Beiträge von lavendel

    hallo schreiner,

    willkommen hier im forum.

    also, da du nicht viel schreibst, kann ich dir nur einfach mal einen der möglichen wege aufzeigen.

    normalerweise gibt es erst einmal ein gespräch mit dem hausarzt. der entscheidet auch, ob man zum entzug ins krankenhaus gehen sollte. ein kalter entzug zuhause kann tödlich enden, das solltet ihr garnicht erst in erwägung ziehen. danach eine suchtberatungsstelle. dort wird geschaut, was das beste für deine mutter wäre, eine ambulante oder eine stationäre therapie. dann muss oswas beantragtt werden, sie muss einen sozialbericht schreiben, dann wartet man auf die zusage vom versicherungsträger und dann kommt man irgendwann in eine therapieeinrichtung.

    es gibt aber auch zwischenformen, manchmal kann man das beschleunigen, sowas hängt alles von den gesprächen im vorfeld ab. hilft dir das ein bisschen? ansonsten müsstest du ein bisschen konkreter fragen.

    ausserdem schieb ich dich jetzt in die rubrik "kinder von alkoholikern", da bekommst du wahrscheinlich auch noch ein paar paar antworten von betroffenen.

    gruß

    lavendel

    hallo nina,

    im prinzip sehe ich das so wie spedi. von der vernunft her sowieso, und ausserdem macht es unglaublich viel spass, eine EIGENE wohnung oder ein EIGENES zimmer einzurichten. mein 12 m2-studentenzimmer war für mich DAS paradies. vielleicht geht es ja auch, auszuziehen ohne gleich zu deinem freund zu ziehen? du schreibst ja, dass das finanziell möglich wäre. überlegs dir.

    wenn es dir aber leichter fällt über den zwischenschritt freund, dann hat auch das seine berechtigung. das wichtigste ist, dass du halbwegs zufrieden leben kannst.

    gruß

    lavendel

    hallo blandi,

    nachtrag:

    du schreibst:

    Zitat

    btw: ich trinke den einen oder anderen Tag daheim trotzdem mein Bierchen, was Sabine überhaupt nichts ausmacht. Es ist also nicht zwingend so, das der eine seinen Konsum völlig aufgeben muss, nur weil sein Partner ein Problem mit sich selber hatte. Alles ist möglich, alles geht, man muss es anscheinend nur wollen.

    ich halte diese aussage für brandgefährlich und möchte sie so nicht stehen lassen. du führst sabine damit in versuchung, auch wenn sie es abstreitet. ein alkoholfreies zuhause ist zumindest für eine längere zeit am anfang unabdingbar.

    ich warne nachdrücklich alle angehörigen, die das lesen davor, dies für bare münze zu nehmen, dass es ja garnicht schlimm ist, alkohol im haus zu haben. ihr bringt eure/n partner/in damit unnötig in gefahr. das gleiche gilt, wenn ihr mit einer fahne nach hause kommt.

    naja, und dass alles möglich ist, wenn man es nur will, halte ich für ziemlich überheblich. damit unterstellst du all denen, die hier (und anderswo) um ihr leben und ein wegkommen vom alkohol kämpfen, dass sie ja nur nicht wollen. und noch was: du schreibst ...der partner ein problem damit hatte. sehe ich das richtig, sabine HATTE ein problem und ist geheilt?

    mit dieser einstellung wird das böse erwachen kommen, darauf gebe ich dir brief und siegel.

    entschuldige bitte, dass es jetzt doch etwas emotionaler ausgefallen ist als ich wollte. aber ich habe euch beide von anfang an gelesen und begleitet und zu sehen, womit ihr euch jetzt zufrieden gebt - und das auch noch propagiert - macht mich doch ein bisschen sprachlos.

    lavendel

    hallo blandi,

    schön, dass es euch gut geht. ich kommentiere dich jetzt mal nicht, sondern schreibe vor mir.

    ich hatte meinem freund im letzten sommer ein ultimatum gestellt: ich oder der alkohol. erst einmal hat er mich gewählt. nach drei wochen dann wieder den alkohol. weitere vier wochen hab ich mir sein geeiere angesehen, selbsthilfegruppe ja/nein, vielleicht doch kein alkoprpblem, nur flucht aus schlechten gedanken, was man als akoholiker halt so sagt, wenn man nicht ernst machen will.

    dann hab ich ernst gemacht und mich getrennt. er ist dann komplett abgestürzt, hat sich aber nach einer woche wieder berappelt und hat angefangen, in eine shg zu gehen. nach zwei monaten haben wir angefangen, uns anzunähern, ohne ein paar zu sein, aber mit dem beidseitigen wunsch, es wieder zu werden.

    ich hab es sehr genossen, gedacht, vielleicht hab ich mich getäuscht, er hat es doch im griff, man braucht keine entgiftung und keine therapie. habe angefangen hoffung zu schöpfen, auch wenn ich schon ein bisschen misstrauisch war ob mancher äußerungen von ihm, wie z.b. in seiner shg würde ja garnicht über alk geredet, sondern über alles mögliche, und das sei oft langweilig, und der alk würde garkeine rolle mehr spielen, und er sei ja garnicht richtig alkoholiker. wohlgemerkt, alles zu zeiten wo er nichts getrunken hat.

    letzte woche dann meinte er, er müsse es nochmal versuchen, und hat einen rückfall gebaut. nach fünf monaten trockenheit. für meine begriffe hatte er sich nie wirklich vom alk verabschiedet. alles, was vorgefallen war, verharmlost, ist übermütig und überheblich geworden, und das ist grandios schief gegangen.

    JETZT hat es klick gemacht, JETZT will er eine therapie, JETZT will er mit dem alk endgültig abschliessen.

    ich sage nicht, dass jeder mensch diese schleife braucht, es kann durchaus sein, dass man es ohne hilfe von aussen und aus eigenem antrieb auf dauer ohne fremde hilfe schaffen kann. aber ich persönlich glaube das nicht, und ich kenne keine kein einziges beispiel, weder hier im forum noch in meiner realen shg.

    dir und sabine wünsche ich alles glück der welt, und ich hoffe sehr, dass du kein böses erwachen erleben wirst.

    lieben gruß

    lavendel

    liebe nina,

    willkommen hier im forum, schön dass du hergefunden hast.

    zuerst einmal ein ganz großes lob an dich, du analysierst schon ziemlich klar, was bei euch läuft, das schafft nicht jeder. nun hast du ein paar konkrete fragen.

    Zitat

    Ich habe eingesehen, dass nur meine Mutter sich selber helfen kann und das es verdammt nochmal nicht meine Pflicht Chauffeur und so zu spielen, wenn ich meine Bedürfnisse, meine Studium und damit meine Zukunft zurückstelle! Oder ist das zu egoistisch??

    nein, nein nein und nochmal nein. es ist ihre gesundheit, die sie sich ruiniert. und dein vater lässt das zu. aber das ist seine sache. du hast alles recht der welt, dein leben relativ unbeschwert leben zu wollen.

    meine eltern sind/waren auch alkoholiker (mein vater ist inzwischen tot) und ich bin auch zum studium ausgezogen. ich hatte dieselben bauchschmerzen wie du, ich fühlte mich auch verantwortlich und dachte, ohne mein regulierendes eingreifen würde alles den bach runtergehen. ist es dann auch, aber das hatte NICHTS mit mir zu tun, das wäre auch passiert, wenn ich dageblieben wäre. und mir hat das weggehen buchstäblich das leben gerettet. mit dem schlechten gewissen habe ich noch lange gekämpft, aber jetzt WEISS ich, das ich garnichts hätte tun können. meine eltern wollten trinken, sie haben nichts angenommen, es war ihre entscheidung und ich konnte und musste mich retten. kann dir nur raten, das ebenfalls zu tun.

    Zitat

    Mein Freund weiß über die ganzen Dinge Bescheid, er möchte dass ich so schnell wie möglich zu Hause raus und zu ihm und seinen Eltern ziehe. Finanziell ist alles geregelt, ich verstehe mich mit seinen Eltern super super gut und Platz ist auch vorhanden (hätten eine eigene Wohnung in dem Haus seiner Eltern)! Es wäre wirklich ein Traum! Ich würde näher an der Uni wohnen und könnt mich endlich endlich ganz auf mein Studium und meine Zukunft konzentrieren!! Ich könnte endlich MEIN Leben leben!

    tu das. kümmere dich um dich und deine zukunft, geniess dein leben, du hast alles recht der welt dazu. und wenn es so problemlos klappt, dann zögere nicht.

    Zitat

    Auch wenn es fies klingt, aber mittlerweile bin ich soweit, dass es mir egal ist, was aus meiner Mutter wird, aber ich hätte gegenüber ´meinem Vater und meiner Schwester ein schlechtes Gewissen!
    Was wird mit dem Auto, wer fährt die beiden durch die Gegend und einkaufen?

    auch das ist nicht dein problem. ganz krass gesagt, es wäre die sache deines vaters, seinen hintern hochzukriegen und etwas zu tun. er muss/will gefahren werden. es ist SEINE frau, die trinkt.

    angesagt wäre in solch einer situation, mit ihr das gespräch zu sichen, wenn sie nüchtern ist und ihr zu sagen, dass er mit ihr so nicht mehr leben will. dass sie etwas tun soll, um von der sucht loszukommen. und wenn sie das nicht tut, er/ihr sie fallen lassen werdet. denn sieh mal: sie hat doch gar keinen grund aufzuhören. ihr umfeld funktioniert doch ganz prima ohne sanktionen für sie. erst wenn ihr irgendwas richtig weh tut, fängt sie vielleicht an darüber nachzudenken, dass es so nicht mehr weitergeht. das abstreiten, ein problem mit alkohol zu haben ist übrigens ganz typisch, kein alki hat ein problem mit alkohol, bis es irgendwann mal richtig knallt :wink:.

    Zitat

    Mein Auto bräuchte ich theoretisch nicht mehr, wenn ich zu meinem Freund ziehe, weil wir uns dann seines teilen!
    Wenn ich es also meinen Eltern überlasse? Was dann? Ich kann doch nicht verantworten, dass meine Mutter dann wieder besoffen damit fährt uns somit sich und vor allem andere in Gefahr bringt?? Und was ist wenn ichs mitnehme oder verkaufe? Dann hätten sie keins mehr und müssten wieder alles mit dem Fahrrad erledigen?
    Was soll ich nur tun?

    wenn es dein auto ist, und dein vater und deine schwester nicht fahren, solltest du es selbstverständlich mitnehmen, allein schon, damit deine mutter nicht betrunken damit fährt. dann bist du nämlich letzten endes auch noch mit verantwortlich, wenn etwas passiert.

    also: gespräch suchen mit ihr. vielleicht sogar als ganze familie, damit sie merkt, dass es euch ernst ist und sie euch nicht gegeneinander ausspielen kann. wege aufzeigen: hausarzt, entgiftung, therapie. wenn sie nicht dazu bereit ist: fallen lassen. etwas anderes hilft nicht. und ihr beiden töchter solltet dann so schnell wie möglich ausziehen und euer eigenes leben leben.

    hört sich brutal an, aber die erfahrung zeigt, dass es nicht anders geht.

    lieben gruß

    lavendel

    hallo navarra,

    auch von mir ein herzliches willkommen hier im forum. ja, hier werden dich viele verstehen, die hilflosigkeit, das nicht be-greifen können, der ärger, dass ein elternteil dem anderen (und auch einem selbst) das leben zu hölle macht.

    das einzige was du tun kannst ist auf dich zu achten - und es ist gut, dass du dich abgegrenzt hast. genau das gleiche müsste deine mutter auch machen - aber scheinbar tut sie das ja nicht. aber auch das ist IHRE sache, nicht deine. es ist dann auch ihre sache, wenn wieder viel geld für gericht und ähnliches bezahlt werden muss. so lange sie all die eskapaden von deinem vater mitträgt und ausbügelt, wird sich voraussichtlich auch nichts ändern. aber es ist ihr leben. sie muss es in die hand nehmen. du kannst das nicht für sie.

    viele grüße

    lavendel

    hallo sunas,

    wenn du dich jetzt hier r offiziell vorstellst, heisse ich dich auch offiziell willkommen :wink:. du wirst merken, wenn du dich mehr öffnest, mehr zuhörst und mehr nachdenkst, kommt das sortieren von ganz allein. so ging es mir jedenfalls. allein hab ich mich nur im kreis gedreht, im dialog kam dann ganz schnell eine richtung rein. trau dich!

    lieben gruß

    lavendel

    hallo diesad,

    willkommen in diesem forum hier, schön, dass du hergefunden hast. ich verschib dich mal in die rubrik "kinder von alkoholikern", da gibts ganz viele wie dich (und mich), mit denen du dich austauschen kannst.

    ein paar dinge möchte dir aber schon vorab sagen:

    wenn du mit deiner mutter reden willst, solltest du das nur tun, wenn sie nüchtern ist, alles andere hat keinen sinn.

    desweiteren mach dir bloss kein schlechtes gewissen, oder gar schuldgefühle, dass du etwa etwas mit ihrem trinken zu tun haben könntest, das ist quatsch. sie trinkt, weil sie süchtig ist, nicht weil du vielleicht mit deinem vater gestritten hast. meine mutter hat auch immer banalitäten gesucht, die sie vorschieben konnte, um zu trinken. das ist "normal". zieh dir diesen schuh bloss nicht an.

    die idee mit einer selbsthilfegruppe für alki-kinder finde ich gut. so etwas ähnliches hast du ja auch hier, aber wenn du mal in eine gruppe an deinem wohnort gehen magst, probier es aus. ich weiss, wie schwer es ist, NICHT drüber reden zu könnne, das ist ganz furchtbar. ich hab in deinem alter auch niemenden gehabt, das war schlimm. drüber reden macht es leichter zu ertragen.

    ja, und ganz wichtig ist, dass du dich und dein leben nicht aus den augen verlierst. sieh zu, dass du dich emotional so weit wie möglich unabhängig machst von dem, was deine mutter tut. versuch, es nicht so nah an dich ranzulassen.

    und ansonsten: du kannst hier alles fragen und wirst immer antworten bekommen, du bist nicht allein.

    lieben gruß

    lavendel

    liebe rose,

    danke für deinen bericht! ich glaube, es ist für erwachsene kinder von alkoholikern in dieser rubrik ganz wichtig auch mal zu hören, wie es einem alkoholiker geht, was er fühlt. oft sind die erwachsenen kinder hier ja furchtbar wütend und denken, ihre eltern trinken aus absicht und es kümmere sie nicht, wie es den kindern geht. ich denke, das verursacht eine ganze menge (unnötiger) bitterkeit.

    vielleicht wäre es für das eine oder andere "kind" - egal wie alt - ganz interessant, mit dir in diesem threat in einen dialog zu kommen, sozusagen als "ersatz" für den dialog mit den eigenen eltern.

    mir ging es so, als ich vor knapp einem jahr zum ersten mal in die kreuzbund-shg gegangen bin. zwar war da der aktuelle anlass mein freund, aber natürlich spielte auch meine herkunft aus einer alkoholiker-familie eine große rolle. und es hat mir für mich gut getan, mich mit alkoholikern zu unterhalten, die mir nichts "getan" hatten, anders als meine eltern oder mein freund.

    ich glaub, ich hab da auch in mein tagebuch geschrieben, dass mir in dieser gruppe zum ersten mal in meinem leben alkoholiker sympathisch waren - weil ich dort nämlich zum ersten mal gespürt habe, dass es "ganz normale" menschen sind, die eben krank sind, die aber auch über ihre krankheit reden. und wo ich zum ersten mal "neugierige" fragen stellen konnte - und diese ehrlich beantwortet bekam - was bis heute mit meiner mutter nicht geht. deshalb freue ich mich sehr über deinen beitrag - danke!

    lieben gruß

    lavendel

    hallo dante,

    klar kannste stiefmütterchen pflanzen. das macht man zwar eigentlich im herbst, damit sie jetzt durchstarten können, aber jetzt gehts auch noch. und keine ausreden, erst den rest, dann das bunt. was meinst du, wie bunte tupfen beflügeln! ich hab auch welche auf dem balkon und sage ihnen jeden morgen "guten morgen" 8) .

    lavendel

    hallo lunasole,

    Zitat

    Es wäre leichter wenn er nicht IMMER IMMER IMMER anrufen würde.

    warum gehst du überhaupt ans telefon? ich bin bei den nervattacken meines (ex)freundes einfach nicht mehr drangegangen. wenns wer anders war: dafür hab ich nen anrufbeantworter und kann zurückrufen. irgendwann hatten sich die anrufe dann erledigt.

    lavendel

    hallo icegirl,

    du schreibst

    Zitat

    Ich bin nicht perfekt, das weiß ich. Aber ich habe doch niemandem wirklich was getan - warum wird es dann mir angetan...

    naja, du lässt es dir ja auch antun. das ist jetzt nicht böse gemeint, aber das ist so eine opferhaltung, die dir das aushalten schwer macht. versuch mal, so richtig die wut auf deinen ex zu pflegen und zu kultivieren, führ dir vor augen, was er getan hat, und was du nie wieder willst. mir hilft sowas, ein bisschen von der trauer um den verlust eines menschen (oder einer illusion?) wegzukommen. nicht mir selbst leid tun, sondern richtig sauer werden 8).

    und dann zum erzählen: auch da kann ich elki nur recht geben. mein (ex)freund hat mir gestern seinen rückfall gebeichtet (nach fünfmonatiger abstinenz). da ich mir immer noch eine zukunft mit ihm vorstellen kann, hat mich das ganz schön von den socken gehauen. ich hab dann postwendend meine beste freundin angerufen und ihr das fünf minuten vorgeheult. da ging es schon besser. war dann abends mit einer anderen freundin aus, die hat das dann auch gleich zu hören bekommen. nicht den ganzen abend und in aller ausführlichkeit, aber mir hilft es, wenn mein engstes umfeld weiss, wie es mir geht, und ich micht verstellen muss. überleg dir das mal.

    lieben gruß

    lavendel

    hallo lunasole,

    täusch dich da mal nicht bei deinen kindern. ich bin auch in einer alki-familie großgeworden, und ich hab schon mit sechs, sieben ALLES mitbekommen, auch wenn ichs nicht einordnen konnte. streit durch die türen, verweinte augen, spannung in der luft, giftige worte, flaschen, komische grüche, komisches reden, schweigen, ALLES.

    lavendel

    hallo melanie,

    auch von mir ein herzliches willkommen hier im forum, schön, dass du hergefunden hast.

    deine geschichte kommt mir sehr bekannt vor, so ähnlich hatte ich das auch, als große tochter, dazu ein kleinerer bruder, ein vater der prügelt, eine mutter, die den haushalt nicht mehr macht, entgiftungen, therapien, nix hat geholfen. ich hab mir genau wie du immer den schuh der verantwortung angezogen, auch als ich schon zuhause weg war. dauernd die sorge, dass was passiert, die unruhe, wenn sie nicht ans telefon geht, das schlechte gewissen, dass ich nicht da war, ihre vorwürfe, ich würde mich nicht kümmern, was ich überhaupt für eine tochter sei, sie habe doch alles für mich getan....

    ich hatte dann das "glück" - und ich denke, letztlich hat mir das fast das leben gerettet, dass ich für ein jahr ins ausland gegangen bin zum studium, ganz weit weg. erst da habe ich dann die abnabelung geschafft. dazu kam eine psychotherapie und seelsorgegespräche, und überall hab ich das gleiche gehört: dass ich mich um MICH kümmern muss, dass ich MICH an erste stelle setzen soll und dass ich - wenn ich den zustand nicht mehr aushalte, den kontakt abbrechen MUSS, um nicht vor die hunde zu gehen.

    ich habe das dann getan, ihr einen brief geschriben, dass sie über meine kraft geht und ich mit ihr keinen kontakt mehr pflegen werde, solange sie trinkt. das ist mir furchtbar schwer gefallen, aber ich wäre sonst an ihr irre geworden, es war für mich wirklich fünf vor zwölf, und da war ich mitte 20, so wie du jetzt. am schwersten waren für mich die schuldgefühle auszuhalten, aber wenn ich es mal nüchtern betrachte: sie hat mit mir und ohne mich gesoffen, es war völlig wurscht ob ich mich gekümmert (und gelitten) hab oder nicht. sie wollte trinken, also hat sie das getan.

    natürlich hatte (und habe) ich immer noch die unterschwellige angst, dass irgendwann ein anruf kommt, man habe sie auf der strasse oder tot im bett gefunden - das wird auch nie weggehen. aber trotzdem beherrscht die sorge um sie nicht mehr mein leben, und darüber bin ich einfach nur froh. kann dich also nur bestärken: geh für DICH in eine suchtberatung oder zu einer selbsthilfegruppe, such dir vielleicht für DICH einen therapeuten - und lass deine mutter ihr leben leben. leg auf, wenn sie betrunken anruft. geh weg, wenn sie bei deinem besuch betrunken ist. anders wird es wohl nicht gehen....

    wünsche dir viel kraft

    lavendel

    hallo lunasole,

    jetzt schreib ich dir mal (wieder) was, was du ganz sicher nicht lesen möchtest, ich tu es trotzdem.

    dein freund zieht da eine ganz miese selbstmitleidstour und show ab, um dich zu ködern. ich wette, dreiviertel von all dem, was er sagt ist gelogen. er will dir ein schlechtes gewissen machen und dich vereinnahmen, und das klappt prima, siehe deine "leere" verfassung.

    weisst du warum ich glaube das so genau zu wissen? weil mein freund das zu nassen zeiten ganz genauso gemacht hat, sogar mit den selben worten, die du schreibst:

    Zitat

    weh geh besser , geh deinen eigenen weg, besser ohne mich, ich habe einen weg für mich gefunden" auf die fragen "welchen?" hmmmmmm tja....... aufgabe und abschied vom leben....prima hab ihn gefragt was dieses packerl was er mir da zuschiebt jetzt soll....."nein nein liebes, ich will dich ja gar nicht verletzen, nur ich seh keine andere lösung"

    ganz genauso. und zu diesen zeiten ist nix passiert, da war immer nur das baden im selbstmitleid und mir ein schlechtes gewissen machen. irgendwann hat mich das nur noch genervt, und ich hab da auch die achtung verloren. viel später -als mich das schon längst nicht mehr beeindruckt hat - hat er dann die kurve gekriegt, nicht mehr getrunken, und jetzt redet er völlig anders, nämlich dass er mist gemacht hat, mich belastet hat, das nicht mehr tun wird, sein leben selbst regeln will und wird, dass das seine probleme sind, die ich nicht lösen kann und soll.... merkst du den unterschied?

    ich ziehe jetzt einfach mal den vergleich und denke, dass dein freund nicht so anders tickt als meiner: die hier schreibenden alkoholiker werden dir bestätigen, dass dieses baden im selbstmitleid zu einem nassen alkoholiker gehört, nicht zu einem, der trocken ist oder werden will.

    wünsche dir viel kraft

    lavendel

    hallo lunasole,

    er ist bei seinen eltern und hat eine lebensbedrohliche diagnose vom herzzentrum :shock: ? das versteh ich jetzt nicht: wieso bitte schön ist er dann nicht im krankenhaus? aber jetzt bist du eh schon auf dem weg, nehme ich an. kann dir nur wünschen, dass du unterscheiden kannst zwischen panikmache und vereinnahmung und ernsthaften willen seinerseits, etwas zu ändern :? .

    gruß

    lavendel

    hallo lunasole.

    ich begrüße dich auch ganz herzlich hier im forum.

    was ich isa geschrieben habe, könnte ich dir hier fast eins zu eins auch schreiben, aber das hast du ja schon gelesen.

    was mir zu dir aber noch besonders auffällt, weil ich das gefühl gut nachvollziehen kann: der herzinfarkt. mein freund hatte auch einen, ich war auch tagelang auf der intensivstation bei ihm, nachher zu hause, hab mich gekümmert, gemacht und getan. damals hat er noch nicht exzessiv getrunken, das kam erst später.

    aber trotzdem: sein herz ist geschädigt, immer noch, alkohol macht bluthochdruck = d.h. zusätzliche last für ein geschwächtes herz = megagift. mich hat das bei meinem freund wütend und bitter gemacht, wie man WISSEND um die eh so labile gesundheit sich in diesem ausmass nervengift zuführen kann. pure selbstzerstörung. ich habs nicht verstanden, wie man so ticken kann. auf der einen seite herzkatheter, blutdrucksenkende medikamente, betablocker.... und dann den alk obendrauf. auf der einen seite leben wollen, sonst würde man ja nicht ständig zum kardiologen gehen, und auf der anderen seite die pure selbstzerstörung.

    manchmal kam dann "ist doch eh egal". ja, und da frage ich mich dann, ob ich jemandem in meinem leben haben und lieben will, der sich selbst so egal ist. abgesehen davon, dass ich ihm nicht helfen kann, jeder alkoholiker muss da selbst rauswollen. ICH wollte einfach irgendwann keine kraft mehr investieren, wenn er es sich selbst nicht mal wert ist. was bin ich ihm denn dann wert?

    dies nur mal als gedankenanstoss.

    und zu deiner konkreten frage: ich persönlich würde ihn ins krankenhaus begleiten und dann JEDE verantwortung abgeben, an ihn. und wenn er auf der strasse zusammenbricht, und wenn er nicht mehr heimfindet: er hat sich da reinmanövriert, er muss da auch wieder rauskommen. hart, aber so sehe ich das.

    gruß

    lavendel

    hallo isa,

    willkommn hier im forum.

    in der regel fällt mir zu fällen wie deinem immer nur ein "lauf, so schnell du kannst". das ist jetzt vielleicht ein bisschen flapsig, ich möchte es dir erklären.

    dein bekannter - ich nenne ihn jetzt mal so - hat eine therapie gemacht und ist sofort wieder rückfällig geworden - das ist schon mal ein ganz schlechter start. für ihn und für dich. jetzt entzieht er kalt - noch schlimmer, das heisst nämlich, dass er nichts begriffen und nichts gelernt hat. sowas kann tödlich enden, und da sollte man einen großen respekt haben und das lassen. dass es es trotzdem tut, deutet mir auf eine grenzenlose selbstüberschätzung hin - auch schlecht für eine dauerhafte nüchternheit.

    was das lügen und verharmlosen betrifft, das hast du mit weinschorle und schnaps ja schon mitbekommen - und das wird immer schlimmer werden.

    dann hast du noch zwei kinder, für die du verantwortung trägst. überleg dir gut, ob du sie sehenden auges mit einem nassen alkoholiker aufwachsen lassen willst. das ist für kinder die hölle.

    ihr kennt euch jetzt grad mal drei monate, das ist nicht viel. und dann schon solche stolpersteine. und noch etwas: DU kannst ihm nicht helfen, er muss sich selbst helfen wollen, alle DEINE kraft ist verschwendet. also überleg dir gut, ob du da weiter "investieren" möchtest: ich persönlich würde das nie und nimmer tun.

    viele grüße

    lavendel