Beiträge von kaltblut

    Hallo Krüger,

    herzlich willkommen in der Angehörigenabteilung und danke für Deine Frage.

    Was ich sehe ist jemand, der das Hauptproblem noch nicht sieht, da bist Du hier gold richtig. Hier kannst Du Dich polieren üben, bis sich alles in Dir wieder ordnet. Wenn Du o. r. zu den Informationen gehst, findest Du einiges über das Verhalten von uns Co-Abhängigen. Was möchtest Du denn für Dich?

    LG Kaltblut

    Hallo Weitsicht,

    Du erstaunst mich immer wieder über Deine Entwicklungen und Schübe. Es tut mir gut das zu verfolgen.

    Kapitulation hatte ich einmal so für mich beschrieben:
    „wenn ich kämpfe bis zum Umfallen, werde ich verlieren, weil ich umfalle. Wenn ich siege, werde ich verlieren, weil alles erzwungen ist. Friede unter Zwang, erzwungen von einem umgefallenen Sieger? Da stimmt was nicht. Richtigen Frieden gibt es nur, wenn beide Seiten aufeinander zu gehen, ohne zu dominieren, wenn ich mich aufgebe und abgebe, alles, meinen Verstand, der mich fragt: das bisschen Sucht, du bist stärker, das schaffst du, meine Gefühle und Instinkte, die mir raten, was zum Überleben das Richtige ist, alles muss da weg, abgeben und leer.

    Diese unverständliche Kapitulation, kommt für mich nicht nur beim Alk und Co vor, genauso bei den Kippen und anderen Süchte, bei Krankheiten, in der Liebe, in meiner Beziehung, am Arbeitsplatz, gegenüber meiner Frau, gegenüber mir selbst. Das Schwierigste ist für mich, nicht daran zu arbeiten, nichts zu schaffen, nichts zu wollen, einfach zu kapitulieren, immer neu.“

    Dazu zähle ich heute auch nicht gegen meine Unvollkommenheit anzugehen. Ich wurde ausgebildet zu kämpfen, zu töten, in mehreren Waffengattungen, am Besten konnte ich die Waffe gegen mich richten, mein Hirn ist die größte Bombe. Kapitulation bedeutet für mich abgeben an eine höhere Macht, ohne zu verstehen, ohne darüber nachzudenken, ohne wenn und aber, ohne im Untergrund als Partisan weiter zu existieren.

    Mein Friede beginnt in mir und mit mir, ich bin mein schwierigster Verhandlungspartner. Mir vergeben was ich nicht getan habe ist ein Friedensangebot bei dem mir diplomatisch bleiben schwer fällt.

    Um meinen Frieden zu finden, um Krankheitserreger und Fehlprogrammierungen auszuschalten und Heilung zu finden, kann ich lernen anders, neu mit den Gedanken umzugehen, die in meinem Kopf nur zu gerne auf die falschen Knöpfe drücken. Unbekanntes, Ängste und Scham lähmen mich dabei genau hinzusehen. Es ist dann angenehmer den Schwanz einzuziehen, mit den Wölfen zu heulen, Rechtfertigungen und Gründe zu suchen, Dinge zu tun, die nicht weiter bringen, oft zum Gegenteil führen.

    Dieses Gegenteil nehmen wir oft noch dankend von unseren Eltern auf und reichen es stolz an unsere Kinder weiter.

    Du kennst doch bestimmt dieses Kirmesspiel, wo ein Kopf hoch kommt und dann haust Du drauf. So ist das mit den Süchten auch, da kommt immer was Neues, haust drauf, der Nächste bitte, das hört erst auf, wenn der Stecker gezogen wird. Meinen Stecker lasse ich mir noch lange nicht ziehen, ich muss nur dafür sorgen, dass da keiner mehr drauf kloppt (mich eingeschlossen).

    LG Kaltblut

    Hallo Nicki,

    ich kenne die Sucht und die Anfälle mal im vorbeigehen ein halbes Pfund irgendwas zu vernaschen oder in Streßmomenten Freßdruck zu bekommen.

    Zucker bildet auch endogene Opiate, die Schmerz und Unlust dämpfen und zur Gewöhnung bis zur Sucht führen. Ich hatte mehr Rückfälle nach dem Zeugs als nach meiner Frau, Alk oder Kippen. Raffinierte Kohlenhydrate, hergestellte Fabrikzucker sind bei übermäßigem Gebrauch reproduktionstoxisch bzw. fortpflanzungsgefährdend, die Stoffe sind gewöhnlich in bestimmten Branchen mit R- und S-Sätzen oder „mit Gefahrensymbol“ zu versehen, in der Süßwarenbranche leider nicht. Die Auswirkungen wurden erst nach 30 Jahren sichtbar, heute bereits in viel kürzeren Abständen.

    Es obliegt eigenverantwortlich dem Verbraucher, zu fressen bis er platzt, zu saufen und qualmen bis er umfällt. Das ist eben freie Selbstbestimmung. Wir sind halt alle nur Menschen und es hat einen Grund, warum nichts auf den Verpackungen steht, warum es bei den Kippen so lange gedauert hat, bis was passierte, bis wir uns kaputt gefressen haben.

    Es gab eine Zeit, da wurde Zucker wie ein Gewürz behandelt. Es gab eine Zeit, da habe ich täglich Unmengen an Süßwaren gefressen, nicht vernascht, gefressen.

    Saccharidose, ist ein Krankheitsbild, das die meisten uns bekannten Zivilisationskrankheiten erklärt. Kein Arzt hat mir bis vor paar Monaten etwas zu Zucker und Brot erzählt, nichts zu Fett und Eiweiß. Wahrscheinlich hätte ich das auch nicht hören wollen oder nicht verstanden. Da der Großteil der Bevölkerung in unserer Gesellschaft den Körper ausgiebig falsch ernährt, fehlen bestimmte Stoffe die z. B. zum Abbau des Zuckers benötigt werden. Die vorhandenen Mangelerscheinungen im Körper werden verstärkt und können nicht aufgelöst werden. Der Zucker holt sich die ohnehin schon mager vorhandenen Stoffe, so daß für den Rest des Körpers nichts übrig bleibt. Die Gefährlichkeit und das geniale des Suchmittels Zucker ist aber, daß irgendwann auch die Produktion der Mangelstoffe zurück geht, es gibt dann kein Heilmittel, nur einen natürlichen Reduktionsfaktor, die Natur richtet das.

    Wie ich damit umgehe? Das Suchtverhalten war nichts anderes als bei Alkohol, rauchen, fressen, fernsehen, arbeiten oder dem Gebraucht werden müssen. Da gab es also nur eins: die Ernährung mit all ihren Suchtauslösern umzustellen um ohne Suchtmittel den Kern der Auslösung zu suchen.

    LG Kaltblut

    Zitat von julchenazul


    WAS SOLL ICH MACHEN? WIESO WILL ER SICH NICHT HELFEN LASSEN? WIESO SIEHT ER NICHT, WIE KRANK ER SCHON IST? WARUM BIN ICH IHM NICHT SO WICHTIG, WIE SEIN ALKOHOL?

    Hallo julchenazul,

    herzlich willkommen hier im Forum und danke für Deinen Mut zu schreiben.

    Weil er es nicht sehen kann und andere Dinge wichtiger sind.

    Vielleicht genügt Dir diese Antwort ja nicht, deshalb frage ich Dich einfach mal zurück: was willst Du tun, damit Du gesund wirst und nicht weiter unter den Dir jetzt bekannten Umständen leidest?

    LG Kaltblut

    Hallo Rosita,

    danke für Deine Frage. Ich habe festgestellt, dass dieses masochistische Verhalten meine Rechtfertigung für meine Unentschlossenheit und Ängste war. Die Angst etwas falsch zu machen und meine Frau zu verlieren war größer als klar zu denken und Veränderungen herbeizuführen. Stattdessen wurden Verhaltensformen akzeptiert, übersehen und toleriert, die in einer gesunden Beziehung undenkbar sind. Ich wusste es nicht anders und musste das erst lernen, erfahren, verstehen und begreifen. Wenn Du jetzt wissen willst wie lange das gedauert hat, ewig. Wir hatten uns doch so prächtig ergänzt. Sie profitierte von mir, ich von ihr. Die erfüllten Sehnsüchte nannte ich Liebe und die zu verlieren war undenkbar. Immer wenn ich ausbrach hieß es wie bei Dir: brauchst du das? Natürlich nicht und beschämt war mein Aufstand erledigt.

    Welches Verhalten ich stattdessen gefunden habe? Seitdem ich mich selbst lieben gelernt habe, mir wertvoll bin, bei mir bin und mit gesundem Egoismus mein Selbstbewusstsein gepanzert habe, schließt sich dieses Verhalten aus. Wenn ich gut zu mir bin, kann ich mir schlecht einen verbraten, das ist gegen die Natur.

    LG Kaltblut

    Hallo Rosita,

    Zitat

    Du schreibst: „HEUTE will ich mich durchsetzen - nur - es ist so schmerzlich und schwer, dass ich nicht auf die Beine komme.
    Ich frage mich, woran liegt es???
    Die unerledigten Sachen sind geschäftlich, existenziell.
    Rosita


    Die Realität kann ganz schön lähmend bitter sein. Nachdem ich zum x-ten Male von vorne anfing, nannte mich hier jemand Masochist. Da war ich vielleicht sauer und platzte innerlich. Nach Wochen musste ich mir eingestehen, dass da was dran war und dass da ein Verhalten ausgeprägter war als bei anderen. Da war es nicht mehr so schlimm und wurde korrigiert. Die Angst in mich zu schauen und mein erkanntes Fehlverhalten auszuhalten war erdrückend, schlimmer als eine saufende Frau.

    Hier waren schon tolle Leute im Forum. Menschen die erst ihr Haus verkaufen wollten, den Wohnwagen, das Grundstück, andere ziehen erst die Kinder groß oder müssen erst ihren guten Ruf absichern. In der Realität geht irgendwann alles hops, da lohnt es sich eher was zu hoppeln, dann hat man mehr Zeit den Rest eher zu richten.

    In meinem Fall bin ich ausgezogen und musste mich bis auf einen Schlafzimmerschrank komplett neu einrichten. Später habe ich fast alles wieder aufgelöst, fast verschenkt und habe mir mit meiner Frau alles wieder schön gemacht, um einige Monate später wieder von vorne anzufangen. Meine Umzieherei war fast so schnell wie ich Unterhosen wechselte. Es geht mir noch sau gut, ne, besser als je zu vor. Die erheblichen materiellen, finanziellen und imaginären Verluste sind noch nicht komplett aber verkraftet.

    Jeder hat die Möglichkeit eine Beziehung zu erdulden oder in der Beziehung sein Ding zu machen. Ich hielt mich damals für unfällbar, eine alte deutsche Eiche war nichts gegen mich, bis ich mich auflöste. Alles ist möglich, wenn zwei Personen das von sich aus möchten und auch tun. Jede Beziehung kann weiter existieren, wenn zwei Menschen das wollen und tun. Die Unzulänglichkeit des Einzelnen schiebt da leider meist einen Riegel vor und alleine, naja, das erlebst Du ja selbst.

    LG Kaltblut

    Hallo Rosita,

    in der Vergangenheit hast Du schmerzhaft festgestellt, dass alles schlimmer wird, wenn Du nichts änderst. Dahin zurück ist eine leidvolle Option, die steht Dir immer offen.

    Zweifel ob das alles so richtig ist, ob es hilft, ob es Dich weiterbringt, die sind die Basis unserer Anhängigkeit und werden schamlos vom Partner und von uns selbst ausgenutzt, damit alles bleibt wie es war, damit wir ein Alibi haben uns aus dem Druck zu entlassen.

    Welche Arbeiten stapeln sich denn die Dich betreffen?

    LG Kaltblut

    Zitat von Koko

    ....deswegen weiss ich nicht, ob ich mich gross hier melden sollte oder lieber beschaemt die Klappe halten...

    Liebe Koko,

    schön dass es Dich gibt. Jetzt erst recht.

    LG Kaltblut

    Hallo Thea,

    danke für Deine Frage.

    Zu meiner ersten Frau und ihren Mann habe ich einen guten Kontakt, dennoch käme ich nicht auf die Idee sie der Kinder wegen einzuladen.

    Genausowenig käme es mir in den Sinn bei den Beiden aufzuschlagen.

    Von meiner zweiten Frau halte ich mich fern und einen gemeinsamen Umgang kann ich mir bis heute nicht vorstellen.

    Wenn es um meine Kinder geht, ist es eine ganz andere Situation. Da fühle ich mich angesprochen, die lade ich ein oder wir machen etwas zusammen, zu allem anderen habe ich keine Bindung mehr.

    LG Kaltblut

    Hallo Roselinchen,

    Coabhängig ist ein Schlagwort, ein Modewort, ein Etwas für vieles, ein Alibi für meine Unfähigkeit mit mir gut zu leben.

    Für die Unfähigkeit an sich ist es bedeutungslos, ob das coabhängig, cooperativ oder einfach süchtig nach Befriedung eines Mangels heißt.

    Nachweislich ist Alkoholismus eine Familienkrankheit. Da finde ich die hellseherischen Fähigkeiten Deiner Familie beachtlich. Meine Leute hatten auch mehrfach solche Fähigkeiten, sind sie doch durchweg stabile Alkoholiker und fest angagierte Coabhängige.

    LG Kaltblut

    Hi Rosinelchen,

    was denkst Du denn passiert, wenn alles weg ist was Jahre, Jahrzehnte Deine täglichen Abläufe, Deine Gedanken und Dein Handeln bestimmt haben und alles anders ist?

    Da können schon mal paar Sicherungen durchbrennen und da die Ursachen oft nicht beiseitig behandelt werden, gehen die Beziehungen auseinander und die Partner werden ausgetauscht. Oft 1:1, um die alten unbekannten Sehnsüchte weiter zu befreidigen.

    LG Kaltblut

    Hallo Sinnesrausch,

    wieso dirigiert der Alkohol? Wenn Du genauer hinsiehst, hat der Alkohol viele Gesichter und ist der Einzige der unabhängig austauschbar ist. Alles Austauschbare verschafft Dir Deinen Sinnesrausch.

    Wenn Du zum öfters passiert all das Austauschbare hinzurechnest, stellst Du fest, übrig bleibst wie caro schon schreibt nur Du.

    LG Kaltblut

    Zitat von Chanell

    Und ich finde das hat jetzt gar nichts mit der ganzen suchtproblematik zu tun. da gibt es glaub ich ganz viele andere frauen die darum kämpfen müssen. Und das ist aus männersicht wohl auch eher Charaktersache.. wie ich finde...
    ……er weiss irgendwie immer wie ers anstellen muss um zu seinem recht zu kommen, und genau das kann ich überhaupt nicht... deswegen muss ich auch mal lernen hart zu werden...
    Mann ist das alles kompliziert!!

    Hallo Chanell,

    das es sich nicht um Sucht handelte sondern um Beziehungsdinge, die scheinbar nicht hierhin gehörten, das habe ich auch einmal gedacht. Das Saufen war ja nur eine Auswirkung von etwas, was ich nicht verstand, der Alkohol war nur ein Mittel zum Zweck, es hätte auch irgendwas anderes sein können. Es ging nur um Beziehung, nur um meine Beziehung zu mir und wie ich mit mir umging und umgehen lies.

    Was ich damals für hart werden hielt ist heute ein weicher Umgang mit den fremden Dingen die mir lieb geworden sind.

    LG Kaltblut

    Hallo blume,

    herzlich willkommen in diesem Forum.

    Ein Ultimatum ist eine gute Sache, wenn Du auch dazu bereit bist und die Kraft hast dazu zu stehen.

    Oben rexhts findest Du das Eingemachte, unter zu den Informationen. Kennst Du die Grundbausteinen?

    Ich wünsche Dir hier noch viel Information und einen guten Austausch.

    LG Kaltblut

    Hallo Ihr Lieben, hallo Mieken,

    im Urzustand, als ich schlüpfte und einige Zeit danach, da wusste ich nichts von Sucht, von sehnen, von Sehnsucht, Abhängigkeit, Krankheit. Das entwickelte sich 47 Jahre, wissen tat ich davon immer noch nichts, nicht wirklich, das dauerte nochmals 3 Jahre und geht immer weiter.

    Ich kann lernen dem was in mir nicht OK ist den Saft abzudrehen, zumindest wenn ich wach und bei Verstand bin, bei meinen unbedeutenden 4-6% Bewußtsein. Der Teil meines gefährdeten Verstandes gehört wieder zurück ins Unterbewusstsein, angeschlossen an das was die Natur mir ursprünglich mitgegeben hat. Die Natur richtet das schon, wenn ich zeitig abgebe, das versuche ich weiter. Der ungute Umgang mit Dingen mit denen ich es mir jahrelang besorgt habe gehört da weg, der gehört raus aus meinem Bewusstsein, abgegeben an meine Dummheit. Wenn das „weg da“ unbewusst wird, ist doch alles OK, das wird schon. Zurück in die Dummheit, also ins Vergessen. Vergessen und Vertrauen auf meine Instinkte ist mir lebenswichtig. Die Vollendung meines Lebens ist das Vergessen.

    Das betrifft vielleicht nicht nur alkoholkranke Menschen, ein paar eingefleischte Kinderchen und hartnäckige Cochen können sich vielleicht und eventuell auch mal mit an die Nase fassen.

    LG und schönes Wochenende Kaltblut