Beiträge von lavendel

    huhu nelly,

    mir geht das mit dem schneckenhaus auch so, und mich graust, wenn ich auf partys eingeladen werde - was eh nicht mehr oft vorkommt, mein freundeskreis ist langsam aus dem alter raus :wink:. aber wenns denn mal ansteht - geburtstagsparty oder so - geh ich hin, beisse die zähne zusammen und wünsche mich nach hause. früher habe ich da drunter gelitten und immer gedacht "du bist anders, warum kannst du das nicht, kann doch nicht so schwer sein....", heute denke ich "was solls", und hab mich damit abgefunden.

    mit menschen, an denen mir was liegt, kann ich stundenlang lachen, quatschen, mich wohlfühlen. aber immer nur in "kleiner" besetzung, und mitterweile ist mir small talk und belangloser kram einfach zu doof. ich habe akzeptiert, dass das nicht meine stärke ist, und ende. wenn mir an dem gastgeber was liegt, geh ich auch gegen meine lust hin, ansonsten sage ich ab. ich muss mich nicht mehr quälen und finde, wer mich langweilig findet ist selber schuld. hat aber gedauert...

    der preis ist, dass ich eben nicht die riesen-party-clique hab, aber wenn ich mich doch ohnehin zu zweit oder dritt wohler fühle, warum muss ich mich dann zu was zwingen, was einfach nicht mein ding ist?

    lieben gruß

    lavendel

    hallo savaka,

    ob spedis wortwahl geschickt war, darüber kann man sicher streiten. aber er - und viele andere hier - sind lange genug dabei um sich zu erinnern, dass es diese fälle hier immer wieder gab, dass leute aus sensationslust oder was auch immer hier gelesen - und geschrieben - haben. natürlich macht das internet so etwas leicht, anders als eine reale selbsthilfegruppe. aber ich denke schon, dass wir, die wir hier schon länger sind, ein ganz gutes gespür für die ernsthaftigkeit der einzelnen hier haben - dafür haben wir einfach schon zuviel gelesen, um uns (langfristig) etwas vormachen zu lassen.

    was du auch sehen musst: jedes posting hier kostet zeit, zeit zu lesen, zeit zu antworten. und verantwortung. dem forum als ganzem gegenüber, den mitgliedern. ich kann mir vorstellen, dass manch neuem manchmal der ton aufstößt, mit dem hier geschrieben wird, aber auf manches kann man (ich!) einfach nicht mehr liebevoll antworten, und auf manches will man (ich!) das auch einfach nicht mehr, nämlich dann, wenn jemand immer wieder wonanders stichelt oder krankheitsferne fässer aufmacht.

    und sorry, wenn ich lese, dass jemand meine geschichte "spannend" finde, weil sie solch eine ansammlung von herrlichen katastropehn bietet, besser als jede soap, dann wird mir schlecht, und im wahren leben würde ich demjenigen die augen auskratzen.

    du bist neu hier, und ich denke nicht, dass du binnen kürzester zeit beurteilen kannst, wer hier wie schreibt, beurteilt, ernsthaft dabei ist oder nicht. wäre schön, wenn du dich erstmal auf dich und dein leben beschränken würdest.

    gruß

    lavendel

    hallo muck,

    hast du gut gemacht! das ist die einzige möglichkeit, wie du deiner mutter (vielleicht) helfen kannst. und du musst dir nicht schäbig vorkommen: erinner dich mal an all die gelegenheiten, wo deine mutter nicht für dich da war und wo du unter ihr gelitten hast. und hier ist der große unterschied: sie kann den zustand der abhängigkeit beenden, du nicht. du kannst nur dich selbst retten. alles was passiert, hat sie sich selbst zuzuschreiben, auch dass du dich von ihr abwendest. es liegt an ihr, wieder ein gescheites verhältnis mit ihrem kind herzustellen, nicht an dir!

    du kannst dich jetzt nur noch um dich kümmern, versuchen, dir was gutes zu tun und dich abzulenken.

    wünsche dir viel kraft.

    lavendel

    hallo pitato,

    uns kann es doch völlig schnurz sein, ob du seinen kram noch hast oder nicht, wir versuchen dir lediglich unsere erfahrungen aufzuzeigen, nicht mehr und nicht weniger. du musst uns nicht überzeugen, das wir unrecht haben, wenn du das für dich so klar hast, ist es doch gut. nur dass wir dir glauben, dass kannst du nicht verlangen :wink:.

    wenn ich mir ansehe, wie viele seiten deines tagebuches du jetzt damit vollgeschrieben hast, dass er dir egal ist, und sein kram auch: rechne mal zusammen wie viel zeit und wie viele gedanken du damit ihm gewidmet hast, die du besser für dich genutzt hättest. aber es ist dein leben, und wir alle wissen, wie lange wir uns selbst belogen haben - ach, ja, du tust das ja nicht, im gegensatz zu uns allen früher :wink:.

    wünsche dir eine große portion ehrlichkeit dir selbst gegenüber.

    lavendel

    hallo pitato,

    ich hatte vor ein paar wochen eine ganz ähnliche situation: ich hatte noch die sachen von meinem ex, die zwar im keller standen, aber ich hab sie halt immer gesehen, wenn ich mein radl rausgeholt hab, und unterschwellig hatte ich immer im hinterkopf "ich hab da noch was". irgendwann hat es mir gereicht, ich hab den kram ins auto gepackt und sie ihm des nachts vor die tür gestellt. damit war ich sie los, und das war für mich mehr, als "einfach" nur was zurückgebracht zu haben. es war der buchstäbliche stein, der mir vom herzen gefallen ist. weg, nix mehr zu regeln, es gibt keinen einzigen grund mehr, sich wiederzusehen.

    ich hätte mir nicht vorgestellt, dass es tatsächlich so viel ausmacht, den kram los zu sein, war aber so.

    es hatte für mich auch nix damit zu tun, mir "die hände schmutzig zu machen" oder ihm was hinterherzutragen, weil ers nicht abgeholt hatte. ich wollte das für mich, um mich zu erleichtern, ballast aus meinem leben zu schaffen, weil dieser ballast mich unterbewusst doch immer noch beschäftigt hat. das waren meine erfahrungen.

    gruß

    lavendel

    hallo hoffnungslose,

    du lässt sie nicht im stich, sie hat sich selbst im stich gelassen! du sorgst nur dafür, dass du zur ruhe kommst, mehr nicht.

    im übrigen: ziemlich sicher ist es genaus das, was sie will: dir ein schlechtes gewissen machen und dich weich klopfen. auch da ticken alle alkis gleich :?. mein exfreund (auch alki) hatte diese nummer immer hervorragend drauf. sobald ich ernsthaft angefangen habe stunk zu machen und konsequenzen zu ziehen, wurde er lieb, verständnisvoll, hat dann auch mal nichts getrubken, und ich hab immer wieder hoffnung geschöpft. bis mir dann die alkis hier erzählt haben, dass das genau ihre strategie war, um partner, kinder, chef... wen auch immer ruhig zu stellen. da hab ich bauklötze gestaunt, auf die idee wär ich garnicht gekommen, aber mittlerweile kann ich dieses muster auch erkennen.

    also: denk bitte mal nur an dich! ach ja, und was mir sehr geholfen hat ist tagebuch schreiben, über vorkommnisse und und meine gefühle dabei. das konnte ich dann in zeiten nachlesen wenn ich mal wieder so weichgekocht war, dass ich selbst geglaubt hab "so schlimm war/ist das doch garnicht". dann hab ich erst immer wieder gesehen: doch, es war/ist so schlimm!

    lieben gruß

    lavendel

    hallo hoffnungslose,

    vor einer shg musst du keinen bammel haben. und wenn du da heulst: was solls. DIE werden dich gewiss verstehen: ich hab da auch oft rotz und wasser geheult, obwohl ich ansonsten nach aussen immer die starke bin, tough, immer lustig, immer für andere da. wie es mir wirklich geht, wissen nur ganz wenige, und ganz lange habe ich auch nicht darüber geredet, weil ich mich geschämt hab, gedacht, ich kann die anderen doch nicht damit belasten, was denken die denn von mir, ziehen die vielleicht rückschlüsse von meinen eltern auf mich (die "säufertochter"). war aber alles nicht.

    gut, leute die das nicht erlebt haben, können das nicht verstehen, wie sollen sie auch, aber trotzdem tut es mir gut, meine freundin anrufen zu können und ihr die ohren vollzuheulen, dann ist es meistens schon wieder viel besser. und nochwas: wenn man selbst anfängt zu reden, stellt man erstaunt fest, wie viele andere alkis es gibt. der vater meines ersten freundes ist es, die mutter eines anderen freundes, der vater meiner kollegin, der mann einer anderen kollegin... das kriegt man aber erst mit, wenn man den mund aufmacht.

    naja, und diese gedanken "dann verreckt doch" kennen wir kinder hier auch alle. und das hat nichts mit im stich lassen zu tun, auch das ausziehen nicht, sondern schlicht und einfach mit eigenem überlebenswillen. du siehst, im gewissen kontext bist du völlig "normal" :wink:. im übrigen hilft alles schreien, heulen, argumentieren ÜBERHAUPT NIX bei einem alki, da ist die sucht einfach stärker. vielleicht hört dein vater mal zu, vielleicht sagt er sogar "es tut mir leid", und genau damit schüren sie immer wieder unsere hoffnung, die dann doch immer wieder enttäuscht wird, solange der alki nicht ernsthaft etwas tut.

    kann dich also nur ermuntern einfach nur an DICH und DEIN LEBEN zu denken. denn auch du hast ein recht auf ein schönes leben!

    lieben gruß

    lavendel

    hallo hoffnungslose,

    auch von mir noch ein willkommen hier.

    ja, deine geschichte - und auch deine gefühle - kannst du hier in ganz vielen threats eins zu eins wiederfinden. ein bisschen hat mich das am anfang erschreckt, aber mittlerweile finde ich das glatt "gut" :wink:, weil es den druck und die sorge von einem nimmt, "einfach nur so" anders, komisch, bekloppt, hilflos, unerwachsen.... usw. zu sein. die folgen eines trinkendenden elternteils auf uns kinder sind überall ähnlich, du befindest dich hier also in "bester gesellschaft" :wink:. die gefühle von hass und liebe kenne ich auch, auch das hoffen, wenn es mal gut geht, den neid auf die vermeintlich "normalen" familien, all das. auch die hilflosigkeit, den gedanken "irgendwer muss sich doch kümmern", all das. das hab ich so lange gemacht bis ich wirklich das gefühl hatte, kurz vorm durchdrehen zu stehen. erst da war ich soweit zu sagen "erst ich, dann meine eltern, und wenn sie in dere gosse landen, kann ich es auch nicht ändern". mag sich jetzt sehr kaltschnäutzig anhören, aber anders konnte ich nicht mehr. und wirklich besser ging es mir zumn ersten mal nach dem auzug, und zum zweiten mal, nachdem ich den kontakt völlig abgebrochen hatte. jetzt habe ich mit meiner mutter wieder kontakt, aber ich halte große distanz, und sobald ich auch nur das gefühl habe dass sie was getrunken hat, lege ich den telefonhörer auf. ihr leben, ihre entscheidung, ICH werde daran NIE etwas ändern können. also sorge ich für MICH.

    du hast in deinem threat gefragt, ob die alkis überhaupt wissen, was sie ihren kindern antun, und ob sie das mit vorsatz tun. diese frage hat mich auch lange umgetrieben. ich bin dann in eine gemischte selbsthilfegruppe gegangen (alkis uns angehörige), und hab dort den alkis sehr genau zugehört. und sie machen sich gedanken, sie schämen sich, sie bedauern - auch während sie trinken - aber sie können nicht anders. mich hat das ein bisschen frieden finden lassen, denn irgendwie hab ich früher meiner mutter auch unterschwellig bösartigkeit unterstellt, wenn sie gesoffen hat. das ist jetzt anders. das ändert nichts daran, dass es mich belastet, aber dieser gedanke, dass es ihr schnurz ist, der ist nicht mehr so stark, und das tut mir gut.

    und zum thema shg: mir hat das unglaublich geholfen, mit mir selbst frieden zu schliessen. in meiner shg waren sogar alkis, die ich richtig gerne gemocht habe. mir hat die shg geholfen zu sehen, dass (trockene) alkis ganz normale, liebenswerte menschen sein können, und mir hat enorm geholfen, quasi "fremden" all die fragen zu stellen, die ich meiner mutter nie stellen würde, wie zum beispiel, ob ihre kinder ihnen leid tun. bei uns wurde auch nicht nach details gefragt, aber ich kann mir schon vorstellen, dass du bammel hast, wiedererkannt zu werden. gibt’s vielleicht etwas weiter weg ne shg, der du dich anschliessen könntest?

    wünsche dir viel kraft.

    lieben gruß

    lavendel

    hallo muck,

    heisse dich auch noch - etwas verspätet :oops: - herzlich willkommen hier im forum.

    in ganz vielen aspekten deiner geschichte habe ich mich wiedergefunden, deshalb kann ich gut verstehen, wie es dir geht. meine eltern sind auch abhängig, mein vater ist inzwischen tot, meine mutter lebt noch. manchmal trinkt sie, manchmal nicht, es ist nicht berechenbar.

    bei mir ist die situation schon früher esklaiert, sodass ich schon mit mitte 20 den kontakt für mehrere jahre abgebrochen habe. das war furchtbar schwer, mit allen folgen wie angst, schlechtem gewissen..... aber ICH konnte nicht mehr anders. meine eltern haben das auch nicht verstanden, waren wahrscheinlich beleidigt, egal, es ging nicht andes. heute ist es so, wenn meine mutter anruft (ich sehe das auch auf dem display), geh ich ab einer bestimmten uhrzeit nicht mehr dran. und wenn ich das gefühl habe, sie hat was getrunken, sage ich "so (oder wenn ich mir ganz sicher bin: wenn du was getrunken hast) telefoniere ich nicht mit dir" und lege auf. sie soll ja verstehen warum. es wird sicher nichts ändern, aber mir tut es nicht gut, das lallen zu hören. wäre das nicht auch ne möglichkeit für dich? denn sich einen betrunkenen elternteil anzuhöpren, ist mehr als masochismus, finde ich, das mache ich nicht mehr.

    ansonsten kann ich dich auch nur ermuntern, dir hier alles von der seele zu schreiben, es erleichtert sehr festzustellen, dass andere alki-kinder ganz genauso ticken, das macht es leichter, mit sich selbst gnädig zu sein, finde ich.

    lieben gruß

    lavendel

    ach nelly,

    versuch doch mal, nicht immer alles in frage zu stellen: deine freunde mögen dich nicht wirklich, dein freund findet dich bekloppt, die psychologin ist schlecht, nur deshalb hat sie nen termin frei, und überhaupt bist du die simulantin nummer eins hier im forum und hast garkeine probleme, sondern machst dich nur wichtig, stimmts :roll:?

    merkst du was? das ist - denke ich - eine unserer haupt"macken": dass wir uns nicht wichtig nehmen. dass wir überall den minuspunkt suchen, dass wir nicht einfach mal sagen können "jo, so isses, und so ist es gut, und ich hab das verdient". dass deine freunde dich mögen (weil du nett bist), dass dein freund dich liebt (weil du ne tolle frau bist), dass die psychologin dich vielleicht sogar interessant findet (weil du nämlich ne interessante frau bist!!!). versuchs doch mal so zu sehen und dich einfach zu freuen! so lange hast du gefiebert, und jetzt gehts endlich los!

    und nochwas: tu dir den gefallen - sei ehrlich! versuch nicht, die starke zu markieren, die ihr leben auch so ganz gut auf die reihe bekommt. hab nicht im hinterkopf "mir gehts doch ganz gut". dir geht es - in teilen - besch***, und das weisst du auch. gib es dann auch zu, auch wenn es schwer fällt. denk dran: die psychologin ist so etwas gewohnt, du musst nicht so tun, als ob, dann könntest du es gleich lassen. und es ist WURSCHT, was sie von dir denkt - sie wird dafür bezahlt, dass sie dir zuhört. und glaub mir, es gibt sicher leute mit sehr viel weniger "macken" und problemen als uns, die sich ständig auf die couch legen. also: hab mut und sei ehrlich, ja?

    lieben gruß

    lavendel

    liebe steffi,

    so geht das auf dauer nicht gut! du hörst dich an wie ein kessel, der kurz vom platzen ist, der dringend ein ventil braucht, ehe eine katatstrophe passiert.

    du solltest wirklich zusehen, dass du dir oasen schaffst, wo du auftanken kannst. wenn ich so am rad drehe wie du - passiert auch schon mal - dann zwinge ich mich regelrecht, mir was gutes zu tun, mein leben zu "entschleunigen". ich zwinge mich dann, auch mal einen termin abzusagen und zu riskieren, jemanden vor den kopf zu stossen. oder ich zwinge mich, zwei stunden auf dem sofa zu liegen und ein buch zu lesen oder einen film zu schauen, statt wie ein aufgescheuchtes huhn gleichzeitig zu bügeln und zu telefonieren. ein tag in der sauna. irgendetwas, das mich ein bisschen zur ruhe bringt. denn sonst kommt ganz schnell das gefühl, irgendwann auszuflippen oder wirklich durchzudrehen. so gehts mir jedenfalls dann. und als es im letzten jahr mal überhaupt nicht mehr ging, hat mir meine hausärztin was verschrieben, was mich nachts hat schlafen lassen und mir tagsüber einfach ein bisschen mehr gelassenheit verschafft hat. das hat mir gut getan, um ein bisschen wieder ins lot zu kommen, und nach ein paar wochen hab ich den selben alltag wieder "normal" bewältigen können, auch ohne medikamente. das ist auch eine art, kopf und geist zu zwingen, mal einen gang runterzuschalten.

    wünsche dir eine riesenportion gelassenheit, und dass du besser auf dich achtgibst.

    lieben gruß

    lavendel

    hi nelly,

    na also, haste dir ganz umsonst soooo viele gedanken gemacht! freut mich sehr für dich, dass du dich getraut hast und dein freund entsprechend reagiert hat.

    also: lektion eins gelernt: ich muss nicht immer das kleine, angepasste mädchen sein und ich muss nicht angst haben, dass man mich weniger lieb hat, wenn ich tue/sage, was ich will.

    lieben gruß

    lavendel

    liebe jule,

    ja, wie steht man das durch? dickkopf und überlebenswillen, was anderes kann ich dir da auch kaum sagen. bei mir war es so, dass ich allein durch das daran denken, welche kindheit und jugend meine eltern mir "beschert" haben, irgendwann solch eine wut hatte, dass ich diesen schritt der distanzierung gehen konnte. geholfen auf diesem weg haben mir allerlei instrumente: eine therapie, in der ich erst einmal kapiert habe, was das aufwachsen mit alki-eltern bedeutet, und welche macken man da noch als erwachsener mit sich herumträgt. dazu gibt es auch ganz gute bücher, zum beispiel "familienkrankheit alkoholismus" oder "um die kindheit betrogen". bei sowas sind mir die augen aufgegangen.

    aber die wut auf deine mutter kann ich auch verstehen. bei mir waren ja nu beide eltern alkis, aber mein vater in meiner kindheit noch nicht so "richtig" schlimm, und da denke ich im nachhinein auch, wie konnte er es seinen kinderen wissentlich antun, die ganze woche im aussendienst zu arbeiten und sie bei der abstürzenden mutter zu lassen. ich verstehe da das nicht-trinkenden elternteile nicht, und im prinzip finde ich deren handeln noch schlimmer als das des trinkenden elternteils, denn der ist ja krank. was nicht wirklich ne entschuldigung ist, aber ich kanns eher verstehen.

    ja, und den wunsch, dass das trinkende elternteil stirbt, haben wir hier alle (gehabt). ich finde das nicht unmenschlich, es ist ja nicht so, dass wir hand anlegen, oder ernsthaft todeswünsche formulieren würden. es ist einfach nur der wunsch nach ruhe und frieden, und wenn der eben mit dem lebenden elternteil nicht machbar ist, dann wünscht man ihn sich eben ohne. ging mir ganz genau so.

    und zu deiner frage einer einweisung: das geht nicht so leicht. was du mal machen könntest: in der heimatstadt deines vaters bei der stadt nach dem psychosozialen dienst zu fragen, die kümmern sich um solche fälle. wie das konkret aussieht, weiss ich nicht, aber ich weiss, dass die auch mal gucken gehen. das könnte dir deine seele erleichterm. du könntest auch mal bei der caritas oder diakonie oder solchen stellen nachfragen, die suchtberatung anbieten, was du machen kannst. das lindert dein gefühl der ohnmacht und gibt dir vielleicht ein paar ideen, wie du mit deinem schlechten gewissen besser klarkommst. aber mehr kannst du für deinen vater wirklich nicht tun.

    für dich könntest du überlegen, mal eine selbsthilfegruppe aufzusuchen. ich hab das auch gemacht. das war eine gemischte, und mir hat der austausch mit trockenen alkoholikern gut getan, irgendwann konnte ich meine mutter besser verstehen und in gewisser weise auch verzeiehen. das hat MIR gut getan, und ich habe dort alle rückendeckung bekommen, das trinkende familinmitglied fallen zu lassen, weil es einfach anders nicht geht.

    wünsche dir viel kraft.

    lieben gruß

    lavendel

    liebe jule,

    ich kann dich gut verstehen, dass du hilflos bist, und sauer auf deine mutter. aber deine mutter hat auch ein recht auf ein eigenes leben, und viele partner von alkoholikern - auch hier im forum - haben sich von ihrem trinkenden partner getrennt. das geht auch nicht anders, denn sonst gehen zwei den bach runter. deine mutter hat ihr leben in die hand genommen und lehnt jede verantwortung für deinen vater - der ja erwachsen ist - ab. und das gleiche recht - und in gewisser weise die gleiche pflicht - hast auch du dir gegenüber.

    das hört sich leichter an, als es ist, ich weiss. meine eltern haben auch beide getrunken, und mir ging es ganz genauso wie dir, mit dem gefühl der verantwortung, des sich kümmern wollens und meinen zu müssen. sie haben mich erpresst, mit selbstmord gedroht, die ganze palette, und haben mich damit fast in den wahnsinn getrieben. ich hab dann irgendwann den kontakt abgebrochen und gesagt "es ist euer leben". natürlich habe ich noch immer angst, dass ich irgendwann den anruf bekomme "deine mutter ist tot", aber was soll ICH tun? ICH kann sie nicht davon abhalten, dass sie trinkt, dass sie vielleicht verlottert, ihre haustiere nicht mehr füttert etcetc. ich kann das nicht, und ich will das auch nicht mehr. habe es lange genug mitgemacht, es reicht.

    aber diese erkenntnis hat auch bei mir viele jahre gedauert. vielleicht denkst du einfach mal drüber nach. ich finde, du bist NICHT verantwortlich für deinen vater.

    lieben gruß

    lavendel

    hallo simmie,

    willkommen in der kinderabtielung :D.

    du solltest dir keine gedanken machen, dass du das trinken deiner mutter tokeriert hast - du hättest sie eh nicht davon abhalten können! und du solltest dir keine schuldgefühle über den tod deines vaters und der entsprechenden gedanken machen. zum einen haben wir alle hier wohl mal unseren eltern den tod gewünscht :oops:, und zum anderen finde ich es verständlich, sich einfach nur zu wünschen, dass die stressfaktoren weniger werden, fast egal wie. und du hast seinen selbstmord ja nicht verursacht.

    naja, und das mit den defiziten... klar haben wir die, jeder von uns kann eins zu eins 1000 unserer "komischen" verhaltensweisen aus dem elternhaus mit einem alki ableiten. das tut zwar auf der einen seite weh, auf der anderen seite erklärt es aber auch vieles und macht den umgang damit leichter. finde ich. nicht in dem sinne, mich auf meinen macken auszuruhen, aber in dem sinne, etwas gnädiger mit mir zu sein.

    wünsche dir hier einen regen austausch.

    gruß

    lavendel

    ...ihr seid ja süß.... :D.

    viiiieln lieben dank, da bin ich ja ganz gerührt, schnief [Blockierte Grafik: https://beispiel.rocks/beispiel.rocks/www.cosgan.de/images/midi/traurig/a025.gif]. männo, müsst ihr mich zum heulen bringen 8). naja, hat ja keiner gesehn [Blockierte Grafik: https://beispiel.rocks/beispiel.rocks/www.cosgan.de/images/midi/frech/g010.gif], oder etwa doch :lol:.

    [Blockierte Grafik: https://beispiel.rocks/beispiel.rocks/www.cosgan.de/images/midi/liebe/a010.gif] an euch alle! im übrigen tut ihr mir auch gut, jawoll [Blockierte Grafik: https://beispiel.rocks/beispiel.rocks/www.cosgan.de/images/midi/froehlich/a010.gif].

    lieben gruß

    lavendel

    hallo katrin,

    Zitat von KB

    Sag mal Lavendel, wie hast Du das gemacht??? Bist Du einfach nicht mehr hingegangen – hast den Kontakt komplett abgebrochen???

    sorry, hab dich grad erst gelesen, ich komm hier garnicht mehr nach :oops: - so viel so ernstzunehmende schreiber hier, was ich ja auch schön finde :D, nur manchmal geht mir dann einer durch :?.

    zu deiner frage: ja, ich habe eine zeitlang den kontakt völlig abgebrochen. ich konnte nicht mehr, ich hatte wirklich das gefühl, wenn ich das noch weiter mitmache, lande ich in der klapse. dennoch hab ich mir die gleichen gedanken gemacht wie du "es ist doch meine mutter", aber ich bin auch von allen seiten geschubst worden, dass ich ihr nicht helfen kann. ich konnte nix verhindern, weder dass sie zum x-ten mal den job verliert, noch dass sie sich zum x-ten mal einen merkwürdigen mann aussucht, abstürzt, im krankenhaus landet, die wohnung versifft. man kämpft gegen windmühlenflügel. natürlich hab ich die ganze zeit das mega-schlechte gewissen gehabt, hab auch entsprechend druck von ihrer verwandtschaft bekommen, was für eine rabentochter ich doch sei, und ich könne doch nicht, und bei meiner christlichen einstellung... das war schwer auszuhalten, aber weniger schlimm als das andere.

    ich hab meiner mutter damals einen brief geschrieben, dass sie über meine kraft geht und sie mich bitte mein leben leben lassen solle und ich keinen kontakt wünsche. sie hat sich dran gehalten, was gewesen wäre wenn nicht, weiss ich nicht.

    irgendwann haben wir uns angenähert, und jetzt telefonieren wir einmal in der woche, aber auch nur dann, wenn sie nüchtern ist.

    lieben gruß

    lavendel

    hallo phoenix,

    Zitat von phoenix75

    lavendel
    ich glaub das schwierigste dabei ist vor allem, sich die Bedürftigkeit einzugestehen und zu kucken "WAS fehlt?".
    Wenn man als Kind gelernt hat, daß die eigenen Bedürfnisse nichts wert sind bzw. nicht befriedigt werden können, ist das oft schwierig.
    Empfinde ich zumindestens so. Und dann kommt halt noch die von dir erwähnte Angst vor Zurückweisung.

    ja klar, aber um unter anderem gerade das zu lernen, sond wir doch hier, oder? unsere bedürftigkeit sehen, etwas einfordern, sehen, dass nicht immer gleich eine welt zusammenbricht und man abgelehnt wird, sehen, dass die eigenen bedürfnisse etwas wert sind und irgendwann dahin zu kommen zu sagen und zu fühlen "ich bin mir der wichtigste mensch in meinem leben." was nicht heisst über leichen zu gehen, was aber wohl heisst, sich im zweifelsfall für das eigene wohlergehen zu entscheiden.

    das haben wir als kind nie getan, wenn wir der mutter alk gekauft haben, den besoffenenn vater ins bett bugsiert haben, vor freundinnen gelogen haben, den clown gemacht, obwohl uns zum heulen war.... sowas oder ähnliches haben wir hier alle getan, und uns damit selbst fundamental verletzt und unsere gefühle (denn ich denke, jedem von uns haben sich dabei die haare gesträubt, und man wäre am liebsten schreiend weggelaufen) vergewaltigt. und aus diesem kreislauf wollen wir doch raus, gelle?

    letztlich ist es hier bei vielen doch immer noch: das plz-syndrom und trotzdem hinfahren, die mutter zur arbeit bringen, nach der mutter schauen uswusw.... alles "ich bin eine gute tochter und mache was man von mir erwartet"-handlungen, und jedem von uns geht es damit mies, kann man ja in jedem threat hier nachlesen. und das geht auch für meine begriffe noch über "was fehlt?" hinaus, heisst es doch hier "was will ich und was tut mir gut?".

    lieben gruß

    lavendel