butterweich und steinhart zugleich

  • Hallo Du Literat !

    Habe mir die Pullmann-Bücher aus der Bibliothek geholt. Bin mal gespannt. Lies mal der Schatten des Windes von Zafron.

    Würde Dir sprachlich gefallen.

    Liebe Grüße Emma

    In every heart, there ist room - A sanctuary safe and strong
    To heal the wounds of lovers past - Until a new one comes along

    (Billy Joel)

  • Hallo,

    neulich hat ich Hörbücher von Pullmann in den Händen.
    Der Name kam mir bekannt vor konnt ihn aber nicht ganz genau zu ordenen. Das Forum schwirrte zwar im Kopf und auch der Kaltblut aber ganz sicher war ich nicht.

    Liebe Grüsse
    Elocin

  • Hallo Ihr Lieben,

    ein tolles neues Jahr und Zufriedenheit für 2008 . Was für Festtage, sie waren die Krönung des Jahres. Ausgeruht, voller Freude, auch mit Sehnsucht und Erwartung reiste ich nach Berlin, Arbeit im Koffer, die ich aber 10 Tage nicht anfasste. Die Begrüßung war was bescheiden, ich erwartete in freudiges Lächeln, ein Drücken, einen Kuss, einen Kontakt, Nähe, es war mehr Fremde, mehr ein „er wartet“, „erlebt“, er ist fremd hier. Das kennen wir ja nun schon und mit der nötigen Gelassenheit, wird sich das unerfüllt Erwartete schon legen oder auch nicht, sehen wir mal.

    Spaziergänge, ich machte täglich ausgedehnte Spaziergänge durch meine (bald) neue Heimat und fühle mich wie in Hessels Flaneur, als heimlicher Stubengucker. Ja, Ihr habt mich ertappt, ich spanne in spannende fremde Zimmer, von der Straße, in die weihnachtlich, hell erleuchteten großen Fenster der Altbauwohnungen in dieser großen Stadt. Ich, glotzen, fenstern, spannen, flanieren, ja, es ist geil. Es beginnt im Vorbeigehen mit der Schönheit alter Fassaden, den imposanten oft Goldverzierten, marmorbelegten Treppen und Hauseingängen. Dann geht der Kopf nach hinten, die Augen im steilen Winkel nach oben, bis unter die stuckreichen alten, faszinierenden Zimmerdecken. Gelegentlich entdecke ich eine ansehnliche Lampe oder eine ansprechendes Möbelstück und reiße meine Augen weiter auf, aber wer da rum läuft, was sich da abspielt, uninteressant, mein Leben bietet mehr als ich selbst verarbeiten kann, anderer Leute Leben brauche ich nicht abzuschauen. Auch der kalte Winter, die kurzen Tage, die beleuchteten langen Nächte bieten klare Vorteile, bei dicker Luft raus und die Stadt erleben, losgelöst, ich erlebe alles neu. In dieser Stadt kann man keine Langeweile haben und mein Umfeld, es ist Gigantisch. Ein gewisser Erich Maria Remarque hatte nur wenige Häuser weiter einst seine Zelte aufgeschlagen und deshalb werde ich von ihm gleich mal was lesen. Aber vorher kommt noch Emmas dicke Empfehlung, Zafón, Schatten der Winde.


    Weihnachtserkenntnisse:

    Traurig: meine geliebte Großmutter, trank nach dem Essen immer einen Kaffee mit Schuss, machte ein Nickerchen und nahm regelmäßig für die Gesundheit ihr Klosterfrauengeistergebräu, hochprozentiges Gesundheitswasser, ihre Medizin. Jeder ist selbstverantwortlich, heißt es, für die einen ist es Medizin, für die anderen, ach weiß denn ich, es ist vollkommen egal was sie einnahm, es war meine geliebte Großmutter, sie ist nicht mehr.

    Dumm: dann gibt es noch meine Brüder.
    Einer, dessen Frau ich am Ohr hatte, die mich dumm quatschte, weil sie ja nicht trinkt und er das Problem ist und überhaupt, sie müsste jetzt alles ausbaden. Das war einfach ernüchternd interessant, zwei Abhängige, die sich gegenseitig ins Grab bringen so oder so und ich dazwischen, da sage ich nur: ganz schnell weg.

    Der andere Bruder war da schon etwas anders. Er meinte, Heiligabend seien sie dort und dort auf ein Gläschen, wir sollten doch auch vorbei kommen. Als ich hallo meinte, sagte er schnell: ja, das ist jetzt doof für Euch, nur Wasser, na ja dass müsst ihr wissen – da hat er Recht: „wir“ wissen es, aber doof, keine Ahnung was oder wen er meinte. Mir war was doof und als ich nach einer Woche mal anrief waren alle krank oder verkatert, halt daneben und er wollte sich mal melden, auf ein Käffchen, weil ich noch meinte: vorbei kommen, zum Essen, Fläschchen Wein mitbringen, klasse, aber nicht zu uns. Ihr kennt das von diesen Leuten, die unzuverlässig überall und nirgends sind, aber an allen Schrauben was drehen. Er hat sich nicht gemeldet, erst am Folgetag, um schnell zwischen 4 Terminen, nach hier und dort zu düsen, dummes, unpersönliches Zeugs zu quatschen und seine 23 Jahre jüngere Lebenspartnerin, läßt den Flachmann durch das Auto kreisen. Da habe ich mich doch lieber absetzen lassen, guten Rutsch und Urlaub gewünscht. …aber vor 6 Jahren, da dachte ich noch: unglaublich, was man hier alles darf, tolle lockere Stadt. Es ist ihre Sache, aber die Stadt, ich mache es mir hier wollig gemütlich.

    Erlebt: meine Frau, Sie machte mir paar Vorwürfe hier und dort, ich machte ihr paar dumme Bemerkungen und Äußerungen hier und dort, platzte irgendwann, bin nicht stiften gegangen. Da haben wir erstmal nicht geredet und gut war es. Dann haben wir geredet und gut war es. Vieles ist wie früher, vieles ist anders, anderes ist neu für mich, meist meine Denke, mein Umgang damit, ihre Denke, ihre Reaktionen, mein Umgang damit.

    Krönender Hammer: Meine Frau organisierte auf geheimen Wegen 2 Karten für das Sylvesterkonzert in der Symphoniker in der Philharmonie. Ich bin nicht eingepennt, habe nicht störend geschnarcht, ich war hellwach, 50 Musiker, 1 Dirigent, 1 Bariton, 1 Soprane schmetterten und spielten alles in Grund und Boden und ich ertappte mich, wie ich den Klängen und Geräuschen folgte, jeden einzelnen Ton den Instrumenten zuordnen wollte, jeden Spieler, jeder Bewegung der Personen in mich aufsaugte, Schwamm trocken, voll mit Musik. War das ein geiler Sylvesterabend, meine Frau war endlich wieder meine Spreeprinzessin. Die Krönung waren ihre Worte: ich dachte du stehst da gar nicht drauf.

    Genau: was wir noch alles zu entdecken haben.

    In diesem Sinne, es wird ein entdeckungsfreudiges Jahr.

    LG Kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo Ihr Lieben,

    da sagt dieser Kerl im Fernseher doch glatt:

    ...die, die sich trennen gehen nur der Auseinandersetzung aus dem Weg. Da sind wir dann wieder beim Gummiband, falls sich die Damen noch an ihre abgeflitschten Kerle erinnern. Nur, wenn beide geflitscht sind, dann müssen sie nur beide die Hand ausstrecken und feste zupacken, dann finden sie auch wieder halt und die Flitschrei ist ausgeflischt.

    Eigentlich betreiben wir doch die ganze Zeit „Lebenskleptomanie“, wir stehlen uns unser Leben weg, erst mit Stolz, dann heimlich, dann mit abstoßender Hand. Ich werde jetzt endlich mal wieder zulangen, festhalten, die Hand meiner Frau packen.


    Da kam die Flitscher-Blitze-Erkenntnis:

    Meine Bude, alles klar strukturiert, ordentlich, aufgeräumt, alles am Platz, leer und aufnahmefähig, gut, nicht geputzt, war ja 2 Wochen nicht da, plus Vorweihnachtsabwesenheitsstreß, plus, bin ja fast wieder auf Reisen, also nicht gut, Staubwedel und so müßte ich mal beim Durchflitschen in der Hand halten, aber sonst, ich fühle mich da pudelwohl.

    Unsere Bude in Berlin, sauber, klar strukturiert, alles am richtigen Fleck, sozusagen, ein klar strukturierter Lebensbereich, das ist die Handschrift meiner Frau. Ich fühle mich ebenso pudelwohl.

    Mein Büro und Hauptaufenthaltsort: Chaos, durcheinander, unstrukturiert, 18 Jahre aufgetürmtes Belastungsmaterial. Ich fühle mich hier nicht mehr wohl. Das muß alles entrümpelt werden, weg, fort, aus dem Kopf, aus der Birne, in die müssen Struktur, wie in mich, dann ist alles zum wohl fühlen, klar, ich fühle mich dann auch pudelwohl.

    Voriges Jahr, hieß es Ende, da habe ich mein Hirn strukturiert und vieles war auf dem richtigen Weg. Wenn ich jetzt meine Buchnotizen ansehe, die sind entweder weg, nicht verwertbar oder das Ordnen dauern länger als das Neuschreiben. Da kann es doch jetzt nur noch heißen: weg, weg, weg, weg, behalten, neu, weg, weg, weg, weg, behalten, neu, also ausmisten, im Hirn, mit allem.

    Ich liebe diese Tage, entdecken was in uns so alles abgeht, einfach entdecken.


    Liebe Grüße kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Guten Morgen Kaltblütiger,

    ich kann gut nachvollziehen, was so in deinem Kopf passiert. Hab lange genug ähnliche Gedanken gehabt, wollte auch die Flinte nicht zu früh ins Korn werfen und habe dabei übersehen, dass es einen Unterschied gibt.

    Einen Unterschied, ob du in einer "gesunden" Beziehung Auseinandersetzung konstruktiv lösen möchtest oder in einer Beziehung zu einem trockenen Alki. Wenn unsere Angehörigen nicht mehr trinken, vergessen wir allzu leicht, dass die Sucht einen Grund hatte in und auch Veränderungen an der Seele des Abhängigen zu Folge hatte. Ich denke, es ist nicht so einfach eins zu eins umzusetzen, was in den hilfreichen Partnerschaftsbüchern immer zu lesen steht, denn dort wird nicht unbedingt von abhängigen Partnern ausgegangen.

    Aber das ist nur das, was ich erlebt und irgendwann für mich als realistisch akzeptiert habe.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Liebe Ette, hallo Ihr Lieben,

    konstruktiv, gesund, ungesund, fast jeder hat etwas an der Klatsche, daraus bilden sich evtl. Paare, Klatschmarsch.

    Alles ändert sich, fließt, steht nie still. Das können wir jetzt drehen und wenden wie wir wollen, mein Job ist es für mich still in den Raum zu lauschen, zwischen all dem Geklatsche. Wenn ich das packe, bin ich auf einem gesunden Weg. Ich denke auch, daß ich vielleicht für mich den Begriff „abhängige Partner“ ändere. Es fehlt dem Partner etwas, er allein kann das Fehlen ausfüllen. Ich bin mit dem Menschen zusammen, weil ich etwas mit ausfülle, wie er bei mir, nur ich kann das bei mir finden und dann entscheiden: es geht auch anders.

    Vielleicht entscheidet sich der Partner auch anders, dann dreht sich auch alles weiter, weil ich hier lernte, daß sich nicht alles um den Partner dreht, sondern ich mich nur um mich.

    Konstruktiv, Ette, mich erinnert das an Personalpolitik, Politik, Bundestag, an eine ganz gerade konstruktive, konsequente Linie. Einstellen, feuern, einstellen, feuern, irgendwie auch an die großen Schlachten vor einigen Jahrhunderten. Fahnenträger und Trommler, das waren immer die Ersten die fielen. Die Konstruktiven, die liefen in Zick Zack, wurden aber anschließend wegen Befehlsverweigerung hingerichtet, das ist dann auch nix.

    Das Gute ist, Partner sind weder Personal, noch Fahnenträger oder Trommler, egal was wir machen, wir richten in uns ein Chaos an, wir richten uns selbst, wenn wir nicht lernen uns zu leben.

    Wenn ich mir vorstelle, jemand von Euch hätte mir damals gesagt:

    Lies mal was, geh von der Frau mal weg, laß sie in Ruhe und dann siehst du schon ob und wie das wieder wird oder auch nicht und in der Zwischenzeit machst du was für dich, gehst in eine Gruppe und machst noch dieses und das für dich, versuch was gelassen sein zu lassen, trainier noch was sowohl als auch, fertig, und ich: ja, ja, ja, gemacht getan. Was für eine Vorstellung.

    Tatsache ist, irgendwie war es letztendlich doch so.
    Tatsache ist, würden sich meine Frau und ich heute trennen, es wäre nicht weniger traurig als damals.

    Jetzt bin ich ja mal gespannt auf die kommende Woche: gelassen gehe ich zum Flieger und stürze mich eine Woche in den Trubel, in den Jahresanfang, auf Kunden, in Geschäfte. Mal sehen, ob das anders ist, als die Jahre vorher, als meine Uhr noch anders tickte, ob sich zu dem noch irgend etwas anders in mir verändert hat.

    In diesem Sinne, eine schöne Woche.

    LG kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo Ihr Lieben,

    Gelassenheit, manchmal suche ich nach frischen Batterien, weil ich denke meine hätte jemand rausgenommen. Ich nehme mir z. Zt. Dinge raus, die sind für mich merkwürdig, aber auch gut, lustig.

    „Lebenskleptomanie“, eigentlich ist doch alles belastende Lebenskleptomanie, nimmt mir gute Zeit. Mein Job ist es, mir gute Zeit zu machen und je mehr ich mich in irgendwas Krankes verrenne, je mehr schade ich mir selbst.

    Eine Kollegin, die immer was flapsig, ausgefallen war, holte sich neulich einen Iron-Woman-Titel, ich habe nur gestaunt und wenige Tage später Absturz, mit dem Rad, vom Berg, einige Brüche, 4 Std. OP. Wir nach der OP ins Krankenhaus:

    6 Bettzimmer (groß wie ein Zweibettzimmer bei uns), chaotische Luft, jede Menge Leute, keine richtige Privatatmosphäre, sie in Gibs und strahlt, glücklich, zufrieden. Sie meinte, daß sie sich richtig wohl fühlt, als junge 40jährige, zwischen all den alten grunzenden Frauen und hier gäbe es so vieles zu bequatschen, was die alles wissen, anders als im Büro und auf die Frage: kein Einzelzimmer kam die Antwort: verrückt? Da würde ich verrückt, mir tut das hier richtig gut.

    Irgendwann hatte sich der ganze Schleier der Verzweiflung, der Wut und Trauer, der blinden Liebe aufgelöst,
    ich bin dankbar, daß ich das alles so erleben durfte, denn es gibt wirklich Schlimmeres, schlimm, wie durchgeknallt ich war. Wahrscheinlich war das Schlimmste, all mein Fehlerverhalten zu erkennen und es korrigieren zu müssen.


    LG kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo Kaltblütiger,

    ich freu` mich, dass du wieder da bist. Ja, wenn wir "andere Umstände" sehen, wird uns erst bewusst, dass es uns trotz allem gut geht.

    Mir ist im übrigen als erstes das Wort "Lebenskleptomanie" ins Auge gestochen. Ich klaue es mir und denke mal ein wenig darüber nach. So, wie über die Morgenröte. Wenn ich etwas Schönes damit anstellen kann, schenke ich es dir.

    Du schreibst, dass du das Erkennen all deines Fehlverhaltens als schlimm empfandest. Warum? Du hast es nicht besser gewusst! Ich habe es als schmerzhaft empfunden, meine Fehler und blinde Flecken wahrzunehmen. Schlimm nicht, hilfreich. Denn nun, da ich sie kenne, kann und darf ich sie korrigieren, umlernen, mich weiter entwickeln. Also ist im Grunde die Erkenntnis ihres Vorhandenseins mein Glück. Ansonsten wäre ich sicherlich noch lange in den immer gleichen Strukturen und Verhaltensweisen stecken geblieben.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hi Ette,

    der sch... Alkohol ist an allem Schuld. Damit fängt es doch bei allen irgendwie an und dann wird jede Menge von dem, wo ich stolz drauf war, was mir etwas wert war, unbedeutend und dahinter tauchen all die Flecken auf. Putz putze putze, Dampfstrahler und Supercleanirgendwas helfen nicht, einfach mal angehaucht und weg sind die Flecken.

    Du hattest doch mal gefragt, warum wir uns immer am Negativen aufgeilen und nicht am Guten. Ich sehe das mal so: würde ich in einer blitze blanken weißen Wohnung leben, würde es mir schwer fallen, nicht irgendeine Mücke an die Wand zu knallen, nur um etwas Farbe oder Dreck an der Wand zu haben. Das eine gehört zum anderen. Frag mich mal was in meinem Kopf ist, schöne Dinge oder die Mücke an der Wand? Die Mücke hat mich vielleicht einige Male gestochen, aber an der Wand, da sieht sie ganz schön künstlerisch getroffen aus. Wir brauchen das Gleichgewicht.

    LG Kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo,

    ich freue mich darauf, daß in den kommenden Tage meine Königin wieder auftaucht, hoffen wir es mal, normalerweise begrüßt sie mich immer, jetzt im 15. Jahr (klar, immer ihre Tochter). Es ist Zeit für mein Brummelchen bis in den Oktober unermütlich umher zu düsen, ich liebe diese kleinen fleißigen Hummeln, denn dann weiß ich, daß die graue Zeit ganz zu Ende geht, neue Schlappen und TÜV auf die Karre muß. Ich glaube, ich fahre heute mit dem Motorrad zum Therapeuten.

    Einige Stecher haben sich auch aus den Löchern getraut. Wir kann es anders sein, es sind Weibchen, die sich Nachschub für ihre Winterbrut besorgen. Wie kann es anders sein, Weibchen, sie überleben, Kerle sind wieder mal überflüssig.

    Einen schönen Tag kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo Ihr Lieben,

    ich fühle mich immer noch ziemlich rund und rolle wie eine blitze blank geputzte silberne Kugel gemächlich über den Roulettetisch, um in irgendeine Zahl zu fallen. Es gibt da viele Unbekannte in meinem zukünftigen Leben, aber ich bin keine Flipperkugel mehr, die überall wo sie antitscht durch die Gegend geflitscht wird, um getilt die Sicherung durchknallen zu lassen.

    Ich stöbere etwas in Vergangenem rum und finde laufend ältere Threads, die mich zum Erstaunen bringen, die ich vor Monaten ganz anders verstanden hätte, die vieles in meinem Aufgeschriebenen ausradieren.

    Vor einem Jahr hätte ich noch wild gegen Schatten gekämpft, heute versuche ich eher die dicken Dinger zu sezieren, zu zerlegen, ohne gleich Adrenalin und andere Stoffe durch mein Hirn zu pumpen, manche lasse ich mir auch einfach genüßlich auf der Zunge zergehen und stelle mir vor, wie ich noch vor kurzem damit umgegangen wäre:

    Da war die Frage wer es einfacher hat wieder klar zu kommen, der Co oder der Alkoholiker. Der Alkoholiker schützt sein Leben, der Co sein kaputtes Ego - meist vor sich selbst. Also ist der Co eigentlich sein eigenes Übel und der gehaßte Alkohol nur ein vorgeschobenes Relikt unserer unverstandenen Dummheit. Das mag jetzt weh tun, soll es auch.

    Auch ging mir durch den Kopf, wie Alkoholiker mit Verzichtsgedanken leben und mal so eben sozusagen nebenbei von den Prozenten wieder eingefangen werden. Passiert uns Co´s ja nicht anders, wir verzichten auf vieles in unseren Beziehungen, leben mit Rücksicht, machen große Fortschritte und leben in riesigen Rückfallschritten.

    Der Alkoholiker ist ja nun in der Lage, schauspielerische Glanzleistungen zu erzeugen und kann Energien zur Verblendung seiner Sucht erzeugen, die einfach unschlagbar genial sind. So was kann der Co nicht, da ist er klar benachteiligt, er ist eher das Gegenteil, vielleicht ein Jammerlappen, geht hops an Depressionen und die Leute sagen kopfschüttelnd: …hätte ich nicht gedacht. sozusagen eine geistige Implosion. Andererseits, was ich für Energien in Rechtfertigungen der Rechtfertigung verballert habe und wie lange -Wahnsinn. Da mache ich meinen Kopf auf und muß erstmal all die Kolibris raus lassen, die mir damals ins Hirn ges… (ausgeschrieben: gesungen) haben.

    Meine Frau und ich, wir hatten eine ganz tolle Kommunikation. Keine 7 Minuten Tagesdurchschnitt, wir redeten beim Kochen, Essen, Abwasch und nachher, jeden Tag. Wir redeten über alles, viel und was im Raum stand, daß hinterließ ich ihr handgeschrieben am Frühstücktisch oder sie mir abends zum Frühstück. Schöne liebevolle Worte, Blöcke voll, viele Seiten. Irgendwann wurde da etwas Zwanghaftes draus. Wenn abends was in der Luft stand, ich über ihren Abnippelaugenblick durchgehalten hatte, dann schrieb ich und druckte und wenn es die ganze Nacht dauerte und fuhr dann ins Büro. Anfangs antwortete sie, dann nicht mehr, da war ich schon hier im Forum, ich schrieb und schrieb und schrieb wie ein Irrer. Was habe ich für irre Energien verballert, wenn ich mich am Folgetag für die Aussagen vom Vortag rechtfertigte, weil ich von ihr keine Reaktion erhielt. Ich rechtfertigte mich mir selbst gegenüber. Mein Ego glänzte vor blinder Dummheit und machte mich selbst recht fertig.

    Das mag jetzt wie was weh tun, soll es auch, dagegen hilft was kochen und essen:

    Gestern wollte ich mir ein Gesundheitssüppchen machen, da wurde aber ein Häppchen draus:
    2 Scheiben Sellerie oben mit scharfer Currypaste und Tomatenmark bestreichen, mit Limonensaft beträufeln, mit Mohrenstreifen, Lauchzwiebeln, Knoblauch, brutzeln lassen, dick Parmesan, Petersilie und Pfeffer mit Salz drauf, rein spachteln.

    LG kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo Kolibrimann !

    Ich lege ohnehin wenig wirklich auf die Goldwaage, daher kam es auch zu keinem "vermißten Verstand" aber danke für Deine Worte in meinem Thread.

    Zitat

    Der Alkoholiker ist ja nun in der Lage, schauspielerische Glanzleistungen zu erzeugen und kann Energien zur Verblendung seiner Sucht erzeugen, die einfach unschlagbar genial sind. So was kann der Co nicht, da ist er klar benachteiligt, er ist eher das Gegenteil, vielleicht ein Jammerlappen, geht hops an Depressionen und die Leute sagen kopfschüttelnd: …hätte ich nicht gedacht. sozusagen eine geistige Implosion

    Ja doch, auch ich verstecke mein Co Verhalten sehr gut. "Er" stößt mich vor den Kopf, lügt und gibt sein Geld, was er ja eigentlich MIR schuldet mit anderen Gestörten in der Kneipe aus. Ich sitze zuhause heule und schreie stundenlang und rufe dann irgendwann einen Freund an und sage: Habe Lust zu feiern ! Dann gehe ich mit Freunden weg, tanze und rede mich in Extase, flirte, singe, küsse fremde Männer und wenn ein guter Freund dann mal fragt : Wie gehts Dir denn so ? Was macht denn Dein Verlobter ? Sage ich : Wen ? Kenne ich gar nicht ! .......... Ach DEN meinst Du ! Der Sausack schuldet mit noch Geld ansonsten kann er in Indien (da wächst doch der Pfeffer) versauern...

    Das ist eine schauspielerische Glanzleistung, glaube mir.

    Allerdings gehts mir damit besser als ebenfalls zur Flasche greifen (mal ausprobiert - Kolibris im Kopf gehabt) Tranquillizer einwerfen (auch mal ausprobiert - ganzen KolibriSCHWARM im Kopf gehabt ) oder Nasepudern mit weißem Pulver (auch ausprobiert - GAR nichts mehr im Kopf gehabt )

    also lieber das ganze Co-leiden wegtanzen, wegflirten, wegvö.., weglachen, wegoffenfahren, wegindeisaunagehen, wegedelessen, wegfreundetreffen, oder halt wegAFRIKAREISEN :lol:

    In diesem Sinne.


    Emma

    In every heart, there ist room - A sanctuary safe and strong
    To heal the wounds of lovers past - Until a new one comes along

    (Billy Joel)

  • Hi Emma,

    genau, all das ist wichtig, um auf irgendeine Art und Weise andere Gedanken zu bekommen, wobei ich denke, es gibt tolle Alternativen. Angeln, Laufen, Wandern, Biken, paar Tage ins Kloster, auf ein Kind warten oder frag den Professor mal, ob er Dir zeigen kann, wie man 24 Stunden beobachtend sitzen bleibt ohne dat Föttchen hin- und herzubewegen.

    Irgendwann muß der Kopf klar sein, Ende mit dem Weglaufen vor dem beschädigten Ego und dann müssen die Bremsbeläge so zupacken, daß Du stehen bleibst, fast auf der Stelle, mit langer Bremsspur, sonst bist Du weg, weg gedreht.

    Das wird Euch dann beiden gut tun:

    Zitat von kaltblut


    8 Wochen Dschungelcamp, 6 Wochen Wüstencamp, 4 Wochen ans Meer, dann denkst Du nicht mehr daran was sie wohl denkt, wenn Du denkst, was sie denkt. Hauptsache, Dir geht es gut.

    Meine Kolibris zwitschern, dass man im Ruhen viel Kraft finden kann.

    LG kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Zitat von kaltblut


    Irgendwann muß der Kopf klar sein, Ende mit dem Weglaufen vor dem beschädigten Ego...

    Meine Kolibris zwitschern, dass man im Ruhen viel Kraft finden kann.

    LG kaltblut

    Bester Kaltblütiger,

    ich gehe, weiß Gott, nicht immer mit deinen Gedanken konform. Hier tue ich es jedoch absolut.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo Ihr Lieben,

    ich versuche mal kurz zusammenzufassen, was bei mir in 1 ½ Jahren so abging:

    „Es geht um Alkohol in abhängiger Form, um vom Abhängigen abhängige Angehörige, um uns, wie wir das los bekommen, um was Neues rein zu bekommen, in uns und um konsequentes geradliniges Verbiegen.“ Jetzt versteht mich wieder keiner, dann nochmals meine längere Kurzversion:

    Einpaar Monate bevor ich auf diese Seiten fand, war meine Welt noch ganz in Ordnung. Wir tranken täglich, Gesellschaftsgenußtrinker, fast alle in unserem Umfeld waren wie wir (also benebelt bis plemplem). Als ich hier las, war ich zuerst ungläubig erschrocken, später wurde ich krank, co.-krank, viel später alkoholkrank, noch viel später bekloppt, mit Unverständnis beschlagen. Ich war es schon Jahre und die Menschen in meinem Umfeld sagten plötzlich: ich sei nicht mehr normal, durchgeknallt, eben krank.

    Meine Frau hatte mit 43 einen Infarkt und ich dachte: so das war es, jetzt trinkt sie weniger oder hört ganz auf. Sie trank weiter, damit kam ich nicht mehr zu recht, Suff, Infarkt, die geliebte Prinzessin verlieren? Die Frage war: welchen Grund sie haben sollte, den Suff ohne Lebensgarantie einzustellen? Die Antwort war: „um die Zeit bis zum nächsten Infarkt wenigstens 100% zu erLEBEN und noch genießen zu können“.

    Mein größten Co-Schritte mit denen alles begann waren, daß ich hier las, schrieb und dann ihre Weinflaschen nicht mehr nach oben in die Wohnung trug, die arme, herzgeschwächte zierliche Frau mußte jetzt Tüten schleppen (dafür brauchte ich einige Wochen). Diese Kleinigkeit kann ich für mich ungefähr so einstufen: ein Mann muß einmal im Leben einen Baum pflanzen, ein Haus bauen, ein Kind „bekommen“ und eben dieses. Das war auch irgendwie wie Ehebruch, aber Ehebruch hatten wir auch so, sie hatte immer einen im Bett, neben mir, diesen Flaschengeist, meinen Nebenbuhler und der war mit der Zeit wertvoller als ich, ich wurde für mich wertlos. Durch so einen Sche.. wurde ich mir wertlos, weil ich machtlos war, gab ich mich immer mehr auf, es ist mir unbegreiflich, ich vergaß mich selbst, total Kopfschuß.

    Da fragte ich mich, gibt es hier keine Anleitung, wo alles steht, damit alles was schneller geht? Alles steht hier, auf Tausenden von Seiten, selbst wenn sie komprimiert in mein Hirn gelangt wären, es hätte Monate und Monate gebraucht, sie zu verstehen. Was alles passierte, könnt ihr im Forum nachlesen. Unsere Geschichten hier ähneln sich, oft sind sie viel härter als ich sie mir hätte vorstellen können. Hier durfte ich lesen, begreifen und schreiben, die Texte veränderten sich, ich veränderte mich, jedesmal wenn ich las. Jedes geschriebene Wort steht hier, unwiderruflich und es steht hier immer noch, wenn ich es längst vergessen habe. Oft waren es nur einzelne Worte, kurze Gedanken, irgendwo in diesem riesigen Werk der Lebenserfahrung, die mir einen verpaßten und auf den richtigen Weg brachten. Es gibt Bücher, die habe ich mehrmals lesen müssen, bis ich sie verstand, andere verstehe ich bis heute nicht, wieder andere brauchte ich nur anzusehen und alles war in mir. Hier habe ich manchmal geschrieben und als ich auf „Enter“ drückte, war die befreiende Lösung in meinem Hirn oder wenn ich ratlos auf Antwort wartete, wenn es mich zerriß, vollbrachte die Stille lauter Wunder.

    Ich bin froh, daß meine Versicherung die Prämien nicht wegen drohender Überflutungs- und Wasserschäden erhöht hat, es gab Eimer voller Rotz und Wasser. 100kg strammes Kampfgewicht sitzen im Büro, sagen Termine ab, lassen alles platzen, zappeln aufgelöst rum, versinken in sinnlosem Gejammer statt einen mächtigen Tritt mit spitzen Schuhen in die Donnerfurche zu bekommen. Das hätte noch nicht mal was genutzt. Ich habe lange gehampelt, gepaart mit zahlreichen Co-Rückfällen, wertvolle Zeit, unbezahlbar, meine Zeit, für mich.

    Co-abhängig, was sage ich, ich war gelähmt und fast wahnsinnig, wäre mein Nebenbuhler, der Flaschengeist, ein echter Kerl gewesen, er würde heute einige Oktaven höher reden, weil ich ihm die Bömmelchen abgeschnitten hätte, aber das war es ja, er war nicht greifbar, dieses Monster. Das ich langsam aber sicher auch einige Oktave höher sang, das wurde mir anfangs gar nicht bewußt, aber deshalb war ich nicht hier, denn es ging ja um meine Frau.

    Ich versuchte mit meinen Problemen umzugehen, machte grobe dumme Fehler, sah nur noch Alk, Werbung, Promille, das ganz Ausmaß gesellschaftlicher Eigenbestimmung, gut, ich war Co abhängig, machte merkwürdige unnormale Sachen, aber deshalb hatte ich noch nichts an der Schüssel, ich war nur wie ich sein mußte, für mich, nach meinem Verständnis, einfach voller Unverstand. Plötzlich ging es nicht mehr um ihre Krankheit, es ging um meine Gesundheit. Was immer da in mir abging, ich verdanke der Krankheit meiner Frau auch meinen neuen Weg. Ich hätte nie zugegeben, selbst darin verstrickt zu sein, meine Laufmaschen waren noch unter der Hose, unbegreifbar unsichtbar. Es war mir nicht möglich, konsequent Ordnung in mein Hirn zu bringen. Dann war da ja noch diese Liebe, eng umschlugen mit dem Alk, ein ungleiches untrennbares Paar, unkaputtbar in meinem Hirn. Zusammen bohrten die sich immer tiefer. Es war klar worum es hier ging, um eine unheilbare Krankheit und daß ich kein Mittel dagegen hatte, alles wertlos war, wenn es um „Ihn“, meinen Nebenbuhler aus der Flasche ging, aber es war doch nur harmloser Wein, überall an der Tagesordnung. Ich war nur ein Mittrinker, nur der Flaschenträger, nur ein Versorger, nur ein vor den Karren gespanntes Brauereipferd, ein Kaltblut. Ich armer wertloser Ehemann, sülz, sülz, ich geh mal den Nußknacker und die spitzen Schuhe suchen.

    Dann ging ich zum Anwalt, machte Druck und das Trennungsjahr lief, ich kündigte die Wohnung, zog aus, wir waren endgültig getrennt. Es gibt Menschen, die leben konsequent zack zack zack, bei mir dauerte jedes kleine Zack lange, sehr lange, Schwabbelpudding in Liebescreme, immer wieder rein und raus aus den Kartoffeln, Wasser marsch. Vieles wollte ich verstehen können, bis ich begriff: es gibt nichts zu verstehen, nur sein lassen. Liebevoll aufzugeben um selbst frei zu leben, damit es mir gut ging, damit sie lebt, los lassen, damit wir leben können, sein lassen, nicht mehr gelebt werden und dafür noch eine geklatscht bekommen, was für bescheuerte Widersprüche, es gibt keinen anderen Weg. Nicht pro Forma, nicht als Mittel zum Zweck, nur Ganz, um nur vielleicht, neu zu beginnen. Für jeden Buchstaben des Seinlassens brauchte ich einen Monat und noch länger. Meine Einstellungen schwankten von besinnungslosem Klammern, endlosem Zweifeln, Ex und Hopp bis zum losgelösten Seinlassen, neuen Zielen und wiederholten Abstürzen, aber hier war ich nicht alleine, es wurde eine unendliche Geschichte, zeitlos, mit permanenten Veränderungen. Oft habe ich mit einem „ich will nichts mehr davon hören“ den Link ausgeknipst, es war erschreckend, das ganze Ausmaß geduldeter, forcierter, tödlicher Selbstbestimmung zu erkennen.

    Sie machte einen kalten Entzug, einige Wochen ging das gut, bis es nicht mehr ging, da hing sie wieder dran, voll. In meiner neuen Wohnung ging es mir erstmals wieder richtig gut. Bis ihr Mietvertrag auslief, da kamen wir auf wundersame Weise wieder kurz zusammen, sie entschloß sich für einen Entzug, mit Langzeittherapie und zog bis zum Antritt bei mir ein. Endlich war ich am Ziel. Meine Frau wird gesund. Was sind 3 Wochen, davon war ich noch 10 Tage verreist, dachte ich. Wir trafen ein saublödes Abkommen: kein Alk in meiner Wohnung und die paar Tage stehe ich mit fortsehen durch, weil, kalter Entzug geht ja gar nicht. Daraus wurden 8 Wochen, Dosis und gegenseitige Hassliebe gingen ab wie mein Drehzahlmesser nach einer heftigen Drehung am Gasgriff. Höchsttouren. Sie trank heimlich, ich sah fort, wir beschissen uns unerträglich immer mehr. Ich wollte nur noch weg, sie wurde 100 Jahre älter, zerfiel in meinem Beisein. Später legte ich mal Bilder mit ihr von paar Jahren übereinander und mußte ein großes Bäuerchen entsorgen, was hatte sie sich schlimm verändert.

    Das kommt vom Runtertrinken. Runtertrinken, das ist die Akzeptanz sich einreden zu lassen, daß ohne Gummi schon nichts passiert, irgendwie Doppeltod.. Zieht einmal den Stöpsel aus den Bier- und Weinflaschen. Eine Flasche Bier ist ein halbes Wasserglas Destilliertes, ein Flasche Wein, kann da schon über den Rand schwappen. Seht Euch das Konzentrierte eines Monats an, nur Wein, nur Bier, nur tödliches Gift, in Strömen. Nur, ein Glas Konzentriertes ist nicht das Gleiche was es vorher war, eher wie Spülmittel und Abflußreiniger zu vergleichen.

    Dann war sie endlich in stationärem Entzug, im Krankenhaus, sofort in LZT. Nach 4 Wochen hatten wir ein Paargespräch, klasse, Eiseskälte mit dem Hypergetue eines naß denkenden Alkoholikers. Die Birne sagt „ich trinke nichts mehr, was willst du, kleines Würstchen, ich bin der Größte und schaffe alles“. Eigentlich gab es zu diesem Zeitpunkt für mich nur 3 Fragen: wo stehen wir, haben wir gemeinsam eine Chance, will sie ihren Weg alleine gehen, was will ich überhaupt? Ich eingebildeter Pinsel explodierte etwas. Statt stolz auf ihre Leistung zu sein, sie anzuhimmeln für ihren trockenen Weg in ein neues Leben, alles Kaputt, Ehe hin, Scheidung, erledigt, Schnauze voll, was war ich ein arroganter Dummkopf. Sie ging dann uneinholbar ab wie eine Rakete, wurde trocken im Kopf und ich stand dort wie der Oberhirni, begriff nichts mehr, als wenn sie arabisch sprach, ich kölsch. Da war plötzlich weder zu begreifen was mir fehlte, noch warum es bei ihr so ab ging. Extrem ausgedrückt, waren wir vorher zwei Durchgeknallte und jetzt wo all das Durchgeknallte weg war, knallten wir wieder durch.

    Wir näherten uns wieder durch mehrere kleine Wunder und ich zog die Scheidung zurück. Angst machte sich breit, daß sich alles wiederholen könnte, alles von vorne begann und die Angst ging. Ihr Körper wurde blitzschnell repariert, restlos, blendend gut, ein Wunder der Natur. Ich stelle mir das so vor, daß man in einer Langzeittherapie jeden Tag ein Saatkorn eingetrichtert bekommt, viele kübeln die gleich wieder aus, andere nach einigen Monaten, einige erleben wie sie sich entfalten, wurzeln schlagen, um dann in voller Pracht zu erblühen. Meine Frau blühte, während ich von Blumenladen zu Blumenladen lief und fragte: habt ihr das oder das, hammer nit, kreßte nit, jid et nit, mußte dir backen Jung. Es war was enttäuschend, daß meine Frau alles bekam was sie wollte, ich mußte mir alles backen und bin dann doch immer wieder auf meinen Nüssen nach Hause gekrochen. Nußknackerzeit, ich habe diesem Alkohol die Eingeweide rausgeholt und seine Nüsse tausendmal geknackt. Das geilste Gefühl war dann, als ich feststellte, es waren immer meine eigenen, wie ungerecht. Später suchte ich mir eine SHG und einen Therapeuten, Fremde Hilfe neben dem Forum, hätte ich es nur schon viel früher getan, es hätte mich weiter gebracht als Nächte lang zu grübeln, aber ich war im Corausch, fertig und habe es nicht bemerkt.

    Meine Frau ist mit Alk oder ohne, ein ganz liebenswerter Mensch, wie wir alle. Was ich hier alles für Dinge in meiner Birne feststellt habe, daß hat mir oft genug noch viel mehr die Füße vom Teppich gezogen. Ich hielt mich nicht für dumm oder unfähig, mein Leben war schon bewegend, irgendwie vorher auch im Lot, aber so was, Rechtfertigungen ohne Ende, Kindheitserlebnisse, Leidensdruck, Masochismus, Egoismus, zu viel lieben, gefährliche Liebe, fehlender Egoismus, entweder oder und sowohl als auch, unstrukturiertes Denken und Handeln, kapitulieren, der Sinn, sein lassen, los lassen, Stille, innere Ruhe, Kontrollgedanken, Verzichtsgedanken und im Ernst, auch für die jungen unbändigen Dinger, ESEHIKS - es ist nicht alles so wie es aussieht, es geht auch anders oder meine verbalen Ausrutscher, wenn ich mich selbst nicht verstand, ach da sind noch ganz tolle Erfahrungen, aber für die war ich ja gar nicht hier, denn ich hatte ja kein Problem, im Gegenteil, ich schrieb: bei mir war alles paletti, prima Kindheit gehabt und übersah alles. Oberhammer war die Erkenntnis, daß all die vielen Erkenntnisse so unbedeutend, gegen all das war, was undeutlich und ungreifbar an Gefühlen durch meinen Bauch wanderte, mich lenkte und steuerte. Häh? Trockenarbeit, die Cos sind aber meist trocken und denken: das ist nicht unsere Sache, denkste: Co Arbeit und das ein Leben lang. Vielleicht ist meine wichtigste Erfahrung, daß mit oder ohne Alk die gleichen Probleme da sind, für mich gibt es da keinen Unterschied mehr.

    Da steht bei uns Cos schon mal: Alkoholiker du bist an allen schuld, du und dein Gesaufe. Jetzt stelle ich mir einen Alkoholiker vor und einen Co Abhängigen und beide sind ja von der Struktur her etwas sehr gleich, ja, ich weiß, aber im Prinzip. Ich weiß heute nicht mehr genau, wer da mehr jammert oder mehr falsch ist oder mehr irgendwas ist, aber ich weiß, es hört sich unwirklich an, wenn der Alkoholiker sagen würde: Co Du bist an allem schuld. Warum eigentlich nicht? Weil es keine Schuld gibt.

    Gesund, fertig, ausgeheilt, was denkt Ihr denn, nie sind wir das. Ich werde für immer einen weg haben und denke, alle haben den einen und anderen weg, alle, jeder, vorher, nachher, mit oder ohne Alk. Ich habe mein Leben nochmals durchlebt, gesehen was ich alles gemacht habe, was alles vermeidbar gewesen war, es sollte so sein und deshalb möchte ich keine dieser Erfahrungen missen. Übrigens, der Leiter meiner SHG ist 34 Jahre dabei, seine Frau ist 34 Jahre trocken, er ist also 34 Jahre aktiver Co. Falls also jemand die Frage hat: wir lange es dauert bis er wieder OK ist: bis morgen, immer nur bis morgen, ein Leben lang bis morgen. Überflieger haben ein Problem. Man sagt auch als Faustformel die halbe Zeit, die es gedauert hat. Heute finde ich es richtig geil, daß ich noch so 25 Jahre an mir rumfummeln darf, vor Monaten wäre ich laufen gegangen.

    Ich habe meine Wohnung wieder gekündigt und ziehe dann zu meiner Frau nach Berlin. Meine Frau hat nie geglaubt, daß ich dahin ziehe, Kerle ziehen nicht zu Frauen, nur Frauen zu Kerlen. Wie die Zeit rennt, was sich alles verändert hat, was alles möglich ist, wer weiß das wirklich, es gibt keine Versicherungen, keine Garantien für nichts. Das ist Leben.

    Das was ich während meiner Zeit in diesem Forum erfahren habe, es bezieht sich nicht nur auf meine Ehe, nicht nur auf meine Frau oder mich, es bezieht sich auf meinen Job, meine Familie, Kinder, Bekannte, Freunde, Geschäftspartner, auf mein ganzes Leben, es verändert alles, in mir und es ändert meinen Umgang mit ähnlichen Situationen. Das glaubt keiner? Lest einfach was, ihr werdet es erkennen. Dabei ging es doch anfangs nur um meine Frau, sie hatte ein Alkoholproblem, ich doch nichts.

    Es ist ein Wunder das wir noch zusammen sind oder auch nicht. Ich stelle mir vor, daß jede/r mit jeder/m glücklich sein könnte, es aber nicht so ist, weil die Vorstellungen nie ganz erfüllt werden oder weil sich im Laufe der Jahre Entfremdungen ergeben haben oder weil es sehr viele Veränderungen gegeben hat, also vieles nicht mehr wie früher ist. Alles um uns herum verändert sich, auch unsere Gedanken, unsere Haut und Haare, unsere Gewohnheiten, alles, es ist nicht mehr wie früher. Wieso halten wir eigentlich an diesem „Alten“ fest, ohne uns zu ändern? Wir wünschen uns zur Selbstbefriedigung, daß sich alles nach den Vorstellungen vergangener Zeiten verändert, warum fangen wir nicht bei uns an? Warum also nicht mit dem alten Partner glücklich sein? Ja, keine Härtefälle, meine Frau und ich, wir waren nie ein Härtefall, Achtung und Respekt haben wir nie verloren. Wir waren ganz einfach an einem Punkt wo sich alles in alle Richtungen öffnete. Ich lernte, meine Frau nackt zu sehen – ohne Alkoholnebel, ohne erblindende Liebe und konnte entscheiden, was mir das nackte Überbleibsel wert war und versuchte es weiter. Ich versuchte, das war schon wieder voll Co.

    Wir hätten heute beide irgendwo anders sein können, wir sind es aber nicht. Die Familie Zurhorst schreibt da schöne Bücher drüber, ich drücke das mal so aus: meine Frau und ich, wir lieben uns wie die Meisten anderen auch, gut, wir sind verheiratet, Fangeisen und Formalitäten binden etwas mehr, aber unser Trennungsjahr war abgelaufen. Wenn Zwei zusammen sind, dann sprechen sie eine Sprache, sie verstehen sich, irgendwann nicht mehr. Selbst wenn sie es beide wieder wollen, verändert jeder Lernschritt etwas die Sprache, wenn der Partner trocken wird, seine Denke ändert, der Co sich ändert, dann sprachen wir jeder was anderes, mal chinesisch, mal kölsch, mal badenserisch, mal icke, mal insulanerisch, da schauen wir uns eben nur dumm an, dachten ballaballa und verstanden uns nicht, wie denn auch und dann immer getrennt und das und dieses, man wird sich fremd, es kommen fremde Versteher, unerfüllte Bedürfnisse und neue Gefühlsachterbahnen. Dumm gelaufen, vielleicht sind wir dann eingeschnappt, gekränkt und keiner wagt einen Schritt über den eigenen Schatten, viele neue und alte Situationen gießen Öl ins Alltagsfeuer. Klar, da ist es einfacher flacker, flacker ein neues Lämpchen anzuzünden und tschüß, einmal im Leben konsequent sein, die eigenen Bedürfnisse über alles stellen, erst ich, dann du und da kann es schon mal einfacher oder besser sein, ganz neu zu starten, warum nicht? Warum wir also immer noch zusammen sind? Es gibt noch ein „sowohl als auch“ oder fragt meinen Boss, der weiß alle Geheimnisse, ich nicht. Alles was paradox. Verstehen muß man das nicht wirklich, verlangt es nicht von Eurem Hirn. Vielleicht so: wir haben versucht uns auf uns selbst und dann neu aufeinander einzustellen.

    Ich kann übrigens immer noch nicht verstehen, warum wir damals für vergorenen Fruchtsaft so viel Geld ausgegeben haben. Lt. Gesetz muß nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums alles entsorgt werden. Das muß man sich mal reinziehen, die Entsorgung kostet gewöhnlich Geld. Wir haben für den entsorgten Mist noch bezahlt, fast mit unserem Leben, öffentlich selbstbestimmte Lebensinflation, was klar beweist: ich bin verrückt, aber nicht alleine.

    Als ich einige Wochen hier gelesen hatte, da dachte ich, was eiern die denn da rum, manche - also wirklich, Co muß ganz schön krank machen, warum hauen die ihren Typen nicht einfach raus, was da alles für Gedanken waren und wie schnell verging Monat um Monat. Wenn ich jetzt nachlese ist es, als hätte ich liegend auf kräftigem grünem Gras geschrieben, auf irischem Irrengras. Irrengras, weil es schon irre ist, daß sich alles was geschrieben steht verändert, mit uns, mit unseren Gedanken. Wie soll man das verstehen, Buchstaben die sich magisch in unserem Hirn verändern, neu formieren, hier in diesem Forum, das Forum, „es lebt“.

    Dieses Jahr gibt es viel zu feiern, geiles Gefühl, was für ein Jahr. Am Schönsten sind nicht die gefeierten Tage, sondern die Erkenntnisse und da könnte ich täglich was feiern, mich. Das kann man arrogant empfinden, ich finde es geil. Wenn ich noch viele, viele Jahre solche Gefühle mit meiner Frau teilen darf, wenn wir uns nicht wie früher verschließen, bekämpfen, anekeln und weiß der Geier was wir alles angestellt haben, sondern jedes Anecken gelassen als Herausforderung betrachten, dann haben wir eine verdammt geile Zeit vor uns.

    Ohne das Forum, ohne Karsten, ohne die Moderatoren, ohne Eure Beiträge, ohne die geballten Texte in diesem Forum wäre alles anders gekommen, es sollte genauso sein und dafür bedanke ich mich ganz herzlich für Eure Zeit, für Euer unbezahlbares Lebenswerk. Ich bin dankbar, daß ich so viele Menschen hier kennen gelernt habe. In diesem Sinne wünsche ich allen verzweifelten, hoffnungslosen und aufgelösten Besuchern, in diesem Forum die passenden Worte für ihren Weg zu finden, ob lange oder kurze, die, die Euch auf Eurem Weg Kraft und Hoffnung für den nächsten Tag geben. Macht Euch klar was Ihr wollt, was Euch wichtig ist, es geht hier um Euch, nur um Euch und dann ist auch die "Lebenskleptomanie" vorbei.


    Lieben Gruß kaltblut (bin was weg)


    Übrigens, wie ich das hinbekommen habe, daß ich noch mit meiner Frau zusammen bin? Ich habe nichts hinbekommen, es ist einfach so… Auf meiner Toilette saß eine Spinne, monatelang saß die da, in der Ecke und immer wenn ich sie packen wollte, war sie weg, in einem Spalt. Weiß der Geier was die da gemacht hat, da war nichts zu mampfen. Neulich war sie weg, aber eine 3x so Große saß da, nicht lange. Versteh ich auch nicht, aber mache Dinge liegen nicht in unserer Hand, wir müssen nicht alles verstehen.

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • He Kaltblut !

    War das "bin was wech" ein Abschied für immer oder biste auch eben mal nach Afrika ?

    Oder im Karneval verloren ?

    Werde Dich vermissen.

    Alles Liebe

    Emma

    In every heart, there ist room - A sanctuary safe and strong
    To heal the wounds of lovers past - Until a new one comes along

    (Billy Joel)

  • Hallo Ihr Lieben,

    nicht weg, warum, mir geht es doch gut bei und mit Euch, nur viel zu tun, obwohl, ich wäre jetzt gerne an einem Brutzelstrand wäre. Also muß ich mich hier gerade was rar machen.

    Um Mißverständnissen vorzubeugen:

    Ich bin die vergangenen Tage 2x bei meiner Frau ausgeflippt, dann in Depression und Selbstvorwürfen verfallen. An diesen 2 Tagen ging wie immer die Welt unter. Dann die Sonne, dann war Nacht und dann war es wieder gut. Und? Ist doch normal oder? Ich muß auch täglich auf den Topf, mein Ding. Wichtig bleibt, daß wir nicht vergessen auf den Wasserknopf zu drücken und gegebenenfalls mit der Bürste nochmals nachreinigen. Im Übrigen haben Sitzpinkler weniger Putzarbeit.

    Es ist nichts für ewig, was heute gut ist, kann morgen stinken. Meine Frau hat damit überhaupt nichts zu tun, ich, nur ich, habe auf irgendwas reagiert, egal was da in mir ab ging, was mir da hoch kam, was da anfing zu stinken, ich ganz alleine bin damit nicht klar gekommen. Das zu lernen ist mein Job, mit oder ohne sie, für mich. Das ist unser Job. So lange wir unseren Job nicht richtig machen, passiert was, was uns unzufrieden macht, was nicht gut für uns ist, was stinkt.

    Lieben Gruß bis dann Kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo Ihr Lieben,

    ich habe einmal ganz laut gebrüllt: nie mehr eine Alkoholikerin, mir geht das oft durch den Kopf.

    Ich muß auch schmunzeln, wie ich mir einbilden konnte, ein Helfersyndrom oder ähnliches zu haben und dachte die Problemmenschen förmlich anzuziehen. Anziehen, Menschen, die nicht gerade in den Schienen laufen, die abhängig sind von Suchtmitteln, Alkohol, Drogen, Arbeit, Spiel, Sex, Gewalt, Eifersucht, einem ellenlangem Rattenschwanz bis hin zum Putzfimmel. Nur, wer ist eigentlich übermäßig irgendwas und lief neben den Gleisen? Eigentlich darf ich nicht mehr vor die Türe gehen, denn jeder hat was, nur hat mir das einst nichts ausgemacht, auch nicht, mir immer das Richtige rauszupicken.

    Übermäßig irgendwas wurde ich, als es mir schadete, als es meinem Umfeld schadete, als ich nicht mehr damit klar kam. Eigentlich hätte es heißen müssen: „nie mehr ich oder mich oder Kalli Kaltblut auf die einsame Insel“.

    Noch besser finde ich heute die Formulierung: „nie mehr“. Nie mehr bedeutet ja auch, daß ich irgendwie Einfluß auf Veränderungen habe, auf Menschen, auf deren Verhalten, denn hätte ich das nicht, könnte ich ja nicht sagen: „nie mehr“, weil, was weiß denn ich, ob ich morgen rückfällig werde, meine Frau oder ob wir einfach nur in einen ganz neuen Strudel geraten. Einfluß auf Veränderungen, was ein Quark, Metereolügen haben da auch so ihre Erfahrungen, wie Wetterfrösche, es regenet und die gehen die Leiter rauf.

    Wenn meine Frau einen Rückfall baut bin ich weg – nie mehr den Krams, was für eine hohle Aussage, Doppelquark, damit gibt es auch kein schöneres Wetter. Ich finde es sogar lustig, gut, man kann da nicht drüber lachen, aber über mich schon, denn: „ich komme mit was nicht klar und laufe davor fort, vor mir selbst“.

    Der größte Brüller ist aber ein ganz anderer: hätte mir das damals meine Frau oder andere so was in irgendeiner Situation gesagt, ich hätte gesagt: Du wieder, Du drehst mir das Wort im Mund rum, immer ich.

    Was hindert mich daran schlauer zu werden und mit mir umgehen zu lernen? Ich habe das nie gelernt, nie wirklich gelernt mich zu „beziehen“, eine Beziehung zu mir und mit mir selbst zu führen.


    Lieben Gruß kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo bonny,

    nehmen wir einmal an, ich stünde vor der Frage mich für eine Partnerin entscheiden zu müssen. Ganz klar: kein Alk, keine Drogen, kein Irgendwas, da bleibe ich lieber alleine. Alles ist schön, neue Partnerschaft, wer kann garantieren daß sich nicht eine Tablettenabhängigkeit, irgendwas anderes passiert, oder mir? Keiner. Passiert einfach. Oder es gibt eine Krankheit. Was jetzt? Damals hieß es: das ist ja was ganz anderes, ein Kranker würde sich helfen lassen, der Abhängige nicht. Also was geht da ab, wer legt jetzt fest was gesund und ungesund für mich ist?

    Zitat von bonny24


    auch ich habe geschrien: nie mehr, nie wieder.....
    zur zeit bin ich unfähig zu schreien, ich dümpel hier so vor mich hin und wenn mir jemand fragt was morgen ist, lautet meine antwort: erstmal die nächste stunde überstehen!

    Die nächste Stunde, den halben Tag, die nächsten 24 Stunden, unsere nächsten 24 Stunden. Sieh mal, ich habe in Projekten und weit in der Zukunft gelebt, wenn andere Weihnachten feierten, machten wir Produkte für übernächstes Weihnachten. Jetzt, hier und heute zu leben, das war wie ein Luftballon, den bläst Du feste auf, läßt ihn los, dann saust er was wild durch die Bude und ein leerer Sack liegt auf dem Boden. Für mich war das neu und irgendwie habe ich heute auch Probleme wieder Luft in den Ballon zu bekommen, vielleicht habe ich auch nur bessere Überdruckventile, weil nicht mehr so denken und handeln will wie früher.

    Zitat von bonny24


    mein leben war ein einziges chaos bisher, warum weiß ich nicht. suche ich mir bewußt die falschen partner oder zieh ich diese automatisch an???
    oder verhalte ich mich falsch und erziehe mir meine partner zu egoisten???
    hab ich mich selbst lieb? oder bin ich mir nicht wichtig?? fragen über fragen...

    Bonny, egoistisch, das war für mich mal was Schlechtes, was nicht akzeptables, damit habe ich den Thread hier begonnen. Gesunder Egoismus ist unser Halt, ohne ihn können wir noch so viele Mukkis haben, wir würden uns selbst auflösen.

    Zitat von bonny24


    ich kann alleine sein, war ich schon oft längere zeiträume. ich hab sehr gute freunde und ein tolle familie. gut, ein kind wünsche ich mir seid jahren. aber nicht auf biegen und brechen und nicht einfachso. es sollte der richtige partner sein, aber gibt es ein richtiger partner für mich?

    Alleine sein, das heißt ja noch nicht, etwas Du etwas mit Dir anfängst, in Dich blickst, Dich hinterfragst. Ich schalte z. Zt. abends gerne den Fernseher an, ziehe mir irgendeinen Blödsinn rein, ich bin dann alleine, aber nicht mit mir, aber ich weiß das geht vorbei. Alleine war ich, als mich viele Begriffe aus dem Forum hier zerrissen haben, als ich sie verstand, als ich sie in mir suchen mußte, mich mit etwas beschäftigen mußte, was mir einfach zu blöde war, mir selbst.

    Zitat von bonny24


    ich weiß noch nicht mal ob ich co bin, keine ahnung! hab ich ein helfer-syndrom? meine besten freunde sagen nee, du bist nur sehr gutmütig und harmonie-süchtig. ich weiß nur: ich will nicht ewig mit herzschmerz kämpfen müssen und mir pausenlos um jemand sorgen machen. da bleib ich lieber allein. ist das egoistisch?


    Als meine Frau und ich eine Beziehung eingingen, da waren wir sehr eng verbunden, auch über das Telefon waren wir eigentlich sehr eng umschlungen. Wir verlebten so intensive Tage, Wochen und Monate, daß es schon unheimlich war. Wir haben uns so tief ineinander fallen gelassen, sie in mich, ich mich in sie, das gab es noch nicht mal im Film und wir wußten, daß irgendwann die „Wonne der Gewöhnlichkeit“ kommen würde, daß sich das nicht mehr wiederholt, daß es anders wird.

    Wir haben nie gelernt, mit all den Veränderungen umzugehen, loszulassen, uns anzupassen. Die größte Gefühlsbombe aller Zeiten, das läßt doch keiner los. Wir lernen jeden Müll, legen Vorräte an, bauen Häuser, sammeln auf Konten, da sollten wir unser Glück abgeben? Hallo, hätte mir das jemand gesagt, hätte ich dem den Stinkefinger gezeigt und gefragt: in welchem Verein bist du denn? Dann kam ich hierhin. Erfahrene Menschen erzählten mit solche Sachen. Die hätten mich irgendwo festbinden können, ich wäre mit „irgendwo“ ausgebüchst, obwohl ich vollstes Vertrauen hatte. Ich glaube so um die 5-7 Monate mein Unwesen getrieben zu haben, aber eigentlich noch länger, weil ich Liebesrückfälle hatte. Das ist dann wie die perfekte Welle, sie muß auslaufen, plätschert paarmal hin- und her und dann ist gut. Bei mir kamen in regelmäßigen Abständen paar Tsunamis an, meine Frau war immer der Auslöser, aber die Dinger kamen von mir, aus mir, mit Erdbeben und Vulkanausbrüchen, Jahrzehnte alter Kram der raus wollte.

    E/August letzten Jahres, da hatte ich so eine verdammte Angst, als ich mich wieder für meine Frau entscheiden sollte, aber eigentlich ging es gar nicht um meine Frau und ihre Krankheit. Es ging darum, daß ich Schiß hatte mit ihren Problemen, ihren Reaktionen, ihren Veränderungen nicht klar zu kommen, mit all den eigenen Veränderungen die zwangsläufig auch auf mich zukommen würden, Schiß, alles nochmals zu durchleben. Dabei habe ich vor lauter Gequake vergessen, daß ich zwar mal einen schlechten Tag erwischen kann, aber im Prinzip, wenn ich weiß wo es glatt ist, dann mache ich einen Bogen drum oder fahre langsamer oder ziehe Spikes auf oder warte bis schöneres Wetter ist, aber mit großer Wahrscheinlichkeit, werde ich dort nicht mehr auf der Nase landen.

    Zitat von bonny24


    lieber kaltblut und kopf hoch! du hast schon viel geschafft.

    Bonny, danke, einen habe ich noch für Dich: „Wir schaffen das“, das war mal mein Motto, ich schaffe, mache, tue, drehe, meine Frau gesund, mich, dann die ganze Welt. Als ich endlich aufhörte zu schaffen, da war nur ich geschafft, kaputt geschafft, aber ab da ging es wieder.

    LG kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

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