Hallo Ihr Lieben,
Monatsende, was für ein Anfang. Ich wollte schon lange meine kleine schwarze Freundin in Köln besuchen, mit der bin ich schon mal ziemlich intim, die steht in der Kupfergasse und hat mich gelegentlich wachgerüttelt, die Messen dort werden oft in lateinisch gehalten, ich verstehe zwar nichts, aber das habe ich ja hier gelernt: ich muß nicht alles verstehen, es ist einfach schön dabei zu sein, gehe ich halt abends.
Was für ein Monat. Menschen kamen, andere gingen und bis in die letzte Minute finde ich bewegende Zeile, Worte, Eindrücke. Ein lieber Mensch schrieb, er sitze oft Stunden an einer Seite und ich dachte schon, andere hätten das professionelle Schreibprogramm, da würden die formatierten Zeilen einfach so auf den Monitor gesprochen, gedankenkorrigiert durch das Programm laufen und fertig. Ich bin dankbar diese Zeilen gefunden zu haben, denn ich habe oft an mir gezweifelt, ich bin nicht alleine.
Aber ich habe auch andere Dinge diesen Monat gefunden, Menschen die sich für durchgeknallt halten, paranoid, so wie jeden Samstag Millionen Lottospieler die von 6 Richtigen träumen, normal sind, ich habe gelernt, daß Mozzarella von Büffeln kommt, aber Büffel keine Ochsen sind und das die schönste Veränderung die Veränderung ist. Manchmal entdecke ich Besucher, Menschen die ich hier schon traf und lesen durfte und dann freue ich mich, einfach so.
In der Sonne des gestrigen Tages bekam ich eine sehr guttuende Massage, nichts für Phobisten. Ich habe das mal über mich ergehen lassen, ich brauchte das. Da wurden Stellen berührt, also ich würde mal sagen, die kaum jemand vorher berührt und wen sicher nicht so zart, so merkwürdig, mit dem ganzen Körper schon mal gar nicht. Das kleine buschige Haarige hat was zu tun gehabt, ich weiß ja nicht ob die mich einspinnen wollte, aber so eine 2 cm große behaarte Spinne, wollte auch mal was Spaß haben, ganz schön flinkes Ding.
Gestern traf ich beim Lauf eine Frau mit rundlichem Schutzhund. Sie meinte ob ich denn keine Angst vor den Wildschweinen hätte, ich habe die beide angesehen und gedacht, so schlimm seid ihr doch gar nicht und ich war auch mal selbst eins. Heute lief ich wieder und dachte, interessant, dann sind also die aufgewühlten Grasstellen von Wildschweinen und nicht von nachts umherdüsenden Irren mit ihren Crossbikes. Heute traf ich sie wieder, grüßte und sagte: alles klar, ich kaufe mit einen neuen Kühlschrank, fürs Wildbrett, meint sie: die sind jetzt am Flußbett, da drüben, ja klar, ich dachte das wären Hunde gewesen, hm, nur wer will die Zwei eigentlich vor Wildschweinen schützen? Ich war also hochmotiviert, die Crevetten vom Vorvortag haben sich zu reinen Spermiziten zersetzt und drücken noch auf mein Hirn, die Ladung frischer Reibekuchen mit Apfelkompott meiner Ex von Gestern, trage ich noch als Aufgewicht und in Form eines unverdaulichen Ölklumpens mit mir rum, hallo wilde Schweine, ich komme.
Dann habe ich zu unserer Burg aufgesehen und gedacht: daß ist heute nichts, versuch doch mal einen Brückenlauf. In Köln zwischen Severins- und Zoobrücke oder den Bonner Brücken, aber so durch den Wald, um den See, durch die Stadt, an die Sieg und wieder zurück, also ich war über 2 Stunden unterwegs, meine Beine waren voll verlaufen. Ich sehe immer noch was lustig aus, in meinen Bermudas, dem T-Shirt, daß seine besten Zeiten hinter sich hat. Ne kesse Biene kam wie das immer so ist vorbeigeflogen, noch ehe die Crevetten lustig im Öl plantschten, war sie auch schon weg. Gleich darauf kamen Schritte hinter mir und die gefüllte Eitelkeit dachte: boh, jetzt kommt se nochmals zurück und will sich von hinten präsentieren. Klar, ne, ein Kerl, so ein maskuliner Körnerhungerhacken, jedes feine Müskelchen sauber abgebildet, weit über 70, mit einem Schritt, daß ich nur dachte, werde schnell über 70, was für ein Mann. Paar Fahrradfahrer grüßten mich so freundlich, daß ich mich mal umsah ob ich die kenne, denn gewöhnlich grüße ich einfach so und die Meisten gucken nur dumm, frisch aus ihren grämigen Gedanken erwacht.
Der Monat ist noch nicht zu Ende, aber ich schon, ziemlich. Einige Leute haben mich auch komisch angesehen, ich dachte, was wißt ihr, was ich für eine Strecke hinter mir habe, was ich alles erfahren und gesehen habe, Wildschweine verschiedenster Rassen, Herrn Kranich, Frau Mäusebussard, Enten, Taucher und die Schwandelegation, drei weiße Schönheiten die in Formation den See durchqueren und ebenso in Formation von drei graubraunen Damen begleitet zu werden, irgendwo tummelt sich ein Otterpaar und ich habe meinen Brückenlauf gemacht, vier Flußüberquerungen, ich müßte die Strecke mal abfahren, aber ich hab die Strecke nicht laufend geschafft. Bis zur Autobahnauffahrt sind so 5km und zurück und noch eine Ausfahrt weiter war ich und um den See rum, wo mir das morgendliche, die Laufschuhe durchnässende Wasser erfrischend vorkam, durch die Stadt, hier und da rum, einfach eine schöne Strecke und dann kam sie, die Frage aller Fragen, der Kampfansage, dem Alk, dem Co, dem Leben, dem Willen. Komm weiter du schaffst es, nur noch 2, 3 Kilometer, wat jetzt, dat Therese hät jesat, nur die Liebe zählt, widerstandsloses geliebtes Leben, da habe ich das mal ausprobiert, Kampf und Wille mit der Liebe zu assimilieren.
Ich war ziemlich kaputt, fertig, ausgelaugt, hatte Mangelerscheinungen, ich erinnere mich nicht jemals eine solche Strecke in Bewegung, zwanglos, mit Freude, bewältigt zu haben.
Ach ja, ich habe mich in Liebe meinen Körper hingegeben und ihn machen lassen, einfach so, ohne Wollen, er lief wie eine Maschine einfach weiter, ich habe erstaunt auf meine Beine gesehen, wurde langsamer und ging stramm nach Hause, um erschöpft aber glücklich ein Plätzchen zum Frühstücken einzunehmen.
Die kleine Theresia Martin hat da was gemacht, was Veränderungen mit sich bringt, immer mehr, ich habe sie noch nicht ganz begriffen, dieses junge Ding, ich lasse sie mal machen, denn es liegt alles in der unendlichen Einfachheit, der wir mit komplizierten Gedanken gegenübertreten.
LG kaltblut
@ Ingrid, wenn Du heute empfänglich bist, für das was ich einmal geschrieben habe, dann wartet Veränderung auf Dich, denn an und für sich ist Gott die Liebe. Schön, daß Du Dich auf den Weg machst.
@ Ette, gewöhnlich scheue ich die direkte Sonne, meine Haut verträgt das nicht so gut, gestern habe ich es mir erstmals gegönnt, heute bin ich rot, aber ich lege mich noch was bräsig auf den Stuhl.