Hallo Ihr Lieben,
ich versuche mal kurz zusammenzufassen, was bei mir in 1 ½ Jahren so abging:
„Es geht um Alkohol in abhängiger Form, um vom Abhängigen abhängige Angehörige, um uns, wie wir das los bekommen, um was Neues rein zu bekommen, in uns und um konsequentes geradliniges Verbiegen.“ Jetzt versteht mich wieder keiner, dann nochmals meine längere Kurzversion:
Einpaar Monate bevor ich auf diese Seiten fand, war meine Welt noch ganz in Ordnung. Wir tranken täglich, Gesellschaftsgenußtrinker, fast alle in unserem Umfeld waren wie wir (also benebelt bis plemplem). Als ich hier las, war ich zuerst ungläubig erschrocken, später wurde ich krank, co.-krank, viel später alkoholkrank, noch viel später bekloppt, mit Unverständnis beschlagen. Ich war es schon Jahre und die Menschen in meinem Umfeld sagten plötzlich: ich sei nicht mehr normal, durchgeknallt, eben krank.
Meine Frau hatte mit 43 einen Infarkt und ich dachte: so das war es, jetzt trinkt sie weniger oder hört ganz auf. Sie trank weiter, damit kam ich nicht mehr zu recht, Suff, Infarkt, die geliebte Prinzessin verlieren? Die Frage war: welchen Grund sie haben sollte, den Suff ohne Lebensgarantie einzustellen? Die Antwort war: „um die Zeit bis zum nächsten Infarkt wenigstens 100% zu erLEBEN und noch genießen zu können“.
Mein größten Co-Schritte mit denen alles begann waren, daß ich hier las, schrieb und dann ihre Weinflaschen nicht mehr nach oben in die Wohnung trug, die arme, herzgeschwächte zierliche Frau mußte jetzt Tüten schleppen (dafür brauchte ich einige Wochen). Diese Kleinigkeit kann ich für mich ungefähr so einstufen: ein Mann muß einmal im Leben einen Baum pflanzen, ein Haus bauen, ein Kind „bekommen“ und eben dieses. Das war auch irgendwie wie Ehebruch, aber Ehebruch hatten wir auch so, sie hatte immer einen im Bett, neben mir, diesen Flaschengeist, meinen Nebenbuhler und der war mit der Zeit wertvoller als ich, ich wurde für mich wertlos. Durch so einen Sche.. wurde ich mir wertlos, weil ich machtlos war, gab ich mich immer mehr auf, es ist mir unbegreiflich, ich vergaß mich selbst, total Kopfschuß.
Da fragte ich mich, gibt es hier keine Anleitung, wo alles steht, damit alles was schneller geht? Alles steht hier, auf Tausenden von Seiten, selbst wenn sie komprimiert in mein Hirn gelangt wären, es hätte Monate und Monate gebraucht, sie zu verstehen. Was alles passierte, könnt ihr im Forum nachlesen. Unsere Geschichten hier ähneln sich, oft sind sie viel härter als ich sie mir hätte vorstellen können. Hier durfte ich lesen, begreifen und schreiben, die Texte veränderten sich, ich veränderte mich, jedesmal wenn ich las. Jedes geschriebene Wort steht hier, unwiderruflich und es steht hier immer noch, wenn ich es längst vergessen habe. Oft waren es nur einzelne Worte, kurze Gedanken, irgendwo in diesem riesigen Werk der Lebenserfahrung, die mir einen verpaßten und auf den richtigen Weg brachten. Es gibt Bücher, die habe ich mehrmals lesen müssen, bis ich sie verstand, andere verstehe ich bis heute nicht, wieder andere brauchte ich nur anzusehen und alles war in mir. Hier habe ich manchmal geschrieben und als ich auf „Enter“ drückte, war die befreiende Lösung in meinem Hirn oder wenn ich ratlos auf Antwort wartete, wenn es mich zerriß, vollbrachte die Stille lauter Wunder.
Ich bin froh, daß meine Versicherung die Prämien nicht wegen drohender Überflutungs- und Wasserschäden erhöht hat, es gab Eimer voller Rotz und Wasser. 100kg strammes Kampfgewicht sitzen im Büro, sagen Termine ab, lassen alles platzen, zappeln aufgelöst rum, versinken in sinnlosem Gejammer statt einen mächtigen Tritt mit spitzen Schuhen in die Donnerfurche zu bekommen. Das hätte noch nicht mal was genutzt. Ich habe lange gehampelt, gepaart mit zahlreichen Co-Rückfällen, wertvolle Zeit, unbezahlbar, meine Zeit, für mich.
Co-abhängig, was sage ich, ich war gelähmt und fast wahnsinnig, wäre mein Nebenbuhler, der Flaschengeist, ein echter Kerl gewesen, er würde heute einige Oktaven höher reden, weil ich ihm die Bömmelchen abgeschnitten hätte, aber das war es ja, er war nicht greifbar, dieses Monster. Das ich langsam aber sicher auch einige Oktave höher sang, das wurde mir anfangs gar nicht bewußt, aber deshalb war ich nicht hier, denn es ging ja um meine Frau.
Ich versuchte mit meinen Problemen umzugehen, machte grobe dumme Fehler, sah nur noch Alk, Werbung, Promille, das ganz Ausmaß gesellschaftlicher Eigenbestimmung, gut, ich war Co abhängig, machte merkwürdige unnormale Sachen, aber deshalb hatte ich noch nichts an der Schüssel, ich war nur wie ich sein mußte, für mich, nach meinem Verständnis, einfach voller Unverstand. Plötzlich ging es nicht mehr um ihre Krankheit, es ging um meine Gesundheit. Was immer da in mir abging, ich verdanke der Krankheit meiner Frau auch meinen neuen Weg. Ich hätte nie zugegeben, selbst darin verstrickt zu sein, meine Laufmaschen waren noch unter der Hose, unbegreifbar unsichtbar. Es war mir nicht möglich, konsequent Ordnung in mein Hirn zu bringen. Dann war da ja noch diese Liebe, eng umschlugen mit dem Alk, ein ungleiches untrennbares Paar, unkaputtbar in meinem Hirn. Zusammen bohrten die sich immer tiefer. Es war klar worum es hier ging, um eine unheilbare Krankheit und daß ich kein Mittel dagegen hatte, alles wertlos war, wenn es um „Ihn“, meinen Nebenbuhler aus der Flasche ging, aber es war doch nur harmloser Wein, überall an der Tagesordnung. Ich war nur ein Mittrinker, nur der Flaschenträger, nur ein Versorger, nur ein vor den Karren gespanntes Brauereipferd, ein Kaltblut. Ich armer wertloser Ehemann, sülz, sülz, ich geh mal den Nußknacker und die spitzen Schuhe suchen.
Dann ging ich zum Anwalt, machte Druck und das Trennungsjahr lief, ich kündigte die Wohnung, zog aus, wir waren endgültig getrennt. Es gibt Menschen, die leben konsequent zack zack zack, bei mir dauerte jedes kleine Zack lange, sehr lange, Schwabbelpudding in Liebescreme, immer wieder rein und raus aus den Kartoffeln, Wasser marsch. Vieles wollte ich verstehen können, bis ich begriff: es gibt nichts zu verstehen, nur sein lassen. Liebevoll aufzugeben um selbst frei zu leben, damit es mir gut ging, damit sie lebt, los lassen, damit wir leben können, sein lassen, nicht mehr gelebt werden und dafür noch eine geklatscht bekommen, was für bescheuerte Widersprüche, es gibt keinen anderen Weg. Nicht pro Forma, nicht als Mittel zum Zweck, nur Ganz, um nur vielleicht, neu zu beginnen. Für jeden Buchstaben des Seinlassens brauchte ich einen Monat und noch länger. Meine Einstellungen schwankten von besinnungslosem Klammern, endlosem Zweifeln, Ex und Hopp bis zum losgelösten Seinlassen, neuen Zielen und wiederholten Abstürzen, aber hier war ich nicht alleine, es wurde eine unendliche Geschichte, zeitlos, mit permanenten Veränderungen. Oft habe ich mit einem „ich will nichts mehr davon hören“ den Link ausgeknipst, es war erschreckend, das ganze Ausmaß geduldeter, forcierter, tödlicher Selbstbestimmung zu erkennen.
Sie machte einen kalten Entzug, einige Wochen ging das gut, bis es nicht mehr ging, da hing sie wieder dran, voll. In meiner neuen Wohnung ging es mir erstmals wieder richtig gut. Bis ihr Mietvertrag auslief, da kamen wir auf wundersame Weise wieder kurz zusammen, sie entschloß sich für einen Entzug, mit Langzeittherapie und zog bis zum Antritt bei mir ein. Endlich war ich am Ziel. Meine Frau wird gesund. Was sind 3 Wochen, davon war ich noch 10 Tage verreist, dachte ich. Wir trafen ein saublödes Abkommen: kein Alk in meiner Wohnung und die paar Tage stehe ich mit fortsehen durch, weil, kalter Entzug geht ja gar nicht. Daraus wurden 8 Wochen, Dosis und gegenseitige Hassliebe gingen ab wie mein Drehzahlmesser nach einer heftigen Drehung am Gasgriff. Höchsttouren. Sie trank heimlich, ich sah fort, wir beschissen uns unerträglich immer mehr. Ich wollte nur noch weg, sie wurde 100 Jahre älter, zerfiel in meinem Beisein. Später legte ich mal Bilder mit ihr von paar Jahren übereinander und mußte ein großes Bäuerchen entsorgen, was hatte sie sich schlimm verändert.
Das kommt vom Runtertrinken. Runtertrinken, das ist die Akzeptanz sich einreden zu lassen, daß ohne Gummi schon nichts passiert, irgendwie Doppeltod.. Zieht einmal den Stöpsel aus den Bier- und Weinflaschen. Eine Flasche Bier ist ein halbes Wasserglas Destilliertes, ein Flasche Wein, kann da schon über den Rand schwappen. Seht Euch das Konzentrierte eines Monats an, nur Wein, nur Bier, nur tödliches Gift, in Strömen. Nur, ein Glas Konzentriertes ist nicht das Gleiche was es vorher war, eher wie Spülmittel und Abflußreiniger zu vergleichen.
Dann war sie endlich in stationärem Entzug, im Krankenhaus, sofort in LZT. Nach 4 Wochen hatten wir ein Paargespräch, klasse, Eiseskälte mit dem Hypergetue eines naß denkenden Alkoholikers. Die Birne sagt „ich trinke nichts mehr, was willst du, kleines Würstchen, ich bin der Größte und schaffe alles“. Eigentlich gab es zu diesem Zeitpunkt für mich nur 3 Fragen: wo stehen wir, haben wir gemeinsam eine Chance, will sie ihren Weg alleine gehen, was will ich überhaupt? Ich eingebildeter Pinsel explodierte etwas. Statt stolz auf ihre Leistung zu sein, sie anzuhimmeln für ihren trockenen Weg in ein neues Leben, alles Kaputt, Ehe hin, Scheidung, erledigt, Schnauze voll, was war ich ein arroganter Dummkopf. Sie ging dann uneinholbar ab wie eine Rakete, wurde trocken im Kopf und ich stand dort wie der Oberhirni, begriff nichts mehr, als wenn sie arabisch sprach, ich kölsch. Da war plötzlich weder zu begreifen was mir fehlte, noch warum es bei ihr so ab ging. Extrem ausgedrückt, waren wir vorher zwei Durchgeknallte und jetzt wo all das Durchgeknallte weg war, knallten wir wieder durch.
Wir näherten uns wieder durch mehrere kleine Wunder und ich zog die Scheidung zurück. Angst machte sich breit, daß sich alles wiederholen könnte, alles von vorne begann und die Angst ging. Ihr Körper wurde blitzschnell repariert, restlos, blendend gut, ein Wunder der Natur. Ich stelle mir das so vor, daß man in einer Langzeittherapie jeden Tag ein Saatkorn eingetrichtert bekommt, viele kübeln die gleich wieder aus, andere nach einigen Monaten, einige erleben wie sie sich entfalten, wurzeln schlagen, um dann in voller Pracht zu erblühen. Meine Frau blühte, während ich von Blumenladen zu Blumenladen lief und fragte: habt ihr das oder das, hammer nit, kreßte nit, jid et nit, mußte dir backen Jung. Es war was enttäuschend, daß meine Frau alles bekam was sie wollte, ich mußte mir alles backen und bin dann doch immer wieder auf meinen Nüssen nach Hause gekrochen. Nußknackerzeit, ich habe diesem Alkohol die Eingeweide rausgeholt und seine Nüsse tausendmal geknackt. Das geilste Gefühl war dann, als ich feststellte, es waren immer meine eigenen, wie ungerecht. Später suchte ich mir eine SHG und einen Therapeuten, Fremde Hilfe neben dem Forum, hätte ich es nur schon viel früher getan, es hätte mich weiter gebracht als Nächte lang zu grübeln, aber ich war im Corausch, fertig und habe es nicht bemerkt.
Meine Frau ist mit Alk oder ohne, ein ganz liebenswerter Mensch, wie wir alle. Was ich hier alles für Dinge in meiner Birne feststellt habe, daß hat mir oft genug noch viel mehr die Füße vom Teppich gezogen. Ich hielt mich nicht für dumm oder unfähig, mein Leben war schon bewegend, irgendwie vorher auch im Lot, aber so was, Rechtfertigungen ohne Ende, Kindheitserlebnisse, Leidensdruck, Masochismus, Egoismus, zu viel lieben, gefährliche Liebe, fehlender Egoismus, entweder oder und sowohl als auch, unstrukturiertes Denken und Handeln, kapitulieren, der Sinn, sein lassen, los lassen, Stille, innere Ruhe, Kontrollgedanken, Verzichtsgedanken und im Ernst, auch für die jungen unbändigen Dinger, ESEHIKS - es ist nicht alles so wie es aussieht, es geht auch anders oder meine verbalen Ausrutscher, wenn ich mich selbst nicht verstand, ach da sind noch ganz tolle Erfahrungen, aber für die war ich ja gar nicht hier, denn ich hatte ja kein Problem, im Gegenteil, ich schrieb: bei mir war alles paletti, prima Kindheit gehabt und übersah alles. Oberhammer war die Erkenntnis, daß all die vielen Erkenntnisse so unbedeutend, gegen all das war, was undeutlich und ungreifbar an Gefühlen durch meinen Bauch wanderte, mich lenkte und steuerte. Häh? Trockenarbeit, die Cos sind aber meist trocken und denken: das ist nicht unsere Sache, denkste: Co Arbeit und das ein Leben lang. Vielleicht ist meine wichtigste Erfahrung, daß mit oder ohne Alk die gleichen Probleme da sind, für mich gibt es da keinen Unterschied mehr.
Da steht bei uns Cos schon mal: Alkoholiker du bist an allen schuld, du und dein Gesaufe. Jetzt stelle ich mir einen Alkoholiker vor und einen Co Abhängigen und beide sind ja von der Struktur her etwas sehr gleich, ja, ich weiß, aber im Prinzip. Ich weiß heute nicht mehr genau, wer da mehr jammert oder mehr falsch ist oder mehr irgendwas ist, aber ich weiß, es hört sich unwirklich an, wenn der Alkoholiker sagen würde: Co Du bist an allem schuld. Warum eigentlich nicht? Weil es keine Schuld gibt.
Gesund, fertig, ausgeheilt, was denkt Ihr denn, nie sind wir das. Ich werde für immer einen weg haben und denke, alle haben den einen und anderen weg, alle, jeder, vorher, nachher, mit oder ohne Alk. Ich habe mein Leben nochmals durchlebt, gesehen was ich alles gemacht habe, was alles vermeidbar gewesen war, es sollte so sein und deshalb möchte ich keine dieser Erfahrungen missen. Übrigens, der Leiter meiner SHG ist 34 Jahre dabei, seine Frau ist 34 Jahre trocken, er ist also 34 Jahre aktiver Co. Falls also jemand die Frage hat: wir lange es dauert bis er wieder OK ist: bis morgen, immer nur bis morgen, ein Leben lang bis morgen. Überflieger haben ein Problem. Man sagt auch als Faustformel die halbe Zeit, die es gedauert hat. Heute finde ich es richtig geil, daß ich noch so 25 Jahre an mir rumfummeln darf, vor Monaten wäre ich laufen gegangen.
Ich habe meine Wohnung wieder gekündigt und ziehe dann zu meiner Frau nach Berlin. Meine Frau hat nie geglaubt, daß ich dahin ziehe, Kerle ziehen nicht zu Frauen, nur Frauen zu Kerlen. Wie die Zeit rennt, was sich alles verändert hat, was alles möglich ist, wer weiß das wirklich, es gibt keine Versicherungen, keine Garantien für nichts. Das ist Leben.
Das was ich während meiner Zeit in diesem Forum erfahren habe, es bezieht sich nicht nur auf meine Ehe, nicht nur auf meine Frau oder mich, es bezieht sich auf meinen Job, meine Familie, Kinder, Bekannte, Freunde, Geschäftspartner, auf mein ganzes Leben, es verändert alles, in mir und es ändert meinen Umgang mit ähnlichen Situationen. Das glaubt keiner? Lest einfach was, ihr werdet es erkennen. Dabei ging es doch anfangs nur um meine Frau, sie hatte ein Alkoholproblem, ich doch nichts.
Es ist ein Wunder das wir noch zusammen sind oder auch nicht. Ich stelle mir vor, daß jede/r mit jeder/m glücklich sein könnte, es aber nicht so ist, weil die Vorstellungen nie ganz erfüllt werden oder weil sich im Laufe der Jahre Entfremdungen ergeben haben oder weil es sehr viele Veränderungen gegeben hat, also vieles nicht mehr wie früher ist. Alles um uns herum verändert sich, auch unsere Gedanken, unsere Haut und Haare, unsere Gewohnheiten, alles, es ist nicht mehr wie früher. Wieso halten wir eigentlich an diesem „Alten“ fest, ohne uns zu ändern? Wir wünschen uns zur Selbstbefriedigung, daß sich alles nach den Vorstellungen vergangener Zeiten verändert, warum fangen wir nicht bei uns an? Warum also nicht mit dem alten Partner glücklich sein? Ja, keine Härtefälle, meine Frau und ich, wir waren nie ein Härtefall, Achtung und Respekt haben wir nie verloren. Wir waren ganz einfach an einem Punkt wo sich alles in alle Richtungen öffnete. Ich lernte, meine Frau nackt zu sehen – ohne Alkoholnebel, ohne erblindende Liebe und konnte entscheiden, was mir das nackte Überbleibsel wert war und versuchte es weiter. Ich versuchte, das war schon wieder voll Co.
Wir hätten heute beide irgendwo anders sein können, wir sind es aber nicht. Die Familie Zurhorst schreibt da schöne Bücher drüber, ich drücke das mal so aus: meine Frau und ich, wir lieben uns wie die Meisten anderen auch, gut, wir sind verheiratet, Fangeisen und Formalitäten binden etwas mehr, aber unser Trennungsjahr war abgelaufen. Wenn Zwei zusammen sind, dann sprechen sie eine Sprache, sie verstehen sich, irgendwann nicht mehr. Selbst wenn sie es beide wieder wollen, verändert jeder Lernschritt etwas die Sprache, wenn der Partner trocken wird, seine Denke ändert, der Co sich ändert, dann sprachen wir jeder was anderes, mal chinesisch, mal kölsch, mal badenserisch, mal icke, mal insulanerisch, da schauen wir uns eben nur dumm an, dachten ballaballa und verstanden uns nicht, wie denn auch und dann immer getrennt und das und dieses, man wird sich fremd, es kommen fremde Versteher, unerfüllte Bedürfnisse und neue Gefühlsachterbahnen. Dumm gelaufen, vielleicht sind wir dann eingeschnappt, gekränkt und keiner wagt einen Schritt über den eigenen Schatten, viele neue und alte Situationen gießen Öl ins Alltagsfeuer. Klar, da ist es einfacher flacker, flacker ein neues Lämpchen anzuzünden und tschüß, einmal im Leben konsequent sein, die eigenen Bedürfnisse über alles stellen, erst ich, dann du und da kann es schon mal einfacher oder besser sein, ganz neu zu starten, warum nicht? Warum wir also immer noch zusammen sind? Es gibt noch ein „sowohl als auch“ oder fragt meinen Boss, der weiß alle Geheimnisse, ich nicht. Alles was paradox. Verstehen muß man das nicht wirklich, verlangt es nicht von Eurem Hirn. Vielleicht so: wir haben versucht uns auf uns selbst und dann neu aufeinander einzustellen.
Ich kann übrigens immer noch nicht verstehen, warum wir damals für vergorenen Fruchtsaft so viel Geld ausgegeben haben. Lt. Gesetz muß nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums alles entsorgt werden. Das muß man sich mal reinziehen, die Entsorgung kostet gewöhnlich Geld. Wir haben für den entsorgten Mist noch bezahlt, fast mit unserem Leben, öffentlich selbstbestimmte Lebensinflation, was klar beweist: ich bin verrückt, aber nicht alleine.
Als ich einige Wochen hier gelesen hatte, da dachte ich, was eiern die denn da rum, manche - also wirklich, Co muß ganz schön krank machen, warum hauen die ihren Typen nicht einfach raus, was da alles für Gedanken waren und wie schnell verging Monat um Monat. Wenn ich jetzt nachlese ist es, als hätte ich liegend auf kräftigem grünem Gras geschrieben, auf irischem Irrengras. Irrengras, weil es schon irre ist, daß sich alles was geschrieben steht verändert, mit uns, mit unseren Gedanken. Wie soll man das verstehen, Buchstaben die sich magisch in unserem Hirn verändern, neu formieren, hier in diesem Forum, das Forum, „es lebt“.
Dieses Jahr gibt es viel zu feiern, geiles Gefühl, was für ein Jahr. Am Schönsten sind nicht die gefeierten Tage, sondern die Erkenntnisse und da könnte ich täglich was feiern, mich. Das kann man arrogant empfinden, ich finde es geil. Wenn ich noch viele, viele Jahre solche Gefühle mit meiner Frau teilen darf, wenn wir uns nicht wie früher verschließen, bekämpfen, anekeln und weiß der Geier was wir alles angestellt haben, sondern jedes Anecken gelassen als Herausforderung betrachten, dann haben wir eine verdammt geile Zeit vor uns.
Ohne das Forum, ohne Karsten, ohne die Moderatoren, ohne Eure Beiträge, ohne die geballten Texte in diesem Forum wäre alles anders gekommen, es sollte genauso sein und dafür bedanke ich mich ganz herzlich für Eure Zeit, für Euer unbezahlbares Lebenswerk. Ich bin dankbar, daß ich so viele Menschen hier kennen gelernt habe. In diesem Sinne wünsche ich allen verzweifelten, hoffnungslosen und aufgelösten Besuchern, in diesem Forum die passenden Worte für ihren Weg zu finden, ob lange oder kurze, die, die Euch auf Eurem Weg Kraft und Hoffnung für den nächsten Tag geben. Macht Euch klar was Ihr wollt, was Euch wichtig ist, es geht hier um Euch, nur um Euch und dann ist auch die "Lebenskleptomanie" vorbei.
Lieben Gruß kaltblut (bin was weg)
Übrigens, wie ich das hinbekommen habe, daß ich noch mit meiner Frau zusammen bin? Ich habe nichts hinbekommen, es ist einfach so… Auf meiner Toilette saß eine Spinne, monatelang saß die da, in der Ecke und immer wenn ich sie packen wollte, war sie weg, in einem Spalt. Weiß der Geier was die da gemacht hat, da war nichts zu mampfen. Neulich war sie weg, aber eine 3x so Große saß da, nicht lange. Versteh ich auch nicht, aber mache Dinge liegen nicht in unserer Hand, wir müssen nicht alles verstehen.