laufen.
Und noch eine andere Situation meldet sich gerade: Ein alter Satz von meiner Mutter kam in mir hoch, der mich sehr verletzte. Ich stand in meiner Küche und habe nur noch geweint, das war so ein alter und tiefer Schmerz, der wollt gar nicht enden, ich habe sage und schreibe 4 Stunden vor mich hingeschluchzt. Ich dachte, das hört nie auf. Irgendwann verebbte es. Heute weiss ich ehrlich gesagt nicht mal mehr, was es war. Doch habe ich durch diese Situation das Vertrauen gewonnen, dass wenn ich wirklich diesen ganzen alten Schmerz oder Kummer durchfühle, er sich auch auflöst.
Ich schließe mich Mrhardcore an, dass die Kontrolle als Schutz dient, nicht fühlen zu wollen. Schmerzen mit dem Gefühl auszuhalten macht keinen Spass, dass tut richtig weh. Und da sucht sich halt der Mensch die unterschiedlichsten Wege, nicht ins Gefühl gehen zu wollen.
Hui, ist das ein Pamphlet geworden.... 
Liebe Grüsse Martha