Beiträge von Penta

    Hallo Vollwaise,

    Zitat

    Und "was anderes" habe ich auch noch in meinem "Trockenpaket", nicht umsonst gehe ich Dienstags zu meiner Gruppe und habe morgen wieder Akupunktur.


    da ist noch etwas: Du schreibst hier. Du tauschst dich aus, wenn auch stellenweise speziell. Aber du bekommst hier Resonanz, weil du offen schreibst (und manchmal auch provozierst).
    Das ist nicht nichts.
    Diese Dünnhäutigkeit, die du beschreibst, kenne ich von mir auch. Bei mir legte sie sich mit der Zeit.

    Ich wünsche dir alles Gute.
    Penta

    Hallo Vollwaise,
    falsch zitiert! :shock:
    Entschuldige bitte, Vollwaise, ich schrieb dir heute früh ein falsches Zitat zu!

    Am Inhalt ändert es aber nicht viel.
    Dass ich heute noch trocken bin, verdanke ich der Tatsache, dass ich einfach einige Jahre keinen Alkohol mehr trank.
    Das hätte allerdings nicht geklappt, wenn da nicht noch was Anderes gewesen wäre.
    Und das ist schwer greifbar.
    Eines davon beschrieb ich bereits: sowas Ähnliches wie Demut. Etwas Anderes war mein Wunsch neben trocken auch zufrieden sein zu wollen.
    Dafür gibt es keine "Grundbausteine" oder einen "Fahrplan" oder gar ein Patentrezept.
    Was willst du für dich?

    Gruß Penta

    Tach Vollwaise,

    Substantielles?

    Zitat

    So wie ich den Begriff Quartalssäufer verstehe, sind bei ihm längere Trinkpausen ohne Probleme möglich. Die Aussicht auf den Abschuss besänftigt das Suchtgedächtnis.


    Da verstehst du den guten und funktionierenden Quartalssäufer wohl nich so ganz.
    Ich werde dir garantiert jetzt keine Abhandlung darüber liefern, was mich als Quartalssäuferin ausgemacht hat, aber in diesem Forum, gerade im offenen Bereich, gibt es sehr gute Beispiele dafür, wie sehr sich Säufer in Trinkpausen selbst die Taschen vollhauen und nach fast genau drei Monaten (Quartal!) wieder aufhören hier zu schreiben, um zu saufen. Und das Ganze vollzieht mancher jahre(!)lang.
    Ich (!) gehe nicht davon aus, dass sie das tun, weil sie zu blöd sind, ihre Alkoholkrankeit zu verstehen.
    Ich weiß auch (weil ich hier fleißig mitgelesen habe!), dass viele zu Beginn ihrer Trinkpause einen ähnlichen Sermon lieferten, wie du das hier gerade tust.
    Ich soff zwar nicht mit Begleitung dieses Forums, aber auch quartalsweise exzessiv.
    Am Ende meiner nassen Weisheit landete ich dort, wo ich ganz schlicht einfach nur Alkoholikerin war, ohne Quartalssäufer-Diplom oder andere Alleinstellungsmerkmale.
    Rat von mir: Geh davon aus, dass es immer etwas gibt, was du (ich, wir, sie) noch nicht weißt!
    Andere nennen das Demut.
    Und wenn du Unterstützung brauchst bei deiner ganz eigenen Trockenheit wird dir sicher kein trockener Alkoholiker seine Unterstützung verwehren.

    Ich lese regelmäßig im Forum und halte gar nix von diesem LZT-Kram. Genausowenig halte ich inzwischen etwas davon, bei einem so wichtigen Thema wie dem Alkoholismus um die goldene Banane der Weisheit zu streiten.
    Trockensein genügt vollkommen. Der eine will dabei noch zufrieden sein, der andere offenbar nicht.
    Ich gehöre zu den ersten.
    War das jetzt substantiell? Für mich schon.

    Schönen Tag und alles Gute allerseits.
    Penta

    Hallo Hull,

    Zitat

    seit einiger Zeit stellt sich mir die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, sich täglich mit dem Alkohol zu beschäftigen.


    für mich macht es keinen Sinn, mich jeden Tag mit dem Alkohol zu beschäftigen. Ich mache das nicht.
    Ich brauche ihn nicht mehr und vor allem will ich ihn auch nicht mehr konsumieren.
    Alkohol ist der Suchtstoff, der mich sehr wahrscheinlich früh das Leben kostet, sollte ich ihn wieder zu mir nehmen.

    Anders sieht es mit meinem Alkoholismus aus.
    Die Sucht hat mich dazu gezwungen, mich jeden Tag mit Alkohol zu beschäftigen. Diese Sucht schlummert in mir.
    Ich denke, es vergeht kein Tag, an dem ich nicht in irgendeiner Form daran denke, wie schön das Leben ohne den Rausch ist.
    Dabei denke ich nicht in erster Linie an den Alkohol, sondern daran, was er fast aus mir gemacht hat und wie frei mein Leben heute ist.
    Es gab bisher viele schöne Ereignisse und Phasen in meinem trockenen Leben, in denen ich mich mit Gedanken daran, nicht mehr in den Vollrausch abgleiten zu müssen, sogar noch belohnte.
    Aber auch in den schwierigen Phasen denke ich immer daran, dass ich mein Leben in der Hand behalten möchte und nicht abgleiten in den dumpfen Nebel der besoffenen Gefühlsfreiheit, die alles andere als Freiheit ist. Das tut mir gut.
    Es macht für mich viel Sinn, mir meine Freiheit immer wieder, auch gern täglich, bewusst zu machen, weil es mir guttut.

    Viele Grüße,
    Penta

    Hallo sausebraus und herzlich willkommen hier.
    Zunächst mal die Frage, ob es um Zucker (-Sucht) oder Alkoholismus geht.
    Mein Thema war und ist der Alkoholismus.

    Zitat

    daß man die ganzen bekannten Nachteile ausblendet. Thema Notfallkoffer. Hilft es vielleicht sich die Leberwerte oder ein Foto einer Fettleber an den Kleiderschrank zu hängen, damit man das morgens nicht vergisst ?


    Mich endlich selbst in die Pflicht zu nehmen, hat mir geholfen. Kein "man", kein "wir", sondern ich.
    Ein Bild einer kaputten Leber am Schrank hätte mich nicht beeindruckt.
    Mir half, mir in Gesprächen und beim Schreiben hier im Forum bewusst zu machen, sozusagen im Austausch, wie wichtig mein sofortiger Ausstieg aus dem Alkoholkonsum für mich ist. Danach richtete ich aus, was ich bereit war und bin zu tun.
    Ich befreite nicht nur mich vom Suchtstoff, sondern auch meine Wohnung, meinen Alltag (soweit ich das beeinflussen kann) und meine Freizeitaktivitäten (die ich ziemlich gut beeinflussen kann).
    Trockenwerden war für mich ein aktiver Prozess, bei dem ich mit meinem Tun und Unterlassen im Mittelpunkt stehe.
    In meiner Freizeit war deshalb immer wieder die Frage, was ich tun kann, um Suchtdruck gar nicht erst entstehen zu lassen. Für mich war z.B. Langeweile ein Risiko.
    Wie das bei dir aussieht, welche Bedeutung und welche Priorität du der Abstinenz von deinem Suchtstoff einräumst, wird immer deine Entscheidung bleiben.
    Zu warten, bis der Suchtdruck kommt und erst dann den Notfallkoffer anzupacken, wollte ich nicht riskieren. Ich nahm ihn oft früher in die Hand.
    Aber das scheint, wie der Zeitpunkt des Ausstiegs, recht individuell zu sein.

    Viele Grüße,
    Penta

    Hallo Thalia,

    Zitat

    würde ich gerne eure Erfahrungen und Einschätzungen hierzu lesen. Ist das Leben mit einem trockenen Alkoholiker ein Leben auf dem Pulverfass? Sitze ich als trockener Alkoholiker selber auf meinem eigenen Pulverfass? Wie gelingt es, wieder zu vertrauen - dem trockenen Partner oder sich selbst? Ist das überhaupt möglich?

    Dies wäre ein Thema, bei dem sowohl Angehörige von trockenen Alkoholikern ihre Erfahrungen teilen könnten, als auch wir trockenen Alkoholiker selbst.

    Mein Vertrauen zu mir selbst ist zutiefst erschüttert gewesen, aber langsam baue ich wieder welches auf. Ist das blauäugig? Verkenne ich damit das Wesen der Sucht? Oder geht es nur so, durch Wiederaufbau von Vertrauen.

    ich finde den Vergleich mit dem Leben auf einem Pulverfass ziemlich treffend.
    Ich kann auf einem Pulverfass ewig sitzen und nichts passiert, solange ich nicht anfange mit offenem Feuer rumzuspielen. Ich könnte auch mit einem Feuerzeug rumspielen, würde aber riskieren in die Luft zu fliegen, sobald ein Funke überspringt.
    Das Vertrauen darauf, dass das nicht passiert in Bezug auf meine Sucht rührt u.a. daher, dass ich mir dessen bewusst bin. Dessen - das ist bei meiner Sucht der garantiert wieder einsetzende Kontrollverlust, würde ich wieder Alkohol konsumieren.
    Andererseits weiß ich nun nach ein paar Jahren Trockenheit auch, dass ich trotz dieser Krankheit gesund leben kann. Denn ich habe es erlebt und erlebe es jeden Tag wieder, unabhängig davon, was mein Alltag mir bietet oder abfordert. Auch das verstärkt mein Vertrauen in mich selbst.
    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Vertrauen etwas ist, was in wenigen Minuten verloren gehen kann, jedoch nur ganz langsam wächst. Es entsteht nicht durch Worte, sondern durch Erleben und Tun. Das ist für mich gerade in Hinblick darauf, dass in mir die Alkoholkrankheit schlummert, ganz und gar nicht blauäugig, sondern eine Voraussetzung für ein zufriedenes Leben mit und trotz Krankheit.

    Viele Grüße,
    Penta

    Hallo Thalia,

    Zitat

    Gerade von den länger Trockenen, die schon auf eigene Erfahrungen zurückblicken, würde mich interessieren, wie Ihr das konkret handhabt, und auch vor allem, was Ihr am Anfang offenbar richtig gemacht habt, so dass Ihr jetzt eben bereits länger als ein paar Monate trocken seid? Oder auch was ihr, im Nachhinein betrachtet, vielleicht „falsch“ gemacht habt.

    bezogen auf das Ergebnis, dass ich heute immer noch sehr zufrieden trocken bin, habe ich offenbar alles richtig gemacht.
    Darauf kommt es mir aber gar nicht an, sondern mir ist wichtig, dass ich heute zufrieden (trocken) bin.
    Als ich deine Frage las, dachte ich darüber nach, was ich konkret richtig oder falsch gemacht haben könnte.
    Ja, Risikominimierung betreibe ich heute auch noch. Allerdings ist sie für mich nichts Neues oder Gewöhnungsbedürftiges mehr.
    Die Menschen in meiner Umgebung wissen, wie ich lebe und sind einfach mit dabei. Offenheit ist für mich einer der wichtigsten Punkte meiner Risikominimierung neben denen, die du auch anführst.
    Ganz oft war für mich anfangs ganz schlichtweg der Gedanke Motivation, die Dinge anders zu machen als vorher, denn ich wusste, wie bisher konnte es für mich nicht weiter gehen.
    Ich wusste nicht, was konkret bei mir funktionieren könnte. Ich probierte aus, was für mich passt, ohne dabei mit Alkohol (trinkenden Menschen) in Berührung zu kommen. Das eine oder andere passte und ist mir bis heute geblieben.
    Heute erlebe ich mich an Orten, bei Aktivitäten und mit Menschen, bei denen niemand mich vor zehn Jahren hätte sehen können.
    Ich wollte weg vom Leben in der Isolation in meinen vier Wänden und vom depressiven Lamentieren über die große Weltpolitik oder die "bösen" Anderen. Ich wusste also ziemlich genau, was ich nicht wollte.
    Heute weiß ich, dass ich mich in der Natur wohlfühle, auf dem Rad, beim Wandern, mit Freunden bei Tee, in meinem Garten und auch beim Basteln an diesem und jenem...
    Gerade vor einigen Tagen war ich auf einer großen Feier. Die erste dieser Art seit sieben Jahren. Mir fiel auf, dass es ganz unterschiedliches Publikum auf der Feier gab. Ich geriet, ohne großes Zutun, zu denen, die wenig bis gar nicht tranken. Andere sah ich zwar, begenete ihnen aber nur flüchtig.
    Meine Truppe ging dann auch geschlossen, als es uns zu laut wurde. Sehr wahrscheinlich war der Alkoholpegel zu der Zeit bei anderen auch nicht unerheblich gestiegen.
    Für mich wäre es eine Quälerei zu trainieren, in einer alkoholgeschwängerten Gesellschaft Zeit zu verbringen. Den Stress möchte ich mir nicht antun.
    Was ich sagen will, ich lebe gern trocken. Es ist für mich heute, anders als zu Beginn meiner Trockenheit, keine große Anstrengung mein Rückfallrisiko zu minimieren. Ich tu es für meine Zufriedenheit, denn die gibt es für mich nur trocken. Das ist heute nicht anders, als zu Beginn meiner Trockenheit.

    Viele Grüße,
    Penta

    Hallo Kamarasow,

    Zitat

    Gemäß der Theorie jedes Risiko zu vermeiden, dürfte man defacto gar nicht mehr aus dem Haus heraustreten. Weiterhin sollte man nur diejenigen Freunde/Bekannte haben, die keinen Alkohol trinken. Ist das der Weg?


    diese Theorie, jedes Risiko zu vermeiden, kenne ich nicht. Ich kenne Risikominimierung.
    Sollte man? ... Freunde haben, die Alkohol vermeiden?
    Ich habe Freunde und auch Familie, die sehr wohl Alkohol trinken. Der eine oder andere vielleicht auch etwas viel, wie ich finde.
    Allerdings wissen sie, dass es bei mir keinen Alkohol gibt und ich mich vom Acker mache, wenn es zuviel wird. Ganz oft ist es aber so, dass ich mich nicht vom Acker machen muss, weil sie die Zeit mit mir ohne verbringen.
    Was sie tun, entscheiden sie allein. Und was ich tu, entscheide ich.
    Dir wurde angeboten, dass jemand nicht trinkt. Du hattest die Chance an dieser Stelle dein Rückfallrisiko zu verringern und hast es ganz bewusst nicht getan - deine Entscheidung.

    Alles Gute weiterhin,
    Penta

    Hallo Kamarasow,

    Zitat

    Wie man es dreht und wendet, die Ideallösung gibt es vermutlich nicht.


    Doch, die gibt es. Im Zweifel für die Trockenheit, also gegen das Risiko. Dazu müsste "man" es aber als solches (Risiko) akzeptieren.
    Das Risiko zu trinken, ist allein in einer alkfreien Wohnung ungleich niedriger, als in direkter Gesellschaft mit Alkohol konsumierenden Leuten. Da beißt die Maus keinen Faden ab.
    Du gehst es ein. Das darfst du natürlich!

    Zitat

    Warum soll er darauf verzichten, nur weil ich ein Alkoholiker bin?


    Genau. Der Alkoholiker bist du. Er muss/will/kann/soll nicht verzichten.
    Er bot von sich aus an, nicht zu trinken.
    Die Frage muss sein, warum du darauf verzichtest, die Zeit mit ihm alkoholfrei zu verbringen, obwohl er es anbietet?
    Für ihn scheint das Bier nicht unbedingt dazu zu gehören. Für dich offenbar schon.

    Zitat

    Grauzonenrisikobereich


    Dazu fiel mir dein Threadtitel ein. "Man" stolpert nicht über Berge, sondern über Hügel. Womöglich aber auch über die Verharmlosung von Risiken.

    Viele Grüße, Penta

    Hallo,

    Zitat

    ich kann mir irgendwie überhaupt nicht vorstellen, dass ein einigermaßen interessierter, belesener und dadurch informierter Mensch, der nicht verdrängt ( was für mich auch eine Art Unehrlichkeit darstellt ) nicht schon ziemlich bald nach Eintreten der Abhängigkeit merkt, dass er in einer Sackgasse gelandet ist und ein Suchtproblem hat.


    Joa. Genau das trifft es für mich, denn genau diese Verdrängung beherrschen vermeintlich intelligente Wesen in derselben Qualität wie andere. Und so eben auch ich.

    Zitat

    Und ich denke, es ist nicht erheblich.


    Auch das sehe ich genauso.
    Heute ohne Alkohol leben zu dürfen, ist für mich ein Geschenk, das mir erlaubt, mein Leben wieder in meinen eigenen Händen zu tragen. Mit dem dazu gehörenden Maß an Selbstüberschätzung, Selbstzerstörung und verzerrter Selbstwahrnehmung. Meine Trockenheit machte mich nicht zum perfekten Menschen, sondern sie ermöglichte mir, heute meine Fehler trocken zu begehen, sie vielleicht auch mal zu erkennen und noch seltener, aber immerhin auch mal, zu beheben.
    Nass gab es diese Chance für mich gar nicht.
    Gruß, Penta

    Hallo Thalia,

    getreu dem Motto: Das Auge sieht nur, was der Geist bereit ist zu begreifen, habe ich selbst nachdem ich bereits aufgehört hatte zu trinken nur schwer sehen können, dass ich tatsächlich Alkoholikerin bin.
    Denn ich konnte ohne massive körperliche Entzugssymptome aufhören. Klar, war da die Gewöhnung (das Suchtgedächtnis), aber sooo schlimm, wie bei den "echten" Alkoholikern war es bei mir doch gar nicht.
    Warum sollte ich also zu so "radikalen" Maßnahmen greifen, wie der alkfreien Wohnung oder meiner Nichtteilnahme an Saufveranstaltungen?! Außerdem gab es in meinem Umfeld einige, die meinten, dass ich gar keine Alkoholikerin wäre.
    Erst als ich für mich tatsächlich begriff, dass ich regelmäßig die Kontrolle verlor und vor allem weiterhin verlieren werde, dass es unerheblich ist, ob ich dreimal weniger im Vollrausch war, als andere, dass es unwichtig ist, ob ich dieses Mal noch ohne Entzugssymptome blieb..., wurde mir klar, dass ich Alkoholikerin bin. Ab hier gab es für mich kein Ausweichen mehr, kein Abmildern, kein Herunterspielen. Unabhängig davon, was andere meinten. Zu dem Zeitpunkt hatte ich das letzte Glas bereits vor einigen Monaten weggestellt.

    Viele Grüße,
    Penta

    @ Hull: Ich bezeichnete mich schon viel eher als Alkoholikerin, bevor ich es tatsächlich auch so meinte. Ich habe sehr lange auch andere Dinge einfach so daher geplappert, ohne sie so zu meinen, nur um meine Ruhe zu haben.

    Guten Tag Martina,

    Zitat

    Und welche Strategien sollst Du denn so verfolgen?


    Ich soll denn so keine Strategie verfolgen.
    Es ist aber so, dass ich sehr wohl die eine oder andere Strategie verfolge. Nicht, weil ich es denn so soll, sondern weil ich sie vor längerer Zeit mal intensiv geübt habe, unter anderem dafür, dass ich heute mit meinen inneren Konflikten besser klar komme und auch dafür, dass ich mein Risiko, wieder zu saufen möglichst minimiere. Ich soll also nicht, sondern ich will.
    Mir halfen und helfen sie teilweise noch heute, nicht hinter jedem Busch einen Angriff zu vermuten und damit ersparen sie mir die eine oder andere Angstattacke vor den Ungeheuern meiner eigenen Vergangenheit.
    Ich schrieb es hier schon einmal, dass ich gegenüber meinen eigenen Vorurteilen misstrauisch bin (sein will). Das gelingt nicht immer. Aber wenn es gelingt, ist mein Leben einfach.

    Ich wünsche dir alles Gute, vor allem für deine Trockenheit.
    Viele Grüße,
    Penta

    Hallo Martina,

    ich versuch's jetzt mal kurz von unterwegs.

    Zitat

    Da fehlt mir jetzt das Wissen um den Zusammenhang der Umstände, sowie Kenntnisse über Dein Wesen.
    Woraus schließt Du, das jemand eine Interpretation über Dich ablegt, ohne zuvor im Dialog mit Dir gestanden zu haben.


    Das hatte ich geschrieben. :wink:
    Ich meine, es stand dort was von Hören...
    Ich meine nicht, was andere vielleicht denken könnten oder ich vielleicht meine zu wissen, was sie denken.

    Zitat

    Im Kontext des von Dir geschriebenen ersten Absatzes ließ mich das andere Thematiken als den Alkohol und Süchte vermuten.


    Natürlich sehe ich das auch in anderen Zusammenhängen genauso!
    Ich darf viel.
    Andere auch.
    Aber mit meiner Toleranz ist zumindest dort Schluss, wo ich meine Grenze habe.

    Zitat

    habe ich beschlossen die Auseinandersetzung vorerst zu verschieben


    Das halte ich für eine sehr gute Strategie.
    Nicht wegen des uneinsichtigen Gegenüber, sondern deinetwegen. Es schont Nerven und macht Platz für wichtigere Dinge. Im Zweifel für die Trockenheit.

    Zitat

    Wie weit reicht denn Dein wissendes Umfeld . Du schriebst von Krankheit in der Mehrzahl?


    Mein Umfeld kennt meine Krankheiten (ja, Mehrzahl).
    Irgendwie wirken sie alle auf mich und meinen Alltag.
    Nicht, dass sie mich derzeit einschränken. Aber sie sind sehr wahrscheinlich die Ursache dafür, dass ich mich heute absolut nicht mehr mit Nebenkriegen befassen möchte. Dafür ist mir meine symptomfreie Zeit heute einfach zu wertvoll.
    Darüber rede ich natürlich mit den Menschen, mit denen ich gerade diese Zeit verbinge. Dementsprechend wissen alle, die mit mir zu tun haben, auch ziemlich viel über mich, natürlich auch über meine Sucht. Es ist kein Geheimnis, aber ich haue es nicht jedem um die Ohren, dem ich begegne.
    Ich bin gern in der Natur, sehe gern Neues, mache mir gern selbst mein Umfeld schön und genieße die Zeit mit Menschen, die ähnlich ticken.

    Zitat

    Wenn der Eindruck vorherrscht jemand möchte Kenntnisse erlangen, um mit dem Wissen hausieren zu gehen, halte ich eine Weitergabe faktischer Informationen für relativ sinnlos. Wobei der Wahrheitsgehalt da eh zweitrangig ist, da Gesagtes nahezu immer in verfälschte Form weitergetragen wird.


    Jo. Das sehe ich ganz genauso. Manchmal isses eben wirklich sinnlos zu erklären.

    Zitat

    Ergänzend noch ein Traum vom 5.zum 6., indem sich eine männlich wirkende Person am Leid anderer erfreute(sich durch unaufrichtige Freundlichkeit Vertrauen erschlich), um deren seelisches Leid zu vergrößern und sich dadurch eine künstliche Selbstgröße erschuf, gibt mir aktuell doch ganz schön zu denken.


    Mir scheint, du träumst von Ungeheuern. :shock:
    Machen dir solche Träume Angst?

    Wie verbringst du deine Osterfeiertage?
    Triffst du an solchen Tagen sowas wie Vorkehrungen dafür, dass du eben diesen übergriffigen Menschen nicht begegnest?
    Wie hast du die Sitaution mit dem ignoranten Menschen "gelöst"? Bist diu gegangen? Oder hast du ihn rausgeworfen?

    Viele Ostergrüße dir,
    Penta

    Hallo Martina,

    nun doch auch nochmal kurz vor der Osterei. Danke für dein Nachfragen.

    Zitat

    Ich weiß nicht, ob ich manches zu negativ sehe, oder ab und an zu sehr hinter die Kulissen blicke?


    Ich weiß es natürlich nicht.
    Was ich weiß, dass ich von Zeit zu Zeit Spekulationen über meine Motive höre, die mich schon sehr erstaunen, weil sie mir zumindest neu sind.
    Nicht immer habe ich das Bedürfnis sie aufzuklären. Manchmal ist Schweigen auch für mich ein adäquates Mittel.
    Ich schweige gern dann, wenn ich es für vollkommen aussichtslos halte, mit jemandem in irgendeinen Dialog kommen zu können.
    Und selbst das wird dann manchmal als Bestätigung für die eigene Fehlinterpretation gewertet.
    Bei mir selbst sehe ich durchaus, dass sich im Umgang mit anderen von Zeit zu Zeit meine Bewertungen zu schnell mit meinen Beobachtungen vermischen und ich meinen eigenen Vorurteilen erliege.

    Zitat

    Wie meinste denn das?


    Na, so, wie es dort steht.
    Ich darf als Allergiker auf Nussecken verzichten und sie ablehnen. Ich darf als Diabetiker den Zucker im Tee ablehnen.
    Und ich darf als trockene Alkoholikerin den likörverseuchten Kuchen ablehnen.
    Aber all das darf ich auch als Nichtallergiker, Nichtdiabetiker oder Nichtalkoholikerin.
    Wird meine Ablehnung nicht gehört, ist mein Motiv nicht: Hey, nimm mal Rücksicht auf meine Sucht!', sondern eher 'Hey, was ist an meinem Nein jetzt nicht zu verstehen?!'.
    Weil meine Sucht lediglich in meinem nahen Umfeld aufgefallen ist, habe ich es hier und da mit Leuten zu tun, die mir nicht glauben (wollen), wie es wirklich war.
    Vielleicht, weil sie selbst grenzwertig saufen, vielleicht weil sie keine Ahnung haben, vielleicht weil sie desinteressiert an mir sind...
    Wer weiß das schon?
    Ich mache nirgends ein Geheimnis aus meinem Alkoholismus und finde das durchgängig hilfreich, aber ich erlebe immer mal wieder, dass mir dennoch etwas angeboten wird.
    Die Regel ist aber, dass die Menschen in meinem Umfeld von mir und meinen Krankheiten wissen und sich auch dementsprechend verhalten.
    Wie gehst du mit den Menschen in deiner Umgebung bezüglich deiner Alkoholkrankeit um?

    Zitat

    Hatte das denn damit zu tun, das Du das Vertrauen anderer tatsächlich enttäuscht hast, oder bezog sich die Enttäuschung der anderen darauf, das Du wieder Alkohol getrunken hättest, obwohl Du evtl sagtest, das Du keinen mehr trinken würdest?


    Sowohl als auch.
    Es hat gerade bei einem Menschen wirklich Jahre gedauert, bis meine Trockenheit außer Frage stand. Naja, bei zwei, denn ich selbst war mir anfangs auch nicht sicher, ob ich wirklich trocken leben kann.

    So, nun sende ich viele Ostergrüße, verbunden mit schönen und vor allem trockenen Tagen, obwohl es noch nicht ganz soweit ist,
    Penta

    Hallo Martina,

    wenn wir uns hier noch nicht über den Weg gelatscht sind, möchte ich dich gern auch noch willkommen heißen.

    Zitat

    Auf Menschen, die sich daraus einen Spaß machen, jemanden in eine Sucht zurückzudrängen, sei es
    - da sie selbst süchtig sind und dem anderen die Veränderung nicht gönnen
    - oder andere Motive
    kann ich bezüglich ihrer Wesensart grundsätzlich verzichten.


    Mir sind in den vergangenen trockenen Jahren tatsächlich keine Menschen begegnet, die sich einen Spaß daraus machen, mich in meine Sucht zurück zu drängen. Mir ist auch noch niemand begegnet, der mich auch ohne die Motivation Spaß haben zu woillen, in meine Sucht zurück drängen wollte.
    Allerdings gibt es einige, die ganz schlichtweg nicht verstehen, dass ich keinen Alkohol (auch nicht im "leckeren" Kuchen) zu mir nehmen will.
    Das dürfen sie!
    Mich nicht verstehen.
    Denn ich darf in jeder Konstellation essen oder trinken, was ich will.
    Ich darf auch ganz andere Sachen, die andere nicht verstehen (wollen).
    Du auch! :wink:

    Zitat


    Im Allgemeinen sollte davon ausgegangen werden können, das der "Nichtsüchtige" auf den "Süchtigen" Rücksicht nimmt und nicht umgekehrt - jedenfalls privat.


    Dass in meiner Wohnung kein Alkohol getrunken wird oder ich an alkohollastigen Veranstaltungen nicht teilnehme, sehe ich als meine (!) Entscheidung. Ich weiß gar nicht, ob dabei jemand auf meine Sucht Rücksicht nimmt.
    Teile meiner Familie waren selbst von meiner Sucht (mit)betroffen, deshalb sorgen sie mit ihrem alkoholfreien Beitrag zu meiner Trockenheit im selben Maße auch für ihr eigenes Wohlergehen.
    Andere akzeptieren einfach nur, wie ich lebe.
    Mein Alkoholismus spielt in meinem Umgang mit anderen zwar eine Rolle, aber er ist nicht alles, was mich ausmacht.

    Hakeliger fand ich die Einführung meines neuen Lebensstils wegen des absolut desolaten Vertrauens anderer mir gegenüber.
    Es gab zwar viele, dir mir glauben wollten, dass ich nicht mehr trinke, aber sehr viel weniger (eigentlich niemanden), die es tatsächlich auch für möglich hielten.
    Das änderte sich jedoch mit zunehmender Trockenheitsdauer.

    Viele Grüße nun nochmal,
    Penta

    Hallo Martina,

    ich weiß nicht, ob ich hier schon mal "Hallo" sagte, lese aber regelmäßig mit.
    Da hast du in einem deiner Posts etwas geschrieben, was ich für sehr wichtig halte:

    Zitat

    Die größere Rückfallgefahr sehe ich aber in den eigenen Gedanken.


    ... denn genauso sehe ich das auch.
    Es ist ein weites Feld und auch hier im Forum immer wieder Thema - die so genannten nassen Gedanken.
    Dabei sind diejenigen nassen Gedanken, die unmittelbar mit dem Alkohol zusammen hängen, wie du es beschreibst, ja noch relativ leicht zu enttarnen. Aber was, wenn ich mit einem Mal doch nicht auf das Zusammensein mit trinkenden Freunden verzichten will? Oder was, wenn ich für mich feststelle, dass ein Alkohol konsumierender Partner für mich doch in Frage käme?
    Nasse Gedanken? Oder doch vielleicht nur Ausdruck meiner nun in Jahren gewachsenen Stabilität?
    Es sind Fragen, die ich mir stellen würde und die sehr wohl mit meinen Gedanken und Gefühlen und damit mit meiner Trockenheit zu tun haben. Die Auseinandersetzung damit kann mich trocken halten, weil ich mir vielleicht doch darüber klar werde, was ich wirklich will.
    Ich will trocken bleiben, deshalb stelle ich mir derzeit diese Fragen nicht.
    Aber in einer nur etwas veränderten persönlichen Situation, vielleicht durch plötzliche Veränderungen bei Partnern, Freunden oder im Job, wären sie aktuell.
    Mein Rückfall beginnt definitiv im Kopf. Erst darauf zu warten, dass ich vor der Bierabteilung im Supermarkt innerlich mit mir ringe, ist mir zu riskant.
    Ich wollte das und ein paar Grüße einfach nur mal hier lassen.
    Alles Gute weiterhin!
    Penta

    Hallo Marius,

    Zitat

    Und egal, ob es im Theater ist, im Kino oder im Restaurant, da wird überall Alkohol konsumiert. Wie macht Ihr denn das?


    Also meine Begleitungen in Restaurants oder im Theater wissen von meinem Alkoholismus oder besser: von meinem Wunsch, keinen Alkohol zu konsumieren.
    Ich habe niemals jemanden gebeten nichts zu trinken, wenn er mit mir zusammen ist. Allerdings wissen alle, dass sie in meinem Haus keinen Alkohol bekommen. Und wenn ich mal unterwegs bin, ist es bisher so gewesen, dass meine Begleitung nichts trank, weil keine Gesellschaft zum Trinken da war oder weil es einfach nicht so wichtig war. Entspannt und unerhaltsam waren die Konzerte oder andere Events dann trotzdem.
    Weil Andreas es hier anbringt, die Tankstelle war für mich ein sehr neuralgischer Punkt. In den ersten Jahren fuhr ich sie ganz bewusst nicht abends an, weil ich früher regelmäßig abends nochmal Bier für mich dort holte.
    Morgens hatten die Sixpacks im Regal eine ganz andere Wirkung (nämlich fast keine) auf mich.
    In den ersten Wochen ging ich erstmal gar nicht im Supermarkt einkaufen, später nur in Begleitung. Das funktionierte wahrscheinlich deshalb, weil ich von mir, meinem Alkoholismus und meiner damals durchaus vorhandenen Unsicherheit, trocken bleiben zu können, erzählte.

    Viele Grüße,
    Penta

    Hallo Marius,

    willkommen hier!

    Zitat

    Meistens macht es mir nichts aus und ich versuche diese Konfrontation mit dem Alkohol als Prüfung auf meinem Weg in die Abstinenz zu bewerten. Ich glaube, schwierig wird das alles erst richtig für mich, wenn meine Achtsamkeit ein wenig nachlässt und ich mir in einiger Zeit vielleicht zu sicher sein werde.


    Meistens macht es dir nichts aus?
    Also macht es dir manchmal etwas aus. Dieses Manchmal gilt es bei der Risikominimierung zu reduzieren, denn es reicht für einen Rückfall nur ein einziges Mal.
    Du glaubst, dass es für dich schwierig wird, sobald deine Achtsamkeit nachlässt. Warum machst du es dir denn so schwierig?
    Das ist der zweite Effekt der hier so oft erwähnten Risikominimierung. Sie unterstützt in "schwachen" Momenten und schafft sichere Orte, an denen das Risiko eines Rückfalls wegen des räumlichen Abstandes zum Alkohol geringer ist, als z.B. in einer Stammkneipe.
    Ich schiebe meine bisher andauernde Abstinenz auf meine Risikominimierung. Zunächst war sie ein Mittel, um meinen Abstand zum Alkohol herzustellen, heute ist sie ganz normaler Alltag. Mir gefällt, dass meine Welt, soweit ich sie beeinflussen kann, alkoholfrei ist.
    Meine Achtsamkeit andauernd darauf zu richten, nur nicht zu trinken, empfinde ich als sehr anstrengend und bin mir sicher, dass ich das nicht lange durchhalten würde.
    Trocken werden und trocken leben darf Freude machen und muss kein Zwang sein. Es sind manchmal nur kleine, aber konsequente Veränderungen, die große Wirkung haben und den trockenen Alltag extrem erleichtern.
    Alles Gute dir!

    Viele Grüße,
    Penta