Hallo zusammen,
heute war ein dummer Tag, bin leider blöd ausgerastet, abgestürzt. Sie ist nicht da, wenn ich sie einmal dringend brauche, wenn ich nur einen vertrauten, Mut machenden Blick benötige, egal, wir können nicht darauf bauen und haben unsere Mittel, es ist wie es ist, es ist alles in uns, so oder so.
Bin auch auf Tour, bis nächste Woche kaltblut
Es ist die Liebe, die Hand in Hand mit „Ihm“ zusammenarbeitet, zwei unheimliche heimlich Verbündete.
Die Liebe, die kann einem ganz schön was wegknallen. Wegknallen, nicht im Sinne von Knallen, von Päng, sondern eher so von, der braucht mal was vor die Klatsche, eine geklatscht. Es sagt aber keiner was, es sagt keiner gleich kommt das Dachende, es ist wie bei „Ihm“, es sagt keiner was und wenn einer was sagen würde, wir wären taub, blind, doof.
Das ist ja nun mal so, sie macht uns unempfindlich gegen alles, lässt den größten Mist als zuckersüße Küchenstückchen in unserem Bauch herumtanzen und wir tanzen, einfach so auf der Straße, am helllichten Tag und freuen uns wenn andere dumm schauen. Wir glauben dann alles unbeschadet überstehen zu können und die anderen, die können unsere Liebe sogar noch sehen, fühlen, schmecken, grabschen, vielleicht sogar mit dabei sein? Quatsch, da bin ich zu schinant, Gardinen zu, Rollläden runter, Fenster zu, zumal „Er“ ja schon mit in der Kiste lag, unbemerkt und hämisch grinsend.
Die Liebe, die hat was und mal ganz ehrlich, ist es nicht ein herrliches Gefühl, auf zwei Turtelnde zu treffen, denkt man da nicht gleich: die Glücklichen und hebt ein kleines bisschen mit ab? Manch einer meinte: so etwas wie Euch habe ich noch nicht erlebt, unglaublich, da habe ich mein Leben lang von geträumt und strahlte, einfach so, auf dem Dach, 14. Stock, ohne Netz. Neulich sah ich einen Ü50 mit einer U30, Händchen haltend, verträumt daher schlendern und dachte: die Nächsten, hier geht es zum Dach, bescheuert.
Gut, es gibt viele Schmerzen in einer Partnerschaft, in einer Beziehung, in eine Ehe, aber nach einem kompromisslosen „Jawort“, einem bis ans Ende, auf immer und Ewig? Es ist schmerzhaft, wenn jemand geht, uns verlässt, weil sich die Richtung ändert, weil sich die Wege trennen oder weil jemand für immer geht, das tut weh. Liebe verlieren, Behaglichkeit, Gewohnheiten, Wohlstand, Existenz, Träume, immer für einen mehr, als für den anderen. Der, der geht hat seine Entscheidung getroffen, das war es, er geht seinen Weg, so oder so, hat in diesem Augenblick losgelassen. Der, der verlassen wird, wird abgeschnitten, hat nichts zum Festhalten, nicht zum Loslassen, er schwebt im Raum, wie nach dem blinden Tanz auf dem Dach.
„In Liebe Fallen lassen“ was für Worte. Ich meine Frau aufgeben, fallen lassen, wegen dem Arsch? Wie komme ich denn dazu, sie liebt mich, steht hinter mir, ich liebe sie, stehe das mit ihr durch, die Liebe ist unzerstörbar stark und stärker als ein dünnes, ein dickes oder armstarkes Band, ein dickes tragendes Stahlseil. Die Liebe ist stärker, unkaputtbar, niemals gebe ich sie auf. Ich meine geliebte, mich heiß umschlingende Frau wegschuppsen, vom Dach schuppsen, damit ich nicht mit runterfalle, damit sie nicht fällt? Haben wir halt ein paar Schmerzen - und, es gibt Leute die zahlen dafür, das gehört einfach zum Leben, da müssen wir durch. Wer hat sich diesen Scheiß eigentlich ausgedacht?
Schmerzen? Das waren keine Schmerzen, das waren nasse, in Salzeimer gesteckte, über den Zungen eine Ziegenherde hängende, tagelang abgeleckte Füße, oben rum schob sich langsam, Millimeter für Millimeter eine platsch machende Dampfwalze über den Körper und um die Mitte hüpften die Engelchen mit den Worten; loslassen, einfach loslassen und rissen sie im Sekundentakt immer mehr aus mir heraus.
Wir sprechen hier nicht von: das darfst du nicht, mach das nicht, das sollst du nicht, wir sprechen hier von sein lassen, einfachem, unbereutem sein lassen, wie bescheuert kann man denn sein? „In Liebe fallen lassen“, alles zu geben und dafür noch eins auf die Fresse kriegen? Etwas wollen müssen, was man nicht will, um es guten Willens zu wollen, was ein Schwachsinn.
Welche Ironie da drin steckte. Welche Ironie in mir steckte. Welche Ironie in ihr steckte, als „Er“ mich triumphierend aus ihrem zarten Gesicht anlächelte.
Wann es vorbei war? Nie. Wenn ich „Ihn“ sehe, dann ist es als müsste ich gleich um mich schlagen, wenn ich an sie denke, dann ist es als kommt das kasteite Kastrierte langsam vom Bauch, die Speiseröhre in den Mund gekrabbelt und ich frage mich: was geht da ab? Wenn ich mit ihr telefonierte, da stieß ich auf den erbitterten, abstoßenden Hass der Abgestoßenen und reagierte mit Abwendung gegen „Ihn“. Liebevoll sind die Gedanken an die neuen Super-Blades, die aus der Fernsehwerbung, mit denen möchte ich bei ihm neue Filletiertechniken ausprobieren, an jedem einzelnen Häutchen.
Als ich das erste Mal mit der lieblichen, vertrauten, gefassten, sicher stehenden und dem Hamsterrad entlaufenen 1. Stimme Kontakt hatte, da durchlief mich ein wilder, wehmütiger Strom heißen Verlangens, da kannte ich seine grinsende Fratze noch nicht, jetzt probier ich mal das große Steinschneidende aus.
Wir stehen auf der 86. Etage des Empire State Buildings, nicht ganz oben, aber in Schwindel erregender Höhe, einem Monument der Geschichte, aus ihrer Lieblingszeit, ihr Traum. Die Kids drehen ihre Runden, die Speiderchips voll knipsend, der Wind bläst uns zart ins Gesicht, der Straßenlärm dröhnt von den klitzekleinen Fahrzeugen bis nach oben, welch ein gigantisches Ausblick, was für ein überwältigendes Gefühl und ihr zarter Körper schmiegt sich erholsam an meinen, wir berühren uns, küssen uns, schließen die Augen und genießen den freien Fall.
„Sie“ lässt uns wieder tanzen, auf dem Dach, Schritte die wir noch nie probiert haben, federleichte, geisterhafte Bewegungen im Rhythmus der gigantischen nie schlafenden Stadt, alles bewegt sich, 24 Stunden, „Sie“, diese Liebe. Sie flüstert uns glücklich, sanft und erotisch ins Ohr, wir tanzen weiter, über den Köpfen all der kommenden und gehenden Besucherscharen, über die hohe Absperrung hinweg , wir sind in einem mächtigen unaufhaltsamen Aufwind, eng verbunden, unsere Träume rauschen an uns vorbei, über 320 Meter freier Fall, das sind über zwei Sprünge vom Kölner Dom, purer freier Fall und das Altimeter an unseren Handgelenken piepst schrill, blink wild mit roten digitalen Lettern, in „Seiner“ unbekannten Sprache, CoCoCo, wir merken es nicht, platsch, Doppelplatsch. „Sie“ weint, „Er lacht“, wir hin.