Hallo Maria,
da ich ja nun fifty fifty bin, schreibe ich trotzdem mal, denn halb gibt es ja nicht. Was für einen Rückfall sprichst Du denn an? Einen Bewussten oder einen Unbewussten?
A/Februar von sieben Jahren vertraute ich auf einer Abschlussfeier nach stundenlanger Gegenwehr den unterstützenden Aussagen von "besten" Freunden (die wussten das eben nicht besser), dass ich kein Alkoholiker sei und solle mir das beweisen indem ich trinke und dann feststellen würde, dass nichts passiert. Ich habe den Freunden also irgendwann bewusst vertraut. Ich war der Auslöser > fehlleiten lassen, Umfeld nicht geändert, abgestürzt, ja, ich war bewusst schuld, das hätte ich vermeiden können. Glaube, Hoffnung, Fehldeutung, Vertrauen, abgeben an andere, kann zu einem Rückfall führen.
Kapitulation, Vertrauen, Abgeben an eine höhere Macht, was immer das ist, Glaube, Hoffnung, so bin ich aus dem Durcheinander raus gekommen, trocken geworden, klar geworden, getrennt, geschieden, gesund geworden. Wie Du liest, fast genau mit dem, was mich in den Rückfall führte.
Ich bin jetzt über 7 Jahre trocken und behaupte nach wie vor aus voller Überzeugung „nie mehr“. Jetzt hier und heute kann ich das behaupten, sagen, denken, leben. Was macht das für einen Unterschied, mir dauernd ins Hirn zu langen und mir mit Eventualitäten den Tag zu versauen, davon werde ich depressiv, bissig und böse, also krank. Bissig, böse und krank sein wollen wir doch nicht wirklich.
Natürlich trinke ich Alkohol, wenn ich in der Wüste bin, verdurste und nichts anderes mein Überleben sichern kann, ich greife dann nach allem. Jetzt, hier und heute, reduziert auf den kleinsten Nenner meiner 24 trockenen Stunden, kommt mir kein Gift in den Körper, nicht so lange ich irgend einen bewussten Einfluss darauf habe.
Einen unbewussten Rückfall habe ich noch nicht erlebt. Ich bin aber unbewusst, recht einfach, ohne viel dafür zu tun zu tun trocken geworden, durch Kapitulation und Abgabe an eine höhere Macht, ohne jetzt genau zu erklären was das für mich ist.
Nun ist das, was mir bewusst in meinem Hirn präsentiert wird, also meine greifbaren Gedanken, also dass, womit ich mir einbilde auf ewig trocken zu bleiben nur der kleinste Teil dessen, was da oben produziert und abgewickelt wird. Der größte Teil geht ja für die Steuerung meines Organismus drauf, also all das, was durch das Unterbewusstsein gesteuert wird. Ich schaue auf den Monitor, schreibe, denke, mache und das alles ist unbedeutender Kleinkram für mein Hirn, das hat viel wichtigere Aufgaben. Das steuert z. B. die Produktion meiner Nachfahrenherstellung, für die Matthias schon mal Tütchen verteilt, die Bereitstellung von Magensäften oder wann was wieder aus meinem Körper abgeführt werden soll, sagt wie viele Millionen Zellen gefüttert und repariert werden sollen, wann Organe abgestellt werden müssen und und und. Es ist einfach so, dass ich darauf keinen Einfluss habe. Das macht eine höhere Macht, das macht mein Organismus, das macht sonst was und wenn da irgendwas Unbewusstes sagt: sauf, dann saufe ich, egal wie viele Grundsteine ich mit mir rumschleppe, egal wie viele Schritte ich erklettert habe und egal, was ich davon halte.
Nur jetzt ist das nicht so weit, jetzt kann ich alles Erdenkbare dafür tun anders zu handeln, Prävention zu betreiben, dafür sorgen, dass aus 60Minuten, 24h, ein Jahr oder Jahrzehnte werden. Die paar Prozent meines Bewusstseins können das.
Praktisch lässt sich das ganz einfach mit dem hin- und her in einer Beziehung vergleichen. Wenn Du verhütest, beugst Du einer ungewollten Schwangerschaft vor, Tütchen von Matthias drüber, alles ist gut. Geht was daneben, an einem fruchtbaren Tag, dann könnte neun Monate später was ungewolltes Kleines draus werden, dumm gelaufen. Einfluss hast Du auf Kerle, Timing, Tütchen, Abtreibung, Erziehung, aber „Null“ auf das was in Deinem Körper passiert. Welches clevere Kerlchen in Dein Ei schlüpft kannst Du Dir weder erträumen, noch meditieren, noch sonst wie beeinflussen, das passiert einfach, egal wie doof, intelligent, reich oder arm Du bist. Wenn Du in anderen Kulturkreisen unterwegs wärst, z. B. in Indien, könnte es Dir passieren, dass Du keinen Einfluss auf die Kerle hast, zudem erschlagen oder aufgehängt wirst. Prävention geht also ziemlich weit, im Kloster zu landen wäre u. U. auch eine Lösung. Es ist nichts Schlimmes genau dort einen Mönch zu treffen, solange ich wollen kann. Manchmal kommt mir das was ich lese vor als wäre ich in einem Kloster, nur das Leben, das ist da draußen.
Da draußen gibt es dieses „nicht mehr wollen können“, ein Teil der Krankheit. Der Organismus ist so nicht lebensfähig, einfach krank, also wird die höhere Macht, was auch immer das für uns ist, alles daran setzen zu reparieren was zu reparieren ist oder Ärzte und wenn nicht, dann gehen eben die Lichter aus.
LG Karl