Lieber Raucher, Ex-Raucher und Nichtraucher,
das ist ein gutes Thema. Es gibt so einige Verhaltensähnlichkeiten beim Rauchen im Vergleich zu anderen Abhängigkeiten, wie Alkohol oder Cannabis. Die Suchtverlagerung lasse ich mal etwas beiseite - die liegt ohnehin auf der Hand. Bei mir verlagerte sich das am Anfang zum Sport. Aber Suchtverlagerung ebbt eigentlich irgendwann wieder ab. Beim Rauchen wird das jedoch schwer.
Die für mich auffälligste Ähnlichkeit zur Alkoholabhängigkeit ist beispielsweise die Bevorratung, die ich immer wieder beobachte und erzählt bekomme. Morgens keine Kippen im Haus? Undenkbar. Da krabbelt Mann oder Frau lieber abends noch aus dem Bett, um sich anzuziehen und "schnell" Kippen für den nächsten Morgen zu holen. Sogar, wenn es draussen regnet. Ein Glück, wenn man einen Hund und damit Grund hat, nochmal das Haus verlassen zu "können"
... Was für ein Aufwand. Das ist nicht rational, oder? Oder der Satz: "Ich kann ja jederzeit aufhören." ... Das mag stimmen, was den unbestimmten Zeitpunkt angeht, aber das war es dann auch schon mit der Freiheit, einfach aufhören zu können. Das geht eben nicht so einfach, sonst würden viel mehr Menschen mit dem Unsinn Schluß machen. Das Suchtpotential von Nikotin ist enorm, es wirkt halt nur nicht besonders lange und darum greift man immer wieder "mal" zu einer Zigarette. Bei mir waren das "mal" am Ende 40-50 Zigaretten.
Beim Kiffen kehren sich all jene "Erscheinungen" von Cannabis-Konsumenten im Laufe der Jahre ins Gegenteil, wegen derer sie mal mit Zeug angefangen haben: zur Ruhe kommen, einschlafen können, relaxen. Einsicht? Nein. Meist ist die Welt schlimmer geworden, am Konsum aber liegt es nicht und weil ja alles so schlimm ist, wird sich weiter betäubt. Ein Hamsterrad.
Man könnte diesen armen Rauchern drastisch sagen: was auch immer ihr macht: es löst sich in Luft auf. Das Rauchmaterial, aber auch eure Gründe, es zu tun und euer Geld: *puff* und weg ist alles schön geredete Zeug für den kurzen Augenblick des Genusses. Es interessiert sie aber nicht, denn die Sucht hat sie voll im Griff und lächelnd stecken sie sich die nächste Kippe an.
Ich war mir am Ende meiner Rauch-Karriere dermaßen zuwider, weil ich aus jeder Pore nach Qualm stank, daß ich Auswege suchte und besonders, weil ich hustete, ohne krank zu sein. Ich musste erleben und erkennen, daß es wirklich verdammt schwer ist, damit Schluß zu machen. Bis heute empfinde ich meinen Ausstieg vom Rauchen viel schwerer als meinen Ausstieg vom Saufen. Alkohol hat mein Leben natürlich viel grausamer beeinträchtigt, als das Rauchen. Aber die Sucht war nicht weniger und das Ende schwer. Es musste, und das war meinem Alkohol-Ende ähnlich, im Kopf *klick* machen. Ich hatte eine Art Sättigungspunkt erreicht und mir gesagt: "Warte ab, hab´es im Kopf und such dir den richtigen Zeitpunkt." Bei der nächsten starken Erkältung habe ich die Gelegenheit genutzt und immer Tag für Tag auf die Kippe verzichtet. Vorher habe ich immer wieder im Buch "Endlich Nichtraucher" gelesen, was ich mir als Vorbereitung für den Tag X besorgt hatte. Immer und immer wieder habe ich darin gelesen und vieles nicht so recht verstanden, aber ich habe es einfach gemacht und mich von Augenblick zu Augenblick gehangelt. Mein Stolz war schon am ersten Morgen nach einem Tag ohne Kippe riesig. Anderer Geschmack im Mund und der Wunsch nach einem Tag "mehr" ohne Nikotin. So genoß ich meine starke Erkältung sehr, weil ich sie benutzt habe, um diese Sucht loszuwerden. Das hat bis heute gehalten - und das war 2004
Ich muss gerne zugeben, daß mir der Erfolg Auftrieb gab und Mut machte, auch meine Alkoholsucht anzugehen. Das hat dann zwei Jahre später geklappt.
Wer sich Gedanken macht, aufzuhören:
1. Such dir einen guten, einen "richtigen" Zeitpunkt aus, der dir
2. ermöglicht, das ohne Beeinflussung von außen durchzuziehen.
3. Geniess jede Minute und bei Rauchdruck denk daran, warum du das erfolgreich beenden möchtest. Ziele setzen hilft.
Ein gutes Thema, danke dafür. Nun bin ich weiter sehr gespannt, was andere dazu schreiben!
Lieben Gruß,
Peter
PS: Sehr bezeichnend ist der immer wieder gehörte Vorwurf von Rauchern: "Ehemalige Raucher sind die schlimmsten Nichtraucher!" .. Dieser Spruch hat mich jahrelang genervt, weil er so dämlich ist. Heute sage ich dann: "Ich war auch mal nikotinabhängig. Ich kenne jede deiner Ausreden." und dann ist meist Ruhe. 