Hallo Hans
Du machst dir viele Gedanken und du machst dabei wenig Pausen. Die gehören aber genauso dazu, wie die Arbeit an der eigenen Veränderung - oder besser noch – die Pausen sich zu gönnen, ist ein Beispiel für die Veränderung.
Ich habe das Gefühl, dass du nun alles so schnell wie möglich nachholen willst, was du vermeintlich in der abstinenten Phase vernachlässigt haben könntest. Und dabei ist dir nicht klar, was es überhaupt gewesen sein könnte. Das erinnert mich sehr an meinen Beginn der Abstinenz – Wissen wollen um jeden Preis. Doch die AHA – Erlebnisse haben die Angewohnheit gehabt, erst dann zu kommen, wenn ich ihnen mit (teilweise erzwungener) Geduld auch den Raum zur Entfaltung gegeben habe.
Sicher ist es nicht verkehrt, die eigene Befindlichkeit ab und an zu bewerten. Dabei meinen Endorphin-Spiegel im Auge zu behalten, ist mir aus medizintechnischen Gründen nicht möglich. Mir fehlen einfach die Ausrüstung und das Geld dazu.
Was ich allerdings gelegentlich mache: Ich schau mir meine Gemütslage an. Selbst wenn sich herausstellt, dass sie gerade nicht über der imaginären 0-Linie der Zufriedenheitsskala ihre Position bezogen hat, ist es halt so (das kann am kalten Kaffee liegen, am anhaltend-grau des Winterwetters oder eben … ich weiß es nicht). Es ist aber nicht ungewöhnlich. Ich darf dann auch einfach mal den ganzen Tag liegenbleiben und melancholische Gedanken haben. Als Dauerzustand wird es verdächtig.
Aus meiner Erfahrung – die frei von Vor- und Rückfällen nachdem ersten Versuch ist - : gib dir die Gelegenheiten zum entspannen, zum zuschauen. Geduld ist auch nicht meine hervorstechendste Eigenschaft. Ich bin da auch noch am üben. Was ich gelernt habe und daher für mich weiß ist, dass ich noch genügend Zeit zum genießen habe. Und das ohne künstliche wie auch natürliche Stimmungsaufheller. Lust und Unlust gehören schlicht zum Dasein – vergehen und kommen wieder. Einfach mal zulassen.
Anspruchslose geduldige Grüße – Uwe.
Beiträge von uwe.rothaemel
-
-
Hallo BC
Verrückter Körper und Geist
Das Wetter kann ich nicht ändern, doch auf meine Befindlichkeiten habe ich immensen Einfluss. Ich finde es sehr erfreulich, dass du offen dafür bist, Schmerzen nicht nur mit dem naheliegend körperlichen in Verbindung zu bringen.
Ich konnte früher lediglich zwischen einer Magenverstimmung und einer herannahenden Unannehmlichkeit einen Zusammenhang erkennen und auch akzeptieren. Das aber auch meine Suchterkrankung und die gelegentlichen „dunklen Tage“, Rückenschmerz und Tinnitus in enger Verwandtschaft mit meinen inneren Konflikten stehen, habe ich lange als Mumpitz abgetan. Es wäre so elegant und simpel gewesen, nach einer Diagnose die obligatorischen Pillen zu nehmen – und alles wird gut. Glücklicherweise bin ich an Ärzte geraten, die mich nicht in die „einfache Lösung“ entlassen haben. Es mag auch heute noch anstrengend und zumeist den eigenen Eitelkeiten hinderlich sein, etwas genauer hinzuschauen – doch es hat sich für mich bewährt. Die „Genesung“ ist langwieriger doch umso nachhaltiger und hat mittlerweile auch spannende und sehr interessante Aspekte.
In diesem Sinne: Augen-auf-und-weiter Uwe. -
Hallo Matthias
Immer Schritt für Schritt. Ich habe wieder Zeit, und das gilt auch für dich (Old Flatterhand hast du schließlich erst zum 110. Geburtstag eingeladen).
Ich habe zwei Kategorien für die Dinge, die mir noch wiederfahren sollen. Da sind einmal die „Winkenden Wünsche“, welche sicher wertvoll sind, aber kein dringendes Begehren auslösen (z.B. Führerschein, Philosophiestudium…). Und da sind diese „Brummenden Wünsche“, die sich im „Bauch“ manifestiert haben und gelegentlich sehr bestimmt nach Erfüllung rufen.
So habe ich schon lange vor, die Stadt Petra zu besuchen. Ich habe nicht einmal eine Ahnung woher die Faszination kommt, wo der Auslöser dafür liegt, doch es ist mehr als nur ein Traum. Da meine Mundrestauration günstiger ausgefallen ist, als angenommen, werde ich das Sparguthaben für genau diese Reise vergrößern. Da ist so eine wirkliche nette Bankangestellte, die auf mein Konto schon über fünfzehn Jahre besser wacht, als ich es je gekonnt habe. Sie weiß nun von meinem Vorhaben. Wie schon bei den Zähnen, der neuen Wohnungseinrichtung 2008 und anderen Gelegenheiten, wird sie meine Spontanitätsallergie „heilen“, und mich zu gegebener Zeit darauf aufmerksam machen: „Da war doch noch was, Herr Rothämel!“
Wegen meiner Zeichnungen: Ich hatte tatsächlich schon die Gelegenheiten für Ausstellungen – doch noch nie den Mut dazu. Für Besichtigungen von Porträts, Landschaftsbildern, Stillleben und diversen Karikaturen wäre es nötig, die Adressen etlicher Haushalte ins Netz zu stellen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob die betreffenden Personen und meine Familie den Ansturm gewachsen sind.
Herzlichst Uwe. -
Hallo nochmal.
Doch noch einige Gedanken, zu der Frage: „War das alles?“ – Nö, - es hat ja gerade erst begonnen.
Am 18.01.2012 wird es vier Jahre Alkoholabstinenz. Damals hatte ich das Gefühl, dass es das nun gewesen ist. Vom Kalten Entzug arg gebeutelt, unfähig für sortierte geistige Arbeit, habe ich mich damals auf dem Weg zum Finale gemacht. Sorgen um mich selbst hatte ich keine mehr. Etwas unwohl war mir vieleicht bei den Gedanken an den Lokführer und wie meine Familie mit der Situation umgeht (meine Wohnung war ein „Saustall“, was den Schweinen vermutlich unrecht tut). Meine En-(d; t)-Scheidung schien soweit schlüssig und war vom Wollen abgesegnet. „Auf der gesamten Strecke versagt!“, war zu diesem Zeitpunkt mein Eindruck und das Wort °Alternativlos° habe ich an diesen Tag öfter Gedacht, als es unsere Bundes-Merkel je ausgesprochen hat, um als „Unwort des Jahres 2010“gekürt zu werden.
Ein Teil von mir war aber scheinbar doch der Meinung, dass da noch was sein kann. Und das ich dies nur bemerken werde, wenn ich nicht darauf hoffe oder lediglich daran glaube, dass etwas geschieht. Die Arztpraxis lag auf dem gleichen Weg.
Seitdem reicht mir Hoffen und Wünschen nicht mehr aus. Auch das Wollen allein ist mir zu wenig – ohne das Handeln. Wie andern Ortes schon geschrieben: gelingt mal/ gelingt mal nicht.
Aus der damaligen Erfahrung weiß ich: es geht - und trägt Früchte.
Das war`s also noch lange nicht. Da ist noch viel unerreichtes Wollen. Und es ist genügend Energie frei fürs Tun.
Gruß – Uwe. -
Hallo Matthias
Ich bin mir nicht sicher, wie für dich der Eindruck entstehen konnte – doch keine Sorge, mir geht es ausgezeichnet.
Ich habe mir früher gern die Frage so gestellt: „Das kann doch nicht Alles gewesen sein?!“ Das hatte aber mehr mit Hoffen und Glauben zu tun – nicht mit Wollen und Handeln. Heute versuche ich lediglich noch, die persönlichen Finanzkrisen zu verschieben. Ansonsten versuche ich zum Tun zu kommen, ohne die großen Überlegungen der Vergangenheit, ohne das Abwägen von sämtlichen Optionen.
LG. - Uwe -
Hallo Karotte
Meine Aufgabe ist es morgen dem ersten Impuls zu folgen, wenn ich der Meinung bin: Es kann so fertig sein. Dann ab und schnell etwas zum fixieren kaufen. Wenn ich erst einmal beginne, auszubessern, zu verfeinern, vermeintliche Mängel zu beseitigen, wird es nichts mit dem aufhängen der Bilder. Ich will es so, dass es eben nicht perfekt ist. Den Anspruch bin ich zu lange hinterher gehechelt (und sicher nicht nur beim zeichnen). Das ist eine meiner Baustellen, die fürs restliche Leben zu beackern ist. Ich weiß nunmehr, dass der anfängliche Zwang weiterzumachen, noch besseres abzuliefern, langsam vergeht. An der Geduld daran scheitere ich gelegentlich noch. Mit der Unruhe und den Zweifeln (nicht nur beim zeichnen), die mich dann befallen umzugehen, gelingt aber immer besser.
„Was ich wollen will“, habe ich mir etwas frei von Arthur Schoppenhauer geklaut, der da fragte: „Kann ich wollen, was ich will?“. Der hatte so seine Zweifel an der Willensfreiheit – doch dies würde nun zu weit führen.
Schöne Grüße – Uwe. -
Hallo
Allen ein gesundes Neues.
Ich habe am Silvestermorgen zwei unbenutzte, bespannte Keilrahmen entstaubt und begonnen für die eigene Wohnung mal etwas zu zeichnen. Ohne den Vorsatz und dem Drang: wenn schon für dich selbst, dann etwas Besonderes. Daran (und an schnell zerstörbarem Aquarellpapier) ist dieses Vorhaben das gesamte letzte Jahr gescheitert. Leinwände und Acrylfarben haben die „Angewohnheit“, nur geduldige Arbeit auszuhalten. Das heißt für heute, die getrockneten Vorlagen zu vervollständigen – ohne Anspruch auf „fotorealistische“ Genauigkeit. Ich hatte diese Art der seelischen Entspannung vernachlässigt. Trotz des Wissens um die Wirkung.
So ist mir persönlich einen recht guter Start ins neue Jahr gelungen. Passt mir gerade hervorragend. Gelöste Grüße Uwe. -
Hallo Old Flatterhand
Ich habe eben nochmal im „Kaffeklatsch“ nachgeschaut. Wir beide sind hier im Forum so ziemlich zur gleichen Zeit aktiv aufgeschlagen. Du hast mich mit deinen Gedanken und Vorstellungen sozusagen von Beginn an begleitet – und ich bin sehr dankbar, dass ich dich auf diesen Weg ein wenig kennenlernen durfte. In deiner Geschichte und mit deinen Vorstellungen hast du mich meist irgendwo berührt. Daher Dir einen besonders herzlichen Gruß zum Jahreswechsel.
Gestern habe ich in einer Fernsehsendung einen Satz gehört, der mich nachdrücklich getroffen hat: „Vielerorts trauert am Grab eines Menschen lediglich ein nicht gelebtes Leben.“ Wir haben alle Vorrausetzungen dafür gehabt, ebenso abzuschließen.
Matthias schreibt. „Freue dich des Lebens solange es hält!“ In diesem Sinne GESUNDES NEUES JAHR mit vielen erlebt gelebten Stunden.
LG. Uwe -
Hallo
Meine momentanen Aufgaben haben sehr wenig mit meiner Arbeitsstelle zu tun.
Möglich, dass dies aus den vorrangegangenen Text nicht so ersichtlich ist. Die Gedanken sind allgemein gehalten und betreffen mehr alltägliche Situationen. Es fällt mir in zwischenmenschlichen Beziehungen schwer, die Dinge einzuordnen.
Da bewegt sich Wollen, Tun und der Nachhall noch nicht im Gleichklang. Es hat sich ja nicht nur mein Verhalten ein Stück weit verändert, sondern auch zum Teil „in Stein gemeißelte“ Meinungen und Vorstellungen. Das führt dann gelegentlich zu Irritationen im inneren Erleben. Ich denke aber nicht, dass dies so ungewöhnlich ist. Die ehemals gelebte, angepasste Harmonie, hat mit meinem jetzigen Verständnis von Verträglichkeit nur noch wenig zu tun. Beim Aushalten von vermeintlichen Spannungen, haben Einsicht und Empfinden lediglich noch keinen gemeinsamen Nenner. Es ist also weniger das was die anderen von mir denken könnten (von diesen Spekulationen habe ich mich ja entledigt), sondern wie ich mit mir selbst umgehe.
Gruß – Uwe. -
Hallo Melanie
Die Arbeit ist nicht das, was mich beunruhigt hat. Die hatte gestern etwas von Freiwilligkeit – nur meine Zusage, war frei von der nötigen Motivation. Ich habe mir aber auch die Freiheit genommen, in der Nacht zu gehen, wie ich es für richtig hielt. Was die Arbeit betrifft, passe ich mittlerweile ganz ordentlich auf mich auf. Das gelingt immer öfter.
Beunruhigung ist auch nicht das treffende Wort. Es als Verwirrung zu bezeichnen, entspricht der Situation besser. Ich schau immer wieder mal danach: „Was will ich den und tut mir das so auch gut?“; „Sind meine Reaktionen angemessen, bzw. überhaupt notwendig?“
Wenn ich in Lagen gerade, die ich kenne, und welche gewohnheitsmäßig mit einem Unwohlsein enden, probiere ich nunmehr, anders als bisher zu regieren. Nun stifte ich damit auch eine gewisse Verwirrung bei Personen die mich zu kennen glauben. Ich weiß dann auch sicher: so war dies oder jenes für mich gut und richtig. Was mir dabei fehlt, ist das dazugehörige Gefühl. Die (mir zu leise) Freude über etwas Gelungenes, wird überlagert von einer auffallenden, nicht nachvollziehbaren Furcht. Selbst bei vermeintlichen Bagatellen. Das vergeht relativ schnell – lässt mich aber etwas perplex und konfus zurück.
Wie wenn das Kind seinen „Vorgesetzten“ ärgert und die Konsequenzen nicht kennt.
LG – Uwe. -
Hallo SLF
Es wird in der Regel nicht leicht werden, doch vergiss dabei nicht, gelegentlich etwas Leichtigkeit an den Tag zu legen. Mir persönlich sind in dem Text einige „Muss“ zu viel. Aus meiner eigenen Erfahrung, sind Vorbilder oder Mentoren kein schlechter Ansatz. Ich hatte und habe welche, die verlässlich und bestimmt an meine Eigenverantwortung appellieren aber kein „muss“ ertragen. Vom Hoffen zum Wünschen zur Entschlossenheit (wie es Zimbo treffend formuliert) - ohne Druck. Lediglich das eigene Handeln ist entscheidend.
Mich hat mein „Mentor“, und heute guter Freund, einige Male ausbremsen können. Schritt für Schritt, Etappenweise vorzugehen, hat sich für mich bewährt. Die dafür nötige Geduld bringe ich auch nunmehr schwer dafür auf, doch es lohnt sich. Ursächlichkeiten, Fragen der „Schuld“ und Unschuld“, Scham und Reue haben ihren Platz – doch meines Wissens nicht zu Beginn.
Für mich war es wichtig am Anfang meine Stärken zu erkennen (da waren tatsächlich welche). Die vermeintlichen Unzulänglichkeiten haben sich später als auszuhalten oder zu vernachlässigen erwiesen.
In diesem Sinne – viel Erfolg beim ausprobieren -
Hallo und danke für die Weihnachtsgrüße
Schon wieder vorbei – das anheimelnde der Weihnachtszeit. Nun wieder ehrlicher Umgang. Ich weiß nicht recht wo der Zynismus seinen Ursprung hat, doch es waren für mich nicht die entspannten und entkrampften Festtage. Irgendetwas scheint unerledigt, macht mich unruhig.
Ein Grund kann der heutige, außerplanmäßige Arbeitstag sein (mein Chef feiert einen „Runden“). Andererseits fühlte ich mich nicht ganz wohl, nach meiner Abreise aus Thüringen. Ich habe ein, zweimal widersprochen. Was für ein Fauxpas! Es ist, wie meist, etwas zwiespältig. Auf der einen Seite war ich ganz zufrieden mit mir darum, zum anderen: „muss das ausgerechnet zum Weihnachtsfest sein?“
Wir haben nicht gestritten, dazu schien es zu belanglos. Die verordnete, plakative Harmonie habe ich aber nicht entstehen lassen. Ich habe darauf bestanden selbst zu denken. Die gängigen „Spielchen“: „Du musst doch denken, dass…“; „Ich denke, dass du denkst…“; „Was sollen die anderen denken, wenn…“ habe ich einfach so nicht mehr gelten lassen. Dummerweise war ich genauso wenig darauf vorbereitet, wie der Rest der Familie. Vermutlich habe ich lediglich vergessen dafür zu sorgen, wenn ich schon dabei bin Verhaltensweisen und –muster zu verändern, mich auch gebührend der wegen zu „feiern“.
Wenn ich beim schreiben so darüber nachdenke, ist die Verstimmung irgendwie eine logische Folge vernachlässigter Anerkennung. Das eigene Schulterklopfen erzeugt nicht die geballte Ladung Zustimmung, als wenn ich mich dem „Angepassten“ ergeben hätte.
Sei`s drum, ich werde mich ab morgen nach einem angemessenem Weihnachtsgeschenk für mich selbst umsehen – sozusagen als Draufgabe.
LG – Uwe. -
Ich verabschiede mich mal über Weihnachten aus dem Forum. Allen ein geruhsames Fest und Danke für Eure Begleitung in den vergangenen fünf Monaten.
-
Warum nicht die Polizei holen, DNA-Spuren sichern und vergleichen und dann vor Gericht ziehen. Anderer Lösungsansatz: mit einem freundlichem Weihnachtsgruß die Beutelchen in Richtung Rohrspatz werfen. Endschuldige BC, mir wäre das zu viel Aufwand für etwas, dass ich besser weiß, als notorische Nörgler.
Durch ein gelöstes Schulterzucken habe ich mir dieses Jahr, ein paar sehr angenehme Tage gemacht und keine Energien an für mich uninteressante Miesepeter verschwendet.
Aber naja, möglicherweise hast du so demnächst ein Schuldgefühl weniger.
Erholsame Weihnachten und LG Uwe. -
Hallo Kossi
Ich lese mit etwas Wehmut, dass sich mit dir in der letzten Zeit nicht wirklich viel verändert hat.
Am 18. Januar werden es bei mir auch vier Jahre Alkohol-UN-Abhängigkeit. Ein gutes Gefühl, darauf baue ich auf. Ich funktioniere deswegen aber nicht – ich lebe ein Leben nach meinen Vorstellungen. Ich warte nicht mehr darauf dass jemand mein Leben in eine Richtung weist – und wer definiert dabei „Normal“?
Ich nehme mir nunmehr die Freiheit manchmal „durch den Wind“ zu sein, gebe auch zu ab und an die Orientierung zu verlieren – gerade weil es eben schwer auszuhalten ist, wenn die Gedanken komplizierter als die Wirklichkeit werden. Was soll`s. Ich muss nicht verstehen. Dann staune ich halt sprachlos über die Dinge die mir widerfahren.
Es sind Freunde gegangen – plötzlich, ohne Abschied, ohne Klage – ich hätte sie gerne ein Stück begleitet. Weil sie mir so wertvoll waren. Ich habe nicht die Chance gehabt ihre letzten Freuden und auch das Leid zu teilen, zu erfahren und zu lernen. Ich war ratlos und verärgert über ihr gehen, wütend in meiner Trauer. Heute bin ich einfach nur noch Dankbar sie gekannt zu haben – sie haben mich berührt und leben mit ihren Vorstellungen und in ihrem Handeln heute in mir weiter. Keine Ahnung, ob das „normale“ Menschen auch so fühlen, ebenso leisten können – mir geht es gut dabei.
Ungetrübte Weihnachten und LG – Uwe. -
Geschafft.
Das Weihnachtsgeschäft liegt hinter mir. Seit 0.30 Uhr wird Urlaub gemacht. Entweder war es heuer etwas anstrengender als die letzten Jahre oder ich sollte mich damit abfinden auch älter zu werden (es sind nicht mehr nur die Füße die sich beruhigen wollen, sondern auch das Kreuz). Egal - schon Geschichte.
Ich habe mir im Spätsommer 2008, einige Monate nach meiner Therapie, ein Ritual einfallen lassen, um den Beginn der Pause auch genießen zu können. Damals hatte ich immensen Respekt davor, plötzlich nichts mehr zu tun zu haben. Aus der permanenten Arbeitsanforderung heraus, in ein Loch zu fallen. Ich habe mir eine Pfeife und Vanilletabak gekauft. Das Duo wanderte in die Vitrine, um für den zu erwartenden Fall der Orientierungslosigkeit, auf geraden Weg mit mir in die Badewanne zu wandern. Natürlich, weil ich darauf vorbereitet war, ist nichts passiert. Was für eine „Enttäuschung“. Jeder Arzt und Therapeut, jeder mir bekannte Langzeittrockene hatte mich vor der „Langeweile“ gewarnt. Vor allem weil zu jener Zeit die Fokussierung auf meine Arbeit noch so stark war (mittlerweile haben sich die Prioritäten ja verschoben).
Trotzdem habe ich an der Zeremonie festgehalten und praktiziere sie wie letztes Jahr auch heute. Was für ein Spaß – mit Pfeife, einer exquisiten Flasche Mineralwasser und einem humorvollem Buch eine Stunde zu entspannen.
Tannennadelaromawasserbad ist fertig – tschüss bis morgen. Da steht noch ein gemeinsames Weihnachtsessen von Küche und Service auf dem Programm und danach geht’s für drei Tage, nach Thüringen, ins Hotel Mama. -
Hallo Melanie
Manchmal weist die Hülle mit Schmerzen sehr deutlich darauf hin, dass dem Innen etwas fehlt, zuwiderläuft oder dass es verletzt ist – und manchmal sind Bauchschmerzen auch nur Bauchschmerzen.
Da ich dich als äußerst feinfühlig kennengelernt habe, kann ich mir vorstellen, dass die weihnachtlich eingeforderte heile Welt und dein momentanes persönliches Erleben zu weit auseinanderklaffen. Wo Familie draufsteht – ist leider nicht immer auch das darin, was ich mir darunter vorstelle.
Du hast ein Recht auf deine Weihnachten! Im Kreise der Menschen, die es dir Wert sind. Nimm es dir. Und wenn du das Gewicht der Welt in dieser Jahreszeit etwas mehr spürst, als andere – nimm es als ein Privileg an. Möglich, dass du jemanden ein Stück der Schwere nimmst. Du darfst aufrecht gehen in dem, was dir das Leben zumutet und eben auch zutraut.
Schaue in die Kinderaugen – mir hilft dies zuweilen über die dunkleren Stunden.
In diesem Sinne – kinderleichte Weihnachten – Uwe. -
Hallo Matthias
Wenn die Thematik im harmlosen Zeitvertreib, beim small talkt auftritt, habe ich mir angewöhnt mit „ich bin Alkoholiker – kein Arzt!“ zu antworten. Bei wirklichem Interesse spreche ich lediglich von mir und meinen Erfahrungen. Ich versuche das dann ohne Wertungen und ohne jegliche vorwurfsvolle Andeutungen – meist mit einer guten Portion Humor. Zum Beispiel erläutere ich eingehend, dass die Ansteckungsgefahr, bei sorgsamer Eigenbeobachtung, selbst in Familienverbänden geringfügig ist und ein Mundschutz als Vorsorge selten notwendig erscheint. Ich stelle sehr „ernsthaft“ heraus, dass die Gesellschaft, wenn sie mich zufrieden zurücklässt, keinen Grund für einen Rückfall darstellt. So gelingt es mir immer, dass die Gespräche ohne das unheilvolle „betretene“ Schweigen enden.
Ich verlasse dann schmunzelnd und sehr gelassen selbst die langweiligste und oberflächlichste Runde.
Nur mal so eine Anregung – einfach locker bleiben und keine Leben retten (außer dem eigenen).
Liebe entspannte Grüße – Uwe. -
Hallo BC, willkommen im eigenen Faden.
Dein Bild mi der Mauer hat was. Auf mich bezogen beginne ich nunmehr gezielt Stein für Stein abzutragen, ohne der blinden Wut und der selbstzerstörerischen Gewalt aus „alten Tagen“.
Wie Melanie, bin ich der Meinung: hier zu schreiben, ist wie ankommen. Das geschriebene Wort hat noch mal eine andere Qualität, als lediglich der Gedanke. Ich nehme einiges, was mich hier beschäftigt (sozusagen vorgekaut), mit in die reale SHG. Ausgesprochen haben die Gedanken, in der direkten Interaktion (sozusagen nachverdaut), noch mal eine bedeutsamere Beschaffenheit. Das hilft mir auf meinem geradem, im Sinne von aufrechtem, Weg.
Gruß – Uwe. -
Hallo
Nun, das Netzfreie Wochenende habe ich etwas ausgeweidet und eine ganze Woche daraus gemacht. Was ist passiert? - Einfach zu viel anderes zu tun. Das Weihnachtsgeschäft hat die gewohnte, etwas holprige und hektische Dynamik – kein Grund zur Resignation. Auch so etwas hat etwas von Routine und gehört für mich mittlerweile zum alljährlichen Ritual der Weihnachtszeit. Über die Feiertage ist Betriebsurlaub – und somit stellt sich die Besinnlichkeit spätestens ab den 25sten, in der Heimat, im Kreise der Familie ein.
Das „Unbewusste“ war letztes Wochenende, in dem Seminar, eines der zentralen Themen. Somit habe ich für die „Geschichten hinter der Geschichte“ einige Anregungen bekommen, die meine Handlungsweisen zumindest in einem etwas „normaleren“ Licht erscheinen lassen. Antworten, die alles erklären können, gibt es in solchen Fällen eher weniger. Es war in der Gesamtbetrachtung sehr hilfreich für mich. Es wird weiterhin ein innerer „Kampf“ ausgetragen werden, zwischen Gefühl - Vernunft – und „Ego“. Bei der Bewertung und Gewichtung werde ich nunmehr genauer nachschauen, um den Wollen und den Handeln mehr Gemeinsamkeiten abzuringen.
L.G. – Uwe.