Guten Morgen,
na, hier wird ja mächtig diskutiert! Schön, wenn ich ein Thema gefunden habe, das auch anderen im Kopf herumgeht.
Zitat von kaltblut
Ich hatte mal ne Guzzi, geiles Ding, aber immer was dran, da habe ich sie weggeben. Da war ich zufrieden, geiles Gefühl.
LG Karl
Kaltblütiger, das ist auch relativ einfach, da es sich um ein „Ding“ handelt. Trotzdem ist dies auch manchmal im Zusammenhang mit Menschen erforderlich.
Ich habe in diesen Tagen immer mal wieder Dinge entdeckt, die mich unsicher werden lassen, ob mein Ex, den ich ja immer noch mal treffe, wirklich noch trocken ist. Verhaltensweisen, Dinge, Situationen, in denen ich mich an früher, an seine nasse Zeit, erinnert fühle. Sie kratzen jedoch nicht mehr an meiner Zufriedenheit. Eher betrachte ich mit einer Art Interesse und Neugier das Szenario. Es berührt mich nicht mehr emotional, höchstens dergestalt, dass ich denke, schade, ich wünschte ihm, er schafft es.
Zitat von kaltblutAlkohol ist kein Bestandteil mehr meiner Person.
Nikotin ist kein Bestandteil mehr meiner Person.
LG Karl
Damit magst du recht haben, Karl, aber die Suchtstrukturen sind Teil unserer Persönlichkeit. Und wenn wir deren Ursache nicht ausmachen, dann werden wir immer in unserer Co-Abhängigkeit gefangen bleiben. Sicher werden wir immer noch mal rückfällig. Aber ich kann die Rückfälle dann ansehen und wahrnahmen, denn das sind für mich die wichtigsten Schritte, um sie dann loszulassen. Mir darüber klar zu werden, dass ich Verhaltensweisen und Reaktionen, die ein halbes Jahrhundert zu mir gehören, nicht von heute auf morgen loslassen kann, ist der nächste Schritt. Aber mir meine Suchtstrukturen und –verhaltensweisen klar machen und wahrnehmen, damit ich lerne, anders zu reagieren und meine Zufriedenheit nicht von SEINER Trockenheit abhängig mache, das muss ich schon.
Wir selbst tun uns eben oftmals schwer, diese unsere Verhaltensweisen so wahr zu nehmen, dass wir das Co-Verhalten erkennen. Am Sonntag war ich in einer Situation, dass mich jemand anrief und ich spürte, dass er Stress hatte. Jedoch wollte ich mich in dem Moment davon distanzieren. Ich weiß genau, dass ich früher gesagt hätte, komm her, wir reden drüber und meine anderen Pläne einfach ad acta gelegt hätte. Erst hatte ich ein schlechtes Gewissen, dann aber dachte ich, dass dies ein Zeichen dafür war, dass ich nicht mehr so in den alten Strukturen feststecke. Ich habe nach MEINEM Bedürfnis gehandelt, auch wenn ich den Anderen vielleicht in diesem Moment verletzt habe. Das heißt nicht, dass ich nicht helfen mag, aber nicht in jeder Situation. Früher hätte ich das getan.
@ Spedi: Ich weiß nicht, ob es ein Zuviel an Selbsthilfe gibt. Ich weiß für mich nur, dass ich aufmerksam mit mir umgehen muss, mehr agieren als reagieren. Denn meine Reaktionen sind noch zu oft co-abhängig geprägt. Egal, ob es meinen Ex betrifft oder Menschen in meinem privaten oder beruflichen Umfeld. So, wie du zu Anfang sicher vermehrt darauf achten musstest, wie du mit Gedanken und Gefühlen bezüglich des Trinkens umgehst, so muss ich darauf achten, wie ich mit Situationen umgehe, in denen ich Gefahr laufe, meine Bedürfnisse dem Gefühl des Helfen zu müssens unterordne. Ich muss aufmerksam mir und meinen unbewussten Verhaltensweisen sein. Mag sein, dass hier, von außen gesehen, manchmal eine Art Übertreibung vorliegt. Es ist auch immer ein Abwägen, ein Lernprozess, der sicherlich noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. „Umprogrammieren“ geht nur bei PCs relativ fix. Menschen brauchen da so ihre Zeit. Und es besteht natürlich die Gefahr, das Verhaltensweisen, die vorher unangemessen in eine Richtung gingen, nun im Umlernprozess erst einmal zu sehr in die andere Richtung ausschlagen, aber ich denke, das reguliert sich auch im Laufe der Zeit.
LG
Ette