Hallo an alle die mich noch kennen oder auch noch nicht,
die letzten Wochen schaute ich oft auf meine Gedanken und Gefühle zum Thema Alkohol. Nun bin ich über 3 Jahre trocken.
Ich schaute als erstes auf den Stellenwert.
Alkohol kommt heute in meinen Gedanken vermehrt vor wenn ich mich hier in Forum bewege. In meinem normalen Alltag spielt er fast keine Rolle mehr. Ich bemerke ihn heute Hauptsächlich im Fernsehen. Angemacht werde ich davon fast gar nicht mehr, da ich mich davon nicht mehr beeinflussen lasse. Oft habe ich nur das Gefühl, das die Alkohollobby einiges dafür tut in sehr vielen Beiträgen ihre Produkte zu zeigen. Alkohol ist im TV so gegenwärtig geworden wie die Luft zum Atmen. Schlimme Zeiten für Trocken werdende.
Alkohol und Verzicht.
Auch heute verspüre ich in wenigen Lebenssituationen noch den ein oder anderen Verzichts Gedanken. Nur jetzt tue ich mir nicht mehr selber leid dabei. Ich habe es verstanden, das es zum Krankheitsbild eines Alkis wohl noch eine Weile dazugehört. Ich habe gelernt, zu schauen, was diesen Verzicht hervorruft. Oft sind es ganz banale Dinge. Situationen die früher mit sehr viel Alkohol begleitet wurden. Dieser Verzicht kommt meistens aus der jahrelang erlernten Symbiose zwischen Alk. und Handlung. Diese Symbiosen gilt es heute zu erkennen und zu trennen. Darin liegt zur Zeit meine größte Aufmerksamkeit. Ich empfinde manchmal ein Unterwandern meiner bewussten Gefühle und Gedanken.
Alkohol und Tagesgeschäft.
Ich zähle mich immer noch zu den süchtigen Lusttrinkern.
Trotzdem erkenne ich heute oft, in bestimmten erlebten Situationen, mir auch Frust weg getrunken zu haben. Stress auf der Arbeit, Ärger zu Hause ließen mich schneller zur Flasche greifen. Nun habe ich nüchtern oft erlebt, das die einzelnen Situationen durch den stetigen klaren Blick oft nicht mehr so scharf rüber kommen. Das erleben der gestressten Situation ist heute wesentlich anders. Die Gelassenheit hat heute Vorrang.
Diese Gelassenheit ist proportional zum älter werden und der Dauer der Nüchternheit gewachsen. Stresssituationen gleiche ich heute damit aus, das meine Gedanken in Richtung „Egal“ gehen.
Heute erkenne ich sehr wohl, das jeder Mensch ersetzbar ist. Auch wenn der einzelne Mensch das so gar nicht für sich erkennen möchte. Also ist auch Stress mit seinen Komparsen ersetzbar. Die Situation bleibt eben die gleiche nur die Hauptdarsteller sind auswechselbar. Was für ein befreiender Gedanke.
Alkohol und Hobby
Bevor ich süchtig trinken musste ( das „müssen“ verstehe ich heute auch) hatte ich viele schöne Hobbys. In vielen Jahren der süchtigen Trinkerei verloren alle jeglichen Stellenwert. Ich war in meinem Handeln dermaßen eingeschränkt das es nur eine Schlussfolgerung gab. Mehr trinken. Was für ein schlimmer Kreislauf. Im ersten Jahr meiner Trockenheit suchte ich daher sehr intensiv nach einem ausgeglichenem Hobby. Manche Dinge die ich in jüngeren Jahren machte waren jetzt nicht mehr ohne Schwierigkeiten umzusetzen. Nach ein paar Fehlversuchen mit neuen Hobbys besann ich mich auf Dinge die ich schon immer mehr oder weniger machte. Auch sollte es zu meinem Wohlbefinden passen. Nun bin ich wider sehr aktiver Hobbyfotograf. Darin sehe ich für mich eine Aufgabe, die ich noch lange bis ins hohe Alter machen kann. Es fordert vor allem meine kreative Tätigkeit. Den Gegenpol bietet mir seit langem das beschäftigen mit Computern an. Immer wieder die eigenen Interessen voranzutreiben, im Neugierig sein, sind heute für mich ein wichtiger Bestandteil der Trockenheit.
Alkohol und Zufriedenheit.
Heute für mich zwei absolute Gegensätze die nicht auf einen Nenner gebracht werden können.
Alkohol und Zukunft.
Das ist für mich ein schwieriges Thema. Immer wider schaue ich dabei auf das Heute. Das gestern mit Alkohol kenne ich zur Genüge. Das jetzt ohne Alkohol gefällt mir ausgesprochen Gut.
Nur wird das alles reichen um in Zukunft auf den Alkohol zu verzichten. Noch immer steht es für mich in den Sternen. Heute schaue ich manchmal eine Woche zurück. Oft, sehr oft, empfinde ich Zufriedenheit. Der Alkohol fehlt nicht. Ich vermisse ihn heute nicht mehr. Doch es wird immer das Restrisiko bleiben. Das bewusste Erkennen, das es ganz schnell wieder Vorbeisein könnte
lässt mich manchmal mit gemischten Gefühlen in die Zukunft blicken.
Lieben Gruß an alle die es bis hier geschafft haben.
Nobby 