Beiträge von Martha

    Hallo Forum,

    am Wochenende hatte ich einen sehr interessanten Informationsaustausch mit Kaleu, Hartmut und Dorothea zu dem Thema "Suchtgedächtnis" bei trocknen Alkoholikern.

    Ich merke, dass mich das Thema nicht zufrieden lässt und ich mich frage, ob es auch in der CoAbhängigkeit ähnliche Strukturen gibt.

    Ich lese hier manchmal, wenn die Angehörigen denn Schritt tun und gehen, dass es sich anfühlen würde als seien sie auf Entzug. Ich kenne das vom ersten Mal, als ich mich damals von XY trennte.

    Ich beobachte heute an mir, dass jeder Kontakt den ich mit XY habe bzw. hatte, mich total stresst und anspannt, mir reicht es manchmal schon, wenn ich von einer Freundin höre, dass sie ihn getroffen hat.
    Bin ich alleine und bestehen keine Berührungspunkte, geht es mir gut. Will ich z.B. auf eine Veranstaltung, wo ich weiß, dass er da sein könnte, setzt es mich den ganzen Tag unter Druck.

    Ich merke schon seit langer Zeit, dass das Einzige, was sich für mich gut anfühlt ein totale Kontaktsperre ist. Jede Begegnung und sei sie noch so kurz und harmlos, raubt mir Energie und wirft mich zurück - es ist immer wie ein kleiner Rückfall.

    Ein Psychologe hat mir vor zwei Jahren gesagt, dass einzige wie man aus Suchtbeziehungen rauskommt, sei eine Kontaktabbruch für mindestens 2 Jahre.

    Und so stelle ich mal die Aussage dahin:

    der Alkoholiker sollte, besonders in der ersten Phase seiner Trockenheit jeglichen Kontakt mit Alkohol meiden- als Risikominimierung.

    der Coabhängige sollte jeglichen Kontakt zu dem trinkenden Partner meiden - Risikominimierung.


    Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Ich würde mich über Eure Rückmeldungen freuen und bin gespannt, wie ihr das seht.

    Viele Grüsse Martha

    Hallo Nici,

    diese Einstellung finde ich super:

    lieber arm und Ruhe, als versorgt sein, und nicht wissen, ob er wieder einen Ausraster hat, ob die Kinder nicht noch mehr leiden, oder er sich sogar umbringt.

    und auch wenn Du momentan nicht weisst, wo Du hin willst und wo es hingeht....... wenn Du erstmal losspringst wirst Du ganz bestimmt irgendwo und irgendwie landen.

    Hierbei finde ich Vertrauen einen ganz wichtigen Aspekt. Vertrauen in Dich und das Leben, es wird Dich schon tragen.

    Ich wünsch Dir heute weiss :-)!

    Liebe Grüsse Martha

    Guten Morgen Monty,

    was macht Deine Wohnung, hast Du schon was gehört?

    Ich finde es ganz normal, dass Du Dich so fühlst, wie Du Dich fühlst. Auf der einen Seite bist Du wahrscheinlich heil froh nun zu gehen und auf der anderen Seite ist es ja auch eine Form des Abschieds, die nun mal mit Trauer verbunden ist.

    Auch dass Du kraftlos, schlapp und müde bist, bei dem was Du erlebt hast ist nur normal, zumindest kann ich das total nachvollziehen. Auch dieses leere Gefühl kenne ich. Da hat bis jetzt ja immer jemand anders Dein Denken völlig in Beschlag genommen, das fällt nun weg und da ist erstmal Leere.

    Gerade gestern war wieder ein Tag, wo ich fassungslos vor mir gestanden habe und mich gefragt habe, ob das wirklich Ich gewesen bin, die das hat mit sich machen lassen. Es erfüllt mich dann mit einem riesen Schmerz... Ich glaube, diese Momente kommen immer wieder hoch. Ich betrachte es als eine Form des Heilungsprozesses. Diese Momente werden weniger.

    Dagmar, Danke für den Satz: "Erlaube Dir einfach diese Veränderung", der ist sehr schön, den nehm ich mit :)

    Liebe Grüsse Martha

    Liebe Doro, Lieber Kaleu,

    herzlichen Dank für Eure ausführlichen Antworten. Jetzt habe ich es verstanden, super. Und nun kann ich auch mehr damit anfangen, wenn ihr von Trockenarbeit bzw. Risikominimierung sprecht. Und nun kann ich auch verstehen, warum für Euch diese Übung so abenteuerlich ist.

    Mir war klar, dass Alkoholismus eine Krankheit ist, mir war jedoch nicht bewusst, dass dieses Suchtgedächtnis nicht weg zu bekommen ist und nur durch das Sehen von Alkohol schon in Gang gesetzt wird oder werden kann.

    Nun klickert es. Ich dachte das Ziel sei es, das Suchtgedächtnis zu "überlisten", aber logisch, wenn es nicht weg geht, geht nur Risikominimierung. Und da muss wahrscheinlich, wie ihr beiden das sehr schön beschreibt, jeder seinen eigenen Weg drin finden, was er aushalten kann und was nicht.

    Da habe ich ja heute richtig was dazu gelernt, mein Bedürfnis nach Verstehen ist voll erfüllt, Danke, und ich habe keine weiteren Fragen mehr :-). Hab Euch doch richtig verstanden, oder?

    Nun wünsche ich Euch noch einen schönen ersten Mai!

    Viele liebe Grüsse Martha

    Liebe Claudia,

    also mit eigenen Themen Deines Partners meine ich, dass er, so wie Du ihn beschreibst sehr viele eigene Probleme hat.

    Mit Raum für Dich meine ich Folgendes: Ich habe gemerkt, während ich noch mit XY zusammen war, es sich eigentlich immer um ihn drehte. Ich mich durch sein Verhalten immer wieder geärgert habe und überhaupt nicht die Ruhe gefunden habe, mal wirklich bei mir zu landen. Kaum war ich einigermassen in meiner Mitte, schon kam das nächste Ding ins Haus geflattert, was mir wieder meine Energie weg gezogen hat.

    Claudia, das mag ja sein, dass Dein Partner sich wandelt, momentan ist das aber nicht der Fall. Und aus meiner Sicht wird es auch in naheliegender Zukunft nicht der Fall sein, und solange Du darauf wartest, dass er sich wandelt, bist Du unfrei und machst Deine Entwicklung von ihm abhängig.

    Ich finde es gut und schön, selbstkritisch zu sein. Doch zuviel Selbstkritik in Suchtbeziehungen halte ich für absolut gefährlich. Die Gefahr besteht darin, dass Du Dich immer mehr verbiegst und immer mehr bei Dir nach Fehlern guckst, was nicht wirklich das Selbstwertgefühl fördert. Wenn es der Andere auch machen würde, okay, dem ist aber nicht so, zumindest habe ich die Erfahrung gemacht und ähnliches beobachte ich bei Dir.

    Ich kenne das auch, diese ganzen kleinen Schritte der Abgrenzung, wie Du sie beschreibst. Sie waren in meiner Entwicklung ganz wichtig. Doch als ich gesehen habe, das der andere eigentlich stehen bleibt und sich immer wieder im Kreis dreht, gab es für mich nur noch eine Abgrenzung und das war die Totale. Ja das dauert, doch irgendwann hast Du eigentlich gar keine andere Wahl mehr, da ist die Schlinge so eng um Deinen Hals geschnürt. Und dann machst Du Dir auch keine Gedanken mehr darüber, was ist, wenn der andere sich doch ändert, das wird Dir egal, du willst einfach nur noch frei sein.

    Ich denke das hat etwas mit loslassen zu tun. Zu 100% in Frieden zu akzeptieren, dass der Andere sich nicht bewegen will. Wenn Du da bist, dann gehts weiter, in welche Richtung auch immer :)

    Liebe Grüsse Martha

    Lieber Kaleu,

    Danke für Deine ausführlichen Antworten, dass muss ich jetzt erst mal in mir sortieren, also:

    Deine Erklärung mit dem gebrochenen Bein, völlig logisch, kann ich nachvollziehen, doch verstehe ich noch nicht so ganz, warum es Dich so triggert, wenn platt gesagt, Dir der Arzt ein Glas vor die Nase stellt oder ein Gewicht an Dein gebrochenes Bein wirft. Weil er ausgerechnet der Helfer ist, an den Du Dich gewendet hast, da Du es nicht alleine schaffst? Im Aussen wirst Du doch auch täglich mit Alkohol in Berührung gebracht, oder? (alleine Supermärkte und Tankstellen)

    Auch dass mit der Risikominimierung ist mir total einleuchtend, besonders am Anfang. Doch irgendwann kommt ja der Tag, an dem Du Dich wieder mehr im Aussen bewegen möchtest. Geburtstagsfeiern, Hochzeiten, etc, immer gibt es dort Alkohol in Massen. Wenn es nicht der Wille ist, der Dich davon abhält zuzugreifen, was genau ist es dann?

    Und wenn der Wille gebrochen wird, wie Hartmut schreibt, und das Suchtgedächtnis das Handeln übernimmt, wer übernimmt dann das Ruder, die Vernunft?

    Ich stelle mir das Suchtgedächtnis so vor, dass eine innere Stimme in einem ständigen Dialog mit mir ist, dass ich doch ruhig trinken kann und soll oder muss etc.. Wahrscheinlich wie eine Verselbstständigung im Hirn.

    Größtmögliche Risikominimierung würde sich für mich so anhören, als könnte keine Veranstaltung mehr besucht werden, auf der es Alkohol gibt, aber so ist es bei Euch ja nicht.

    Ich hoffe ich komme hier nicht allzu unklar rüber. Ich lass dass jetzt mal so stehen, sonst verfransel ich mich selber noch ;)

    Liebe Grüsse Martha

    Liebe Monty,

    wenn Du dran glaubst, noch besser......dieses Jahr soll für uns alle sehr herausfordernd werden. Alte Dinge, die uns schon seit 2-3 Jahren stören und von denen wir uns verabschieden wollen stehen dieses Jahr auf jeden Fall an.....sagen die Sterne........Ich bin dabei!

    Alles neu macht der Mai :) Martha

    Lieber Hartmut, lieber Kaleu,

    Danke für Eure Antworten. Ja und jetzt merke ich den Unterschied und habe ganz grosse Schwierigkeiten, das nachzuvollziehen, dass muss ich richtig sacken lassen Da ich selbst Mediziner bin, hätte ich mir auch so eine Übung einfallen lassen können....ihr seht ja mein Erklärungsmodel, allerdings mit fatalen Folgen wie ich lese.

    Da kommen jetzt schon einige Frage in mir hoch, um tiefer zu verstehen, wo darf ich sie wem stellen :-)?

    Ein Extrathread zu dem Thema fände ich sehr interessant, doch mir das hier zu erlauben, finde ich etwas anmassend, oder?

    Liebe Grüsse Martha

    ja es wird besser werden :-), mir hat ein Bekannte ein sehr interessante Astrologische CD für 2010 gegeben. Zum Steinbock wurde gesagt, er würde es wie kaum ein anderes Sternzeichen brauchen, dass Steuer selbst in der Hand zu haben, was in den letzten Jahren aber nicht der Fall gewesen wäre ;-)......... Dass würde sich ab 2010 nun ändern und die Steinböcke hätten das Steuer wieder in der Hand!
    Ich habe laut gelacht, zustimmend genickt. Dass Gefühl seit diesem Jahr wieder das Ruder in der Hand zu haben, kann ich bestätigen und macht mich sehr zuversichtlich.

    Astrologie hin oder her, egal ich fühl mich wirklich so und ich hoffe Du auch.

    Beständig weiter gehen und seinem eigenen Weg folgen...

    Fühl auch Du Dich gedrückt, Martha

    Hallo Hartmut,

    ich habe ein Verständnisfrage, auch wenn es hier vielleicht nicht reinpasst. Wenn das Suchtgedächtnis hoch kommt, habe ich die Vorstellung, als nicht alkoholkranke Person, dass ich mit meinem Willen dagegen steuern kann, dem scheint aber nicht so zu sein. Wie geht ihr dann damit um, wenn nicht über den Willen? Ich würde das gerne verstehen. Oder gibt es einen Link, wo ich das nachlesen kann?

    Grüße Martha

    Ach Monty,

    ich schliesse Dich gerade etwas in mein Herz :) es ist so klasse wie Du Dich da durchwurschtelst. Fühle mich gerade sehr mit Dir verbunden, da ich das alles kenne auch dieses sich klein und verletzlich fühlen.

    Steinbockköpfe sind grossartig, wenn sie in die richtige Richtung laufen. Bin auch einer :-). Habe mich in den letzten Jahren etwas verlaufen aber jetzt bestimme ich wieder den Kurs, habe das Steuer wieder in der Hand und alles kann nur besser werden.

    Gehörnte Grüsse, Martha

    Lieber Kaleu,

    das ist ja interessant was Du da schreibst, immer wieder neue Therapieverfahren.....

    Weisst Du nach welchen Kriterien die Patienten ausgesucht werden und weisst Du, wieviele tatsächlich getrunken haben? Das fände ich spannend zu wissen.

    Erklären könnte ich es mir folgendermassen.

    Es werden speziell Patienten ausgewählt, bei denen sich die Ärzte ziemlich sicher sind, dass sie das Trinken wirklich aufhören wollen und darin auch fest und stabil sind (sicher kann man nie sein, aber gehen wir jetzt mal davon aus..)

    Gehen wir davon aus, dass der Patient den Abend ohne die Flasche angerührt zu haben verbracht hat.

    Ich könnte mir denken, dass es als Ankerübung dienen soll.

    Der Patient der aus der LZT kommt, kann ja auch jeden Tag losmarschieren und sich Alkohol besorgen. In dieser "Übung" hier wird er ganz bewusst mit dem alltäglichen Leben konfrontiert - Hat er keinen Alkohol getrunken soll es wahrscheinlich eine Art "remembering" für ihn sein.

    Also wenn der Patient unter "Saufdruck" kommt oder mit Alkohol konfrontiert wird, er sich sofort an diese Situation erinnert und weiss, dass er es geschafft hat nichts zu trinken, obwohl die Flasche vor ihm stand und er sie nicht angefasst hat - es ging auch ohne.

    Anders kann ich es mir nicht erklären, oder ob es als Test dienen soll, wie stabil der Patient wirklich ist?

    Es steht mir nicht zu, das zu bewerten...

    Liebe Grüsse Martha

    Liebe Monty,

    Ich kann das so verstehen und ich finde es ganz normal, dass Du Angst hast, dass darf sein in Deiner Situation. Alles wird neu und anders, Du weisst aber nicht wie und das macht unsicher und wir Menschen lieben nun mal unsere Gewohnheiten.

    Ich vergleiche es gerne mit einem Sprung von einem 10m Turm. Du stehst und stehst und irgendwann springst und Du und dann bist Du in diesem freien Fall und weisst gar nicht wo und wie Du landest.... und Du befindest Dich glaube ich gerade im freien Fall, oder?

    Ich drücke die Daumen mit der Wohnung und wenn es die nicht ist, wird es 100% eine andere sein, sure :) Daumen bleiben bestehen!

    Liebe Grüsse Martha

    Hallo Claudia,

    wenn ich lese, wie Du Deinen Partner beschreibst, scheint er sehr viele eigene Themen zu heben und ich frage mich, wo ist da eigentlich der Raum und das Verständnis für Dich und das macht mich traurig. Vor allem, ist eigentlich ausreichend Raum da, um Dich mit Dir selber auseinander zu setzten?

    Wenn Du jetzt beschließt alleine zu sein, heisst das ja nicht, dass Du immer alleine leben musst. Doch nur wenn Du Dich von Deinen alten Verhaltensmustern und Strukturen peu a peu verabschiedest wirst Du aus meiner Sicht auch einen Partner finden, der anders mit Dir umgeht.

    Ich glaube, wenn Du Deine Verhaltensmechanismen durchschaust, die jetzt wirken und beginnst, sie zu transformieren, werden Dich solche Männer, wie Dein jetziger Partner gar nicht mehr interessieren. Sowas dauert allerdings und geht nicht von heute auf morgen.

    Und ich weiss nicht ob es der richtige Gedankenansatz ist, beziehungsfähiger zu werden, ich meine das bist Du, doch Dein Partner ist das aus meiner Sicht nicht....

    Das mit dem kleinen Blockhaus hört sich gut an :)

    Dir einen schönen 1. Mai, liebe Grüsse Martha

    Lieeb Monty,

    aus Deinen Zeilen spricht soviel Kraft und Zuversicht, trotz Deiner momentanen Lage und auch der Traurigkeit die Du durchlebst.

    Ja, man strahlt das aus, wie man sich fühlt und dann läuft alles besser.

    und bei Dir habe ich dass Gefühl, Du willst wirklich und dann wirst Du es schaffen, auch wenn es steinig ist.

    Liebe Grüsse Martha

    Liebe Monty,

    das hört sich grossartig an und ich drücke Dir selbstverständlich die Daumen, sowohl für Deine Wohnung, als auch für den Job!

    Bei Deinen Fortschritten die Du machst, wirst Du 100% belohnt, ich bin mir sicher :-)!

    Alle Gute für Dich und ich bin gespannt, wie es ausgeht.

    Herzlichst Martha

    Hallo Claudia,

    mich macht das traurig, wenn ich lese was Du von Deinem Freund schreibst und Dich gleichzeitig fragst, wie lange Du noch damit leben kannst.

    Ich weiss nicht, was Du noch brauchst und was noch passieren muss, damit Du wirklich DEINEN Weg gehen kannst, ohne ihn.

    Ich wünsche es Dir von Herzen, dass Du anfängst Dich wertzuschätzen.

    Was macht das mit Dir, wenn Du das ließt?

    Liebe Grüsse Martha

    Hallo Hermine,

    naja.......was ist richtig, was ist falsch?

    Zumindest ist der Ansatz nicht unbedingt förderlich. Wichtig ist, dass Du für DICH stark wirst. Mit der Intention, dass die EXPartner sich daraufhin auf den Weg machen, wird das aus meiner Sicht nichts.

    Einfacher und gelingender wirds, wenn Du Dich für DICH auf den Weg machst, weil Du ein freies Leben in Unabhängigkeit leben möchtest, was der Partner tut, ist auf einem anderen Blatt geschrieben, aber nicht Dein Zuständigkeitsbereich.

    LG Martha