Hallo zusammen
Ich komme direkt vom Vorstellungs-Forum und weil ich seit gestern ziemlich unter Strom stehe, hoffe ich, es ist ok, wenn ich gleich drauf los schreibe.
Ich denke, soviel muss ich gar nicht erzählen, denn die Geschichten hier ähneln sich ja leider alle mehr oder weniger.
Mein Vater trinkt (oder darf ich säuft sagen?) seit ich denken kann.
Bis vor drei Jahren war er mal für knappe zwei Jahre trocken.
Es war seltsam zu der Zeit, weil sich das Arschloch auf einmal zum Wunschdaddy entwickelte, was für mich emotional ziemlich verwirrend war.
Nun ja, alle waren hellauf begeistert und noch zuversichtlicher - "Jetzt ist alles schick und die Welt wieder schön..." ... alle, bis auf mich.
Ich traute dem Frieden nicht wirklich und als er an Omas Geburtstag mit dem Kräuter daher kam, weil ja "ein Gläschen nichts ausmacht", war für mich alles klar.
Da ich aber die Einzige war, die ein "Ist ja wohl jetzt nicht dein Ernst?!" in den Raum warf und alle Anderen nur komisch kuckten, aber trotzdem einschenkten, konnte ich nicht viel machen.
Zudem war ich zu dieser Zeit in meiner Therapie gerade an der Stelle, mir wieder meine Tochter-Position zu erkämpfen und nicht die Mama zu spielen. Insofern.. tja... weiß ich nicht, ob ich es allein hätte verhindern können - wahrscheinlich nicht.
Nun ja, auf diesen Abend folgten nicht viele Tage und es war wieder alles beim Alten.
Ich versuchte noch eine Zeitlang das "Ich mische mich nicht ein"-Spiel, gab aber irgendwann auf und landete wieder in meiner Rolle der rettenwollenden und schlichtenden Tochter.
Inzwischen ist es (wieder) so, dass er jeden Abend völlig zu ist.
Das bedeutet, er ist nur am brüllen, Türen schlagen, beleidigen, drohen... ach, ihr kennt das wahrscheinlich ![]()
Das Problem ist, dass ich jeden Abend wieder zu der kleinen Tochter mutiere, die lauschend und aufpassend auf der Treppe steht, um schlimmstenfalls eingreifen zu können - die "kleine" Tochter ist inzwischen allerdings 29 Jahre alt und fühlt sich, als hätte sie überhaupt nichts gelernt.
Vom Kopf her weiß ich zu 100 %, dass ich nichts ändern kann und doch versuche ich es immer und immer und immer wieder...
Ich habe mit ihm geredet, ich habe ihn angebrüllt, ich habe Sachen nach ihm geworfen, wollte ihn erschlagen, habe ihn ignoriert und was soll ich euch verraten? Es hat nichts gebracht - natürlich hat es das nicht.
An Weihnachten vor zwei Jahren habe ich ihm einen Brief geschrieben, weil ich versuchen wollte, ihm mal klar zu machen, wie belastend das Alles eigentlich ist und wie schön es war, als er trocken war.
Er kam dann zu mir und wir haben beide stundenlang geredet und geheult. Es endete mit dem Versprechen von ihm, wieder aufzuhören.
Abends zur Bescherung bekam ich dann unter der Hand eine Karte von ihm, in der stand "An jedem Horizont brennt ein kleines Licht." und ich hab geheult vor Rührung, Freude, Hoffnung...
... es wurde immer dunkler...
Gestern, als er wieder am toben war, habe ich ihn angeschrieen, dass ich heute seinen Fusel ins Klo kippen werde und wenn er sich unbedingt tot saufen will, er sein Zeug selbst beschaffen soll (ja, meine Mutter kauft für ihn ein...).
Heute denke ich, dass ich es lassen werde (oder?).
Das Schlimme ist, dass ich mit im Haus wohne, zwar in einer anderen Wohnung, aber trotzdem so, dass ich alles live mitbekomme und das macht mich KRANK!
Keine halbe Stunde Ruhe, Beleidigungen an meine Mutter, die unter jedes Niveau gehen, Vorwürfe, dass immer alle anderen Schuld sind und immer wieder diese Drohungen "Irgendwann bin ich weg oder häng mich auf."
Inzwischen denke ich ernsthaft, dass das Beste wäre und sage das auch ganz offen.
Hier im Forum schrieb jemand, dass er innerlich Wetten abschließt, ob der Alk. es noch bis Weihnachten schafft... ich mache das auch...
Ich weiß nicht, was ich tun soll.
Ich bin kurz davor, ihm etwas wirklich Schlimmes anzutun.
Ich weiß nur, dass ich am liebsten ausziehen würde und das auch das Beste wäre, aber dafür reicht mir das Geld hinten und vorn nicht und ich finde einfach keine geeignete Lösung für mich.
Es ist nun doch länger geworden, als ich wollte. Entschuldigung dafür.
Ich hoffe sehr, dass jemand von Euch von Euch mich vielleicht in die richtige Richtung schubsen kann.
Alles Liebe,
Hoffnungslose
Ach ja, Ratschläge, mich mit meiner Mutter zusammen zu tun o. Ä. bringen nichts, da sie absolut coabhängig ist. Sie leidet lieber weiter leise vor sich hin, als irgendwas zu ändern.