hallo teufelchen,
schreib du nur mal ruhig viel, das tut bestimmt gut, und du wirst auch reaktionen bekommen, wie man dich und dein verhalten von aussen sieht. manches wird dir vielleicht nicht schmecken, aber denk immer dran, dass wir hier wissen, wovon wir reden
.
das mit den gefühlen kenne ich auch nur zu gut. wenn mein freund mal einen tag nüchtern war, wir ein paar schöne telefonate hatten hab ich mich wieder gefragt, ob ich spinne. als nächstes hab ich mich gefragt, ob ich das schöne mit ihm - was es zwischendurch immer mal wieder gab - missen möchte. dann hab ich mich gefragt, ob ich sechs jahre einfach so wegwerfen möchte.
wenn es aber wieder los ging mit trinken, mit schimpfen, mit gemeinheiten und ungerechtigkeiten "du tust mir weh, du bildest dir das ein, du machst mir das leben zusätzlich schwer, du lässt mich im stich...." bis hin zu türen knallen, telefon auflegen.... dann wusste ich, dass ich NICHT spinne, dass ich so NICHT weitermachen will - bei aller liebe, die nach wie vor für diesen mann da war (ist). bei mir war der "klick", mein persönlicher tiefpunkt, dass ich mir auf der autobahn überlegt hab "warum reiss ich jetzt eigentlich das steuer nicht rum, dann isses alles vorbei".- da hab ich mich so über mich erschrocken, und alle meine kräfte mobilisiert, mich abzugrenzen, wieder zu mir und meinem wollen zu finden und mein leben zu leben - unabhängig davon, was mein freund tat oder auch nicht.
leicht war das nicht, natürlich war ich ständig in gedanken bei ihm, aber ich habe schritt für schritt wieder etwas eigenes begonnen. mit freundinnenn ausgehen, kino, theater, oper, für mich alleine schön kochen. ich hab das auch nicht GEGEN ihn gemacht - auch wenn der das so gesehen hat - sondern FÜR mich. langsam kam dann die lebensfreude zurück und damit auch ein gefühl für das, was mir MIT meinem trinkenden freund alles entgeht. und da war ich dann so weit zu sagen "entscheide dich zwischen dem alk und mir". dieses ultimatum hab ich ihm aber erst gestellt, als ich mir ganz sicher war, dass ich ihn wirklich verlassen würde, wenn er weitertrinkt.
ich hab dazu auch einen nüchternen moment abgepasst. wie wäre es denn bei euch morgens? da ihr zusammen wohnt, müsste das doch machbar sein. geh mit ihm spazieren und sag ihm, was du willst. ich hab das bei mir lange schriftlich vorformuliert, immer wieder gefeilt und dann fast auswendig gelernt, um eben keine emotionalen ausbrüche oder anschuldigungen zu haben. das kann ich nämlich auch
, aber das ist kontraproduktiv. ich hab ausschliesslich von mir geredet, wie ich mich fühle, was ich will und was nicht.
mein freund hat das problem auch bei mir gesehen und nicht bei ihm. aber zumindest hat er nach besagtem gespräch angefangen nachzudenken. er war ganz still, und das passierte bei ihm sonst selten, sonst hat er immer verbal draufgehauen, wenn ich gemeckert hab. deshalb: ruhig, konzentriert und mit ernst mit ihm sprechen. keine vorwürfe.
ja, ich kann dir nur viel kraft wünschen. der weg ist schwer, ich weiss das, und er dauert. aber es lohnt sich.
lieben gruß
lavendel