Beiträge von Manfred

    Liebe Liebende, :wink:

    schön, dass das Thema auch Euch beschäftigt. Jeden auf seine Weise …

    Mir gehen da noch folgende Gedanken durch den Kopf:

    Wenn sich selber lieben bedeutet:
    - sich bedingungslos anzunehmen
    - sich bedingungslos willkommen zu fühlen

    Dann braucht es m.E. Etwas, dass die Bedingungen auflöst.

    Wenn ich Karl richtig verstehe, dann ist es für ihn die Natur („die Natur wird’s schon richten“)
    Andere nennen es vielleicht „Gott“ o.ä.

    Letztlich läuft es für mich auf eine „spirituelle Idee“ hinaus. Ich könnte sie auch „Urvertrauen“ nennen.

    Woher kommt dieses „Urvertrauen“? Wie entsteht es? Welche Art von Erfahrung braucht es dazu?

    Ich habe dieses „Urvertrauen“ nie kennen gelernt.
    Ich kenne überwiegend das Gefühl: Ich muss mich schützen, weil man mir sonst meine Lebendigkeit, mein kostbares Selbst, wegnimmt.

    Für mich gab es diese positive Spiegelung meines Selbst nicht. Ich habe mich über weite Strecken meines Lebens wertlos gefühlt. Ich kannte nur destruktives Verhalten. Selbst zerstörerisches Verhalten.

    Ich fühlte nicht in meinem Inneren: Ich habe mich lieb.

    Während meiner Trockenzeit ist es etwas besser geworden, aber es gab und gibt immer wieder Phasen in denen ich in destruktives Verhalten zurückfalle.

    Ich hoffe, dass es mir gelingt, in einem geschützten therapeutischen Rahmen, mein destruktives Verhalten nach und nach in konstruktives Verhalten zu verändern. Zu einem größer werdenden Gefühl von: Ich habe mich lieb.

    Liebe Grüße
    Manfred

    Hallo kaltblut,

    also gut:

    Ich habe mich lieb.
    Ich habe mich lieb.
    Ich habe mich lieb.

    Ja, fühlt sich ganz gut an. Bisschen ungewohnt irgendwie. Bisschen ruckelig.

    Was habe ich eigentlich an mir lieb?
    Haare, Augen, Nase, Mund ...

    Was ist mit Angst, Wut Trauer, ...?
    Was mache ich mit den erlebten, erlittenen Traumata?
    Geburt, Kindheit, Prägungen, Muster ...?

    Muss ich alles nochmal sortieren ...

    Liebe Grüße
    Manfred

    Sich selbst lieben!?

    Diese Frage, dieser Appell, diese Empfehlung beschäftigt mich schon sehr lange.

    Sie taucht hier im Forum ja auch immer wieder auf. In verschiedenen Varianten:

    - Sich etwas Gutes tun
    - gut für sich sorgen
    - sich selbst Wert zu schätzen

    Wie geht das? Wie fängt man an? Wo fängt man an?

    Wie ist das bei mir?
    Als ich vor fast 21 Jahren aufgehört habe Alkohol zu trinken war das gut für mich.
    Ich habe keinen Alkohol mehr zu mir genommen.
    Ich habe mir wieder die Zähne geputzt.
    Ich habe mich wieder regelmäßig geduscht.
    Ich habe drei Mahlzeiten am Tag gegessen.
    Ich habe mir eine Arbeit gesucht und gefunden.
    Ich bin in eine SHG gegangen.
    Ich habe meine Wohnung stück um stück verändert.
    Ich habe wieder angefangen Sport zu treiben.

    Ist das „etwas Gutes für sich tun“? Für mich ja. Soviel war und bin ich mir wert.

    Liebe ich mich selbst? In welchem Maße? Was liebe ich an mir?
    Das sind Fragen, die sich an mein Innerstes wenden.
    Ich konnte sie bisher nicht zufrieden stellend klären.
    Auch nicht in der therapeutischen Arbeit.
    Liegt das an mir?
    Lag es an den Therapeuten?
    Lag es an der Therapieform?

    Hat sich das „etwas Gutes für sich tun“ im Laufe der Jahre verändert?
    Ja.
    Die Arbeit, der Beruf hat eine große Rolle in meinem Leben gespielt. Absolut zentral. Klassische Suchtverlagerung. Totales Ausleben meines Helfersyndroms.
    Begonnen hat es mit Willen etwas leisten zu wollen. Meine Fähigkeiten, meine Talente endlich einmal entdecken und ausleben zu können. Geendet hat es damit, dass ich nur noch über den Beruf Rückmeldung bekommen habe, dass es einen Wert hat, dass ich da bin. Am Schluss auch das nicht mehr. Gekündigt und nicht mehr eingestellt. Bis heute.

    Ähnlich war es im privaten Bereich. Immer geholfen. Für Andere da gewesen. Immer in der unbewussten Hoffnung, dass mein Dasein dadurch einen Wert bekommt.

    In die SHG bin ich irgendwann nicht mehr gegangen. Ich fühlte mich dort unverstanden.
    Auch den Sport habe ich irgendwann wieder eingestellt.

    Und heute?
    Heute beginne ich wieder von vorn.
    Der Eintritt in das Forum vor 4 Wochen ist mein erster Austausch seit Jahren über meinen Alkoholismus.
    Die Suche nach einer Arbeit geht mit dem Beginn meines 1-Euro-Jobs am 29.1.10 weiter.
    Die Suche nach einer geeigneten Therapie/Therapeuten hat auch begonnen. Am 26.1.10 habe ich mein erstes Erstgespräch.
    Duschen, Zähneputzen und Mahlzeiten sind so geblieben.
    Mit dem Sport habe ich noch nicht wieder begonnen.

    Fazit
    Auch wenn ich die letzten fast 21 Jahre überwiegend nicht zufrieden gelebt habe, so bin ich doch stolz darauf, dass ich es geschafft habe, mich den Widrigkeiten und Stürmen des Lebens ohne Alkohol gestellt zu haben.

    Die tieferen Beweggründe, warum es mir bisher nicht gelungen ist, mich mehr zu mögen, hoffe ich in einer erneuten Therapie aufarbeiten zu können.

    Ich möchte mich zukünftig nicht mehr an dem Zufriedenheitsgrad Anderer messen.

    Ich habe meinen Weg …


    Wie sieht euer Weg aus?

    Liebe Grüße
    Manfred

    Zitat

    Ja... oder auch mit der Gleichheit unserer Vornamen

    Hi Mieken,
    hoppala, tja das kann passieren :oops:

    Das "Musterthema" werde ich bei Gelegenheit sicher nochmal aufnehmen. Am Mut wird es nicht scheitern ;)

    Liebe Grüße
    Manfred

    Hallo Bianca, hallo Karsten,

    ich habe in meinem Leben schon einige Kliniken kennen gelernt. Aus beiden Perspektiven. D.h. aus der Patienten/ Klientenperspektive und aus der Behandlerperspektive.

    Ich sehe es so:
    In jeder Klinik arbeiten sehr viele einzelne Menschen. Bezugstherapeuten, Gruppentherapeuten, Beschäftigungstherapeuten, Sporttherapeuten, etc. Dazu kommt noch das Personal im Bereich Küche, Garten, Hauswirtschaft, etc. Und nicht zu vergessen die vielen Mitpatienten.

    Im Prinzip besteht die Möglichkeit von jedem einzelnen etwas zu lernen, zu erfahren.

    Was aus meiner Erfahrung sehr hilfreich ist, dass ist die Haltung mit der man in die Therapie hineingeht. D.h., je mehr ich bereit bin von mir, meinen Gedanken und Gefühlen zu sprechen (und sie auch zu zeigen) desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich etwas (Neues ?) über mich erfahre.

    Ob, wie und wann eine vertrauensvolle Atmosphäre entsteht, in der ich mich öffnen kann, das hängt auch von der Fähigkeit des Personals ab, diese herzustellen.

    In aller Regel habe ich es aber so erfahren, dass die Therapeuten in der Lage waren mit den aufkommenden Gefühlen der Patienten auch gut umzugehen und sie auch gut begleiten konnten.

    Ganz im Wortsinne ihres Berufsbildes: das Wort Therapie kommt ja aus dem Griechischen und bedeutet „dienen“.

    Es geht also darum, dem Patienten auf seinem Genesungsweg zu „dienen“, wobei die Therapeuten nicht die Diener der Patienten sind ;) Es ist mehr ein „Begleiten“.

    Die Hauptarbeit in jeder Therapie darf aber der Patient leisten, was übrigens ganz in seinem Sinne ist, da es ja darum geht, dass er aus sich selbst heraus ein für sich tragfähiges Fundament entwickelt. Das kann und sollte ihm kein Therapeut abnehmen.

    Ach ja, noch eins zum Abschluss meines kleinen Vortrages ;-):

    Die Entscheidung das erste Glas zu stehen zu lassen, auch die trifft jeder für sich selbst. Unabhängig von der Qualität der Therapeuten oder der Klinik.

    Liebe Bianca,
    ich wünsche Dir von Herzen, dass Du in Deiner Therapie viele neue Erfahrungen sammeln kannst, die Dir auf Deinem weiteren Weg helfen können.

    Liebe Grüße
    Manfred

    Lieber Fliegender Stern,

    ich will mich noch mal kurz melden.

    Du hast absolut Recht damit, dass wir uns in verschiedenen Lebenssituationen befinden (so verstehe ich u.a. Deinen Beitrag).

    Ich habe halt gewisse Parallelen zu meiner Lebenssituation festgestellt. Die wollte ich mitteilen.

    Möglicherweise waren der Zeitpunkt und die Wortwahl nicht unbedingt passgenau ;)

    Ich habe in jedem Fall aus Euren Beiträgen etwas gelernt. Stichwort „Trennungsschmerz“ und den Umgang damit. Danke! :D

    Liebe Grüße
    Manfred

    Zitat

    danke für diesen Thread. Finde ich sehr spannend.

    Hallo Mieken, freut mich :D

    Zitat

    Mein Nickname ist der Spitzname meiner Mutter, der ihr in der Schule gegeben wurde.

    Das wiederum finde ich sehr spannend.

    Also, ich wäre nie auf die Idee gekommen, den Spitznamen meiner Mutter zu wählen. Um Gottes Willen, nur das nicht. Aber das hat natürlich etwas mit dem Verhältnis zu meiner Mutter zu tun.

    Niemals wollte ich so sein wie meine Mutter. Habe aber leider auch schon hier und da bei mir ein Denk- und Verhaltensmuster erkannt, das mich an meine Mutter erinnerte. :oops:

    Der Umgang mit den Mustern unserer Eltern ist aber schon wieder ein neues Thema …

    Vielleicht finden wir eine andere Stelle, an der wir darüber sprechen können …

    Liebe Grüße
    Manfred

    Liebes Murmeltier oder heißt Du jetzt daisydee? ;-),

    Zitat

    Ich habe Angst durch das Bekanntwerden meiner Krankheit berufliche Nachteile zu erfahren, noch dazu wo mein LG in einer sehr verantwortungsvollen Position steht.

    Hierzu habe ich folgende Gedanken:

    Wenn man sich auf seine Nüchternheit konzentriert, dann bedeutet das nicht, dass man seinen Partner, seinen Job, oder irgendeine andere Beziehung aufgeben muss, aber man muss die Bereitschaft dazu aufbringen, wenn die Beziehung oder die Situation die Nüchternheit gefährdet.

    Oder anders ausgedrückt:

    Was hilft Dir die beste berufliche Situation, wenn Du wieder anfängst zu trinken? Irgendwann ist die durch das Trinken wahrscheinlich ohnehin weg.

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es für meine Stabilität sehr wichtig ist, dass ich mich deutlich positioniere. Wenn die anderen sich dann von mir distanzieren, dann ist das ihre Sache.

    Ich weiß, dass das am Anfang nicht ganz leicht ist, aber je klarer und fester mein Wunsch ist, ein abstinentes Leben zu führen desto leichter fällt es, sich auch klar zu äußern.

    Letztlich und zu allererst geht es ja buchstäblich um mein/ Dein Leben!

    Zitat

    "Es zwingt dich ja keiner zum Trinken": habe ich da schon gehört!

    Es zwingt Dich auch keiner, den Kontakt mit der Familie aufrecht zu erhalten, wenn es Dir nicht gut tut.

    Liebe Grüße
    Manfred

    Lieber Fliegender Stern,
    meine Gedanken und meine Überlegungen habe ich in den obigen Beiträgen beschrieben.
    Martha hat sie in ihrem Beitrag nochmal zusammengefasst.

    Ich wünsche Dir und allen die hier schreiben alles Gute und alles Liebe für ihre Zukunft.

    Liebe Grüße
    Manfred

    Hallo Spes,
    ja, so war es gemeint.

    Bei mir ist das so:
    Wenn ich einen Beitrag lese, dann lasse ich den ein wenig auf mich wirken und frage mich:

    Welche Anteile in mir bringt das zum Schwingen?

    Sehe ich bei mir Handlungsbedarf?

    Was berührt mich an diesem Beitrag?

    Welche Gefühle und welche Bedürfnisse werden da geweckt?

    Wie gehe ich damit um ?

    So in etwa ...

    Nochmal herzlich Willkommen in diesem Forum und viele spannende Erlebnisse beim "Spiegeln". :D

    Liebe Grüße
    Manfred

    Liebe Sinnesrausch,

    ich hatte es schon einmal an anderer Stelle geschrieben:

    Wir schauen beim Lesen im Forum alle in einen großen Spiegel …

    In Euren Gesprächen über den Trennungsschmerz von einem (ehemals, noch immer?) geliebten Menschen sehe ich den Trennungsschmerz von einer geliebten Substanz.

    Bei mir ist es so:
    Zu Beginn meiner Trockenzeit ist es mir leicht gefallen mich vom Alkohol zu trennen. Das lag daran, dass ich in der Endphase meines Trinkens sehr viele negative Erlebnisse hatte. Bis zum (Entzugs)-Delir.

    Über die Jahre verblassten diese Erlebnisse. Auch wenn ich mich an das Delir noch sehr gut erinnern kann und in besonders kritischen Phasen noch mal vor Augen führe.

    Mir ist im Laufe der Jahre klar geworden, dass eine bloße Trennung vom Alkohol nicht ausreicht. Ich muss (der Unterschied zwischen ich muss und ich will, bzw. ich darf steht bei Martha66 im Thread „Umgang und Gedanken zu Schuld und Scham) auch einige Dinge in meinem Leben vom Grund auf ändern. So habe ich es eine lange Zeit empfunden. Ich habe mit großem Energieaufwand mich anders verhalten. Aus dem Gefühl heraus, dass ich das machen muss.
    Ich bin damit auch phasenweise erfolgreich gewesen. Trotzdem blieb immer ein Gefühl von „ich genüge nicht so wie ich bin“. In diesen Phasen rückte dann der Alkohol (die Erinnerung an die schönen Phasen) wieder näher an mich heran.

    Auch durch Euer Schreiben über Euren Trennungsschmerz ist mir noch mal deutlich geworden, wie wichtig es für mich ist, dass ich diesem Gefühl von „Ich genüge nicht so wie ich bin“ weiter nachgehe. Es gibt dafür lebensgeschichtliche Gründe, mit deren Aufarbeitung ich mich seit einiger Zeit beschäftige.

    Ich bedanke mich sehr dafür, dass ihr den Mut habt über Eure Gefühle hier zu schreiben.

    Ich hatte dadurch eine weitere Gelegenheit in den Spiegel zu schauen … :D

    Liebe Grüße
    Manfred

    Hallo Spes,

    Zitat

    Spes hat Folgendes geschrieben:
    Ich komme oft als neunmalgescheit rüber und das will ich einfach vermeiden

    Ich sehe es so:
    Jede Frage, die wir stellen, jede Anregung, jeder Kommentar, den wir geben, ist letztlich an uns selbst gerichtet.

    Wir sehen alle in einen großen Spiegel ...

    Liebe Grüße
    Manfred

    Liebe Elke,
    es ist schon spät und ich kann jetzt nicht mehr auf alle Aspekte Deines Beitrages eingehen. Das gelingt mir morgen sicher besser ;)

    Aber den m.E. wichtigsten Punkt greife ich schnell noch auf:

    Zitat

    Aber der Durst ist da: nach Nähe, Vertrauten, Zuneigung. Was wird bei einer LZT bei solchen Entzugserscheinungen gemacht??

    Im Kern geht es darum , dass die Frage gestellt wird, wie diese Bedürnisse unabhängig von Alkohol/ Beziehung erfüllt werden können.

    Wie kann ich Nähe zu mir selbst herstellen? Wie kann ich mir selbst vertrauen? Wie kann ich mich selbst mögen?

    Die Therapieformen sind dabei sehr unterschiedlich. Letztlich kann jede Therapieform dazu beitragen, dass man in Kontakt mit sich selbst kommt.

    Es gibt i.d. R. keine spontanen Antworten. Das herauszufinden ist ein längerer Prozess, der auch über die LZT hinaus weiterläuft.

    Liebe Grüße
    Manfred

    Hallo Fliegender Stern, hallo Sinnesrausch,
    ich habe eine zeitlang Euren Austausch verfolgt und möchte gern mein, zugegeben ungefragtes, Feedback loswerden.

    Beim Lesen Eurer Beiträge hatte ich folgendes Bild vor Augen:

    Eure trinkenden Männer treffen sich zufällig irgendwann in einer LZT. Ihre Gespräche drehen sich pausenlos um den Alkohol. Sie schwärmen von seinem Geruch, vom Geschmack, vom Aussehen etc.
    Hin und wieder sagt einer, dass es auch schlimme Abstürze gab. Aber dann gibt es wieder die vielen schönen Erinnerungen …

    Was glaubt ihr, wie lange sie nach einer Therapie trocken bleiben werden …

    Wenn Ihr Eure Beiträge noch mal lesen würdet und überall da wo Mr. XY steht das Wort Alkohol einsetzten würdet, da könnte es doch möglicherweise Parallelen zur Alkoholabhängigkeit geben?

    Ich kenn mich mit Co-Abhängigkeit nicht so gut aus, aber jeden Alkoholiker, der so vom Alkohol schwärmt, würde ich fragen: Warum willst du trocken werden? Warum willst Du aufhören Alkohol zu trinken?

    Ich wünsche Euch eine angenehme Nachtruhe!

    Liebe Grüße
    Manfred