Beiträge von kaltblut

    Hallo Elfe,

    ich kann Dich fast verstehen, nicht so ganz, weil Du Dinge mitgemacht hast, die in meiner Beziehung fremd sind. Was Du auch immer für eine riesige Achterbahn fährst, denk daran sicher, an der richtigen Stelle auszusteigen, für Dich.

    Ich drücke Dir die Daumen, dass Dein Ticket schnell abgefahren ist.

    LG kaltblut

    Hallo Muddi,

    ja, halt an Deinem Weg fest, Farbe und Streichen, freu Dich auf die tollen, kommenden Tage, Wochen oder Monate, sie werden Dir gut tun, Deine Kur.

    Die Sache mit der Therapie konnte ich mir auch nicht erklären. Festes Wollen war da, Krankenkassen OK sofort, dann sollten Untersuchungen der Untersuchungen gemacht werden, dauerte und dauerte, Sozialbericht dauerte wieder, die Bewilligung kam binnen 2 Wochen, insgesamt vergehen um die 3 Monate bis zu den nahtlosen Terminen (noch 2 Wochen). Vielleicht hat das was mit Zustand zu tun, vielleicht mit unserem System, ein Magazin hat gerade einen deutlichen Bericht veröffentlich, da wurde mir wieder einiges klar, vielleicht aber auch mit zappeln lassen, um zu testen ob man es wirklich will und der Platz nicht vergeudet wird. Aus meiner Sicht war das zu erst Abschöpfung und Verzögerung, in Angesicht der vielen Wartenden vielleicht ganz normal und ich habe das von meiner Sicht nur nicht objektiv betrachten können.

    Es ist ein nur kleiner Trost, aber Du wirst erleben wo die Reise hin geht, von Deiner Wohnung aus.

    LG kaltblut

    Hallo Ihr gut erholten Sonnenanbeter,

    es wäre vermessen zu behaupten ein Übermensch zu sein, alles mit Abstand betrachten zu können oder alles einfach so wie eine Treppe zu abzuhandeln, Samstags putzen, sauber, erledigt.

    Auch wenn wir immer wieder eins verpasst bekommen oder uns selbst eine verpassen oder auch nach Jahren alte Wunden aufbrechen, jeden Tag geht die Sonne neu auf, wir gehen unseren Weg, Smilla, Du auch, wir packen das, so oder so.

    Es wird sich nie verhindern lassen, dass uns Gefühle abheben lassen oder in den Keller stecken, das passiert uns auch ohne Süchte, ohne Partner, mir zumindest, einfach so, sonst wäre ich nicht ich, dann könnte ich mir auch mit einem USB-Stick am PC Updates verpassen. Wer weiß was ich dann für einen Maschinenmüll mit mir rumschleppen würde.

    Wenn ich Sucht und Liebe in eine Schublade packe, die uns hier elementar betreffenden Dinge, bleiben zwei Menschen, bei denen es passen kann oder auch nicht. Wenn ich die zwei Menschen aus etwas Entfernung betrachte, als Unbekannter, vielleicht von Eurem Monitor und sehen würde das alles schief gegangen ist, dann könnte ich es mit einem kleinen Wort beschreiben: „schade“, mehr bleibt nicht.

    Ich hatte die letzten Wochen keinen Bock weiter am Buch zu schreiben, da wir z. Zt. ja wieder zusammen wohnen und ich da keine Gedanken rum liegen haben möchte. Ich habe jetzt einfach weiter Buchstaben zusammengesetzt und das war gut so.

    Es tat gut daran zu schreiben, was ich damals, als wir vor 3 ½ Jahren in Berlin ihre Möbel abholten, für einen Schutzengel hatte. Ich saß in einem 7,5tonner, fuhr vom 17. Juni kommend auf den Großen Stern zu, vor mir alles frei, nur Ampel rot, von rechts 5spurig anfahrende Kickdownautos und konnte nicht bremsen. Sardische Dauerextremschräglagen auf 2 Rädern sind da nichts gegen gewesen, ungebremste 7.5 Tonnen gegen deutsches Hightechmaterial. Aber das ist eine andere Geschichte, ich hatte einen Schutzengel, der ganze Große Stern hatte Schutzengel, sonst wäre ich nicht mehr hier, es gibt also keinen Grund an „schade“ zu denken.

    Was sind 3 Wochen zu einem Jahr, zu vielen Jahren, nichts, ich wäre mir nichts wert, würde ich jetzt verzweifelt aufgeben. Ich kann mich an den Rhein setzen und schreiben, Euch vom Dom zuwinken, durch die Eifel düsen, den Rasen mähen oder hier lesen, was das Wichtigste ist, lesen und aus Euren Erfahrungen lernen.

    LG und ein sonniges, hagelfreies Wochenende kaltblut

    Hallo zusammen,

    jetzt wäre die Zeit ein Jahr Revue passieren zu lassen. Die Termine stehen fest, keine 3 Wochen bis zum Entzug, nahtlos in die LZT übergehend, wir haben allen Grund positiv in die Zukunft zu sehen, aufzuatmen, uns glücklich, voller Hoffnung in den Armen zu liegen. .

    Es fallen gerade verwelkte Blätter von den Bäumen, braune, die bald verfaulen und nicht mehr sind, vielleicht noch getrocknet in einem Buch landen, Gewesenes, nur viel zu früh.

    Da schallen verbale Ohrfeigen, aus heiterem Himmel, sie prallen ab, zerreißen mich nicht mehr wie früher und gehen ungebremst zurück, ansatzlos, mitten in ihr Gesicht, ohne Bewegung, ohne viele Worte, Selbstverstümmelung.

    Irgendwie ist es doch wie früher. Wir kommen aus der großen Stadt zurück, ich freue mich bald auf die neuen Herausforderungen, wir planen unser neues Leben, sie hat eine verzaubernde Paella gekocht, wir reden, es schmeckt unglaublich einzigartig, sie ist müde, ich bin müde, überfressen glücklich und dann kommen sie, aufgrund einer Bewegung, einer Haltung, einem Wort, einem unausgesprochenem Gedanken hinter der Platte, die Ohrfeigen, ganz plötzlich, gezielt, unerwartet, da wo es früher so weh tat. Die S/W-Handelnde erzählt mir ich sei farblos, nicht intellektuell genug, zu eingefahren, nicht offen zu Alternativen, ein arrogantes dummes Ar…. und ich könnte mich nicht in ihre Lage versetzen, habe keine Ahnung, keine Gefühle. Sie ist plötzlich zu, breit, hat einen vorgezogenen 23h Pegel, zum Nachtisch. In Gedanken sind ihre liebevollen Worte: „ich war so dumm, das gebe ich dir auch schriftlich“.

    Nach einem Jahr rechtfertige ich mich nicht mehr, steige nicht mehr mit in den Ring, die Ohrfeigen prallen ab, nur wenige Worte zerschmettern den Akt der Selbsterniedrigung. Sie ist ein Meister der Zerstörung, eine graduierte Gelehrte der Selbstverstümmelung, was für ein dummes, überflüssiges Fach. Früher konnte der wortgewaltige Übermensch stundenlang bis zum Zusammenbruch diskutieren und ich saß ihr bewundernd gegenüber. Heute bricht sie alle Tabus einer Beziehung, schnell, gekonnt und bricht ein, meine gelebte, geliebte Dummgelehrte.

    Was soll ich denken, fühlen, bunt über Alternativen palavern? Über ach wie schrecklich, schnarchende, rülpsende, deliriante Alkoholiker im Zimmer meiner intelligenten, intellektuellen, verseuchten, kranken, dummen Frau? Ich kenne diesen Dauerzustand nicht, ich war nur etwas verseucht, es gibt kein Etwas, ich habe 3 Jahre in meiner Frau gelebt, in ihren Gedankengängen, nie mehr. Hat je jemand von einer Warze gesprochen, Laser an und weg? Es ist ein harter Weg, aber es gibt nur noch einen. Gestern, waren wir wie die braunen Blätter, sie zerfielen beim öffnen des Buches, bei unserem Anblick, es ging ganz schnell und dauerte nur ganz kurz.

    Sie ist in einem Damen-AA-Forum aktiv und bekommt viel Unterstützung, Streicheleinheiten, auch wie sie sich absichert, was rauszuholen ist und das nicht unterstützende Kerle einfach nur unnütze Sch**kerle sind, die entsorgt gehören. Auch wird der Ton hier als scharf und einseitig bezeichnet, verständliche Worte aus der Sicht Abhängiger.

    Wir leben geduldet, abwartend, mit einem Abkommen. Ich verstecke meine Abneigung, sie ihre Sucht, nur noch 3 Wochen. Nochmals, klar und komprimiert: Wir verarschen und verscheißern uns, keine gute Basis, irgendwie ein geistiges Fremdgehen, Moral los, da fällt es schwer zu definieren, dem Partner beizustehen, Werte nicht zu verlieren, auch mit zeitlich begrenztem Fenster. Wir haben diesen Weg gewählt und gehen ihn. Es gibt nichts zu entsorgen, sie entsorgt sich, auch noch so kurz vor der Wende.

    Die Streichelfrauen können was, aber sie sollen sich aus meinem Leben halten, ich bin zu hart geworden, steinhart, wenn es um meinen Nebenbuhler geht, ungenießbar. Sie können das Leben meiner Frau zerstreicheln, nicht meines. Wir sind hier nicht allwissend, aber wir wollen leben, sind nicht mehr lebensmüde. Unser Leben ist kein buntes Experimentieren mehr, einfach knallhartes Überleben. Die Streichelfrauen haben es nicht verstanden: Ich liebe meine Frau unendlich, aber sie geht, aus meinem Leben, auch noch am Tage vor der Einweisung, wenn sie diese Chance nicht wahrnimmt. Knall- und steinhart: sie ist bereits auf dem Weg in die Kiste, alleine.

    Als ich zur Bundeswehr musste, da fiel es mir sehr schwer einem in meinem Augen unterentwickelten Vorgesetzten zu folgen, blind schon gar nicht, aber da gab es Situationen, da musste man blind Vertrauen können, einfach machen, ausführen, das Hirn ausschalten, ohne wenn und aber, dafür gibt es in diesen Organisationen klare Strukturen, Anweisungen, Befehle, einfache auszuführende, diskussionslose Befehle.

    Das Leben gibt keine Befehle, wir sterben einfach.

    Alles Liebe kaltblut

    Hallo Cluedi,

    was war denn gestern, bist Du ohne Kühlschrank, ohne Gewohnheit klar gekommen?

    Zweifel sind der erste Schritt. Bier gehörte zu meinem Umfeld, Wein war später die richtige Dosis, auch als ich einige Zeit hier war, hatte ich noch kein Problem, nur meine Frau. Dann knallte es in mir.

    @Meinolf, ich konnte das leider nur unverständlich überfliegen, vielleicht hätte ich das vor einem Jahr auch gefragt, heute ist es bedeutungslos, für das Leben meiner Frau, für mich, es macht keinen Sinn Begründungen zu suchen, nur das Leben zählt, sein lasen. Meine wichtigste Schwäche und Stärke, ich bin dankbar sie hier gefunden zu haben, ist es sein zu lassen.

    LG kaltblut

    Hallo Jule,

    hau weiter in die Tasten, es sind nicht nur die Antworten, die uns richtig einstellen. Viele Menschen lesen Dich und jedes Mal wenn Du liest, auch Deinen eigenen Text, kommt etwas in Bewegung, bei Dir, bei anderen.

    Meine Frau trank nur Wein, das hat mich nie gestört, ich trank ja auch, unser Umfeld, alle. Wir lebten auf einer Wolke, die es so nicht mehr gibt, vielleicht anders, aber nie mehr so wie sie war. Wir schrieben uns täglich alles was uns bedrückte, erfreute, machten uns Mut und und und, brachten Gefühle zu Papier, auch wenn wir schon darüber gesprochen hatten, eine schöne Zeit. Heute lese ich manche Zeile anders, da waren sehr viele Rechtfertigungen, eigentlich rechtfertigte ich mich laufend. Diese Rechtfertigungen hatten nur vorsichtig umschrieben worum es eigentlich ging: um Alkoholsucht, als ich aus dem Co-Dasein erwachte und etwas änderte, wurde vieles überflüssig, hinfällig und damit löste sich auch unsere Wolke auf.

    Meine Frau trank keine konzentrierten Sachen, ekelte sich davor, eben nur Wein, wie andere ihr Bierchen. Sie funktionierte, machte ihren Job, brachte Höchstleistung, war klar im Kopf, wir hatten einen tiptop Haushalt, sie machte sogar Sachen die sie hasste, für mich und die sie noch nie für einen Kerl gemacht hat, z. B. meine Wäsche, alles, auch im Schlafzimmer, auf Wolken, wir hatten eine heile Welt, bis mir diese eine halbe nächtliche Stunde der klaren, abgehobenen Unzurechnungsfähigkeit bis zum Hals stand und das ganze Ausmaß, all die gesteuerten kleinen Zusammenhänge klar wurden.

    Da passierte was, ich wollte und will es nicht mehr, nach Monaten. Du bist da schon viel weiter.

    Wir haben ein Abkommen: keinen offenen Alkohol vor meinen Augen, keinen kalten Entzug, bis in Kürze der Entzug etc. beginnt, passt nicht wirklich, es ist ein manchmal unerträgliches Abkommen.

    Der herrliche, sonnengereifte Rebsaft ist jetzt gestaucht, komprimiert, wasserklar, fast Spuren los. Der Inhalt einer Flasche Rotwein auf ein Drittel verdunstet, zwei Flaschen auf eine gute halbe Flasche stinkendes, nachts, unbemerkt aus den Poren quirlendes, abends in den schönen Klamotten steckendes Zeugs, die Haut, die Küsse, die Augen, überall ist dieses Zeugs, ich lebe im Dunst einer riesigen Desinfizieranstalt. Das metallische Klacken des sich öffnenden Verschlusses lässt mich immer noch erzittern, wie damals der Korkenblub, durch die Tür, durch die Schallwellen der Lautsprecher. Ich mag meine Frau, liebe sie, sie riecht gut, wir können uns immer noch sehr gut riechen, aber manchmal stinkt es.

    Wir wären nicht zusammen gekommen, wären nicht verheiratet, wenn sie täglich eine halbe Flasche Komprimiertes in sich rein geschüttet hätte, es war nur Wein, es hat mich 3 Jahre nicht wirklich gestört. Man sagt, die Zeit heilt Wunden, Ette sprach von Narben, irgendwas bleibt, auch in meinem kranken Kopf bleibt immer was, aber es geht auch wieder, deshalb haben wir ein Abkommen, da sind Raketen aufgestellt, die keiner wirklich will.

    Wir gehen duldsam miteinander um. Ich verstecke meine Abneigung, sie ihre Sucht. Klar und komprimiert: Wir verarschen und verscheißern uns, keine gute Basis, irgendwie ein geistiges Fremdgehen, da fällt es schwer zu definieren, dem Partner beizustehen, Werte nicht zu verlieren, auch mit zeitlich begrenztem Fenster und wolkenfreier Aussicht.

    Es zählt nur, dass es Dir gut geht, mit Alkohol geht es irgendwann nicht mehr, egal von welcher Wolke aus Du das betrachtest und Du machst gerade genau das Richtige, für Dich.

    LG kaltblut

    Hallo Muddi,

    wenn ich so etwas lese, bebt der Monitor, eine großartige Entscheidung die Du getroffen hast, da kann ich mich riesig mit freuen, eine tolle Leistung und Du hast vollkommen recht: das Ausradieren der langen Liste ist unbezahlbar.

    LG und weiter kaltblut

    Hallo Jule,

    herzlich willkommen, klasse, dass Du so viel zur Vorstellung von Dir gibst. Hier im Co-Bereich bist Du schon richtig.

    Du hast ja schon einiges gelesen und viele Antworten gefunden. Die Abhängigkeit selbst ist relativ, mit der Zeit stellt sich der Pegel ein, dann ist es vorbei mit Sport, Job oder Gesundheit, dann geht es nur noch um das nackte Leben, jeder kommt dahin, wenn es nicht klick macht und einschneidende Dinge passieren und auch jeder Angehörige.

    Du hast es mit zwei Menschen zu tun, die immer weiter auseinander mutieren und für Dich ja schon die Entscheidung getroffen, dass Du nicht so weiterleben möchtest, selbst wenn Du es könntest, eines Tages würdest Du mit aufgefressen. Ob sich alles normalisiert, wenn er trocken wäre, kann Dir niemand sagen.
    Tatsache ist aber, dass sich bestimmte Verhaltensmuster verstärken. Ich denke aber, Neugierde und Getue sind eine Sache, wenn es in einer Beziehung funktioniert braucht man das nicht, da ist einfach kein Grund zu experimentieren und die Prioritäten zu verschieben.

    Wir haben am Wochenende über lustige Anzeigen in einer Eurer Wochenzeitungen gelacht. Für die einen ist das ein Bedürfnis, für mich sind das Kranke, eben, lachhaft, aber das muss jeder für sich entscheiden, wir sind nun einmal alle anders. Du kannst nur für Dich entscheiden wozu Du bereit bist, wo Deine Gehgrenze liegt und vor allem, was er Dir wert ist. Da Du ein gesundes Selbstvertrauen hast, ein unabhängiges Leben führen kannst, ist der Herzschmerz schwer, aber auch sicher ein zu verarbeitender Punkt, nur, wo Du die Grenzen ziehst, dass musst Du finden. Du hast Dich jetzt getrennt und in einigen Tagen oder Wochen sieht vieles anders aus.

    Da Du selbst wenig Verpflichtungen aus der Beziehung hast, sage ich einfach einmal ganz frech: das Beste was Dir passieren konnte. Dein Herzschmerz heilt, die Alkoholdauerwunden, die Folgen werden durch die Liebe nur in die Länge gezogen.

    Die Wertstellung hat für mich auch etwas mit der persönlichen Bindungsbereitschaft zu tun. Dieses gelabere über Selbstbestimmung und alles im Griff zu haben, kontrollieren zu können und gereizt zu reagieren ist ein typischer Abhängigkeitsvorgang, da ist man zu nichts bereit, nur zu Worten und zur Befriedigung seiner Sucht. Wenn ich mit jemandem zusammen bin der eine andere Vorstellung von Essen, Glauben oder Sonstigem hat, dann respektiere ich das, einfach so und wenn mir Dinge gegen meine Moral, gegen den Strich gehen, dann muss ich einen Strich ziehen und sehen dass das in Ordnung kommt.

    Ich bin heute so egoistisch, dass für bestimmte Dinge in meinem Leben kein Platz mehr ist und dazu zählen auch aufreibende Gedanken an ein was wäre wenn und überhaupt. Entweder meine Frau entwickelt sich vom Alkohol fort oder erledigt, das hat lange gedauert, aber ich habe die volle Schmerzdosis erlebt, die Trennung, einen neuen Versuch und es wirkt heute einfach anders, da ist wenig Platz für neue Wunden.

    Ich wünsche Dir, dass Du weiterhin so aufgeräumt und klar im Kopf bleibst, viel Kraft um die wehmütigen traurigen Tage zu überstehen und dass Du hier noch viel liest und schreibst.

    Lieben Gruß kaltblut

    Hi Ette,

    ich schätze Deine tiefsinnigen Überlegungen sehr und denke, dass die Monate hier unsere Denke verändert hat, da ist viel passiert. Meine jetzt aufgeräumten Gedanken sahen so aus:

    Als ich hierhin kam, da war ich daneben, den Co. festgestellt, selbst aufgehört zu trinken, mich getrennt, irgendwann Alkohol gehasst, jetzt kann ich mit all dem umgehen. Es war und ist wichtig hier Erfahrungen zu sammeln und mit jedem Besuch kommen neue hinzu, ich möchte nichts davon missen, auch nichts von dem was noch kommt. Meine Vorstellung war, wir machen einen Ehe-Beziehungs-Zukunfts-Plan.

    War-Ist-Soll-Kann-Worsecase. Nichts viel anders, als ich das in der Firma auch machen würde.

    Das sah so aus: Das bin ich, das will ich, wie erreiche ich das.
    Das ist sie, das will sie, wie erreicht sie das.
    Das sind wir, das soll sich bei uns verändern, wie erreichen wir das.

    Klares Erkennen, Abwägen, Entscheiden und Handeln.

    Da dachte ich, was soll das und bekam Zweifel, ob das eigentlich noch irgendwie wichtig ist. Nun, ich weiß was auf mich zukommt, in meiner Firma, da kann ich oft steuern, in einer Beziehung wenig.

    Ich weiß nicht was sein wird, ich habe meine Vorstellung, aber unsere Zukunft ist offen, unkalkulierbar. Also habe ich die Überlegung gestrichen, Ablage P, es ist jetzt einfach so und ich möchte an Morgen denken, nicht an wenn und aber, dieses Kribbeln im Bauch zurück haben, glücklich lachen.

    Wenn sie getrunken hat, ist mir nicht gut, ich will es nicht. Warum ich so reagiere, ist egal, es ändert jetzt nichts mehr das zu wissen, entweder ändert sich was oder ich lebe nicht damit.

    Eine negative Eigenschaft abzulegen, ich habe viele, ist zigmal anstrengender als sich auf eine Positive zu konzentrieren und diese auszubauen. Es ist gut sie zu wissen, aber es bringt mir mehr, meine positiven Fähigkeiten zu optimieren, z. B. in eine glückliche Ehe zu investieren, das ist gut für mich, hier und heute.
    Sollte es schief gehen, dann ist es so, es gibt keine Versicherung dass es klappt, für niemanden und wir können morgen aus irgendeinem Grund wieder in dem gleichen Schlamassel sein..

    Sieh mal Ette, wenn Du Stoffel verfolgst, dann stellst Du fest: volle Drehung, ab dem Augenblick, wo er sagte: Ende, durch, nur vorne geht es weiter. Ich denke er schläft deshalb trotzdem nicht immer gut, aber es hilft nicht es zu ergründen. Nimm mal Ayki, für uns alle: immer wieder hin und her gerissen, aber immer stabiler, je weniger Gedanken sie sich um wenn und aber macht, das ist schwierig, da wird sie das blühende Leben und wenn was passiert, da kann sie sich wie wir alle ganz schön aufreiben, passiert eben.

    Was willst Du gut machen, da ist nichts zurück zu drehen, es ist einfach passiert. Ette, daran arbeiten ist OK, aber die Arbeit muss Spaß machen und darf Dich nicht verzehren, Du bist Du und Du willst glücklich und zufrieden leben. Ich gehe einfach einmal davon aus, dass wir alle noch sehr viel erleben wollen und da ist der alte Schrott ein Klotz am Bein. Mit jedem verzehrenden Gedanken an Gestern verlierst Du etwas von heute. Jetzt poliere mal den ganzen alten Schrott auf und sage, ob Du irgendetwas zum Strahlen bekommst. Ich kann heute über vieles lachen, ironisch, mit steinharten Zügen, auch wunderschöne Gefühle aufblitzen sehen, aber an morgen zu denken ist schöner. Narben sind Narben und wenn Du herzhaft lachst, dann spürst und siehst Du sie nicht mehr.

    Es ist aber gut zu wissen, dass das vor wenigen Monaten noch nicht so war und deshalb wünsche ich Dir, dass Du jetzt einmal ganz herzhaft lachen kannst.

    LG kaltblut

    Hi Ayki,

    schön zu hören, wie Du Gas gibst, was Dir das Wichtigste ist und dass es Deinen Kindern dabei gut geht.

    Das die Kids aufgewühlt sind und Dich das genauso belastet, gehört irgendwie zum Unvermeidbaren und wird immer da sein, irgendwie müssen wir auch damit umgehen und wer könnte das besser als Du?

    Das hatte ich mal Stoffel geschrieben:
    „Ich war einige Jahre von meiner ersten Frau getrennt, wir lebten aber mit den Kindern im gleichen Haus. Klare Vereinbarung: ich keine andere Frau im Haus, sie keinen anderen Kerl im Haus. Irgendwann dackelte ein Kerl an. Kaltblut kochte und ging wie ein Irrer an die Decke, Kinder geimpft, dieses und das. Gekränktes Platzhirschgetue pur, wir waren da schon 5 oder 6 Jahre getrennt, ich mit meiner jetzigen Frau kurze Zeit liiert, also im 7. Himmel. Übrigens, der Kerl ist immer noch mit meiner Ex zusammen, sie wohnen jetzt mit den Kindern in diesem Haus, die Kinder verstehen sich gut mit ihm und ich mich auch mit ihm, ein feiner Kerl, der besser zu ihr passt als ich all die Jahre zuvor“.

    Nicht geschrieben hatte ich, dass meine jetzige Frau und ich damals oft darüber aneinander gerieten und vorwurfsvolle, unverständliche Worte wie: du liebst deine Frau noch, im Raum standen, klar, 25 Jahre sind nicht einfach weg, aber das war es nicht, es machten sich da Gedanken breit, meine Kids an den anderen Mann zu verlieren. Meine Kids waren schon 14 und 16 Jahre alt.

    Gedanken aus dem Kopf und alles war wieder OK. Dumm gelaufen.

    Dachte ich gestern.

    Heute denke ich eher an die Zeit, als ich mit meiner Frau vor 4 Jahren zusammen kam. Der Kerl, mit dem sie damals liiert war, bombardierte mich mit Emails. Ich habe damals weder irgendwelche Krankheitssymptome bei meiner Frau gesehen, noch hätte ich sie angenommen, noch hätten sie mich nachdenklich gemacht, aber ich habe ihr die Mails mit dem heute immer noch absurden Blödsinn gezeigt und wir haben nur den Kopf geschüttelt.

    Jetzt schüttele mal den Kopf aus und komm wie am Sonntag blühend nochmals vom Turnier zurück.

    LG kaltblut

    Hallo Falk,

    als Co. bin ich offen damit umgegangen, habe Gespräche gesucht, auch weil alle es in unserem Umfeld schon wussten, sehen konnten, sich ihre Gedanken machten, es hat mir als Co. geholfen, vor allem Gespräche mit Freunden, Familie und mit meinen Kindern, meine Frau hat mich dafür verflucht. Dann habe ich meine eigene Abhängigkeit angenommen, da wurde es schwerer darüber zu reden als zu denken. Zu sagen: „ich bin Alkoholiker, habe eine tödlich verlaufende Krankheit, bin infiziert, nicht wie ihr“, es lähmte die Zunge, Scham trifft es, sie ging, mit jedem Aussprechen.

    Aber wenn darüber gesprochen wurde, war es merkwürdig und positiv, wie viele Türchen plötzlich aufgingen und wen es alles belastete, es waren meist positive Gespräche. Heute suche ich kein Gespräch mehr, es kommt einfach, ganz ungezwungen.

    Dabei habe ich auch das Gefühl ein Aussätziger, anders zu sein gespürt, auch die erschreckenden dummen Vorurteile Unwissender. Das Thema an sich ist sehr umfassend, aber intime Stücke sind nicht für die große Glocke, es reicht darüber sprechen zu können, mit wem ergibt sich. Bei einem Discounter erhielt ich mal eine Flasche geschenkt, 100 Jahre irgendwas, ich habe die Kassiererin angeschaut wir ein Weltwunder, die Flasche genommen, gesagt: ich trinke keinen Alkohol, die Leute in der Schlange angesehen, will die jemand, die haben mich nur angesehen, keiner wollte sie, da habe ich sie zurückgegeben. Komisch war mir schon, aber ich hatte auch kein Bedürfnis zu rufen: Hallo, ich bin Alkoholiker. Als ich mich meinen Arzt gegenüber dazu bekannte, war das für mich ein Riesen Ding. Als ich das erste Mal in den Buchhandel ging und mich beraten lies, war mir auch komisch, aber ich gehe jetzt ganz gezielt in die Geschäfte, frage und habe keine Scham mehr. Kondome zu kaufen und an der Kasse, Helga wat kosten die zu rufen, fällt mir da immer noch schwerer.

    Denk einfach daran, dass es nur wenige Bekenner gibt, einige AA, aber jeder 2. auf irgendeine Art betroffen sein könnte.

    Meiner Frau habe ich vorgehalten, nicht offen damit umzugehen, das war ein Fehler, ist passiert, erledigt. Das ist ihr Ding, nur ihres, auch das respektiere ich jetzt voll und ganz.

    Auf die Frage, ob ich eine Alkoholallergie habe oder einmal zu viel getrunken habe, wurde neulich in geselliger Runde nur mit Ja geantwortet, erledigt. Niemand spricht mich eigentlich darauf an, warum ich abstinent bin. Es ist so und OK, sollte Bedarf bestehen, kann ich mit wenigen Worten Ordnung schaffen, es sind nicht meine Gedanken, die andere haben. Die Bezeichnung an sich ist mir heute wurst, sie mag einen fahlen Beigeschmack haben, aber das haben alle tödlichen Krankheiten.

    Sollte weiterer Bedarf vorhanden sein, überreiche ich die erschütternde Seite von Claus Zacher, die ich immer dabei habe: Iris – ein langer Weg. Wer dann noch in meinen Augen dummes Zeug reden sollte, ist meiner Gesellschaft nicht wert, bisher hatte ich diesen Fall nicht.

    LG und weiter so kaltblut

    Hallo Ihr Lieben,

    es ist wichtig zu bremsen, wenn die Ampel auf gelb umschlägt und nicht das Gaspedal noch schnell mal durchzudrücken, wenn die Karre es hergibt. Warum, ist unwichtig, mir reicht es zu wissen, dass jemand von der anderen Seite auch bei Gelb durchdrücken könnte.

    Altlasten zu ergründen und auf Vergangenes eine Beziehung aufzubauen halte ich für nicht möglich, nur wenn der Kopf frei ist für Neues und das ist in diesem Fall die neue Beziehung mit meiner Frau.

    Wisst Ihr, ich habe noch nie darüber nachgedacht, warum mich jemand gedrückt hat, es hat einfach gut getan und das Warum zu wissen, würde es nicht ändern.

    LG kaltblut

    Hallo Engel,

    was in Dir abläuft, was sich da für eine Salatschleuder im Turbogang dreht und dass da manchmal nur noch ganz kleine Halme sind, an denen wir festhalten, kann ich gut nachfühlen. Ich habe gestrampelt, getreten, geflucht und literweise geflennt, lange, das Ergebnis meiner Kompromisse.

    Wie Speedy schreibt: so lange es Dir dabei gut geht, Du damit klar kommst, ist alles OK. Meine Ängste gingen erst als ich ausgestrampelt hatte, das dauerte und meine vollen Batterien hätten jeden trommelnden
    Duracellhasen in den Schatten gestellt, dann waren sie leer.

    Es gibt hier einige harte Mitglieder, die mir früher gegen den Strich gingen, die ich heute respektvoll bewundere, für ihre einseitige Einstellung. Ich bin einseitig geworden, es ist für mich der einzige Weg zu leben, nicht gelebt zu werden.

    Du hast viele Erfahrungen gemacht, ob Du vertraust oder in anderer Konsequenz gehst, das Thema wird Dich immer begleiten. Ich kann mit meiner Frau, mit erwartungsvollen Zukunftsgedanken gut umgehen, denke nicht mehr an Abstürze. Trotzdem, an bestimmten Punkten bin ich knallhart, steinhart zu mir geworden, eiskalter, ungenießbarer Stickstoff, ich hätte nie gedacht eines Tage so zu sein, ich nicht, es ist nicht mein Ich. Trotzdem schützt mich das alles nicht Ängste, Zweifel und Unsicherheiten zu haben, sie kommen und gehen, einfach so.

    Blue Bouncer schreibt von S/W-Denken. Ich kann mit S/W-Decken wenig anfangen, meine Frau ist S/W-Denker, da haben wir manchmal schon Verständnisprobleme gehabt, nur nicht wenn es um die Abhängigkeit ging, da war sie es nie, ich bin jetzt S/W-Denker, wenn es um dieses Thema geht, da bin ich ein einseitiger, unbeirrbarer, rechthaberischer Stinksack.

    Es wird Dir keiner böse sein, es braucht Zeit und jeder kleine Schritt zählt. Sieh es mal so: hier waren mich sehr beeindruckende zack zack zack Menschen und hier sind welche wie ich, die lange rumgeeiert haben. Ich kann weder sagen, ob es mir mit einem zack zack zack besser gegangen wäre, noch durch mein rumgeeiere schlechter, aber ich weiß, dass ich hier unbezahlbare Erfahrungen gemacht habe und was sein wird, das weis keiner.

    LG, Kopf hoch und denk daran, Salat ist etwas Ausgezeichnetes kaltblut

    Hallo Elle, hallo Karsten,

    sehe das auch so. Der Schnee von gestern ist heute weggetaut, warum interessiert mich nicht. Wenn ich in meinem Leben mal in diese braune stinkende Masse gegriffen hatte und das war doch oft, Hände waschen und weiter. Jeder hat sein Ding und das ist seins, nicht meins. Was wir für morgen gemeinsam planen, das ist unser, fertig.

    LG kaltblut

    Hallo zusammen,

    das Thema abhängig warum wieso und weshalb flammt bei uns gerade auf und ich weiß nicht so recht wohin damit, hänge es deshalb mal hier an, sollte es nicht OK sein, bitte verschieben.

    Also, früher habe ich die Begründung für die Abhängigkeit meiner Frau mit all ihren Lebensereignissen gerechtfertig, konnte mich in Situationen versetzen, habe mir manchen unpassenden Schuh angezogen und wollte vieles besser machen, fernhalten aus unserer Beziehung. Aufgrund Eurer Erfahrungen habe ich mir gesagt, dafür sind Therapeuten da, es gibt nichts zu verstehen.

    Einerseits stehen hier im Forum viele individuelle Gründe warum jemand anfing zu trinken, andererseits betrachte ich meine Laufbahn und komme zu dem Schluss, es gibt keinen wirklichen Grund. Vielleicht fehlt mir dazu ein Stück Verständnis, aber ich weiß dass Tagesabläufe nicht mehr bewusst von mir bestimmt wurden. Das kann ich weder mit Genen, Erlebnissen oder Umfeld begründen, nur mit der vernebelnden Macht des Alkohols und meiner Gleichgültigkeit, also mit mir und das reicht, denn mit den gleichen Genen und Erlebnissen lebe ich ja jetzt auch, frei und gut.

    In einem anderen Zusammenhang schrieb Karsten einmal:
    „da wir ja alle ohne Alkohol leben wollen, sollten wir uns auch darüber keine Gedanken machen. das ist verschwendete Energie, die in die Nüchternheit besser angelegt ist.“
    und
    „wenn man mit dem Alkohol abgeschlossen hat, macht man sich darüber auch keine Gedanken.“

    Diese Anmerkungen beziehe ich jetzt auch auf das Warum Wieso Weshalb, auf uns.

    Ich betrachte es jetzt als überflüssig alles verstehen zu wollen oder zu hinterfragen, ein Aha, bringt mir nichts, nur das Morgen zählt, zu leben und nicht gelebt zu werden oder bin ich da vielleicht auf einem einseitigen Holzweg?


    Wie seht Ihr das, sind es für Euch noch elementare Dinge, warum Euer Partner trank oder trinkt? Ich meine damit nicht Gespräche abzublocken oder das Thema gleichgültig mit „das ist Dein Problem“ abzutun, es gehört dazu darüber zu sprechen, zuzuhören oder einfach da zu sein, das Thema wird uns schließlich unser ganzes Leben begleiten. Ich meine, ob die Ausfüllung der Verständnislücke, das bis ins kleinste Verstehen wollen, für Euch von tragender Bedeutung ist, was es Euch bringen sollte und ob es Euch im Umgang mit der Situation in irgendeiner Form helfen würde.

    Lieben Gruß kaltblut

    Lieber Engel,

    es gab einmal eine Zeit, da verlangte ich etwas absolut Dummes von meiner Frau: mir bedingungslos zu vertrauen, sich voll und ganz aufzugeben, sich in meine Hand zu geben. Ich habe es nur gut gemeint, aus meiner damaligen Sichtweise und geglaubt, wenn sie mir einen Wisch unterschreibt, wird sie tun wollen und müssen was ich vorgebe. Ich weißt nicht mehr was mich ritt, nur dass es irre war.

    Du weißt, dass ein monatlicher Test keine Garantien bringen kann, sonst wären wir alle mit einem Ring für immer im 7. Himmel. Du weißt auch, dass Du Dich jeden Monat auf ein Neues in eine schwere persönliche Co.-Situation begibst. Du willst Vertrauen und Misstraust. Es ist unwichtig, ob es einfach so von Deinem Mann kommt, als Zeichen von ihm, vertrau mir. Als Arbeitgeber, kann ich für die Unterlagen bestimmte Dinge von Mitarbeitern verlangen, als Ehemann von meiner Frau nicht.

    Es gibt Dinge, die kann man nicht kaufen, nicht borgen, nicht stehlen, sie werden einfach verschenkt und dann kann man sie annehmen oder ablehnen. Es gibt keine Garantien, für nichts.

    Denke einfach einmal daran, was es für Dich und Deinen Mann bedeuten könnte, wenn Du ihn von diesem, letztendlich Euch beide sehr belastenden Druck befreien würdest und ob es nicht auch ein Schritt in Deine Unabhängigkeit ist.

    LG kaltblut

    Hallo Ayki,

    schön zu lesen, wie Du mit der Situation umgehst, dass Du Dich von vielem gelöst hast und Dich darüber freuen kannst, dass sich die Kindern bei ihm wohl fühlen.

    Noch viel Spaß auf dem Turnier.

    LG kaltblut

    Hallo Ihr Lieben,

    der Bikerurlaub war unvergleichbar und eine wichtige Erfahrung. Gelage, Druck, oft genannte Verzichtsgedanken oder Leichtsinnigkeit und Versuchung, gibt es nicht mehr. Aqua genießen, dem Treiben gelassen zusehen oder gehen, wenn es zu doof eskalierte, Normalität. Ich kann mit Gelagen und dem oberflächlichen, ungehemmten Kerl-Blabla nichts mehr anfangen, es ist ein Fremdwort geworden, ich bin ein Fremdkörper in der Gelageumgebung. Es fällt mir dann leicht einfach zu gehen.

    Wir waren nach meiner 600km Wasserschütteimerfahrt zu Dritt. Es kann kaum einer nachfühlen, der es nicht erlebt hat, was erwachsene Kerls im Bandscheibenvorfallalter daran finden, Stunden und Tage auf zwei Rädern durch die Gegend zu düsen, erschöpft, durchnässt, aufgeweicht oder mit fetten Insekten voll geklatscht die wertvollsten Erholungstage dem Kilometer abzuspulen zu opfern. Irre, dürfen Außenstehende Strandlieger ruhig denken.

    Die Alpen sind schön, die Toskana ein Traum, aber des Bikers Paradies, die unberührte Natur, die Traumberge, die leeren Vorsaisonstraßen, der raue Gummi fressende Straßengripp, in neuwertiger roter, grauer oder schwarzer Farbe, den gibt es nur im Mittelmeer, auf einer große bergigen, kargen Insel.

    Es ist nicht beschreibbar, nicht vergleichbar mit Wochenend Eifelgedüse, wie über 250kg zuverlässiges Eisen in für unmöglich gehaltenen Schräglagen um Kurven donnern, der Angststreifen komplett verschwindet und eine raue, runde, gleichmäßig abgefahrene Gummiwalze entsteht, das Regenprofil Lippen zieht und sich auflöst. Vielleicht an Nordschleifenfahrten erinnernd, aber die sind kurz, mit zu viel durch geknalltem Verkehr und dauern keine unendlichen, rechts, links, auf- und ab Stunden, vielleicht an Sauerlandblaserei erinnernd, ohne Verkehr, Blitzer und Schilderwald, wie vor 30 Jahren.

    Es war nicht meine italienische rote Geliebte, die mir dieses Erlebnis schenkte, ich wäre von lauter Streicheleinheiten und Rumgezicke nicht eingetroffen. Sie ist jetzt trotz aller Liebe Vergangenheit. Sorry Freunde alter Liebhabertechnik. Es war die zuverlässige, vitale, aus anderem Eisen gegossene Japanerin, die mir in kleinen Schritten physikalische Grenzwerte schleifend aufzeigte.

    Wir waren zu Dritt. Ein Unabhängiger, ein abhängiger Trockener Co. und einer, dessen Einordnung mir nicht zu stand. Biken ist gefährlich, mit Alkohol oft tödlich, auf täglichen Bergfahrten am Limit, wo jeder verträumte Blick in die Natur, jeder falsche Gedanke einen tiefen Abflug bedeuten kann, unverantwortlich, ein tödliches Spiel mit gezinkten Karten.

    Unser Einer hatte viele Bonuspunkte, ex Champ, ein Meister des Grenzbereichs und er lehrte mich nach 30 Jahren auf 2 Rädern noch Dinge, die ich mit der mächtigen Japanerin für unmöglich hielt. Grenzbereiche, nicht darüber hinaus, nicht wie die in der Kurve vorbeigeflogenen Schweizer mit ihren Supermots. Einerseits Respekt, aber die spielten mir zu scharf. Ich werde mich zügeln müssen, wenn die total abgefahrenen Gummis gewechselt sind und ich mit den Kids fahre, hier ist alles anders, ungezinkt geregelt.

    Er lebt in Trennung, seine Ex abhängig und hielt mir sehr erstaunliche, fundierte, unbeirrbare Vorträge über ihre Alkoholprobleme. Er hat kein Problem, weiß sich klar auszudrücken, ein Meister vieler Fächer.

    Abends, zum Essen, tranken sie Wein, es gibt Genießer, Unabhängige. Am 2. Tag brauchte er auf einen Schreck mittags erstmal ein Bier. Am Folgetag, mittags, auf einen Schreck einen Campari, die Abendration stieg. Sie stieg, der Schreck, die Hemmung, waren weg und der Tagesbedarf pendelte sich bei 120-150gr. ein, sein Ding, mein Überbleibsel vom letzten Co-Jahr. Eines späten Abends stank es aus dem Bad unseres Dreibettzimmers wie nach Spiritus, jemand lag träumend, genüsslich Apfelabfallgebranntes aus dem Zahnputzglas schlürfend, in seinem scheinbar unbeobachteten Bett. Ein unkontrollierbarer gefährlicher Beigeschmack auf unserer unvergesslichen, herrlichen Tour.

    Es war wohl unsere letzte gemeinsame Reise, mit einem Meister seines Fachs, einem noch funktionierenden Alkoholiker. In einem Jahr wird er nicht mehr fahren können oder ein zu hohes Risiko darstellen, das ist dann unser Ding. Altbekannte, zu tief eingeprägte, fremd gesteuerte Verhaltensmuster waren zu offensichtlich, unversteckbar und unsere ehemals enthusiastischen Gespräche leer, mit einem bitteren, gefährlichen Beigeschmack.

    Es war auch schön zu erfahren, dass mein bester Kumpel seine Unwissenheit abgelegt hat, die Gefahr eines Tropfens ernst nimmt. Auch hat mich die Reaktion einer geselligen Wirtin erfreut, die anlässlich eines vorzüglichen sardischen Sternemenüs fragte: kein Alkohol, dann hast du eine Allergie oder einmal zu viel getrunken und mit meinem kurzen Ja, war die Frage diskussionslos, beantwortet und erledigt.

    Eigentlich wollte ich noch einige Tage dran hängen, gemeinsam heimfahren, dann kotzte es mich nur noch an, wieder einen tollen Menschen verlieren zu sehen. In meinem Büro steht noch ein 5 Jahre altes Bild, aus einer Zeit, als er mit einem 300kg Riesenliner mit Trittbrettern Funken sprühend Plastikracer versägte. Abendfähre, weg und ich knallte die 1500km munter in 15Std. nach Hause, in den nächsten Absturz.

    Eine merkwürdige Welt, wenn wir sie erst einmal anders betrachten.


    Und Zuhause?

    Die Bearbeitungsnummer der BFA ist zugeteilt, der LZT-Aufnahmetermin steht. Es geht was, sehen wir mal. Nach rund 5000km und 1500km Durchknallrückfahrt habe ich mich wahnsinnig auf meine Frau gefreut. Kennt Ihr noch das tiefe Verlangen nach einem geliebten Menschen? Dann ein Totalabsturz, aufgewühlter alter gezinkter Alltag, Urlaubserholung ade, zurück im ungemeisterten Unerträglichen, wie fette Insektenschwärme, mit 250 auf das Visier klatschend, auf das ungeschützte Innere. Da ist sie wieder, die Angst vor dem was sein wird. Einfach so und man kann nichts dagegen tun, nur abwarten, Tee trinken oder beenden, sein lassen.

    Aber ich habe Erfahrungen gemacht, mit Eurer Hilfe und lasse mich nicht mehr da aufstellen, wo ich nicht hin will.

    Sie hat Recht, ich bin einseitig, in keiner Weise offen zur Abhängigkeit.
    Sie hat Recht, wenn sie Besuch von meinem Nebenbuhler hat, dann habe ich kein Vertrauen, mach ich zu.
    Sie hat Recht, ich gebe ihr nass keine Chance, uns keine Chance.
    Sie hat Recht, ich lasse mich heute nicht mehr ganz und gar in unsere Beziehung ein, ich bleibe bedeckt, gehbereit, sprungbereit, loslassbreit.
    Sie hat Unrecht, nicht für mich, nicht zu ihrer Absicherung, nicht für ihre Tochter, die LZT + Trockenheit ist nur für sie, zum Leben, alles andere kommt weit hinten.

    Es gab eine Welle wiederkehrender Klischees, abprallende Co-Einnahmeversuche, die mich früher butterweich werden ließen, die weit fort waren, ich bleibe unbeirrbar, ja, bröselfrei, steinhart, die Uhr läuft unaufhaltsam weiter.

    Der Thread „Warum bin ich Alkoholiker oder alkoholkrank?“ hat mich zum wieder tief zum Nachdenken angeregt, es gibt für mich Tausend Gründe. Bei ihr, bei mir und heute doch nur noch einem: der Alkohol selbst, er ist es nicht wert darüber zu grübeln, sein lassen.

    Sie hat Unrecht, sie ist es wert, egal was sein wird, aber es werden noch schwere Wochen, mein Hirn von den gezinkten Alltagsabläufen freizuhalten, zu schlucken, anzunehmen und die Brocken nach so vielen Wochen nicht noch hinzuwerfen, was auch immer kommt, durch, trotz Wespenstiche durch die Kombi.


    Liebe Grüße kaltblut

    Hallo Ihr, im ersehnten Regen,

    jetzt muss ich mal den ***grrrr*** machen, es ist gepackt, mit Regenkombi, Block und Stift bewaffnet, mache jetzt einen 5000er Sonnentrip (hoffen wir es) und bin ab morgen auf der Piste, keine Chance reinzuschauen, weg, nur Gedanken an irgendwas, nur an klebenden Gummi.

    Trotzdem, wisst Ihr was ein schönes Gefühl ist: vor einem Jahr war ich noch viel Verrückter, auch ein durchknallender stink Eifersüchtiger, ein hilflos Strampelnder, ohnmächtig und jetzt freue ich mich darauf, was die nächsten Wochen bringen werden.

    Bis bald kaltblut

    PS: Noch was zum Nachdenken.


    Aus ganz hinten:

    Heute war ein irrer Tag, Wetterumsturz, Ärger im Geschäft, alles doof, ich bin der Bestimmer und immer kommt mir was Bestimmtes dazwischen, so viele haben was zu kamellen, also doch nicht der Bestimmer und gehe frühzeitig nach Hause, lege die Beine hoch, mache zur Bereinigung meiner festgefahrenen Frustgedanken die Flimmerkiste an, schmiere eine Stulle, setze einen grünen Tee auf, beiße in die knusprige Remmel, lege die Beine, schmatzend und genussvoll den Tee schlürfend, hoch. Meine Prinzessin ist noch nicht da, da mach ich das manchmal, anstandslos flegeln, Kerl sein und die Augenlieder werden müde, sind gedankenvoll stumpf auf die flatternden Abschaltbilder gerichtet, egal ob jemand quatscht oder Schüsse fallen, nur weg aus diesem Tag. Stunden später, die durch Zauberhand lauter schallende Musik berieselt wieder meine Hirnzellen und ich erinnere mich noch schwach:

    Auto, neuer Stern; Gartenparty, Durst, Bier; Yoghurt, Erdbeeren; Segelschiff, Durst, Bier; gespülte Gläser, Dreck, sauber; Vulkan, Korn, Wasser, Durst, Bier; gratis Sonnenbrillengläser; umher fliegende Flaschen, Bar, Schabau; Zahnpasta; Autos, Camping, Bier; schönes Haar, tolle Bräute; prickelnder Bauch, Bier; schöne Haut; Party, gemixtes, cooles 2,5 Prozentiges in drei Farben; Kopfschmerzen, Tabletten; Musik, Liebe, Schabau, Schwachsinn.

    Der Bauch knurrt und schreit nach Remmeln, die Gedanken kreisen um Kühlschrank, Yoghurt und ein kühles Nass. Meine Prinzessin hat mich gehört, kommt majestätisch angedackelt und faselt was von Urlaub, Sonne tanken, Meer, ich hätte noch nie mit ihr am Strand gelegen, für sie ist keine Zeit da. Immer nur ich, sie hat die Nase voll von Ich Ich Ich Menschen, will mit mir an den Strand, kuschelnd im Sand liegen, unter heißer Sonne. Verwirrt, halbwach, schaue ich sie an, denke an eine Irre, um diese Zeit, wie kann sie schon einen im Tee haben, an Maßlosigkeit, an einen Ausgesaugten, an Sonnenbrand und an das große, grüne über die Meere dahin segelnde Schiff, fülle das Glas mit Wasser und sehe einen Spülrand, ja sie hat recht, unter fließendem Wasser nachspülen, mit den Spüldingern passiert das nicht oder war es Vulkanwasser, Durst, runter mit dem Wasser, soll ich eine Spülmaschine einbauen? Blöde Kopfschmerzen, nein, du nimmst keine Tablette, so was nicht, das geht von alleine weg, iss was, warum nehmen die Tabletten, saufen Schnaps und tanzen, Irre, blöde Sonnenbrille, das dauert, bis sich die Augen angepasst haben, unterm Helm nicht einsetzbar, diese gewölbten Gläser hätte ich hier nicht umsonst bekommen, aber ich würde mit kostenlosen geraden Gläsern besser sehen, egal, in eine Bar gehe ich eh nicht, du hast eine tolle Frau, sie sieht gut aus, hat tolle lange Haare, eine tolle Haut, du liebst sie, hey, bist du jetzt scharf oder hungrig oder durstig, trink noch ein Glas. Was hat sie denn da seltsames, orientalisches gekocht, Püree, Passiertes, mit Grünem, ehm, Kichererbsen, Muskat und jede Menge Knoblauch, Olivenöl, irre, Wahnsinn, wie das durftet, nicht stinkt, dafür lasse ich alles stehen, es macht mich aber auch durstig, nach Vulkanwasser, später isst du alles auf.

    Irgendwie war ich den ganzen Abend durch den Wind, wir zankten uns kurz noch was. Sie die Schlafzimmertür knallend ins Abseits und so waren einige Stunden, nachdenklich dösend, wieder Tee schlürfend, vor der Kiste angesagt. Später, irgendeiner macht sich nach unzähligen Spots über einen besoffenen Hamburgerwürger lustig, ist das nicht der mit dem sprechenden Flugauto denkend, schlummere ich langsam wieder ein, mit schöner Werbemusik, irgendwo im Hintergrund.

    Als ich erwache war ich trocken geschnarcht, vom Bauch bis in letzten Hirnzellen, wie Blätterteig, knackig fein bröselnd, da fehlte noch was Abbröselndes, auf den Teppich runter Fallendes, Schuppi des Jahres geht es durch den Kopf, ich hatte spröde Lippen, stank verschwitzt nach Knoblauch, eklig. Schwach kamen die Gedanken, dass sie wutentbrannt, mit den Armen wild umher fuchtelnd, die Decke an sich riss, aus dem Bett flüchtete, ihr Kissen nachholte und meinen Sofaplatz einnahm, als ich ins Bett kam, war ich der Irre?

    Die Zahnpasta schmeckte ekelhaft, wie Millionen Jahre altes Vulkanwasser, Schwachsinn dachte ich, 9000 Jahre altes Korn und schüttelte mich. Zum Auto gehend kamen mir die neuen Frühjahrsmodelle der Autoindustrie in den Kopf, C-Fische, die auf meiner Bergstraße im Vulkanwasser dem Hindernis auswischen, es zwickte, brannte und zog am linken Bizeps. Die tickt ja nicht sauber, warum kratzt die dich wie blöde mit ihren scharfen Tigerkrallen, bist du eine Fleischgrabschwurst, Bier am Morgen, wie durchgeknallt, wie viele wohl jetzt mit Promille unterwegs sind, Vulkanwasser. Hasselröder oder busch oder hof, hieß der Kerl, mit dem prickelnden, im Paket verpackten silbernen Auto, der leeren Flasche und dem Würgburger, finde es nicht mehr lustig, wie der Rabenfritze die Abgestürzten zwischen nimmt, Punktabzug, Junge du wirst langsam abgedroschen, pietätlos, ohne kölsches Anhängfüll „s“, aber irgendwie mit einem großen „Sch“.

    Heißen Morgenkaffee trinkend kam die Erleuchtung: Werbeindustrie, Ziel erreicht, 500.000 Menschen haben sauber, gut, qualifiziert und zielorientiert gearbeitet, vorbildlich, so sieht ein erfolgreiches Ergebnis aus: mich im Schlaf benebelt, Trojaner ins Unterbewusstsein geschleust, bearbeitet, den Norton im klaren Kopf abgestellt, geöffnet, hineingeschaufelt was das Zeugs hielt, nicht Tröpfchenweise injiziert, eingebaggert, mit dem Großen der RheinBraun, dem gewaltigen Berge versetzenden Schaufelbagger, rein gekippte Schwerlasterladungen bis zum Abwinken. Gedanken an Gutes, Leckeres, Prickelndes, Erfrischendes, Abenteuer, Urlaub, Erholung, Freunde, Spaß, Liebe, Lust, Sex, ein anerkennendes Daumen hoch, wie konnte ich auch nur so blöd sein ihr eine Flimmerkiste anzuschließen, ich brauchte doch keine, jetzt hatte ich die Birne voll von diesem Irrenquatsch, es sind nicht meine Gedanken und ich sehe erstmals was ich mir jahrelang unbedarft für Ladungen reinbaggerte.

    Selbst dafür verantwortlich, dein Problem, wenn du so doof bist und dir so einen Quark rein ziehst. Das war also der Preis für diese „freie Selbstbestimmung“, auch im Schlaf, dumm gelaufen, ozapft. Wie viele Stunden hatte ich vor der Kiste schon abgeschaltet, versteinert, teilnahmslos, dumm, unbedeutende Töne und Bildchen aufgenommen, ein irrer Glotzer. Zehn Herz Phase, NLP, Superlearning, Lazanow, Suggestopädie, ungebremstes Einfließen, Schaufelrad um Schaufelrad, die Minuten bevor man einschläft, wenn sich alles ins richtige Postfach sortiert, ablegt, wie wenn man das Buch unters Kopfkissen legt, um am nächsten Morgen die Prüfungsfragen zu wissen, im richtigen Augenblick, am richtigen Ort alles frei zugestellt zu bekommen. Für Prüfungen, für Wissen, dachte ich immer, aber für Unwissen ozapft. Das Ding sollte nicht Glotze , es sollte Unwissenverteileranlage oder Fernozapfer heißen.

    Wie sagte jemand: da konnte ich einfach nicht anders, ich war wie von Geisterhand gesteuert, mein Hirn ausgeschaltet, musste zugreifen, da ist es passiert. Das Ziel aller Dinge: mechanisch, geisterhaft, ohne bewusstes Wollen, selbst bestimmend ins Regal greifen und sich die Gedanken an Gutes, Leckeres, Prickelndes, Erfrischendes, Abenteuer, Urlaub, Erholung, Freunde, Spaß, Liebe, Lust, Sex einfüllen, platsch, Klappe die X-te, tot.

    So 12-15 Spots, im 20 Minutentakt, 36 die Stunde, 144 am Tag, 52560 im Jahr, so Zweieinhalbmillionen in meinem Leben, vielleicht mehr, vielleicht weniger, geil, ich muss mich mal wie ein Millionär fühlen und die Zahl sehen: 2.500.000. Jetzt stelle ich mir vor wie nur einer jeden Tag sagt „DU BIST KLASSE“, was wäre ich für ein Überflieger geworden oder mich jeden Tag einer ansieht und meint „Du Ar***“, ich würde immer verschämt zu Boden sehen, aber hunderttausende Mal hebt die Tassen, haut weg den Quark, da bekomme ich Angst vor den Rissen im Porzellan, vor der überquirlenden Schüssel mit Riss, in meinem Postfach und der Sabber läuft den 8h Frühabholern entgegen.

    Klar, ich bin der Bestimmer, wegsehen, Oropax rein, wie früher, als Kind, Finger in die Ohren, irre laut singend: ich höre nichts, habe dich nicht verstanden, will ich nicht hören, sehe nichts, sei still, ich bin jetzt der Bestimmer, aber den ganzen Abend, bei einem Klassiker, bei „vom Winde verweht“ in der einen Hand Schluchztaschentücher, die unzerreißbaren, die Doppelsabbermengen aufnehmenden, meine Prinzessin tröstend umarmend, in der zärtlich streichelnden Hand die Ohrstopsel und alle zwanzig Minuten einen auf durchgeknallten Irren machen, Fenster, zu hallo Nachbarn. Besser abschalten, Radio weg, nicht mehr durch die Gegend fahren, keine Zeitung mehr, nicht mehr einkaufen gehen, nichts mehr sehen, hören, weg damit.

    Freie Selbstbestimmung, das mir laut Gesetz zustehende Recht. Was ist das eigentlich? Telefon überwacht, Emails überwacht, Kameras die alles überwachen, alles Gläsern, irgendwie „Hallo Frau Postbotin, wie sieht denn heute mein Konto aus, weiß nicht, hab noch nicht nachgesehen“. Also vollgesülzt überwacht frei entscheiden dürfen, ob und womit ich mir eins in die Birne jage und wenn nicht, so lange die Birne zubaggern lassen, bis ich schlafwandelnd zum Kühlschrank dackele. Lustig, jetzt wo ich es erkenne, ich habe die Lust darauf verloren, die Filme sind Nebensache, es geht nur um die Unwissenverteilung, ums Fernozapfen.

    Herr Jensen steigt aus, schön geschrieben. Was Herr Jensen alles wusste, ein ganz schön heller Kerl, aber namenlos, versteckt vegetieren, sich verschließen und abhauen vor dem Kram, ist das meine freie Selbstbestimmung? Nein.

    Ganz ruhig liebe Werbeleute, Herr Jensen ist nicht da, erfunden, aus einem Buch, wir brauchen uns alle, ich lebe von Euch, Ihr von mir, wir ziehen alle an einem Strang, nur, an einem Ende ist noch einer, ein Absaufender, der ehemalige Selbstbestimmer, der ist jetzt nur noch der Kranke mit dem blauen Punkt, ein Abfallprodukt, braune Tonne, Deckel zu, recycelbar, Abholung Mittwochs, alle 14 Tage.