Beiträge von Petter

    Hallo Catilina,

    ich habe gerade deine Beiträge von Beginn an gelesen. Ja, es ist schwer und ich kann nachvollziehen, was dich treibt. Offenbar hast du stets das richtige Maß an Hilfsbereitschaft und Zuwendung aufgebracht um zu helfen, aber dich nicht aufzureiben. Am Ende hast getan, was du tun konntest und musstest, um dich zu schützen. Darum hast du ihn schließlich vor die Tür gesetzt: mehr ging nicht. Auch wenn du ihn sehr magst, kannst du jetzt nicht mehr tun, als du getan hast. Ich würde versuchen, die ganzen Überlegungen was wieso warum sowie Trinkmengen oder andere Frau endgültig beiseite zu legen. Es wird DIR nicht helfen, du wirst im Gegenteil weiter in einem Karussell kreisen, das kein Ziel hat.

    Mit dem Rauswurf hast du die Möglichkeit eines Neuanfangs auf den Weg gebracht. So wie er sich um sich kümmern muss, musst du dich um dich kümmern. Nutz´diese Chance! Du bist auf dem richtigen Weg. Manchmal bedeutet Liebe auch, loslassen zu können. Für ihn, für dich.

    Peter

    Woher man kommt - und wohin man will. Das waren meine Gründe für eine Therapie.

    Zurückblicken mag manchmal weh tun, aber es klärt einiges und ist damit einer der wichtigsten Bausteine für ein nüchternes und zufriedenes Leben.

    Zurückblicken - Verstehen - Vorbeugen.

    Davor muss man nun wirklich keine Angst haben.

    Glückwunsch zu Tag 17!

    Peter

    Liebe Freunde und "Mitleidenden" ;) - das ist so nett und tut wirklich gut, vielen Dank!

    Ich habe schon an früherer Stelle geschrieben, daß AA mein Leben begleitet. Sporadisch lese ich hier und da drin, und dann fällt mir das ein oder andere vor die Füße, das mich richtig anpiekst. Heute morgen war es das Thema "Dankbarkeit, Demut, Akzeptieren".

    "Sich zurücknehmen" war mein gesamtes nasses Leben nicht drin. Erst als ich begriffen habe, daß ich dem Alkohol verfallen bin, er mich fest im Griff hatte und dabei war, mich umzubringen, habe ich umsteuern können. Voraussetzung dafür war, daß ich mich zurücknehmen und eines Tages sagen konnte: "Peter, bis hierher und nicht weiter - oder es ist vorbei." ... Ich klappte tatsächlich zusammen und heulte einige Stunden, weil es weh tat zu erkennen, daß ich jahrelang Mist gebaut hatte und nun alles zusammenbrach. In diesem Augenblick habe ich akzeptiert, daß ich bin, wie ich bin.

    Damit wurde alles leichter - und was danach folgte, war ein wunderbares Aufstehen aus meiner alkoholischen Lebenspfütze.

    Für die schlimmen und schmerzhaften Erlebnisse in meinem trockenen Leben, von denen es für mein Verständnis einige zuviel gab, habe ich ebenfalls dieses Akzeptieren gelebt: mit Sätzen "Es ist, wie es ist." habe ich mich zurückgepfiffen, mein Ego runtergeschraubt, mich nicht so wichtig genommen. Ich habe geschaut, wie es anderen Menschen in ähnlicher Lage geht und versucht durchzustehen und nach übermorgen zu schielen. Das hat bis heute funktioniert. Ohne Alkohol und ohne Gedanken an Alkohol. Meine Dankbarkeit dafür steht ganz oben in meinem täglichen Leben.

    Ich zitiere mal aus einem Lied von Grönemeyer, weil es einfach so schön passt und mir geholfen hat, Schrecken zu überwinden und positiv zu denken.

    "Und der Mensch heißt Mensch

    Weil er vergisst

    Weil er verdrängt

    Und weil er schwärmt und stählt

    Weil er wärmt, wenn er erzählt

    Und weil er lacht

    Weil er lebt"

    Danke fürs Lesen,

    Peter

    Hallo Fibonacci,

    herzlich willkommen im Forum auch von mir. Hier bist du richtig!

    Ich gratuliere zu deiner Entscheidung und nun 14 Tagen ohne Alkohol. Ich habe ungefähr in deinem Alter aufgehört und bin nun gute 15 Jahre trocken.
    Heute früh wollte ich etwas in meinem Thread schreiben, aber ich fange mal bei dir an.

    Du schreibst sehr reflektiert und es wirkt auf mich, daß du weisst, was du willst und das du es ernst mit dir meinst. Es steckt mehr in deiner Vorstellung, Fibonacci, auch wenn du es vielleicht noch nicht wahrgenommen hast. In deiner Vorstellung steckt eine gute Portion Dankbarkeit, daß du vom Gift lassen wolltest und konntest. Mit dieser Dankbarkeit hattest du Rückenwind und konntest den bösen Traum beenden. Dankbarkeit und Achtung vor dem haben, was man hat, egal ob Familie, Umfeld, Arbeit oder was auch immer: das ist für mich ein ganz wichtiger Baustein für mein trockenes Leben.

    Toll gemacht. Ich freue mich, mehr von dir zu lesen!

    Peter

    Danke, liebe Linde. Ich bin es auch. Als ich das heute früh schrieb, war mir fast schlecht.
    Anfänglich hatte ich eine enorme Wut und auch Hass auf diese Zahnärztin. Irgendwann wurde es anders, ich wollte mich nicht mehr damit belasten und gab es einem Anwalt. Ganz davonkommen lassen werde ich die Dame nicht, das kann ich dann doch nicht zulassen ;) und vor allem habe ich nüchtern die Nerven und den langen Atem dazu. Das wäre ganz anders, wenn ich aus Verzweiflung wieder mit dem Trinken angefangen hätte. Hab´ich aber nicht und dafür geb ich mir ein "Hurra!" :))))

    Liebe Freunde!


    Gestern vor einem Jahr hat mir eine Zahnärztin meinen Gaumen mit einem Laser verbrannt. Die Folgen und Schmerzen waren so grausig, daß ich das erste Mal seit meinem trockenen Leben an Suizid dachte, und das jede Nacht. Nicht mal an Alk konnte ich wirklich denken, so verzweifelt war ich. Hinzu kam eine erschreckende Kaltschnäuzigkeit der Zahnärztin. Erst im Krankenhaus wurde mir dann geholen, aber zwei Wochen lang befürchtete man, daß der Gaumen nicht wieder zuwachsen könnte. Ich war zutiefst verzweifelt und massiv unter Schmerzmitteln. Nach sechs Wochen Behandlung konnte ich wieder arbeiten und ohne Schmerzmittel leben. Es war das bis dahin schrecklichste Ereignis meinem Leben. Bis zum 14. Juli, als die Flut mein Tal und Dorf zerstörte. Das fordert mich aber vor allem seelisch. ... Um die Zahnärztin kümmert sich nun das Landgericht. Um die Folgen der Flut muss ich mich selber kümmern, aber auch das schaffe ich. Trocken, nüchtern und mit ganz klarem Kopf. Auch in Dunkelheit und Verlorensein trocken bleiben können: das macht mich unendlich froh und glücklich.

    LG, Peter

    Hallo Tami,

    das hört sich wunderbar an. Du hast dir etwas Gutes getan und du hast dich einer Freundin offenbart. Also hast du dir im Grunde zweimal etwas Gutes getan! Auch ich habe anfangs die Erfahrung gemacht, daß es nicht wenige Menschen gab, die genau wussten oder zumindest ahnten, was mit mir los ist. Mit diesem Treffen und durch deine Ehrlichkeit und Offenheit hast du einen weiteren, ganz wichtigen Schritt getan! Glückwunsch!

    Die Eigenschaft egoistisch ist leider meist negativ besetzt. Warum eigentlich, habe ich mich schon öfter gefragt? Wer auf sich achtet und klar seine Grenzen aufzeigt, handelt verantwortungsvoll. Du musst dir keinesfalls sagen lassen, du würdest übertreiben, seist hysterisch und übergriffig. Diese drei Attribute passen übrigens prima auf einen nassen Alkoholiker.

    Nein, Tami. Du sorgst für dich, und das ist richtig, denn es geht ja um dein Leben. Nenn´es doch gesunden Egoismus, das hört sich schon besser an und zeugt von einer gehörigen Portion Mut und Zielstrebigkeit. Und diese zwei Attribute passen doch prima auf einen trockenen Alkoholiker, finde ich.. :)

    Viele Grüße,
    Peter

    Hallo Dante,

    danke für deine Gedanken dazu. Er ist nicht im Fahrdienst, aber dennoch mein Kollege.

    Mittlerweile denke ich, er ist noch längst nicht soweit. Er sieht nichts ein, er will keine Hilfe. Das wird der AG zu nutzen wissen.

    Jeder hat seinen persönlichen Tiefpunkt und seiner ist scheinbar noch etwas weiter entfernt.

    Peter

    Hallo Tom!

    Herzlich willkommen auch von mir. Schön, daß du hier bist. Dein Satz "Ich komme mir manchmal vor wie ein kleines Kind was die Welt erkundet." kommt mir sehr bekannt vor! Wunderbar gesagt :)

    Ich wünsch dir hier ein gutes Ankommen. Lies dich ein und durch, hier gibt es unendlich viel zu entdecken.


    Viele Grüße, Peter

    Ja, Cadda. Das dachte ich auch, es ist zumindest eine kleine Chance.



    Ich hatte in Berlin mal einen Bekannten, der genauso roch: immer nach Hochprozentigem aber immer gepflegt und freundlich.

    Mit einem Mal war er tot, mit MItte dreissig. Ich glaube, das hat mich in diesem Fall getriggert.

    Noch hat er nicht mal begriffen, daß es Türen gibt. Er ist noch längst nicht soweit.


    LG Peter

    Das ging ja schnell mit den Antworten! Ich danke euch!

    Ich tue mir ja nichts an, den Kollegen auf seinen Alkoholkonsum hinzuweisen. Und ich tue mir auch nichts an, wenn ich darüber nachdenke.

    Natürlich werde ich nichts über mich erzählen.


    Als ich trocken geworden bin, habe ich mir vorgenommen, einem nassen Alkoholiker nie dir Tür zuzuschlagen, auch wenn er noch nicht soweit ist, ehrlich über seine Lage nachzudenken. Ich habe die Scham nicht vergessen, die ich selber täglich durchlitten habe.

    Er wird seine Arbeit verlieren. Die Firma weiss, wie uneinsichtig er ist. Er verpasst seine Chance, Arbeit und Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Dabei hat die Firma gute Programme und Hilfsangebote. Das schmerzt mich, aber ich kann da nichts machen.

    Ich will aber ein offenes Ohr für ihn haben, wenn er soweit ist.

    Lieben Gruß, Peter

    Guten Morgen Freunde,

    danke für Eure Tipps! Die Vorarbeit im Kopf ist richtig spannend. Aus der Idee wird etwas, wenn man es weiterspinnt. "Wieso, weshalb, warum?" kennen wohl die meisten noch von der Maus, aber es sind drei ganz wichtige Wörter. Ich habe "einfach" mit einem Vorwort begonnen und auch die Form des Projektes "Buch" nimmt langsam Gestalt an. Die Menschen zu Wort kommen lassen, das habe ich mir vorgenommen.

    Die Hauptfiguren zu finden ist nicht leicht. Ich brauche Mut, die Menschen anzusprechen, die mir spontan und bei weiterem Nachdenken eingefallen sind. 15-20 habe ich aufgeschrieben und denke bei jedem einzelnen nach, wie ich vorgehe. Drei Zusagen habe ich schon :)

    Ich empfinde Erleichterung, daß ich etwas gefunden habe, mich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ich habe aber zugleich sehr großen Respekt vor der Verantwortung, denn es ist durchaus möglich, daß meine Gesprächspartner (und auch ich) einige Dinge nur schwer verkraften. Schließlich bin ich kein Psychologe. Ich muss acht geben, wo ich eine Grenze entdecke oder jemand überfordert wird.

    Peter