Liebe Freunde,
das geht mal wieder alles soo schnell ... und *schwupps* ist Februar! Noch immer ist es morgens dunkel, noch immer regnet es meistens. Aber irgendwie gibt mir dieses Datum auch ein Gefühl von "Geschaft!" ... Der Januar ist immer einer der trübsten Monate. Fast den ganzen Monat war ich der Arbeit fern, gestern war mein erster Arbeitstag nach dreieinhalb Wochen Erschöpfungspause und Tinnitus-Unterbrechung.
Gerade in der letzten Woche ging es mir immer besser. Der Mut kam wieder, die Zuversicht. Allein in den ersten 14 Tagen des Januar war soviel los, daß ich meinem Körper nicht hätte zumuten dürfen. Aber manchmal kommt es eben einfach so und man hat kaum Einfluß auf das, was geschieht. Neuer Arbeistvertrag, Kündigung, Hausverkauf, neue Wohnung... und dann stehen noch Umzug an und Aufräumen und Abschied nehmen und Eingewöhnen. Aber ich mache das nun Stück für Stück, bloss nicht zuviel auf einmal. Mein Ohr hat es gedankt... der Tinnitus ist fast weg, auch das laute Scheppern im Ohr hat sich davon geschlichen. Es war ein Warnruf meines Kopfes und meines Körpers... Bis hierhin und nicht weiter! Darauf werde ich in den nächsten Wochen und Monaten viel mehr achten, auch wenn das nicht einfach ist.
Draussen baggert und scheppert und piept es. Riesige Baugeräte machen irgendwas... am AhrUfer, an den Wegen und den Gleisen. Acht Häuser in meinem Dörfchen müssen noch abgerissen werden, acht Häuser, die man immer gesehen hat. Ich weiss nicht, wieviel Häuser nun fehlen, ich kenne nur noch die neue Kulisse des Dorfes, die vollkommen anders ist, als zuvor. Hinter diesen Abrissen stehen schlimme Einzelschicksale und zusammen ist das ein kollektiver Supergau, der uns allen das Maximum an Kraft und Nerven abverlangt.
Auf den Tag meines Abschiedes freue ich mich. Hier gehöre ich einfach nicht mehr hin.
Gestern hatte ich ein längeres Gespräch mit einer Kollegin, bei der ich ein Alkoholproblem vermute. Jedenfalls riecht es immer nach Schnaps, wenn sie in der Nähe umherschwirrt. Sie berichtete mir von einer Wurzelentzündung und wie sich das entwickelt hatte. Vor Weihnachten sollte sie Antibiotikum nehmen - aber "Wie soll das gehen, Peter? Weihnachten und Feiern und Antibiotikum passen nicht zusammen! Also musste ich mich entscheiden zwischen Antibiotikum und Alkohol." - "Und du hast dich für den Alkohol entschieden." rutsche mir da raus. Genauso war es dann auch, die Entzündung hat sich ausgebreitet und heute muss sie operiert werden.
Ich war ganz ähnlich drauf, als ich noch gesoffen haben. Aber ich habe einfach beides gemacht: Alkohol + Antibiotikum. Nur hat das einfach nicht so gewirkt, wie es sollte.
Es ist schon erstaunlich, was man als Suchtmensch bereit ist, mitzunehmen: Krankheiten,bei denen sogar eine Blutvergiftung droht.
Was bin ich froh, vom Alkohol weg zu sein und solche kranken Entscheidungen nicht mehr treffen zu müssen!
Peter