ZitatEs tut mir gut und manchmal erschrecke ich, wie viel Kraft all die Jahre für dieses MÜSSEN drauf gegangen ist.
Das war für mich auch eins der erschreckendsten Dinge überhaupt, für wie normal ich es hielt, Rollen zu spielen, fest in dem Glauben verankert, Rollen spielen zu müssen. Dass dies meine Aufgabe sei.
Das war von kindheit an erlernt, incl. der Überzeugung, Rollen spielen zu müssen, da ich sonst niemals von anderen menschen akzeptiert werde.
Es spielte dabei keine Rolle, was für eine Rolle ich annahm. Die des treusorgenden Vaters, die des braven Sohnes, die des aufopferungsvollen Partners.
Das zog sich durch mein gesamtes Leben, überall, bis in den letzten Winkel. Ich hab gespielt, eine Person zu sein, von der ich glaubte, sie sein zu müssen. Und so vollautomatisiert, daß ich lange brauchte um das überhaupt zu bemerken.
Mit meinen Eltern hatte ich so ca. ein bis 2 Jahre überhaupt keinen Kontakt weil's für mich gar nicht anders möglich war. Diese Zeit hat schon sehr viel für mich verändert.
Heute kann ich einen guten, aber dennoch begrenzten Kontak zu meinem Elternhaus halten. Und der macht mich lange nicht mehr so fertig.
Trotzdem, bestimmten Menschen gegnüber, meiner Mum zum Beispiel, falle ich immer und immer wieder in diese alten Rollen zurück. Ich werf's mir nimmer vor. Es ist nur noch eine alte - aber auch unangenehme - Angewohnheit.
Trotzdem passierts unmerklich. Bestimmte Schlüsselmomente und ich befinde mich wie auf Schinen und merks gar nicht. Ich merke nur, daß es mir plötzlich schlechter geht und dieses Gefühl des schlechter gehens zunimmt. Dann weiss ich, ich spiel wieder eine Rolle und bin weit weg von mir, von dem der ich bin.
Meine Mum mache ich dafür allerdings heute nicht mehr verantwortlich. Sie ist nur meine Mum. Mehr nicht. Ich bin ja der, der die Rolle spielt, selbst wenn ich's nicht absichtlich tue.
Eine liebe Freundin nannte es mal - mein Kryptonit - und darüber musste ich lachen und so kann ich es auch akzeptieren.
Lange hab ich versucht, mich zu zwingen, daß doch zu können, bei mir zu bleiben, auch gegenüber Menschen, bei denen ich in Rollen falle. Das hat alles noch schlimmer gemacht, bis ich gemerkt habe, das ist das gleiche wieder. Nur versuch ich dann die Rolle eines Menschen zu spielen, der das Problem was ich habe nicht hat.
Ich hab für mich einfach akzeptiert, zumindest im Moment, gibt's ein Kryptonit für mich vor dem ich besser einen gesunden Abstand halte.
Ich mag mich auch mit meinem Kryptonit ![]()
Und es gibt Menschen, die mögen mich genau dafür, daß ich eben Schwächen habe. Und nicht perfekt bin.
Und ich mag menschen, die Schwächen haben und nicht perfekt sind.
Kryptonit haben, ist irgendwie menschlich. Und menschlich sein, ist schön. Denn das macht mich erst zu dem kerl, der ich bin und den ich gern hab.