Hallo Ihr Lieben,
ich habe den Überblick verloren, wie Co ich bin, aber ich denke einiges zu tun, was mich gesund hält. Ich mache das ich für mich und für meine Ehe, damit auch wieder was für sie. Ist das gut, ist es falsch, ist das Co, weiß nicht, ich möchte mit meiner Frau leben. Wir führen eine Gelegenheitsehe, alle 14 Tage komme ich nach Hause, Fahrtkosten, 2 Wohnungen, das ist teuer und kostet Zeit. Dabei entfremden wir uns und haben gelegentlich kalte Begrüßungsküsse. Sie denkt dann muffig, der Kerl bring den Rhythmus durcheinander und ich denke dann grantig, was mache ich eigentlich hier.
Ich habe ein großes Verlangen nach Nähe zu meiner Frau, nach Nähe im Sinne von da ist jemand, der mich versteht, den ich spüren und fühlen kann. Klar habe ich auch noch Paarungsgedanken im Kopf, aber die sind irgendwo, vielleicht vom Geläut in die Verse gerutscht oder hinterm Ohr, muß ich mal suchen gehen. Wenn die Bikersaison beginnt, brauche ich vielleicht einen neuen Helm, das wird eng. Ich habe neulich gesehen, es ist auch Paarungsverhalten, sich anzumachen bis man lichterloh brennt, feurig wird, um dann mit dem Wassereimer abzulöschen. Zumindest habe ich noch Phantasien, BKK, Brandmeister Kalli Kaltblut mit den dicken Ohren.
Sie fühlt Dinge, die nicht OK sind, ich fühle Dinge, die nicht OK sind. Mit meinem Kleinhirndenken bleibt da nur eine Erkenntnis: da stimmt was nicht, ich mache mich zum Affen, wozu das alles. In ihrem Großhirn heißt es da: finde ich nochmals Vertrauen, Sicherheit, kann ich auf meinen Mann bauen? Die Gehirne zu ordnen, es ist nicht einfach, zumal wir beide dummes Zeugs denken und reden, grundlos die Nackenhaare hochgehen oder nicht geredet wird. Wir harmonieren, wir verbalieren, egal, das ist wir Schalten ohne Kupplung. Das geht, bei der Streichelguzzi ist mir im schwarzen Wald die Kupplung verreckt, bin ich ohne gefahren, mit Zwischengas. Ist aber doof, dann war se hin. Neulich habe ich gesagt: ich brauche dich nicht, ich kann auch auf eigenen Beinen stehen ohne dich, zieh aus, such dir einen Job oder ich ziehe aus, nehme mir eine eigene Wohnung in Berlin, ja das gibt Vertrauen. Unserer Gefühle stimmen nicht, hätte ich ihre, suppi, hätte sie meine obersuppi, irgendwas ist in unserer Suppe.
Bei einer Gelegenheitsehe, kann was auf der Strecke bleiben, ich wünsche mir sehr, daß wir das wieder hinbekommen. Wir haben eine ganz schön dicke Haut bekommen. Da vergißt man dieses „sowohl als auch“ und denkt gleich mal wieder in einem männlichen „entweder oder“. Ich denke eh zu viel dummes Zeugs.
Ich habe Regeln und Anker, mir ein Denkmuster angeeignet, das mir zu überleben hilft. Wenn es soweit ist, muß ich aufstehen, sonst komme ich zum Stillstand. Vielleicht wird ja auch vieles zu meinem Alibi der Unfähigkeit, es muß also wieder was in mir passieren, Mut zur Veränderung, um gelassen abzuwarten grrrrrr, ich hasse das. Ich brauche dann ein bißchen Spedismus, das ist ein Valentin mitten zwischen die Hörner oder die Ohren, aber dann ist der Helm versaut.
Da heißt es: „Du kannst nur glücklich und zufrieden leben, wenn Du Dich von Deiner Frau trennst.“ Habe ich damals gemacht und tausend Dinge an mir festgestellt, was sich da alles änderte, Wahnsinn, geile Zeit.
Bei meiner Frau passierte damals auch was, sie wurde trocken, ein wahnsinniger Traum. Damit stand für mich fest: alles ist möglich, warum also nicht und da sie ihren Weg ebenfalls mit mir gehen wollte, versuchten wir es neu. Erstmal getrennt aber mit der klaren Ansage: asap löse ich hier alles auf und dann gehen wir gemeinsam weiter. Ich habe mich verändert, mich losgelöst, gestärkt. Aus Loslassen sollte jetzt langsam wieder Einlassen werden.
Als ich gefragt wurde, warum ich das eigentlich alles mache und was mich mit meiner Frau wirklich verbindet, mußte ich nachdenklich eingestehen, daß ich ziemlich ratlos bin. Es kommen bei mir Gedanken an Versorger, an geduldet und an ertragen hoch. Einiges funktioniert nicht richtig und überhaupt, es wächst da was um meine Hüften, die Kombi geht nicht zu. Ich mag nicht wieder die „Rechtfertigungsposition“ einnehmen und ich spüre, ich ziehe mich zurück, aber ich will daß nicht. Meine Frau hat Gewaltiges geleistet, ich habe genauso Gewaltiges geleistet. Warum beginnen wir nicht endlich das Leben zu genießen, statt die Orientierung, den Mut, das Vertrauen, die Sicherheit zu verlieren?
Wenn ich was mache, bin ich Co.
Wenn ich nichts mache, bin ich nicht Co., muß aber trotzdem für vieles gerade stehen.
Wenn ich mache und hinterher trotzdem für alles gerade stehen muß, dann bin der Dumme.
Wenn ich mich ärgere, wütend bin, neueste Erkenntnis: bin ich Co. , also im Rückfall
Sie kann meine Bedürfnisse nicht erfüllen, so lange es in meinem Kopf nicht stimmt.
Nach neuester Erkenntnis hilft zur Stabilisierung nur die Trennung. Klasse. Vielleicht jedes Jahr neu, Oberklasse oder jeden Monat, Sonderklasse, auf zum Co-Speziallehrgang.
Da aber doch alles nur in meinem Kopf ab geht, warum kann man das nicht einfach reparieren? Kaputt, neu, einfach, neue Kupplung, neue Frau.
Ich kenne Menschen, mit denen komme ich blendend aus, wir können reden, wir verstehen uns einfach, das ist toll, fühlt sich gut an. Mit meiner Frau war das auch mal so und das ging noch weit über dieses Verstehen hinaus, da haben wir geheiratet. Wird das je wieder so sein? Je mehr ich jetzt darüber nachdenke kommen neue Fragen.
War für diese Beziehung das bedingungslose Einlassen entscheidend, wo ist es hin?
War es, weil wir so viele Gemeinsamkeiten fanden, die wir jetzt nicht mehr sehen, warum? oder
Hatten wir nie Gemeinsamkeiten und gerade deshalb, weil der andere das hatte was dem anderen fehlte, was er begehrt? Ist das jetzt fort?
Was macht mich beziehungsfähig bzw. unfähig? Ich stelle mir die Frage, was mich bindet? Wenn ich jedes Muttermal, jedes Erlebnis, jedes Gefühl, jeden Gedanken aufschreiben würde, wäre es ein ganz kleiner Bruchteil von den erfaßbaren Gedanken, den Gefühlen dahinter, also ist da ein bedingungsloses „ich will“, ohne viele Gedanken. Ich will meine Frau, die „gerade“ nicht anders kann als neu zu leben, ihr Lebensgeschenk auspackt und anstatt hinter ihr zu stehen, will ich. Punkt.
Was sie will ist Sicherheit, Vertrauen, Respekt, Liebe, Glück, Geborgenheit, Zufriedenheit, ohne Ängste leben, wie ich auch. Paßt das da noch? Klar, man muß immer beide Seiten betrachten, als normaler Mensch, das bin ich aber nicht, ich bin co-abhängig und meine Frau muß mir sch… egal sein und ihr genauso.
Loslassen – alles was mir nicht gut tut. Meine Frau tut mir oft nicht gut, ich lasse alles los, ihre Krankheit, ich kann nicht helfen. Viel häufiger ist sie in meinen Gedanken und tut mir einfach nur gut. Sie kann der beste Mensch auf Erden sein, unmöglich sein oder mich schwer belasten. Ich habe gelernt radikal s/w zu denken und zu handeln. „Den letzten Weg gehen wir zusammen“ habe ich mal gesagt. Das stimmt längst nicht mehr. Hätte sie einen Rückfall, ich müßte damit umgehen lernen, es wäre nicht einfach aber möglich. Würde sie saufen, müßten wir uns trennen, weil sie mein Leben gefährden würde, also weg.
Zur Normalität gehört Radikalität wieder abzulegen. Ich kann mich nicht fortsperren, ich muß auch nicht fortlaufen, aber aktiv am Leben teilhaben. Der Alk ist nicht das Problem. Suchtmittel sind nicht das Problem. Der Partner ist nicht das Problem. Ich bin mein Problem, in mir ist etwas sich veränderndes Unfaßbares, das auf vieles reagiert. Das was mich stört, kann ich unendlich hoch puschen oder verschwinden lassen, sein lassen als wäre es nie gewesen. Was mir fehlt: mein Gleichgewicht durch die Einhaltung meiner Grundregeln.
Was heißt das jetzt für mich? Ich muß nicht mit meiner Frau zusammen leben, ich kann, ich muß nicht mit ihr klar kommen, ich kann, nur mit mir da steht ein MUSS. Da muß was passieren. Zeitlos zufrieden sein mit etwas was nicht ist. Da schüttelt es mich und die Ohren baumeln sinnlos rum.
Wenn meine Frau mir nicht gut tut, dann muß ich tatsächlich gehen, weil das dann nicht paßt. Ist das nur vorübergehend in meinem Kopf, ist es richtbar? Ich habe meine Entscheidung getroffen, bei ihr zweifele ich noch. So kann ich nicht zeitlos zufrieden sein. Da wir aber nie wissen was in uns passiert, passiert wieder was.
Ihre Unsicherheit, Abneigung, fehlende Nähe, Vertrauensverluste, Ängste, Motzereien, übertragen sich auf mich – nur, von mir hat sich schon lange etwas auf sie übertragen. Huhn oder Ei? Für was ist das wichtig, es muß was passieren mit dem was uns durch den Kopf wandert, was nicht wirklich ist.
Wir haben Samstag lange intensiv telefoniert, es ist erstaunlich, was Menschen, die einst eins waren, für Unverstand entwickeln. Wir sind unterschiedlich, anders, Mann und Frau, das werden wir immer bleiben, aber ob wir „in guten wie in schlechten Zeiten“ zufrieden sind, mit etwas was nicht ist, hängt davon ab, welche Bedeutung es für uns bekommt, dieses Nichts, diese unerfüllten Gedanken. Vielleicht ist das bei Euch so, diese Gedanken über den Gedanken, es macht auch kribbellig, das kommt aber nicht vom Frühling, sondern von der Hilflosigkeit keine Antworten zu finden. Das einfach abschalten zu können oder zum Kühlschrank gehen und das Hirn mit den dicken Ohren gegen ein anderes zu tauschen, das wäre schon was Schönes.
Da passiert aber tatsächlich etwas Gewaltiges bei uns, ich empfinde das als spannend:
Ich habe gelernt, abzugeben, gelassener, konzentrierter zu sein, weniger zu machen, anzunehmen (jaaaah- und mich selbst zu verwirren).
Sie steht gerade vor der Frage auszubrechen, die Warteschleife des Lebens zu verlassen (überhaupt, so was gemeinsam zu erleben, das Größte).
Das mag sich ja jetzt blöde anhören, ich habe aber kein anderes Wort für dieses Gefühl, ich liebe meine Frau immer noch so wie an dem Tag, als ich hier auflief. Über 80 möchte ich werden, da haben wir ja noch was Zeit das rauszubekommen.
Heute gönne ich mir ne Pizza, die esse ich ganz alleine, habe ich hier gelernt. Danke.
LG Kaltblut