Beiträge von Penta

    Hallo cduck,

    ich habe ne ganze Weile geglaubt, dass ich nass nur meine "negativen" Gefühle weggesoffen habe und nur sie nun trocken für mich spürbar sind und empfand das auch als Nachteil.
    Bei mir war es aber so, dass ich sehr wohl alle Gefühle letztlich "wegsoff", auch die positiven.
    Nass habe ich mit Alk an all meinen Gefühlen "rummanipuliert", damit sie entweder weg oder anders sind oder noch stärker werden.
    Negative Gefühle sind mir unangenehm. Das waren sie für mich nass genauso wie heute trocken.
    Die Illusion, dass es ein Leben ohne (negative) Gefühle geben könnte, habe ich zum Glück nicht mehr, denn das gab es für mich auch nass nicht.

    Es ist der andere Umgang mit meinen Gefühlen, das Weglassen irgendwelcher „Mittelchen“ für den Zweck, meine Gefühle anders haben zu wollen, der meine Trockenheit jetzt von Trinkpausen unterscheidet.
    Meine Gefühle werden nicht "schicker" oder angenehmer dadurch, dass ich sie verleugne, wie ich es lange mit Alk versuchte.
    Mein Umgang mit meinen Gefühlen, egal welchen, wird wohl immer wieder mal eine Herausforderung und mal eine Entlastung für mich bleiben. Dass ich dafür inzwischen keinen Alk mehr brauche, verschafft mir aber durchaus immer wieder ein positives Gefühl.

    Gruß Penta

    Hallo Old Flatterhand,

    ich werde mich freuen, wenn ich irgendwann wieder von dir lese.
    Unsere erste Begegnung hier war etwas holprig und die Zeit offenbar für etwas anderes noch nicht da.
    Du bist nun hier und hast mich oft berührt.

    Danke.

    Gruß Penta

    Hallo Uwe,

    es is nur ne ganz kleine Kleinigkeit, aber sie macht für mich den Unterschied.

    Zitat

    Bei der Begegnung mit einem anderen Menschen werde ich nie frei von (Vor)-Urteilen sein. Diese Wertung darf aber keinen Einfluss darauf haben, wie ich mit diesen Menschen umgehe – ich will dies umgekehrt ja auch nicht.


    Stimmt, ich will es umgekehrt auch nicht.
    Aber selbst wenn ich mir meinen vorurteilsbelasteten Umgang mit anderen verbiete (was du ja durch dein "darf" nicht zum Ausdruck bringst), werde ich niemals eine Garantie dafür bekommen, dass andere mir das liefern, was ich mir idealerweise wünsche und ich kann auch für mich nicht garantieren, dass ich dahingehend immer perfekt funktioniere.
    An der Stelle beginnt für mich die wahre Herausforderung, denn genau dort wird das sichtbar, was ich oder andere vielleicht (noch) nicht "können".

    Gruß Penta

    Hallo drybabe,

    ich halte dieses Thema für sehr wichtig und würde mich sehr freuen, wenn es das für andere auch wäre.
    Für mich bedeutet es, dass etwas, nur weil es mir nicht gefällt, nicht automatisch veränderungswürdig ist.
    Ich vergleiche es für mich manchmal mit der Überschreitung der Notwehr im Strafrecht. Notwehr ist manchmal nötig und Nothilfe auch.
    Aber sonst bin zu allererst ich für die Einhaltung meiner Grenzen zuständig. Nicht dafür, dass ein anderer Mensch so wird oder sich so verhält, wie es mir in meinen Kram passt.
    Für mein Empfinden wird zu oft an anderen "rumgezerrt", nur damit sowas wie Harmonie entsteht, die in Wahrheit fast in Gleichmacherei ausartet.
    Unterschiedliche Meinungen, Arten der Kommunikation und Emotionen schließen Dialog für mich nicht aus, sie machen ihn für mich erst sinnhaft. Und Konflikte sind der Katalysator für mein Vorwärtskommen.
    Ganz oft finden meine Konflikte nur bei mir statt.
    Da kann ich für mich ansetzen und in der Zeit meiner Anwesenheit hier im Forum konnte ich schon viel für mich mitnehmen, was gerade das betraf.
    Mich bereichern inzwischen gerade die Dinge, die anders sind. Mir fehlen sie oft im Alltag. Mir ist ganz oft vieles zu eintönig, gleich, glatt und schier, ja oft zu friedlich.
    Ich finde es sehr schade, dass die Verschiedenheit und Individualität, die ja theoretisch durchaus erstrebenswert sind und das Zusammenleben ausmachen, oft durch Regeln, die dann doch irgendeinem (für mich oft überholten) moralischen Anspruch entspringen, unterbunden werden.

    Gruß Penta

    Hallo Bridget,

    Zitat

    Es soll jetzt nicht falsch klingen


    das klingt für mich nicht falsch.

    Ich kann dir gar nicht so recht schreiben, was ich damals dachte.
    Egal waren mir meine Kinder nie.
    Allerdings dachte ich wohl, dass sie sowieso nicht so viel von dem mitkriegen, was ich tue und ich doch mit Alkohol gar nicht so anders wäre als ohne.
    Dass meine Tochter von mir weg wollte, konnte ich nicht verstehen. Ich ging arbeiten und sorgte doch sonst für sie.
    Ich habe damals die Ursache für die Konflikte mit meiner Großen nicht bei mir gesehen und schon gar nicht in meinem Alkoholkonsum, obwohl mir schon klar war, dass ich "manchmal" zuviel trank.
    Ich ging davon aus, dass meine Große meine Trinkerei dafür benutzt, mich nieder zu machen und undankbar für das ist, was ich für sie tue. Teilweise fühlte ich mich wirklich ausgenutzt. Diskussionen darüber waren für mich oft ein willkommener Anlass für den nächsten Rausch. Ich nahm das nicht ernst, was sie sagte.

    Zu sagen, dass ich zuviel trinke (was ich schon lange vor dem Aufhören ab und zu tat), war etwas anderes als es mir wirklich einzugestehen.
    Ich hörte mit dem Trinken auf, als das schon längst kein Thema mehr zwischen mir und meiner Tochter war. Sie hatte offenbar für sich begriffen, dass es vollkommen sinnlos war, mit mir darüber zu reden.
    Damit ist sie zumindest in dem Punkt, die Dinge nicht ändern zu wollen, die sie nicht ändern kann, mir zumindest um einiges voraus.

    Gruß Penta

    Hallo Bridget,

    ich bin Mutter zweier Kinder und Alkoholikerin. Und ja, es ist für mich unfassbar, wozu ich fähig war, wenn ich soff.
    Ich kann mich nicht mehr an alles erinnern, aber meine große Tochter erzählte mir davon.
    Begleiten wird uns das unser ganzes Leben. Sie und auch mich. Daran ändert auch nicht, dass ich nun keinen Alkohol mehr trinke.
    Da ist ihre Kindheit, die wegen meiner Sucht nicht stattfand.
    Deine Eltern scheinen nicht in der Lage zu sein, für sich zu sorgen. Aber du bist es nun.
    Auch ich finde die Idee mit dem Brief sehr gut.
    Ich würde ihn wohl eher nicht abschicken. Es besteht die Gefahr, dass du damit eine neue Situation schaffst, die dir Schmerzen zufügt.
    Mir half so ein Brief mal, den ich auf meinem Computer immer wieder bearbeitete. Eine Reaktion, die auch nur ansatzweise das beheben oder lindern könnte, was mir meine Probleme verschaffte, war seinerzeit für mich nicht zu erwarten.
    Aber das Schreiben entlastete mich sehr. Und die freie Option, ihn vielleicht doch abschicken zu können.
    Ich bin als Mutter sehr froh darüber, dass meine große Tochter frühzeitig für sich sorgte, indem sie den Kontakt zu mir mied.
    Inzwischen nähern wir uns wieder an und ich freue mich dabei oft mehr für sie als für mich.
    Es ist wahrscheinlich die schwerste Aufgabe, der sich jemand stellen kann, für sich zu sorgen. Ich hoffe sehr für dich, dass du deinen Weg findest.

    Gruß Penta

    Hallo Poster,

    Zitat

    Ich bezeichne mich als jemand der keinen Alkohol mehr trinkt quasi als

    Antialkoholiker.


    Hier schreiben, soweit ich weiß, nur Menschen, die sich als Alkoholiker bezeichnen oder deren Angehörige.
    Wenn du kein Alkoholiker bist, sondern sogar ein Anti-Alkoholiker, bist du dann hier, um gegen die Alkoholiker anti zu sein? Kämpfst du nun gegen Alkoholiker?

    Penta

    Hallo,

    Zitat von jamor

    Anders gesagt wälzen wir mit dieser Diskussion einen Teil unserer aktiven Rolle in Bezug unseres Problems auf eine undefinierbare Masse welche wir „unsere Gesellschaft“ nennen ab?


    Diese Gefahr sehe ich bei solchen Diskussionen.
    Wir sind Teil dieser "Gesellschaft". Das war ich ja auch schon, als ich noch soff.
    Heute tu ich das nicht mehr und habe allein dadurch diese "Gesellschaft" schon verändert.
    Durch meine Erfahrungen mit dem Alkohol kann ich gar nicht so ganz liberal gegenüber alklastigen Veranstaltungen oder Menschen sein. Meine eigene "Angst" schwingt da oft mit.

    Natürlich würde ich einem Sportverein, in dem der Jugendschutz nicht beachtet wird, nicht wortlos den Rücken kehren. Und ich gehe davon aus, dass ich damit nicht allein wäre. Ich habe schon viele Eltern kennengelernt, die sich sehr wohl um das kümmern, was ihre Kinder tun und wo sie ihre Zeit verbringen. Aber natürlich auch andere.
    Allerdings werde ich zu meinen Lebzeiten keine Gesellschaft ohne Alk erleben.

    Meine Werte kann ich meinen Kindern vermitteln und versuche das auch, am meisten dadurch, was ich heute tu oder eben nicht.
    Ich gehe davon aus, dass keins meiner Kinder sich auf Dauer in einem Umfeld wohlfühlen würde, in dem übermäßig Alkohol getrunken wird.
    Meine Große ist aber trotzdem gerade dabei, eben diesen "Umgang" für sich zu finden.
    Irgendwann kommt die Zeit, in der auch meine eigenen Kinder ihre Entscheidungen für sich treffen. Dessen bin ich mir bewusst.
    Selbst sie werde ich nicht vor allem schützen können.
    Ich halte viel davon, Kinder stark zu machen, indem sie Mut zu ihren Entscheidungen finden. Das Übungsfeld dazu kann ich ihnen bieten. Das ist für mich der beste Jugendschutz.

    Gruß Penta

    Hallo,

    wenn es nicht mehr "normal" wäre, selbst beim Kindergeburtstag Alkohol auszuschenken oder dem Sprössling zu seiner Konfirmation das erste Bier zu zapfen, dann würden sich diese "Vorbilder" vielleicht auch etwas schämen für das, was sie dort tun.
    Ich habe oft den Eindruck, dass "Muddi" und "Vaddi" mit dem "edlen Tropfen" in der Hand abends auf dem Sofa sitzen und sich über Koma-Saufen von Jugendlichen oder eben diese "falschen" Vorbilder aufregen.
    Es gibt genug Kundschaft und Publikum für Alkohol, warum sollte er dann in den Medien keine Rolle spielen?!

    Gruß Penta

    Hallo Frank,

    wenn ich gestern gesoffen hätte, wäre ich genau so jemand, mit dem du dich austauschen möchtest, denn dann wäre (!) ich über zwei Jahre trocken gewesen und hätte (!) wieder gesoffen.
    Hab ich aber nicht. Also kann ich nicht mit derartigen "Erfahrungen" dienen.
    Ich könnte aber mit Erfahrungen dienen, die mich heute auch wieder trocken bleiben lassen. Höchstwahrscheinlich.
    Und von denen treiben sich hier noch ne Menge Leute rum. Teilweise mit einem sehr viel größeren Erfahrungsschatz als ich.
    Willst du hören, wie es nicht funktioniert? Das weißt du doch.
    Oder willst du wissen, wie du dauerhaft trocken bleiben kannst?
    Es geht nur um dich.
    Ich denke nicht, dass du ein "besonderer" Trinkertyp bist. Du bist ein ganz normaler Alkoholiker.

    Penta

    Hallo BC,

    wenn mir mein Gegenüber "egal" sein würde, würde ich mir nie die Mühe machen, bei ihm zu schreiben oder mit ihm zu reden.
    Allerdings halte ich es so, dass auch mein Gegenüber darf, wie und was er möchte. Damit gebe ich ihm ein Riesenstück Freiheit, das aber ganz offenbar gar nicht jeder will. :?
    Wie soll ich darauf Rücksicht nehmen, dass jemand sein Recht auf seine eigene Entscheidung, das Setzen eigener Grenzen oder seine Meinung gar nicht wahrnehmen möchte?
    Das wird für mein Empfinden ziemlich häufig genau dann zum Ausdruck gebracht, wenn ein Fragender zum Vorwerfenden gemacht wird oder wenn eine andere Meinung zum Dogma erklärt oder die Art und Weise des Anderen thematisiert wird.
    Ich denke, da wird Verantwortung abgeschoben. Ich kenne das sehr gut von mir. Auch ich freu mich regelmäßig, wenn ich nicht "schuldig" bin, aber ich kann inzwischen recht ganz gut damit leben, wenn ich nicht verstanden und stattdessen schuldig gesprochen werde.
    In den Situationen, in denen ich ganz offensichtlich nicht verstanden werde, wäge ich inzwischen ab, ob und wie ich das für mich (!) klären möchte.
    Immer häufiger lasse ich weitere Diskussionen weg, weil sie mir (!) und damit ja auch dem Gegenüber nichts bringen würden.
    Und ganz häufig finde ich das sehr schade, weil ein Austausch dann ziemlich unmöglich wird. Aber ich kann das und vor allem andere nicht ändern.

    Gruß Penta

    Hallo Uwe,

    wenn ich den Vergleich zum Wettbewerb mache, ist er für mich des "Glückes Tod". Ansonsten ist er mir wichtig. Wie sollte ich sonst meine Entwicklung oder meine Erfahrungen mit dem "abgleichen", was mir unter anderem in SHGs "geboten" wird?
    Ich vergleiche, bewerte und gleiche an, setze mich ab oder was auch immer. Je nachdem, wie und wo meine Bedürfnisse sind.
    Wettbewerbe entstehen da inzwischen eher weniger. Nicht aus Glück, sondern wegen meiner anderen Ausrichtung.
    Ich wünsch ne schöne Woche und auch sonst.

    Penta

    Hallo Uwe,

    Zitat

    Zum Glück ist Abstinenz kein Wettbewerb – ich hätte das Gefühl in Rückstand zu liegen.


    zum Glück? :shock:
    Ist es Glück, dass du sie (Abstinenz) nicht dazu machst? Oder ist es Glück, dass es nicht zum guten "Ton" gehört, diesen Wettbewerb zu führen?
    Oder biste froh, dass du dich ihm "gerade so" entziehen kannst?
    Diese Wettkämpfe, egal wo, führe doch immer nur ich. Sie gehören zu dem, was früher das Rumgebalze war, also vollkommen in der Norm (ich sag mal, der natürlichen Norm).
    Was du nicht willst, nimmste nicht. Dann kann es auch kein Glück sein, an manchen Wettbewerben, auch wenn sie ganz sicher immer wieder stattfinden werden, nicht teilzunehmen.
    Wobei für mich nicht immer so eindeutig auszumachen ist, welche Wettbewerbe mir tatsächlich aufgedrängelt werden. Ich denke, die meisten eröffne ich selbst. Meistens schon von Beginn an unter der Voraussetzung, zu unterliegen.

    Gruß Penta

    Hallo Doktor,

    du bist mit dem, was du im Gepäck hast, sehr wichtig.
    Nur ist es bei mir mit Dingen, die noch keinen Bezug zum Selbsterlebten haben, immer so, dass sie Ängste lösen.
    Für mich als Frischling ist es wichtig und wertvoll, wenn alte Hasen meine Angst aushalten können. Würden sie es alle nicht tun, stünde ich ganz schön im Regen.
    Danke.

    Gruß Penta