Hallo Ihr Lieben,
früher, da habe ich von meinem Vater oder meinem älteren Bruder eine geklatscht bekommen und die meinten dann noch blöde: später bist du mal dankbar. Das war ich mit 13 Jahren auch, da hätte ich Vater beinahe eine verpaßt und er zog den Schwanz ein. Eine geklatscht bekommen ist nicht übel. Intelligente, intellektuelle Menschen können gewaltiges Denken, wenn sie es zulassen, ansonsten brauchen auch sie eine elektrische Dauerklatsche. Nadelstiche wären etwas einfacher, da kann man immer mal so eine kleine Taschenreisenähmaschine auspacken und Stoff geben.
Als ich mich erstmals traute zu schreiben, da wollte was aus mir raus, es mußte viel gesagt werden, da gehörten auch Streicheleinheiten und Knuddels dazu, zumal ich ebenso sehr empfänglich dafür war, klar und bin. Geholfen haben die mir nicht, aber sie taten gut. Geholfen hat mir das Lesen und Schreiben hier, die Kommentare, mein Therapeut, meine realen SHG und viele Menschen, die meisten unbewußt, klar auch meine Frau, sie am Meisten, nicht ich ihr, sie mir, dafür bin ich sehr dankbar.
Hätte mir damals, vor 2 Jahren jemand gesagt zack zack zack, mach mal die Augen auf, ich hatte sie doch weit auf, aber verstanden hätte ich wenig, ich war nicht bereit dazu, unfähig. Ich wäre vielleicht befreit und clean geworden, aber meine Denke wäre Naß geblieben. Manchmal muß man seine Hand reichen, blind denen folgen, die in jahrelanger Selbsterfahrung noch leben, einen trockenen, glücklichen und zufriedenen Weg gehen. Da muß ja wohl was dran sein.
Die Krankheit drückt mich aus, wenn sie weg ist, stimmt es ja noch nicht wieder in mir und wenn doch, wie schnell fängt alles wieder von vorne an, deshalb gehen erfahrene Menschen auch nach 30 Jahren noch in Gruppen, nicht für Kaffeeklatsch, nicht zum Diskutieren, sondern um sich immer wieder neu zu erfragen und zu erfahren. Ich habe hier oft Dinge geschrieben, die scheinbar nichts mit den Krankheiten zu tun haben, für mich schon, denn es waren ganz kleine Dinge, die viel bewirkten, die mich da hin führten, daß ich ganz neue Sachen verstehe, zumindest etwas, ich habe ja noch viel Zeit.
Wenn Menschen verbittert sind, krank, verständnislos oder Angst haben, vor unbekannten Veränderungen, dann kann ich das verstehen, auch Nadelstiche bis zum Betonpfeiler-Klatschenmarathon. Mein Verständnis hilft aber nicht, es festigt vielleicht meine Gedanken, für mich, aber helfen kann der andere sich nur selbst und wenn es lange dauert, bis er sich versteht. Ich habe meine momentanen Wahrheiten, die verändern sich, je mehr ich erfahre.
Vielleicht zum besseren Verständnis: wenn ich mit jemandem kommuniziere, dann nicht um ihm zu helfen, sondern es hilf mir, bringt mich ganz alleine weiter. Meine Anwesenheitsintensivität drückt meinen Nachholbedarf aus. Meine Frau hat mir einmal vor so 1 ½ Jahren vorgeworfen, ich wäre hier um mich zu profilieren, was bin ich an die Decke gegangen, ich und profilieren, hallo, ich wollte doch nur helfen. Ich habe nicht verstanden, daß die Hilfe mir galt und anderen durch mich nicht geholfen werden kann. Ich helfe mir, wenn ich anderen meine Sicht schreibe, wenn ich andere lese und andere helfen sich selbst.
Ich habe auch einmal zu hören bekommen, daß ich hier endlich fort soll, weil hier nur Beziehungsunfähige sind. Stimmt, ich bin mit meiner Frau das beste Beispiel. Andererseits, stehe ich heute in einer direkten und engen, tiefen Beziehung zu mir, vor 2 Jahren nicht und so geht es wohl allen, die an sich arbeiten, die lernen mit sich umzugehen, wie die Entwicklungen derer zeigen, die hier neu sind und sich suchen, die auf dem Weg sind und die sich gefunden haben. Bei mir hat das was länger gedauert, bei anderen dauert es nicht so lange, bei anderen geht das sofort, bei wieder anderen dauert es unendlich.
In unserer realen Gruppe holen wir alle Neuankömmlinge möglichst behutsam ab. Sie platzen vor Neugier und Tatendrang, wie sollen sie verstehen, wenn so ein Berg an Infos auf einmal vor ihnen liegt? Ich konnte das nicht, gut ich bin nicht so intelligent, aber das hat auch weniger damit zu tun, denn alles steht hier und braucht viel Zeit. Noch verwirrter war ich, wenn die Leute verständnisvoll lächelten, die verwirrten mich mit ihrer Zufriedenheit, denn wie konnten die strahlen wenn sie doch krank waren? Die freuten sich über Krankheiten, da hörte es doch auf.
In Anbetracht kritischer Bemerkungen zum Helfersyndrom und Internetsucht, habe ich mir einfach mal die Frage gestellt, ob ich hier sein muß.
Ja, oft, aber wenn ich fort bin, bin ich weg und dann juckt mich das Forum nicht.
Ich verbringe hier viel Zeit, manchmal viel zu viel, es ist ein virtueller Ort der Erholung geworden.
In meine reale Gruppe gehe ich auch gerne, ich freue mich zwischenzeitlich darauf, das ist dann ein Ort der Ruhe, aber wenn ich nicht kann, dann kann ich nicht.
Früher hatte ich eine goldene Regel: wer doppelt so viel arbeitet kann doppelt so viel leisten. Ich habe dann von 6h bis 22h gearbeitet, 2x die Woche rund um die Uhr, mein Rekord waren glaube ich 4 durch gearbeitete Tage, eingeschlafen bin ich nur noch vor dem TV weil ich nicht mehr abschalten konnte. Dafür habe ich heute ein Tiefschlafproblem, das Gold ist abgeblättert rostig geworden.
Seit ich hier bin, lese ich viel, andere lesen mehr Bücher.
Seit ich hier bin, schreibe ich mehr, andere sehen mehr fern.
Seit ich hier bin, denke ich anders, andere lassen den Fernseher denken.
Seit ich hier bin ich geordneter, ruhiger, zufriedener, gelassener, andere verlagern ihre Sucht.
Seit ich hier bin, verändert sich etwas, früher konnte ich nicht betrachten sondern mußte ich etwas tun, reagieren, rechtfertigen, vor allem habe ich viele Dinge sehr persönlich genommen, ich vergaß dabei, daß es die Gedanken der anderen waren, nicht meine, ich machte sie zu meinen.
Ja ich bin gerne hier, nicht permanent, denn ich arbeite dazwischen und wenn ich viel arbeite, habe ich keine Zeit, auch wenn ich Online bin.
Ja, ich hatte auch ein Helfersyndrom, ich hätte mir das nie eingestanden und habe das hier bemerkt. Die „Krankheiten“ meiner Frau waren auch meine, da mußte ich doch etwas tun. Aber meine Gedanken hier, die sind freiwillig, die machen spaß, die bringen mir etwas, mir und eventuell kann der eine und andere auch etwas damit anfangen, zumal sich vieles ja nicht nur auf die Top Priorität bezieht, Co+Alk, sondern fast beliebig auf viele Alltagssituationen übertragbar ist. Ja, unser kleines Krankengrüppchen hier, besteht in Wahrheit aus zig Krankheiten, ein Leben lang.
Ich muß nicht schreiben, ich muß mich vor allem nicht auseinandersetzen, aber ich kann betrachten, ansehen und dann entscheiden was ich mache. Ich kann jeden Fisch auf den Grill klatschen, aber vielleicht auch mal kochen, dünsten, in die Pfanne, in den Ofen, es gibt so viele Gaumenschmaus Zubereitungsarten.
Ich habe oft hier gesessen in den vergangenen 2 Jahren und gedacht, es ist genug, fort weg, mich halb verabschiedet. Das Forum hat mich nicht krank gemacht, es hilft zu gesunden, Selbsthilfe ist das. Ich kann jeden verstehen, der sagt: bis hier und Ende, wenn er nicht vergißt, daß es ein Ende nach dem Ende gibt. Es ist keine Schande eine Auszeit zu nehmen und neu zu starten, ich werde noch oft neu anfangen, denn in mein Hirn verändert sich etwas, auch in falsche Richtungen, aber es ist was unverständlich, wenn diese gewaltige Informationsplattform nicht genutzt wird und nicht alles aufgesaugt wird, was mir hilft.
Es mag unverständlich klingen, aber dankbar dem Menschen zu sein, der mir den Umgang mit mir selbst ermöglichte ist eine Grundvoraussetzung für ein gesundes Leben, auch wenn ich verbittert, traurig, ängstlich, wütend, enttäuscht, hilflos und betrogen bin, wenn ich mich mit tiefen Wunden der Verletzung umherschleppe, wenn meine kleine Seele mehr blutet als mein Herz, denn ohne Kübel voller Rotze wären die Steine nie in Bewegung geraten, meine steinharten Brocken.
Was ist die Zeit die ich hier verbringe? Ich stehe doch erst ganz am Anfang einer weitern Reise, ich habe doch noch nicht einmal mein ganzes Kartenmaterial gesichtet, für das Leben gibt es kein GPS, nur uns.
LG kaltblut
NS: manchmal bedarf es vieler Zeilen, meist nur weniger Worte. Mein kürzestes ist ein "Ja", ja zum Leben.