Hallo Ihr Lieben,
das war ein bewegendes Wochenende ohne Gelassenheitsverluste, abermeine Frau hat mich gleich mehrfach heftig in Wallung gebracht:
Ich brauche das Auto, du hast dein Motorrad, besuchst damit die Kunden, was brauchst du denn noch ein rum stehendes Auto? Fahr mit dem Zug, das ist entspannender und billiger. Gefühlsneutral betrachtet, gibt es hier in der Familie mehrere Autos und Motorräder, Taxi, Züge und Vermietungen. Wie recht sie hat, wenn ich das neutral betrachte, ohne Wohnung, ohne Küche, ohne Tütenschlepperei, ohne tatsächlichen Bedarf. Prestige, alles meins? Weg damit, saudumm nicht mit der Bahn zu fahren. Bin ich jetzt Co, ich glaube ich war nur dumm, weil die Fahrerei nicht ökonomisch ist.
Dann hat sie da noch einige tolle Haushaltsarbeiten, wo ich mich erst einmal hineinfinden mußte:
Fensterputzen, schleppen, hier was und da was, Fliegengitter anbringen, Balkon aufrüsten, das kann nerven, einen vollen Plan vorgesetzt zu bekommen. Oder Spaß machen, richtigen Spaß.
Nehmen wir mal das Fensterputzen, ich kenne was davon, war ja schließlich Singlemann mit eigenen Fenstern und habe 1x geputzt oder in der Firma, auch schon mal, gut da mache ich das mit dem Hochdruckreiniger. „Mann“ geht da strategisch ran, klar strukturiert, generalstabsmäßig, so heißt ja auch das Putzmittel. Bescheuert, als wenn der Traum einer Frau ein putzender General wäre oder ein glatzköpfiger Mukimann, wo alle nur auf Waschbrettbauch stehen, Werbung, finde ich echt doof.
Leiter, die Große in der richtigen Höhe, Hacken dran, damit der Eimer nicht runter fällt, Abzieher, sie sucht, findet was, alles klar, Vorreiniger, nachspülen mit Fensterputz, streifenfrei mit Zeitung, haben wir nicht, dann eben mit Küchentüchern. Als Vorputzmittel nehme ich nur das Orangenkonzentrat, bin ja Öko, kenne mich aus. Altbaufenster, das sind 4 große, 4 kleine, 2 pro Zimmer, 2 Zimmer habe ich geschafft, in 4 Stunden, streifenfrei, spitzenmäßig, ich bin stolz.
Gut, meine Frau fand die Leistung gut, ich weniger. Sie bemängelte etwas meine Struktur, denn schließlich würden Frauen in der Regel die Fenster streifenfrei putzen, schnell und gründlich, ohne so ein Gezubbels. Mir hat es Spaß gemacht, die Verwirklichung beim Fensterputz. „Mann“ kann Sauberkeit fühlen, wenn ich über die Scheibe fahre, dann ist sie ungesehen streifenfrei, wenn das Papier wie geschmiert, ohne Geräusche und Widerstand gleitet. Eigentlich wie im Leben. Kleinigkeiten sind zu verbessern, z. B. der Abstreifer, der sollte schon für Glas sein, nicht für Badfliesen. Orangensäure, ist schon was Kräftigeres, zieht Fette so ab, auch aus der Haut, rote Hände sehen doof aus, Aufgeplatzte noch doofer, Creme und Handschuhe, muß ich dran denken und Küchenrollen, die gehen weg, Wahnsinn, muß ich bedenken, auch nicht mit nassen Putzhänden ins Gesicht zu gehen, das gibt dann ein überschminkfähiges Gesicht, sieht lustig aus, fühlt man sich aber nicht. Auch sollte da ein Winterfenster raus, ich dachte immer welche, nur, eben, nur eins, zuhören hilft, manchmal muß „Mann“ einfach nur machen und nicht soviel denken. Bin ich Co., wenn ich nur mal den Hintern an der richtigen Stelle hochbekommen soll?
Die Krönung war aber die Kränkung meines Egos, jahrelanges Baumarktstudium dahin:
Du bist ja auch kein Handwerker, lasse das andere machen. Da hat sie mich aber getroffen. Ich, bin DIYMan, muß mir so was von einer Frau anhören, die einen Kreuz- nicht von einem Schlitzschraubenzieher unterscheiden kann. Ich mache vieles selbst. Die hat doch keine Ahnung wie das Handwerken spaß machen kann. Mein Vater war Hans Dampf in allen Gassen, der konnte alles, nicht so gut, manchmal sah das besch.. aus, eher oft, wie geflickt, aber es funktionierte, das zählte, gut, nicht fürs Auge. Bei mir funktioniert auch alles, ich bekomme alles hin, aber es kostet Kraft die an anderer Stelle effektiver eingesetzt ist, z. B. im Sonnen, im Denken oder im Lesen.
Ich bin Spezialist im Lenkkopflager wechseln, aber jeder Wechsel kostet mich mindesten 1 Tag Fahrspaß, manchmal paar Kratzer. Das ist es nicht wert. Ich erinnere mich, daß ich Weihnachten immer alle Rechner getuned habe, was für eine Zeitvergeudung. Es ist schon gut sich damit auszukennen, aber es gibt Dinge, von denen soll man die Finger lassen. Das ist nicht mein Job, Finger weg üben.
Mein Jüngster meinte neulich sein Motorrad läuft nur 120km schnell, da stimmt was nicht, das ging hin und her, da hat er alles eingepackt und das Teil zum Händler gebracht, der solle da mal nachsehen. Das Teil stammte von einem Händler, hatte einen technischen Fehler eingebaut, kann passieren, den hätten wir nie gefunden. Der Profi macht den Vergaser auf, bekommt einen Lachanfall und meint wer denn das verbaut hat. Das Bike fährt seitdem richtig mit Dampf, tolles Teil und „wir“ sind happy.
Ja, meine Frau hat Recht, es gibt Dinge, da kennen sich andere besser aus und wenn sich die Möglichkeit ergibt, dann sollten andere ran und es besser machen.
Mit ihrem Job ist das ja auch so einen Sache, das hört sich jetzt total Paradox an. Ich könnte Druck machen, such dir nen Job sagen. Mich mit ihr zanken, streiten, auseinandersetzen, sie drücken und puschen, ausziehen, scheiden, wir haben ja fast alles durch, das wäre Runde 2., jetzt trocken. Lassen wir das mal. Ich könnte mich in ihren Krankheiten verlieren bis zum Nimmerleinstag, ich könnte mir jede Menge Gedanken über die arme, kranke Frau machen, mich in einen Hyper-Co-Irgendwas-Zustand versetzen. Nicht mein Ding und bleibe bei mir. Ich bin gerade ziemlich gut drauf und möchte den Zustand noch etwas ausbauen und begreifen, noch so bis zum Endtag. Ich kann nicht für sie sprechen, was immer sie empfindet ist ihre Sache, nur für mich. Es ist absoluter Schwachsinn, die Gefühle meiner Frau in mir zu spüren, meine Einbildung, ich kann nix von ihr spüren, aber ich spüre, wenn unsere Beziehung harmoniert, wie sie immer weniger an die Decke geht, wenn ich immer mehr gelassen bin. Wenn ich meine Frau beschreiben sollte, dann würde ich in der Hirnkiste kramen, die Dreidimensionale heraussuchen und eine Hälfte abschneiden, sie wird immer mehr eins, ich irgendwie auch.
Ich habe zu viel geschrieben, es ist meine Art mich zu betrachten, zu hinterfragen, zu verstehen, zu ergründen, auch wo es nichts gibt. Ergründen ist rechtfertigen, ich müßte weiter reduzieren, dann verstehe ich mich nicht mehr, wäre mein unverständlicher Kurzweiler, würde mit Unverstand verrückt werden, ich würde mich verrücken, muß ich immer weiter, verrücken, aber langsam und gelassen.
Ayki schrieb mal: das sehe ich nicht so, boh das war kurz, jemand schrie, „so nicht“, das war kurz,
der kürzeste Widerspruch an sich, der bewegte was in mir. Ich bin beim letzten Kapitel angekommen und kann jetzt in aller Ruhe neu beginnen. Angekommen bei „Nix“, ich will nicht mehr zurück. Henri erklärte mir mal was von Reduktionsfaktor, damit wären wir wieder im Thema, kernreduziert, das ist wie ein Leben lang atomare Explosionen herbeizuführen, um plötzlich innezuhalten, die Richtung zu ändern und zu implodieren, sich auf den Kern, den Samen, woraus das Leben entsteht, zu reduzieren.
Reduziert betrachtet, muß ich von hinten anfangen, das Leben von hinten betrachten, mit Abstand, von oben vom Balkon, weil das Meiste was da vorne vorbeiläuft war, das bleibt reduzierbar, überflüssig.
LG Kaltblut
Ette : ich bin dankbar für jedes Wort, wenn es mir weh tut, dann weiß ich, ich liege falsch
@spedi: danke, ich kenne da einen Bayern, der meinte er geht da nicht mehr weg, aber beerdigt wollte er da nicht werden, man würde zu naß. Ich bekam ein merkwürdiges Schmunzeln, als er den Halben hob. Ich habe noch nicht die große Freude an den kurzen Hacken gefunden, den Anglerfisch schon.
@Dia: feinfühlige Kopfarbeit ja, Co bleibt für mich das Pseudonym für meine Unfähigkeit mich gesund zu leben, mein Unverständnis für mein Verrücken, aber ganz langsam und gelassen passiert was, immer mehr.
Karotte : nö, nicht anstrengend, fast verkauft und der Umzug ging schnell. Eine Frage des Betrachtungswinkels. Nochmals nö, stelle Dir einen Kölschen vor, der stoiberisch spricht, ehrlich, unvorstellbar slumerisch, schreiben kann ich lesbar, braucht man nicht zu hören.