Klar Rosa Li
ist es schlimm, ich sage auch nicht, dass es mein Ideal entspricht, würde es an meine Kindern auch nicht empfehlen, aber ich habe fast 40 Jahre lang gemeint, ich könne ihm helfen, habe die ganze Zeit nur noch mein Blickwinkel auf ihm gerichtet, habe gedacht, er sei Schuld, wenn ich leiden muss und ich sei unfähig, weil ich ihm nicht davon bringen kann..
Und nun weiss ich, dass ich für mir da sein muss, weil ich auch eine Sucht habe.
Ich bin mich wichtig!
Ich weiss, dass seine Liebe durch die Sucht kaputt gegangen ist und meine ist auch nicht mehr da aber zu wissen, dass es nicht meine Schuld ist, dass er trinkt, zu wissen, dass ich die Macht habe an meinem eigenen Verhalten was zu ändern ist mich momentan Freude und auch Arbeit genug, denn endlich fühle ich mich befreit, nicht mehr so zu tun, als wäre alles okay.
Ich sage auch nicht, dass ich ständig abweiche, meistens geschieht es sowieso automatisch, denn er hat eine Werkstatt im Keller und ich bin lieber oben, wo es wärmer ist, zudem habe ich gelernt, automatisch wegzugehen, wenn seine Augen glasig sind, kein Gespräch mehr mit ihm anzufangen, wenn seine Stimme benebelt ist, ich habe gelernt wegzugucken, wenn Flaschen im Garten, herumstehen, wo es alle sehen könnten, denn die ganze Nachbarschaft weiss ja, wer trinkt...
Und immerhin musst er sein Alkohol selber einkaufen, selber im Keller holen, selber einschenken, wenn Kollegen von ihm kommen, die mittrinken, und er muss seine Flaschen selber entsorgen, zudem habe ich gelernt mal richtig auf dem Tisch zu klopfen, wenn mich sein Verhalten zu blöde wird und ich warte nicht mehr, bis es mich verjagt, ich klopfe vorher und laut genug!
Klar ist auch die Sehnsucht da, dass ich es mit einem anderen Mann, der nicht trinkt, schöner haben könnte, aber momentan bin ich noch zu feige dazu wegzugehen, also muss ich mich stärken, nur noch an mir denken, und irgendwie hat er in meine Gedanken kein Platz mehr, weil ich den ganzen Platz für meine eigene Problematik brauche.